Skip to main content

Full text of "Realencyklopädie der christlichen Alterthümer Bd. AH"

See other formats



Real-en cyklopädie 
der christlichen alterthiimer 




Franz Xaver Kraus, Joseph Alexandre Martigny 





ANDOV£R-H ARVARD THEOLOGICAL UARARY 
MOCCCCX 

CAMBRIDGE, MASSACHUSETTS 



EEAL-MCYKLOEADIE 

DER 

GHBISTLIGHEN ALTERTHÜMEß. 

UNTER MITWIRKUNG 
HEHBEBEB FICHGENOSSBN 

BBABBEITET USD HSRAU8GS0EBSN 

vox 

F. X. KRAUS, 

BooroB DB moboaiB ram db nwimnaM, 
o. 5. ptovmoB i»>B xatoumniOBHnRni jui dbb ovitimitIt nmBOM». 

MIT ZAHLREICHEN ZUM QROsSTEN THEIL MARTIGNY'S DICTIONKAIBB DIB 
13TTIQU1T^ CHR^IENKES £^T^OMM£&EN HOLZSCHNITTEN. 

ERSTER BAND. 




FREIBÜK6 IM BREISGiü. 
HEBDSB'SCHE YERLAOSHANDLUl^G. 

1882. 

ZWEIOari£BEBLA88U2iO£N IM STRASSfiCBO, XOXCUEN UND ST. L0U18» JIO. 



Digitized by Google 



Dm B«eht der Vebenelmiif in firend« Spraeben wird vorbehalton. 



BaleMd according to Act of Congress, in the year 1882, by Joseph Giimmerabaeh of the fim 
of B« Herder^ 8t. Lonü, Mo., ia the Office of the LibmUa of Coogress 

al WMington, D, C 



Baehdrackerel der Uerder'schoa Verlagiluodiuag la Fnibnrg. 



1 

- iJ 



Digitized by Google 



VORBEDE. 



I)as Studium dir clirist/iclu-u Alterthihner, vor rimm Menschenaltrr noch 
dir NeheuhcschüftUjuuij uvuiger (1 vi ehrt tu , ja fast nirf/cuil lu unifassrudt r und 
methodischer Weise betrieben , hut seil dm letzten dreissiy Jahren einen un- 
geahnten Aufschwung genommen : die ijrossartigen Entdeckungen in den römischen 
Katakomben nahmen die Aufmerksamkeit aller Gebildeten £uropa's in Anspruch, 
und jene BuhestäUen wuerer ehritiUeken Vorfahren, von denen Goethe noch 
als von einem hd^d unerfreuUcken (hie tprackf werden jeltxi al^fähfiieh von 
Taueenden ttaunender Reisenden besucht. Die VorsteUungen von den Zuständen 
der aUekris&idten Welt haben eine merheSrdige Umieondlung erUtten, die nicht 
okne Folgen für die unesenedusfUi^ und rdigUise WeUauffamii^ der Zu^ 
kunft sein kann. Es darf somü nicht Wunder nehmen, wen» von versehiO' 
denen Seiten der Versüß gemacht wurde, die Mdter dumcft die Detailfdirschung 
geteonneneti Ergebnisse zu einer Gesammtdarstell uug cu i ereinigen, — ein Ge- 
danke, den currst Martigug in Frankreich erfasst und ausgefilhrt , den dann 
der l'trlnjfr dieses Werkes auch für Deutseldand aufgeuonniifii hat. Niehl 
ohne Hedenken habe ich mich dieser ArbeU unterzogen. Es konnte mir nicht 
entgehen, wie gewagt es erscheinen müsse, auch nur das vorläufige Facü einer 
so ßingen Wissensduiß ziehen zu wollen; wie schwer es sei, ein so umfassendes 
Gebiet auch nur annähernd zu übersehen, geschweige zu beherrschen; es war 
mir meM unbdtannt, wie vide gerade der sduoersten FhtUeme noch ungdöst 
vorliegen: ich musste sddiessUeh mich erinnern, wie vide undaMare, ermüdende 
Mühewediung ein Unternehmen forderte, das at^ Jahre hinaus meine Krv^ 
zum besten TheHe der unendlich reizvollem und anscheinend lohnendem For- 
schung sdbst entzog. Wenn ich gMckwd mich zur Uebemahme des Werkes 
verstand, so geschah es von der Encägung aus, dass ein wirkliches Bedürfniss 
für ein solches vorliege. Die Schwierigkeit , der man ii mentalen wie der litterarischen 
(Quellen der christliehen Archäolof/ie hahliaft iu tverdm, stellt sich Jedem, der in 
dieses Studium einzudringen crrsucht, e>dge'/eu , — Vielen uniUtersteiglich ; der 
Wust einer veralteten, zum Titeil unbrauchbar gewordenen und längst über- 

Digitized by Google 



VI 



Vorrede. 



unmdene Dinge forttmhrend tceiterttchleppemlen Litteratnr tritt hinzu, um dem 
Attjüiujir den HVy erschwerni. Der Erfolg, icelchen der Canon iats Martigny 
mit seinem ,Dictionnairi' des Anfi(/int<'s Chri'tiinnfs' uufzmreisen hatte, beides, me 
zeitgemäss eine solche Gesammtäa rdellnug unserer Discijdin sei ; und so entscIUoss 
ich midi zu einer solchen, welche die Thatsachen möglichst einfach und klar 
herausstdlen und, von Jeder persötüiclien Färbung absehend , (die einzelnen Er^ 
tcheinimge» des CuUur- und KunstMens der alten Ckrittenheit im Umfange der 
griediüeh-Himiedien Bildung un LidUe der neuetten Foradwngen attfumeen 
eoUie, Die Grundeätze, nach wddten hiebet 9u verfahren war, ergeben neft au$ 
dem Zwecke des Bvehee voh edbeL Es wurde demnodt das MittelaUer gänaHiA 
von der BetradAung auageadiUtsaen, und nur da komUen du Mterthümer desselben 
herangezogen werden, wo dies zur lüuahration der aUehrisUiidwn ZsU noihwendig 
war. Strenger als dies bei Martigny, besonders aber bei Smith und Cheetham, 
gcst lulitn ist, wurde aller Slojf uusgeschitden, der zunächst kirchen- und litterar- 
gi'srhirhi/ichcr Xdtitr ist, — eine Ausnahmt', und auch irol nur eine scheinbare, ist 
bloss für <li«' Christenmrfolgungen gemacht UHtrden , und zwar wegen der emi- 
nenten Bedeutung, welche dieselben für die gesammte christliche ÄUerÜiutnskunde 
haben, so dass hier eine erneute kritische (Irundiegung erforderlich schien. Was 
unsere Meal-Encgidopädie geben will, beschränkt sich also ottf die AÜertkümer 
der Verfassung, des Rechte, du CuUus, des Piivaäebens und der Kunst der 
ersten sechs Jahrhunderte der Christenheit, Aber aticA hier mussten, um dem 
BflfcA« seine riddige Stellung sm gdten, gewisse Oesiditspunkte vorwalten, andere 
zurüddreten: es konnte nicht daran gedadd werden, aus den Mommwnten altein 
ein ridiüges BUd cdtehrisUieher Dinge und Zustände zu entwerfen; wol aber 
sind es die Denkmäler, auf wdche hier in erster Linie stäs Bezug genommen 
wurde, im Gegensätze zu jener ältern Behandlung der christlichen Änhäologie, 
welche si<h fast nur auf litterarische Quellen stützte. 

Herr Martigny hat sein Werk allein geschrieben , iln- Herren Stnith und 
Cheetham arbeiteten im Verein mit etwa siebenzig Mitarbeitern. Auch icli zog 
es ror, <Ue Fachgenossen zu dieser Arbeit heranzuziehen: einmal, weil es nur 
zum VortheU des Unternehmens gereichen konnte, wenn die Speeialstudien jedes 
eittzdnen dieser Gelehrten hier zur Verwendung kamen, dann aber, weU ich mir 
wm einem derartigen Zusammenwirken zahlreicher Kri^ dm fruMringende 
Anregung und eine fär den Betrieb unserer duritÜidwn AUerthumswissensthc^ 
ertpriesdidie Concentrirung bidwr zusammenhangloser Bestrebungen twvprodk* 

Man konnte der Ansicht sein, dass eine systemaüsehe DarsteBung des Steffis 
vor der lexiktdisihen Form den Vorzug verdient hätte. Gewiss hätte jene BO' 
Irachtungsweise den Innern Zusammenhang des antik-christlichen Lelmis hesser 
und übcrsichtHihn- a}if weisen kUnw-n ; hier aber galt es zunächst, das writschichtige 
Material zu sammein, k-ritisch zu wiirdigm, die einzelnen Thatsachen festzustellen 



Digitized by Google 



TU 



und ein Repertcrium zu schajfen, ictlcJus der forfsrltreitenden Einzelforschung 
ein unentbehrliches Hiilfsmittel bieten soUte. Jener andern Aufgabe f der syste- 
matischen DarateUung der christlichen Archäohtjie, gedenke ich in mum Hand- 
buche näher zu treten, wdches der Real-Kwyklopädie fulgen sdl. 

Eine Pubüeaiian me die vorlügende konnk aelUtmrtiändUeh der lUutlratiaH 
durch arÜdit^ Beigaben nkM enMren, Die VerUtgshandlung hat daher eim 
Jsuahl Eolgeehnitte eehneiden kueen, andere sind uneerer fioma SoUemmeof 
tnHenommen, flr den grSseem TheU erwarb die VerlagAandlwig die ClidiSe der 
€75 flSriMMC«, weUhe die aneeite AutgtAe de$ Mai-tignt/ sehen DieUonnaire 
bereiten. Der Ankauf dieser C^iehSe bot den fnehi zu unteretMtzenden Vortheü, 
dass der Preis unserer Kurgklopitdie um die Hälfte ermdssigt werden konnte. 
Am Schlüsse des M'erkes uird hei dem Verzeichniss der Holzschnitte die Pro- 
venicnz der einzelnen Vorlagen angegeben irerden. Desgleichen soll daselbst eine 
UebersiclU der Litteratur der dirisÜicJien Archäologie folgen, welche die m dem 
Text gebrauchten Abkürzungen erklärt. 

Da die Beitrüge der eimeinen Herren Mitarbeiter unterzeichnet sind, über- 
nimmt der Heramsgther ntir die Verantwortung /Br die mit teinem Namen, eowie 
für die Heineren, regdmäeaig nicht unteraei^neten ArtikeL Zutätae zu den 
Aitfeätaen der MiteuMer eind regdmäeeig m Klammem [^] geeddoeaen und 
mit einem K eie von der Bedaetion herrithrend vermerkL 

Der mAfaeh ausgesprochene WumA, die seit Jahren angMndigte PubU- 
ecdion endlich venmrldicht zu sehen, hat die Veriagshandlung bewogen, die 
Encgklopädie in Lieferungen erseheinen zu lassen, deren erste wir hiermit der 
(Jt^fentlichkeit übergeben. Möge dieselbe bei Theologen wie Archtinlogoi^ hei Freunden 
der Kunst- wie der Cult Urgeschichte woltcollende Aufnahme Jinden nud jener 
NachsicfU begegnen, welche ein mit so grossen Schwierigkeiten kämpfendes, dtm 
Verleger wie dem Herauegeber namhs^ Opfer at^erlegendes Unternehmen billig 
beanspruchen darf, 

Freiburg «. B., OettAer 1879. 

F. X. KU AUS. 



Digitized by Google 



A. 



ABDANKUHO, freiwillige (abdica- 

tio). stand dem Bischöfe in zwei FälltMi 
lu; zunächst, wenn derselbe bei den (iläu- 
b^en seines Sprengelt auf nnüberwindliehe 

AWi;?unrr, auf einen Widerstand Stien, 
der ihm die Ausübung seines Amtes sosu- 
«gen immSf^lieli niaehte. So entsagte Chre- 

gor V. Nazianz mit Zustinimun«; der all- 
gemeinen Synode von Cst, »einem Patriar- 
chalstuhle, wie Theodoret (Wh. V, c. 8), So- 
craif,<i (Wh. V, c. 7) iiiul er seihst (Orat. 
XXXIl, bes. p. 527 und Carni. de vit. sua 
p. 2f> : $e 3U7/u»pT,jaT «ftpovov ^t'ov u. s, f.) 
berichten; ähnlich der Ii. .Nicletius von An- 
tiwhien, d«^ sein Bisthuni in Armenien auf- 
gab {Theodoret. lib. II, c. il) und der B. 
MwtyriiiB ^on Antiochien, welcher dem Ein- 
drinj^linf,' Petrus Fullo und dem Abfall sei- 
ne« KieruH und Volkn gegenüber mit der 
Erklfirun^ schied : ^(Xi^pq) d^ufcoTax-np xai Xatp 
irtifhT xal irylTp'.'i £ppURu>(iiv7) IroTarrojiai. 

[Th«oä, Ltd. T 555 ed. Vales.). 1^ an- 1 
derer Fall, in welchem freiwilliger Verzicht 
statthaft Rohien, war, wenn durch denselben 
ein SchiHTna beigelegt werden konnte. So 
eiboten »ich ührysostomus (H<nn. XI in 
Ephe«. p, 11 10) und der H. Fla\'ianus v. An- 
tiochien (Tlieodoret. lib. V, c. 2!5). zu <'"t- 
isgen; ebenso schlugen H. Aurrlius vim Kar- 
thago und Augustin bei Eröffnung d»'r be- 
rfihmten CoUatio c. Donatistts letztern vor, 
wo in einer Stadt ein katholischer und ein 
donatistischer Bischof nebenciiiatuler ständen, 
sollten zur Beseitigung des iSchismas beide 
flufe Entlassung nehmen: .quid enimS sag- 
ten sie, .dubitemus redcntptori uostro sacri- 
fidiun istiuB humiUtatis ofi'crrej:' an vero ille 
de eoeüs in membra hnmana descendit, ut 
niembni eins essemus, et nos, ne ipsa eius 
merabra cru«leli divisione lanientur, de ca- 
thedrii« descendcre formidamus ^ propter nos 
nihil suflicientius, qnsm ehristiaiit fideles et 
obedientcs simus. Hoc ergo Semper simus. 
cpiscüpi uutem propter christiauos populos 
ordinamar. Quod ergo christianis populis ad 
christianam pai-cni j)r()dest, hoc de nnstro 
episcopatu faciamus. 8i servi utiles sunius, 
cur domini actemi lucris pro nostris tempo- 
ralibus sublimitatibu» inTidemus? Episcopo^ 

RMl.Biie7Uo|ia4to. 



Iis dignita.s fnietuosior nobis erit, si gregem 

Christi magis deposita coHegerit, (juam re- 
tenta disperserit. ^ara ^ua fronte in futuro 
saecolo proraissum a Christo sperabtmas ho- 
norem . si christiaiiam in hoc saerulo noster 
honuä impedit unitatcm i* CoUat, Carth, die I, 
c. 16. Ooncil. II 1352). Bei einer soIdMn 
freiwilligen A. scheint der betr. Bischof 
jedoch seinen Hang (x^jV rffir^v xal xfjv xoi- 
viov{«v) bewahrt zu haben, wie dies die allg. 
Synode von Ephesus (Act. VII in epist. ad 
synod. l'amphyl. Conc. III 807 D) betr. des 
pamphylischen Metropoliten Eustathius v<ni 
Perga , der aus Rücksicht auf sein Alter ab- 
dankte, festsetzte. Doch sollte er, vom Noth- 
fall abgesehen, nur mit Erlaubius« eine» Bi- 
schofs weihen und das heilige Opfer darbrin- 
gen dürfen (, . . S^rre \lt^ yv.pfizvttT-^ ccitiv ai^re 
p,f,v ixxXi)9iay xaraXa'iov-Qt Upoup-^eiv wi«; 
etidtmCsc). Der freiwillig abgedankte Bischof 
dürfte wol auch in der Kegel einen Theil des 
Einkommens als Pensiou behalten halten; 
wenigstens ward diese Vergünstigung dem 
zu Gunsten des Maximus dem Stuhl von An- 
tiochien entsagenden Domnus von dem Con- 
cil zu Chalkedon (Act. VII al. art. VIII, 
Conc. IV f>81 Labb6) zugesprochen. Vgl. 
Bmgham VII 382 ff. nuus. 

ABDON und SENNEN, die P.eisetzung 
zweier MartA'rer dieses Naiiieii^ in <leni ('(mv 
meterium de-s hl. Pontianus erwiilint bereits 
die Deposilio martyrum des Chronographen 
voTi ;i">4 (ed. Mommsen (iH2): III Kai. atig. 
Abdos et Semnes in toiUianif quod est ad 
Hrmm piUatum; später findet sieh die Notis 

wieder in dem von Fronfo herausgegebenen 
Capitulare Evangg. (die XXX luitaiis Ah- 
den et Sennes), den Hartyrologien des hl. 
Willibrord und dem von Corbie (III Kai. 
augusti , Komae , Abdo et ijennis) u. s. f. 
Die sehr verdächtigen Acta 8. LaurenHi und 
andere ihrem Werthe nach schwer zu beur- 
theileiiden .\cten bei Bosio 120 liLssen die 
Heisetzung der beiden Leichen in den Ta- 
gen Constantins geschehen: das Martyritim 
sollen sie unter Valerian erlitten haben. — 
Die beigegebene Fig. 1 gibt einen Theil 
des in dem dritten Cubiculum der Kata- 
kombe TOD 8. Ponnano erhaltenen Wand- 

1 



Digitized by Google 



2 



AbWMdMrU — Abel und lUin. 




Fif. 1. Wand^milde au« 8. roaxlaou. 

gemäldes (nach Boaio 133. Bottari Tav. 45). 
Dasselbe zeigt die beiden Märtyrer in orion- 
talischer Tracht, zwischen ihnen das Brust- 
bild des von dorn f^riechisciieii Nimbus um- 
gebenen ChriBtus , der den Heiligen die 
Krone aufs Haupt setzt; ferner zwei an- 
dere Heilige, welche uns die beigegebenen 
Inschriften kennen lehren: 



bot« bcj^iuinen. Der Art war der Gesang, 
welchen der hl. August in f^of^^en dio Do- 
natisten dichtete (Ps. contra partem Duuati. 
Opp. YII 5 ff. Retractat. Hb. I. c. 20) und 
dessen Hypopsalma (wir wiirdon sagen Re- 
spoDBorium, am iSchlusse jedes Ps.) in den 
Wcnten: omnes qui gandetis de pace, modo 
Tenim hidicate abgeaust war. xbads. 

ABEL und KilN. A. und K., Gott ihro 

Opfer darbriiig^end . sind bis jotzt in Ge- 
mälden der Katakomben und in Gold^läsern 
nieht naehgewieten, sondern nur m den 
Reliefs dreier Sarkophage. Zwei davon sind 
zu Born, der eine im Coemeterium der hl. 
Luefna (AHnghi R. S. I 254, ed. Paris. 427), 
(Ii r atulere in dem der hl. Agnes {AHnghi 
R. ä. U 167, ed. Par. 73; Tf^. beistehende 



+ M 


4- scs 


+ SCS 




I 


A 


. s 


i CE 


S LI 


B 


EN 


C TI 


C X 


D 


N 


S YS 


s 


0 


E 



Aho Sc^ Milix undS'cs Vi(n)ce(n)lius 'c' Uebcr 
die eigenthümliche Bekleidung der hhl. A. 
und S. sprechen sich Bosio, ßottari a. a. O. 
und Lami de eruditione apostol. p. 121 — 166 
weiter ans. Im Gegensatz zu den zwei 
andern Märtyrern tragen sie eine aus Thier- 
fellen bestehende Tunica, welche die un- 
teren Gliedmassen von der Hüfte der Ober> 
Schenkel herab nackt lässt; darüber haben 
sie einen mantelartigon Ueberwurf mit Ka- 
poze (ependyton, wie Hierom/m. im Leben 
des hl. Hilarion es nennt, superindu- 
mentum bei Augustin. Quaest. in Judic. 
VII 51 ; vielleicht identisch mit der von 
Polidoi i Iniag. di san Pietro e Paolo 59 
erwähnten lacerna?), der auf der Brust 
mit einer Spange (fibula) zusammengehalten 
wird. Die sonst bei Orientalen gewöhnlichen 
Hosen (saraballa) fehlen hier. — Mortigny 
setzt dies Gemälde nicht vor das 7. Jahrh. ; 
▼ielleicht ist es noch später. Da das Papst- 
buch ausdrücklich eine Restauration des 
Coemeteriums und der darüber erbauten 
Kirche der hhl. Oandidos, A. und 8. durch 
Hadrian 1 und darin wieder durch Nikolaus I 
berichtet, so kann dasselbe bei einer dieser 
Yeranhasungen entstanden sein, kraus. 

ABECEDARII psalmi hiessen Psalmen, 
welche nach dem Vorgang des 119. Ps. 
80 eingerichtet waren, das» die Verse der 
Reihe naeh mit dem Buchstaben des Alpha- 




Fli;. 'i. Sarkophair-Relipf aun 8. Ai^tirtr. 

Figur) gefunden worden. A. opfert ein Lamm, 
K. auf dem erstem ehie Tnube, die er in 

der Hand halt, und Aehren, die zu seinen 
j Füssen liegen, auf dem zweiten eine Garbe. 
I A. trägt als Hirt die Tunica und Penula, K. 
ist als Ackerbauer nach antiker Sitte (Fler- 
gil. Gonrgic. I 299 : nudus am, sere nudus) 
fast unbekleidet. Gott, mit der Tunica und 
dem nach Art der griechischen Philosophen 
angelegten Pallium bekleidet, sitzt in der 
Gestalt eines Mannes reifern Alters in der 
erstem Darstellung auf einem FeMek, 
in der zweiten auf einem geflochtenen Sitze, 
welcher thcilwcise mit einer Decke verhüllt 
iRt; seine FOsse ruhen auf efaiem Bdiemel, 
ein Zeichen der Wurde bei den Alten. In 
der entern Darstellung erblickt man im 
Hhitergrunde swei andere Personen — Adam 
und Eva — , in der zweiten eine, AdUtt. 
Gott streckt in jener beide Hände gegen 
die Gabe K.s aus, in dieser die rechte ge- 
gen dessen Traube, ohne Zweifel ein Aus- 
druck des Zurückweisens seines Opfers. Die 



Digitized by Google 



Abaiulgebet — AbniMB. 



dritte ftlmliehe Dsratelkiiif findet aioh auf 

einem Sarkoplia^c zu Arles (Miliin IGdi 
de la France, Atl. pl. LXVIII). 

Die Bedeutungen dieser Darstellung er- 
geben sich aus den Worten der heiligen 
Väter. Nach diesen ist A. erstens das 
Vorbild der christlichen Kirche , K. das 
der Synagoge. So schreibt Ambruaiug de 
Abel et Cain lih. I. e. 2 : haec figura 
Synagogae et Eculesiae tu his duobus fra- 
tribne ante praeoessit Oain et AM. Per 
Cain parriciaialis populus intellijrihjr Ju- 
daeorum, qui Domini et auctoris sui et se- 
eundtuD M. Y. partam fratrb . . . sangui- 
nem persecutus est. Per Abel autem in- 
telligitur popaios christianiu adhaereus Dco. 
Derselbe nl. Amhr^u» giebt uns eine z w e i t e 
Deutung: in isto [Ahel] mondi redemptio 
annuntiatur, ab illo raundi ruina« In hoc 
Christi sacrificium , in illo diaboli parrici- 
dium (Ambroa. exhort. Virg. oap. 6). A. 
ist (lurrli das Lamm, welches er opfert, 
und durch seinen Tod von der Hand seines 
Bruders ein Vorbild des Lammes Gottes, 
welches fiir seine Brüder und durch seine 
Brüder am Kreuze sich opfern wollte, dessen 
Bhit aber niebt, wie das A.s, um Racbe, 
sondern um Barmherzigkeit zum Himmel 
rief (Uebr. 14, 24). Abel, ... qui in typo 
SalTatoris a ftatre oeeisus est Cain, . . . 
qui in figura Judaoorum parricidinm in 
fratre perpetravit, sicut et illi in Christo 
(S. Mditonim Clavis Spicileg. Solesm. III 
301). Wie mit dem Kreuzesopllv, so finden 
wir auch bereits l)eim hl. Irenaena Hib. IV. 
c. 18. n. d) das Opfer A.s mit dem eucha- 
nstischen Opfer in Beziehung gebracht, eine 
Beziehung, welche auch in den Worten de» 
Canons der heiligen Messe: . supra quao 
reei^eere dignerii, sienti respieere dlgiuitus 
es et accepta h;ibere niunem pueri tui iusti 
Abel ... et quod tibi obtuUt summus sa- 
cerdee hnts Helebisedech , berrorgeboben 
wird. ITieraus ergibt sich auch die Er- 
klärung eines musivischen Bildes aus dem 
6. Jahrb. in San Vitale zu Rarenna (Ciam- 
pfui Yet. mon. II tav. XXI), wo an der 
einen Seite eines Altars, auf welchem Brod 
und Kelch steht, Melchisedech, an der an- 
deren Seite A., beide die Hiüido zum Hirn- j 
mel erhel)end, mit Angabe ihrer Namen dar- 
gestellt sind, um das eucharistische Opfer 
und das Kreuzesopfer, sowie das Yerbält- 
niss beider durch zwei Vorbilder zu be- 
aeichneu, welche in der Geschichte Jahr- 
tausende von einander entfernt sind. Auf 
den Sarkophagen hatte aber diese Dar- 
stellung des Opfere iLs und K.« nicht nur 
die Aufgabe, in Yerbindung mit den ande- 
ren darauf befindlichen Scenen auf die Grund- 
wahrheiten des christlichen Glaubens und 
der christlichen Hoffnung hinzuweisen, son- 
dern man fand in ihr aueh euie beKmdere 



Erinnerung an die Auferstehung derTodten. 

Wir sehen dies aus den Worten des hl. Epi' 
phamna (contra haer. hb. I. sec. 10 : Üixioyt- 
xai tt «Stol ice v wcy^Bs» itspl vtx^jtfv dv«tca9K<oe, 
icpöixov dbci tou "^ßsX, [u-za dirödavnv 
xh atfiflt trpo^SioXcYeTai xti) Ssuttotiq . . . xal o4x 

iAxU dbwcdbsaif tfiw amfßoxm. nanR. 
ABBKDGBIIET, i. Gebet 
ABEHDHAHL» s. Encbaristie. 

ABENDMAHL8ELEMENTE, s. Eucharistie. 

ABEBGLAIBE, s. Amuletu, Phylakterien, 
Todtenbeetattong. 

ABLASS, s. Indnlgentia. 

ABLUnOHBV, s. Wasebungen. 

AJiRAHAM. Das Opfer Abrahams. 
Aus dem Leben dieeea Patriarohen war das 
Opfer Isaaks, wie man aus den zahlreichen 
Darstellungen desselben ersieht, eine Hand- 
lung, welehe den Christen der ersten Jahr* 
hunderte besonders bedeutungsvoll erschien, 
wie sie denn auch besonders geeignet war, 
den Gllubigen in jenen Zeiten der Yer- 
fol^ng Muth und Ergebunf; im Marter- 
thum einzuflössen. Kaum eine andere bib- 
lieehe Boene finden wir so oft wiederholt. 
Sie begegnet uns auf den Sarkophagen, in 
den Fresken der Katakomben, auf Ringen, 
(Jüldgläsem. geschnittenen Steinen u. s. w. 
Die Darstellungen sind bei aller Einheit des 
einfachen Gegenstandes äusserst mannig- 
faltig: man sieht, diiss es den Künstlern 
darum zu thun war, nicht sich sklavisch an 
die Worte der heilifrcn Schrift zu halten, 
sondern die verschiedenen vorbildlichen Be- 
deutungen und den reiehen mystischen Sinn 
dieses Hreiffnisses zum Auadruck zu bringen. 

Die Darstellungen zerfallen nach den ver- 
lehiedenen Momenten des Ereignisses in 
drei Klassen. Die erste Klasse stellt die 
Vorbereitung zum Opfer dar ; sie findet sich 
in drei Gemälden der Katakomben. Isaak 
trägt das Hobs auf seinen Schultern herbei 
{Aringhi R. S. II 67 und 311; de Rosst 
Bull. 1865, 3), während A. in dem ersten 
Bilde, neben dem noch feuerlosen Altar 
stehend, das Opfermesscr bereits in der 
Hand hält, in dem zweiten auf das ange- 
zfindete Feuer hinweist. 

Die zweite, häufigere Kla.sse zeigt das 
Opl'er selbst: A. hat das Opfermesser in der 
erhobenen Rechten, die Linke ist meist auf 

das Haupt Isaaks fjelegt; in der Höhe er- 
scheint die Uand Gottes, welche ihm Ein- 
halt gebietet, wie denn die aus den Wolken 
herausragende Hand auf den christliehen 
Monumenten überhaupt Sinnbild der Einwir- 
kungGottesdes Vaters, hier Hindeutung auf 
den Engel ist, weleher von Gott gesmidet 



Digitized by Google 



4 



Abrahun. 



wurde, um A. rtm der Vollbrinfrun)^ de» 
Opfers zurückzuhalten. Meist erblickt man 
auch den Widder, welcher an Isaaks Stelle 
geitpfert wurde, und einen Baum oder Oe- 
Bträucli. Dit'si'ii Thci! des Erolf^nisses finden 
wir sifhciinial in den FreskfMi der römischen 
Coemetericii {Annghi K. S. I 5:S9, II »h, M7, 
123, 255, 279; de Ro$si Bull. 1868, 88; vgl. 
beut. Fig. 3 nach einem Freaco in S. Pietro e 




T%t 8. W — anMi l dt MW 8. Piatro • MmmUIm. 

ManwIKno b«i BoUori tav. CXXIX ; ygl. tav. 

CXI); auf einem T^öff eichen zu Aijuileja idi' 
Rossi Bull. Iä6ti, auf zwei Modaillons 
aus dem 3. oder 4. Jahrh. {de Bosri BulL 
1869, 40) : zehnmal auf Sarkophagen aus den 
rOmischen Coemeterien {Aringhi 1 277, 305, 
309, 317, 325, 331, 423, 613, 023; II 399); 
auf einem Sarkophag zu Syrakus aus dem 
4. Jahrh. (de Nossi Bull. 1872. 82); neun- 
mal auf Gla.Hgefassen , auf sech.s römischen 
(Gurnicci Votri ed. II. tav. I 2; 4, 8; II 8; 
dl liassi Hiill. IHC.S, :}2); einem zu Podgo- 
ritza in Albanien gefundenen (de Rossi Bull. 
1873, 153); zwei rheinischen, einem Kölner 
in der Sainnilun«^ Discii (de Ros^'i Uiiil. 18114, 
91), und einem Trierer (de Rossi Bull. 1873, 
141); auf einem Ringe aus dem 3. oder 
4. Jahrh. in der Sammlung I'ortnum zu 
London (de Rossi Bull. 1871, 35); auf einem 
jetst zent6rten OemSIde in einer unlerirdi- 
sehen (Jrabeskannner zu Hlicinis (f.r lilant 
Inscript. de la Qaule I 44b); einem Relief 
\a FraidcTeieh (Les tradftions relat. %, Ste- 
Hadeleine 1 774); auf einem .\hraxas (Afo«/- 
faucoii Antiq. suppl. II, pl. LV n. 6); auf 
einem Mosaikbilde in Saji Vitalo zu Ra- 
▼enna aus dem 6. Jahrh., wo ilmi l i n ilif 
Seene dargestellt wird , wie A. dii' drei 
Kngel bewirtliet, wiilin iid mau Sarali in 
dem Hause stehend erblickt , Seenen , an | 
welclie die Verheissung Isaaks sich knüpft 
(Ciampiui Vet. niun. II, tab. XX); auf. 
einem kleinen Erzrelief aus dem Coemete-I 
rium des hl. Pontianus (Ciainjiiiii i\r sacris 
aedif. 22G); auf einer in den Katakomben > 

ffundenen Myrrhennum (BoMeMt Oaserv. 
2^, n. 10); auf dem Elfenbeinbecber | 



des Berliner Museums (Kraus Chr. K. in 
ihr. fr. Anl 122). In den Einzelnheiten 
zeigen diese vielen Darstellungen der glei- 
chen Handlung charakteristische Verscliie- 
denheiten. A. erscheint bald mit einer ge- 
gürteten oder ungegfirteten . kurzen o<ler 
langen Tunica, bald, und zwar meistens, 
mit einem Pallium bekleidet, einmal (Aringhi 
K. S. II 255) in der Kleidung des Holien- 

«riesters des Alten Bundes. Isaak erscheint 
ald in gewObnIieli unrersierter Ttaniea, 
bald, zumeist auf Sarkcidmgen , unbeklei- 
det; gewöhnlich vor oder auf dem Altare 
knieend, wie auch auf der Daretetlung. die 
der hl. Ephram (Opp. II 317, ed. Asseinani) 
erwähnt; die Hände auf dem Kücken ge- 
bunden, nur zweimal (Ciamptni de Raerii 
aedif. II 226; Buonan-uoti <)ss< rv. tav. I, 
n. 1 ; GuKiucd Vetr. tav. II 8 f.) mit ver- 
bundenen Au^en. Meist erscheint nur die 
Hand Oottee in den Wolken, zuweilen auch 
der ganze Arm (de Rossi Bull. 1873, 141). 

Eine dritte Klas{<e bilden die Dar- 
stellungen, in welchen -\. und Isaak betend 
erseheinen. In einer derspllii'ii erblicken 
wir A. auf dem Altar, lisaak am Fu.sse des 
Ahart; bi^e avArecht itehend und mit 
einer durch Purpnrsfreifen verzierten Pe- 
nula bekleidet, haben die Arme betend aus- 
gebreitet (AHnghi R. 8. U 257). Die gleiche 
Bcene, jedoch ohne den Altar, findet «ich 
im Coemeterium des hl. Callistus; A. und 
Isaak , in der gleichen Haltung, aber mit 
der umgürteten Tunica bekleidet, sind an 
dem Reiserbündel und dem Widder kennt- 
lich (de Rossi R. S. II, tav. XVI). 

Was die Bedeutung betrifft, welche diese 
verschiedenen Darstellungen in den Augen 
der Christen jener Jahrhunderte hatten, so 
war diese eine mehrfache. Die gewöhnliche 
war die des Kreuzesopfers Christi. Isaak, 
das Holz zur Opferstätte tragend, ^»It als 
ein Vorbild des kreuztragenden Heilandes. 
Tetiidlian, der zu Rom gt'wiss selbst die 
(iemalde der Katakomben oft betrachtet 
hatte, schreibt (adT. Jud. cap. 10): Isaac 
cum a patre hostia duceretur et lignum 
ioM ttbl portaret, Christi exitum iam tunc 
denotabat, in Tictimam conceasi a Patre, 
lignum pa.ssionis sibi baiutantis. In dem 
Opfer selbst erblickte man ein Vorbild des 
Opfertodes Christi am Kreuze. TertuUian 
gil)t uns auch hiefür den Nachweis (adv. 
.ludaeos c. 13): (pioniam haec fncrunt sacra- 
inenta, quae temporibus Christi pcrficienda 
servabantur, et Isaac cum ligno reserva- 
tus est, ariete oblato in vepre cornibui 
haerente, et Christus suis temporibus lig- 
num humeris suis portavit, inhaerens cor- 
nibus crucis, r-onma spinea in enpite eius 
circumdata. Auch darin fand man die Vor- 
bildlichkeit des Oftfers A^ ans^drfickt, 
daas derselbe seb eigenes Fleisch in Isaak 



Digitized by Google 



AbntlMUli. 



6 



opferte (nam quid nliud Abraham, quam | 
flOqHIB auttm immolabnt in tilin ? Petr.\ 
Chn/ftol. Sorm. 108j, uiul tlor (inschuhJifjc 
Leib den Hrlösers in Isaak, das Fleisch der [ 
S&ndo. (Iii8 Fleisch Adams in dem Widder j 
symbolisirf war (>'. Zt'im II 'Vrnrt.). Mit 
Uebvrgehuug anderer Steilen, welche zeiffen, i 
wie gdiufiir den Chritten jener Zeilen diese I 
Bedeutung war. ffihren wir noch <lie Worte 
eine.« Kirchenlehrers an, welcher die Dar-. 
Stellungen der rSmnehen Ooemeterien eben- j 
falls au8 eigener Ani*ohauunff kannte. Der 
hl. Jlieronynuis sagt (Horn. 2U de resurreet.): 
hic idem Dominus . . . per figuram b. .\bra- 
hae longaevi mtris offertur in victimam : | 
teniftore dum novo sacrififio in unioi 
tibi sui iiiguluni |)ius parricida c-onsurgit, ex 
improviso aries oculis eins apparuit, »icut 
elocjuitur sormo divinus : .et videns Abraham 
arietem inter vepres haerentem cornibus.' 
loter Tepree, inquit, requiranras, qnae sitj 
ista novita-i , id est, in multitudine circum- 
stantium peccatorum haerentem cornibus, id i 
eet ad emcis oomna clsronmi ooofixionel 
pendenteni. sicut in alio lOCO l^gimos: ^OOr- 
nua in manibus eiiu/ 

Die Symbolik dieser Handlung war in 
den Augen der damaligen Christenheit eine 
noch reifhere. Hatte schon nach den Wor- 
ten des Apostel» Hlebr. 11, Ii)) in «ler 
Opferwilligkcit A.s der Glaube an die Auf-, 
entehung der Todten sieb niiso'f^ijproehen. | 
— wol einer der Gründe, we.s.shalb diese 1 
Darstellung auf den Sarkophagen so oft 
wiederholt wurde, - so fand man fremde 
in der Erhaltung Isaaks und dem Opfer < 
des Widders ancn eine Erinnerung wie an 
den Tod. so auch an ilie Auferstehung 
des güttüchcn Mittlers, welche die BQrg- 
sdiaft unserer Aoferstehnog ist (ef. Aringhi 
R. 8. n 479). 




flg. 4. a^Mfiu. 



Auf zwei GoldgUsem (Oarrucci Yetri tar. 

HS; BtwHWfUoti Oaserv.tay. II 1; de Rossi 
Bull. 18G8, 32) findet sieh in der Höhe, 
wo man sonst die Hand Oottes erblickt, 
ein .\ltar und auf diesem die Behnur eines 
Feldmessers mit zwei Stäben. Diese fJe- 
geustände geben uns eine weitere üedeu- 
timg, weleto man in dieser DarslelloDf er- 



kannte: dieselbe enthielt so eine Hinwei- 
sung auf die Yerheissung, welche A. durch 
dt'Ti K.n<,'el verkündet wurde. Dicit Domi- 
nus. (|uiu . . . nun pepercisti tiliu tuo uni- 
genito proptor me, benedicam tibi et multi- 
plieabo semen tuum sieut Stellas et velut 
arenam quae est in littorc maris, — et 
benedioentar in semine tuo omnes gentes 
terrae ((Jen. 22. Ifl 1>^). In dieser Yer- 
heissung lag aber nach dem ausdrücklichen 
Zeugnisse der Apostel (Ofd. 3, Iß; Apg. 
3, 25) eine Hinweisung auf Christus, in 
welchem A. wahrhaft der Vater aller zum 
Glauben ^n laiigt'nden Nationen wurde. So 
ist A. au( b als Vater der Gläubigen Vor- 
bild Jesu Christi, und wie diese Anschauung 
den Vätern geläufig war (Hilarius in Ps. 
II .31), so erseheint sie auch auf einem 
<ro|rlglai»e (Garrurci Vetri tav. I 2), wo in 
der Darstellung des Opfers Isaaks Christus 
an Stelle A.s sich findet. Was in dem 
vorhin erwähnten Ooldglase die Mes-ischnur 
andeutet, das wird auf dum oben erwähn» 
ten Ringe aus dem 3. oder 4. Jahrb. (de 
Rossi Bull. 1S71, 3:)) durch die Sehriftrolle 
bezeichnet, welche als Symbol der prophe- 
tischen Bficher, in welchen die Yerheissung 
A.s niedergelegt war, in der Höhe sichtbar ist. 

Das Opfer A.s erscheint aber in den Dar- 
stellungen jener Jahrhunderte nicht nur als 
Symbol des blutigen Kreuzesopfers, sondern 
aui'h als WM (Ics unblutigen eucharisti- 
scheu Opfers, in welchem sich das Kreuzes- 
opfer emeumrt. Hierhin gehören die oben 
der dritten Klasse zugetbeilten Gemälde 
{Aringhi U. S. II 257; de liossi Ii. S. IL 
tar. XYI). in weldien A. und Isaak betend 
erscheinen. Auch auf den Sarkophagen« 
findet sich das Opfer A.s mit biblischen 
Darstellungen in Zusammenhang gebracht, 
welche auf das Opfer und das I'riester- 
thum des N. B. hinweisen. Am deutlich- 
sten erscheint diese Beziehung in dem vor- 
hin erwähnten Gemälde aus dem Ende des 
2. oder dem Aiifiinf^c» d«»s 3. Jahrb.. wel- 
ches in den (irai)kanunern de« Coemetn iums 
des hl. Callistus mit den Darstellunfjen 
zu den beiligen Sacrnmenten sich findet, 
und wo dieses Opfer als (i<'genbild des 
enebaristisehen Opiers erscheint. Den wei- 
teren Nachweis s. bei de Ruasi H. S. II 
342 f., wo auch die Einwüri'e Beckers (Die 
Darstellung J. C. unter dem Bilde des Fi- 
sches X18) widerlegt werden. Vgl. Gnrrucci 
Yetri 68; Palmer Au Introduction to Earlj 
Christian Symbolism, London )869, 83. Die 
gleiche Beziehung ist auch in dem Gebete 
des Messkanons Siipra qnae hervorgehoben, 
wo neben dem Opfer .Vbels und Melchise- 
dechs auch das sacrificium patriarchac nostri 
.\. erwähnt wird, ein (Jebet, in welchem 
die Worte patriarchue nostri auf eine sehr 
lirfihe Entstehungiieit hfanreisen (Pr^M die 



Digitized by Google 



AbraatM und Abrakadabra. 



Idtorgie der drei ersten ehiMliehen Jahrh. 

352). 

Ein Medaillon aus der Zeit des Friedens, 
dem 4. oder Anfimg des 5. Jahrh. Botfi 
Bull. 1869, 51) zeigt uns, da^s die symbo- 
lische Idee dee Opfers A.s eine noch rei- 
chere irar. Gin chriitlicher Diebter aui der 
Zeit dieser Medaille erzählt, was er selbst 
zu Rom in der Basilika dei hL Lauren- 
tius sah: 

Ipea et senatas lumina, 

quondam I.uporoi aut flaminee, 
apostolorum et martyrum 
exoseabntur Bmhia. 

Videmus inluütrea demos 
scxu ex utroque nobilea 
ofFerre votis pignera 
clarisHimorum liberum. 
Vittatus olim pontifox 
adseitur in signum crucis 
aedemque, Lauronti, tnam 
veatalis intrat Claudia. 

{Pni(/. Poristeph. II 517 f.) 

Auf der obigen Medaille ist nun auf der 
einen Seite ein Mann^ einen Kelch in der 
Rechten tragend, dargestellt, welcher einen 
Knaben, dessen Namen Oaudontianus bci- 
gefUgt ist, mit der Linken am Grabe eines 
Märtyrers darbrin^'t. Auf der Hiirksoitc 
sieht man das Opfer A.8, über dessen Haupt 
der Name Urtnena sich findet Nach den 
Beweisen r/c RnssTf: (a. a. O.) ist das dar- 
gestellte Martyrergrab unzweifelhaft das des 
M. Laurentios mn den Tofi Conatvntin an- 
gebrachten cancelli ex argento purissimo 
(lib. pontific. in Sylvestro), welche von Six- 
tus III 432 durch andern Schmuck ersetzt 
wurden. Wie in der bekannten Inschrift 
im Museum des Tinteran» (Ol. VIII) der 
neunjährige Proieetus als nutricatus Dco 
Christo martijribus bezeichnet wird , und 
wie der hl. Pauli}! ron Xnln (Natal. XIII 
261 — 2i)4) von dem vornehmen Knaben 
Tardos Aiteriua achretbt: 

quem rimul unanimes vera pietate paieotes 

infantem Christo constituere sacrum, 
ut tanquam Samuel primis signatus ab annis 

ereioat ki aanctia votua aknto Deo, 
so war auch Oaudcntianu.s von seinem Vater 
Urbicus Qott und dem hl. Laurentius dar- 

Sebracht, und der Vater drfickte die Natur 
ieser Hingabe durch die Darstellung des 
Opfer« A.« auf der ROcltseite der Medaille 
aus. Denn die christlichon Kltcni, welche 
so ihre Kinder Gott aufopferten, verzich- 
teten gleich A. hinsichtlich derselben auf 
alle irdischen Hoffnungen, und weihten sie, 
aoviel an ihnen lag, ganz dem Dienste Got- 
tes und den rhristlichen Tufjenden. Dit* 
Medaille war^ wie das daran behndhchc 
Oehr zeigt f zum Tragen beatimmt; ohne 
Zweifel luitto UrUens ti» seinem Sohne alt 




Fif. 5. 8i«g«l. 



Sinnbild, Erinnerungszeichen und Vnterpfimd 
seines Opfers umgehängt. 

Von anderen Ereignissen aus dem Leben 
A.S finden ridi in den Momikbildem ava 

der Geschichte des auserwählten Ynlkes von 
A. bis zum Einzüge in das gelobte Land, 
mit welchen Pap^ Sixtus III 434 nach 
Verwerfung des Nestoriani.smus durch das 
Concil von Ephosus die Wände der Basilika 
S. Maria maggiore schmficken Hess und 
wetehe grösstentheils no< }i orhulten sind, 
sein Zusammentreffen mit Melchiscdech (Gen. 
14). die BegrÜBSung und liewirthung der 
drei Engel (Gen. 18) und 
die Trennung von Loth 
(Gen. 13) dargestellt. (Von 
der Beliebtheit der Dar- 
stf'Iltmc: zeugt auch ein 
Siegel im Besitze des 
Hm. Drnry^Fortnum, das 
wir hier nach Martifftnj 
wiedergeben. Nicht min- 
der die Sohildemng der 
Geschichte A.s auf den Mosaiken von S. 
Maria Maggiore in Rom ; v^ Oampini Vett. 
Mon. I tab. 50 f. K.] heüser. 

ABRAXAS und ABRAKADABRA. Nach 
Leu. adv. haer. I Clent. AI. Strom. I, 
TertuUian. de praescript. haer. c. 4H. Epi- 
phau. Hacres. XXIV 5 (ed. Col. lf;82, I 
68, 73), UieronifiH. Comm. in Arnos. Opp. 
in 1392; Coaun. in Obad., in Nahnra., 
Epist. 29 ad Theodor., Vit. Hilarion., adv. 
Lucif. 2 u. s. f., Augustin. de haeres. Quod 
vnlt Dens, c. 4, 24, Opp. Vm 6, Hippolyt. 
PhiloBophumen. VII 1 (ed. Cruice 361) be- 
dienten sich die basilidianischen Qnostiker 
des Wortes Abraxas oder Abrasax, um das 
höchste Wesen in seiner Entfaltung, den 
gooffenbarten Gott im Gegensatz zu dem 
mfji appyjTo« zu bezeichnen. Die Etymo- 
logie und Bedeutung des Namens Ist sehr 
strittig: von den angeführten Kirchenschrift- 
stollern geben die meisten selbst an, Abraxas 
enthalte die Zahl 365, idbniieh die Summe 
der o'jpavot oder Geisterreiche, wie sie Ba- 
siUdes lehrt; so namentlich Irenaeus und die 
PhHosopkumma (M th rEf>ti)rciv th 9vo|uc 
auToo <j/^^'>v xlz) , und audi Ificrnnijjniis 
(BasUides qui omnipotentem Deum portcn- 
toso nomine appellat Abraxan et eundem 
secundum graecas litteras et anni cursna 
numerum dicit in solis circulo contineri, quem 
ethnici sub eodem numero »Harum httera* 
rum vocant Mithrani) und AuffusHfuu (A. 
cuius nominis litterae secundum graecam 
supputationem eundem numerum [365j com- 
plent) wissen es nicht anders. In neuerer 
Zeit haben sich die Einen bei dieser Er- 
klärung, wo also a = 1, ß = 2, p = 100, 
a=l,l=sSO, aasl,e = 200 steht» 
beruhigt (so Newder Gen. Etutw. d. gnost. 



Digitized by Google 



AlmoM und AbrakadAbi*. 



7 



SvBtemG 1818, 35. 76 ff.; GieseUr Stud. u. 
Kritik. 1830, 400; KG. 1 154), während An- 
dere, von dieser arithmetiiichen Deutung un- 
iMfirlBdigt., eineetymologiichesuohton. Schon 
Beattsobre hAto.to Ahrnxa.s von a3f<o; undaau) 
(der schöne Erlöser!) ab, Beüennann (Vers. 
Aber die Oemmea d. Alten mit dem Abm- 
zasbildo 1817, I 49) hält es fQr zusammon- 
geaetzt ans den ägyptisrhen Wörtern A br a k 
ud 8ax, d. h. ,da8 gehenedeite, heilig Yer- 
ehrte Wort\ wobei er an da« I Mob. 41, 43 
voricommende , von dem Wagen Josephs 
auf Pbamo's Befehl gerufene Wort l'^a«« 
zurückweist. VonrMidt ist die philologisch 
unhaltbare Erklärung, welche Geiger Abra- 
xas und Elxai, Ztschr. f. Morgenl. Qesellsch. 
XVIII 824 f. 1864aiifttelHe: derRelbe macht 
das i zu einem umsrhriehenon oheth und 
aspirirten kaf und erhält dann für Abra- 
ZM n^^, oder mit dem Artikel rtsnan Se- 
gen, waa für ein Amulet allerdings pa.ssond 
wäre. MütUer dagegen (Vers, über die 
kirdi!. AUerHi. d. OnMtiker, Anmech 1790, 
215 f.) geht auf das koptiscne beri- 
achadjc (memphit.) oder beree-sad-ji 
(sahit.) zurück, was den Binn X^^oc xaivo; 
e^ibe. Einen dritten Weg versuchten die- 
jenigen, welche in dem Worte ein Akro- 
stichon sehen : so Gott/r. Wemlalin in einem 
Briefe von 1655 in Mi.'^cellanea ('hiffletiana, 
Antw. 1657, VI 89. 112: vgl. WM Hi«t. 
d. Kets. I 293, welcher die vier ersten 
Baehstabeii ab die Inttia hebräiseker (A = 
a» Vater, B = Sohn, I* -~ •j'- Geist, 
A = «rngn der üeili^), die drei letzten 
ah eolehe von griechisdieB (2 = erf»Tr]pia 
Heil, \ — " vom, H = ^mou, also vom 
Kreuze) Wörtern ansieht. Schon BeUer- 
mattn hat die Unbrauchbarkeit dieees Yor- 
idblage eingesehen. Mehr empfiehlt sich, 
mmi man überhaupt diesen Weg für den 
richten hält, die Ansicht, welche kürzlich 
<?. ßarsilei GU Abraxas, Studj archroj. 
Trieste 1S7'^ !> ff., vorlegt; derselbe geht 
auf das in der Mischnn cUnn Rabbi N e h u- 
niaBen-Akana «ugeschriebene berühmte 
kabbalistische Gebot A n ü - B o 1» ö a h zurück, 
welches die Gottheit um Befreiung und Er- 
höhung des Volkes Imel amuft and dessen 
erster Vers die Buchstaben lieferte . aus 
dem das Wort ABRAKD nsnisK (Abracad) 
zusammengesetit ivire: Avk — A»lidali — 
ghedulaZ), — jemineiT— tatii? — wamA. 
Passerfs Erklärung, der rXilus Abraxas 
im Tbesaur. gemmar. antiq. astriferarum, 
Florent. 1750, III 164) auf das arithme- 
tische Sy.stem zurückgreift, erscheint noch 
künstlicher al» die angeführten: ihm zu- 
ftdge soll A = Nil, NeiXoc, sein, weil in 
diesem dieselbe Zahl 365 (v = 50, t = 5. 
t= 10, X = 30, 0 = 70, 9 — 200) stecke; 
also ein Azgmnent «oB^ 6fMt6n]t«i tijc fao> 
fiqpCac zu denen Bekriftigiing sich Bmeri 



auf eine Gemme mit dem Flussgott Nil 
und einem Füllhorn nebet der Beiaduift 
mWZM beruft, 
n. So wenig nach dem Qeeagten das Wort 

Abraxas erklart ist, so wenig kann man 
Abrakadabra (eig. wol AUFA^AAABPA) 
mit SielMrhdt deuten. Der ^sarnmenhang 
beider Worte ist zweifellos; das letztere ist 
Jedenfalls eine Beschwörungsformel, durch 
welche die guten Oeister gegen die bdsen 
und gegen alle Uebel, Krankheiten u. s. f. 
angerufen werden ; die magische Wirkung 
barbarischer Worte war bei den Griechen 
bekannt und spielt sowol in dem Aber« 
glauben der späteren Kaiserzeit wie dem 
des MA.s eine grosse Rolle. DvijjwiTa ^oip- 
ßapa, heisst es bei Pseüus Expos, in OraeoL 
Chaldaic. 96, (iXXaS7)c. Besonderer 

Beliebtheit erfreute sich das dem basilidia» 
nisehen Arste (^wSnhi» Strvim &imaiUem 

zugesrhrichone Recept gegen das Fiebef) 
nach welchem das Wort Abrakadabn eo oft 
mit Weglamong eines Bnehstabens auf dnen 
Zettel geschrieuen wurde, bis nur die Ini- 
tiale A übrig blieb und das Ganze nun ein 
Dreieck bildete, das nach allen Seiten ge- 
lesen dasselbe Wort ergab: 

ABFACAAABPA 
ABPACAAABP 
ABi'ACUAB 
ABPACAAA 
ABPACAA 
ABPACV 
ABPAC 
ABPA 
ABP 
AB 
A 

III. Unter ,Abraxen' versteht man weiter 
eine Kategorie geschnittener Steine, welche 
das Bild des , Abraxas' bieten. Man hat de- 
ren in den Sammlungen an tAu.send gesUilt, 
dabei aber als .Abnixen' auch eine grosse 
Zahl von Denkmälern mitgerechnet, welche 
das Bild des Abraxas nicht aufweisen, so 
dass der Name missbräuchlicher Weise für 
beinahe alle mit mystischen Zeichen und 
Inschriften gsschmflckte <}emraen nnd In- 
taglien des Alterthums herhalten niusste. 
Solche Steine besprechen gelegentlich Cl. 
fkiimasiM (de ann. elimacterits) , Jos. Sea- 
lit/cr (Libr. II Epist. ad Casaubon. 119. 
Iii Ep. ad Marq. Freher. 226), Joh. Seiden 
(Synt. de Diis Syr. I, c. 2), Äthan, Kkrtkw 
(de Gnosticia et cor. magia Anraleteria H, 
2, cl. II, c. 6): es sammelten sie zuerst 
Jean VHeureux und sein Herausgeber Jean 
CkifflH (Joannia Maairü CSsnonici Ariensis . 
Abraxa.s seu Apistopistus , quae est anti- 
quaria de gemmis Basilidianis Dis^uisitio. 
Aoc Abrezas Proteus sea mvltiformis gern- 
mae BaeiUdienae pturtentosa varietos, ex- 



Digitized by Google 



8 



Abruas nad Abrakadabi». 



htbita et comm. ill. a Joa. Chifßetio Ca^ 
Tionico Tornaconsi «»tc. Anrw. 1(;57, 4"). 
D'w hiur publicirtun Stuiiie überiialun A. i 
GoHaws in s. Dachrliotheo« ttitiverralifl, auf! 
wj'Iclicii I'uliliiariont'ii i'iii/rincr Altraxcn 
durch J'itpiori, MoIinH. Augmtini ^ La- > 
ehenme, Spon , Bet/ar, Fahretti, SAermaffer \ 
folpton. Siuninluiif^cn ("die von Nir. Fahr. 
Feiresc nngelcgte i«t nie crschiom'ii ; vgl., 
P. üassendi Vit. Peire«o.) gaben dann wei- 
ter AnU CapfUo in seinem coofiuen Pro- 
dromu!* iconicus srulpfariim gonininnim Ha- 
nlidiani , aiiiulcri*-i <>r ralismaniri <;<'n«-ris 
(Ven. 1702, fol.), Montfituam (TAiitiquito 
expliqu^e et represent/'«', <''»!. Paris 1722. fol. 
II 353 ff. part. 3, SuppL II 1724, p. 209 ff.;, 
welcher ausser den genannten auch Maffei, 
8pon und die rabincftc von Hnni. St. Oono- 
vieve, 8t. (icrmain u. a. ausbeutete ; leider ist 
diese Ausgabe keine, welche der Kritik Mont- 
fauions Hlin* macht. Nach ilim komnifii dio 
Saimniungeu von Passeri (Thesaur. gummar. 
astriferarum, cura Q. F. OoHj 3 Bde., 4^ 
Florent. 1750), der den Rasilidianem diese 
Oemmen ganz absprach. BartoU (Mm. Odcs- 
ealch.), TAppert (Dactyliotheca univ. 17157), 
Firnrini-ÖtUtOiti ((Jcnim. antüj. Rom. 1757J. 
.\u<'h Ducauge, Haidoiii», Ffiiardent und 
Massuft (in ihren Noten zu Jnnacus) be»pre- j 
chen den ßegenstand. Zum erstenmale wiir- i 
den AtiliiiifV zu oincr kritischen Mchandlun^ ' 
diei»er Denkmäler gemacht durch Beiknnann 
a. a. O., IFdM (Aneient Oeirn, Hedab and 
(loms. 2 cd. I.ond. 1?<2S. H"), Kopp fPalaeo- 

Saphia critica, Iii u. lY, Mannh. 1827), 
atter (in s. Histoire du Chiosticisme, 3 toU. 
PariR 1S28, 2* cd. 1S44), der in seiner er- 
sten .\uHa«re auf 14 Tafeln eine ziemlich 
vollständifjc Hammlung der erhaltenen Ty- 
pen gab eine Zugabc, welche der 2. Auti. 
der Ilist. du (inosticismc fehlt. Zu diesen 
grös.seren Veröflentlichungen treten cinz(dne 
Abhandlungen, wie die von .hh. (tust. Stirkei 
de Oemnia .\braxa nonduin edita (.len. 1H4H, 
4'); desselben Mutier Excursion gnostique 
en ItaUe, avec 12 pl. lith. Strotib. et Paris 
isr)2. S". uml besonders C. H'. Kinij Karly 
Ciu-istian >iumi»matic8 and other antiuuarian ; 
Tracts, Lond. 1873: dtm. The Onosties and { 
their remains. atirient and niediaeval, Lond. 
1864; dera. Antic Uema, 2 ed. Lond. 180(>, 
wo tieles Material beigebracht, wahrend die 
luiguistiHchen Kciuitnisse des V«'rf. zu «ci- 
neti etymologischen Studien nicht ausreichen. 
Hiid[i( Ii gaben Graf Weif Baudissin in s. 
Studien z. Hcmitischen Religkmsgesch.. Tipz. 
IHTii. I ff. eine ZuHammenstellun;; der 
sog. Abraxen mit dem Gottesnamcu lAQ, 
, Herrn. BolUt in «. Olyptik (in Bachers 
Oesch. (I. tcclin. Künste, Stuttg. 1875, I '^2\) 
eine l'ebersicht des (Jegenstaudes vom kunst- 
hbtoritchen Standpunkt am. 
Man hat die sog. Abraxen in Terschiedener 



Weise zu classificiren gesudit. CaptUo 
unterschied ba«iIidianis< ho . amuleten- und 
talismanartige Steine. MontJ'aucon nahm sie- 
ben Clausen an (Abraxas mit dem Hahnen- 

knpf. mit lii'in Löwcnknpf oder Löwengestalt, 
Abraxas mit Figur oder Inschrift des Öera- 
nis oder der Isis auf der Lotosblume — Ja- 
hlonski/ hatte in zwei hierhergehörigen Dar- 
stellungen sogar den Kopf des Erlösers zu 
erkennen geglaubt: Chifflet tab. XXVI 
XXVII " Abraxas mit Anubis und 
Scarabäuni. Abraxas mit Mcnsclienkopf und 
anderen gcHügelten oder un>;etiügeUen (iott- 
heiten, Abraxas mit Insehriften ohne Hilder, 
endlich .\hraxas mit unerklärlichen Symbo- 
leu und Inschriften). Durchdachter als diese 
völlig unkritische, glelehwol ron MarÜgmf 
ülicrnommene Kintheilung ist diejenige von 
JbeUennann, welcher zunächst eigentliche 
Abraxen, basilidianisehe, ^um 
.\braxoiden und durchaus unchristliche 
Abraxisten unterscheidet. Eigentliche 
Abraxen nennt er jene, deren Bild fünf bo- 
HtimmteCharakteri'ti a ui dem menschlichen 
Kumpfe aufweist: den Hahnenkopf, zwei 




Arme mit Symbolen, zwei SchlangenfQs.4e 
(vgl. die beistehende FSgnr 6 aus Martigny). 
Die Symbole und Figuren, welche der Abift- 
xas in den Ilän- 
d(Mi führt oder 
neben sich hat, 
sind ilenii ver- 

sdiirden : 
Peitsche un«l 
Schild, Kranzniit 
uderuhue Kreuz, 
mit oder ohne 
Inschriften auf 
dem Schild; Ku- 
geln oderkugel- 
ähnliehe Kör- 
per , Scepter, 
Schwert; zuwei- 
len sieht man 
menschliche (ie- 
stalten daneben, 
Bewaffnete oder 
knieende Perso- 
nen (wol nicht 
Schüler, wie Bel- 
lermann an- n«. t. awum. 




Digitized by Google 



AbnxM und Abr«k«d»br«. 



9 



nimmt, soadeni in den Cult Einzuweihende, 
Katcchumenen; vpl. di«' })ei^egol)ono Fi<j. 7); 
oft frscheinon. oft ffhU-ii <lani'l)»'ii hischrifton 
untl andf rt« («eheiiiizeielieu. Die A b r a x o i- 
den be^iffen diejenigen (hemmen, auf wel- 
chen AhwcirhiinfjPTi von dorn prwähnton 
Abraxa.s-Ty|tus vorkommen: hier fehlen z, Ii. 
die Sohlan^enfasse oder der Hahneokopf. 
(Mcr das don Ahraxa« fohlt <^nn/., inid 
uur andere Zeichen und Inschriften deuten . 
auf elniBtlieh-gnostiaehen Uraprung; oder die 
HauptdarHtelhingen sind der ä;ryptis»>h-hoid- 
nischen Mythologie entnommen und nur die i 
Nebenfiguren nnd Intehrilton weisen auf- 
ohristHche Seeton hin. Die hier von BoIIer- 
Bumn beliebten Unterabthoilun^^en : I ) A b r a- 
xasähnliohe Bilder; 2) raenscliliche i 
Q e rtd ten , welche gleich Harpokrate« denj 
Finjfor auf den Mund l('tj<'n, und wclclif er 
A br a x o i <i - A n t h im» p o m o r p h «' ii iieimr ; 
3) hininili«-}if Körper nu'ist mit Thierjärestal- 
ten, Ih's. di's Löwen — - A h r a x o i d - A s t r o- 
iten: 4) Sehiuugenbilder, oft mit der Auf- 
•ehrift Chnubis, Chnumis = Ab- 
ra x o 1 d - O h n u h 1 1 e n und 1) <p t fj- 
jtop^o'. (ein Beispiel biotot die 



sehen l'iguren , S<*hriftzeiehen , geheimniia- 
voUen Charakteren gezierte Steine. Wieder 

eine andere Chissitii ntioii hat Mutfcr in h. 
Aufsaitz Al)raxas in Ilircoi/s lit'aleiu'yklo- 
püdie (den die 2. Auti. trotz seiner Unzn> 
länfrliflikeit wieder iih-^eihnickt hat) ver- 
sucht. Kr unter.scht'idet iiier folgende Dar- 
stellungen : 1) das Abraxasbild allein, ohne 
äussere Ikonik (I), mit i-infarhiT oder keiner 
Legende; 2) Abraxas mit anderen gnosti« 
sehen Mächten; B) Abraxas mit jOdischen 
Mäcliteti. weitaus die vurwieLTcndste (Masse; 
nicht in Bildern^ soudern in Ihschrifteu be- 
freiten den Abraxa« sehr oft die Namen 
Jho oder .lehovah , Adonai , Sabaoth , Mi- 
chael, Gabriel, Uriel, Onoel, Anonoel, Ra- 
phael, Japtuel u. 8. f.; 4) Abraxas mit 
persischen Mächten, bes. Mithrat«: 5) Abra- 
xns mit agy|>tischen Mächten: als Bild mit 
dem ."Sonnengott Plire, der seinen Wagen 
führt Oiler auf dem Löwen steht ; weiter 
mit den Xamen Isis, Phtha, Neith, Athor, 
Thot, Anubis, ilorus, Harpokrates im Lo- 




ric. s. 

Fitrur H mit <lor Inschrift lAQ 
lABAü) un.l MOl'^^Hij) auf dem 
Revers); 5; Inschriften ohne Bil- 
der. Die Aliraxaster. weitaus 
die aalilrcichste Gattung, spricht Beller- 
mann , da sie rein li(»idni-<i'}ie Uilder ent- 
halten, den christlichen üuustikern gänz- 
lich ab. Aach hier macht er wieder 12 
rnterabtlieilunpen : 1) A b ra x astro- f d o- 
liten, mit rein hcidnisclien Gottheiten: 
Isis, Osiris, Serapis, Horns, Reraphan, Ty- 
phon, Hekate; 2) A 1» ra x a s t r n - P r i a ]» i- 
ten oder Mcndesiten, mit schamiotien 
Oestelten; 3) Anubisbilder, mit dem 
Hondskopf ; 4) T h a u m a t i t e n. mit Sphin- 
xen. Greifen. Affen u. s, f.; 5) Ornithi- 
t e n , mit Yogelge«talten : <>) A m p h i h i- 
iten, mit Amphibien, Eidechsen, Kroko- 
dilen. Kröten u. s. f. : 7) I c b t b y i t e n. mit 
Fischen, Delphinen; f<) Scarabäiten. 
mit Käfern, Skorpionen, Krebsen u. s. f.; 
9) Scoleciten. mit Wfirmern. Korallen- 
thieren; 10> Abiotitcn: Pflanzen, Ge- 
lithe, Waffen und andere leblose Dinge: 
11) Poikiliten, unter welcher Rubrik 
■Ue Qbrigen bisher nicht aufgeführten Dar- 
steUongensiiMuiimengefaast werden; 12)Tf> 
piten, ohne Bilder, nur mit mathemati- 




rig^ f. AbmM. 

i toskeh'li. iiui li mit dem Nil, mit Scarabäen 
(flen wiederbelebenden kosmischen Kräf- 
ten), mit dem Agathodämon (Cbnuphis); 
6) A)iraxa8 mit griechischen Mächten, bald 
als Bild, bald als Xame mit den Plain»- 
ten: so VunuSf bes. ilekate uud Zeuü (in 

* diese Kategorie dUrfke obenstehende, ron 
Moiif/dHcon publicirte Gemme fFig. 0) mit 
lieraklos und dem nemeischen Löwen wol 

I weniger all in die Klasse der Amulete zu 
zählen »ein; vgl. Ch. LeNcrmaut Kev. arcb. 

1 1, III 510); 7) die Wanderung durch die 
Stemenwelt zum .\menti, nach der ägypti- 
schen Religionslehre : Auffahrt des zum 
Osiri» Verwandelten, dem Krdenleben Ent- 
schwel)enden auf dein Kücken des Löwen 
oder Krokodils, unter Führung des Anubis; 
S) dasliericbt, trlejchfalls ägyptisch ; "J) Cul- 
tus und Kinweibung (vgl. oben die Gestalt 
des Abraxafl mit dem Knieenden); 10) die 
a-^troloirisrbe Gruppe; 1 1) Inschriften: a)ent- 
wedur ohne Symbolik auf Stein-, Eisen-, 
Blei- und Silberblättchen in griechiscber, 
lateinischer und kqitiseber Sprache; b)oder 



Digitized by Google 



10 



Abrennndalio. 



mit Symbolen, s. B. der Schlange; c) mit 
Ikonik. Ich gehe auf die innere Unge- 
Bundhfit diosor Ict/fon ria.tsifiration nicht 
näher ein; 08 Icuohtut z. iJ. sofort ein, dass 
die unter IIa aufgeführte Classe mit dem 
Abraxen gar nichts zu thun hat, sondorn zu 
den Amuletten zu zählen ist. Holld a. a. 
0. 332 ff. hat im Allgemeinen sich Beller» 
mann anpr('l(>}iiit . bezieht aber die meisten 
figuralen Darstuliungeu der Abraxae-Gem- 
men (die, wie er anmerkt, ftUe hn Tief- 
schnitt t;eiirhcitet sind) auf die Gestalt des 
Phanes (iif der orphischen Oeheimlehre 
des gricchieehen Hythus das nrwelttiehe 
Lichtwesen, das aus dem Welte! mit strah- 
lendem Qlanze hervorbricht, der Vater aller 
Odtter). Diese Gottheit erscheint mit Schlan- 
genleib und mit strahhmumgebenem Lö- 
wenkopf, manchmal auf der Weltkugel 
stehend; oder der in Schlanj^enfüs.se endende 
Memchenleib mit Hahnenkopf hält in der 
einen Hand eine Geinsel und in der andern 
einen Schild; oder die Figur hat vier Flü- 
gel (auf die Jahreszeiten oder Hauptwinde, 
Weltgegenden oder Elemente anspielend) und 
sie steht manchmal auch auf einer, Worte 
oder Zeichen umBehUemenden Schlange und 
hSlt einen in Grade abgetheilten, die Zeit- 
abschnitte andeutenden Stab oder einen 
Sehlflnel, der die Pforten des Jahres Sffhet 
and srhlicHst. Die Combination mit dem 
Hahncnkopf bringt er dann in Vorbindung 
mit dem persischen Mythus, wo der Hahn 
das Geschöpf Ormuzds des Lichtferkflnders 
war; .daher auch zu erklären »ein dürfte, 
dass im Volknmundc der Löwe, das blut- 
dürstige Raubthier Ahrimane , vor dem 
Hahnschrei flielit*. 

Eine erneute wissenschaftliche Sichtung 
des vorhandenen Materials wäre eben so noth- 
weiuli«; als die noch gänzlich fehlende Unter- 
suchungder Abraxasinschriften Seitens eines 
auf der H5he der hentigen Fonchung stehen- 
den Orientalisten. Tn tlinsicht des ersteren 
muss zunächst der Bugriif der Abraxas da- 
hin festgestellt werden, daas der Name nur 
auf diejenigen Steine u. s. f. angewandt 
werde, welche das Bild oder den Na- 
men Abraxas bieten: alles Andere ist auszu- 
eeheiden und künftighin unter den Rubriken 
Amulette und G e s i- h n i 1 1 e n e Steine 
(s. d.) zu behandeln. Weiter muss sorg- 
fältig zwischen den alten Steinen und jenen 
psoudognostischen Denkmälern späterer Jahr- 
hunderte (bis zum 14. hurabj unterschieden 
werden. Die Hauptfrage bleibt dann: ob 
die eigentlichen Abraxen christlichen, jüdi- 
schen oder heidnischen Ursprungs sind — 
eine Frage, die allerdings nieht leicht um 
Rf'inc /u bringen ist. da uns zunächst sehr 
schwer ist, zu bestimmen, ob eine Reihe 
ioleher Denkmäler vor Christas oder naoh 
ihm fSUt. Dass die Steine mit dem Ahra- 



xasbild nothwendig alle den Basilidianem 

angehören, wird zwar behauptet, aber ist 
nicht bewiesen. Die meisten tlerselben wer- 
den wol dem aus jüdischen, christlichen und 
heidnischen, bes. orientalischen und igjrp- 
tischen Religionshetrriffen und Namen zii- 
sammengescliweissten reÜgiösen Mischmasch, 
dem Synkretismus des 3. und 4. Jahr Ii., 
zu/us<'lin'ilH'Ti sein. Immerhin auffallend 
bleibt, dass die von Ori^nes mitgetheilten 
Gebe lefo rmeln der Onostdcer sich unter den 
Inschriften (l><r in Frage Stehenden Steine 
nicht wiedertinden. 

Warum endlich der menschliche Rumpf 
mit dem Hahnenkopf und der Peitsche den 
Abraxas als den geoffenbarten (i^ott »ym- 
bolisire, hat BgUgmtom I 54 f. ni erklären 
versucht; ich verweise auf diese Avafllh- 
rungen, welche mich nicht hinreichend fiber- 
zeugt haben, um ihnen hier einen Platz zu 
gflnnen. kbaüs. 

ABRENUNCIATIO («TroTarfT,, d-OTa$i;), I. 
ist jenJT der Taufe kurz vorangehende litur- 
gische Act, wodurch der Täufling feier- 
lich dem Satan und seinen Werken wider- 
sagt, ihm abschwört und sich gänzlich von 
ilirn lossjit^'t. Spuren dieser abremnin'afio 
wollte man bei 1 Tim. 6, 12 und 1 Petr. 
3, 21 gefunden haben; doch wird erstere 
Stelle besser auf die Ordination des Timo- 
theus zum Bischöfe von Ephesus bezogen, 
und in der zweiten Stelle das Jkm^rr^^Lar 
richtiger als B i 1 1 e um ein gutes Gewissen, 
als in der Bedeutung einer Frage nach 
einem guten Gewissen aufgefasst , da ja 
letzteres erst durch die Taufe erlangt wird. 
Gewiss ist aber , da-ss die iihrmunciatio 
in ältester Zeit ihren IMatz in dem christ- 
lichen Taufritus gefumlen hat. TeriuHian* 
de Coron. milit. c. '\ un<i Ihtsiliua de Spirit. 
sanct. c. 27 führen diese Ceremunie geradezu 
mif das apoRtolnche Zeitalter znrflck. Kei- 
ner der kirchlichen Autoren, die in alter 
Zeit Uber die Taufe schrieben, übergeht die 
Renunciationen. Dieee wurden rar sehr 
wichtif? «rchnlton und von >fehreren gerade- 
zu als das eigentliche Taufbündniss ange- 
sehen. ,Qna]ido enim interrogatus eet: aV 
renuncias diabolo, pompis et omnibus eius? 
tunc ei sacerdo« subscribendum pactum ob- 
tulit. Quando autem dixit: abrenuncio, 
tunc sulMcripsit^ {Caesarius inter ojip. Au- 
gustini serm. 2(54 in app.). Was tlie For- 
mel dieser Abschwörung betrifft, so stim- 
men die Kirchenschriftstcllcr in Bezug auf 
(las Wesen dersellM'ii vidlkommen überein; 
doch tiuden sich du und dort verschiedenOf 
das Wesen nicht alterirende, sondern nnr 
umschreibende Zusätze und Erweiteruniren, 
wobei es theilweise dahingestellt bleiben 
muss, ob wir es hier mit genau wieder- 
g^benen Formalarien, oder mit Ampli- 



Digitized by Google 



AbMannetoUo. 



11 



ileationen, beziehungsweise Abbreviaturen 
in oratorischem Interesse m tium haben. 
Nach Terlu/lian. de Sppotac. c. 4 wid er- 
äugten die Täuflinge ,dem Teufel, »einer 
Fradit und «einen Engeln*, und naeh den 
Comlit. aposf. VII, c. 41 ,dcni Satan und 
■dnen Werken und seiner Pracht und sei- 
nem Dienste und seinen Bngeln und seinen 
Einhebungen und Allem, was von ihm her- 
kommt'. Cyprian, de Lape. und Ep. VII 
aL XIII ad Rogatian. kennt den ,Teufer 
md die .Welt' als Objecto der Al)«( hwö- 
rong, nebst diesen Ambrosius de Initiat. 
c. 2 des Teufels Werke, Pracht und Wol- 
lust, Uieronym. Comment in Matth, e. 25. 
2fi des Satans Pomp und Laster. In der 
Kirche zu Jerusalem widersagten die Kate- 
chumenen dem Satan und allen seinen 
Wf rken und allem seinem Pompe und allem 
»einem Dienste. CyrilL Hierosol. Catech. 
nystag. I, nr. 4 sqq., und Shnliolier Weise 
in der Kirche zu Antiochien, wie Chri/sn- 
$tomus in seinen Homüien ad pop. Antioch. 
beieugt. "yfif Qbei^^hen weitere Varia- 
tionen der Renunoiationsformeln und führen 
nur noch die merkwürdige Formel auf, 
welche auf der Synode zaLestincs (745) 
m den Zeiten BonifiuäuH' festgesetzt wurde, 
nämlich: ,wider«a«rst du dem Teufel?.,. 
Lud aller Oescllscliaft des Teufels;* . . . 
Und allen seinen Werken? (Ich widersagc) 
allen seinen Werken und Worten , dem 
Thür und dem Wodan, dem äachson Othin 
und aflen hSsen Oeistem, welche derselben 
Mir-jcnosson sind.' Die Art und Weise 
der Abrenuneiation bestand in Fragen und 
den entspreclienden Antworten; so in den 
occidentalischen und nriontalischen Kirchen ; 
in der Kirche zu Jerusalem ging nach Cy- 
HBL Hiero». 1. c. der Abremineiation der 
Befehl de>* Bischofs voraus, dem Satan zu 
widersagen. Die Kcnunciationsformel seheint 
ursprünglich fast in allen griechischen Kir- 
chen and in mchn ren Kirchen Deutsch- 
lands und Frank r('i( lis in Eine Fra^re und 
Antwort eingekleider gewesen zu sein; zur 
Erhöhung der Feierlichkeit wurde die Eine 
Frage in mehrere getheilt. So finden wir 
bei Ambrosius De Myster. c. 2 eine zwei- 
fache Frage; bei CtfriU. Hieroa. I. c. die 
Frajje in vier Theile, und in dem Ordo des 
Patriarchen Severus von Alexandrien gar 
in seehs Th^ lerl^ Die Dreisahl der 
Fratrcn und Antworten blieb zuletzt die 
gebräuchUehste, sei es, daas man darin eine 
DSnehnng auf die drei göttlichen Personen 
suchte, sei es in Nmdiahjnunff einer bürger- 
lichen Rechtshandlun<^ der Körner, nämlich 
der Freilassung eine« Sklaren, wobei der 
Herr drcinuU seinem Rechte zu entsagen 
pflegte. Virecnm. De Hitib. bapt. II, c. 20. 
BeägUch des Zeitpunktes für die Ab- 
remmeistiooen war die Pnuds Towshieden, 



bald vor, bald nach der Taufwasserweihe, 
und ebenso verschieden die Bestimmung 
des Ortes, der hiefür bald in, bald ausser 
dem Baptisterium gesucht wurde. Mit der 
abrenundatio waren noch besondere Oere- 
monion vcrbmidcn. Die Katechumenen 
wurden, mit dem üesichto gegen Sonnen- 
untergang gewendet, aufgestellt, um, wie 
Cyrillus Hieras. 1. c. bemerkt, dadurch an- 
zuzeigen, dass sie demjenigen entsagten, 
welcher der lichtscheue Fürst der Finstomiss 
ist. Die Täuflinge legten die Fussbeklei- 
dung ab zum Zeiclien, dass sie niclit mehr 
die alten Wege der Sünde geben wollten; 
sie machten mit den Armen abwehrende 
Bewegungen, hauchten und spukten gegen 
den im Geiste vorgestellten Satan, ganz im 
Suine des Ton Grtgor, Naz, Orat. XL de 
bapt. anEredeuteten Orundsatzes, dass die 
Täuflinge nicht bloss mit Worten, sondern 
auch in Haltung, Mienen und Oeberdem 
dem Teufel widenagen sollten. — Vgl. auch 
Taufe. krOll. 

n. (Abrennneiatio) dic6Ta|ic. ivo- 
TciY'^' «TCO Ta$ dtfievo t, »yvTa-frj. renun- 
ciantes. Mit dnoTajo&jftat verstand man 
aber auch (nach Luc. 14, 33) die Entsagung 
von allem Zeitliehen, insbeeondere dem eige- 
nen irdischen Resit/tluime, wdche beim Ein- 
tritte in den Möii( hsstiin<l als Vorbedingung 
gefordert Mrurde. Zuerst musste die dttOTsrpfj 
erfolgen, die Wegwerfung alles Irdisehen, die 
Verleugnung des eigenen Ich, der eigenen 
Meinung, das Ablegen aller bisherigen Ge- 
wohnheiten; dann erst erfnlj^te die Tjvrrp^, 
das Gelöbniss vollständigen Gehorsams, die 
ErtSdtung der eigenen Glieder und das 
völlige Absterben fs. darüber Isidor Peius. 
1. I. c. 1). Daher heisst es {Pallad. Hist. 
Laus. 22) d a s Td fS gwo xai "{frifovast {xovayof. 
Oder bei Hicron. (ad Rust. op. Vall. 125, 
n. Iß) renunciare saeculo. ist also ei- 
gcnthch dicotoqfi^, renunciatio, im Grunde 
das, was wir naeh der heutigen Ordern- 
dis( i|»lin Einkleidung, und auvra-jT^ das. was 
wir l'rofess im strengen Sinne nennen wür- 
den. Indess oft wird abrenun^itio im wei- 
teren Sinne auch von letzterer verstanden, 
wesshalb sie Cassian als feierliches und 
ewiges, unabänderliches Gelübde nach Qbcr- 
standener Probezeit beschreibt (Instit. IV, 
36). Und so heissen dnoTo^diuvot geradezu 
MBnohe (Hist. Laus. 15). Für den Unter- 
richt der rennm iinites . der Mouche, findet 
sich eine grosse Litteratur erhalten, z. B.: 
Caatkm. de eoenob. institntis liber lY; de 
institutis renunciantium; collatio 3. de 3 ab- 
renunciationibus. Basilius reg. fus. interrog. 8 
(II, 348—351). Ephrem. S. ad renunc. (III, 
317—324); de verateiwinciaticme (III. 3« bis 
38). Dorotheits de renuneiatione f Hihj. Lugd. 
V, 903—907). Oresiesis de instit. monach. 
r^nla (jh. IV, 96). Maear, sen. Horn. 9. 



Digitized by Google 



12 



AbMtsung » Abt 



Anastas. Sin. q. 9. Joh, Clim* Soala, gr. 1—4. 1 

Lit. s. Hae/ten Di8qtttt.moilMt L II, append. 

p. 2. d. 2 vt 12. AD. WEISS. 

ABSETZUKQ (Depoution), s. DegradatioiL 

IBflOLUnOH» 8. Bime. 

ABSOLrTIONSFOKMELN. Nacliffcwiosi-n 
ist bis jotzt für (las chrisrlichp Altfrfhuni 
blo«8 die 80g. foriuulu deprcoatüriu, diu Los- 
sprechnng in der Form des Oebetes. Als 

solche erflcheint sie zuerst Onnstit. Apostol. 
libr. II, c. 18 (9) : xal -po jx/.auaor^ta sbosvou. 

icoifLvi«]). A«hnlicli, aber viel ausführlicher 
die aus der LHarj^. s. Jacob! in Bi- 
bKoth. PP. Oraee. et Lat. II 23 (daraus 
Bingham YIIl 211) und die unter dem 
Titel Kuytj M TÖv i| ^icttipitov Xuofiivcov ; 
bei Goar Euchol. ßßf: mitgetheilten For- 1 
mein. Mit diesen ül>erein8timniendt\ <'l)en- 
falls nur liitte und Wunsch au»sprecliende 
grieehi»che Formulare späterer Zeit giebt 
Fhtm. Siniffi in s. Acoount 181 (- de 
Oraec. ecci. statu hodierno, ed. Traject. ad 
Rh. 1698, 122 f.). Aber auch die lateini- 
schen Forniularieu . sovjrlc deren bis jetzt 
aus der älteren Zeit b(>katuit sind, haben 
die Deprecation : so diejenigen tn den alten 
rSmischen Bussbüohern bei Canis. Leetion. 
antiq. II, 2, 122. Ämort de orig. indulg. 
17. Morin. de poenit. lib. VIII, e. 8— IS. 
In einem dieser Formulare spricht der 
Bt'ichtende: obnixe etiam te, sacerdo« Dei. 
exposco, ut intercedas pro nie et j)ro pee- 
oatis meis ad Dominum Deum nostrum, (pia- 
t<'nus de bis et aliis omnibus sceb-ribiis meis, 
vcniam et indulgentiam per merita et inter- 
oessiönis onmium Sanctorum asseqni merear 
— worauf der P^if'^*te^ antwortet : mise- 
reatur tui omnipoteus Deus et diniittat tibi 
omnia peceata tna, liberet te ab omni malo, 
('(in>;ervet te in omni Itono et |)er(lueat nos 
paritur J. 0. tilius Dei tu vitam aetcrnam. 
Ab omni malo custodiat nos omnipotens 
Dominus. Dagegen gehört die von Binqham 
a. n. O. 214 und Au/fiisli Hdb. [II ]{){) an- 
gefülirte Indulg e n t i a aus einem alten, 
von Flaciiis III. und Bona lierausgeg(?benen 
Messfonnular (,qui mulieri pecoatrici omnia 
peceata dimisit lacrymanti, et latroni ad 
unam oonfessionem claustra aperuit paradisi, 
ipae vos redemptionis suae participes ab 
omni vinculo pcccatorum absolvat et mem- 
bim aliquatenus debilitata medicina miseri- 
COrdiae sMiiata , coi-iKtri sanctae ecclesiae 
redeuute gratia restituat atque in norpetuum 
solidata costodiat*) wol nicht hiernin, indem 
sie dem noch jetzt nach dem Coiifiteor ge- 
beteten , Indulgentiam' u. s. f. des Priesters 
entspricht. Wenn nun auch die ludicativ- 
oderbnperatiT-Formel erst seit dem 13. Jahrb. 



und hauptsiehlieh seit 7%omas ron Äquin 

(vgl. dessen Schrift de forma absolutionis 
üuuAc. XXII. ed. Paris. 1G34, 375 ff.) im 
Aoendfande die herrsehende wurde, so folgt 
daraus nicht, dass. wie Morinus behauptet 
hat, die deprecatoris<'he Formel im Alter- 
thutn ausschliesslich üblich war: noch 
weniger, dass die Ajisohauung über die 
Cttllativ-dewalt der Kirche sich im Laufe 
diM' Jahrhuiuierte geändert hat. Auch die 
Hucharistie wurde ,diircb Gebete* Tollzogen, 
und doch hat die Consecrfttionsforniej keinen 
deprecatorischen Charakter, wie auch h obst 
Saoram. u. Sacr. 305 bemerkt. kraüs. 

AB8TINENTU, AB8Xüi£NT£S. A b s t i- 
nere aliquem oommunicatione wurd 

= excommunioare gebrauclit, so Cyprian* 
F^p. (CaldoniiJ 39; Avil. F^pist. 14 u.a.; so 
auch abstentus — e xcom m u n i ca t u s 
bei Cyprian u. a. Dann ab s 1 1 n e n t <> s 
continentes von denen, welche sicli des 
Fleiscbgenusses oder Wisines. aller auch der 
Fihe und des Beischlafs enthalten (Tertui^ 
lian, Cf/piian): in diesem Sinne wurde es 
nach Philastrius' Bezeichnung einer enkra- 
titischen Seete in Spanien und Aquitanien 
fseparantos persuasionibus coniugia hominum 
et escarum abstinentiam promittentes). Uel)er 
Abttinentia im kiroMietaen Sinne und Si)po- 
^Tjfia 8. Fasten. raucs. 

ABT. Die Namen für den Vorsteher der 

alten Klöster waren superior, prior, de- 
canus (weil ursprünglich einer Zebnzahl 
v«Hi Mönchen vorgesetzt, wie der cente- 
narius hunderten), i>ra e|>osi tus, endlich 
das syrische. <,'rii'fliisrlie -i 5 oder ^ 5 c. 
d. i. Vater. Zwar ist ilieromjmiis im Comm. 
zum Oabterbrief mit dieser Bezmehnnng 
nicht einverstanden , indem er der Ansieht 
ist: cum abba, pater hebraco syroquo ser- 
mone dicatur et Dominus noster in Eran- 
gelio praecipiat, nullupi patrem vocandum 
nisi Deum: nescio qua licentia in monasto- 
rüs Tel Tocemus hoc nomine alios vel vocari 
nos acquicscimus ; hiemit wird alier d<x;h, 
wie auch im Oomm. zu Mattli. XX III, die 
herrschende Oewolinheit coiistalirt, wie Hie- 
ronymus sell)8t auch wieder seinerseits die 
Mönche Macarius, Pambo, Isidor in dem 
Briefe an Kustochium Patres betitelt. Dem 
entsprechend nahmen die Oberinnen der 
Frauenklöster den Namen .\ebtissin fab- 
bat issa, im Orient auch das griech. ä|i.)ia, 
Amme = t^tvip. -rpo^i^c, Hama) an, wofSr 
das erste Beispiel im Concil V. Arles v. 
554, c. 5 vorliegt. Mit der R^l des hl. 
Benedict verbreitete sich diese Titulatur Aber 
ganz Europa. Mit ihr und dem durch sie 
ausgesprochenen Verhältnisse war gegeben, 
dass sich die Mönche f rat res, die Nonnen 
sorores nannten. 



Digitized by Google 



Abtreibung — Aedamationen. 



13 



Die Gewalt der Aebte war eine woit- 
•mgecMuite: JEfürottym. Ep. XXII a<l Ku- 

rtoch. 0. 15: primn apud eo« confocdcratio 
erat, obedirt' nmioribu» et quidquiil iussisst-nt 
&eere. Von geistlichen Strafmitteln 
stand ihnen der Ausschluss von der Com- 
mimion und der kirchlichen Gemeinschaft 
eq: CatsioH. Instit lib. II. c. 16. Soerates 
lil>. IV. r. 23 erzählt, wie der A. Arnfiiitis 
rebellische Mönche ausgeschlossen, Cmmm 
L e. n. c 5, wie der A. RtphniHii» t. 
Scethi einen Selbstmörder aus den Diptychen 
ausgestrichen; andere Beispiele hat Palla- 
düis Hist. Lausiac. c. 40. Von andern Stra- 
fen Htand dem A.e dieAusstossung aus 
der Gemeinschaft und körperliche 
Zfichtijfunf? zu: CuHHian. üb. 11. c. IG. 
Lf't/tfrt r. speziell der Geisseistrafe, gedenkt 
Faliud. Hist. Laus. <•. ß. 

Zu den l'rivik'f^fien der Aebte gehörte, 
daiM sie. übrigens erst ziemlich spät, sn den 
Com^ilien Itcniffii wurden: so erscheint Be- 
nedict auf dem Conc. Roman, a. 531 unter 
Bonifas. Auf dem Oone. Gonstant. a. 448 
nnler/cichncn 23 Archiniiindriten (n. d. A.) 
die Verdammung des Eutychcs. Dass Aeb- 
tissinnen anf Concilien anftreten und unter- 
schreiben (wie zu Becoanfelde in Kent 694), 
gehört, wie überhaupt die weitere Ausdeh- 
nung ihrer Gewalten, der germanischen Ent- 
wicklung an ; ebenso die eigenthümliche 
Stellung, welche der A. des Klosters Jona 
auf der Instd Ily zu den schottifiohen Bi- 
schöfen einnahm — eine Art Ehrenvorsitz, 
der di«' Niclitarn-rkennung' des biscliöflichcn 
Vorrang» keineswegs involvirte. Vgl. Kraus 
Kirehengeseh. II 221. kraus. 

ABTREIBUNG der Leibesfrucht — ab- 
oriHB — naeh UlpUm zu Dig. XL VIII 6, 8 

mit Vf'rbaiuninf; gestraft von TertuH. 
Apoli^et. c. 9 als homicidii festinatio be- 
handelt; im Gegensatz zu dem unter den 
Hfidcn offenbar sehr verbreiteten Laster 
heiMt es da: nobis vero horoicidio semel 
interdicto etiam conceptura utero, dum ad- 
huc sanguis in Iiumineni dolibatur, dissolvere 
non licet. Auch MtHucius Felix, Athena- 
goras und Lactantius setzen das Verbrechen 
dem Parricidium gleich. Gleichwol muss 
dasselbe auch unter Christen vorgekommen 
»ein. Der ti3. Canon des Com-ils von El- 
vira gebot, Weibern, welche si(>h dessen 
<'1iiildig gemacht, erst auf dem 'l'odtiette die 
Comniunion zu geben; die 8ynode zu Au- 
cyra 314 e. 21 milderte diese Straizeit auf 
zehn Jalire und dehnte diesellie auch auf 
die Helfershelferinnen aus (? lirfdf C.-G. 
I 241). Das Concil Ton Lerida (824) schloss 
die betr. Personen nur sieben Jahre aus, 
das Trullanum «teilte sie den Mördern wie- 
der gleich, wahrend Gregor III zu den 
sehn Jahren surückkehrte, tndess er, wenn 



das Kind noch nicht im .Mutterleibe gebildet 
war, mit Bezug auf Exod. 21 nur ein Jahr 
Ausschliessung feststellte. — Die Lex Visi- 
güth. Hl). VI. tit. III. c. 1 strafte die Verw 
ahreichung von CKft zu dem besagten Zwecke 
mit dem Tod. Vgl. MamadU Origg. lihr. 

III. e. ,S. III f. KUALS. 

ABWESENDE (alisentes). Das (i e b e t für 
dieselben in der Liturgie schreiben die Con- 
stitat apostoL lib. VIII. e. 12 in den Wor- 
ten vor: E*:t TTopaxa/.oyfJLs'v as /at 'j-l^ ttöv 

'^t'su&i'x -h'j /f^wTou u. s. f., ahnlich 
Chrysoat.^ Homil. XXVI in Matth, p. 259: 

Ttuv {jL£Ta Tauta iaojtevtuv et; 7j|xä; eu-^apiaistv 
xxJA\it\ Tr,c SwCsc icpoxct|UVT)C ixsivijc. Es 
fand erst statt nach dem Gebet fb> die 
übrigen Stände. 

Wie für die aus gerechter Ursache dem 
Gottesdienst Ferngebliebenen gebetet M urde, 
so schickte man denselben auch die hl. Cora- 
munion. lu^stin. Mart. ApoL II i)8 : x«i 

dtaSo7i; xai r, |x£tg[XT)^ic ixit twv eOyaptjth]- 
8evT«ov exctJTco YivETai xal toTc ou 7:apoij3i oti 
Tiöv oix/covcov ze|jLi;eTai, zu welcher Stelle 
Bini/ham lustinians Nov(dI. CXXIII. c. 36: 
TT, t4)v ot-j'tT/ a'jTiT; xotvdjvtT* ^t'piiv vergleicht. 
Damit hing auch die Mittbeilung des Fer- 
mentum und der Eulogien zusammen, 
worüber die betr. .\rtikel in Tei^gl. sind. 
S. aucli Binyhain VI 4Ü1. 

ACTA MARTYRUM, s. Märtyrer. 

ACTIO Iieisst der Kanon der hl. Messe, 
nach ]\ ulajried titrabo lib. de reb. EccI. 
c. 22 quia in eo sacramenta eonfiduntur 
dominica. Honorius ron Autun {\ M) meint, 
weil die Messe gewissermassen ein Gericht 
sei: missa quoddam iudieinm hnitatar: unÄ» 
et cnnon m tin vonitur. und c. 103: canon 
dicitur regula, quia per eum regulariter 
fit sacramentorum confectio; hie etiam actio 
dicitur, quia causa populi in eo cum Deo 
agitur. Eine jedenfalls unzulässige Erklä- 
rung des Wortes, dessen gewöhnliche Bedeu- 
tung = (rflicium, ministerium, munus eher 
hier zu Grunde liegt. Zahlreiche Beispiele 
für beide Bedeutungen bringt Ducauyc s. v. 
beL — A. heisst weiter die scenische Auf- 
führung auf demTheater und daher auch der 
einzelne xVct, d. h. die Verhandlung eines 
beetiramten (Gegenstandes in einer Goneih- 
sitzuti^' (srssio, was also nieht mit arfio gleich- 
bedeutend ist): vgl, Liberat. c. 13. Sirmond. 
zu Focund. Hermtan, I. Y. c. 13 f. 

ACTISTETIE, s. KHstolatrae. 

ACCLAMATIONEN. L Zurufe der Zu- 
hörer bei der Predigt, s. Predigt 



Digitized by Google 



14 



AceUunationeii. 



II. Zurufe bei der Bisehofsweihe, 

S. d. A. 

III. Zurufe bei Concilien, als Mo- 
dus der Abstimmung, wo! ziemlich spat 
Torkommend. 

IV. Zurufe auf Trinkgefässen. Die 
bei den Gastmihlem der RSmer und CMe- 
chen üblichon Ziirufo (bone tibi, hone tc, 
Tivas, (ir/Tstac. x^^^Fc u. 8. f.) und die auf den 
TrinkgefSssen angebroetaten Sprflebe haben 
0. Jahn VasensemmL K. Ludwigs CXI ff. 
Jahrb. d. Vereins t. Alterthunufr. i. Rh. 
XIII 105 ff. Jansam eb. XVI 71 ff. Fiedler 
eb.XXI 57 f. gesammelt. Es gebt daraus 
hervor, daas die auf den altobriHrlichcii Trink- 
gefässen YorkoramciKh'n ZuMprüche und Er- 
munterungen (gebammelt bei Buonarruoti 
0«HPrv. sopra alc, framm, di vasi ant. di 
vetro 15, 24, 29, 38, 98, 116, 128, 143, 148, 
151 f., 162, 166, 178, 184 f., 191, 201, 205, 
206. Oarnicci Vffri nrn. a. !i. O.) im All- 
gemeinen die nämlichen wie dort sind, was 
aneh B. Soehetie Mdm. anr les antiq. ehr6t. 
II 20 ff. (= M6m. de l'Acad. d»>a Insor. 1^:?!). 
XIII 196— 199) ausgesprochen hat. Dm wird 
s. B. unbeanstandet Ton A. gelten, wie yaipc 
eS<{«yti. Ootpset. ave, have, vale, e-ijAoipei. 
e&9p6vei, KÖTradsi, anima dtäds; anima dul- 
cis fruanmr mos tine Inte seses, bibas cum 
Eulociaf bibeet propinu, diipiifus amkontm 
pie seses cum tuis omnihus hibe et prophin, 
äulcis anima vivas, Ililaris lims cum tuis 
fdieUttf pU (aCi), pie seses (Ci^saic), pie se- 
sete, propina, propinate, spes hilaris sesrs 
cum tuis, ricas, vivas cum caris tuis (oft 
dafilr bibas), vivatis , Cvfldxta, obgleich auch 
bei einzelnen derselben ein positiv ohriBt- 
licher Uedanke verbunden gewesen sein 
mag. Ausdrficklieh tritt ein SfHcher in einer 
zweiten Dassc von A. auf, die den christ- 
lichen Trinkgetassen allein eigen ist. Da- 
hin sind SU aihlen: bAas (ffir vivas) in 
Deo, bibas in pace Dei, viratis in Deo, re- 
frigsris in pace Dei, obgleich «ich für letz- 
tere Formel auch auf heidnischen Denk- 
mälern Analoga finden: so die Inschriften 
Er^TXEl KITIA II KAI A0I2ÜI ü UCIPIC 
TO VrXPON TAOP (Beifies. cl. XIV. n" 
31) und DOES OSIRIS TO PSYCHRON 
HYDOR (Fabreiti Inscr. c. VI V.K p. 
46Ö): ein Umstand, auf den merkwürdiger 
Weise bereits TerttdKa» de testim. anim. 
c. 4 (,aeque ex bona parte, cui gratiam 
debes, oesibus et cineribus eins refrigerium 
oompreeaiis, et nt bene reqniescat apud in- 
feros cupis') aufmerksam gemacht hat. 

Die in Rede stehenden Trinkgefässc mö- 
gen sum grossen Theil bei den Agapen ge- 
braucht worden »ein, wo sich dann ein 
Meferer, auf da» himmlische Mahl in der 
Be%en Ewigkeit gehender Sinn jener Zu- 
sprficbe von selbst ergibt. Secchi (8. 8a- 
Imnano martire, Roma 1841, p. 39) hat eine 



weitergehende Ansieht aufgestellt, dergemisa 

jene Gläser meist, wenn nicht alle, zum 
Genuätic des cucharistisichen Weines gedient 
hatten, so dass jenen Formeln ein be- 
stimmtor Bezug auf die Eucharistie zukäme. 
Die von Lupi (Diss. in Severae epit. p. 193, 
tav. 20) herausgegebene Inschrift eines cra- 
ter crystallinus PI6 ZHCAIC £N APABOIC 
beziehen demnach er und Martiguy auf die 
,gute Oabe\ das dyoiMv, unter welebem 
die Väter das hl. Abendmahl verstehen, 
während 0. Jahn Jahrb. a. a. 0. XIII 113 
in ihr nur einen Pendant zu der 1844 auf 
einem Kölner Olasbecher gefundenen In- 
schrift llllje ZUCAIC KAACOC (lUBK MVL- 
TIS ANNIS stand auf einem mir jenem zu 
Tage getretenen Becher) sielit (vgl. Jahrb. 
d. Ver. v. Alterth. i. Rh. V. VI. Taf. 11, 
12, 2). Auch Fea Miscell. I p. CXXXX 
sehebit in der Lupi'schen Inschrift Iceinen 
mystischen Sinn zu suchen. Siehe Weite- 
res unter dem Art. Ölasgefiisse. 

y. Aoelamationen auf Ringen und Amu- 
letten, s. d. A. 

VL Zurufe, welche sich auf das 
Qrab und die Grabesruhe beaiehen. 
Sie waren bekanntlich auch bei den Heiden 
Sitte und bestanden theils in Gebeten 
für die Todten (vgl. die Indices von Orut^, 
dann Reinesius c. XVI., Fabretti c. 1, p, 
45, n. 255; p. 2.5, n. 114«. c. 3, p. 122, n. 
21: p. 123, n. 25; p. 185, n. 417; p. 193, 
n. 44i). . . 5, p. 420, n. 381. c. 6, p. 465, 
n. XIX; p. 4f.(;, n. 103. c. 10, p. 719, n. 
413; p. 755, n. 614; p. 759, n. 644), theila 
in Anrufungen der Hingesehiedenen 
selbst (s. bes. Pausau. L. II 97; Spon. 
Miscell. sect. X). Noch häufiger treffen wir, 
den viel bestimmteren und weitergehenden 
Ueberzeugunc:en di r Tliristen entsprechend, 
bei ihnen derartige Zurufe. Einige der oben 
angefahrten Trinlcsprüche, wie HILARIS 
VIVAS CVM TVIS FELICITER SEMPER 
REFRIGERIS EN PACE. Bu(marruoliXX\ 
auch namentlich das wiederholte VFVAS 
(eb. 166), VrVAS (BIBAS) IN PACE DEI 
fcb. Tav. 5), müssen schon als Zurufe an 
die Todten aufgefasst werden. Nicht un- 
begründeter Weise glaubt Buonarruoti, man 
habe nach Abbaltun;; der Liebesmahlo die 
dabei gebrauchten Gläser an den Gräbern an- 
gebracht, einmal um solche, wenn sie ohne 
Inschrift waren, zu bezeichnen; dann um 
die Erinnerung an die soeben abgehaltene 
Feier, sowie an den Todten seihet festsu* 
halten; endlich hätten die auf die Trink- 
gefösae geschriebenen Inschriften die Stelle 
solcher irersehen, weldia naa sonst auf 
den Bewurf des Locolvs oder den Grabstein 
selbst aufschrieb. 

Diese letztere Klasse von A. (vgl. Dio» 
nigi Dei blandimenti funebri osia delle ac- 
damaaioiii sepolerali cristiane, Padora 1799, 



Digitized by Google 



Adam «ad Er». 



15 



4*) ninfMSt zunächst einfache Zurufe an 
döl thsirani Todtcn mit irgend einem Prü- 
dicate: AHlilA DYLCIS 
(BtumarrvoH 164), ANI- 
MA MELLEIA (Fahreffi 
p. 576» n. 166), PALVM- 
BA SINE FELLE (Ma- 
rangoni Act. 8. Vict. I 5, 
p. 120), ANIMA INNOX 
{FabreUi p. 57fi, n. 65), 
AMIIAE INNOCENTI 
oder IXNOCENTFsmr- 
MAH (eb. n. 163;, An- 
rufe, welche auf eine 
Linie mit in den Orab- 
Bchriften mWi&t gegebe- 
nen rridiestm, wie FILIO DVLCISSIHO, 
r>TOMPAR.\RILT FIIJO u. s. f. zu setzen 
aind. Andere A. «Drechen ausdrucklich den 
Ghaben an und «e Hoffnung: auf ein jen- 
seitiges Leben in Gott aus. So die zuhlroi- 
ohen Zurufe mit VlYAiS, YLS AS LN DEO 
(AiofMiTWOfi 164 bii 166; Mm-atori Thes. 
1964*), weleh* letitere Formel aneh eis 
iMch idartigntf 
hier wieder ge- 
gebenes StUei 
der Sammlung 
Greppo wie- 
dergiebt: VIVA 




W%§, 11. MM dw 



818 



-..s...., CVM FRATRIBVS 

TVIS {Boiddti 419); YIVE DT NOMINE 



t 



{Mai Coa Tat. 455'), ebenso anf 



mehreren Yon Martignu beigebrachten gal- 
" " « ABimNYH VIVA- 



TIS IN XPO {U Bkmt 164); YIVA8 IN 

um einen menschlichen Kopf auf einem 



t 



zu Toulouse l>efindliehen geschnittenen Stein 
(eh. 4yr., vgl. die Abbildung 10). AETEK- 
NALIS II ET SERVILL\ T| VIVATIS EN 
DEO fBull. de la See. dt« Antiq. de l'Ouest 
1862, 3 Trim.). COÖMAS VI VAS IN 
DEO monogramiiialiidi auf emem Ring (t. 
"^T. 12 nMh MarÜgH^), Aehnlieh eine 




r^. lt. 

BeOie Znrafe, wo das VLV'AS HIBAS ge- 
schrieben iit: lYUANE VIBAS IX DEO 
ET ROGA (Buonarruoti 1H7); VIBAS IN- 
TER SANCTFS (dr Rosst Inscr. I IK); 
DIOSCORK VIHE IN ETERNO (Fabretii); 
LONGINE DVLCIS BIHES CJELI TIBI 
PATENT BIBES LN PACE (deBossi Ichth. 
p. 8); TIBAS IN DOMINO ZBSV (FUreUi 
573, 149). IdentiMdi ist dem Simie OMh 



ACCEPTA srs IX OHKISTO (Buonarructi 
1()9), VHSVLA ACCKI'TA SIS LN CHRI- 
STO (Vi(/„oli Inscr. sei. 331); SPIRITVS 
TVVS IN PAGE (Anw. 165, 1(59); LIPHXH 
COl £X B£ü) (eh. 169): EN «£(0 ZHCHC 
(eb. 164); EN iPHNH IIPUAI Ü (eb. 168); 



ZOSDfE YIVE IN NOMINE 



CoU. Vat. 455*); ferner Zurufe, in denen 
das JeW u. dgL zu ergSnnn ist; IN 8IGN0 

DOMINI — P-, LN 8IGN0 ^ , IN8T0NV 



(BokkUi 86, 345, 399); IN NOMEN 



DEI (Perrft V 21); IN NOMINE CHRISTI, 

IX XPI NOMINE, LN XPI XOMEXE 
{Li- Blaut I 66); ISPIRITVS TVVS IN 
BONG {Buon. 169); I8PES IN CHRISTO 
(eh. 169); KN APICO IINErMATI H£()r 
{Mai'chi 198); wo denn auch statt der Gott- 
heit mnnrlnnal Heilige, ab Vertreter der 
eommnnio 8aaetomm, auftreten: IN NO- 
MINE PETRI 
(Boldetti 388). 

Dieselbe 
Hoffnung wird 
denn auch auf 
das eliristliohe Leben der Dahingeschiede- 
nen gegründet: FRVCTVOSA BENE VI- 
XSITl VENE CONSVMAäTl (FabretU 222, 
n. 590); anch wird der Ddiingeeehiedene 
um sein Gehet für die Zurüek>,'( i»!if'henen 
angetieht, wie oben in IVLIANE VIBAS 
DT DEO ET ROGA; ebenso 8ABBATI 
DVLCIS ANIMA PETE ET ROGA PRO 
FRATRES ET SODALES TVOS (Buon, 
167). lieber die zahlreichen A. mit IN 
PACE 8. d. Art. ; desgl. vgl. die Art Lux, 
Refrigerium, Himmel, Purgatorium. 

Andere A. wenden sich nicht an den Tod- 
ten ; hier und da treten sie in der Form der 
Gralwchriften seihst auf, wie: DRACOXTI 
IN PACE (Buou. 169): oder es ist eine Be- 
trachtung allgemeiner Natnr, die hier ange- 
sehrieben wird, zum Trost oder zur Naeb- 
achtung für Andere: OmiC AeANATUC 
(BiNOfi. 168, 169). - Vgl. nenestens de Bmtt 
Tripl, omaggio alla S. S. di Papa Pio IX, 
Roma 1877, p. 117. Bull. 1870, 12; 1873, 
18, 21, 54 -56, 62, 72, 73; 1874, 114, 126; 
1875, 12, 511, 78, 80—82, 98—93. A. auf 
verschiedenen <fegenstHnden aus der Zeit 
dcH Friedens: Bull. 187(1. 13—15; 1873, 118 
bis 12U, 141; 1874, 128. Besondere KlaiM 
von A. aus Porto: BulL 1876, 106. kbavs. 

ABAH und ETA. Die Geschichte der 
Stammeltern ist so bedeutungsvoll in der 
Geschichte unserer Erlösung und erinnert 
an so Tide dogmatiiche nnd moraKiebe Be- 
sieluuigeo, dasi deren hinfige DanteUong 



Digitized by Google 



16 



Adam und Ev«. 



in d«n BenkinSleni de« ehristUchen Alter- 

thuniH nicht auffiillcml emheint. Schon die 
hl. Schrift lehrt uns in dem ersten A., 
dessen Sünde die Menschheit Ins Yraderfaen 
stürzte, eine Erinnonui^' an Christus den 
zweiten A. finden , »ItT durch sein Blut 
Kie erlöste (I Cor. 15, 45; ofr. S. Augustin. 
Serm. 101 de temp.). In K. , der Mutter 
des Menscliciipesclileclite«, erblickte man ein 
Vorbild der Kirche. Schon im 2. Jahrh. 
schreibt der bl. MelHo: Adam, homo, sive 
tcrripena, Christi ti^'iiram p^erens. de cuius 
latere ülcclesiau sacrumenta prolata sunt. 
Em, Tita, sire calamitas, Eeelesiani si^i- 
ficans, (juao mator est omnium vivcntiiiiii 
iü. Melü. Clavis Spicileg. Solenn. Iii 601). 
Die gidehe AnfTassut^ finden wir bei den 
spateren Vätern. Quia Adam forma erat 
futuri, et Adam dormivit, quando de latere 
eius Eva facta est. Adam in iijBrura Christi, 
Eva in figrura Ecciesiae, unde est appellata 
mater viventium. Quando fnhricata est Kva ? 
Dum durmiret Adam. Quandu de latere 
Christi sacnunenta profluerunt? ('um dor- 
mirct in eruce (S. Autjustin. in F's. 40). 
Insbesondere erinnerte E., durch die das 
Yerderben gekommen, an Ifaria, die uns 
den Heiland geboren. Per fcmiiKim mors, 

«er feminam vita. Per Evam interitus, per 
[ariam salns. lila corrupta est per se- 
ductorcin . hacc intcjira peperit salvatorem 
{S. Augu8ti». de symb. ad Catech. Iii 48; 
ähnlich der hl. Johannes Chygoafonuis Hom. 
de interd. arbor,). Darum finden wir in 
den bildlichen Darstellungen Christus und 
Maria in Be/iehung zu den ersten Stanim- 
eltem gebra«'lir : sn in einem ( Joldglase, wo 
man den Sündentali uhi r dem ilauitte des 
guten Hirten erblickt {BuouairmU Osserv. 
tav. 1 I), und auf efaiera Sarkophage (de 
Hossi Bull. ISfiS. f;*): Kraus K. S. Taf. 
VII; Beugern E16ra. d'Arch^l. ehret. I 123), 
wo der Darstellung der ErsohaAing E.*s in 
der obern Reihe die Anbetung des Jesul<in<!es 
auf dem Schosse Marians durch die hl. Drei 
KSnige in der untern Reihe entsprieht 

Die Bilder des Sundcnfalls der Stamm- 
eltern und der ihnen gewordenen Strafe 
und Verheissung waren ferner eine Auf- 
forderung, dem gdttlichen Gesetze, welches 
durch den Brunnen der Krkeuntnis.s ver- 
sinnbildet wird, nii'ht ungehorsam zu «ein, 
damit wir nicht gleich A. u. E. naekt, d. h. 
der (fmule (Jottes haar und unseren wie 
aller Andern Augen missfaliig werden (S, 
Ämbrot. de para^so XIII), sowie eine Er- 
mahnung, in den blutigen Leiden der Ver- 
folgungen und den unblutigen der Ver- 
suennngen die Beschwerden des irdischen 
Lebens, die eine Foli^e der Sunde sind, und 
selbst den Tod, der durch die Sünde doch 
eine Kotkwendigkeit geworden, nicht zu 
fSrehtra; um der Oenfisse des aus Staub 



gebildeten Leibee willen und für den Apfel 

sinnlicher Freuden die Seele nieht ins Ver- 
derben zu stürzen ; das künftige Gericht des 
allgereehten Gottes, deesen Stimme A. im 
Paradiese in Sehrecken setzte, /u fürchten ; 
dem barmherzigen Rufe des himmlischen 
Vaters, der A. auch nach der Sünde so 
liebevoll beim Namen rief (S. Joh, Chrys. 
Hom. 7 ad i>op.) zur Busse zu folgen ; die 
Erde, in welche wir gleicli A. u. K. nackt 
eingetreten sind und welche wir nackt ver- 
lassen müssen, zu verachten und den Him- 
mel uns zu erkämpfen (cfr. Armgh. R. S. 
II 467—468). Auf den Sarkophagen waren 
di<>se Darstellungen noch besonders bedeu- 
tungsvolL nicht bloss, weil durch den Sün- 
denfall der Tod in die Welt gekommen, 
sondern noch mehr, weil in den Stammeltem 
der ganzen Menschheit die Verheissung der 
Erlösung und damit der glorreichen Avf» 
erstehung zu Thoil geworden ist. 

Diese Darstellungen waren endlich auch 
ein Bekenntniss und eine thatsächliche Ver- 
kflndigung der katholischen Lehre ,• sowol 
gegein'iber den gnostischcn Irrlehren, welche 
die Schöpfung des Menschen als ein Werk 
des bösen Principe bezeichneten, als auch 
den theilweise ebenfalls bis zur Häresie fort- 
schreitenden rigorosen Richtungen, welche 
den schweren SOnder nicht zur Buiae und 
Recpneiliafion zula.s.sen wollten (Biion. O»- 
serv. Die Darstellungen A.s u. E.*8 
beiieh«! rieh md die Schöpfung, den Sfln- 
denfall, die Strafe und die VerheiesuBg des 
Erlösers. 

1) Die Schöpfung A.s u. E.'s findet 
sii h mir dem schon erwähnten Sarkophage 
de« 4. Jahrb. (de Rossi BuW. 1H(;5, CO: KrauJi 
R. S. Taf. VII; Reusetis Eiern. dWrch. ehret. 
I 123), welcher jetzt im Museo Cristiano 
des liBteran sich findet, (»oft Vater sitzt, 
im Gegensatz zu Maria in der darunter be- 
findlichen Gruppe, deren Sitz das unbedeckte 
Oeflocht zeigt . auf einem Thron , der mit 
einem Teppich geschmückt ist, eine Aus- 
seiehnung, die auch bei den Bischofssttlhlea 
des Alterthums zum Zeichen der Erhaben- 
heit ihrer Würde auf den bildlichen Dar- 
stellungen sich findet. Ctott der hL 0«tt 
steht hinter dem Vater, Gott der Sohn, 
welcher die Hand auf das Haupt E.'8 legt, 
vor ihm. A. erblickt man auf der Erde 
liegend. (Ueber diese Deutung der drei 
göttlichen Personen zu der Garrucci's s. de 
B(mi Bull. 18«5, G8, 70.) 

2) Der Sfindenfall. A. u. B. stehen 
tmter dem Baum der Krkenntniss, nni den 
häutig die Schlange sich windet, welche oft 
den Apfel im Mairie tragt und den Kopf 
häufiger auf K. als auf A. zuwendet. T'^er 
Baum ist, namentlich auf den Sarkonba- 
gen und den 6old|;liseni, meist niedrig, 
kaum hSber ab die nebenitehraden Per- 



Digitized by Google 



Adun nad Ev*. 



17 



■OBen, wol in Folge der Raumverhältnisse, 

da in den Oemfildfn der Katakomhen der- 
mUm vielfach höher erscheint, uicht, wie 
JforffgMy (Diet t. Adam) 'veminthet, ein 
mißlungener Versuch <lor Porspootivo zur 
Andeutung, dass A. den Apfel entfernt 
vom Banmc gegemen. In einer Darstellung 
(Berrei II, pl. 22) ist drrsolhc klar als 
Feigenbaum zu erkennen, nach dessen ein- 
siger Frucht E. die Hand anmtreciLt. Auf 
anderen Darstellungen find'' t h eine Mehr- 
sahl von Früchten, so fünf auf zwei Gold- 
ffttaem (Garrucci Vetri tav. II 1, 2^; auf 
dnr Abbüdimg des letzteren bei Buon. 
Osserv. tav. I 3 finden si«}i irrtluimlieh 
sieben darstellt; mit der Zahl füllt auch 
die Ton Uwinarnioti I. e. 12 und wol naeh 
OuB Ton Mar(i(/ni/ 1. c. vormuthete wymbo- 
YUt» Deutung auf die »ieben Hauptsünden, 
in dar »litBnde ihre QnalM haben. 
A. n. F. haben tVw Blosse bald mit einer 
oder mit beiden iiünden, bald mit einem 
Feigenblatt, bald mit einer BlatterRehfinse 
(Gen. 3, 7) bedockt. Auf einer Lampe aus 
der ersten christlichen Zeit {d'Agineourt 
Terres euites pl. 24, 2) greift E. nach einem 
Schleier, als sie den der Unschuld durch 
die Annahme der verbotenen Frucht ver 
liert. Die Darstellungen geben die ver- 
fldnedenen Piusen des Ereignisses. 




Vtg. 1S. Adam vad 

a) A. u. E. neben dem Baume, an dem 
die versuchende Schlau«:»' noch nicht er- 
scheint, auf den Sarkopliatjen bei Aringhi 
R, ö. i 325, 331; II 143, 3öö, 395. 

b) Die Versuchung und das Eingehen auf 
dieselbe. Die Schlange ringelt sich meistens 
um den Baum, einmal (Aringhi R. S. II 
117) liegt sie am Fasse desselben. So anf 
dem Sarkophage l)ei Aringhi I 427, auf 
den Gemälden ebenda». I 541, 581 : II 109, 
117, 123, 193, 199: anf dem Deekel efnes 
Sarkophage«, in welchem eine weibliche 
Leiche, mit einem blutgetränkten Schwamm 
unter dem Haupte, ohne Zweifel eine Mar- 
tpin, lag {de Roimi Bull. 1873, 9»!); auf 
«mem zu Podgoritsa gefundenen Goldghise 

Be«l-Baejr klopä4lie. 



(eb. 1874, 153); auf den OoldgÜsem bei 

Buonarruoti Osserv. tav. I 1. 2, 3, und 1)ei 
Garrucci Vetri tav. II l, 2, 3, 4, 5, 6. Die 
letstoren vier Nummern sind kleine Me- 
daillons, von denen n. '.\ A., n. 4 E., 
n. 5 und 6 den Baum mit der Schlange 
darstellt. Seit der Auffindung der Kölner 
(»husschüssel in der Sammlung Disch (de 
Üossi Bull. 18(>4, 89—91 ; Jahrb. d. Ver. von 
Alterthumsfr. im Rh. XXXVI 119 128) 
weiss man . das« diese Art Einzelfiguren 
nicht Andeutungen der betreflFenden Ereig- 
nisse {liuonar. Osserv. 12), sondern in solche 
Glassehflsseln zu deren Darstellung verei- 
nigt waren. Zuweilen ist auch auf die 
Strafe hingedeutet, indem neben A. eine 
Qarbe (Gen. 3. 17: in labore comedes ex 
ea). neben E. »'in Eamm als Ausdruck des 
Spinnens und Webens und überhaupt der 
weibh'ehen Arbeiten rieh findet; so auf den 
Sarkophagen bei Aritnjhi R. S. I 277, 31.'). 

c) Oott fordert Rechenschaft von 
A. wegen der üebertretung des Verbotes: 
auf dem Sarkophage Iwi Ariurfhi II 

A. wendet sein Angesicht von (iott, welcher 
die Hand ilnn anf die Schulter gelegt hat, 
voll Sehrecken ab, und weist mit der rech- 
ten Hand auf E. hin , welche ebenfalls 
»chuldbewusst sieh ab};ewendet hat und 
durch die Bewegung der Hand die Schuld 
von sich abwehren will. 

d) Die V e r Ii ;i n g u n g d e r S t r a f e und 
die Vcrheissung des Erlösers. Chri» 
stus in jugendlicher (»estalt steht zwi»<*hen 
A. u. E. und reicht ersterm ein Bündel 
Aehren, letsterer ein Lamm. So auf dem 
Sarkophage bei Aringhi H. S. 1 C!;?. ClM. 
623, auf dem schon erwähnten Sarkophage 
im Lateran (de Bossi Bull. 1865. 69; KroHg 
R, S. Taf. VII) und auf einem snlchen des 
4. Jahrb. aus der Katakombe zu Syrakus 
(de Rot»i Bull. 1872 , 82). Die symbo- 
lische He/.iehung auf die Erlösung tritt 
noch deutlicher hervor in einem (ioldglase 
(Oamted Vetri tav. I 2), auf welchem 
Christas über A., der mit E. neben dem 
Baume mit der Schlange steht, den Stab 
auastreckt zum Sinnbild der Kraft, welche 
er durch seinen Opfertml den Mensehen 
giebt , um vom Siiiulentode sich zu er- 
hellen und «lie Versuchungen zu überwin- 
den. Haec (die menschgewordene ewige 
Weisheit] illum, qui primus formatus est a 
Deo pater orbis terrarum . . . custodivit et 
eduxit illum a delicto suo et dedit illi vir^ 
tutem continendi oninia (^Sap. 10, 1. 2). In 
noch ausdrucksvollerer Weise findet die Ver* 
h^snng des EriSsers, dieser erste Ring in 
der Kette der auf die Incarnatidii de-^ Soh- 
nes Gottes bezüglichen Ulaubenswahrhciten, 
sich ausgesprochen auf dem Steine eines 
Ringes (Mamachi Origin. I 56). Auf die- 

erbUckt man gegenflber der Schlange, 

2 



Digitized by Google 



18 



Adam und Eva. 



init dorn todbrini^cndon Apfel im Maule, 
Christus, durch das Symbol dos Fisches, auf 
dem er steht, klar bezeichnet: der üeiland 
beugt sich zu A. u. E., wdehe io tiebter 
Demuth vor ihm knieen, hinab, um sio vorn 
Falle zu erheben. Die Gruppe ist uinj^ebcn 
von Symbolen der Hoffnung, ^ie dem An- 
ker und der auf der Arche sitzenden Taube. 

e) Die Vertreibung der Stammeltern 
ans dem Paradiem findet sieh auf einmn 
Banelicf (Hoff. tav. I2fi) und auf einem 
Sarkophage des 5. Jahrb. aus dem Coeme- 
terium defl hl. Yalentinus zu Terni, jetzt 
in der dortigen Kathedrale (de Rossi Hull. 
1871, 87)f dargegtollt. Dieselbe Scene iiess 
Coratantni in der Krehe des Erlösers zu 
Rom malen (SjTiod. VII art. IV)^ wie denn 
überhaupt Gemälde u. s. w. aus der Ge- 
schichte der Stammeltem bei den Kirchen- 
vätern (S. An<;us(in, Contra Jul. IIb. V. c. 2; 
(Pseudo?-) rnulnttii Diptychon v. I 4: 
cfr. BiiOftarr. Osserv, 10; S. Pautin. }iol. 
Natal. IX. s. Fei. v. 516, 606, 609). Gar- 
rucci Vetri 19 erwähnt ausser den oben an- 
geführten Darstellungen aus der Geschichte 
A..S n. E.*8 noch eine anf einem Sarkophage 
zu Tniiliiusc, andere auf zwei noch nicht 
verutientüchtcn Sarkophagen im christlichen 
Mvseum des Lateran, anf einem Cllasfrag- 
niputc dos Yatican und in cinoni nfuordiiijjs 
entdeckten Gemälde des Coenieterium des hl. 
IfireelKnas. Ein ganzer Cyclus derartiger 
Darstellungen findet sich auf einem Sarko- 
phag in S. Ambrogio zu Mailand {ÄUegrama 
Monum. crist. di Milane tav. 5 u. C). Man 
erblickt hier A. zwischen zwei Bäumen 
(die Zeit der Unschuld und dos Glückes im 
Paradiese); A. u. E. zu Füssen des Bau- 
mes, von der SchIaiiL,M \( isucljt und ver- 
fuhrt: A. die Krdc iK-arlx'itend und E. 
einen Dom sich aus dem Fusso ziehend. 

Eine Eigenthflmlichkeit in dem Bilde Eva's 
auf ciniffcn GnM<,'!:i<('rn bedarf noch einer 
besoudern Erwülinuug. Auf den Goldglär 
bei OarrucH Vetri tav. 12, n 1, 2 
erscheint F. mit .\rmbnn<lern und einer 
liaUkctte, au welcher auf den beiden letzt- 
genannten ein Medaillon (nicht eine Bolle; 
cfr. Garrurci 1. c. 21 not.) hängt, und, wie 
auch auf tav. II 4, reich frisirt ; die Frisur 
ist taT. U n. 1 und 4 noch mit einem run- 
den Schmuckgegenstande geziert und er- 
scheint so Oppig, dass man an eine Zuthat 
fremder Haare denken muss. Die Anwen- 
dung kflnstUeher Haartouren, weniger aus 
eip^enem als aus fremdem — besonders deut- 
schem Uaarc, war seit der ersten Kaiser- 
Beit bekanntlich allgemein Mode, eine Mode, 
die zudem so oft wechselte, dass die Bild- 
hauer bei Porträtbüsten sich mehrfach ge- 
swnngen sahen, die Frisur Ar sich darzu- 
stellen, um beim Wechsel der Meile sje 
durch eine andere ersetzen zu können (Bei- 



spiele noch erhaltener Bfisten dieser Art 
8. bei Garrucci Vetri 24 ; eine solche Bronze- 
perrucke, wol von der Büste eines Mannes, 
befand sich auch in der Sammlung H. Garthe 
zu Köln). Auf dem Goldglase tav. II 2 
l)ilden die Flechten eine erhöhte runde Krone, 
während die Stirne theilweise von gelockt 
niederhüiifjcüdem Haare bedeckt ist. .\uch 
die christhchen Frauen und Jungfrauen 
hielten sieh von der Nachahmu^ dieser 
heidnischen Moden nicht frei. TertuUian 
sagt mit Beziehung aul' die damals modi- 
schen hellblonden H aare von solchen eitlen 
Christinnen : pudet eas etiam nationis. quod 
non (iermaniae atque Chüliae sunt procrea- 
tae, ita patriam oapillo transfemnt (de cult. 
femin. II (i). und in Erwähnung eines auf 
zweien jener Goidgläser der E. zugetheil- 
ten Kopfschmuckes: vos vero adicitis ad 
pondus, colluras quaadam vel scutorum um- 
bilicos cervicibus adstruendo, und ermahnt 
sie: ne exuvias alieni capitis, forsan im- 
mundi, forsan nocentis, forsan Oehennae 
destinati, sancto et Christiane capiti suppa- 
retis (ib. c. 7). Der hl. Hieronymus tadelt 
an den christlichen Frauen Omare crinem 
et alienis ciipillis turritum verticem struero 
(Kp. ad Denietriad. § 7), und ermahnt in 
demselben Briefe die christliche Jungfrau, 
als (»]) er das (loldglas Gurr. tav. IT 2 vor 
Augen gehabt hätte: fuge iasciviam puei- 
larum, quae omant capita, crines ex fhmte 
dimittunt (ib. § 18). Ebenso sahen sich die 
Kirchenschriftsteller jener Zeit genöthigt, 
gegen Nachahmung des heidnischen Luxus 
der Armbänder, Halsketten U. a. w. von 
Seiten der Christinnen zu eifern. Nach 
TertuUian sind es die gefallenen Engel, die 
proprio et quasi peculiariter feminis instru- 
meTittim istud niuliebris «»loriae contulerunt, 
lununa capillorum, quil)us monilia variantur, 
et oirculos ex auro quibus brachia ornan- 
tur (de cultu femin. I 2; cfr. S. Ci/jiriati. 
de hab. virg.), und derselbe nennt solchen 
Luxus omatum, quem inmnndnm mnlie- 
breni convenit dici (ib. 4). Der hi Gl«' 
tnenn von Alexandrien vergleicht mit noch 
unmittelbarer Beziehung auf den Sfindenfal! 
die Fnuien, die sich durch solche Schnuick- 
sacben eimielmieD und zur Eitelkeit ver- 
leiten lassen, mit der durch die Schlange 
verführten E. (Paedag. III 12). Es sollte 
also diese eigcnthüniliche Darstellung für 
die christlichen Frauen und Jungfrauen eine 
mahnende Erinnerung sein, dass die Eitel- 
keit und d(<r so leicht verführerische weib- 
liclie Si'liniuck eine Folge der Erbsünde 
und als Sünde zu fliehen sei; und sie war 
so ein bildlicher .\usdruck der Worte des 
Apostelfürsten, die durch alle Jahrhunderte 
eingesehirfk irerdem muntan: qnarum non 
Sit extrinsecus canillatnra aut circumdätio 
auri (1 Petr. 3, B). Heuser. 



Digitized by Google 



Ad SuwlM — Ad Iftttfras — > Ante rttro Uartyns. 



1» 



AD 8ANCT0S - AD MABTYRES - ANTE 
WntO HARTTBES, AusdrQoko, welche 

ziemlich zahlreich auf altrhristlir-hrn (irah- 
steinen vorkommen. Beispiele habeu Le 
Bkmi Imer. ehr. d« 1a Oanle I 896 , 472, 
Martiquii unfl de Rossi Bull. ISTö. 2V, ff. 
gesammelt. Es seien einise hervorgehoben, 
von denen das SHeete dfttirte 486 ftlH: 
. . . LOC\^ ANTE DOMNA EMBBITA 



Köln (SOCila/JA M • und MA1{TYRIBV8 
80CIATAE, eb. n. 354), Lvon (FLAVIV8 
FLORI«M,v . . . POSITVs EST AD SANC- 
TOS, Boüsieu Inacr. Lugd. öäö), Tours 
(Perpefanu lliit «idi beiieamn AlfTE PE- 
DES MARTINI, Gre^jor. Turon. Opp. od. 
Migue 1152, App.; veL eb. Uist. Fr. II 
11), Saintes (Martyrol. CMIiean. T 296), 
Clermont, Vienne, Yaison, Arle» {Le Blant 



(rf<Äos«In8cr.In.653): RETROSANCTOS 1 n» 557, 412, 492, 528) u. a. O. Als Hila- 
{Marchi Mon. 150); DRACONTH'S * PE-Iriu» von Toulouse das Grab seines Vor- 



LAorvs 

TONINA 



CVM 



t 



ET • IVLIA • ETELIA |i AN- 
PABAYERVIIT ' SlBl ' LO- 

II AT • IPPOUTV • 8YPER * 



ABCOSOLIV PROPTER VNA FILIA (ob.). 
AD SANCTA MARTTRA steht auf einem 
Grabstein aus R. A^noso (Mnffci Mu». Ve- 
ron. 279). NATORVM CARITATE PA- 
RENTB8 imra tua SANCTE POSYE- 
RVNT LIMINA MARTYR (Epitapli in S. 
Paolo). j^useBIYS INFAlfS PER AI:;- 
TATEM SENE PECCA(fo <i«f)EDEN8 
AD SANCTORV>I LOCVM IN PA(fe quC) 
E8CIT CEpitauh au.** S. Domitilla, Iwi (h 
Rossi a. a. O.). Wie häufig diese Beisetz- 
ung bei den ,Heiligen' gesucht und wie 
nlcksiolitslos dabei verfahren wurde, zeigen 
die zahlreichen Fälle, wo die loculi in 
den Winden der Arcosolien selbst mit gänz- 



gängers, des hl. SatuminnSf offnen lies», 
befjt'hrt«' eine Menge Personen in der Nähe 
de.sspllion Ix'igesetzt zu werden, pro solatio 
proptcr c()r|)us martyris, und M fftllte sich 
bald die rnigol)ung mit rträ^ern: cum lo- 
cus omnis tumulatorum curporum multitu- 
dine (taisset iinpletus (Ruinart Act. M . III, 
ed. Yeron.; vgl. Murfii/ni/). Zahlreiche 
Aeusserungen älterer Klrchenschrittsteller 
bezeugen das besondere Vertrauen, wel* 
che« man auf die Beisetzung der Leiche 
bei einem Martyrgrabo setzte. So tröstet 
Amhroahts sich beim Tode seines Bruders 
Satyrus mit der Hoffnung, bei ihm einst zu 
ruhen: habe» plane pignus meum, (piod 
nulla mihi peregrinatio iam possit avellere 
. . . Commendabiliorem Deo ffaturum esse 
nie credam, quod supra sancti corporin ossa 
quiescam (de excessu fratris .nui Sutvri, I 
18; Opp. n 1118, ed. Par. 1690) und er 



hVher oder theilweisor Zerstörung der darin setzt Satyrus selbst bei den (Jelteinen des 
befindlichen Gemälde angebracht sind (vgl. hl. Nazarius bei (VKANIO SATYRü 8V 



RoBßi R. 8. 

n t. 19, und 
danach Figur 
14). Aber auch 

ausserhalb 
Roms war diese 

Bestattung 
sehr gesucht, 
wenn auch die 
geringere Zahl 
von Martyrer- 
grlbcm sie sel- 
tener machen 
musste. Bei- 
spiele liefern 
Ivrea in Pie- 
mont (HAR- 

TYRIBYS DOMTNI ANIMAM 




rig. 14. ▲rcoaoUum in 8. CaUUIo. 



PREMVM 

FRATER HO- 
NOREM 1] 
MARTTRB 
AD LAEYAM 

DETYLIT 
AMBROSIYS 
i HAEC ME- 
RITI HER- 
GES AT SA- 
CRISANOYI- 
NIS HYMOR 
F IN IT IM AS 
PENETRANS 
AMLYATEX- 
YYIAS. Gru- 
f^ll67). Ma- 
den Worth der 



rORPYS- rmiM.'. rnn Turin betont 
QYE TYENDO 1| GRATIA COMMENDANS j Beisetzung bei den HeUigen am stärksten: 
TVHTLO REQvTESCrr IN TSTO || 8TL.|ideo hoc a maioribos proTisvm est, at san- 

YfVS HIC n. 8. f. Ga::era Isor. dcl Picm. ctorura ossibus nostra corpora »ociemus, ut 
80), VeroelÜ (DISCITE QVI LE0ITI8 DI- dum illos Christus illuminat, a nobis tene- 
VINO MVNERE REDDI || MERCEDEM brarum caligo diffugiat. Ja die Art, wie 
MKRITIS SEI) IS (iYI PROXIMA SAN- er von dem Gegenstande spricht, muss ge- 
CTIS II MAHTVlilBVS CONCESSA DKO rad. zu als nbortrloben und abergläubische 
EST GRATVMgVE CYBILE j| SARMA- HcfrrittV l)efönli rn(l bezeichnet werden; cum 
TA QYOD MEUVIT u. s. f., eb. lODjsaiKtis ergo martvribos qniescentes evadi* 
Trier (\'RS1NIN0 SVHnF.\ro\(1 . . . QYI mus inferni tenebras. eorum propriis me- 
MERYIT SANCTORVM SOCIAUl SEPVL- i ritis, attamen consocii sanotitate . . . quis- 
CRIS, Le BkttU I n. 293), Regonsburg und I qais sodatar martjri, Tartaro non tenetur 



Digitized by Google 



20 



Adltr. 



... in nnllo enim ab ipsis separari pote- 

rimus, si Hocionuir illis tarn religione quam 
corpore (Serm. in Ifartyr. Tur., in I^onii 
Opp. ed. Yen. 1748, in 161). Aehnlieh 
Bchrt'ibt Paulin von Nola (Poem. XXXVI 
605), wo er die Qebeine de» jungen Celsus 
zu den Märtyrern nach Complutum bringen 
llBst: . . . ut de vicino sanetorum sanguine 
ducat ]] qui nostras illo purfjot sanjjuine ani- 
mas. Vgl. ferner Greg. iVa^. {Muratori 
Anecd. Gr. I Bl, und Bpigr. XCI), Ewseh. 
Vit. r\)nst«nt. IV »>(). wo von Constantins 
BegräbniHM in der ApostelbaHiliiia gespruehcn 
wira. Es konnte nieht fehlen, dass die kirch- 
liche Autorität selbst die »ich hier einschlei- 
chenden Missbräuchc und Missvcrständmwe 
bemerkte und rügte. Augtutim Aeasseron» 
an Paulin von Nola (de cura pro mor- 
tuit) gerenda, Opp. ed. Venet. 1763. VU 2, 
1800 ff.) treten bei allem Preise det Be- 
gräbnisses ud s(inci08 jenen falschen me- 
chanischen Auffa«sunf?en schon entgegen : 
^ corpuri autem huniandu quidquid inipendi- 
' tar, non est praenidiuin salutis , sed numa- 
nitatis ofHciuni . . . (^uod vcro (|uisque apud 
meuiuria» murtyrum »epelitur, hoc tautum 
mihi Tidetnr prodesie defaneto, ut commen- 
dans oum cfiani martynim patrocinio afle- 
ctuii pro illo supplicationtü augeatur. Schon 
frfiher entrflstet sieh B. Damasus Rom 
über dir Stöning der Martyrerasclio: TT FC 
FATEÜtt DAMASVS VOLVl MEA COÜ- 
DERB MEMBRA || SED CENERES TOIYI 
8ANCT0S VKXAKE I'IOItVM , sagt er 
in seiner lusclirift der sog. Papstkrypta. 
8mnen Bemühungen ist es wol zuzuschrei- 
ben, wenn um Heine Zeit die Beisetzung 
ad sanctos sdion seltener wurde, wie dies 
eine Inschrift von H82 (AOCF.I'IT sepnl- 
erum intra /IMINA SA\('T()KVM . . . 
quod muKi aipiu}i KT KAHI ACCir'lVNV. 
de liossi In»cr. I n. 319; Kraus RS. 105; 
bezeugt. Auch das Epitaph des Erzdiakon 
SabinuH, wcldics vor einigen Jahren Itei S. 
Lorcnzo xu Tage kam, enthält einen Pro- 
test gegen die abergläubische Bevorzugung 
des firahos a»l s'nirfus: ;;IL IVVAT TM- 
MO (iHAVAT TVMVUS HAEKKRK Plü- 
RVM Ii SANCTORVM MERTTIS OPTIMA 
VITA F^ltOPE EST I| roKPORE NON 01»VS 
EST ANIMA TENÜAMVS AD ILLOS | 
oVAE BENE SALYA P0TE8T CORPORIS 
B88B SALVS, de Bossi Inscr. I 250 ff.; 
Kraus RS. 107), und ein ähidicher Grund 
mag dem Verbote zu Gründl? liegen, welches 
die Clematianifiche Inschrift in S. Ursula zu 
Köln (Ende des 4. Jahrh.) enthält: SI QVIS 
AVTEM SVPER TANTAM || MAIIESTA- 
TEM HVirVS BASILICAE VBI SANG II 
TAEVIKCIVES PRO ^•OM^NR CHRISTI 
SAN II ü Vl.NEM ÖVVM EVDERVÜT COR- , 
PYS ALIÜVIIYS II DEFOSVEBIT BX- 
CEPTI8 YIBGINIB * flCIAT 8E || SEMPI- 



TERNI8 TARTARI lONIB * PYNIBKDYM. 

Indetwen fehlt e« aus den folgenden Jahr- 
hunderten nicht an einzelnen Belegen für 
die Fnrtdauer des Wontehet, ad «meto» 
bewd^ zu werden, wie dies aus dem von 
MarHgny angeführten Diplom Chlodwigs II 
(Marini Pap. dipl. 99) hervorgeht, und eben- 
so ist der spätere Gebrauch, Leichen in den 
Kirchen beizusetzen, als eine Nachwirkung 
oder vielmehr als ein Zurückkommen auf das 
Verhmgeii, in der Nihe der Hdligen beig«' 
setat ni werden, anmselMn. xbaus. 

ABLBR« Dieser in ▼erschiedenen Abarten 

vorkoniiiicnde, schone, muthige Raubvogel 
fliegt uud nistet auasergcwöhnlich hoch, 
selmmt pfeilsehnell aus den hSehsten Lnffc- 
rcgionen zur Erde, hat äusserst scharfe Au- 
gen und ist unter allen Vögeln der alten 
Welt der stärkste. Damm wird er König 
der Vögel genannt. Wenn er auch die zärt- 
liche Liebe zu seinen Jungen mit anderen 
Vögeln gemein hat, so gehört doch ins Qe- 
biet der Kabel , dass er seine Jungen anf 
seinen Flügeln trage. 

Wegen der berührten Eigenschaften ist 
der A. in der hl. Sehrift Sinnbild a) der 
Liebe Gottes. ,Ilir habt g'esehon, wie ich 
euch getragen habe auf Adle rtlügelu und iiabe 
euch zu mir gebraeht* (II Mos. 19, 4; vgl. 
V Mos. 32, 11); b) der M a c b t u n d Stärk e 
(Ezcch. 17, 3 -10); c) der Schnelligkeit 
(n Sam. 1, 23; Jerem. 4, 13; Job 9, 26); 
d) des h o c h f a h r e n d e n Sin n e s (Abdias 
1, 4; Jerem. 49, IG). Da der A. (wie alle 
Vögel) jedes Jahr die alten, mehr oder 
weniger abgenutzten Federn in der Hauser 
ablogt und in verjüngter Gestalt erscheint, 
so war er Symbol e) <l('r Erneuun^ und 
Verjüngung in natüriieher wie übernatür- 
licher Beziehung. .Lolu- meine Seele den 
Herrn . . ., der dein Verlangen mit Gütern 
erfüllt, das« deine Jugend sieh erneuert wie 
die des Adlers' fT's. 102, 5: vgl Is. 40, 31). 

In letzterer Auffassung wurde der A. in 
die altchristliehe Symbolik herfibenrenom- 
men. Getr*'!! Knilf der altchristlichen Periode 
reihten sich phantastische Ausschmückungen 
an. Nadi JPteuäo-EpipharUus Physiologus 
c. 6, Physiologus* syrus ed. Tychsen c. 14, 
dem altdeutschen Physiologus in Qroff» 
DiutiscH III 35 u. A., wetzt der alte A. 
seinen zusaramengewacbsejien Schnabel an 
einem Krisen wieder ah und verjüngt sich 
durch Kaden in einem Jungbrunnen. 

Im ehrisdtehen Alterthnm ist der A. SKnn- 
bild 

I) der geistigen Erneuerung uud 
Wiedergeburt dnreh die Taufe (mit- 
unter auch Busse), die Stellen s. Tirin. Com- 
ment. in sacr. Script, bei Ps. 102, 5. Diese 
gttsti^ Emenerung sollte zugleich bewns 
ken em Avftchwingen des Sinnes au Oott. 



Digitized by Google 



Adlooatlo — Advent. 



21 



Um dem Wicdergeborcuen diese Oedaiikeii 
wiederholt vor die Seele zu führen, wurde 
das Sjmbol des A.s als Encolpium oder als 
Fibula getragen. Daa Wiesbadener M u- 
semn bewahrt eine wiche bei Heddern- 
heimgefundf'iK" Fibiihi, abgebildet bei Münz 
Aiehfiol. Bemerkungen Taf. m**, vgl. S.77. 

Qna nahe lag es, den A. zu nehmen als 
Symbol 

2) des durch die Tauie wiedergeborenen 
Neophyten. So JfdnrAftm von Turin Bi- 

blioth. PP. VI 27. 

Die geistige Auferstehung wurde übertra- 
gen auf die körperliche. Darum der A. 

8) BumlMld Oer Auferstehung des 
Herrn. ,Kin wahrer und eigentli<b<'r A. 
ist Christus, unser Herr, dessen Jugend er- 
neaert wurde, als er von den Todten auf- 
erstand' I Amhros. Serm. de Ferfect.). Wol 
in dieser Auffassung kommt der A. auf 
einem altehrieffichen Sarkophage im Lateran» 
Museum zu Rom vor. Ueber einem Krouze 
iit das Monogramm Christi in einem Lor- 
beerkranse angebracht, den ein fli^^nder 
X. im Schnabel hält und von dessen Früch- 
ten zwei auf den Krcuzarnten sitzende Tau- 
ben geniessen. Unten sitzen zwei Soldaten, 
von denen der eine seliliift, der andere em- 
porblickt. Sonne und Mond sind in den 
oberen Ecken angebracht. Tod, Grab und 
Auferstehung des Herrn sind hier in Binem 

Bilde vereinigt. 

Weil die Auferstehung Christi das Unter- 
pfiuid unserer eigenen Auferstehung (I Kor. 
15, n ff.) ist. so sinnbildete der A. 

4) die dereinstige Auferstehung. 
Avf einem Bude im Coemeterium PriBcilne 
(Boff'iri t;iv. f'I.X) sieht man zwei A. auf 
zwei Kugeln (Symbol der Erde), im Begriffe, 
•ich eben aiifeaschwhigen. Vgl. Dante Pn^ 
radies 18, 9. 

5) Der gegen die Schlange kämpfende 
A., ein uraltes morgen- wie abendländisch- 
heidnisches Symbol des gegen die Finster- 
Tii««s kämpfenden Lir'hti«», wunle in dieser 
-\utijvssung auch ins Christenthum herülH'r- 
genommen. Amhi osius De Jacob et vita 
beata r. 0. 3 vergleicht Christus, der seine 
Kirche ge^en den Satan schützt, mit einem 
A., der setn Nest gegen die Schlange ver- 
theidigt. Auch das Weib, da« der Drache 
verfolgt^', erliielt ,zwei Flügel eines grossen 
Adlers' (Apocal. 12, 14). 

C>\ Als Symbol derer, die ungerechtes rJut 
verzehren, kommt der A. (nebst anderen 
RanbT9gehi) vor bei Bamahas Patr. apost. 
ed. Hefele 24 und Clements r. Alex. Strom, 
r. 0. 2 und V. c 8. VgL Aldrüvanäi Or- 
nith. I 65. 

Eiechiel 1 , 10 sah im Geiste Oott von 
vier mystischen CroHtalten (Mensch . T^iwe, 
Stier, A.) umgeben. Der hl. Hierunvmus 
beMg dieee Qeitalten aof GhrlituB, und sah 



im Menschen Christi Geburt, im Stier seinen 
Opfertod, im Löwen seine Auferstehung, im 
A. .seine Himmelfahrt. Insofern dieses Te- 
tramorph mit den Evangelien und P.vange- 
liston verglichen wird, kommt der A. ab 
Symbol des Geistes Gottes und der höchsten 
geistigen Erhebung dem hl. Johannes zu. 

Der zweiköpfige A., Attribut des Prophe- 
ten Elisäus. sinTil)ildete den zweifachen Geist 
Gottes, den £Usäus II Kön. 2, V» sieh erbat. 




fly. IS. OrstoMn «M Lyoa. 

Auf manchcu alten Monumenten kommt 
der A. bloss als phonetisches Zeichen d(>s 
Eigetinnmens vor, wie auf einem Oralwteine 
im Mu.seum zu Lyon {lioistiidi Inscr. de Lyon 
5B2; L« blant Inscr. ehret, de la Gaule I 
157), woselbst der Name des Verstorbenen 
wahrscheinlich AquilAWÜ heisst. MÜNZ. 

ADLOCATIO, s. Predigt. 

ADVKNT ist der Name für die in d(»r Kirclie 
gebräuchliche Vorbureitungszeit (Vorfeier) 
auf das Weihnachtsfest. Daraus ei^ebt sieh 
von --ellwt, rlas^ wir ilen Ursprung des A.es 
nicht vor der Einführung des Qeburtsfestes 
Jesu zu suchen haben; am Weihnachtsfeet 
wurde aber erst im 4. Jahrb. eingeführt. 
Offenbar irrt daher Durandm llation. div. 
off. VL c. 2. n. 1 , wenn er die Anord- 
nung der A.sfeier schon dem hl. Petrus zu^ 
s<'hreibt; ebenso irrig ist es, wenn .\ndere 
mit II V/A/u.s eopro^pafpia? pars I 403 den A. 
immerhin fOr die erste und älteste Feetnit 
halten. Der (Jrunil (lir>ser Mehauptungen 
mag darin hegen, du»» mau Acusserun^en 
alter Kirchenväter, wie Justin, Tertniltan, 
(^leniens v. Alex.. Cyprian, Orifjenes etc. 
über die «ft^W xupt'ou oder den udventus 
Domtni auf das Bcuatehen einer kirchlichen 

Festzeit bosog, während die genannten Au- 
toren von rein dogmatisclMuicetischem Stand- 
punkte aus nur jene Zeit im Auge hatten, 
von der Gal, 4, 4 geschrieben ist: ,als die 
Fülle der Zeit kam, sandte Gott seinen 
Sohn.' Weiterhin berief man sich bezüglich 
frühen Ursprungs der A.sfeier auf zwei IIo- 
milien d«»s H. M(i.ri')nns v. Tiiriii ('k Jahrb.), 
welche die Ueberschritt ,in luiventu Domini, 
I und fie adventa Domini* tragen. Biblioth, 



Digitized by Google 



Ädvem. 



Max. Paff. tom. VT. fol. H; abor ihr fn- riab' definitionc sancimu«, ut nullu» sc fatea- 
halt passt ganz und gar nicht auf eine 1 tur per ignorantiam deliuuigge/ Diesen Zeu^> 
feier, und die Echtbeit der tTebenehriflen ninen ans dem 5. vna 6. JnhA. für die 



Kf'lbst mui<H bestritten werden. In anderen 
iiomilien redet Maximus auch von ladven- 
tus Doniinicus\ aber im Sinne ron nathritaa 

Christi. Vf»l. Ducange in Glossar. v. 
uapo'jatot. Papst Leo I, der Reden de iciunio 
decinii mensis hielt, weiss von einer A.s- 
feier nichts, zu deren Erwähnung; ihm 



Existenz einer kirchlichen A.sfeier waro 
noch ein Kanon der Synode von Herda 
(Lerida) in der ffircMoproriiut Tarragona 
beizufOgen^ des Inhalt« : ,quod non o|)orteat 
a septua^esima usque in octavas paschae et 
tribus hebdomadibus ante festivitatem S. Jo- 

_ , „ , annis Baptistae et ab adventu Domini usque 

Vorträge hätten Oele<?enbeit fjelxMi müssen, post F^piphaniam nuptias eelebrare. Qiio(f si 
Der 4. Kanon der Synode von S a ra- factum fuerit, separentur.' Doeh steht dieser 



gossa (H80): ,vom 17. Dec. bis zum Epi- 
phanienfeste muss Jeder tätlich die Kirche 
besuchen und darf nicht mit blossen Füssen 
gehen* sielt emchtlieh auf eine Vorberei- 
tung für das altehrwürdif^e , im Occident 



Kanon bezQgUcb seiner Echtheit nicht un- 
angefochten da. Rlihanl Analyse des Con- 
cils, Paris 1772, und Ihj'ele (JouciUeugesch. 
em^hnen desselben gar nicht; seme BehU 

heit vertheidigt Sc/iott llistor. log. eccles. 



wie im Orient ausgezeichnete Epiphanien- 1 de temporibus nuutiarum ciausis, Lips. 1774. 
fest ab, ist provinzieller Bedeutung nnd | Vgl. Seitz Zeitsehr. f. Kirebenreents- und 

hauptHÜchlich gegen die Missbräuche der Pastoralwisseiischaft, 2. Hd. 388 ff. Von 
Priscilliauisten gerichtet. Ein wichtigeres GaUicn aus, wo Tours mit seineni Beispiele 



Zeugniss für den Beginn einer kirchlichen 
A^eier haben wir in den Homilien im 



vorangnig, pHanzte sieb die A^eier naeb 

Rom über, wo bereits Grtgorius M. nich- 



Appendix opernm .S'. ÄugiiMini tom. V. ed. rere Iiomilien (hom. 1, 6, 7 u. 2U) aus- 
Bcned. n. 115 u. llß, für deren Verfassi^r drücklich der A.szeit widmete. Dem Bei- 
mit grosser Wahrscheinlichkeit H. Caesarim 1 spiele der römischen Kirche folgten Vmld 
r. Arles (f gehalten wird. Dieser er- ' die anderen italienischen Kirchen und nach 

mahnt die Ulüubigen, sich crnstUchst auf | ihnen England und Deutschland. Viel spär 
das Geburtsfest des Herrn vorzubereiten und | ter führte die orientalische Kirche eine A.s- 
zwar viele Tage lang vorher. In der zweiten zeit ein, kaum vor dem 8. Jahrh. S. Hin- 
dieser Uomilien heisst es dann weiter: ,uuial /en>n Denkwürdigkeiten V 1, 16ä. i:^ all- 
nataÜs Domini imminet, . . . bonis openbns ! gemmn nun im verlaufe der Zeit die Feier 
adomati nos per Christi adiutoriuni praepa- des A.s wurde, so verschieden gestaltete 
remus, eleemosyna« pauperibus orogemus, sieh die Praxis in Bezug auf den Beginn 
iracmidiam Tel odinm de eordibns nostris dieser Festzeit, vronach auch die Zahl der 
respuamus. Castitatem etiam cum proprüs A.ssonntage wechselte. In der grieelii- 
oxoribus fideUter conaervate, ad convivia sehen Kirche, in welcher die A.szeit mit 
vestra frequentius pauperes evocate, ad vi- dem Philippustage (14. November) beginnt, 
gUias maturius surgite , in ecclesia stnntes werden seons Sonntage gezählt, desgleichen 
aut orate aut psallite etc.' In den Iiomilien in dem ambrosianischen und mozara- 
wiederholen sich ferner die Ermahnungen, bischen Uitu.s. Fünf Messen, folglich fünf 
die Vorbereitung auf das Geburt8f(>st des Sonntage, erwähnt Libr. II. Ord. Oelasiani. 
Herrn so eifrig vorzunehmen, wie jene auf In dem Sacramentar. Oallican. bei Mabillon 
die übrigen hohen Feste, so dass die Ab- Mus. itul. tom. I. linden sich drei A.ssonn- 
sicht nicht zu verkennen ist, dem Weih- tage. Wenn Oberhaupt die Liturgieen der 
nachtsfeste eine kirchlich approhirte Vorfeier, gallicanisclien Kirchi-ii <!ie wenigsten Sonn- 
w^io z. B. dem Osterffwte, zu vindiciren. Ist tage für die A.szeit aufweisen , so erklärt 
CSaesarius der Verfiuser der erwShnten Ho> | dim iWofttZfon 1. e. dadurch, dass die «nxel- 
milien, so konnten seine Andeutungen um neu Messformularien mehrmals wiederholt 
80 leichter verstanden werden, als in der wurden. Dies möchte namentlich von dem 
gaüieaittseheQ Kirebe schon Bischof Per- 1 gothisch-gallieanischen Ritus gelten, 
petnus Ton Tours (t 491) in seiner An- der nur um zwei A.88onntage sich bewegt. 
Ordnung der j&hrlichen Jejunien und Vigi- Die römischen Lectionarien kennen 
lien solche auch festsetzte ,a depositione do- 1 vier A.S80nntage, eine Zahl, welche im 8. und 
mini Martini usque ad natalc Domini^ {Qreg, j 9. Jahrb. so ziemlich allgemein zur Geltung 
Turon. TTist. Franc. X 31). Diese Kanonen kam und bei uns V)is heute feststehend go- 
des Perpetuuu mögen es gewesen sein, auf worden ist. DenigeniiLss beginnt der A. mit 
welche die Synode yonllacon (582) ab- dem nächsten Sonntage vor oder nach dem 
zielt, wenn sie ran. 9 verordnet: ,ut a feria Feste des hl. Andreas und umfa.sst ausser 
S.Martini usquu ud natale Domini secunda, der Woche, in welche Weihnachten iallt, 
quarta et sexta Sabbati ieiunetur et saeri- 1 nooh drei vorhergehende Wochen zur Vor> 
ncia quadragcsimali debcant onlitH- celebrari. bereitring. Die ,\..8sonntage, dominicao ante 
In quibus diebus canones legendos esse spe- . natale Domini , wurden früher gegen die 



Digitized by Google 



AdvMtofiMtoa. 



23 



jetaige Pnuds in angekelirter Ordnung ge- 

tfhlt, und so ist z. B. der im fiirc^oriani- 
lehen Antiphonar und im Comes eccles. 
Rom. «b Dominica lY ante natale Domini 

bezeichnete Sonntn*: unser gegenwartiger 
erster A.88onntag. Der letzte A.iMM}nntag 
winde ohne weitem Beisatz Dominica ante 
Miale Domini, bei den Griechen xuptoot^ icp6 
tt;; XptTToü TEwi^ffcta; genannt. Die griechi- 
s« he Kirche hatte flbrigenB für die A.88onn- 
tAgo wie für die Sonntage des Kirchenjahres 
üh*>rh!i\iyit ganz andere Benennungen, al« 
die iK-cidentalische Kirche. Die Griechen 
benannten die Sonntage in ihrer numerisehen 
Ordnun«; niu-h den vier pjvangoh'on, welche 
der Reihe nach vorgelesen wurden. Weil 
nun Ton Kretuerh5hung an bis zum sechsten 
Sonnt!» <;e vor Ostern das Evangelium des hl. 
Lucas vorgelesen wurde, so iuess der erste 
Sonntag naeh Krenzerhöhung der erste 
Sonntag des Lucas, und fast immer 
traf e« sich, das» Dom. X Lucae unserm 
ersten A.ssountage entsprach. Allatim De 
dmume. graec. c. 31. Die Yierzahl der 
Ajtfwmntage erfuhr eine mystische Inter- 
pretation, »ei es, da»H der vierwöchentliche 
A. naeh Christus als Erinnerung an den 
viertansendjShrigen A. vor Christus auffje- 
fasst wurde, oder dass man auf ein vier- 
fluhes Kommen des Herrn bei der Menseh- 
werdun^r. ''ei der geistifjen Wiedergeburt 
in den Menschenherzen, bei dem Tode des 
Menschen nnd am allgemeinen Geriehtstage 
hinweisen wollte. — Was die Feier dos 
A.8 betrifft. 80 haben wir bereits oben die 
ursprüti^lichen Bcstandtheile derselben ken- 
nen gelernt: Fasten, Vigilien. öfterer Be- 
such dos Gottesdienstes, Enthaltung vom 
debituni coniugale und gesteigerter Kifer in 
AuQbang der Werke der Barmher/igkeit. 
bnner mehr aber strebte man im Laufe der 
Zeit dahin, die A.8zeit der Quudragesimal- 
zeit vor Ostern gleiehzolialten; diee geschah 
im Oriente, aber auch im Orcidente, der 
seine Quadragesima St. Martini hatte, weil 
das A.<ifa8ten hie nnd da Tom Martinstage 
anfing (Ranzuv. Calendar. Rnni. l'iS). Dar- 
aus erklärt sich die Geneigtheit, die auf 
Qnadrsgenma ante paseha berechneten kirch- 
lichen Verordnungen, beziehungsweise Ver- 
bote von Hochzeiten, Musik , Tanz, Schau- 
spielen etc. auf die Dauer des .\.« auszu- 
dehnen. Dies war in der alten Kirche nur 
die nothwendige Consequenz aus dr-r AiitTas- 
nng der A.szeit als Fasten- und Huss/eit. 
Anoi die Liturgie der A.szeit musste dem- 
gemäss thcilweisc verändert und der Lihir- 

£e der Quadragesima conform gemacht wer- 
m. Die Ktnrgischen Gewänder nahmen ^e 
blaue, ehemals so<irar die schwar/e Farbe an, 
die Bilder wurden mit Vorhängen bedeckt, 
du Qloria in exoelris wurde in dm A.S-' 
nieht gelangen {Amahriti» De diria. 



I offie. TV SO). In der romisehen Kirche je- 
doch blieb der Gebrauch des Gloria in ex- 
1 celsis an den A.88onntagen lange im Qe- 
I brauche, noch der Ordo Born. XI. n. 4 
' redet davon ; auch das AUeluia erhielt sich 
in der römischen AaSliturgie , in welcher 
ülierhaupt neben der Busstrauer immer auch 
\ ein freudiges Gefühl wegen des Kommens 
des Herrn durchschimmerte. Strenge wurde 
, die A.szeit durch Fasten und besondere Ge- 
betsfibungen gehalten (Martene De antiquis 
monachorum rltiluis 2';i s<|q.). Ja Beda der 
Ehrw. berichtet, dat» die Mönche in der 
Qaadragesimal- und Ajndt tU^ in einsame, 
abgelegene Orte begeben hätten, um desto 
ungestörter sich dem Gebete und der Bu8i> 
flbung hingeben zu kSnnen. Btda De Ead- 
berto Episiß. c. 24. erOll. 

ABTBHTSFA8TEV weichen hinsichtlich 
ihrer Dauer in der griechischen und latei- 
nischen Kirche ab. In jener fingen diesel- 
ben, deren Bezeichnung der Adventszeit 
als TSsaapotxovTaT-fjLfipoventoprechend, schon in 
der Woclie nju ii unserem beutigen Martini 
an, so das-s 40 Tage herauskamen (vgl. 
Leon. Allat. De consens. III, e. 9. n. 3). 
Kbenso hatte die ältere Advent.sf<Mer der 
Lateiner ein 40tägiges Fasten, 



igiges fasten, wie aus 
der Sltoren Bezeichnung quadrag^ma ». 
Martini (\'^\. Ramor. Calend. \lom. 188), 
aus der ehemaligen Zählung von sechs Ad- 
ventssonntagen (Radulf Tungr. Propos. 16 
spricht sogar von sieben Adventswochen: 
Ambroeianus Adventus habet sex septima- 
nas et incipit dominica post Martini) meh- 
rerer, aucn der mozarabiscben , Tiiturgien, 
endlicb aus dem Beschluss der Svnode zu 
Macon (Conc. Matiscon. e. 1); ilardouin 
III 452: ut a feria s. Martini usque ad 
luitale Domini seeunda. quarta et sexta sab- 
bati ieiuuetur et sacrihcia <|uadragesimali 
debeant ordine eelebrari. In quibus diebua 
canones legendes esse speciali defiiiitione 
sancimus, ut nuUus sc fateatur ^r ignoran- 
tiam deliquisse) hervorgeht. Die Berufung 
des genannten Synndalbeschlusses auf ältere 
Canones bezieht ßinUi im V 1, lü5 aui' die 
von Oreffor. 7W. Hist. X 31 fiberlieferte 
Verordnung des B. Perpetuus von Tours, 
in welcher erwähnt werden: a depoaitione 
domini Martini usque ad natale Domini terna 
in septimana ieiunia. An anderen Orten 
war die A.zeit bereits vor dem Ooncil zu 
Macon auf den Dezember besdiränkt : de 
decembri nique ad natale Domijii omni die 
ieiunent. hoisat es Cotir. Ttirnn. II. .^07. c. 
17, ja es tindet sich dieselbe sogar auf die 
leiste Woche vor Weihnachten herabgesetzt : 
in proxima septimana integra ante natale 
Domini ieiunandum (Auguati Udb. III 479). 
Tie! spftter dfirfte me von Dunmä. Bation. 
div. off. VI 2 auf länselsnsg durch den 



Digitized by Google 



24 



AdvocAti — A«Ua cAnonic*. 



Apostel Petrus zurückgeführte Fixirunj» der 
A. auf drei Wochen sein. Vgl. Angusti 
a. a. O. KRAUS. 

AfiVOCATI. üb Advocaten, d. h. solche, 
welche ab getaufte Christen Offentiich die Ad- 

vocatur !Uis}»f'öbt, vom Einfritt in den geist- 
lichen ätaud au8geflchlo6iH3u waren, scheint 
bieher nicht hinreichend untenucht zu sein. 
Das Concil v. Snrdica bestimmt in « an. 10 
(bei H^ele CO. 2. A. I ö»ü): «ujte iav Tic 
i^oonoc ^^ jyoXflwnxi« dhfi ^cf^z 770 pac difi- 
oito irtjxoro; '^'ttiWrtK, ia-Jj rpoitpov xafK»T- 
otjttai, iov xal dvo^vcumriv xal dtaxovov 

fxomov ßoBfA^v. isvicep dEfoc vo|iits8«'T) , sie 

ßfjvat ouvTjbsir,. Diese; Zusammenstellung mit 
dem .Reichen^ lässt darauf schliesscn, da«R 
nicht seiton »'influssrcirli»« und beliebte Sach- 
walter vom Volke zum Bischöfe gefordert 
wurden ; der in Rede stehende Kanon sollt^i 
wol der übiTciltcn Weihe solrher Pi-r-^onen 
wie der Neophyten ontgegentreteu. Weiter 
geht dagegen Irmoeenz /, der ep. XXED. 
C. 6 geradezu bestinnnt: ne quispiam ad 
ordinem debet clerieatus admitti, qui cauHas 
post acceptum baptismum egerit eine 
Verordnung, die eine ganz eigenthümlichc 
Entwicklung der Advooatur und ihrer Aus- 
fibung in liom seit dem 4. Jahrh. unter- 
stellt. Die An;,'al)en des Ammianm Mar- 
relliniis (lili. XXX. c. 4) und die (iesetz(> 
des Couätuntiuit {Cod. T/ttuäos. lib. Vi II. 
tit. 10 de concessionibus adTocatomm), Con- 
statitinus (Co<f. TJirndosf. lib. \\. tit. 10): 
advocatos, qui conneeleratis depectiunibus 
suae opis egentes 8[>oliant atque denudant 
. . . ab hnnestnrum coetu iudiciorumque con- 
suectu scjfregari praecipimus), Arcadius (ib. 
lib. IT. tit. 1 de rarisdiet. leg. TX) und Va- 
lentinian (Novell, de episc. iudicio tit. 12; 
vgl. zu all' diesen Oesetzen Gothafreds An- 
merkungen) gegen die ihr Amt missbrau- 
chenden Advocaten lassen auf die Häufig- 
keit solcher .Vuschreitungen Rchliessen und 
gestattet! die Annahme, dass in den Zeiten 
P. Iiinocenz' f der ganze Stand in einem 
Liclite ersehien. das seiner Aufnahme in den 
Klericat nicht günstig war. Uober eigene 
Kirehenstrafon gegen solche Sachwalter ist 
nichts bekannt : vermuthlieh zählti- der Miss- 
brauch der Advocatur zu der im Allgemei- 
nen mit kirohliehen Censuren belegten 0 p- 
pressio. kraus. 

ADTOCITI = tOmiU s. Defensores. 

▲DTTÜH (oSSbTov), das durch die canoelli 

(s. d. A.) vom Schiff ali^eschlossene Altar- 
haus der Kirche, dessen Betretung nach dem 
Vorbild des AUerheiligston im jfidischen 
Tempel nach dem Concü von Laodioea nur 
den UpaTixeC suatand (c. 19), unter wel- 



chen die Einen überhaupt die Geistlichen, 
die Andern, wie Habert , nur die höheren 
Ordines vom Diaconat an verstehen. Den 
Weibern untersagt die nAmliche S]mode den 
Zutritt zum ftyptaarrr^ptov (e. 44); Atnhrogius 
will ihn nicht einmal dem Kaiser zugestehen 
(bei Theodon f . lib, V. 18), womit sich The«^ 
doeius d. J. in den Acten des Concils von 
Ephesus einversta nden erklärt (ad caicem 
conc. Ephes. Cone. VT1 1237 Doeh seheint 
sich dies später geändert zu haben; wenig- 
stens macht das Trulianum v. 692 can. 69 
eine Ausnahme zu Gunsten der kaiserfichen 
Majestät (BhKjham III 213 hat die Stelle 
ganz missverstanden) und Injruft sich dabei 
auf eine .uralte Ueberlieferung*, was, wie 
schon Hefele (CO. IFF HOy) bemerkt, nicht 
genau der Wahrheit entspricht. Eine Sy- 
node von Tours v. .')(;7 c. 2 (Conc. V. 
H.") ! ) ("iftner das A. zur Zeit des Gebetes und 
der ("oninuiniou Laien und P'rauen. Wir 
dürfen annelunen, dass überhaupt bei der 
Cnmmunion den an derselben Theilnehmen- 
den der Zutritt offenstand, iixlem dieselben 
wol bis an den Altar herantraten, dann sich 
aber wieder entfernten (vgl. Dump». Epist. 
ad Basilid. c. 2. wo IdutHüssif^en Weibern 
der Zugaug zu der rpa;:&Ca oYi'a verboten 
wird) ; die Griechen dagegen gestatteten wol 
von Anfang an ihrem Kaiser, auch während 
der ganzen Liturgie seinen Platz im Innern 
des Heiligthums zu haben, was Theodosius 
d. (fr. denn suoh in Mailand wollte, aber 
l>ei .Vnibrosius nicht durchsetzte. Der Aufr> 
druck a'/uta hndet sich bei Theodoret, Eu- 
sebius und anderen <}rieehen, ebenso alkxa, 
bei den Lateinern inacce*«Mi, Noch bei Leo 
Ostiensis Chron. Cas. lib. III. c. 31 (al. 33) 
heisst es: fecit et cancelloa ex aere qua- 
tuor ante altare, inter ehoram et adytum 
hinc inde statuendos. kkaus. 

AEDITUIH, s. MansionariuB, Cubicula- 

rius, ('ustos niariyruni. 

AEBA CUBISTIAAA, DIOCLETIANA u. 
s. f., s. Zeitrechnung. 

AETAS CANONICA. In den Pastoralbrie- 
fen finden sich mancherlei Erfordernisse an- 
gegeben, welche die Ordinanden haben sol- 
len ; eine Altersstufe aber wird nicht fest- 
gesetzt, weil man in der apostolischen Zeit 
schwerlich in die Lage kam, junge Leute 
zu Klerikern machen zu können, und nur 
iltere Leute su haben waren. Beim weib> 
liehen Oeschlechte mochte die Sache gün- 
stiger stehen, daher sieh 1 Tim. 5, 9 die 
Brntimmung findet, daas Diakoiranen min- 
destens <;n Jahre alt sein sollten. Hinsicht- 
^ lieh der Kleriker blieb es bei der auch von 
mehreren Synoden, z. B. Nie. 1. c. 2, Arel. 
II 1 u. s. w., wiederholten Bestimmung, da-ss 
t keine ^eophyten ordinirt werden sollten. 



Digitized by Google 



25 



Kaeh und naeh ttelHo fioli ab«r die Noth- 

wendifjkoit heraus, für sie ein MinininlfiUor 
XU bestimmen. Das älteste Oesetz darüber, 
wolehos wir htben^ ist Ton der Synode Ton 
NeoeiMMea zwischen 3 1 4 - 325 caii. 25 : Nie- 
mand soll zum Priester geweiht werden vor 
30 Jahren, wenn er auch ein ganz würdi- 
ger Hann ist. Für die Diakonen »etzte so- 
dann 393 die Synodf von Hippo 25 Jahre 
fest fofr. Carth. III. can. 4) und jjestattet 
die Annahme YOn impabereH zn Leetoren. 
DiesellM'n Bestimmungen wiederholte 5()») die 
Sjmode von Agde can. 16 u. 17. AuRführ- 
lich handelt Ober diesen Punkt die zweite 
SviKuli- von Toledo 531 ean. 1. Erstere 
ordnet an, dass Knaben, die von den Eltern 
niBi kireUiehen Dienste bestimint sind, ah» 
bald die Tonsur erhalten, als Leeforen die- 
nen und bis zu ihrem 18. Jahre unter den 
AogMi des Bbehoft zum Irirehliehen Dtraste 
enogen werden. Wenn sie akdann erklä- 
ren, eheloe bleiben zu wollen, so können 
sie mit 20 Jahren Subdiakonen, mit 25 Jah- 
ren Diakonen werden. Erneuert werden 
•liese Bestimmungen sodann von der dritten 
.SvikkIc zu Orleans (can. 6) und der zweiten 
zu Hra^a (can. 20). Vgl. Schulte System 
dts Kirehenreehts III. niesellu'n Alters- 
stufen hat für die grieehiHche Kirche das 
Trulhmun 692 endgültig angenommen: 80 
Jahre für den Priester. 25 für flen Diakon. 
20 für den äubdiakon, 40 für die Diakonis- 
sin (can. 14 n. 15). Das MSnehsleben zu 
ergreifen erlaubt die genannte Synode schon 
mit 10 Jahren (can. 40). kbllkbr. 

iOAPEN (k(ar,an). Der Ausdruck kommt 

zuerst vor im Briefe .rmlii 12 für jene in 
der ältesten Zeit des Clu istJ Uthunis von der 
Feier der hl. Faieharistie unzertrennlichen 
T.ielie^mahle . wie sie in der apostolischen 
liemeinde täglich begangen wurden (Apg. 
2, 42. 4r>; 1 Kor. 10, 11). So eng erscheint 
dies«' V« rl>inilun<r. dass der Briff des Ifj^na- 
tius an die Ciniyrnuer c. 8 die Feier der A. 
nor in Gegenwart des Bischofs gestattet: 
oix l|pv iffTt y«op'.c -fjZ ir.iTA'jzo'j outs ^a-- 
i^w, eStt rpoj^epeiv, ou-cs Oua(av izfQsxoyki- 
Cic», eww 5o/f,v imtsUTv, welch* letitem 
Ausdruck der alte Uebers(>tzer mit convi- 
vium dominicum eelebrare, der OotelierVhe 
mit neque agapen faeere wiederi^ej^ehen hat. 
Die classischen Stellen über die Feier der 
A. sind : Clan. AI. Paeda}?. Wh. ff. e. 1 : 
Stmni. lib. Vlll 892; Ttiiitll. Apolog. e. 31) 
ad Mart. 15H; de baptism. c. 9; de ieiun. 

17: Chrifsost. Horn. 27 in fCor.; Auijk- 
stin. Epist. 116, 233. In meiner katholischen 
Periode entwirft TtrtvU. Apd. 39 folgende 
begeisterte Schilderung dieses Instituts : 
coena nostra de nomine rationem sui osteu- 
dü: id Tooatnr quod dOeetio npud Otmooi 
«t: . . . nihil vilitati«, nihil immodestiM ad- 



mittit; non prius diummbitur quam oratio 

ad Deum praegustctur ; editur quantum esu- 
rientes capiunt; bibitur quantum pudicis est 
utile. Ita aatnrantur, nt qni meniinerint 

etiam per noctem adorandum DeUM sihi 
esse; ita fabulantur, ut qui sciant dominum 
audire. Poet aquam manualem et lumina, 
ut quiaque de scripturis sanctis Tel de pro- 
prio ingenio potest, provocatur in medmm 
Deo canere; hine prol)atur quoinudo biberit. 
Aeque oratio convivium dirimit. Aehnlieh 
äussert sieh Minuciuti Felir Oct. c. 31. 

Die enge Verbindung des Abendmahls 
mit den A. lockerte sich vermuthlieh schon 
im 2. .liilirh.. ohwol sie in einzelnen Ge- 
igenden, wie in Aegypten (Sozom. YII 19; 
Soerat. Y 22), noch Ubiger forthestand. Der 
Brief de» Fliniu» an Tniinn fX %) und 
die Schildenuw des Gottesdienstes bei Justin, 
ApoL L «. 86 wmea darauf echtienen, dass 
schon zu Anfang des 2. Jahrh. beide völlig 
auseinander gehalten wurden. Noch deut- 
licher erhellt das aus den Const. Apost 
Unordnungen, wie sie schon I Kor. II, 20 ff. 
' jjerüfrt werden und wie sie im Laufe der 
Zeiten sieh naturgemä.s.s immer stärker ein- 
stellen mussten (man vgl. die herben Worte 
des montanistischen Tertullian. de ieiun. 
e. 17), führten zu einer auch zeitliehen 
Trennung der einen Ton der andern Feier. 
In ficr älti'rii Zeit wurde die Kurharistie 
in geuuuer 2<iuchahmung des Ostermahls 
Christi nach dem gemeinsamen Mahl ge- 
feiert: die Behiiuptun;^ mehrerer i^'riechi- 
scher Kirchenväter, wie Chrysostomus' und 
Theodorets zu I Kor. 1 1 , kann dagegen 
nicht aufkommen; auch die gegentheilige 
Beweisführung Binterims II 2. 41 f. hat 
mich nicht öl>erzeufrt. Später, aber wol 
schon seit dem 2. .lahrh. (I'Unins bezeugt 
dies bereits; vgl. dann ('ijpiian. Epist. <>3, 
wo die Feier des Abendmahls ausdrücklieh 
schon am Morgen festgesetst ist: ebenso 
Tertullian, Basilius. Chrysostonius , Hiero- 
nymus, Gregor v. Naz., Constantin d. Gr. 
in s. Orat. ad PP. u. s. f.), ward es Sitte, 
die Coniniunion nüchtern zu cmpfan<ren, 
was denn eine lieihc couciliarischer lie- 
■chlflsee einechftrfte (Tgl. Gonc. Oarth. TFT. 
c. 2".>); die A. wurden nun nach dem 
Abendmahl begangen. Kine Zeit lang er- 
hielt sich der ältere Brauch jedoch noch 
am Gründonnerstiig zur Erinnerung an die 
EiiHi'tzuni,' des AlxMidmahls, wie dies rlas 
C'artliaf^inen.se aundrücklich gestattete (vjjl. 
August. £p. 54 ad Januar, c 9): das Trul- 
lanum räumte auch damit auf. Mit dem 
Gebote der nüchternen Communion w ar die 
Verlegung der Ahendmahbfeier auf den 
Mor;i:en von seilest gegeben : die A. blieben 
auf den Abend angesetzt. Bei Hiwonym, 
oomm. L in I Kor. 11, und CÄryt. Horn. 27 
in I Kor. werden die A. nnadriicklieh ab 



Digitized by Google 



26 



Agapen. 



auf die Euehariatie folgend und hier swar 
nnmittelbar folgend be»ohriobon. 

Ein weiterer Schritt war da« Verbot, die 
A. in den Kirchen zu halten. Zuerst hat 
das ConoO von Laodicea die Hestimmung. 
da88 ,man in (l<'ii Kirchen oder Ecclesifn 
die sofj. A. niilit halt»'n und im Hau-si- 
(lottt's nicht osson und Lager zurüston solle' 
(<• -'"^i: in dem vorhorfjchonilcn i\ 27 ver- 
bot (iieüelbe Synode den Uei»tlichen wie den 
Laien, die ITeherreaCe der A. mit nach Hanae 

zu nehmen. In Italien war es AnilirDsius 
(Aug. Confe«ä. Vi 2), in Africa uameutiicli 
Aoinistinus, der auf Abatellnni^ der Mim- 
briiuehe ilraiij;: vjj^l. Ep. 22 ad Aurel. Ihm 
hat man wol den c. 29 der Synode von 
Hippe 393 zuzuiehreiben, welcMr die Ab- 
haltung von 0a8tniählern in den Kirchen 
nur mehr zur liowirthung von Fremden 
lind auch dann nur ohne ZuhiHsung des 
Volkes gestattet; ähnhehe Verbote finden 
sieh Cone. Carth. III. a. 397 c 'M); Aurelian. 
II. a. 533, c. 12; Quinisext. a. ()92, c. 74 
(,die A. innerhalb der Kirchen sind ver- 
boten*). 

Seit die A. auo der ehemaligen eugen 
Verbindung mit der Eueharistie hemuRge- 

treten . scheint sich ihr Hci^riff mit jrnni 
anderen gemeinsamen Malilzeiten der alten 
Christen Termiflcht m haben, welche Gre- 
gor von Kaz. Carm. X aufzählt, nämlich 
den bei Oeburts-, Leichen- und Hoehzeits- 
feierlichkeiten veranstalteten Gelagen. Man 
Wf^ Aber dieselben den Art. »Mahlzeiten', 
wo auch die Frage erörtert wird, oh auf 
den altchristlichen Denkmälern Darstellun- 
gen der A. vorkommen. Dass der t. t. A. 
seit dem 4. .lahrh. auch auf <lie nicht mehr 
mit der Eucharistie verbundenen Liebe»- 
mahle ausgedehnt wurde, kann kaum ge- 
leugnet werden : der c. 1 1 der Synode von 
Gaogra, welcher die Verächter der von ein- 
■elnm Oemeindegliedem veranstalteten A. 
mit dem Anatheni belegt ("= Corp. iur. can. 
c. 1. Dist XLil), wiU Hchwerlich, wie dies 
Ati^tuti Hdb. r 600 annimmt, die eucha- 
risoschcn A. gegen die Eustathianer ver- 
theidigen, sondern die den Armen gegebe- 
nen Liobcsmahle in Schutz nehmen (vgl. 
van Espm Comm. s. d. St. 133 ; Hefele CG. 
1 784), welche nun als Rest und Erinne- 
rung der alten A. «ich bis iiu Mittelalter 
hinein erhielten. ÄugutHn spricht von die- 
sen Rewirthungen der Armen durch die 
Reichen c. Faustum XX 2U (a^pcs nostrae 
pauperes paaeunt sive fttigibus sive camibns). 
Es hängt damit offenbar zusamnion. dass 
der t..t. ^iar^ überhaupt nur für Speisung 
und Untentfltanng der Annen angewendet 
wird; so schon in der aus .Vugustin ange- 
führten Stelle, dann in dem Sacramentar. 
Gregor. M. (,prooratio ad agapen paupe- 
mnr), in dein Saerun. eoeL Rom. IIL c. 



48 (,pro Ins qui agape fiunint*), so dasa 

später die Glossa Aelfrici Agape geradezu 
mit aelmessef eleetnosyna wiedergil)t. Trul- 
lan. a. 859, c. 14, stellt die Agape paupe- 
rum mit der snstentatio peregrinoram and 
der elecmosyna defunctonun zusammen. 
Vgl. Üucange «. v. 

Ueber die Speisen, welche hei den A. 
genossen wurden, belehren uns AtujHstin 
a. a. ü., nach welchem Fleisch und Früchte 
vorgeeetet wurden ; PrudehHus Gathem. IQ 
50 (>5 scheint den FIcischgenuss auszii- 
scbliessen, während Euseb. H. e. V 3 der 
Martyr Alkibiades Tadel erfShrt, weil er 
nicht gleich den übrigen Confessoren Fleisch 
und Wein nahm, sondern sich mit Brod und 
Wasser begnügte. Auch der Abt Pt M td i u f 
meint, es sei besser, in den Versammlungen 
vernünftig (cum ratione pietatis et religio- 
nis) Wein, als hochmütliig (inconsiderate et 
oitra rationem cum arrogantia) Wasser zu 
trinken; Virae PI*, ed. Kosweid. f. 706. 
Tertullians Aeuaserung (Apol. c. 3Ü) ; hinc 
probatur quomodo biberit, zeigt ebenfalls, 
diiKs der Wein einen regelmässigen Bestand- 
theil der A. bildete; ebenso bestätigt das- 
selbe Faustus* Vorwurf (saorifida eorum 
vertistis in agapes. idohi in martyre«, dc- 
functorum um b ras vino placatis et dapibusj, 
auf welchen Augustin antwortete: pi 
que in agapibus etiam camc» pauperibus 
erogantur, miseri(;ordiam Christianorum si- 
milem dicitis sacrificiis paganorum. Dass 
ein ünlenebfed in der Vertheilung der Por- 
tionen gemacht wurde, indem Alter und 
Hang berücksichtigt wurde, lehren uns die 
apo«t. Constitutionen II. c. 28. Die Dia- 
conen sollen danach das Doppelte der Dia- 
conissen, ebenso die im Dienste des Wortes 
angestrengten Presbyti^r erhalten; desglei- 
chen sollen Lectoren . Cantoren , Oitiarier 
mit einer Portion bedacht werden. 

Der Ursprung der A.' bildet eine viel- 
besprochene Controverse. f.' f-'mprrt nr sucht 
ihn in den Mahlzeiten der Juden in den 
AnnexgebSttden des Tempels ; Buldueei geht, 
nach dem schüchternen Vorgange des Ba- 
ronius, auf die essenischen Gastmähler zu- 
rück: IVitftitut dachte an die Zehntenliefe- 
rung der Juden. Auch Lij/ht/oot knüpft 
an die Xenodochien beim Tempel und den 
Synagogen der Juden an. Anderseits wur- 
den die A. vielfach als Nachahmung der 
griechisch-römischen Leichenschmäuse an- 
gesehen. Schon Eucherius von Lyon (Quaest. 
m N. T.) und Sedtdiu» Seotm (doO. ad 
I Cor. 11) meinen, sie seien de gentili ad- 
huc superstitione übrig geblieben. Neuer- 
dings hat namenüicfa K.BochtU« Mfm. snr 
les Anti(|. clirer. 1 44 ff. ( Mem. de l'Acad. 
des Inscr. Xlli 136) den Satz aufgestellt, 
dass die A. eine einfache HerQbemalune der 
so beliebten Ghwtmihler der Heiden und 



Digitized by Google 



27 



«in inrtitut gewesen seioi, welches dem 

Volke die Annahme der neuen Religion we- 
sentlich erleichtert und das Chmtenthum 
popnboirirt habe. Dem gegenflber verthei- 
digt J/fl / '/'/"'/ Dict. 25 die Ansichtf dass 
die A. lediglich auü den Todtenmählem der 
Juden (vgl. Jerem. 15, 5 — 7; Eieeh. 24, 17; 
Sprüchw. 31, (1; Deuteronom. 26, 15; Flav. 
Jos. Bell. Jud. II l) hervorgegangen scion. 
Letztere Beli;iu[)tung, wie auch diejenige 
Rodiette'!<, beruht zunächst auf einer ganz 
irrthfimliohon Vermischung der alten A. mit 
di'n /u Khren der Todten und denen der 
Märtyrer gehaltenen Mahlseiten (s. d. Art. 
Mahlzeiten) — Dinge, die man doch end- 
lich auseinander halten sollte. Die eigent- 
Kehen A. IcSimen ihren Ursprung nur ein- 
mal in der Absicht, die Feier des letzten 
Abendmahls möglichst getreu zu wiederholen, 
dann in der Oütei^emetnsdiafl der aposto- 
hv hcn Zeit haben. Für die übrigen ge- 
meinschaftlichen Mahle bat man unbedenk- 
lich auf die allgemeine Praxis aller alten 
Völker, der Juden sowol ab der Chrieohen 
and Römer , zurückzugreifen ; man kann 
hier gerne eine bewu-sste Accommodation 8ei- 
ttm der Kirche zugestehen, wie «lies Gre- 
gor r. Nf/ssa he/.. rJregors d(>s Thaunia- 
turgen {Baron, l'raeuot. a<l Martyrol. c. 4), 
i^Bufm. Nol. Natal. IX. S. Felic, dann 
Gr^r/nr M. in Regest, lib. XI. Kpist. 71 ad 
MeUtum hinsichtlich der an den .Nataliticn 
der Märtyrer gefeierten Liebesmahle bewei- 
sen. — Vt^l. über die A. : S/olfierr/ De vott. 
Christ. A. V'iteb. U>U3; Schur zßeisch (Creit- 
1o?) De vet A. ritu, Lips. 1699; Boehmer 
De coitionibus Christ, ad capiend. cibum, 
in Diss. iur. ecd. ant., Lips. 1711; Theoph. 
Sehlegel De Agapurum aetate apostolica, 
Lips. 1756 (= Volbeding T\m. II 170 ff.); 
J. G. Mörlvi De origine agaparuni vctt. 
Christ., Lips. 1730 (= Volbediuy This. II 
1H3 (!'.); Muratori De agapis suhlatis in s. 
Anecdot. graec. , Patav. 1709; ./. Theoph. 
Frid. Drescher De vett. Christ. A., Oiess. iö24 
(== VoOteding Thes. IT 197 IT.); AtUgranza 
Diss. sopra un Agai)o in nnirmo in «. Spio- 
gaaone e rifless. sopra alc. s. monumenti ant. 
di Milano, Mihin. 1757, 111 ff.; J^. FmU 
füm. do A. 3 pp., Upsaliae 180.5 f.; Arinqhi 
II 599— 6UÖ; Bingkam X 68 f.; Mamdchi 
ni344f.; BiMmarriMlITetrillS, 129; Bol- 
d$Ui 41—50; Garrueei Vetri XIV; Bmtf 
Hm Ii, 2, 3—84. uuus. 

AOIFBTIB, s. Sabintrodnetae. 

AGENDA^ als neutr. pl. = ofticium divi- 
num, be«. die Messe: Coneä, Cartk, H, c. 9 : 
in quibusdam locis sunt prosbytori . . . qui 
complurimis (cum pluribus?) in domiciUis 
■gant agtndOf quod diaciplinafi inoongmiim 
innetitaaTetln. YgL Ferraiid. 



Diac. 0. 90 und andere Bmspiele sptiever 

Zeit bei Duratufc i. v. Speziell bezeichnet 
das Wort dann das CH'ticium und Missa pro 
mortnis: se Saeranmt. «eeL Rom. I 93, III 
95; Antiphon. Greg. M., Calendar. Rom., 
bes. bei AUat. De dom. et hebdom. Ur. 1493 
u. 8. f. (Dueange a. a. N.). 

Die fem. Form agetula , aijendae kommt 
in der Reffulu S. Ihtudicti c. 13 vor als 
gleichbedeutend mit den kirchhcheu Tages- 
zeiten: agenda matatina et Tespertina non 
transeat. 

Aus dem Gtoaagten erhellt, das» der er- 
wähnte Gebrauch von A. nicht erst, wie 
Auf/if.<ft Hdb. ril 708 angiebt, seit dem 

8. Jalirh. aufkommt. 

.\riAi:.\lUi:. s. ('(.nsecration. 

AI ION. ATIA^ = pipo. i. d. A. 

AnON ATIOIS, fiancta sanetis. 

»anetum sancforum, Ton 
Efiseb. H. e. X, c. 4 fttr den Altar ge- 
braucht: if anaai xt xb twv ^'wv s^iov, 
Swtmdjptov h pittf 8e(c. Das von Bingham 
irr 20*> ihm gleichgesetzte sacrarium (Conc. 
Vasem.f Conc. Carth. Vi) oder satictuarium 
(CcMte. Braear.) beneichnet dagegen den 
Altanranm, den Chor. 

ATIOTATOI, 8. Sanctisriniua. 

AONliS. Das Mart3rrtnm dieeer aus ror- 

neliniem lömi.schen Oesclileelite entsprosse- 
nen Jungfrau gelangte rasch zu grosser 
Berflhmtheit, so dass nach dem Zeugnisse 
de« hl. Hieronymna (Ep. ad Demetr.) ihr 
Lob in allen Sprachen, Kirchen und Na- 
tionen ertönte. Die berühmtesten Kirchen- 
väter und christlichen Schriftsteller (Am- 
brosius, Augustinus, Papst Daniasu.s, Martin 
von Tours, Venantius Fortunatus, Maximus 
von Turin, Gregor d. Or., Prudentius) feiern 
ihren Ruhm. Leider sind die etliteii Mar- 
tyreracten der Ueihgen nicht auf uns ge- 
kommen. Denn die dem hl. Äsmhrotum sn- 

gesehriebene Leidensf;^es<'hirhte ist von die- 
sem nicht Torfesst, wenn sie auch in der 
Hauptsache mit dem übereinstimmt, was er 
De Virzin. 1, c. 2 und (an andern Stellen) 
Enarr. in Ps. CIY und De offic. I, c 4 
über die hl. A. berichtet und was Pru- 
dentius im 141. Hymnna vim den Siegw- 
kränzen singt. 

Die Hauptpunkte aller Berichte lassen sich 
kurz im Folgenden zusammenfassen. A., 
die schone, drei/elinjährige Tochter eines 
reichen Kömers, war von Jugend auf im 
Christenthnm erzogen worden. Da sie in 
begeisterter, keuscher Liebe nichts mehr 
wissen mag als Jesum, ihren Heiland, so 
Tomdimiht ne die irdiaohe liebe eines vor- 
ndimen jungen Bamer«. Dieser loigt sie, 



Digitized by Google 



28 



um ihran Voiwits m Iwechen, ab Christin 

an. Der Stadtpräfwt versucht umsonst alle 
Mittel der Ueberredung, und droht ihr mit 
Ufontficher Preisgehung in einem Hanae der 
Schande (einer zur Zeit der Verfolgung nicht 
Reiten ang«?wandten Strafe). Mit dem Gleich- 
niuthe einer Seele, «lie durch Gottes Schutz 
«ich gcboffjen wei.ss, entgegnete A.: ,kinn- 
test du ilen llerm. dem ich diene, du rau- 
thetest Solches mir nicht zu. Ich verkünde 
dir, da88 mein Herr w« «!« i \>\- zum Rück- 
fall zu deinen fiötzi-n ruii h vnlusMon, noch 
zugeben wird, da^a man meinet) jungt'räu- 
Uenen Knutses «Ich beraube/ So geeehah 
es. Gottes Engel schütztr sie. Kin fn'cher 
Mensch, der sich ihr nahen wollte, stürzte 
gobiendet und halb entmelt m Boden. Da- 
rauf wurde sie .als eint' Verächterin der 
Qötter' zum Tode durch das Schwert ver- 
urtheQt. Freudig eilt sie zum Richtplatse 
und bietet .gesenkten Hamitet dem Scharf- 
richter ihren entbloasten Euib dar'. Wäh- 
rend da« zuschauende Volk laut weinte, er- 
folgte der schauerliche Streich, und ,Chri«tus 
weihte «ich <lic Jungfrau, schön geschmückt 
mit dem I{((scnrothe ihres eigenen Blutes 
und der zwcifaclu n Würde einer Martyrin 
und einer i^cistlirlicn Hraut'. 

Dir Todesjahr wird am richtigsten ins 
Jahr 304 geeetzt {Ruinart Acta mart. ed. 
Ratisb. p. 4H5). Ihr Leib wurde vnti ihren 
Eltern auf einem Gute derselben au der 
Nomentaniechen Strasse, nieht weit von 
den Mauern der Stadt, becnli^^. Das Cu- 
bieulum, welches zu diesem Zwecke ausge- 
hdhlt wurde, bildet den Mittelpunkt des 
berühmten Coenii teriuiii der hl. A,, einj»s 
der reichsten und berühmtesten Coemetc- 
rien, zumal manche Theile beträchtlich 
älter sind als das Martyrium der hl. A. 
(Bartolini Atti di s. Agnese 18; Kraus K. 
S. 2. A. 540). Als Gcdächtnisstuge der Hei- 
ligen feiert die Kirche den 21. und 28. Ja- 
nuar (Agnes secundo). erstem als Tag ihres 
T<»<i»'s, Ictztf'rn als Tai; ihrer Erscheinung 
l>ri den Eltern. X^w (i riechen haben drei 
Tage ihrem Andenken geweiht, den 14. und 
21. Januar und ö. Juli. 

Der Name der hl. A., ab «dner der be- 
rübniti'sten Heiligen der romischen Kirche, 
hndet sich im Calendarium Komanum und 
Oarthaginense, im Kanon der Messe und in 
den ältesten Sacramcntarien. Die fibcr dem 
Grabmale der Heiligen erbaute Basilika Hess 
Kaiser Constanttn auf Bftte« sefaier Tochter 
Constantia errichten. Sie ist, weil eine der 
ältesten Kirchen Rom«, auch eine der merk- 
wlir^gsten. In dieser Basilika wurde seit- 
her «s Fest der Heiligen am 21. Januar 
in grossartiger Weise gefeiert. Gregor d. 
Gr. trug hier einige Heiner liomilien vor. 
Auch werden bis heute daselbst am ge- 
dachten Tage die Lämmer geweiht, aus 



deren Wolle die Pallien gefinügt werden. 

(Vgl. d. Art. Pallium.) 

Mehr als irgend einer der Heiligen, die 
Apostel Petrus und IHuilns ausgenommen, 
wurde die hL A. auf den sog. Goldglaaem 
(s. d. A.) dargestellt In der Sammlung 
dieser Gläser von Buomwruoti, die 72 Num- 
mern umfasst, sieht man die hl. A. einige, 
und in der vollständigem Sammlung von 
Garrucri mit 340 Nummern sieht man sie 
14— 15 Mal. Bald erscheint sie in reicher 
golddurchwirkter Kleidung, wie nie ihren 
Eltern nach ihrem Tode erschien, bald in 
der Haltung einer Betoi^eD, bald zvMheii 
Biuneii und Blumen, um ihre Seligkeit im 




Flf . tS. OoMflflik 

Himmel (s. d. A. und den .\rt. Bäume) 
auszudrücken. Mitunter ist die Heilige allein 
dargestellt, oder neben Maria, oder zwischen 
Christus und I>aurentius (s. d. A.). oder zwi- 
schen VincentiuB und Hippolytus, oder zwi- 
schen den ApostelfQrsten Petrus und Paulus, 
oder iwischen swei TaubMi, die in ihren 




Fl(. 17. OoIdrUs- 

Schnäbeln Krün/«' (den Kranz der Reinheit 
und des Martyrthumsi tragen, welche sie 
der Heiligen zu reichen scheinen. Neben 
dem Haupte steht die Umschrift AKONfi. 



Digitized by Google 



Agnus IM — 'AxbftäM. 



29 



Auf dm alten GeldgUeeni, in den Mar- 

tyrologien u. «. w. findet sich der Name der 
hl. Martyrin A., Agna, Uagne, Anne, Ane, 
Angne, Agne, Amies geschrieben. Dieee 
Terschiedene Schreibweise ist vi> rursacht 
darch die Verschiedenheit dvr Aussprache 
«der die Unwissenheit der Künstler. Der 
Käme A. kommt flbrigens schon auf heid- 
niHchen OraWhriften der er»t»^n Kaiserzeit 
vor. Muratori Nov. Thesaur. Ii 118B\ 

Da die hl. A. acht Tage nach ihrem Tode 
inmitten einer Jun^rauenschaar, ein «chnee- 
weisses Lamm neben sich, ihren Eitern er- 
sehiea, fo isl in der ma. Knnst ihr Attri- 
bnt das Lamm. mOhs. 

AOITÜS VEt, Im AnacMttsi an die U. 

Schrift war den Kirchenvätern und der alt- 
christlichen Kunst das Lamm (h. d. A.) ein 
Symbol Christi. Desshalb wird Christus in 
der KatakombenmalcnM und Plastik 8« ln 
häufig uiitiT dem Bikk' des Lammes dar- 
gpsti'Ut und » in Lamm unter o<l<'r in Ver- 
bindung' mit rinrni Kreuze vertrat theilweise 
dan Crucitixl>ilil rvj^l. Mi'hiz Archiiol. Mcrncr- 
kungen 107 ff.). (Jiamjnni Vetera monum. 
n*« bietet die Abbildung eines Lanunes, Ii»> 
fji'nd ,tam(juum ocojsus* auf einem Altäre 
anter einem mit Uenunen und Edelsteinen 
Trieb verzierten Krense. Eine fibnüohe Dar- 
Htellung sieht man auf einem Mosaikhilde 
des (>. Jahrb. in der Kirche S. Cosmas und 
iHumanus zu Rom {Piper Btlderkreis I"). 
Keben dieser DarBtellungsweise begegnen 
wir einer andern, indessen etwjis früher, in 
der zweiten Hälfte des 5. Jahrh. aufge- 
tauchten, die sich bis in die neueste Zeit 
erhalten hat. Kin Lamm, den dreitlieilifrcn 
oder sog. Kreuznimbus um das Haupt, hält 
mit einem der VorderfQsse ein Kreuz mit 
hagem Schaft, an dem oben ein Fähnchen 
befestigt ist (Fahnenkreuz, Siegeskreuz). 
Afiit^ B. 8. n 295. 

In Rom wurde ühlich, diese LamnicK- 
bilder den medaiUenartigun, aus den Ueber- 
resten der Osterkene mit Beimtsehnng Ton 
geweihtt^m Oele <^ehildeten runden Waehs- 
scheibcn aufzuprägen. Von dietM>n Lanunes- 
bildem erhielten die wächsernen Medaillen 
den Namen Agnus DeL Sie waren mei- 
stens, jedoch nicht immer, mit Oehren ver- 
sehen und wurden theils den (iläubi^en /um 
Knsse gereicht, theils am weissen Sonntage 
unter die Neugetauften vmfieilt, theils an 
hervorragende I'ersonen übersandt, nachdem 
»w in der Ostenroche, frflber vom Anhi- 
(liakon, später vom Papste selbst, waren ge- 
weiht worden. Manche A. D. wurden als 
Enkolpien am lÜse getragen, andere in 
kostbaren Tüchern, Behältnisstm oder Mon- 
ttranzen aufbewahrt und waren ein üegen- 
sttnd der Yerebnmg. 

In 8|iileran Jahrhanderlen hieli 



Ittieht mehr strenge an die Lammesbilder, 

sondern prägte auch andere religiöse Mo- 
tive dem Wachse ein, der Name jedoch 
blieb. Das Mtette bekannte A. D. ist das 
zu Monza bewahrte, der Konigin Theo- 
delinde von Papst Gregor d. (ir. mit 
anderen Oeschenken übersandte (Frisi Me- 
morie di Monza 1 34). Man hat zwar auch 
ein .\. 1). bei den Geheinen des unter Kai- 
ser Domitian gemarterten Consuls Fla- 
vius Clemens gefunden; dasselbe stammt 
jeddch keiiies\v('f^ aus der Zeit dieses Mär- 
tyrers, sondern ist jedenfalls zur Zeit der 
Traulatiom im 7. Jahili. m den Refiqaien 
gekommen. Das nach Marügnjf hier ab- 




Fi(. 18. A^nu» I>ei. 

S bildete A. D. mit dem Veronikabilde ist 
Ih mittetalterlfeli. (l-ls /.eiprt die Legende: 
AONK DEI MISKRKHK MEl QVI CRI- 
MINA TOLLIS, ähnlich einem von Cahier 
et Martin Melanges d'Archeol. 1 »1. 19 D 
herausgegeb(>nen A. D., angeblich Karls d. 
Gr. in Aachen. K.| 

Die Inventar»' berühtnter Dome erwähnen 
einer Menge von A. D. So hatte der Dom 
zu Halle ii.kIi ilem Verzeichnisse von 1520 
deren ,siebenhalbhundert und ein'. Sie alle, 
wie auch das wol ftiteste in Deutsehland 
im Si'hatze des Münsters zu .\achen. da.s 
Karl d. Gr. gehörte, sind der Zeit des Mit- 
telalters snzntheilen. Vgl. femer Martifftty 
Notice sur les A^rnus Dei im Anhange ». 
^tude arch6ol. sur l'Agneau et le Bon 
Pasteur HK, Macon 1860. MOmc 

Aiei^lUN, 8. Atrium. 

AKE<l).\AOl und AlT()KF-<l)AAn|. i) Ein 
Titel jener Bischöfe, welche kein kirch- 
liches Haupt Aber sich erkannten. Kaeh 
Bingham Antiqq. I 261 if. kam derselbe 
folgenden Kategorien zu: a) ursprünglich 
allen Metropoliten ; b) solchen Metropoliten, 
welche auch nach Entstehung und Beffesti- 
•ruri'; der Patriarchalverfassung sich von 
letzterer unabhängig erhielten ; so denjeni- 
gen von Cjrpem, Iberien, Armenien und 
(antjeblich) von Britannien; c) Bischöfen, 
welche zwar dem Patriarchen, nicht aber 
einem Metropolitan nnteretanden; deren gab 
es z. B. in dem Patriarchate von Constan- 
tinopel fiber 40, in dem von Jerusalem 25; 
d) KeehSfeB, welche weder Patriarohen noch 
M etropolüen Aber eich erkannten. Eb m1- 



Digitized by Google 



30 



'Axa^TjfTOf — AkoluthaB. 



eher wäre nach Valesim Not. in Euseb. 
BL e. II. c. 23 derjenige von Jemaalem ge- 
wesen, che er Patriarch wurde. Doch hätte 
derselbe nach JJingham unter der Juris- 
diction des B. TOO Caesarea als Metropoliten 
und desjenigen von Antiochien als Patriar- 
chen gestanden. Als einziges Beispiel eines 
mlelMni ^btifoXec wein Bin^om den B. von 
Tomis in Scythien und zwar auf Orund von 
Sozom. Ii. e. Vi, c. 21 anzuführen. — Aufj 
die rSmisohen BB. , obfrieieh «ie ftllein im | 
wahren Biniie II ''■'-o/s^'zAoi wari'n. ist dieser 
Titel nie angewandt worden. Das Streben 
der TOTennatiidieD Eb. nach Unabhängigkeit 
▼om römischen Patriarchate misslang nach 
schwerem Kampfe. Vgl. Hieran. Rttbei Hist. 
Ravcnn. lib. IV 209 und Anastas. Eibl. Lib. 
pontif. in Dono pp.: huius temporibus ecele- 
sia Ravennatum, quae ab Ecclesia Homana 
BCgregaverat , causa Autocephaliae denuo 
te pristinae sedi apostolicae subiugavit. 

2) Arephali clerioi soviel als cautivi bei 
Isidor, Hispal. de eccl. off. II, e. 3: duoi 
annt genera eleriooram, imum eoclemaBtico- 1 
mm «ubregimine opiscopali degentium, aliud 
ae«phcUorum, i. q. sine capite, quem sequan- 1 
tnr IgnorantinnL Hos neque inter utieo« 
saeculariuni officiorum studia , neque inter 
clericoe religio detentat divina , sed solutos | 
atqne oberrantes sola turpis vita complocti- 
tur et vaga. 

3) Acephali nannte man versebiedene hä- 
retische Parteien, und /war n) tliejcnigcn. 
welche auf der Synode /u Hphesus 431 
weder zu Cyrill, noch zu Juh. v, Antiochien 
hielten ; b) die cutychianisoh gesinnten ehe- 
maligen Anhänger des Petrus Mongus, welche 
sich weigerten, mit ihm da« Henntiknn an- 
zunehmen; c) diejenigen, welche das Chal- 
oedoneme beMmpften (die Belegetollen bei 
Ducange i. v.) ; d) gewisse andere Häretiker, 
von denen laidor YIII, c 15 und Ado r. 
FtefifM in ■. Obrem. 8|H«cheii. Tjri. SUrmond. 
Not. in Facund. Henuiao. Opp. U 315, 323, 
ed. Yenet kraus. 

AKOIMHTOI, Schlaflose, Name eines im 
5. Jahrb. zu Constantinopel von einem ge- 
wissen Alexander gestiftet»!n Mönchsordens. 
Die Beceichnong rührt von der in demsel- 
ben getroffenen Kinrichtun^:^ her, nach wel- 
ohw das officium divinum auch des Nachts 
abgehalten wurde, indem die in drri Ooe- 
tus abiretlieilteii Bewohner jedes Klosters 
abwechselnd demselben oblagen. Zur Zeit 
scheint der Orden in der Hauptstadt des 
Ostreiches sein- anijesehen gewesen zu sein, 
namentlich erlangte das von dorn aus Rom 

rikommenen Studius gegründete, nach ihm 
tudiiim genannte Kloster in der theolo- 
gischeTi (feschichte von Byzanz eine grosso 
Bedeutung. Vgl. Nicephor. H. e. lib. XV, 
C 23. KBAU8. 



AKOLUTHEN (von dxdXoo3oc [dxoloaMn] 

= Begleiter, Diener) sind niedere ElNiUll- 
diener, deren .\mt unter den Ordine« mi- 
nores den höchsten Hang einnimmt. Ihren 
Namen bekamen sie von ihrem Hauptge- 
schäfte, welches darin 1)estand, den hohem 
Klerikern bei kirchlichen Verrichtungen zur 
Seite und zur Hand zu sein. Ob es in der 
orientalischen Kirche A. gab, ist sehr zwei- 
felhaft; allerdings waren nach Euaeb. Vita 
Constantini III 8 anf dem ConeO an KicSa 
A. anwesend, aber man vermuthet, dass es 
A. aus dem Ooddante waren, welche ihre 
BisehMB begleitet hatten. WOI man je der 
alten griechischen Kirche das Akoluthat 
vindiciren, so ist dabei festzuhalten, dass 
dasselbe als besonderer Stand dort weniger 
ausgebildet sein musste, als in der abend- 
ländischen, un<l der Xame .\koluth mehr 
die niedrige Ordnung der Kirchendiener 
überhaupt zu bezeichnen scheint. Viele 
Dienste der occideiifali^clicn .\. waren mit 
dem Amte der orieut«ilischeu Subdiakonen 
Tereinigt. Im Abendlande seihet aber wa- 
ren Akoluthat iitid Stibdiakonat streng von 
einander geschieden. Schon in dem Briefe 
des I^ipstes CortuUm (251—252) an den 
Bischof Fabius von Antiochien l»ei Ensch. 
II. 0. VI, c. 43 werden neben sieben Sub- 
diakonen 42 A. der Kirche von Rom aufge- 
zählt. Anoh Cyprian, Zeitgenosse des l'apstea 
Cornelius, erwähnt in mehreren seiner Briefe 
der A., so Epi.st. VII. XXXIV. LH . LIX 
etc. edit. Oxon. Ebenso ist in einer bei 
Mfir^nfd und SrhniUvr Liturj^ia sacra III 2H7 
crwühutcn römischen Synode unter I'apst 
Sylvester (f 335) neben dem Subdiakoo 
speziell der Aknluth genannt. Da.s Marfy- 
rolog. rotnan. sub 5. Aug. führt aus der 
Zeit der OhristenTerfolgungen den A. Thar- 
sicius als Märtyrer an. Den Namen eines 
andern A., Victor, finden wir auf einer 
jener metallenen Platten, welche seit der 
Reglerungszeit Constantins den flüchtigen 
Sklaven an den Hals gehängt wurden : das 
auf joner Platte angebrachte Monogramm 
Christi sollte andeuten, wie die Sklaven dem 
('hristenthume die erste Linderung ihres 
Schicksales verdankten und diese selbst nur 
das Vorspiel ihrer gänzlichen Emancipation 
sein sollte. N'^-l. (iinrgi de mnnogr. Christi 
39. Ueber das hohe Alter des Standes der 
A. in der oceidentalisehen Kirche besteht 
daher kein Zweifel. 

Was nun die Ordination derselben be- 
trifft, so ist deren Ritas schon in dem can. 6 
einer in ihrer Existenz nicht ganz sicher- 
gestellten vierten Synode von Car- 
thago vom J. 398, deren angebliche Ka- 
iionensammlung aber jedenfalls auf hohes 
Alter Anspruch hat, in folgender Weise {re- 
schildert: ,Acolythu8, cum ordinatur, ab 
episoopo qnidon dooeatur, qualiter in ofB- 



Dlgltlzed by Google 



31 



do Buo aj^erp debeat; aed ab ardudiacono 

acdpiat ceroforarium cum cereo, ut sciat, 
•e ad acoendenda luminaria mancipari. Ac- 
fifuA et oroeolmn vaeamn ad aaggerondmn 

rinum in rurhnripHam sanj^inis Phristi.' 
Eine bestimmte Formel für die Uebergal)*- 
der kirehlielien Geritfae kommt eret in »pä- 
teren Ritualbüchorn vor. Der Ordo vornan . 
YUI bei MabüL Mus. ital. U 85 erwähnt 
der Darreichung des Leuchters und der 
Kännohen nicht, lässt dagegen den zu wei- 
hendni A. auffallender Weise mit ,planpta' 
und ,orarium' bekleidet werden und ihm 
ein Säckchen übergeben, womit er tioh auf 
die Erde niederwirft, um dtis Seppen Rfjebet 
des Weihenden über sich sprechen zu las- 
ten. Ueber die Bedentung jenes Säckchens 
wird sn<;leirh fjosproohon worden , da wir 
nun auf die kirchlichen Verrichtun- 
gen der A. Sberoehen. Diese hatten, wie 
srhon erwähnt, die h5homi Kleriker hei 
ihren kirchlichen Diens tkis timgen zu unter- 
stOtsen, das Amcflnden der Lichter zu be- 
sorgen und die Leuchter mit den brennen- 
den Kerzen zu tragen, den Wein zur Feier 
der Eucharistie, ebenso auch Wasser und 
Weihrauch herbeizuholen, abgesehen von 
anderen kleineren Diensten. War bei der 
hl. Messe der Augenblick der Communion 
nahe gekommen, so stiegen mit den 8ub- 
diaconen die A. nach rechts und link« ge- 
theiltf den Altar hinan; sie trugen hiebei 
leinene Siekeben, in welche nach rSml- 
wht ni Ritus der Archidiaknn die hl. Ho- 
stien legte, damit sie von den A. den Prie- 
stern gebracht und Ton diesen in den 85ek- 
chen geltnwhen würden, ohne Gefahr, diiHs 
etwas davon auf die Erde fiele, äo die 
Ordd. roman. I und II bei JloMtfoM. Diese 
Säckchen dienten den k» in der lümiaehen 
Kirche auch dazu , nm die Eulogien und 
iselbst die Eucharistie den Abwesenden und 
Kranken zu bringen, wozu sich die Grie- 
chen nur der Diakonen l)edi('nten (h:nocent. I 
Ep. 29 ad Decent.). Da« Mnrtyrolog. rom. 
berichtet von dem oben erwähnten A. Thar- 
sicius, dass er von den Heiden ergriffen 
und gemartert wurde, als er gerade die 
U. Encharistie bei sich trug. Ausser den 
angeführten Dienstleistungen hatten die A. 
Meh den Ordd. rom, bei der Feier der 
M. H esae die Patene und das goldene oder 
silberne Röhrchen zu halten, dessen sich 
die Gläubigen bedienten, wenn sie die hl. 
Communion unter der Gestalt des W^eines 
empfingen. Endlich wurden die A. auch 
benützt, um die Briefe der Bi,>i( höfe zu be- 
sorgen (Cijpr. Ep. 43) und den Katechu- 
menen bei den Scmtinien beizustehen und 
mit ihnen das Symbnlum herzusagen (Ord. 
rom. Vll ap. Martene t. I; de antiq. eccl. 
rit) bk Rom waren ebemab die A« m Ter> 
sehiedene Klassen dngetbeilt; man 



unterschied: 1) Palast-A., welche den 
Papst bedienten: 2) Stations-A., welche 
in den Kirchen functionirten, wo Stationen 
gehalten wurden; 8) Beiirks-A., welche 
mit den Diakonen in den verschiedenen Be- 
zirken den Dienst versahen, wozu Einige 
noch 4) Opfer-A. rechnen, welche me 
(iahen der CHäubigen einzu.sammeln hatten. 
Der Dienst der A. wurde in der alten Kirche 
fBr sehr wichtig gehalten; daher die Mah- 
nung des Papstes hmoemUm I Ep. ad Fe- 
ll cem. es sei Tomisehenf ^e cito quilibet 
Lector Acolythus flat*. krI^ll. 

AKPOTEAP:rnA. eine bei Sozomen. Hb. 
VIII c. 8 (xato TÖv Tüiv dvTi^wvtuv xpöicov 
i^a^.ov dxpotsXsätut av»T<8tvTBC icpic t)|v tSw 
auTmv f/j^rv rctro'.rjfxsvj;) , wo er von dem 
nächtlichen Psalmengesang der Arianer in 
CP. spricht, fBr den Schlnis der Psafanen, 
die sog. Doxologie (s. d. A.), gebrauchte 
Itezeichnung. Die Doxologie lautete aber bei 
den Arianem nicht wie hm ibm KdihoKken 
Gloria Patri et Filio et Spiritui s., sondern 
Gloria Patri per Filinm in Spiritu sancto. 

.\KP0mXI2 und dntpou-rfytov (auch axp^- 
j-tyov), Versiinfang: in der Stelle der (^on- 
»tit. apost. Iii). II c. 57 : «vi 5uo /x^ofie- 
va»v dvarpMooftaTcuv ^Tspoc Tt; xou Aaßl^ <j*a3U 
XeTto up.vo'J^ . y.rt'. o Äaoc -i dtxpojTt'yta utto- 
t|«XXeTu> versteht Bingham VI 2Ü das Wort 
▼on dem Reftain — extreme yersuum — 
vielleicht nicht ohne CJrund. Eine zweite 
üedeutung von d. ist die eines Gedichtes, 
in welchem die Anfangsbuchstaben der ein- 
zohH'ii Verse ein W(irt oder einpn Satz 
ausmachen (= ropaj-r/ü) eine Vers- 
kflnstelei, deren Erfindung Epicharmus zu- 
geschrieben wird und welche sich bei den 
(Christen grosser Beliebtheit erfreute. Vor 
.\llem beruhte das Symbol Christi , der 
Fisch — {yftu; — , auf einem derartigen 
Akrostichon (s. Fisch). Später kamen Ge- 
dichte, Epigramme u. dgl. auf, in welchen 
andere hl. Namen auf ähnHohe Weise glos- 
sirt wurden: so bei Damasus Carm. 4 — 5, 
der ^ame Jesus, und Constantin (vgl. Dosio 
418) ; zur Erieiehtemng der Lesung pHcgte 
man den Schlüssel unter der [nsrlirit't !iei- 
zufttgen, z. B. in dem von Muratori Thes. 
1903^ gegebenen Epitaph, wo es h^sst: 
NOMINA SANCTARVM LECTOR SI FOR- 
TE RKQVIRIS II EX OMNI VERSV TB 
LITERA PRBIA DOCEBIT. Andere Bei- 
spiele hat Marlignif \^o9Ammi^\i: Marini Are- 
val. S28 (EIVS AVTHM NOMKN CAPITA 
WAUuum)-, eb. IS CVIVS l'ER CAIMTA 
VERSORVM NOMEN DKCLARATVH ; Fn- 
hretti IV 150: AKVERTERK PER CAPI- 
TA VERSORVM ET IN V ENI ES PIVM 
NOMEN. Sehr gebräuchlich wurden diese 
Akrostiehen in <ter grieehiselien Kirohe, wo 



Digitized by Google 



32 



'Axfo«ii|uvM — Alte. 



sie bei den in dem Officium abfii^esungenen 
Hymnen reiche Verwendung fanden. Noch 
mehr wurden sie Mode, als im Zeitalter der 
Merowinger und- Kürolinjijer die christliche 
PoeKie mit verschwindenden Ausnahmen zur 
Verskömttelei herabgesunken war: so bei 
JUdkdm in seinen Aenignuila, wo die Verse 
nach doppelter Richtung? «gelesen einen Sinn 
mben, bei SeätUiuSf Vtnantim FortunatWf 
bei. ihnAonm Mann»» nuus. 

IMENOI (audientea), s. Kateehu- 

ALBly a. Kleider, Ktiirgiwhe. 

ALBA (blHjc ^toTtJTtxi^ Martyr. Baechi 
IM«.), da« weisse Gewand, welches dem 
Täufling nach der Taufe anprelet^t wurde: 
Zeno Veron. Ep. inv. II ad Fontem: .in 
fontom quidem nudi demergitie; sed aethe- 
rea veste vestiti niox inde surj^eti»'; Lnc- 
tant. Carm. de Kesurr. : ^Candidus egreditur 
nitidis exereitus iindis.' Patdin. 12: 
,inde panMis snrro ducit de font<' sju'erdos |' 
infantes niveos corpore, corde, habitu.* Cod. 
Thmdos, de Speetee. : ^qnamditt caeleatiR 
lumen IftTScri iniitatitia novam sancti bap- 
tismads lucem vestimenta testantur.' \'gl. 
FamU Reff. Kpist ad PauNn., CaeMr As-el. 
Seim. 15; PituUn. Epint. ad Maonr. uiul an- 
dere von Ducange i. v. Alba (4) gesammelte 
Stdlen. Die A. rallte dem Täufling die 
Erinnerung an die durch die Taufe fjewon- 
nene Reinheit wach erhalten: Cyrill. Hie- 
rosol. Catcch. mystag. V; Ambros. de iis 
qui myster. initiant. c 3; Hkronym. Ep. 
ad Fahi(i|nm 128; Chnjs. Wum. in 118. 
Die mit ihr Bekleideten hiessen /xu/e'-ixo- 
vÄvrec. in alhis posifi (Act. martyri.s St«>- 
phani pp.) oder aihufi (Epitaph. C'eadvall. 
regis; Gregor. Turoti. de Mirac. I, c. 67 
u. B. f.). Spiter heisst die veatia Candida 
auch rappa (Conrad. Unpergeni. a. 1124) 
und chri^nale. 

Durch Oretfcr. M. I. Vit Ind. 1. Ep. 2 
scliciiirn \v('niL,'st(>iis damals die Al))i'ti auf 
Kosten der Kirche augeschafft worden zu 
sein, welcher sie anch, nachdem die Täuf- 
linge sio abfjelejft hatten, als Eigenthum 
verblieben. In der lateiniwihen Kirche wurde 
der Täufling vor, in der griechischen nach 
Empfang der Firmung mit dem Taufkleide 
bekleidet [Cyrill. Iiieros. Oat. myst. IV, 
n. 2), bei gewöhnlichen Taufen von dem 
taufenden Bischof oder Priester seUxst (vgl. 
Amphilorh. in Vita h. Ba.silii M.l, bei be- 
sonders feierlichen von einem eigenen Prie- 
ater oder Diakon, der den Neophyten dann 
zum Empfang der Firmung in das consig- 
natorium ablutorum föhrte (vgl. Visconti 
de ritn bapi 715). Die Worte, mit wel- 
chen (las Kleid angelegt wurde , gibt da8 
Sacram. Gregor, also an: ,aocipe vestem 



candidam et immaculatam quam perferaa 

sine macula ante tribunal Domini nostri L 
C. Amen.' Dass das Gewand eigens be» 
i nedicirt wurde, sohlies^^t Martigtiy 64 aaa 
I Amalar. de oftic. I. r. »ii», doch kann diese 
i Quelle dos 9. Jahrh. für das an solchen 
I Benedictionen viel innere Alterthnm niehta 

beweisen. 

Man trug die A. auf der blossen Haut 
und ohne ueberkleid; eine alte Abbildung 

dessolhen (Fres(M) im fV)fmotfrium von S. 
Ponzi&no, Bosio 131, Taufe Christi, wo ein 
Eng«l die A. hfth) limt die Form dee Klei- 
des nicht erkennen ; eine andere aus dem 
6. Jahrb. (CiampitU Vet. Mon. II tab. 5; 
vgl. die hastehende Fig.) zeigt ein langes, 
die ganze Ge- 
stalt des Neo- 
phyten oöenbar 
I verhüllendes Ge- 
wand . welche« 
t ohne Zweifel 
I durch einen OWr- 
tel zusammenso- 
I halten wurde 
\(rüeonti 717). 
In (I<M-Ref;el trug L 
man es nur acht / | 1 
Tage (ond swar t ' I, 
Tag und Nacht, \ \ ^ 
zu Hause und in 
der Kirche, 8. 
Gregor. Tiiron. 
Hist. Franc. V, 
c. 2), der Sonn- 
tag , an wel- 
chem es ahgf^ 
legt wurde, hieüs darum Dominica in alhis, 
sc. depositis. Au8 dem Umstand, dass dir 
hl. Antonius, um sich vor dem Richter als 
Christen zu erweisen uud des Martyriums 
theilhaftig m werden, die A. ansog, achlieest 
Mtirtiifity , dass man in Acfjyptcn die .\. 
zeitlebens trug; es folgt wul nur daraus, 
da» man .sie dort behielt und gelegentlieh 
anlegte. Im Allgemeinen, wie i^csagt, wunli> 
dem ^ioophyten am achten l äge nach Ostern 
das Kleia wieder ausgezogen : eine von Vh- 
cnnti 745 angezogene Stelle de« .Jarobits 
Diaconus Vit. %. Pelagii läsat annehmen, 
dass bei den Frauen diesa durch die Dia- 
konissen nnd in einem eigenen Räume ge- 
schah. 

l)i(« abgelegten Alben wurden in einem 
eigens dazu geweihten Wasser (vgl. die 
Oration de hcnedictione aquae ad alhas dc- 

Sonendas im Ordo rom.J in dem ISacrarium 
es Baptisteriums gewaschen und dann wahr- 
scheinlich ebendaselbst aufbewahrt. Lnpi 
(OpuBc 120, Faenza 1786) stellt die An- 
sient anf , man habe die Alben gewisser- 
masHcn als Tnufzcujrnisse und Warnung ge- 
gen Apostaaie in den Üaptisterien zurück- 




fl^ 19. Tm fUmm Sarkopha* 
am Vmp«! (Ciaapioi). 



Dlgltlzed by Google 



AlbM -> AllegorisiM. 



83 



behaHen. Dafür sprichr jedenfftUB die von ! phytoram in der Bpist. Anonymi de cele- 

Martigny auch auffronommciic Erzäliliiiifi: Itnitione (S. Hirrouym. Opp. vol. IX). Enf- 
des Victor. Uticens. (de Peraocut. Vandal. i tiprechend nannte man später die auf Pfüig- 
hl». V, c. 8), wo der Dtaeon Mnritta demlsten folgende Wodie altNM pmUewtea: 



zum Arianismus Qborgogangencn Elpicl(i|i))ii- 
nw die A., mit welcher er ihn bekleidet 
hatte, mit den Worten vorzeigt: ,haec sunt 
finteamina« Elpidnphore, minister erroris, 
quae te aecuf^bunt, dum maiestas venerit 

iudit-antis etc 



Theod. Canimr, Poenitent. c. 13. Tgl. 17h- 
cang« i. v. kbavs. 

ALBI CITATIO, eine von Prosper de 
promiss. Dei 8. glor. sanct. (Schluss) er- 
wBhnte Verhandlwig is Carthago: in cal- 

Das» die A. nicht bloss Ki w a- iicn. son- eulis ebameisnominaprooonsulum conscript» 
dern auch Kindern ertheilf \v iinl. . wissen Cartljaf,nne in foro coram populo a prae- 
wir z. B. aus Gregor. }iyss. Urat. 3 de iudice 8ub certis vocabulis citabantur, 

fest Pasch., aus Oregon von Tour» Berieht I «* «»* solemnis diee, albi citatio. Hi qui 

üIkt die Taufe und den sofortii^i-n T(i<1 .Ics avaritiani !<uperantes rem ptiblioam fideliter 
jungen Ingomer, des Sohne« des Chlodwig i t-gt-iant ubstjuc Hagitiis favorihusiiue etiam 
nndder Chlotilde (Hist. Fninc. I 1). Die!»b8Pntf« honorabantur; eoe vero quo« ra- 
vnn r/.sro>j/i t;9T an^rtdülirtcn Acta S. Lud- P"«''^«'* vicorat, populus cnnvieiis sibilisque 

notabat (Ed. Duaci 1577, p. 73J. kkads. 



Kri erwähnen, das«i ein von Ludger nach 
iedand gesandter Laie dort 18 Kinder 
taufte, die alle bis auf zwei in albis de- 
functi sunt, l'ebrigens hesH«rt der t. t. puer 
in dieser Verbindung, wie aurli Mfirli(/ni/ «;4 

riehtig anmerkt, keineswegs, da-s« Jemand , , , . ■ > x- 
nooh in d.'n Kinderjahren stand: die Täuf- il"^"* ^«l""";?^ ^''T i,^^''"^' ^ 
lin-e sind als durch die Gnade neugeboren ' JP^^ **T ^T*^ h 



AliBl'S (alhum), das Verzeichniss der 
Kleriker einer bestimmten Kirche: Sidon. 
ApoUmar. Epist. lib. VI 8: nomen lectorum 

jillms nupcr cxcepit. 



Der griechische Aus- 



lin;;e sind als durch die Gnade neugeb« 
zu betrachten (quasi modo geniti infantes, 
I I'ctr. 2. 2k Als albafits zu sterben. ;:alt 
natürlich dann alt» eine grosse Gnade und 
ward als besonderes GHIck oftmals ver- 
merkt, so bei Gret/. Tumn. de <i\<ir. cnnf. 
c. 35, 54, 60 vu s. f.; auf Inschriften, 
wie auf dem Tielbesproehenen Steine in 
I rliino. der die Ostern von 457 und 4(>:^ 
nennt (Noria Fast. cons. ed. Lip«. 1G96, p. 
56; FahretH 677, n. LXX : de Ro^st Inscr. 



('(1110)1. Apoüt. c. 14 -f-i-n/i-rti t£ootTt/ov. das 
(Jone. Aguihtmt can. 2 matrictilu, Augusti/u 
Horn. L de diT. Opp. X 526 tabula HerkO' 
nun habiMi. Oi iv xt-o''. sind <laher öfter im 
Conc. Xic. die Kleriker, woher die Bezeich- 
nung canonici; schon Cyrill mm Jent». Ca- 
tech. III spri<'ht von xovovixütv Ttapousi'a. Im 
selben Sinuc ist das Wort bei Basti. Epist. 
I (i (ed. Paris. III 23j zu fa.sscn : täv xctvo- 



r. n. y<]0): NATV SEVEKI NO.MIXE PA- yx^t Tor.» ot„r^v ofito« rf.v r.va^etav. 
SCASIVS \\ DIES I'ASCALES l'RII) XOV- ""'ff''"'" ' 

Al'lilLN !l DIEIUBI8 FL (ONSTANTI-i AAKITUVPn III A. die Freiheit von Ueber- 
NO 1! ET RVTO VVCC CONSS QVI VI- nähme öfFentli. her Geschäfte und staatlicher 
XIT 1 A^fNOR^-M VI • PEHCEPIT |i XI Verpflichtungen, welche den Klerikern durch 
KAL MAIAS ET ALBAS SVAS ! OCTA- das n(>setz Vfi/entiniaHn und Grntinvs Ood. 
BAS PASCAE AD SEPVLCKV.M jj DEl'Ü- Theodos. hb. XVI. tit. VI de episc. et der. 
SVIT D ' IUI KAL MAI FL BASILIO II • leg. 24 verbürgt war. Indessen muss ein 
VC C(>».s. So ferner meldet die ( Jrahschrift partielles oder locales Zugestundniss «lieser 
de« vom P. Sergius I getauften Sachsen- Art schon viel früher bestanden haben, da 
kanig8Ceadval(689): FCWTERENASCKN-'Constanthis bereits den ägyptischen Kleri- 
TIS QVEM CHKISTI GRATIA PVItG.VNS l^' ni die ihnen in der arianischen Verfol- 
I PROTIN VS ALBATVM VEXIT IN AKCE entzogene a/.eiTowppiJi'aw xoX ixtUvx* 

POLL Faftretti 735 1). Andere Beispiele hat Xecrouprprjpitwv zurflckgab. AOtana». Apol. 
Blant Inscr. chr^t. de la Gaule I 478. II- I^«"«- 1*527, I 772. ed. ICOH. p. 173 c, 



Vgl. auch den .\rt. Fidelis. krats. 

ALBAE, pl.. kfininit in doppelter Bedeu- 
tung vor: einmal /.ur Bezeichnung des auf 
Ostern folgenden Sonntags (a pascha us- 



Horrat. lib. II, c. 23. Sozom. lib. III, c. 21. 
Vgl. ßingham lib. V, c. 3, II 250 und den 
Art Immunität. kraus. 

AIJLE60RISTAE, ein Slpottname, den die 

qoe in alh.i- etc.. luisst es in einem alten Chilinsfcn den Ker!it.rliiulii<rcn ;;,i1ten. weil 
iSacramentar hei Ducunge i. v.J, dann hau- , letztere die Stelle Apokal. 2(J, 4 m niystisch- 
iiger f&r die auf Ostern folgende Woche: ■ allegorischem Sinne auslegten. Der Bisehof 
alhfti jKisrhales erwähnt Gelas. Ep. f»; Sa- Nepos üherschrieh daher sein zur Verthei- 
cram. eccl. Rom. lib. 1, e. 47: ,incipiunt ; digung der chiliastisi lien Träume verfasstes 
totins atbae orationes et preces.^ EiafOr fin> Budh^)Xr|rX^^ dür^yj^iixSt». EusA. H. e. 
det si. h weiter der Ausdruck oeto dies neo- VII, c. 24. 

BMl-BaeyUopidi«. 8 



Dlgitized by Google 



84 



ÄUerheiligen — AlUr. 



AIXBRÜBITJOEW, b. Feate. 

IIMOSBH9 s. AnnenwewiL. 

ALOQU nennt Äugtutin. Epist. XXXYI. 
Opp. TT % D die I'nmäsHifjkpit im OtnuiHsc 
von Speise und Trank: quid est auteni ulo- 
gia, ... Jim cum epulift indulf^tur, ut h 
rationis tramite devietur ? Aehnlich gebraucht 
er das V. alof/iare in Job. 1. Trart. VI. 
üpp. IV 435 C. Im üricchiHclien liwöt Bich 
ein Oebraucli in so bestiinintm Snne nicht 
nachwolHi'n. Die von Muriitintj orwähnte 
Anwendung des Wortes hei Greg. Naz. auf 
das gegen die Christen gerichtete Verbot 
Julians, die schönen Wissenschaften zu stu- 
diren, spricht nicht dagegen; es ist hier 
einfach ,UnTentand* lu ttfienetien. 

ALTAR. 1) Begriff. Origenes (c. Cela. 
VIII 17), Laclanlius (de vero cultu VI 24) 
und AiigitsfimiM (Civ. Dei X 4) nennen da?« 
Herz des Menschen, Polycaip (ad Phil. 4) 
die Witt wen und Ambrosius (Exhort. ad 
virg.) die .1 u II ^^'fra um einen A. Im cii- 

Sern äiuue wird unter diesem Worte das 
Ireus Christi (Aaitbr. in Ps. 118, senn. 
ni; August. Senn. XIX de sanctis) und die 
St&tto des himmlischen {Iren. IV 8) und 
enchftristischen OpfersTentanden. Der 
christliche A. ist doinnach in erster Bezie- 
hung eine Opf erstatte und zwar im stren- 
gen Sinne des Wortes, weil einerseits aus 
alttestaniciitlichcn VerheissanfNl (Oen. 14. 
18; Malai'li. 1, 10), sowie aus der Ver- 
kündigung und Einsetzung des Abendmahls 
klar hervorgeht, <lass die hl. Messe ein wah- 
res Opfer ist. Die licihMituiiij dos christ- 
lichen A.s erhellt ferner aus den Zeugnissen 
der ftltesten Viter Ober die Existenz des 
«Micliariwtischen Opfers (Brllann. de Euch. I, 
V, VI; Feiav. de incam.Xll 12— 14; Fran- 
min de enehar. 319), aus den Namen, 
welche von dorn heidnischen und jüdischen 
A. auf den christlichen übertragen wurden, 
und aus dem Alter der Hessliturgie 
selbst. Dieselbe Stätte wurde seit Anbe- 
ginn des Christenthums auch als Saera- 
mentsstätte angesehen. Der Beweis er- 
folgt theils aus den Worten der hl. Schrift 
(Matth. 2(5, 2(1; I Kor. 11. 27) und patri- 
stischen Stellen (DÖUiiigir Eucharistie in 
den ersten drei Jahrb.), theils aus noch 
erhaltenen Wandf^eTnälden der Katakomben. 
Optattis vot^ Mileve (de schism. VI 1; gicbt 
e. 370 eine oratortsehe Definition in den 
Worten : ,was ist so gottesräuberisch , als 
die Altäre Gottes, auf welchen ihr selbst 
einst geopfert habt, zu zerschlagen, ab- 
sosehal^en und zu entfernen V Altäre, auf 
welche Gelübde und (i 1 i e d er Christi 
(Reliquien) niedergelegt sind, wo der all- 
mächtige Gott angerufen wird, wo l« 1 hl. 
Qeist auf Bitten herabsteigt und woher 



so Viele das Unterpfand des ewigen 
Heiles, den Schirm des Glaubens und die 
Hoffnung der Auferstehung empfangen V Ich 
sage Altäre, auf welche die Gaben der 
[ Brüder fOhlationen) nach des Heilandes Ge- 
l»ot nur j<elej^t werden dürfen, wenu sie in 
Frieden geboten sind, l^ass, sagt er, deine 
(Jahe vor, dem A.e liefen und kehre zu- 
rück, söhne dich mit deinem Bruder aus, 
damit der Priester fttr dich opfern kann. 
Denn was ist der \. anders, als die Stätte 
(sedes) des Leibes und Blutes Christin 
2) Name. Die heidnischen Altire wwv 
den bei den Griechen fKwiaan^pia (ftuto 
opfern), ^p.ot (,^io, ,Wvw aufsteigen), ia- 
yapai C^euerheerdo) genannt. Ersteres Wort 
diente in der Septuaginta und in den Eran- 
gelien (Matth. 5, 23 24; Luc 1. H) zur 
Bezeichnung des jüdischen liraiid- und Rauch- 
opfer-A.s und erscheint Hebr. IH, 10 nach 
bewährten ICxegeten (s. Thalhof er Opfer 
1870, 2'^'^ — 236) auf den neutestanieutlichcn 
0|)fer-A. (Abendmahlstisch) angewendet. In 
ilieser Bedeutung steht Hyjiajrr^ptov wieder 
in den Briefen des hl. Ignatiu» (Magnes. 7, 
Phil. 4, Ephes. 5), im zweiten apostoKsehen 
Kanon, in den ^loidinamigen Constitiifinnfn 
(IV 57) und häutig bei Üriyaies und andern 
VStem. Bio\i6^ braeichnet Apost. 17, 23 den 
A. des unbekannten Gottes und wird noch 
von Chryaostumus (c. lud. 12) und Gregor 
vonKaziam (Or. V 29) dem christlichen ^bjio^ 
3Ti^piovgegentibergestellt ; nur ausnahmsweiae 
(Orig. c. (-eis. VIII 17) erhielt es mit diesem 
gleiche Bedeutung. In den Briefen des hl. 
Paulus (1 Kor. 10, 21), bei Ongenes (c. Cels. 
VIII 24), Athamistiis (\yo\. II) heisst der 
christliche A. auch Tpa-&,a xuptou. Die Sy- 
nonymitftt Ton dumosnljptov und tpdhcsCa er- 
hellt aus Ez. n. 22, Mal. 1. 7 und aus den 
Worten des hl. Athanwtius (c. Arium disp.), 
Christas habe seinen Apostehi ,einen Tisc h, 
nämlich den hl. A., und darauf das himm- 
lische, unvergängUche , das ewige Leben 
spendende Brod, seinen hl Leib, vorgesetzt". 

Dem griechischen Sprachgebrauche gleicht 
der lateinische, wenn wir statt Owia- 
sTTjpiov ahare, statt pcufjio; am, st«tt Tpars^a 
metisa setzen. In dieser Bedeutung findet 
sich altare liei Optntus von Milere in «lor 
vorhin angetührteu Stelle, bei Ambrosius 
(derirg. I), AugwHnm (c. Faust. XX 21); 
mensa ist für altare ^^esetzt bei Ojitatus 
(de schism. III 4), Prudeniius (Per. XI. y, 
171) nnd AugmUmu (de verb. Dom. senn. 
47), während ara liei Ci/jiriaii (Ep. 58) und 
noch bei Chrysologm (scrm. 5li zur Be- 
zeichnung des heioinehen Aji dem- altare 
■gegenübergestellt wird. Weniger übliche 
Benennungen waren tSv oquuv Sfiow {Emeh. 
H. e. X 4), memoria {Aug, de civ. Dei 
XXn 8), confettxio {Anasta». in vita Hilar.), 
martyrUm (Isid, Hispal. Orig. XV 4). 



Digitized by Google 



Alter. 



85 



3) Würde. Ah gewöhnlicht' Epitheta 
dienen tspö;. a^ioc, XoYtxo;. ihlo;. 
^^po(. jrvsu^MiTtxö;. Erhellt die Würde, 
wddie den Altftren soerkannt wurde, schon 
aus diesen Ausdrncken, M> noch deutlicher 
aas der Thattiache, den mau dieae Stätten . 
umannte, kflstte (Amh: Bp. Y 33), vor! 
ihnen die Kniec heugte , ja prosternirte 
(Hippoi. can. 29) und die Waffen ablegte 
(7%«od. et VaUni. in append. conc, Ephes. 
a. 431). S. Asvlreoht. 

4) Alter. Nach dem Gesagten ersrlicint 
ein weitläufiger Nachweis über die Existenz 
des christlichen A. in den ersten .lahrhun- 
Herten nicht mehr nothwendig. Weil die 
Worte Opfer und Priester einen A. 
voraussetzen . so ergiebt sich nach katho- : 
Ii-<ch<'r Anschauung das Alter des christ- 
lichen A.ä aus allen jenen Stellen, in wel- 
ehen Tom euoharistischen Opfer, Tonil 
fTiaehe des Herrn' oder von einem be- 
•oodem neutestamentlichen Priesterthum, 
die Rede ist. ' Wol erwthnen Mmueius F^i» ': 
COt't.iv. 10) und ähnlich Orii/i'ncs (c. Cels. 
VII (»4; und Cyprian (ad Demetr. 12), das« 
den Christen der Vorwurf gemacht wurde, 
sie hätten ,keine Altäre, kerne Tempel, kei- ' 
nerloi bekannte Bilder, nie ein öffentliches 
Wort, nie eine freie Versuinnilung'' : diesen 
Worten steht jedoch die Thatsache gegen- ! 
Ober, da«* schon zur Zeit des Tiberius (14 
bis 37) ,in allen Städten und Dörfern in 
karzer Zeit Kirchen entstanden, ganz an-! 
gt'frillt wie eine Vdlle Scheune mit T;uiseii- 
den von Bekenneru'. Der gemachte Vor-i 
wurf bewent aho nur, daas manche Heiden 
den cbri-itlicben A. entweder gar nicht kann-' 
ten , oder nach ihrem roh sinnlichen Be- 
l^fFe vom Opfer nicht als ehie Opferstatte 
ansahen. Tiiter s(dchen Verhältnissen durf- 
ten die Apologeten es nicht für angezeigt 
erachten, die Bedeutung des christlichen 
Opfers und A.» näher zu erörtern. 

5) Bau. Das Wesen des christlichen A.s 
ist weder von einer bestimmten Form noch 
einem gewissen Material bedingt, sondern 
allein von dem Wesen des eucha ristischen 
Opfers. Die Brust eines Märtyrers (Fhi/usl. 
Hwt. eccl. II 13), die Hand eines Diakons 
(Tfiernlor. Hist. «. patr. c. 20 in vit. mart.) 
oder irgend ein Heiligenbild konnte durch | 
die Fder des Opfers znm A. werden; gleich- 1 
wol brachte es der Ritus und der Ort 
fies neutestamentlichen unblutigen Opfers i 
mit sieh, dass ordentlicherweise nur Tische | 
oder («räber (Särge) zu Opferstätten ge- 
wählt wurden. Tisch und Sarg haben eine : 
Deckplatte (mensa, tabula) miteinander! 
gemeinsam: der Unterbau aber ist beim 
Tische gewöhnlich offen (stipes). beim Sarge 
dagegen geschlossen (sepulcrum, iueulus). 
I^ide Formen lassen sich leicht dnreh ge- 
schichtliche Zeugnisse nachweisen. 




Fif . M. Altoniladit. 



Der A. Christi der Feier des Aheod- 

inalds war nach Luc. 22. 21 ein .Tisch*. 
Der Tradition zufolge wurde er unter Ves- 
p(U)ian nach Rom gebracht und ist gegen- 
wärtig (nach eigener Anschauung 1^7 1) in 
der Lateranabasilika oberhalb des Bacra- 
ment8-A.ee hinter Gitter und Vorhängen auf- 
bewahrt. In dem pä|)stlichen A. derselben 
Kirche ist auch der A. des .\postels Petrus 
verschlossen, dessen er sich in Rom im 
Hause des Senators Pudens bedient halien 
soll : ein dazu gehöriger Theü befindet sich 
in S. Pudentiana. 

Zur Zeit der Verfolgungen dienten 
in den Katakomben zu Rom die Gräber 
von Märtyrern als Altäre (s. Arcosolium){ 
weil jedoch die Verfolgungen nicÄt flber- 
all und immerfort 
dauerten, so stan- 
den sehr wahr- 
scheinlich auch in 
den vorconstanti- 
nisehen Basiliken 
nach Art der Ar- 
cosolien Altäre in 
Sarg form. Schon 
die antiken Bade- 
wannen, welche 
noch beutigen Ta- 
ges in verschiede- 
nen Kirchen Roms, 
z. B. in Maria inaggiore, Maria in Araceli, 
S. Eustachio, S. Bibiana u. s. f., zu Altären 
verwendet sin<l . d(>nteti darauf hin. dass 
sargähnliche Altäre entweder aus symboli- 
schen oder praktischen Chünden in dm er- 
sten Jahrhunderten gebraui-ht worden seien, 
da bekanntlich auch in den l^atakomben 
heidnische Särge christlichen Zwecken dien* 
ten. Ueberdies bezeugen einzelne Docu- 
mente nicht bloss, dass Reliquien unter 
(sub) dem A.e beigesetzt wurden, sondern 
selbst i n demaelbcn. ,Vos «nlrs le Mmotaun 
illud altare , vos intra se magna illa vene- 
raudi nominis sede« velutsi sinn (|uudam 
gremii amplcctendi includit'. ruft der Ver- 
fa-SÄcr (Cyprian?) der Schrift de laude mar- 
tyrum den Gläubigen zum Tröste zu. Vgl. 
femer Gregor, TWon. Ifirac 1 62 de Sym- 
phor. (a. 273). 

hieben der Sargform war ohne Zweifel 
im 2. und 3. JahriL auch die Tischge- 
stalt bei Altären üblich. Zur Begründung 
dieser Ansicht erinnern wir an die That- 
sache, daas die gotteediensCHchen Tersamm- 
lungen häufig in Privathäusern stattfanden. 
Nun lag der Gebrauch der vorhandenen 
Tische zur Feier des Opfers um so näher, 
als Christus selbst mit dem Beispiele vor- 
angegangen war. Diese Annahme wird uns 
ganz auffallen«! bestätigt durch mehrere 
Tische, w «dche aus Herculaneum und Pom- 
peji in das Museum zu Neapel verbracht 

8» 



Digitized by Google 



36 



Altar. 



sind und mit den unton anj,'ofühiieii, in 
Frankreich befindlichen Tisehaltäron grosHO 
Aehnlichkeit haben; hier wie dort sind Exem- 
plare mit ein, zwei oder vier Sfttilen zu 
sehen^ und eine Platte aus Herculaneum ist 
oben schon un^utubr 2 cm tief ausgehöhlt, 
wie das altehnstKehe Oegenstflelc in Ayi- 
^on. Die eufliaristisrhcn Tische (Dreifüsse), 
welche in der Katakotnbo der hl. Domitiila 
(ca. 2. Jahrh.J und wiederholt in der sog. 



zur Bekräftigung ihres Gelübdes in der 
Kirche zu C'onstantinopcl einen »ehr schö- 
nen A. errichtet und auf der Fronte des- 
eelben den Zweck der Stiftung angeben las- 
sen. Dass zu diesem Fehufe die Sargform 
des A.8 besHer geeignet war, als eine schnutle 
Tisehkantc, leuchtet ein. In Rfickncht auf 
diese Form konnte Gre(for von Tonrn (11 ist. 
Franc. X 15) den A. vom heihgon Kreuze 
in Poitiers wiederholt eine Kiste (arca) nen- 




Ptf. *!• WMdgvmlM« m 9. Donitfitau 



Sacramcntskapelle (ca. 200) abgcbihlct sind, 
dürfen denmach kanm als Phantasiebilder 

gedeutet wenlen. Dnss Altäre üliiiliclier .\rt 
in Wirklichkeit bestanden, zeigen nicht bloss 
mehrere in den Katakomben noch vorge- 
fundene Tra^aUSre, snndeni vor Allem vier 
OeHnungen in einer Hodenplatte der Papst- 
kapelle, in welche die Säulen eines A.s ein- 
gelassen waren (Kraus R. S. Taf. V). Der 
rmstan<l. dass diese Kapelle etwa am An- 
fange des 5. Jahrli. eine theilweise Umge- 
staltung erlitt, lieweist noch keineswegs, 
dass in fn'ilurer Zeit Tischaltäre gans un- 
gewöhnlich waren. 

Beide A.formen erscheinen wieder in den 
Basiliken nach fonstantin. Einen Sarg-A. 
erwfihnt der christliche Dichter ^auUntm, 
wenn er schreibt: .deinen Leib hflllen (ve- 
lant) unbefleckte Altäre in würdi^jer Weise 
ein.' Es verstand sich diese Form von selbst, 
wenn der A. einmal den ganzen Leib eines 
Märtyrers aufnehmen sollte, wie es im J. 
401 das fünfte Coneil von r'arthacfo (e. 14) 
geradezu durch den Kanon verlangte: , Al- 
täre, in weh hen sich kein Leih oder Ke- 
lif|uien von Märtyrern vorfinden, sollen ab- 

gebrochen werden.* Von Pulcheria, der 
chwester des Kaisers Theodoeius, wird be- 
richtet, sie habe Jungfräulichkeit gelobt und . 



neu. in der L'nterkirche der hhl. Kosmas 
und Damian m Rom. wird noch ein Exem- 

plar i^ezeitrt. diis auf einer massiven. 44 em 
hohen Unterlage ruht und dem Papste Fe- 
lix II (t 3(55) zur Opferfeier gedient haben 
soll. D< r nämliche firegor bezeugt auch, 
das» t i s e h f «■■) r m i <r e A Itä re gebränchlich 
waren: er beriditet nämlich (Mir. I 28), 
der A. des Apostels Petrus in der vatica» 
nischen Basilika sei iiuf vier Säulen ge- 
standen. Dieses eine Zeuguiss wird noch 
öfters durch Schriftsteller bestätigt, welche 
erzählen, wie Verfoltrf'- unter dem A. Hilfe 
suchten. ,Ich werde jene hl. Säulen um- 
fassen,* schreibt SyntthiB von Kff rm« (Ca- 
tast. in bild. patr. Lugd. VI 1501. .welche 
den reinen und unbefleckten Tisch vom Bo- 
den emporhalten.* Beispiele dieser Art ga- 
ben Alexander, Bischof von Alexandrion 
(320), der hl. Ambrosius {Huf. Hist. eool. 
I 12, II 16), Eutropius. Hunuche des Kai- 
sers Arcadius (Cfiri/sost. in Eutr.), Maxi- 
minianus, Bischof von Bagaira (Auffustiti. 
c, Crese. Donat. III 43) u. A. Wenn in 
diesen Stellen klar ausgesprochen ist, dass 
die genannten Männer unter (sub) dem 
A.e Schutz suchten, so ist damit auch deut- 
lich genug gesagt, jene Altftre seien unten 
hohl gewesen, hätten also Tischform ge- 



Digitized by Google 



Altar. 



87 



habt. Diun dieser 
SeUuM berechtigt 

kt. zeifTt Papst Yu 
güiiu (540— Ö55) 
inrch eben Brief 
(Ep. XV a«l uiiiv. 
eccL; bei Mansi 
IX 52), in welcKera 
er der ganzen Welt 
erzählt, er »ei in 
dtr Petersbasilika 
durch Soldaten vom 
A.e^erissen worden 
und in Gefahr ge- 
standen . vüu der 
herabfallenden 




Ftf. tt. AlUrtiNk all Aijl (aaeh Toi^t» 



auf gemauert^ WO 
dann im Innern eine 

llöliliiii<r zur Auf" 
iialimi' iler Reli- 
(|uiL'ii gelassen war 
(Simeon. Tlumil. 
de templo, hei Be- 
rfiHq) • der Art war 
wol <lor A., an dem 
da* Gras so dirht 
wuchs , (lass da» 
Vif'h seine Wi ide 
daselbst fand [Si- 
doH. Apoüin. £p. 
Vine). Aueh kom- 
men Altäre vor. 



Meikta des A.s getruti'en zu werden, Kleri- 
ker hätten jedoch mit ihren Händen diesen 

rnfall verhütet. Den .\.. wdilicn Kaiser 



weiche aus drei Marmorplatten bestan- 
den, Ton denen die eine horizontal auf den 

beiden anderen verricnl gestellten auflag: 



[Die ' besitzt S. Vitale in Ravenna, man nannte 
war I sie area [Greg. Tur. Ilist. Franc. IX 15). 



Juätinian um 537 in der äophieukirche zu l AMabillon Act. Ord. b. Bened. Saec. IV, 1. 
Coostantinopel stiftete, unterstfltzten selbst | n. 26. Btnen solchen A. ans dem 6. Jahrh. 

.g(»ldenp Säulen' (Pauf. Siloit. v. :135). 
Zahl der Säulen sehwankt. Zuweilen 

die Meiuta nur von einer getragen, eolu- ! Mehrere pompejianisehe Tische zeigen die- 
mella, wie in der Krypta von S. Caecilia: " " - - - 

Bona Rer. lit. lib. rp. 2'.>7. Ein Beispiel 
dafür giebt der unten abgebildete A. aus 
Auriul: anden- (ii egoras: ot f,7xaXi{;ovTO 
n;v te fttt'av T{»otr$I[7v %'i< tov Cro Ta-S-rr;; 
IvTt'i*. Vgl. Äimon. Hist. Franc. 11 32; 



Leon. III 126. Das gewöhn- 1 welche je 

\vi»I vier Säulen : so 



in 



der 



selbe P'orni: Overheck Pompeji, 1866, Fig. 
249. Vffl. Art. Mensa. K.| 

Die Zahl der noch erhaltenen Monu- 
mente ist sehr {jerinj;. Wol sind in dem 
Hujid;;anf;e der Confessio der hl. Caecilia zu 
Koni uucli drei steinerne A.platteu zu sehen, 



geformt» 



auf 

Säul 



einer emzigen, 

ruhen und am 



kekhartig 

Feste der 



Atiij.ttat. in 

lirliM waren 

i^apstkrypta, so in dem 1Ö75 von de Kuä8i i hl. Caecilia zur t'elebratiou verwendet wer- 
isBaeeano an der Via Gassis gefundenen I den ; nach unserm DafDrhalten, auf Omnd 



A., eer hier na. h 
Boll 1875 , U2 
«. 4 tar. 9 wteder- 

ngeben ist. Zur 
Vennschaulichung 
dieser Altare dient 
auch das «grosse 
Mosaik in S. (fio- 
vaimi in Funtf /u 
Rnrenna 4«U). wo 
(lif vier Kvan<:e|ien 
aut vier Altären 
ruhen : Ciampim 
Vct. inon. I 2:U. — 
Fünf Säulen zei- 
gen drei AltSre des = 
södlirlicn Fr.iiik- 
reich : einer im Mu- 
•eitm zu Marseille, 
aus S. Victor (5. Jahrh.), einer aus sehr 

Ebern Travertin in der Krypta der hl. 
rtha zu Tarascon . und ein dritter zu 
Avignon, der dem hl. A^riccda zug:eschrie- 
ben wird (s. Cnhier in .Vnnal. de phil. 
«hrfit XIX AM\)\ die fünfte, in der Mitte 




flff. SS. Altar au 



des Aujjenscheines, 
gehören aber diese 
drei A.tisehe erst 
der Zeit Paschais I 
an, weleher 821 
die Reliquien der 
hl. Caecilia aus den 
Katakomben dahin 
transferirte. Ohne 
Zweifel war ihre 
Form . wenn auch 
eiufaclt, doch nicht 
aoMergewShnlich, 
wie ein anderes 
Exemplar zeigt, das 
in der Gegend von 
A m idi auf^n'funden 
wurde und aus dem 
5. Jahrh. stammen 
Mensa ist an der 
mit dem Monogramm Christi 
an welches auf beiden Seiten 
in Mitte der Api^ 
Notice 
')a.s- 



soll. Die ausgehöhlte 
Vorderkante 
geschmückt , 
je sechs Vögel (Christus 
stel) angereiht sind. Vgl. Bdrijh 
sur un nutel chrötieu antitpie orn«' d« 



Gehende Säule nahm in diesen (^ällen die reliefs et d'inscriptkNM latines. Paris, Benj. 
Reliquien in einer kleinen Vertiefung auf. Duprat. IJ^HI. Daraus abgebildet l)ei 3/ffr- 
Nicht immer war indessen der Altar von iiyny und danach_ hier^ Fig. 24 ; Schmid 



Sinkn getragen. Zuweilen war er einfach ' Chrisli A. 70. Ein Exemplar mit vier 



Digitized by Google 



88 



Altar. 




Plf. U. AlUr am Antol (8«Mh*i-d**ttta*). 

Fflssen ist in S. (iiovanni in Fönte zu Ra- 
TOnna auf oincm Musaikgemältlc tliir;r*'><tfllf. 
welches der Mitte des ö. Jahrb. angehüreii 
foU; ein anderes aus dem 6. Jofirh. ist 
noch am TriumphV)o<jon zu S. C'cwma o Da- 
miano in Korn zu sehen {I'iper Christi. Bil- 
derkrafl Taf. n. 11). Ezraiplare mit fflnf 
Säulen befinden sieh npoh in der Krypta der 
hl. Martha zu Tarascon und im Museum zu 
Marseille {Mariigny I. c). [Zu erwähnen sind 
weiter : der A. des hl. Eleucadius in S. Apol« 
Unare in Classe zu Ravenna, mit dem Datum 
des Erzb. ValeriuR 807 ; der Bti;,'<'n von der 
Hauptfront des A.s vdii Port«» aus der Zeit 
Leo's III. ali^rel). hei de Rossi Bull. IHHU. 
102; das achteckige Tabernakel über dem 
Taufbecken zuCividale inFrianl (7. Jabrh.); 
ein mipdirtes Ciborium im Museum zu Pe- 
rugia (9. bis lU. Jahrh.?j. In Korn haben 
mm keine voIhHSndigen Ebccmplare erlialten, 
die mit Sicherheit vor das Iii. Jalirh. zu 
Mteen wären, w(d aber manche noch zu 
untenuehende Fragmente, Ton denen einige 
bis zum 6. oder gar 5. Jahrh. hinauf rei- 
eben mögen; vgl. Bull. 1877, 39. K.) 

6) Stufen waren bei christlichen Altä- 
ren schon wünschenswerth, wenn das Opfer 
nur in Privathäusern gefeiert wurde, noeh 
mehr aber in den grösseren Räumen der 
Basilika. .\uf eine erhöhte SteOung dei Kj» 
deutet Tn tuUioii (de orat. 10), wenn er 
die Christen ermahnt, ,nicht eher zum A.e 
CKvttes hinaufzneteiii^, ak bis die Aunsöh« 
nung mit dem Rnulcr erfolgt .sei*. Aus 
dieser Bemerkung erkennen wir zwar nicht 
genugsam, ob der A. im 3. Jahrb. nehon 
Wsondere Stufen hatte, oder ob nur der 
Chor erhöht war; gleichwoi führen wir die- 
selbe an, weil uns keine altere Angabe bc- 
kaimt ist und weil es ;?ewagt erscheint, 
au« dem Namen altare (alta ara) allein auf 
eine l'eln'rhöhung durch Stufen zu schlie,s.sL'n. 
Da»» eine solche Ueberhöhung indess schon 
in ältester Zeit üblich war. zeigt das Bei- 
spiel der Panstkapelle zu Rom, sowie die 
Machrieht, dass Kaiser Justinian ca. 537 
ring« um <l('n A. iler Sn]diicnl<irclio zu Con- 
stantinupel eine ,ganz goldene ijtufe' an- 
brtnuten liefls {Ooar. Euchol. 10). 

7) Materie. Erst allmäli«; im Verlaufe 
der Jahrhunderte stellte sich die kirchhche 
PraziB fest, nur Mn au Alttren an ver- 



wenden ; hatten ja Christus selbst und der 
hl. Petrus, wie «ne Tradition berichtet, auf 

h ö 1 z e r n e n Tischen das Abendmahl gefeiert. 
Optatus von Milevv (de schism. Don. VI 1) 
erzählt Ton den Donat&ten, sie hätten mit 
A.trümmern Wasser gewärmt, und stellt die 
Frage: ,wer von den Gläubigen weiss nicht, 
dass bei der Feier der Mysterien das Holz 
selbst mit Leinwand Itedeckt wird?' Dass 
in späterer Zeit noch tlie nämliche Praxis 
bestand, bezeugt der hl. Aio/usliii. (c. Cresc. 
III 4:^) durch die Krzählung. Bischof IIa- 
ximinianus sei von den Circumcellionen mit 
liulzstücken des A.s geschlagen worden. 
Auch im Morj^enlande gab e« hölzerne 

Altäff; deiin nach dem ZeufTni-'^e des bl. 
Athanasius (ad sollt, vit. agentcs^ warfen 
Arianer ,einen hölzernen Tisch* auf die Gasse 
und verbrannten ihn. 

Unschwer ist der Beweis zu erbringen, 
dass im Abend- nnd Morgenlande auch 
Stein zu Altären verwendet worden seL 
Wol muss dahin gestellt bleiben, ob schon 
Papst Evaristu» (c. 112), wie Bnrtolini zu 
beweisen versucht, oder nur Pap.st Silvester 
steinerne Altäre vorgeschrieben habe; allein 
abgesehen von der Jüdischen und heidni- 
schen Tradition bestätigen schon die Arco- 
solien der Katakomben die Verwendung «les 
Steines zu Altären. Andere Zeugnisse sind 
zu finden in einer dem hl. Auguttin unter- 
schobenen Kircbweihrede (Serm. 2'M) ed. 
Antw. Y 268 append.) und in den Uedicb- 
ten des Paulinw (Ep. 32) und Pmä^ntiu» 
(Peristeph. IX 100). Verschiedene Gründe^ 
wie die Dauerhaftigkeit des Stoffes und die 
Recondition von Reliquien, trugen dazu bei, 
da.ss allmälig der Stein als einzig erlaubtes 
Material zu Altären erklärt wurde. Dieses 
geschah zuerst auf der Synode zu Epaon 
im J. .517. Die Praxis des Orients war 
die gleiche, wie aus der Legende des h. 
Parthenius, Bischofs von Lampsacus {6urit4s 
7. Febr.) und aus den Schriften des hl. Chry- 
sostoniKs fHom. 2<l in II Kor.) »ind Greijon 
von Syssa (de baptismo Christi) zu ersehen 
ist. Dass auch einzelne Altäre Ton firOhe- 
ster Zeit an aus edlen Metallen be- 
standen oder wenigstens mit Gold- und Sil- 
berplatten bekleidet waren, darf nicht be- 
zweifelt werden; denn .schon bei den Heiden 
gab es Altäre aus Silber (Curt. Ruf. III 3, 
n. 7) und bei den Juden war der Rüucher- 
A. ganz aus Cedernholz und mit €k>ld flber> 
zoiren eil Chnm. 1.5, 8). 

8) Schranken. Der heidnische und jü- 
dische A. hatte seine Schranken; der christ- 
liche war nicht weni^'er ehrwürdig und 
durfte desshalb derselben nicht entbehren. 
Ein monumentales Zeufpniss siebt die Papat- 
krypta . ein hriftliches Eusebius ( II. e. 
X 4). Er berichtet nämlich, Bischof Pau- 
linus (314) habe den A. m der Kirehe su 



Digitized by Google 



AlUr. 



89 



Tjnii mit wnnderbar gewliniteteii, hSlser- 

nen Schranken umgeben. Auch beim hl. 
Chrysostomits (Horn 18 in II Kor.), Gregor 
ton Naziam (Or. 42 n. 26) und bei Stjne- 
shts (431), Biaeliof von Kynne, fintk-n wir 
An(ieutun=ren von diesen Schranken , de»«- 
gleiohen in einem Edicte der Kaiser Theo- 
d<»\u» und Valentinian {Hardouin II 68). 
Zur Bezeichnung dienten die Ausdrfickf 
GuxTxo, T»pi3oXoi, xqxXt^c, xuxXoi, dpufaxTo, 
vTffiÜAu ifMi. Auch im AbendUnde 
waren A.schranken üblich nsich den An- 
gaben des hl. Äugu9tinus (Civ. Dei XXII 
8), Sozom. Hist. eool. VTI 25 und Gregor. 
Tur. de glor. mart. I 28. [Die C'ancclli 
schlössen die gesammte Laienschalt von dem 
Bema aus, selbst den Kaiser ursprfinglich 
nicht ausgenommen (Euseh. Tl. e. V 15; 
Thtndoret. I 7). Bald genug jedoch wurde, 
wenigstens im ganzen Orient, letzterm auch 
ein Ehranplats innerhalb der Cancelli ein- 
frerSunif, was jedoch noch Ambrosius dem 
K. Theodosius verweigerte, und was dieser 
dann «elbst in CP. nicht in Anspruch nahm 
(Sozom. VII 24). Gregor von N.izianz be- 
klagt die Abnahme der alten Strenge in 
dieser Hinriebt (Carmen ad Episcopos). 

[Die Cancelli waren theils aus Holz, wie 
In Tyni» {Euseb. H. e. X 4J, thcil» aus 
dnrehbrochenem Maraor, wie diejenigen in 
S. demente, welche violleicht noch aus der 
alten B. herrühren und daher die ältesten 
ihrer Art nein mögen {de Rossi Bull. 1870, 
137). wenn man die in den Ruinen von S. 
Stefano in Via Latina etwa ausnimmt (AI>1). 
derselben bei M'esbitt Archaeologia 186(), 
203). K.| 

9) Reliquien. Die Stelle Apoc. n. *1 
legt die Vermathung nahe, dass die Gräber 
der Sfortrrar schon im ersten Jahrh. zu 
Altären vorwendet wurden, ^ci es, dnss (li<< 
Reliquien bei sargähulicheu Altären im 
8tipe8 selbst, oder bei offener Tischfonn 
auf irgend eine Weise unter der Mensa 
ruhten. Auf diese Thateache deuten auch 
die Martyreracten (c. 18) des hl. Polycarp 
(169), des hl. Fructuosus (253) und des hl. 
Symphorian um 273 {Greg. Tur. Mir. I 52); 
dcssgloichen reden Cyprian adv. Gnost. 12 
ond Tertnllian de anim. 9 von Seelen, welche 
.unter (siibi dem A.e* eine sanfte Ruhestätte 
gefunden haben. In Anbetracht dieser Zeug- 
nisse ist es nicht unwahrscheinlich, das» 
auch Papst Felix I um 270. wie Aiiai^fusiu^i 
berichtet, die Vorschrift gegebeu habe, das 
heiKge Messopfer ,fiber den Gräbern der 
Märtyrer' zu feiern. Den monumentalen 
Commentar zu diesen Stellen bilden die 
Areoeolien der Katakomben, welche Tom 
2. Jahrh. an zu Altären verwendet wurden. 

Auch in nachconstautinischor Zeit 
wurden die Reliquien unter dem A. beige- 
setst und xw»r in besondoren Krypten, z. B. 



in 8. Peter (Waal a. a. O. 75—85), 8. 

Paul zu Rom, in S. Felix zu Nola, S. Ai>ol- 
linare in C lasse zu Ravenna u. s. f., oder, 
wenn die Krypta fehlte, unter dem Estrich 
des A.es. Einen au^n'iisrliriiilii'lien Beweis 
hiefür liefert die Kirche S. Ambrogio zu 
Mailand; denn, als im J. 18(54 der Boden 
unter dem Ciboriums-A. ausgegralxm wurde, 
erschien unter Mauerwerk ein Porphyrsarg 
mit den Leibern der hhl. Ambrosius, Gervap 
sius und Protasius , welche Bischof Angil- 
bert II 835 dasellist bei<;esetzt hatte, und 
bei weiterm Vordringen fand man aui' der 
I Evangeliensette das leere Grab, in welobera 
:58'.) der hl. Ambrosius die Leiber der hhl. 
j Gervasius und Protasius hinterlegt hatte, 
I und auf der Epistelseite stieis man auf ein 
zweites nunmehr leerem» Grab, welches dem 
hl. Ambrosius von 397 835 zur Ruhestatte 
gedient hatte (Littor. apost. Qui attingit, 
7. Dec. 1873). Die Reoondition der Reli- 
quien im Innern des A.es selbst erwähnt 
eine ^chrih {Pseiido-Cij]>rian) de laude mart. 
und unzweideutig das fünft« Concil von Car- 
thago (401) durch die Verschrift, alle .M- 
täre niederzureisseu , welche auf offenem 
Felde errtobtet wären und keine Reliquien 
(in quibus) von Märtyrern enthielten. Hatte 
der A. die Sargform, so lag die iiecon- 
dition der Reliquien unter der Mensa ffKta 
nahe, und selbst b(>i tischähnlichen Altären 
empfahl sie sich, wenn der Leib des Mär- 
tyrers in einem Sarge eingeschlossen war 
oder wenn die Reliquien so klein waren, 
das« sie gar in einer Säule der Mensa Platz 
fanden. Die erste unzweideutige Nachricht 
ülx r die Exposition von Reli<lttieil »ttf dem 
A.e finden wir erst bei Qr^fW von Tours 
Mirac. 11 34. 

Das Orab hl. Märtyrer wurde zum A. 
verwendet, einerseits weil zur Feier des hl. 
Mes.sopfers keine heiligere Stätte zu finden 
war, andererseits weil die Reliquien selbst 
auf Iceine bessere \Vei.-<e '«reehrt werden 
konnten. Nach Apoc. ti, 10 rufen die See- 
len der Dahingesontedenen unter dem A.e 
um Rache, nach Orig. Horn. X 2 in Num. 
bitten sie für uns ; nach den Martyreracten 
des hl. Polycarp (c. 18) und ähnlich nach 
August in. c. Faust. XX 21 geschah en ,zum 
Andenken an die, welche bereits den Hel- 
dentod bestanden und zur üebung und Vor- 
bereitung für die, wdche ihm entgegen 
^ehen'. 

I Die unter oder im A. niedergelegten Re- 
|liquien waren indess nicht immer Gebeine 
von Märtyrern, .sondern, wie die Legende 
|des Üischuis Martinus {Gregor Tur. Hist. 
I Franc. YTI 31) sei^rt, seit ca. 400 auch 

Leil»er Iii. 15 e k e ii n o r ; bisweilen luu-iste 
. man sich mit Tüchern (brandea) begnügen, 

welche von U. Leibern * berührt worden 
{waren, oder gar mit antiken Ueberresten, 



Digitized by Google 



40 



Altar. 



wekhe als SiegMtrophäon über das Heiden- i bo^inn an nur Ein A. standen sei. Dium 
thum der Mensa zur Stütze dienten, z. B. dieser Si liluss BonM'bticrunir hat. zci^^t Pau- 
rfimischen Grenz- Vutivsteineu, Uruc-hi«tüüken /in«« ro/« yola dun h ilio Mittheihin^ 
Ton Oötzenaltärcn u. ». f. Diese Praxis 1 31 a1. 11 ad Sever ). die im J. B35 in Je- 
darf nirlit Itpfrcmdm : denn weder das Sa- rusaleni erbaute (rrabkin-hc sei .reirh an 
crameutarium üelatiianuni und (iregorianum i goldenen Altären' gewesen. Doch gab es 
in teineii Uteren BestandtheOen , noch der | auch f^rümmn Basiliken mit nur Einem A., 
ftlteate römisohe Ordo in seiner ursj)rünj7- z. 15. dii' Kin ln' in Tvrns (Fii.<. Tl. (\ X 4), 
Uehen Gestalt erwähnen die Kecondition vuu i die Sophienkirche zu Constuutinouel. 
Reliquien im A.e bei dessen Cooseeration. I Im Abendlande war die Praxis die 

10) Richtung. Der h^doiiehe A. war nämliche. Die gemeinsame Celebration des 
prejfen Osten , der jiidis^ohe p:ef»en Westen Bischof« mit den Priestern und die Cele- 
gerichtet. Die Christen bet«'ten mit Vor- bration mehrerer Priester mit einander er- 
liebe gegen Orten und galten daher auch klärt es. warum man in einzelnen Kirchen 
den Kirchen, wenn kein«' Hindernisse vor- »ich mit Einem .\. begnügen konnte, .Wenn 
banden waren, diese Uichtung. Der Pric- sie (die Donatisten) mit uns Ein» sind, was 
stor konnte nun in orientirten Kirchen ithun dann zwei Altäre in dieser Kirche 
am A.e eine doppelte Stellung einnehmen. (Aiu/usfin. Tract. III in ep. s. loan.). Auf 
entweder hinter dem A.c gegen das Volk der andern Seite erlieisihte die grosse An- 
und gegen Westen, oder Tor dem A.e ge-'zahl der Martyrerleiber , sowie die öftere 
■,'rn Osten. Erstere Anlafje ist noch in den Wicderholunfr des hl. Opfers die .\ufste|- 
Katakombcn zu sehen am Tisch-A. (circa lung von mehreren Altären in ein und 
5. Jahrh.) der Papstkapelle (s. Abb.), sowie I derselben Kirche. Schon in den Katakomben 
in der aus dem 6. Jahrb. stammenden Kirche standen mehrere Martyrergräber in demsel- 
Xtt Parenzo: auch in S. Pietro ad vineula, ben C'ubiculum und wurden um so gewis.ser 
S. Sabina. Agnese fuori le mura. S. Maria zu Opferstätten beniitzt, als die Verehrung 
in Cosmedin zu Kom war die Richtung des Märtyrers auf keine Weise deutlicher 
ohne Zweifel die nämliche, da der bisi liöf- ausgesprochen werden konnte. Schon von 
liehe Thron in diesen Kirchen noch jetzt Constantin d. Gr. wissen wir mit ßestimmt- 
an die Wand der .Vpeis angelehnt ist. Doch heit, das« er in der LateransbasUika sieben 
scheint die Stellung vor dem A.e in der Altäre aufstellen liess (Anastas. in vit. Sij. 
Richtung gegen Osten nicht weniger üblich , vest.). Ein Jahrhundert sjmter erri« biete 
gewesen zu sem, trotzdem der Priester vom i Pnpst Hilarius ( 4«; 1) soirar im Baj»tisterium 
Volke abgekehrt staml. weil bei dieser Ein- derselben Kirche drei Oratorien und versah 
richtung Priester und Volk gegen Sonnen- 1 jedes derselben mit einem A. (Anuitt. in 
Äufgang beten konnten. Schon das ur- 1 int. Hihir.). Noch ein späterer Papst. Gre- 
sprüngliche Arcosolium in der Papstkapelle gor d. Hr.. iilH-rsnndte dem BiKihofi« von 
(c. 3. Jahrh.) hatte diese Richtung, und der [ Saintes Reln^uieu der hhl. I'etrus und Pau- 
erste römische Ordo enthält die Vorschrift : 1 1««. Laurentius und Pancratius, weil er ge- 
,der ßbohof wendet sich gegen das Volk, hört habe, dass zu Ehren dieser Ib ilii:- !! 
indem er ipricht: Friede sei euch; dann eine Basilika erbaut worden sei und 16 Al- 
gef;» n Osten sich drehend spricht er: las.st täm darin aufgestellt würden (Oreg. 3/. Ep. 
uns lieten* (iVwA///. Mus. ital. II 9). War die Vi. n. 49). Aus einer Verordnung dessel- 
Kirche gegen Westen gebaut, so stand l»en Papstes erfahren wir auch, dass in S. 
der Priester dem Volke zugewendet hinter Peter /u Rom ausser dem Iloch-A. noch 
dem Altar gegen Osten, z. B. in 8. Peter, ! ein anderer in dem Oratorium über dem 
S. Paul, S. Johann im l-ateran . Maria Sar?;e des hl. Petrus stand ( MW Ruhestätte 
maggiore, S. Uleraente, S. Cecilia, Lorenzo des Ap. Petrus 1871, 83, 85j. 

ftaori le mura zu Rom. Die nämliche SteM 12) [Sog. altaria htteripfa oder litferata 
lunc: fjcsrcn <lu> Volk bfliclitc auch in jenen kommen öfter vor. Schon oben ist der A. 
Basiliki n, welche gar nicht in der hl. Bau- j Pulcherias erwähnt worden, auf welchen 
linie lagen, wie die rSmischen Kirchen Qior- 1 wo ihren Xamen hatte eingraben lassen, 
gio in Velabro, Cosma e Dartiiano am Fo- damit derselbe .Mlen siclifli ir sei tSncou.. 
rum rom. zeigen. V^H. d. .Vrt. Orientirun^'. IX 1). Der Bischof Deusdedit weihte in 

11) Zahl, lynaiius ad Magnes. 7 und 1 Ro^^z einen A.j_der die Aufcchrift trug: 
ad Phil. 4 warnt vor Spaltung und redet ! DEVSDEDIT KI's INDKJNVS KIKKI IVS- 
wie von Einem .Tesus Christus, so von SIT HANC .\R.V.M i .1/^// ( 'nll. Vati«. V 77). 
Einem A.e, weil ,A. gegen A.' errichten ■ Die vaticanische Sammlung J/«/ <;<rs liefert 
mit dem Abfalle vom Glauben gleichbedeu- 1 noch andere Beispiele, wie z. B. die poe- 
tend war ((irci/. Nn:. Or. 2(!. n. 18). Aus tische Inschrift des alten altare s. Petri 
diesen Stellen, welche nur den A. in ab- (Oruter 11«H*). Pilger schrieben itäutig 
straeto bei€hren, folgt demnach keineswegs, i ihre Namen und Gebete auf Altäre besuch» 
daas in Äen Kirchen des Orients von iui-|t«r Wallfahrtsorte; solche Graffiti weisen 



Digitized by Google 



Altar. 



41 



die AltSre zu Anriol (a. o.) und zu lünerre | Wenn vir von zweifelhaften Decreten 

flloraulf) auf: vfyl. Etltn. h Blaut Mera. sur der Päpxto Evarist und Silvester, von un- 
laatel de Teglise de Minerve, M^m. de la echten Reden des hl. Cyprian und Augu- 
Sod^t^ des antitj. de France XXT, Pari» »tinus absehen, so haben wir als iiiteste 
lÄW): Inscr. ehret, de la Ghuile; Tgl. unter ' Zeugnhwe für die Conserration der Kirchen 
Wallfahrten. K.] beziehuMfr»<weisc <icr Altäre aus dem A Ii c n d- 

1'6) (Im Lihfr Pontif. wird häufig der lande eine Inschrift iIcs Papstes Ihimiisus 
4MVMV oder arcora fredai lit. welche, au» (Annst. Vit. rom. Pniit. ed. Rom. 1718, in 
Silber oder Ordd. von d«Mi Piipsten an Kir- praefat. n. 35), sowie Hricfc des hl. Ainhro- 
chen und Kapellen verschenkt wurden. Du- sins (1. X 85;, Paulinus von 2sula (XI ad 
«m^p erklärt den Aasdmck (s. t. orcu«) : I Sever.) und Oregon d. Qr, (i. VI 49). 
pro oniammto qito'hini in at dihu^ >^/' / /.v ' Diese Zeuffnis^c werden b(>stiiti}?t durch Ka- 
appendi solitOf 9ic forte dicto quod atcus \nonen der iSynude von Agde (5U6 c. 14), 
formam haberet, und in den Zusfitsen zu j Epaon (517 c. 86) und Orleans (636 e. 15). 
dem fSlo?<sar werden diese arcus den coro- 15) Traualtäre. Ha-i täi^liclie Hedfirf- 
Mf quae aitaribus oßerri soleut gleichge- , uiss und diu Furcht vor Verfolgungen brachte 
stellt, woge^n de Rosai Bull. 1877. 99 1 mit sich, dass neben den unbeweglichen 
diese arcus als kostbar geschmückte Ueber- Cfi.xen) Altären auch sog. Tragaltäre (auti- 
dachungen der A.-Ciborien, der gewölbten i »lenna, portatilia, gfstatoria , itineraria, 
fenesteila confes-Hionis unter dem A. und j mobilia , ad viam) im Gebrauche waren, 
etwa auch der an hi latenili in «len Hallen i Von den jetzt bestehenden liturgischen ^'or- 
oder Srbiffen der BaHilikeu erklärt. Damit scbriffcn ans beurtheilt war schon der .\, 
scheint auch die Beschreibung des kirch- (üiristi und ohne Zweifel auch der A. der 
liehen Ger&thes in der kostbaren Carta Cor- Apost» ! ein Trag-A. Dass solche Altare 
nutiana von 47! (Doni Inscr. ant. .")ü5 f.) im Mor^enlande auch in späteren Jahrhun- 
mit ihren coronur, ihren vela für die arcora, derten noch bekannt waren, zeigt der hl. Lu- 
wie auch die Aeusserungr des Lib. Pontif. cian (c 812). welcher naeh PMhitorg. Htst. 
in Hilaro § 3 zu stimmen: in oratorio s. eccl. II 13 auf seiner tiircnen Brust ccle- 
crucis supra confessionem feeit arcum au- brirte, weil ,tyrannitiche Gewalt ihm weder 
renm pens. fibrös IV quem portant colum- Kirche noch A. einrSnmte\ Auch rom 
nae onychinae; ebenso heisst es ib. in Sym- hl. Piuilus r8,')0), Patriarchen von Constanti- 
naacho § ti : cunfessionem cum arcu argen- i nopel, berichtet die Legende , er habe ,in 
teo, und in Oregorio III §8: ciborium de | seinem Hause die Liturgie gefeiert^ (Meno- 
argento seu arcus quinque pensantes in log, Oraecor, 6, Nov.), und die Trullanische 
unum libros CCX. Kin derartiges Denkmal , Synode (()81 c. Hl) gestattet den Klerikern 
ist kfirzlich inMegroun in Algier (5U km i mit Erlaubnis des Bischofs die Celebration 
südl. von Tabeasa) zu Tage getreten: ein j in Priratoratorien. 

pnu'htvoller. aus Einem Stein gearbeiteter Wenn wir TOn den Katakomben aliselien, 
tk^en, dejwen P'ront. reich geziert, mit dem so finden wir die erste Andeutung für den 
K D/ (Jilirauch von Tragaltären im Abend« 

Ibnogramm versehen ist und die In- lande in der Kr/.ählun^' des Suzomenus 

(Hist. eccl. I 8), Kai.ser C'unstantin habe 
iMbrift trägt: MEMORIA DOMXI PKTRI auf seinen FeldzQgen. damit die Soldaten 
ETP.\\'L[. s. d. Vbluldung di' /^Mt Bull, der Feier , der (Jeheimnis.se' beiwohnen könn- 
IblT, tav. Vlil, dazu i)7 tf. K.| .^en, ein Zelt mitführen lassen. Die mit- 

14) Weihe. Cardinal Bona Herum lit. ' folgenden Prieetor und Diakonen hatten zu 
I 20. § 3 spricht die Ansidit au*<, die A.- dieser Foier nidlt wenigeT- einen A. imth- 
CoQsecration sei apostolischen Ursprungs. . wendig, ab der hL Ambroeius, wenn er iu 
Wol ist es wahrscheinlich, weil die WeHie | PriTatwohnungen celebrirto (Vita per Pau- 
der Altäre auch bei den Heiden und Juden lin. ronsecr.). Fälle dieser Art waren nicht 
bekannt war; ein sicheres Zeugnis» liegt veretiuseltpm Gegentheil gestattete Felix XV 
jedoch nicht vor. Als erstes Beispiel einer (52f») die Feier der hl. Messe ausserhalb 
Kircliw < ihe . welche ohne Consccration des der Kirche, wofern sie .auf gottgeweihten 
A.es kaum gedacht wenlen kann, berichtet und von Hischiifen gesalbten' Tischen statt- 
Sozom. llist. eccl. II 2ti die Weihe der von tinde. .Den X. und seine (;efä.s.se zu traf;en' 
Cunstantin um 330 erbauten <irabkirche zu | war Aufgabe der Kleriker und in deren Kr- 
Jerusalem. Ein anderes unzweideutiires Zeug- mangelung die PHicht der Diakonen (Au- 
nisa für die Praxis des Orients giebt Ort;/. t/u.-i(in. Quaest. ex a. et n. test. 101). 
JVyst. de bapt. Christi durch die Bemer- (Uebrigens hat sich aus den sechs ersten 
kung, der A. sei von Natur au-< <;ewöhn- Jalirhunderten kein authentisches Exenii)lar 
lieber Stein, fWenu'^r al>er für den Dienst ^ emes Trag-A. erhalten ; denn das angebliche 
Gottes gehei%t worden sei und den Segen altare portatile des hl. Gregor v. ifazianz 
empfangen habe*, so sei er ein M. Tisch. ; in S. Maria in Campidelli au Rom ist schwer- 



Digitized by Google 



42 



Altlre AltartOdier. 



lieh e«ht. Die bisher bekannteii Tragaltilre 

gehören siimintlich dem MA. au : nls die 
ältesten dürften der S. Cuthbert-A. in 
der Kathedrale TOn Durham (um 687 ; Ab- 

biMuiif; bei Sniitfi Dict. I (»9) und der mit 
viel späteren inschril'ten und Decorationen 
gewhmürkte 8. WiIIibrord>A. in der 
Liebfraueiikin Iii' zu Trier sein. YghKaiser 
Dias. bist. erit. <le ultaribus portatilibus, Jen. 
1695 ; Darcfl Les autels portatif«, in Didroti 
Ann. archeol. XVI TT H'.t, eb. IV 289; 
Aus*»! Wri-rth Kunstdenkm. I, 2, 51. K.] 
(Litteratur. Tnibcr de situ Altariuiu 
▼ersus Orientem, Jen. HidH: T/iicrs J. Sur 
lea principaux autols, la elotdre du choeur 
et les jubes des eglises, Par. 1()Ö8; Fubn- 
eUts de arie vett. christ. Helnut. 1698 ; Voigt 
G. Thysiasteriologia , Hamb. 1709; Schön- 
land Uist. ^'achr. t. Altären, Lpz. 1716; 
ÖatHeu» J. de oratoriis domest. et de usti 
altarin portat. Knm 174fl: (irret J. G. de 
vett. Christ altaribus, Anspach 17öö; Heide- \ 
laff Der christl. A., Nllmb. 1838; httSb Ft. \ 
und Schwarz Studien Ober die Gesch. des 
ehri.stl. A.s, Btuttg. 1857; Schmid Dr. .4. | 
Der ehristl. A. und sein Sc hrauck , mit 72 ■ 
niustr., Regensb. 1871 ; Wesbitt in Arcbaeo- 1 
logia 186fi; Cahier Nouv. Mehin^^es d'ar- 
ch6ologie ete., l'aris 1H75.| a. sciimiu. 

ALTIRE, heidnische, in christliche ver- j 
wandelt. Die Tradition lÜKst den angeblieh 
▼on Petrus nach Oallien ent^tandten hl. Mar- 
tialis einen Brief an die Christen von Bor- 
deaux sehreiben, mit der Aufforderung, bei 
der Zerstörung »o vieler A. einen sn scho- 
nen, welcher die Aufschrift DEO lOXOTO 
trage {Baron, zum J. 34, n. 9U>; naeh 
Spondamu wflrde dieser Altar noch in 8. 
Severin in Bordeaux aufbewahrt. Der Iii. 
Petrus selbst soll bei seiner Antcunft in 
Neapel das hl. Opfer auf einem Altar des 
Apollo dargebracht hal)enf ^r seither in 
der Kirche .s'. Pirfro ud aram sich erlialten 
habe: aram non procul ab urbe moeniis. 
nbi saerificia idolis immolari oOfnaueTerant, 
in qua apostnlu^ prinium saerum fecerat 
dedieavit (Vit. s. Aspreni l>ei Vghelli VI); 
vgl. Galante GuMftMera deiia eittä di Na- 
pnli. N:ii). 1S73, p. 27fi. Die Kritik kann 
dieüe Leber lieferungen, namentlich die er- 
stere, nicht rerwerthen; dagegen steht die 
Tliatsache der A'erwendung heidnischer A. 
zu christlichen Cultzwecken durch zahlreiche 
Beispiele ans rflmisi^en Kirchen anseer Zwei- 
fel, welche Marnngoni dolle eose gentil. etc. 
170— 178 gesammelt hat. Derartige A. gab 
es in den Kirchen S. Teodoro am Palatin, 
in S. Michele beim Vatican (ara der Cv- 
bele, Smels Inscr. Lugd. Bat. 1588, fol. 19j: 
in S. Maria in Araceii (eh. f. 31): in S. 
Nicolä de' Cesarini (S. Xicido dellc Calcare, 
Gybele-AJtar, nach BoiMrd und SmeU f. 19); 



in S. 'Lucia in Seiee jfTgl. Grt$Ur 28'); in 

S. Valentino presso il Koro Piscarin (eh. 
f. 17); in ä. Benedetto in Trastevere (eb. 
f. 18); in S. Maria m Trastevere (eb. 18); 
in einem Pilaster des Porticus von S. Ce- 
cilia (eb. 20'); in der ehemaligen Kirche 
S. Maria Tnwpontina sotto U Gastello (jetzt 
/.erstört; Mnzzocchi und Orukt 21'*l: in 
der Capeila della sncra Mensa in der Basil. 
Lateran. (ilcrcules-Aitar , Gruter 24); in 
S. Cosimato in Trastevere (Mercur-Altar, 
eb. 25); in der Kirche von Ponte Torvo 
(Weihwaaserbecken, Gruter 31); in S. Ma- 
ria in Portico, jetzt S. Galla (eb. 38); in 
S. Joh. im Liitfran (Aesculap-Altar. eh. n. *l ; 
in S. Giorgio in Velabro (eb. 49); in der 
Khrche S. Maria in Monticelli (AHar dea 
8ol, eb. 8H) ; in S. Sebastiane fuori le Mura 
(Cerea-Altar) ; in ä. (juirico e Giulitta a 
Torre de Conti (eb. 103"); in S. Oecflia in 
Trastevere (Altar des Jupiter Ammon , eb. 
147"); in S. Maria in Trastevere (Altar 
des Liber, eb. 220, Smets 30); in 8. Alee- 
sio 8uir Aventino (Jupiter-Altar, Mazzocchi 
15); in S. Tommaso in Formis (eb. 30); 
in S. Apostoli (eh., zwei A.); in S. Salva- 
tore de Cacaberis (eb. 118); in S. Rufina 
(Mercuh's-Altar, eb. 154); in SS. Quaranta 
in I ra-stevere (eb. 158); in S. Sebastian© 
(Cybele, eb. 171. s. oben): in S. Tommaso 
nei' borge della Porta Roniana {Marangoni 
177); in S. Domenico (eb. 177); in Temu 
cina (swei AMre, CmUatori Hist. di Terra^ 
cina 307. 324). Ausserhalb Italiens erwähnt 
Apian. Inscr. 399 eine Ara, die als Base 
eines Cmcifixes in Si Yelt in KftmtlieB 
henüfzt wurde; welter wurden scilclie heid- 
nische A. im Trier'schen gefunden: beim 
Abbruch der Abteikirche 8t. Martin bei 
Trier in den Fundamenten; in Messerich 
und Berburg als Untergei«tell dea Hoch- 
altars, in Ahrweiler als Taufstein. Vgl. 
Schneentann Jahresbmriollt der Gesellschaft 
für niltzl. Forschungen zu Trier 1S»;3 -<!4, 
Trier 18<J7, S. 23. Anm. 1. In der Kirche 
zu .\vilje in Serbien bildet ein heidnischer 
Altar mit dem IJilde des Atys die Hin'k- 
seite des .Vitars (Mittheil. d. k. k. Uentral- 
Commission zur Erforschung und Erh. d. 
Baudenkmale, Wien 1855, 6). nuLUS. 

ALTASSXüLBN, s. Altar Nr. 5. 

ALTAKItCUfiK. Die christlichen Altäre 
wurden wahrscheinlich von Anfang an mit 

Tüchern {pallu , D/n rtoriinn, linteamcn, rt- 
lumen, irÄ'^.r^'x, iAoup-fi'c) bedeckt, einer- 
seits weil sie öfters gewöhnliche Tische wa- 
ren und die Tische, wenigstens bei den 
Hörnern (Martin/. Kpigr. XI V 138), mit 
.zottigen Leinwandtüchern' überkleidet er- 
scheinen , andererseits um den Altar zu 
schmttcken und die Fragmente^ welche beim 



Digitized by Google 



Alterthnmskunde — i^ft^nv und Bi^|ta. 



4S 



^rodbrecheu' abfielen, leichter sammeln zu 
kSnneo. Wol fehlen fttr dieie Behaup- 

tun«? sichprp Zeut^Jiissp ans don ersten drei 
Jahrhunderten, wenn wir von einem un- 
eehten Briefe de« Papetee Olemem I and 
einem Deerete Pius' I (142 — 157) absehen; 
allein im 4. Jahrh. spricht Optatus von 
Mflere von dem Oebraache der A. als einer 
allbekannten Sitte, indem er de Schisni. 
VI 1 schreibt: ,wer von den Gläubigen weiss 
nicht, das« bei der Feier der Geheimnisse 
das Holz selbst mit einem Leinentoehe be> 
det^kt werde?' Auf Grund dieser verbnri^- 
ten That.sache dürfen wir nicht duriui /wei- 
Mn, das« schon Papst Silvester, wie Ana- 
stasius berichtot, soltüt he/ü>^'Iicli des Stoffes 
ZU den A.n eine Veruninung gegeben habe. 
Fernere Andeatanrntt fiber Altarbekleidnng 
erbalten wir aus dem Abeiiflljinde von Am- 
bra», de virgin. 1, von Bischof Victor Vi- 
tth». de penecui Afrie. 1. I, in der Bene- 
dictin errej^ol (529), von Gregor. Tur. Hist. 
Franc. X 15, und einer Synode von Cler- 
mont c. 7 (a. 535). Zeugen für die Praxis 
des Morgenlandes sind der hl. Chnjso- 
stomus (Itom. 51. n. 4 in Matth.), ein Coneil 
zu Constantinopel vom .1. 53B (act. V) und 
l'niiliis Sileutiurius nescript. s. Soph. v. 342. 

In der eben angefülirten Stelle «jieht Op- 
tatus von Mileve klar m erkennen , das« 
Leinwand zu A.n verwendet wurde. Schon 
firQher noll Papst Silvester verboten haben, 
auf einem seidenen oder gefärbten Tui-ho 
da» Opfer danEobrfaigeD. Die Leinwand galt 
von jeher als ein Bild der Keuschheit, .weil 
sie so aus der Erde stanunt und aus dem 
Boden berrorgeht, daas sie obne aUe Bei- 
mi>.cIiuTi;; enipfangen ist' , f 0* fV/. in Levit. 
Horn. IV (ij, und als iSymbol ,der geistigen 
Stirke^ (Eudur. Lugam, Form. min. in 
spicil. Solesm. III 403). Glciehwol ist es 
sehr wahrscheinlich, dass auch A. aus an- 
derm Stoff gebraucht wurden, da Chrysn- 
stomiis (Horn. 51. n. 4 in Matth.) von ,gold- 
durcliwirkten Tüchern', ein Concil von Coii- 
stautinopel (.530) von .Purpurhekleidung' und 
Ortgor eon Tours (Hist. Franc. X 1(>) von 
einer .ganz seidenen Palla' des Altares redet. 
Diese Texte könnten möglicherweise noch 
auf ein Antipendium gedeutet werden; be- 
stimmt spricht aber von einem purpurfarbenen 
Altartuch Pauliut Silentiariu» in Descr. s. So- 
pbiae t. 342: «breitet über des Altars Tisch 
nun das deckende Tuch aus, schön gefiirbt in 
der purpumen Blüte sidonischer Muschel.' 

Wie Stoff nnd Farbe der A. erst allmSltg 
sich fixirto, so scheint in den ersten .Jahr- 
hunderten auch die Zahl derselben schwan- 
kend gewesen zu sein; denn die einen der 
citirten Stellen reden von palla, andere von 
linteaminünis: das Pius I unterscholtene De- 
cret., welches noch vor das 7. Jahrh. tlillt, 
«rwähnt deren vier. x* schmii». 



ALTERTHUMSKÜNDE , s. Archäologie. 

ALVMNI, s. Findelkinder. 

ALVMNI = (laemones hei TertuU. de 
idolol. c. 11: 4ua constantia exorcizabit 
(Christianns) alumnos suos quibus domum 
suam allariam praesfat. Virecomes de ritib. 
bapt. II 3Ü, p. 3()2 und Bona Uer. Ut. I 25 
n. 17 haben hier irrtfafimlich alunmi = 
catechtuneni geniMpmen. kraus. 

JJlAy 8. Amula. 

AHBASUfOllfambaseiator) kommt schon 

in älterer Zeit eiiiii^'ciiial ^ -iro/o'.T'.apioc 
(s. d. A.)f im Simie eines Abgesandten vor. 
So in der lat. Uebersetsung des Conc. Gen. 
V. Act. 1 (Conc. V HO'); ferner Conc. 
CP. sub Memia Act. 4 (ed. löi)ö, p. 6%;: 
HeracUus IMaeomu Ambaäüitor Enphramnu 
Patriarchae Theopolitani. Stephanus Dia- 
conus et Ambasiator episcopi Caesaricnsis. 
Im MA. wurde der t. t. häufig; vgl. Du' 
congt L t. kbaub. 

AHBITTS AKTARIS steht wol im All- 

gemeinen für den Cliorraum, in der alten 
Kirche die Apside. An einzelnen Stellen 
hat man darunter jedoch eine den Altar 
umg^Mode, abschliessende Anlage zu ver^ 
stehen: so bei AnastaHius Lib. Pont, in 
Sergio U, wo Sergius II (844—847) einen 
grönem A. a. anlegt. Den Sclmtuck die- 
ses aniMtus sc}iil(h'rt Anastasius in <len 
Worten: .pulcliris colunmi.s (-um niarmori- 
bus desuper in gyro sculptis splendide deco- 
ravit.' .Vehnlicti beschreibt der Patriarch 
Fortunalus von Grado (9. Jahrh.) einen 
ambitus: ,p<Mit ipsum autem altare aliura 

Earietcni fleaiiratuni et doargentntuni simi- 
ter longitudine iicdinn XV et in altitudine 
pedes rV et super ipso pariete arcus Tohk 
tiles de argento et super ipsos arcus ima^ 
gines de auro et de argento' (Uazlitt Hist 
of the Rep. of Venice I App.). Aus den 
sechs ersten Jahrhunderten hat sieh schwer- 
lich ein Heispiel derartiger ambitus erhal- 
ten; vielleicht in der Kirche zu Djemla in 
Algerien, WO Ftrgiuum «ne cella an finden 
glaubt KSAVS. 

IMBTLANTES clerici, s. VacantiTL 

AMBON und BHMA. Etymologiseh be- 

zeiclincii iliese beiden Ausdrücke einen her- 
vorstehenden Kaum, indem letzterer von 
ß<£«D, ^«(ra», ersterer entweder gleichfalls Ton 
hn'^iiü. oder. wi(< Walafried Sfraho (de 
reb. eccl. c. ü) meint, von ambire herkommt, 
dem jedenfalls die griechische Wurzel i^t/fi, 
•ifid, djA^l, mithin auch der Begriff eines 
Umfangs, eines Zirkels zu Grunde liegt. 
Bei den Classikeru diente ßr^Kt« häufig zur 
Beseichnnog einer gewöhnlieh in Gestalt 



Digitized by Google 



44 



A|j^v und Bf||Aa. 



eines Halljzirkpls herumlaufonden Erhölui II ir. Trifiminl (cfr. Tert. Apol. c : Ciipr.V.\^. 
zur Aufnahme der sella curulis bestimmt, ed. Hartelj und ^^{la. \Vcim der 56. Ka- 
wonraf ursprfinglich bloM der tribunus (da- non der Synode TOn Laodicea (Hard. I 79) 
her (las lateinischo >Vort tribunnl — '"I^ÜtAa). bestimmt, das» die PrieHter vor dem Eintritt 
in der Folge auch jede andere obrigkeit- des Bischofs nicht selbst eintreten und auf 
liebe Pmon bei (Ml^^ntliohen AmtHverrich- . dem Bema sich niedersetsen lolleiif Mueer 
hingen sass (cfr. Said. Lex. n. h. v.). Die! wenn dieser krank oder verreist ist, so kann 
christlichen Oottesdienstlocale ciifhielten nun ' unter 3^aa eben nichts anderes als die Apeis 
einen gewissen Kaum, für iIcssimi Bezcioli- verstanden werden. 



nung dieselben Ausdrücke <;eei<fnet erschie- 
nen. Nacli den apostolisclicii Constitutionen 
(II öTl war nünilitli der Raum im Innern 
einer Kirche so einfjetlieilr , dass der erste 
oder oberste Theil den Klerus einsriilo-ss : 



Inde.ss wird dieser Ausdruck, ähnlich Mrie 
im Lateinischen Tribunal (cfr. Forrcll. Lex. 
B. h. V.), für erhöhte Sätze überliaupt, da- 
her auch für Kednerbühne, Kanzel u. S. W. 
gebraucht. Um sich bei den von .\nfanf» an 



in der Mitte dieser Abtheilung stand der ^ üblichen Lesungen leiciiter veriitändhch zu 
Thron des Btschofii^ za dessen beiden Sei- 1 machen, mosste der Leetor lu den Oltabi- 

teii die Prif"^terschaft sass. Ob dieser Tlieil gen eine eiifspredirnde Stellung einncbnien. 
etwa« höher lag, das wird nicht ausdrück- 1 Hiefür hatte man schon zur Zeit de« Hermas, 
lieh hinzugefügt; wir schliemen es jedoch also (wenn nicht Ende dee 1.) nm die Mitte 
«nerscits aus dem dem Bischof eingeräum- des 2. Jahrb., eine eigeiif K;itbedra. welcbe 
ten Thron, sowie aus dem Umstände, dass zum Zwecke der Lesung vorgerückt, nach 




in der Mitte der «weiten Abtheilung, die 
das gläubige Volk, nach Geschlechtern ge- 
schieden, einnahm, selbst für den Vorleser 
ein erhöh- 
ter Platz an- 
geordnet er- 
scheint. Wo 
mögiicfanoeli 



Aufschluss 
giebt uns 

bicrübiT Ori- 
geftts. ihm 
sofolge (in 
Hb. Jud. hom. 
3.n.2; cfr. in 
lib. Jea. Nair. 
boiB. 9. n. 6 ; 
in Matth, t 
lö.n. 21)) sind 
die im Halb» 
kreis sitzen- 
den Priester, 
inderenMitte 
der Bischof 
auf der Ka- 
thedra seinen 
Platz liat. die 
Spiegel für 
die OlSnbi- 
gen, welcher 

Vergleich 
ebne Zweifel 
eine höhere 
Stellung für 
jene voraus- 
setzt. Diesen 
für das Pres- 
byterium be- 
stimmten Ort 
nannfe man 
nun u.a. auch 



1, 


f" ^ , ■ ' 










- 










Fi(. 2S. WuidgcmUd« der Sacrameatikapelle in 8. CsIlUto. 



derselben an die Ostwand zurOck^etragen 

wurde {Vis. I. cpp. 2, 4). Es war eine Art 
bewegliche Kanzel, von der bischöflichen Ka- 

thcdra u. a. 
dadurch ver» 
8chieden.da.^s 
sie mit einem 
weissen wol- 
lenen Tuch 
(1. c), wäh- 
rend diese mit 
Leinwand 
geschmückt 
und zugleich 
niiteijiem aus 
Carbasus ge- 
fertigten Tu- 

che über- 
spannt war 
(rf.s.nLc.l; 
cfr./'o/i/.Vit. 
8.(^\pr. C.K!). 
Weil ohne 
irgend eine 
Yermiscbung 
der Lein aus 
der Erde ent- 
stebt. so galt 
daraus 
gesponnene 
Zeug als ein 
Symbol der 
Keusebheit 
(Ol///. inL»'V. 
hom. 4. n. (i), 
durch die der 
Bischof sieh 
vorzugsweise 
auszeichnen 
muss. Von 
jener Kanzel 
aber blieb uns 



Digitized by Google 



45 



«Ofden Winden der KatakomiMii in der ROfT. I Ambon ftus gehalten (•. Aug. D. C. D. 

Sji''r:iniPntsk;t|M>ll(> ein Bild orhalten. in<l<'m XXJI 22), wSlirriHl . wio f^o«a<»^t, frilhor 
die über dem Brunnen sitzende üestalt^ die , bloss die Lesungen auf einem den Gläubi- 
■ns einer Pergamentrolle liest, kein Anderer , gen niher gerQekten Sitae geKhahen. An- 
igt, als der Lohrer der Christengemeinde langend die Ursaehe dieaer Aenderung, «o 
(Fig. 52 e bei Kraus R. 8. 2. A. ; vgl. den hängt dieselbe wahrscheinlich mit dem Üm- 
Art. Eucharistie). Die erhöht«^ Stellung, die «tande zusammen, dass man seit Conntantin 
diese Gestalt hier einnimmt, i iitsprii ht ganz d. Gr. prachtvolle Basiliken zu liaum un- 
genau der Vorrichtung, auf der 50 Jahre fing, in denen das bisherige pulj>itiuii (wler 
«päter der hl. Cyprian den Leetor seiti Amt ^Jijiia twv dr^x/'i'wsTtov einen fe.stHteheriden und 
vollziehen Ik'M. Von dem Bekenner Aure- seiner l\(>hen Bestimmung entspreohenden 
liiH. den Cyprian zum Leotor in d<'r Kirche würdevollen Platz erhielt. Innerhalb der 
bestellte, wird ge»agt, deruelbe , komme von Schranken, die dax l'resbyterium »ararat dem 
der Mordhflhne zur KanaeU »d pulpitum i Altar vom Schiffe abgrenzten, wurde näm- 
post catastnni venire* (Ep. ; cfr. Ep. 39. lieh aus möglii'liKt kostbarem Material ein 
e. 4), eine Zusammenstellung, die unzweifel- Qerüst aufgeführt, häutig gekrönt mit einer 
haft auf eine für den Lector eingerichtete I Balnstrade, die wegen ihrer Form den Na^ 
Erhöhung hinweist. Fast um dieselbe Zeit nieti -jf^/oc trufj h. f'i'cg. M. Vit. auct. 
kam hiefür der Ausdruck ^r^|ia in Gebrauch. Juann. iV 6i)). Dem Papstbuch zufolge Ueia 

Gonstantm d. Gr* in der Ober dem Grabe 
des hl. Laurentins erbauten Basilika einen 
M)) hatte Paul von Samosata i gradua aaoenaionia et descensioni« erri<>h- 

ten, desglei- 
chen eine Ap- 



OemisB der von der S3mode zu Antiochien 

im .1. 2'I!> erlassenen Encvelika (bei Ettseh. 
IL e. Vir 
»ich in der 
Kirche einen 




hohen Thron 
und eine Red- 

nerbflhne 
*^.fuLa) ma- 
cheu lassen. 
Der Thron ist 
dicKathedra. 
und da von 
ihr die Red- 
nerbfihne un- 
terschieden 
wird, treffen 
wir hier ein 
Beispiel von 
der Abhal- 
tung der Pre- 
digt des Hiscliofs auf einem von der Ka- 
thedra verschiedenen Phita. Es galt dies 
damals für eine anffallende Neuerung, 



Ftf. M. Amboo aui S. Lor«uo ftotl 1* 



91 s aus por- 

J)hyrisehem 
[armor,oben 
mit silbernen 
Platten be- 
legt und un- 
ten mit 
gleichfalls 
silbernen 
Schranken 
umgeben 
(Vit. 8. Sil- 
vest. ; die bei- 
gefügte Fi- 
gur giebt den 
jetzigen 
Ambon au-* S. Lorenzo fuori le mura). Dies 
war der Ambun, der als vorzüglicher Theil 
der Apsis, selbst absida, auch ab»ida gradata 




uns zur .\nnahme bcrei htii,'t. dass in den ' ^'cnannt wurde C». Auy. Ep. 2:i al. 203 ad 
ersten Jahrhunderten die Bischöfe das Volk | Maxim. Migne U 9<i> , weil man sie durch 
regelmSiwig von der Kathedra ans unter- Stufen b^tieg und zugleich durch die Stn- 
riohteton. fen für verschiedene Zwecke au* li verschie- 

Mit einer hierin im 4. Jahrh. eingetrete- dene Absätze erhielt, auf deren oberstem 
nen A«*nderung treffen wir zum erstenmale stets der Bisehof predigte (s. Atig. D. C. D. 
^IJi'l.'iv als Bezeichnung für die Kednerbühne. XX TT 22; Pseudo-Fulg. Horn. X. ap. Migne 
^V je nämlich .Soao/f.^K II. e. VI .")) berichtet, p. 1. LXV 8(>9). Die üblichen Lesungen 
pHegte der hl. Chrysostonnis, um besser von fanden je nach der Würde des Oegenston- 
Allen verstanden zu werden, xaOtjtlei; erljdes auf einer je niedrigem oder hohem 
•:<>•> i}i.ß»i»vo; seine IVedi^^ten zu halten, j Stufe statt, auf der höcli.sten. wie Thiers 
lAjji^iuv ist hier völlig identisch mit i^^iaa. Diss. sur les iubes 168 erwiesen hat. stets 
bei Sozommu» (H. e. IX 2) genauer bo- 1 diejenige des Evangeliums. Auf einer dieaer 
"riüHiit «biri h den Zusatz T««' der Stufen war es wol , wo der Kutecinimcno 
ottenbar beweist, dass man mit demselben! in Kom das Sjmbolum hersagte (s. Äug. 
Wort auch noch etwas anderes, nim- Confess. VIII 2, n. 5) , wShrend ui Africa 
lieh, wie wir oben geseheti , das Presby- ' der 1^■ Tlitl•Tlt unmittelbar vor der Apsis 
terium Oberhaupt bezeichnete (cfr. öo^om. Idie liänduauf legung erhielt {He/ele Cü. II 
VIII 5). Wie im Orient, so wurden gleich- > 55). Fflhrten, wie in S. Stefono, xwei Stn- 
aeitlg auch im Ooddenk die Predigten Tom fenginge auf den Ambon, so diente der snr 



Digitized by Google 



46 



Ameise — Amen. 



Linken zum Auf-, der andcro zum Ht-rali- 
eleigeii (cfr. Ducange 8. ii. v.;. Bbwoileu 
Bchiomen die Sehrmiken (eaneelli) zwei Km- ' 

zeln famlMmeH) ein, wie z. B. in S. Cle- 
mento zu Kom; in dieHem Falle wurde auf 
der zur Rechten die Kpistel , auf der zur 
Linken diit^ Evangelium gesunken. Noch 
ist zu hiMncrkcn. dass die Kiuizcln iu fjrösse- 
ren Kirclicu wol immer meiir in daw Mittel- 
BChiff hinuus vorgerückt wordfii. nicht bloBB 
nm das VcrHtändniss zu «'rlcichtcm . son- 
dern auch um für die zahlreichen Sänger 
hinreichende Plitse zu gewinnen. Schon 
der 15. Kanon der Synodo von Laodieea 
schrieb vor, daiM auiwer den dazu bestellten 
Pmlmemftngem. die den Ambon bestiegen 
und aus dem Muche »angtm. andere in der 
Kirche nieht singen sollten {Hard. i 787). | 
(Es Terstebt rieh, dam in den reicheren Kir> 
eben der Ambon kflmtlerisch decorirt war, 
was bald durch Basrelief«, bald durch Mo- 
saiken geschah. So in Ravenna, wo zwei 
Ambonen FMche und andere christli<'lie Svm- 
bole zeigen (De Hossi de monum. IXrtVX 
exhib. p. 3). Auch der oben al)gel»ildete 
Aml)on aus S. Lorenzo zeigt eine figurirte 
J^jrdure mit Diirstellunffen . die sii h :iuf 
den heidniHchen Upfercult beziehen und die 
wol einfach hier ab Ornament verwendet 

rind. K.| PBTBB8. 

AHIEISE. Sie wird von Mamaehi Ul 66* 

nls eines der SvnilMiIc ircnannt, welehe auf 
christlichen (Jeuiälden und iSculpturen vor- 
komnien. Dabei wird auf Boldftti 386 rer^ 
wiesi-n , wo aber di<' dritte Inschrift, wie 
schon MünUr Sinnbilder 1 27 anmerkt, eher 
einen Wurm al» dies Thier zeigt. Arbtghi 
W 335 wheint /.war auch die A. unter die 
ehristliclu'n Symbole zu zählen und beruft 
«ich für die Angeine»senbeit dieses Sinn- 
bildes, namentlich in den Coemeterien, auf 
die Sorgfalt, mit wcIcIkt die A.n angeblich 
ihre Todten begraben; daliir weias er ausser 
PUn. N. H. XI 30 auch Plutan b und Hie- 
ronymus anzuführen, Ix'/ieht sich aber auf 
keine Abbildung. MUhUt a. a. U. hat auf ' 
einige geschnittene Steine bei JlEroroftf Oem- i 
mne anti']. litfi-ratae aliae(|ue rariiire<, Rom. 
17ÖÖ, aufmerksam gemacht, welche A.n vor- 
stellen; eine derselben bildet er Taf. T 1 
ab: si(> liaf m lien dem Thier die Huchsta- 
ben F 8, vielleicht Felicitas und Salus. In- 
dessen ist ihm selbst der ohristUche Ursprung 
dieser Steine nieht gewiss. kkacs. 

AMEN. Unserer gottesdienstlichen Sprache, 
der Uteinischen, sind mehrere griecliist lu' 
(u. a. xüpts i>iT(7ov) und hebräische (z. M. 
Alleluja. Hosianna) Wörter beigemiHcht. weil, 
wie <'in älterer kirdilicber Schriftsteller sagt, | 
durcii die Predigt der .\postel an< den neu- 
U'kehrten Juden, (i riechen und Kölnern ein 



einziges cliristliches Volk gebildet worden 
ist; war ja auch in Vorbedeutung dessen 
die AnfiMSirifl am Kreoze in hebribeher, 
griechischer und lateinischer Sprache ge- 
schrieben. VgL Auyustin. de doetr. chrtst. 
11. c. III. 

Das }iel)räisclie ".ts bedeutet adverbinliter 
gewisslich, sirlu rlii Ii , und wird vorzüglich 
als Bekrüttigung sii) Schluassprüchen ein- 
mal oder doppelt gesetzt. In dieser Be- 
deutung kommt es so\v(dil im alten Testa- 
mente, als auch, und zwar sehr oft und 
emphatisch, in den Reden des Herrn, wie 
auch in den Briefen der Apostel V(tr und 
wurde unübersetzt wie im griechischen 
Texte, so in der hiteinischen Version bei- 
behalrcn. Von da übertrug es sich in die 
liturgische Sprache der Kirche und hat dort 
seit den Talgen der Apostel Bflrgerrecht. 
Vgl. Juatin, Apolog. II; Tertullinn. de 
spectac. c. 25; Hieron* in epist. ad Galat. 
praef. 

A. hat nach Bt nedict XI V (de festi.s Do- 
mini nnstri Jesu Christi I n. 113) eine drei- 
fache, eine affirmative, Optative und 
i m p e r a t i v e Hedeutung. Vgl. AmbrotiuB 
Kiiarrat. in l's. 40. 

Wird es nach einem (iiuul>ensbekennt- 
nuse, Olaubenssatz oder Culthandlnng an- 
gewendet, so drückt es die Zustimmung des 
Sprechenden, die Versicherung seines tilau- 
bens aus. Diesen Sinn hat es am Schlüsse 
des apostolisclien . ni<'äniscben, athanasiani- 
achen Uluubensbekenntnisscs (August in, de 
doctr. Christ. II, c. III; Amhros. Enarrat. 
in l's. 40). Desgleichen sagte der Christ 
beim Empfange der hl. Eucharistie als Aus- 
druek semes 01aul>ens: ,A.^ Wenn der 
Priester den Leib des Herrn halt, ,tu dicis 
A., hoc est, verum est', so erklärt es 
ausdrücklich der letztgenannte Kirchenleh- 
rer de viduis c. 14. ,mmm hin den I>eib 
des Herrn und sage: A. . . . Nach dem 
(ienusse de« Leibes Christi tritt auch zum 
Kelche de« Blutes . . . in<lem du sprichst: 
.\.* So Ci/rill roti Jirumlem Catecb. my- 
stag. V, c. H>. Aehnlich in den abend- 
ländischen Liturgieen. Nach den apostoli- 
schen Constitutionen VIll, c. 13 sprach der 
die Eucharistie austheilende Priester: ,corpU8 
Christi!' und der Dmkon: ,8anguis Chnsti\ 
oder .calix Christi*, oder .calix salutisT- 
worauf der Commjanicant antwortete: ,A.^ 
Vgl. Augustin. contr. Faust. XII, c. 10; 
Hieroii. ad Tlieo|ihil. XLII; Leo M. Serm. 
de ieiunio XXXiX; I'seudo-Ämbros. Kx- 
plan. Svmboli ad initiandos c. 9: Euseh. H. e. 
VI, c. 43. Die Zustimmung des Commu- 
nicanten durch das Wörti-hen .\. blieb auch, 
als die Austlieilungsformel länger wurde: 
,eorpus Domini nostri Jesu Christi consenret 
animam tuam.* loanu, Diaatn. in Vit. Ure- 
gorii M. II. 



Digitized by Google 



Amor und Psyolie. 



47 



Nach einem Gebote oder Wunsche, desMoj 
Krföllung von Gott erfleht wird, hat A. eine 
Optative Bedeutung. Sclion der hl. V a u- 
Ins deutet darauf hin (I Kor. 14, 15), dass 
zu Zeiten der Apostel am Schlüsse des Ge- 
betes mit A. geantwortet wurde. Und Cy- , 
riü von Jerusalem nennt das A. am SoUune | 
die Besicgelung der Bitten des Vaterunsers 
(Catech. mystagog. V, c. 16); Hieronymus 
Epnt. ad Mareen, erklirt ee für gleichbe» 
deurt'iul mit fiat. Nach dem fiehete zu 
Antang der hl. Messe, das wir heute noch 
Colleete nennen, weil es die Gebete und 
Wfimehe aller Gegenwärtigen in sieh vcr- 
eoiigen wollte, antwortete dm Volk laut 
A. (Justin, Apolog. I, 0. ()7), und dieses 
A. wurde so laut und kriifti;; gesprochen, 
da.s8 Hieronymus in Epist. ad (Jalat. II es 
mit dem Holleu des Donners vergleichen 
Iraonto. In Ofttativer Bedeutung ist A. auch 
zu nehmen auf einem Kpitaph l)ei Muratori 

Thesaurus UHH»': MAHOC KEQKST IN 

FACE AM. d. i. Maro» möge ruhen im 
Frieden. A. 

Wenn das Gehet etwas enthalt, dessen 
Vollbringung obliegt, so liegt im A. der 
Ansdrack derBeistimmun|i^, des GntseUnssee, 
es zu thun, der A u s d r u c k d e s 1 m p e r a- 
tivs für den eigenen Willen. ,\V'eun 
«neh der Priester,' sagt der M. Augu^m 
contra Epist. Parmenian. 11, e. 7, ,allein im 
Ueiligthume ist, so betet doch das Volk 
mit mm und erwiedert, sein Oelflbde |ifleieh- 
tam unterzeichnend: Eine imperative 

oder, wie Innocem III de sacrif. Missae 
II, e. 26 sagt, confirmative Bedeutung hat 
wol auch das A. auf einem bei Oestrich, 
dem Hauptorte des alten Hheingaues, ge- 
fundenen und im Sigmaringer Museum be- 
wahrten ornainciitirten Browseringe mit der 
Inschrift: IN Dl NVMINE Ä. d. i. in 
Gottes Namen. A. (Zur Verherrlichung 
Gottes soll dieser Ring gebraucht werden). 
Vgl. Brckrr Aelteste Spuren des Ghristenth. 
am Mittelrhein mOnz. 

AMOB und PSYCHE. Das von ApuU ius 
•einem beröbmten Roman (nicht eben ge- ^ 
Sehickt) eingefOgte Märchen von A. u. P. 
hat wol nicht, wie Siebuhr kl. Schriften, 
2. Samml. 263 geglaubt, seine Heimat in 
Italim, sondern ist vielmehr Umbildung j 
einer verrauthlich uralten orientalischen Er- 
zählung. Vgl. Betif^ij Pantschatranta 1 2")."). 
Dies hütte sdion aus inneren Gründen Srho- 
pmhauer Parerga II A\^-\ gesellen. Vgl. 
Erw. Rohde üb. Luciauä Sehr. Lucius ovo« 
und ihr Yerhiltniss zu Lucius t. Paträ 
und den Metamorphosen des Apuleius, Lpz. 
Iä6d, 18. A. Der allgemein menschliche 
Inhalt der Ersihlung, dieser Oesehichte der I 
>^el<' im I;el)en wie im Tode, (lii> in ihr. 
sich auiuprechendc tiefere Lebensanschauuug 



(s. 0. miler Hdb. d. Archäol. § 391, A. 9), 
die Idee von der Prüfung und Läuterung 
der P. und ihrer einstigen Wiedervereini- 
gung mit Eros im .'«eligen Jensmts — das 
.\Iles machte dieses Siijef «ranz «geeignet, 
auch von der christlichen Kunst in Anspruch 
I genommen zu werden. So finden wir denn 
in der That dassellie ziemlich häufig auf 
den Wandgemälden der Katakomben {de 
I Rom Bull. 1865, 98), wie auf Sarkophagen; 
es gehörte offenbar zu den btdiebtesten Dar- 
stellungen dessen, was de liossi das sistema 
eeoterico der altchrntlichen Malerei nennt. 
Uebrigens lässt sich ein fünffacher Mo- 
dus der Darstellung erkennen: einmal er- 
scheinen A. u. P., letztere mit einer langen' 
Tunica bekleidet, beide beschäftigt, einen 
Korb mit Blumen zu füllen : namentlich 
auf einem Sarkophag des Lateran-Museums 
und auf mehreren Fresken der Katakomben 
(de Rossi Bull. a. a. ().): sodann, und dies 
ist der gewöhnlichere, wie beide nackt oder 
P. nur mit einem wallenden Gewände be- 
kleidet sich zärtlich unisclilingen und küssen. 
So auf einem äarge aus ä. Pietro und Mar- 
oelliD mit der Auftehrfft: ZACIVIECE8- 
QVE HN PACE UV Ayincourl Sc. IV 3. 5), 
auf einem andern aus S. Callisto {üorlhcote 
K. S. Fig. 32, Kraus R, S. Fig. 58, 2. A., 




Fig. S7. Amor aiid^Ptjr^M|^8«rkophacr«llar 



«at 



und hier Fig. 27). Der dieselbe Darstellung 
bietende Sarkophag in S. Agnese {Marun- 
f/oui delle cose gent. 4''. l'/afnn Heschr. 
Roms III 2, 45UJ ist dun Ii ilinsetzuug des 
Brustbildes wol erst später ein christliches 
Monument geworden. Der Kondo d'oro mit 
dem nämlichen Sujet hei (Jurrucci Vetri 
XXXV* kann ebenso gut heidnische wie 
christliche Arbeit sein. Eine dritte Dar- 
sudlung auf einem Sarkophag des Lateran 
zeigt wieder die Yendemnia, in der Amo- 
rinen beschäftigt siml. un<l P. dem A. Trau- 
ben bringt. S. Brunn d. Mus. d. Lateran. 



Digitized by Google 



48 



Amphitheater — Anul«. 



TÜb. Kunstbl. 1844 , 330. Der christliche 
Charakter des Sarjjes ist durch andere 
Bildwerke gesichert. Auf zwei pisani- 
SChen (Gampo Kante), durch das Hild des 
guten HirTcn nU alt<}iristlich charakteri- 
sirten Sarkophafjen »tehen A. u. P., beide 
nackt, an den vorderen Ecken des Satzes. 
Endlich halten A. u. 1'. auf einigen Sarko- 
phagen das Bruiitbild des Ehepaan (dahin 
zUito ieh d« Roni R. S. I tav. XXXV 
XX Xr' 11, *). Der im vaticanischcn Ooe- 
nivturium ausgegrabene, dann zum Grabmal \ 
Leo*s I, II, III n. lY benfltzte Sarkophag, I 
welcher jetzt in der Kapelle der Madonna 
della Colonna in der Peterskirche steht, { 
stellt Christus zwischen den zwölf Aposteln ; 
vor : über einem kniccndcn Ehepaar steht 
der Herr, rechts und links zwei kleine Fi- 
guren, von denen die eine eine Fackel hält, 
die andere die Hände emporhebt. Mit Recht 1 
dürfte Piper Mythol. I 217 hier A. u. P., 
auf das Schicksal der Seele und ihre Hoif- 1 
nung im Tode deutend, erkennra. kkaüs. l 

JJEPmTIIEATERy s. Coloflsenm. i 

AM4»ierPA. 8. Vorhang. I 

AKPÜLLBN, 8. Gefiase. 

AMVIiA. (auch ama) war in der alten 

Kirche jenes Gefiiss, worin der Wein, wel- 
chen die Gläubigen opferten, am Altare auf- 
bewahrt wurde, bis der Wein in die Kelche 
aus<;e;;os8en wurde. Dap 
her heisst es in dem 
OiuloRom. In. \\\: .pon- 
tifioe oblationes popuk>- 
rura »uscipiente. an lii- 
diaconus suscipit post 
eum amulas et refundit 
in caliceni maioreni.' 
Ihren tarnen bekamen 



diese Gefasse von ihrer oben runden imd 
schmalen, unten aber weiten, den W'a«ser- 
eimern (ajirj, hama) ähnlichen Gestalt. Solche 
Oefaase waren in grosser Gestalt nothwendig, 
so lan<;e die GIäul)ip:<'ii bei der Liturgie je- 
desmal communicirten und hiezu den Wein 
opferten. Binterim Denkw. IV 1, 183 ver- 
muthet mit R('< lit, dass solche annilae auch 
für die Opfergabun vou Gel und Wasser 
vorhanden waren. Nachdem dieser Opfer- 
fXebrauch aufgehört hatte traten di«' klei- 
neren urceoli oder anipullae in Gebrauch, 
das, was wir heotzotege .MesskSnuchen* 
nennen. Die amulae, auch amulae offerto- 
riac oder oblatoriae genannt, waren, zumal 
in grösseren Kirchen, von schwerem Ge- 
wichte, bisweilen, nach dem Zeugnisse des 
Hibliothekars Aiiasfmiits (Lib. Pontif.), 12, 
15, 20 und noch mehr Pfund wiegend, hio 
und da von Gold und Silber, und nach &en 
Briefen Gret/ors <I, Gr. üb. 1, ep. 4_' sotjar 
mit Edelsteinen besetzt : so wird nanilich 
Chregon ErwShnung von ,anmlae unychinae, 
zu verstehen sein. Bianvhini in Not. ad 
Anastas. Biblioth. II 179 veröffentlicht die 
Abbildung von swei alten, werthvollen und 
elei^'aiitcn .amulae' nnt Si-ul|>turen ; auf der 
einen ist Christus in Mitte seiner Jünger 
dargestellt in dem Momente, da er zu Kana 
Wasser in Wein verwandelt; die zweite 
zeigt uns Christus and einige Apostel, ebenso 
Tauben, unter ihnen das Kreuzzeiehen, und 






FIf. M. Anvia. MmiM OriillaBO 4n 



riff. so. Ama Iii. Mu^«o CrtollM« 
Vatic«a. 



Dlgitlzed by Google 



Anmiete. 



49 



m nntem Theile Schäfchen. [Ein gleich- 
falls von Biaiichini mitf^theWte^ und auf S. [H 
wiedergeffebenefi Exemplar zeigt die Heilung 
dei Bthrap^bornen. Zwei andere des Mn- 

.spo f'ri-jriiiiu) im Vatii-an vecden hier zum 
erstemnale publicirt ; sie wraen den Kopf 
des ErlSeen mit dem getheflten NimhiM und 
einen Heiligen (Christus?) mit einfachem 
Nimhu» auf und dürften dem Anfange de« 
4. Jahrb. angehören. K.J Die Darstellung 
auf der ersterwähnten A., vielleieht schon 
dem 4. Jahrh. entstammend, steht offenbar 
in Verbindung mit der priesterliehen Con- 
wenitioiiBgemilt. krOll. 

AKULETE, Das Wort kommt zuerst vor 
bei rm, N. H. XXIX 4, 19; XXX 15, 

47 al. und zwar als (iiv^'cnmittcl L'i'iren Gifte 
(wneticioram amuleta;. Diu Ableitung ist 
itrittig: nach den Einen wftre eg lateintRch 
(von amoliri sc. fa^cinum, Altwehr des Zau- 
bers), nach Andern und wahrscheinlicher 
arabiiich (hamalaf tragen, weil die A. am 
Körper getragen werden), wir jii auch das 
denselben Bet^rifT ausdrüekende ,'rahsniiui' 
= Ts^cojAa durch Vermittlung des Arabi- 
aehen sn nns gekommen ist. Der j. ara- 
hisohe t. t. ist jedocli kameä , womit man 
den ^«amen der erhaben geschnittenen Steine 
«Cameen^ zusammengebracht hat. Das A. 
T. verbot fli n Gebrauch derartiger Zauber- 
mittel aufs strengste; gegen die uralt heid- 
lUBche Anrieht nm dem Einflnme der Pla- 
neten und anderer Mächte auf die Ge- 
schicke der Menschheit spricht die gesammte 
U. Schrift, aneh der alte Spmeh in roazzal 
toJisrael erkh'irt, die fJcschirkf Israels wer- 
den durch die göttliche Vorsehung, nicht 
durch die Planeten regiert. Gleichwol tref- 
fen wir als Eriwtflcke de« Heidenthums 
fchon bei den Juden A. sownl als Schmuck- 
üachen wie als Zaubermittel: so die Ohr- 
ring«, welche Jakob den Seinigen abnimmt 
untl vergräbt (Genes. 35, 4), die kleinen 
Monde (saharönim, lechaschim), welche die 
Frauen, wie jetii noch im Orient, rieh an« 
hiengen (Jos. 3. 18- 23). Dagegen ist es 

?\,ia unberechtigt, die Zizith und die 
ephilim (vgl. Exod. 18, 2—10, 11—17; 
Deut. 6, 4—9, 13-22), d. i. die Leder- 
kapseln mit biblischen Sprüchen auf Papier- 
streifen, welche die Juden bei sich tragen, 
zu den A.n zu rechnen, da diese nicht als 
Mittel gegen Zauberei, sondern nm nn das 
Gebot Gottes zu erinnern empfühlen wer- 
den. In ganz ahnlicher Wetie mflRsen die 
den alten Christen gestatteten Knkolpien. 
Phylakterien und Medaillen (s. die Art.) 
Ton den ihnen durch die Gesetzgebung und 
den Geist der gesammten alten Kirche nn- 
tenagten A.n unterschieden werden — ein 
Unterschied, den namentlich die protestan- 
tischen Schriftsteller meist fibersehen, auf 

BMUEaqrklopUlc. 



1 den kürzlich de Bossi in s. Abhandlung 
le Medaglie di divozione dei primi sfi o 

jsettc seculi della chicsa, Bullet. bes. 
p. 69 nfther eingegangen ist. Schon brny- 

'Armi libr. XVI 5 f r- \u o'A) hat zahl- 
reiche Stellen gesammelt, welche das Ver- 
bot abergläubisoher Zanbemnttel und A. 
darlegen; de Rossi hat sie noch vermehrt. 
Vgl. Chrysost. in Ps. IX 15 fp. 137); der». 
Horn. VI c. Jud. (I ."ise): Horn. VIII in 
Coloss. (p. 1374); dflu.s. bei ThUl Kpist. 
Koni. Pontif. a s. Ililaro ad Pelagium II, 
I 409 (,ph}iacteria omnia quae non ange- 
lorum, nt ilU eonfingont, sed daemonum 
magis conscripta sunt nominibus': Autjmt. 
Serm. CLXlil de tempore: ,auguna non 
obsenrant, phylaeteria et charactere« dia* 
bolicos nec sibi nec suis suspendant') ; Conc, 
'i'inll. c. (U; Cotic, Roman, sk. TU. Uleicb- 
wol giong der Ctobranch solcher A. au« dem 
Heidenthum auch zu den Christen über. 
Während noch Irenaeus II 57 es ausspricht, 
das« derartige ^ubermittel in der forche 
unbi>kannt seien, bezeugen die Schriftsteller 
des 4. Jahrh. das Einreissen solch' heid- 
nischer Unsitte. So beklagt es Hieronymus 
Bpist. LXXV 3, dass A. im Unüanf seien 
mit (liüixdischen Anrufungen .quae ad ini> 
pcritorum et muliercularum animos eond- 
tandos qnari de hehraieis fontibns hausta 

barbaro simpliees quosque terrent 8ono\ 
Aehnüch äussern sieh Athatiasim bei Mont- 

faue. Coli. noT. II 104 ; AuqusHmts in Joh. 
Tract. VII: Basü. in IV XLV 229; Cfin/- 
aostom. ad illum. Catech. II 5; ders. adv. 
Jud. Viri 5—9. Die Aeusserung des Chryt. 
Horn. LXXIII in Matth, p. 627 (S y^T^rj. 
pia ixaXouv uic roXXal vuv täv Yuvai/<T»v £t>- 
ifjikui Twv TpoynrjXfov |$apT»ii<Jat tyoun) ist 
von Bingham ganz irrthümlich so aufge- 
fasst worden, als stelle d<T Kirclienlehrer 
das Tragen von Evangelien den A.n gleich. 
Eher könnte dies bei Hienmym. in Matth, 
libr. IV c. 23 f.hoe ajnid iios supiT-^titinsac 
muüerculae in parvulis evang(diis et in 
crucis ligno et istiusmodi rebus, quae ha- 
bcnt quideni /cluni Dei, sed non scciindum 
scientiam usque hodio factitant, calicem 
liquantes et camehim glutientes*) geftinden 
werden; indessen erhellt der wahre Sinn 
dieser Rüge aus einer andern, bereits von 
de So$9i angeführten Aeus.serung desselben 
au« »einer Schrift adv. VigOantiuni. Vigi- 
lantius hatte das .Xnzünden von Lichtern 
an den (trübem der Märtyrer als heid- 
nischen Aberglauben bezeichnet; der grosse 
Kirchenlehrer nntwnrtcrc ihm: ,quod si ali- 

iqui, de quibuH pos.sumu3 dicere, confiteor, 

I Dei Belum habent, sed non seenndom seien- 
tiiim. hoc pro honore miirfynini faciunl. 
quid inde perdisV Causabantur quondam 

'et apostolici, quod periret unguentnm, sed 
Dei Tooe oorrepti sunt. Ncque enim Chri- 



Digitized by Google 



50 



Amulete. 



stus indipohat ungucnto ncc martyres lu- 
minc arcorum; et tarnen iUa mulier in bo- 
norem Christi hoe fecit, devotioque mwitiB 
flios redpitor; et qoicnmqiie aooendmift e»* 
reo«, Reoandiiiii fidem tiutm habent meN 
oedom/ 

Die bei GhriBten miasbräuchlicher Weise 

vorkommenden A. lassen sioh in zwei Klas- 
sen theilen: in solche, denen zur Empfeh- 
lung, zur Einschmuggelung bei den Christen 
der Xatiic OlirNti odor «'in christliches Sym- 
bol beigegeben ist, die aber im Uebrigen 
wesentlich auf heidnischen, grieohisch-Hhni- 
Rchon und orifMitalischon Ursprung: weisen; 
und in solche, die einen jüdisch-kabbaiisti- 
aehen Charakter haben. 

Dass man den heidnischen A.n den Na- 
men Christi boif^nb, um sie bei den Christen 
abzusetzen, bezeugt Auf/ustin. Tract. VII 
in loh. (IX 27) : ,iingunt spiritos mali um- 
bras (|iiasd!ini honoris sibiniet ipsis, ut sie 
decipiunt uus qui sequuntur Christum. Us- 
qoe adeo, ut iUi i)Nd qni «edacant per liga- 
turas, per praecantationes , per iimohina- 
menta inimici, misceant praeeautatiouibus 
suis nomen Christi, qnia iam non posaunt 
sedueere christianos, ut dcnt venenum, ad- 
dunt mellis aliauantum, ut per id quod dulcc 
eet lateat quoa anwmni Mt et bibatnr ad 
peniiriem.* Zu dieser Klasse mag ein Theil 
der sog., aber unei^ntlichen Abraxen (s. 
d. A.) zu zählen sein. Ferner die merk- 
würdigen Münzen mit dem Bilde und der 
Umschrift des Königs Alexander von Ma- 
oedonieu und dem Monogramm Christi und 
ähnlichen Symbolen. Ygl. Vettori Diss. de 
vetustate et forma ^fonogrammatis sanetis- 
»imi nominis Jesu, Kom. 1747; Paciaudi 
Osservazioni sopra alcune singolari e strane 
Medaglie. Xap. 1748. Aus letzterer, hönhst 
seltenen iSchrift ist bei Kraus das Spott- 
cmcifix Tora Rdatin und ein nenentdecictea 
Graffito, Freibg. 1872, Fig. III eine Me- 
daille wiedergegebeOf welche auf dem Avera 
den Kopf Alexanders mit der ünischrift 
ALEXS^DKI, auf dem Rovers eine Eselin 
mit Füllen und der Legende D N IHV 
XPS DEI FILIVS. Von derartigen Mün- 
zen spricht Chnjsost. Homil. ad ill. Oatech. 
II 5. Vgl. auch Cavedoni li<»vne numis- 
matique, 1857. Zu der nämlichen Klasse 
von I)enkmälem rechnet de Rom a. a. O. 
(U den bekannten magischen Nagel, der 
1845 in Neapel gefunden wurde: Ann. dell' 
Istit. di oorrisp. areh. 1846, 216, nnd dessen 
Inschrift eine Beschwörung der TX)MNA 
AKTEMIX enthält, endigend mit den Wor- 
ten: TER DICO TER mCAOTO IN SIG- 
NV DEI ET SlfJNV SALOMONIS ET 
SIGNV DE NOSTKA ARTMIX. Jcdcn- 
falls ein Rest jener bekannten, aus Juden- 
thum und Heidenfthnm gemischten An- 
aehaunng. 



Von chrij^tlidi - jüdifirhen A.n führt dt 
Rom von Lovatti in Horn bei einem Anti- 
quar gesehene Kupferplättchen mit der In- 
Schrift: BIOIT TE LBO DE TRIBY8 lY- 

DA RADIS DA^TD \\ IESV^(^STVS |! LI- 

GABIT TE BRA \\ TIVS DEI ET SIGIL 
LVS SALOMONIX ABIS NOTTVRNA 
NON BALEAS AD |I ANEMA PVRA ET 
SVPRA QVIS Ii VIS SIS und das aus 
dem Museum Campana in daü Louvre Uber- 
gegangene Silberpltittchen an, welch' leti- 
tere« von Fröhner Bull, de la Soci^t^ des 
Antiq. de Normandie VII 217 (Caen 1867), 
dann Ton F, X. Krau» Nass. AnnaL TK 
123 ff. illustrirt wurde. Die griechische In- 
schrift dieses merkwürdigen Amulets, eine 
Beschwörung gegen Fieber, Gift, Epilepsie, 
Wasserscheu, bösen Blick, nennt ausser dem 
grossen uJid hl. Namen CJottes die Namen 
Dam na nie ne US, Adonal, lao, Sabaoth , Sa- 
lomen, den Engel Mechlis; » inen positiven 
Anhalt, das Ainulot mit Christen in Be- 
ziehung zu setzen, vermisse ich durchaus. 

Gotho/red, Cod. JTtMd, IX, 16, 8 und 
Iii)if/ham haben die Behauptung auff^'^^tellt, 
die Väter verurtheilten den Gebrauch der 
ab Phylakterien getragenen E^angelienTerae 
u. dgl. ebenso wie dj-njenigen der A. De 
Rossi hat, wie gesagt, diese Meinung ab- 
gewiesen und auch auf Augmtin. in Joh. 
Tract. VTI 12 sich berufen, wo diejenigen, 
welche Phylakterien mit Evangeliensprüehen 
tragen, gerade im Gegensatze zu denjeni- 
gen gelobt werden, welche mit A.n umher- 
^.jehen; der Kirchenlehrer setzt indessen 
hinzu : si ergo (evangelium^ ad caput poni- 
tur, ut quieecat dolor capitis, ad cor non 
ponitur, ut sanctur a peccatis? 

Diesse Aeusserung, dann die zahlreichen 
Stellen, an denra Chrygostomti» fordert, man 
solle statt der A. Kreuze tragen (Tfom. 
VlU in Ep. ad Coloss. § 5. 6; Hom. Xil 
in I Cor. § 7 n. a. f.), endlich ^e Reihe 
anderer Aussprüche imd Thatsachen zeigen 
weiter, dass, wenn solche christliche Phy- 
lakterien zunächst nur das Vertrauen des 
Trägers dessellien auf Gott u. s. f. aus- 
drücken und rege halten sollten, sich doch 
sehr bald auch die Vorstellung einstellte, 
dass denselben eine positive, dem Gegen- 
stand selbst inhärirende Kraft gegen Zau- 
ber, Gift, Krankheit einwohne (conserva- 
toria). 

Mariiginj (A. Amulet) zählt dic-^er Klasse 
der A. eine Reihe von Denkmälern bei, 
hhisichtlich deren ich nicht zugeben kann, 
dass ihr Gebrauch in diesem Sinne bewiesen 
ist. So jene B'ische von Bronze (einen 
mit der Aufschrift CCOCAIC giebt Costadoni 
IV 22) oder Glat (bei Costadoni n. 20, G\h». 
fisch mit Gehren zum Aufhingen)* welche 



Digitized by Google 



AMtdionton — 'Ava8«(Mu 



51 



nuin an sich trag; 

ji'iie mit dem Mono- 
gramme hmti gezier- 
ten {^Idenen oder 
silbernen Medaillons 
(AringhilYl, c. 23; 
8. Fig. 31), wie deren 
soeh dm hL G«mia- 
nnsvonAuxerrooincs 
an die hl. Genovefa 
schenk to (Stephan. 
Tomaretis. Epist, 161 l)ei fieortji de Mo- 
nogr. Christi 14), und auf deren Rückseite 
man soweileii das eigene BfldniM «nbraehte, 
wie das von de Rossi (Bull. 1S09, pl. 3, 
8. Fig. 32) abgebildete Exemplar zeigt. 




1%. Sl. MadaJUoB. 





Fip. 33. PbyUkterioil. 



nr-st. 

Weiter jene Glaspastc mit der Gebart Chri- 
sti, welche (rori in s. Ossorv. stipra il Pre- 
lepio bei Sannazaro Parte della Yergine, 
Flor. 1740, TerSffentlieht, dann ÄUtgramu 
Spiof^a/ioiii etc. 04 besprochen hat ; des^I, 
das nach FabreHi 594, n. 122 hier abge- 

bildete Phylakterion 
in Gestalt einer Hand 
mit dem Spnirhlwmd 
ZHCEC; endlich jon« 
Phylakterien, welche 
V. Orpjror (1. Gr. der 
Könij^in Thoodelinde 
für ihren neu^ebor- 
nen Sohn sendet : ox- 
cellentissimo autem 
filio noetro Adulou- 
vnldo rej^i traiisniif- 
tere phylacteria curavimus, id est crucem 
emn ligno innetae cmcts liomini, et leetio- 
nera sancti evan«2^elii theca Persica inolu- 
«am (Epist. Üb. XIV 12, a1. 7), und von 
welchen Frisi Mem. della cliiesa Monzese 
II tav. 1 zu p. 52 das Kreuz abbildet ; v^l. 
auch Mozzoui Tav. cronol. «er. VII p. 
Das Aufbewahren und Heisichtra^en der- 
artifjer Phylakterien muss in derselhen Weise 
l)eurtheilt werden , wie das Traj^on von 
Reliquien oder der hl. Eucharistie; daher 
linden wir auch, dass man sie den Todten 
m-^ Grab niit^-iel>f. ähnlich wie die Reli- 
uuien. Ciampini Vett. Monum. lib. I c. 16 
lihrt mehrere bei Abbrach der alten Pe- 
terskirche zu Tage ^rtrctene Chpabfunde an, 
welche silberne, bronzene oder bleierne 
Kistehen aeigten, in denen wahrscheinlich 
Ptotgamentbiattehen mit Evangelientexten 



enthalten waren. In dem angebliehen Grabe 

des hl. Barnabas auf f'ypeni fand sich das 
vermeintlich von ihm geschriebene Exem^ 
plar des HatthSus-Erangelhims (IfofwJlf 

Kalend. Cpolit. I 231), ein apokrypher Fund, 
den Martiyny mit Unrecht für authentisch 
hält. Dagegen erinnert derselbe mit Rocht 
an die hier herbeizuziehende Sitte, das 
Evanffelium in den Häusern aufzubowahron 
{Chnjs. in Job. c. 31) und sich desselben 
als Schutzmittels gegen Feuersbronst cn 
bedienen {(rreg. Turou. de vit Patr. c. 6). 

Christliche Phylakterien, welche durch- 
aos in die Klasse der A. einanreihen sind^ 
wurden in neuerer Zeit endlich mehrere 
bekannt gemacht. So das in den Mem. 
deir Aeead. di Oortona YII 44 bekannt ge- 
machte, auf welchem .Jesus Christus von 
Nazareth, der Uott der Heerschaaren' an- 
gerufen wird (Gab. Stosch); so femer das 
von Perret mitgethcilte , welches Gott um 
seinen Sclmtz anfleht; und namentlich das 
bei Beirut gefundene, jetzt im Medaillen- 
cabinet der Bibl. nationale zu Paris be- 
wahrte Amulet, welches F. Lemrmant bei 
Cahier und Martin Melanges d'Arch. III 150 
herausgab. Dasselbe ergab die Legende: 
e;op/i'CMJ ;[^'^« SatTAiic, |i (xai ^Taup£ fi£ 
vt<J*ovj II , Iva ^i^ROTZ xaTaXctin)C tiv t6 jj rov 
«ov, hA -Kp d II v^}iaTt Toü xu |j pfou Bsoo («W 
Ii -o;. 'Avtpio? II jxevov irt t<o || -zftT.t^ xlfi || 
Ti^v iictxt^p II ttstf. Der Zusatz: ,gele8en in 
dem Wohnhaose derer, welche gesalbt wurde* 
lässt vcrmuthen, da^w ein Priester selbst es 
w^ar, welcher das Amulet fertigte und es 
der Kranken gab: es erklärt sich daraus 
der eigenthümlichc Kanon 36 4m CcncIL 
Laoilicens., welcher die Kleriker excomrau- 
nicirt, die da Phylakterien, oxiva ijTi ^t3[uo- 
TTjpia Tiüv «{»y/wv u'j-rov, fertigen. Es war 
dies ohne Zweifel V(»n der {jesammten Kirche 
missbilligt, muss aber als veranlasst und im 
Zusammenhang erktirt werden dnreh den 
F^.xorcisnuis, der stellenweise auf die letzte 
Uelung folgte. Das bei Martine de antiq. 
EocI. Ritib. III 250 abgedruckte Formular 
eini^r derartif^en Beschwörung hat mit der 
Beirut'schen Inschrift die grösste Aehn- 
lichkeit. 

Ueberdte späteren mittelalterlichen A. und 

Talismane vf^l. lieichelt Kxeroit. de Amule- 
tis, Arfjent. 1670. Kine eingehende Be- 
sprechuuf? der mit abergläubisclicn Formeln 
beschriebenen Hleij)latten hat de Iit)<<i Huü. 
1878, 74 versprochen. kkau.s. 

ANACHORETEN, s. Mönchthum. 

ANArN(i)rrH:, s. Leetor. 

ANAAOXOl, s. Taaf^then. 

ANASEMA und ANAOaMA (Donaria), s. 
Weihgeschenke. 



Digitized by Google 



62 



Aoathem« und AnatlieroAUsmeo — Angeli ecclesUram. 



AKATHEMA und ANATHEHATISMEN. 

Obffk'ich nach Paulus und Judas (5, i>; dem 
Herrn das letzte Gericht über die Strafbar- 
keit eines Menschen ^^elassen werden hoH, 
kommen doeh sehr früll in der Kirehe. un- 
iweifelhafc im AnMhluss an die Kluchfur- 
meln der Syiwgo^^ positive Verwün- 
8ch u n jjsf o r m e 1 n auf; aln solelie kann 
achon das -apaooüvai So-ravo 1 Kor. 5, 5 
Kelten. Eäne Sammlung Mlcher alten Fluch- 
formeln, die im MA. an Orassliohkeit noch 
zunahmen, giebt Morthte de antiq. eccl. rit. 
m 432 (vgl. II 324). Zu den alteren die- 
ser Formeln ffehört jedenfalls diese : fiat 
habitatio eorum . . . cum Core, Dathan et 
A.¥nm, Juda atque NatO) Anania atqae 
Sapphira, Nerone atqae Decio, Herode, Ju- 
liano, Valeriano et Simone Mafi^o. Sehr 
merkwürdig ist auch die von Paciaudi de 
sacr. balneia 164 n. 2 mltgetheiltc Fluch- 
formel, welche sich in dem Testament eines 
Bischofs findet, der seine OOtenM'henkunjf 
an ein Kloster mit der Kxeonimuni<'ation 
lata iu«li< iali sententia bet,'leitet und dieseHK' 
durch nuehstelienden gegen Alle, welche 
seine Verfügung anzutasten wagten^ ge- 
richteten Fluch hekräftij.'-t : sit malt'dirtus 
a Domino Deo omnijpotenti et a trecentis 
decem et octo deifens Patribus et haereaes 
niiilidictionis Judae proditoris. Diese An- 
rutung der Kache der nictLnischen Väter 
(w^n Dogmatisimn^ der Oottheit Christi 
deiferi hier gen.) kehrt auch auf Inschrif- 
ten und anderwärts wieder. Vgl. Jacut. 
Exercit. phil. ad sepulcr. titul. Bonusae et 
Mennae, Rom. 175H: Martigitij i. v.). 

Bekannt ist die Sitte, die docrmatischen 
ConciUbeschlüsse mit einem ,anatlienia sit' 
in beschliesien; speziell nennt man Ana- 
t h e ni a t i s m p n <lie luM-iilunf'-ii ! 2 von Cv- 
rill auf der Synode zu Alexandrien 430 
auff^eetellten ^tze gegen Nestorius, der 
diesen seine 12 Gegenanathematismen ent- 
gegensetzte {Mami IV 1082; Hardoum I 
1291 ; Jfor. MemO, ed. Migne 909; Mattti 
IV 1000: TJardmdH 1 1298; Tgl. He/OeCQ. 
II 170 «.). 

IMe Unverletzlichkmt des Grabes war 
ein (Je'jenstand , der den alten Christen 
nicht minder als den Heiden am Herzen 
lag und der ihnen daher auf ihren Grab- 
schriften zahlreiche Verwüns<'liunf,'eii gegen 
die Störer ihrer Buhe ablockte. Vgl. <!. Art. 
Grab. KKAi's. 

ANAKAMIITHPIA nennt Euseh. Vit.Const. 
IV 59 gewisse? Nebenräume der Apostel- 
kirche in CI*. Musculus Übersetzt das Wort 
mit deambulatorii receasus, Valesias mit 
äiicrsoiiu, Stroth: Zimmer, worin man ab- 
treten kmmte. Bingham lib. VIIT 7, ITT 
277 denkt mit Valesins an klein4' Herber- 
gen für arme Fremde, dann aber auch an 



Räume, in denen die Asyl in den Kirchen 
in Anspruch nehmenden Personen Schlaf 
und Nahrung nehmen konnten. 

ANAKTUPON, xö, Herrscherwohnung, 
offenbares S7non3rmon Ton Basilika, wurden 

bei den Alten besonders das Innere, daa 
Allerheiligste, wo die Orakel ertheilt wur- 
den {PluL, Lobeck Aglaoph. I 59 und 62), 
dann vorzüglich der Tempel der Demeter 
zu Eleusis und die Dioskurentempel genannt. 
Euseö. Orat. de laud. Const. c. 9 (ed. iici- 
nichen 449) gel)raucht den Ausdruck dann 
von der vnn Cunstantin in Antiochien ge- 
bauten Basilika. 

ANA<lU)PA = zpoj^op«, ohlatio, die Dar- 
bringung der eucharistischen Gestalten in 
der Abendmahlsfeier. Siehe Eucharistie. 

ANAPIANTES. Unter diesem Ausdruck 

begreift man die einundzwanzig Homilien, 
welche Joh. Ch njsostomus an die Antio- 
chener hielt, als diese die Rache des Kai- 
sers Theodosius durch Umsturzung seiner 
und seiner Gemahlin Flacilla Statuen her- 
ausgefordert hatten, und deren l'eberschrift 
tl; -'j-j; -ivop'.ivta; hiiiti r. Wahrscheinlich 
sind diese Homilien im J. :i>^.'< oder 3*^7 ge- 
halten worden. Sie stehen in der Ausgabe 
Montfauoons (Naehdr. Paria 1838) im IL 
Bande. 

' ANGELI ECCLESIARCH. Mit diesem 
Namen pflegte man in der alten Kirche die 
Bischöfe zu bezeichnen. Cfr. Socrat. Rist, 
eccl. IV, c. 23. Der Ausdruck gründet sieh 
auf Apnc. 1. 12 ff. In der Verzückung 
schaut Johannes sieben goldene Leuchter 
und in Mitte derselben den Herrn, welcher 
in seiner l'fchten sieben Sterne hält. Ks 
wird ihm sodann geotfenbart, die siel>en 
Leuchter seien eben so viele Kirchen, die 
Sterne aber seien die Enp-l derselben (v. 
20); zugleich erhält er den Auftrag, au die 
letsteren au schreiben. Wihrend nun Manche 
nach dem Vorgange des Ti/chom'Ks ny. Au«;, 
doctr. Christ. III iO unter den Engolu nichts 
anderes verstanden als die Kirchen selbst» 
daclite Orig. Horn. 20 in Num. e. 4 an 
wirkliche Engel, denen die Aufsicht über 
die Kirchen und der Schutz derselben über- 
tragen sei. Nach der gewöhnlichen und 
zweifelsohne richtigen Deutung Bind aber 
die Vorsteher der Kirchen, die Bischöfe ge- 
meint. So Ai4g. Ep. 43 (al. IH2) c. H, der 
sog. Avthroflastci- 7M T K*)r. II. 10, die wol 
von dem nämlichen Verfasser herrührenden 
QutusU» ex utroque fest, mixthn qu. 102 
finter opp. Aug. ed. Bened. t. III a))pend.), 
Epiphati. Haer. XXV, c. 3; ferner Primas. 
BtdOf Berengaudf die glossa ^rdin. s. Apoe. 
1. 20. Als Knj:!'! wcrilen die I>iseli(")fe 1>0- 
zeichnet, weil sie gleich jenen Gottes Wii- 



Digitized by Google 



Angelvm paeb poitulare — Anker. 



63 



len den Mensolini zu verkünden haben, wie 
denn «neh Mal. 8, 7 in diesem Sinne der 
Priester •■in Kn;r('! des Herrn der Heer- 
tMrhiiaren heiaüt; ferner darum, weil sie die 
änen «nTertniuten Seelen leiten undtolilltten 
•ollen: < fr. Hrhr. 1. 14. Das ^fmbol de« 
Sternes aber deutet ihren Beruf an, durch 
heUigen Wandel den Glfiu))i^en vorzuleneh- 
t*»n und in den SfürmtMi dies(<s Lehens ihnen 
als WofTweiser zu ilu ni'H. mmsleh. 

A^GELUM PACIS POSTl LARE. In <h'r 
bei Chrysost. lioni. 11 in 11 Cor. 7-40 (5 in 
ed. Franoof.) aufbewahrten Formel de« Oe- 
meindefTobotos für die Katerhunicnen for- 
dert gegen Schluss der Diakon die Kate- 
chtunenen auf: tiv Sr^xtkw t^c tl^rr^i; il- 
Tr^ia— . Ol xaTTiyo'jfjLavot elpr^vix« 'j\l--> -'hzt 
TZ spoxet}isv3 u. 8. f. Von dem Gebete um 
denselben Engel d^ Friedens spriebi Chrys. 
Homil. III in Coloss. 1338 (ed. Fr. 176), 
Horn. XXXV in Ascens. V 535 (ed. Fr. 
XXXVIII 477); ebenso erwähnen dasselbe 
die Constit. Aposf. VlII M] {-h-* a-jTtXov tiv 
Irl tJjc sipVTjC) und M. liinifham XIV 4 
(VI 215) ist der Ansicht. da.<»s hier nicht an 
ein»'ri 8rhut/.rn;,'el zu denken ist, sondern 
dasis Gott als der Tiott der F.np'el angefleht 
werde. Mau wird nicht irre gehen, hier 
an Chrurtos zu denken, den ja auch noch 
vi»d spätere Forraulare (z. B. die Litaniae 
88. Xominis Jesu: magni consUii Angclue») 
in fthnlicher Weise aimifen. ntAUS. 

AXIMARÜM DESCRIPTIO, Ikzei. Imung 
einer Steuer, von welclier die Geistlichen 
nicfat frei sein sollton: Cod. Theodos.. Wh. 
XI. tit. XX. de ronlat. don. leg. 6: excep- 
tio bis t|uae in capitatione hnmaoE atque 
animalium diversis (|ualicumque cnnressa 
sunt; ita ut omnium quao praedicto tem- 
pore atque etiam snb inclnsae recordationis 
aovo nostro in ff-rn na sive nnimarum de- 
scrip/ioiie revelata sunt etc. Vgl. Binyham 
lib. V, c. S (n 214). 

ANKEB* (A. als Symbol kommt bereits 
«nf vorchristlichen Denkmälern vor. Se- 
leucius von Syrien hatte eineti King mit A. 
auf einer Oemrae. Appinn. Alex. I)ei lu- 
aüm. XV c. nlt. Auson. de urbib. Antioch. 
et Alex.: .niius fnit anchora sigrmin'. Vgl. 
Clem. Alex. III uit. A. als Zeichen de», 
Neptnncultes kommen auf rftroischen Hfin- 

zen vor: solche kannte Sniefiiis Aiitif). No- j 
viom. 54 f., wo es vom Delphin heisttt: im- 
pUeoernnt ancorse, et ancora, rat iste piscis 1 
erat circumdolatus non habebat aut lignuni 
aut ferrum ullum suporius sibi immissum, 
iieat ex ninltis veterum Romanorum num- 
lais stqoe ex Tariis antii|uorutn monomen- 
tis olim hie inretttis clare patet. K.] 

Wie das Schiff Sinnbild des Lebens, so 
ist der A., diese letste Rettung im Sturme, 



Symbol der Iloft'nung, und zwar ein allge- 
mein menschliches Symbol. Beide finden 
wir neben eiTiander (u. A. bei Min tiifni/ p. 
4U, 2. A. 4öj auf den Stein eines Siegelrings 
gesebnitten, mm Ausdruck der Hoffnung, das 
lieboiisscliifflcin inötre aus den Stürmen der 
Zeit glücklicii im Lande der Seligen A. wer- 
fen. Indem die Kirche den A. in den Kreis 
ihrer Synibcdik aufnahm, hat sie die natfir* 
liehe Bedeutung desselben nur im christ» 
liehen Sinne nusgebildet und entwickelt, 
l'nd zwar zunächst, indem sie Gott als den 
festen (irund auflasste, in den der Gläu- 
bige den A. seiner Hofi'uuug und »eine« 
Vertrauens in alli ti Lebensstflrmen werfen 
stdl (Riifi'n. in l*s. ir)5): ganz vorzüglich 
al)tT, indem sie den A. zum Sinnlulde jener 
Hoffnung nuichte. die da8 Heidenthura nur 
zweifelnd hegen durfte, die aber gerade für 
die ersten Gläubigen den sichersten und be- 
seligendsten Halt in den Stfirmen der Vor* 
folguiig bildete, der HofFriung nämlich, nach 
der drangsalvollen Seefahrt des irdischen 
Lebens nut Christus ,unserm YorlSufer^ in 
dem hl. Hafen eines ewig seligen Ilininiels- 
friedens Ruhe und Vergeltung 2u finden 
(cf. Chnjsoat. in Fr. 10 und 20). Dieee 
Hoffnung nennt schon Paulus (Hebr. 6, 18) 
,einen sichern und festen Seelenanker', und 
ebenso tritt uns der A. auf den Gräbern der 
Katakomben als das erste und ftüheste Sym- 
bol entg«»gen. Ihn Hude?» 
wir auf den ältesten Grab- 
steinen des Coemet. Priseillae 
mit rothem Mennig auf die 
Ziegel- und Marmorplattcn 
gemalt (Mus. Lateran.), in 
den ältesten Tlieilen der Ka- 
takomben von Domitilla, Ag- 
nese, Callisto, flberall be- 
gegiu't uns zuerst dieses ™ . v 
Sinnbild (rf^ Rom Bull. 1 '* 
94 und 1869, 16; 1863, 82; 1865, 4<); B. 
S. I, tav. XYIII etc.), und die häufige 
Wiederkehr verkuiulet mit einer gj'wissen 
Freudigkeit die glücklidie Ueberzeugung 
der christlichen Hoffnung aul ein ewiges 
Jenseits. ('li'men<^ Ali r. (Paed. III 1 1 ) zählt 
die 'l;y.'ji"x vtjT'./t; zu <len Symbolen. w(d< he 
die Gläulngen, l»esonders aber die P"'ischer, 
d. h. die Priester und l!i-( h.ifr>. ju ihre Sie- 
gelringe schneiden lassen sollten, und es 
ist eine siemliehe Anzahl derartiger Gem- 
men auf uns gekommen. 

Aber es war nicht allein die genannte 
Bedeutung, die den Christen jenes Zeichen 
tbeiier machte: Form und Gestalt des A.s 
führten zu einer weitern Symbolik. Ge- 
zwungen , die Oeheimnime Ihres Glaubens, 
besonders das vom Opfertode Christi , zu 
verhülleiu und doch wieder auf da.« Mäch- 
tigste gedrängt, sich das Zeidien ihrer Er- 
Ifisung unmer wieder yor Augen zu führen, 




Digitized by Google 



84 



Anker. 



sachten ne allentbalben nach Formen, welche 
sie an das Kreuz erinnerten. So wurden 
der Dreizack, so dor Mastlmum mit seiner 
Seg^lstange christlitht' Symbole. Und das 
Gleiche gilt vom A., sowol von dem ein- 
fachen mit seinen hloHseu AVidorhakeii, als 
auch , und noch nielir, von der anchora 
cruciformis mit der Querstange unter dem 
Rinffe. Diese tiefere Auffassung des A.s als 
Zeichen für das Kreuz und die Erlösung 
reicht ebenfalls in das höchste Alter, so 
zwar, dass den Oläiihigen die doppelte Auf- 
fassung völlig in einaiuier floss: ,der A. 
-war ihnen mgleich Symbol der Heffinnng 
nnd des Kreuzes* (R. S. I 345); das Kreuz 
und der Kreuzestod des Qottmenschen, das 
war ,der feste und sichere^ A. aller Hoff- 
nung im Leben nnd Sterben. 

Daraus erklären sich zunächst die ver- 
schiedenen Formen und Stellungen des A.s 
auf den christlichen Monumenten. Wo der- 
selbe horizontal neben oder unter dem Na- 
men eingeraeisselt erscheint, ist er wol bloss 
Symbol der Hoffnung; indem man ihn aber 
aufrecht stellte, bildete sofort der Stamm 
mit den Widerhaken oder der Stamm mit 
der Querttange die cmx dissimulata. INese 
wurde dann weiterhin zu offenem Kreuzes- 
zeichen, in der Form des griechischen 1\ 
wenn man die^ken aasstreckte, oder wenn 
man bei der anchora cniriformis die Quer- 
stange in die Mitte des Stammes rückte, 
oder Stamm und Stange Ober Yerbiltniss 
verlängerte, so dass die W^iderhaken gleich- 
sam zum Sodcel des Kreuses wurden. [Der 





Fif M> Onb*t«iB aw ChcrehaL 

Widerhaken an dem A. erscheint deutlich 
auf einem Steine aus Cherchel (Pi«?. 35 nach 
Martigntj , gez. von 'Sdr'x- 
ziat) und das ausgebildete 
Kreuz auf einem Bronze- 
ring des Cabinets des Hrn. 
Drury-Fortnum in 
Stammare Hill (Middlesex); 
vgl. P'igur 36 nach Mar- 
•tigny.] 

Immerhin aber konnte man darin noth 
etwas rein Zufälliges sehen, wenn nicht eine 
nme FfiUe TOn Denkmileni dnrdi Ifinzu- 
flgoBg weiterer Symbole die AnChssnng 



rSg. 3«. Briinir- 
tlag (irt Cablnet 
Fortnua. 



der alten Kirche unzweifelhaft darlegte. Da 
ist es zunächst der Fisch, der IXmC und 
die pisciculi Tertullians, die mit dem A. ver- 
bunden erscheinen, bald indem beide ein- 
fach einander gegenüberstehen (= spes in 
Christo, spes in Deo Christo), bald indem 
der Fisch auf den aufgerichteten A. zu- 
schwimmt (Mus. Lateran.). Besonders auf 
geschnittenen Steinen sehen wir den Fisch 
um den A. sich herum schlingen; eine in 
Praetextat geftandene Orabsdnnft zeigt den 
Fisch mittelst der Anf,'el an den kr(Mizf()r- 
migeu A. befestü^: mystische Bilder des 
Opfertodea Cfbrnti, anf den der V e r sto r be ne 
sein Hoffen gesetzt hat. 

Häufig kommen zwei Fische neben dem 
A. vor. Die Einen erklären diee aas blossen 
Orfinden «Icr Symmetrie, und dafftr 8|mdlt 
die wiederliolte Wiederkehr zweier A. ne- 
ben der Inschrift oder neben einem Fischo. 
Andere wollen in den beiden Fischen zwei 
Gatten sehen (v<,'l. ^'r/rrr Darstellunfj fif! ff.). 
Fitra (Spicil. Solesni. 1 559) denkt an die 
beiden Naturen in Christus, eine Deatong:, 
an der Becker mit Unrecht so argen An- 
stofls nimmt. Vgl. bei ihm selber 87, n. 33 
nnd 80, n. 5. 

Auf einem von (h Rossi ('lyU. n. 55) publi- 
cirten Grabstein ist dem mit dem Kreuz-A. 
▼erbnndenen Fisebe noch ein Yogel bii 
fj;efrif;t, der an einer Traube pickt; 
andern jetzt verlorenen Qrahetein (Gopie 
Cod. Tat. 5253 , 251) trägt eine Taube 
neben A. und Fisch einen Oelswmg im 
Schnabel : eine im Coemet. Cyriacue gefun- 
dene Gral)plattc zeigt jene Taube fliegend 
zwischen Blumen. Zwei Delphine, auf einen 
A. zuschwimmend, in der Mitte auf dem Rado 
eines Henkelkelches zwei Pfauen, die an 
dem Boden des Gefasses essen, zeigt una 
ein langer Grabstein im Mus. Lateran. In 
all' diesen symbolischen Zusammensetzun- 
gen spricht neh die gleiche Idee ans: der 
Vi psrorbene iit im Vertnuien auf die Ver- 
dienste dee EilSsers abgeschieden mit der 
Holhiung, in die Frende und den Oenusa 
des himmlischen Paradieses einzugehen. Der- 
selbe Gedanke ist ausgesprochen, wenn die 
Taube einen Kranz oder einen Palmzweig 
im Schnabel trägt , oder wenn bloss ein 
Palmbaum oder ein Palmzweig neben Fisch 
und A. eingemeisselt sind. 

Erweitert erscheint der BOderkreis durch 
Ilinzufügung des Lammes. So sehen wir 
auf dem schönen Grabsteine des Faustinia- 
num im Coemet. CalL unter einem liegen- 
den A., dessen Querstant^e in die Mitte des 
Stammes gerückt ist, als Sinnbild des Ver- 
storbenen ein ruhendes und zu dem Kreuze 
aufblickendes Lamm, eine Taube aber fliegt 
liinzu mit dem Oelzweig des ewigen Frie- 
dens, bt in dem Toniwenden Beiqpiele 
das Lamm IKmibild des Christen, so ist es 



Digitized by Google 



Anklagen — > Ann*. 



65 



auf einem Cnnieol des Ifns. Kircber. Sym- 
bol des j^ottlichcn Lammps. Dnssclho träfet 
Dämlich auf seinem Rücken ein T-Kreuz, 
«uf welehem eine Tanbe iwei Fischen ne- 
ben einem A. den Oelzweig zuträgt. Wenn, 
wie es auf dem Sarkophage der Livia Pri- 
mitiTft der Fall ist, su A. nnd Fisch noch 
der'gute Hirt hinzugefü^^t ist, go ist letz- 
terer entweder der Heiland, dor das auf 
ihn vertrauende Schäflein zu den hininili- 
schen Weiden emportragen möge ; oder Hirt 
und Lamm bilden ein zweites Symbol des 
Opfertodes Christi, indem beide als Eins 
gefasst werden. — Zu noch klarerer Veran- 
Bchaulichung des Grundgedankens sind dann 
wol noch weitere Sinnbilder hinzugefügt, 
I.B. das Schifflein derKirehe, in deren 
Oeweinsrhaft der Todte gestorben ist, oder 
der aus dem liachen der Löwen wunderbar 
gereUele Daniel, oder Jonas, der ans 
dem Bauche des Seothieres zu neuem Le- 
ben hervorging (Perret TV 16, 8). Nicht 
selten ist zu unserm Symbol, mit und ohne 
fisoh, daa erkürende IXBITC hinzugeschrie- 
bni; es sei nur an den berühmten Grab- 
stein im Mus. Kircher. erinnert, wo über 
dem A. mit den zwei hinzuschwimmenden 
Fischen die Wortestehen: IXOTC Z6)MT(ü>N. 



Als epMer das Monogramm 



aufkam, 



Ver- 



intrde es ebenfalls mit dem A. in 

Inndnng ge- 
bracht. So 
riebt de Bossi 
Kn. 103)ei- 
geschnit- 
tenen Stein, 
auf welchem 
die Verlänge- 
rung des A.- 
stammes in ein 
P ausläuft ; 
um das Ganze 
schlingt f^'ich 
ein r)('l])hiii. 
Auf demOral>- 
stnne der Aemiiia Cyriace (n. 48) steht auf 




Pif . tu. 



ktkvt mit Delpllln. 



der einen Seite der Insohrift das 



^^über 



einem Fische, auf der andern Seite der A. 
Aus dem J. 374 oder 384 stammt eine In- 
schrift, wo der obere Theil des A.s dUie spär 

fter» Form des Honogramms, p -, hat, mit 

ffinzufügung des A und Christus der Ge- 
kreuzigte ist Anfisng und Ende, Quelle und 
Ziel all' unserer Ilcilshoffnung. Boftari (III 
82) erwähnt einen King mit einem A. und 
nebenafeebeiidwi X und B: er erUirt die 
I Baohitaben mit XPICTOC BIOC; ri«h- 



tiger werden wir sie als XP. BOH0OC oder 
XPICT£ MOlWel fassen. Mnrt. 
nennt den Herrn ßoi^Oi« xal XuTpu>Tijc (Dial. 
c. Tryph. XXX 98) und die Contt. Apo»L 
Ö^III, c. 12) beten: sei du Helfer und Be- 
schützer Aller xal dbmXiqTmnp). Auf 
naohoonstant. Kaisennfinzen ist dais 6C0- 
TOKOC BOHetI ganz gewöhnlich (Caredoni 
sopra alcune antiche monete 26 sq.). Vgl. 
Storkbauer Kunstgesch. d. Kreuzes 114, der 
für das ihm rathselhai'te BO selber 147 ein 
erklärendes Beispiel anführt. 

Es lag nahe, die angegebene Deutung 
des A.8 zu specialisircn , indem man ihn 
mit "Vorliebe auf da« Grab rines Märtyrers 
setzte, der eben in jener Hoffnung die Kraft 
zum Bekenntnisse gefunden hatte, oder in- 
dem man ihn in den Denkstein einer Per- 
son eingrul), die schon in ihrem Namen 
Spes, Klpis, Elpidius die Jfoffbnng* aus- 
drückte {MartiifUij Ancrc 40). Ebenso nahe 
lag zu generalisiren , indem man das von 
dem einzelnen Gläubigen Geltende auf die 
Gesammtkircho verallgemeinerte, lieber die 
besondere Deutung des A.s bei einzelnen 
Vätern (Gewissen, Liebe zur .\rniuth u. dgl.) 
vgl. Martitpiy a. a. 0. - Schliesslich sei 
noch bemerkt, da.Hs der A. mpiiics Wissen« 
in der Wandmalerei niemals zur Darstellung 
kam; Marügn^ behauptet es zwar, allein 
er führt kein Reispirl an , und auch Oat^ 
rucci hat in den bis jetzt erschienenen TBp 
fein nirgendwo ein sMches. Bs ist daa um 
80 auffallender, als der Dclpbiti am Drei- 
zack wiederholt vorkonunt, der A. mit dem 
Fische aber dem Künstler eine kaum min- 
der gefUl^e Form bictt t. Ob diese Er- 
scheinung aus dem von Huoul Bochette frei- 
lich übertriebenen EinHusse der classischen 
Kunst auf die christliche ZU erklären sei, 
lasse ich unentschieden. Di waau 

ANKLAOEN der Christen, s. Verleum- 
dungen. 

AyKL.4(iER, faUche, wurden nach dem 
(Jone. Arelat. 314 can. 14 mit lebensläng- 
licher Excommunication (usquc ad exitum) ' 
bestraft; das zweite Concil von Arles 443 
bestätigte diese Sentenz, gestattete jedoch, 
Solehen, welche Oenugthuung geleistet, eine 
Abkürzung der Strafzeit fc. 21). Tn Spa- 
nien schloss die Synode von Elvira (305 bis 
308) e. 75 Jeden, der eine folsehe Anklage 
gegen Bischöfe, Priester und Diakonen aus- 
sprach, usque in finem aus. 

ANNA. Lucas 3, 23 f. zählt die Vorfah- 
ren auf, deren Sohn Jesus mütterlicher- 
seits war. Naeh Qun ist der Vater der Ghit- 
tesmutter Tloli, welchen Namen, abgekürst 
aus HeUakim, die Meisten für identisch hal- 
ten mit dem von SSpipk, Haer. LXXVni n. 
17 angegebenen Joaldra oder Joachim. Den 



Digitized by Google 



56 



AnnuDciatio — Antiebristiu. 



Namen der Matter Mariae nennt um von 
(l(»n Kirchenvätern zuerst der el»en erwähnte 
EpiphaniuH (f 403), wahrschpinlioh im Aii- 
senltus an das apokryphe , von der Kirelie 
verworfene (Iiinnr, ii; I Kpist. ad Kxuperiiim 
Tülos. c. 7 ; (ieifusüm Docret. de libr. apocr. 
bei Hardoum II 941 ; Tgl. AHgttsiin. contr. 
Faust. XXIIf, «•. <)) Evanjjelium Incohi mi- 
noris. Seitdem wird die hl. A. bei deu Vu- 
torn und kircMichen SehriftHtollem wieder- 
holt -aU die Mutter Marine jjenannt. Sehon 
um 500 \\c»» Kaiser JuHtinian ilur zu 
Ehren zu Constantinopel eine Kirche bauen. 
Johannes Damaneenus (t uni TtiO) spricht 
von ihr in den frh'in/endsten IioI)s|)rüehen 
Ur. II. (h' nativ. h. Mariae. Das Fest der 
hl. A. wurde in der orientalischen wie oc- 
eideutaliHC'hen Kirche urspriin-rlicli am 25., 
Rnäter am 20. Juli geleiert. Von diesem 
Tage gingen die Griechen nach Vorgang 
ihri's Menolo^jiiims ab und setzten das Fest 
der hl. A. und Joocliims auf den Tag nach 
Uariae Qeburt, auf den 9. September, fest. 
Ein grieclusche», von GcnihrnnJ vernffciit- 
Uchtes Oalendarium liest noch am 2ü. Juli: 
donnitio e. Annae Deiparae genotrie». Vgl. 
die von den BoUattdiaten zum 20. Mürz ab- 
gedruckten Calendarien. Die Vcrcltrung des 
hl. Joachim durch ein eigenes Fest fand 
l)ei den OccidentahMi erst spiitor Eingang, 
l'm Tin sollen nach einer durchaus unglaub- 
würdigen Sage die Oebeine der Id. A. au» 
Palistina nacli Constantinopel gebracht wor- 
den sein und einige Kirchen des Alx'iid- 
landes rühmen »ich solcher (unechten) Ke- 
liqnten. 

Die cgnceptio activn der Iii. A. wurde in 
der murgeuländischeu Kirche am ü. und in 
der ahendlindimhen am 8. Deo. fi^eiert. 

"NVann diese Feier aufkam, ist ungewiss; 
gewiss ist jedoi'li, doÄS sie in der morgeu- 
lündiselien Kirche schon im 5. Jahrh. I>e- 
gangen wurde. Denn das Typicon des hl. 
Sahlis 531) setzt auf den 0. December 
die 7ii/Ar,']/t; tt; x,ta,- "Awa?, \LT(z<^ui Tf,^ 
■z'j'AO'j, und (rforif, Bischof vtni Xicome- 
dien (f 041), bezeidmet sie als ein Fe<t, 
das schon längst eingeführt sei. Vgl. Jie- 
nediet, XIV de festts J. Chr. et llanae II, 

n. 201; Mnrfrih ih' iinliij. ecci. disc. c. 30. 

A. hatte ausser der Gottesmutter Maria 
noch eine gleichnamige Tochter, welcher 
aus ilirer Ehe mit Riopan oder Aljjhäus vier 
Söhne, Jakobus, Judas, Simon und Joses, 
und einige Töchter geboreti wunlen — die 
Brüder und Schwestern Jesu. Vgl. Dollin- 
ger Christenthun) und Kirche z. Z. ihrer 
Grundlegung. 103. 

A. wird aliircliildet als lirjahrte Matrone, 
Maria auf dem .Vrme oder dieselbe, neben 
sich gestellt, unterriditend, häutig ,se I b- 
d r i 1 1\ ^mcttertia*. Doch keüies dieser Bilder 
reicht ins christliche Alterthmn. mOxz. 



ANNIIHCIATIO, t. Feste. 

ANePönOA.\TPA[ nannten die Apollina- 
risten die Katholiken, worauf ihnen Gregor, 
>Vrtc. zurückgiebf, dass jene viel mehr Sar- 
kolatrae zu nennen seien. Urat. LI. (ed. 
Paris. I 742). 

ANTICU&ISTUS. Dem Worthiut nach 
beaeichnet dieser Name einen Widersacher 
Christi« und zwar einen scddien . der den 
Ansprach erhebt, selbst der wahre Christus 
zu sein. Es ist also ein Gegenchristus in 
demselben Sinne, in weh-hemwir von einem 
fJegi'npapst oder üegenkaiser sprechen. Eine 
Sachparallele bieten Matth. 24, 5. 23 ff.; 
Marc. 13, (1; Luc. 21. s. Cfr. loan. Da- 
masc. de tide orthod. IV, c. 28. 

Im Test, bt^eguet uns der Name nur 
in den Johann. Briefen. Nach 1, 2. 18 er- 
wartet Jeliaiines. dass in den letzten Zeiten 
Einer kommen werde, welchen er als deu 
Widerchrist im voUslen Sinne des Wortes 
bezeichnet; und zwar setzt er bei seinen 
Lesern diuse Erwartung als aus der apo- 
stolischen Ueberiieferang bekannt Toraus. 
ICine Bestätigung derselben und eine Art 
von vorläufiger Erfüllung erblickt er in der 
Thatsache, dass bereits in seiner Zeit viele 
Widerchriste aufgetreten sind. Unter letz- 
teren versteht er gewisse Irrlehror, welche 
die Messiajiwürde Jesu leugnen (2, 22) und 
ihn nicht als den fleischgewordonen Logos 
anerkennen (\. '2. 7). In vollem Kin- 
kluug mit dem Apostel hat die kirciiiiche 
Ueherlieferung TOn jeher den A. als eine 
l)estimnit(' i'iiizelne Persönlichkeit betrachtet, 
die kurz vor der Ankunft des Herrn auf- 
treten and worin die widerchristliche Rich- 
tung der früheren Zeiten ihre höchste Spitze 
erreichen solle; daneben aber bezeichnete 
nmn mittlnter einzelne, bereits der Geschichte 
angehörige Uauptge^ner Christi und seiner 
Sache als Vorläufer des -A.. wie z. B. JjU- 
rifin den Kaiser Decius einen .metator anti- 
christi' nennt (inter «'pp. ('v]>rian. ep. 22, 
c. 1). l'nter de^i Vätern henx lit in dit>s(>r 
Hinsieht die vollste Einmüthigkeit ; nur dass 
ÄHff. Civ. D. XX, c. 19 gelegentlich die 
Meinung Einiger erwähnt, wonach unter 
dem A. die ganze Masse der Gottlosen und 
Feinde Christi zu Terstehen sei. Letztore 
Auffamung, wel< he im MA. durcli f>> rfioh 
V. Ueicherrifgrg schüchtern erneuert wurde, 
blieb indessen yollig vereinzelt. 

Nicht zwar dem Namen , wol al)er der 
Sache nach winl der A. II Thess. 2, 3 -12 
erwähnt. Der Apostel spriclit hier von einem 
,VVid<'rsacher, <ler sich über alles erhebt, 
was (n»tt und lleiligthum beisst, .so dass er 
sich in den Tempel (iottes setzt und sich 
hinstellt, als ob er Gott sei'. Kr wird auf- 
treten ,gemiiss Wirlcsamkeit des Satans, in 



Digitized by Google 



Antimenslum 



57 



Zeichen und Wundern der Lügo*; der Herr 
aber wird ihn tödteii mir dem Hauolie »ei- 
nes Munde« und Um veriiichteu durch die 
&geh^ung seiner GtogenwartS Dast hier 
das Kommen des A. {»ewfissafft werde, i!*f 
Mit Jrtft. adv. haer. c. 25 sqq. innerhalb 
der Kirche die einstimmige Hemung; nur 
dass Manehe eine nüehste und vorläufige 
Erfüllung in der Person Nero's annahmen 
{IMinger Christenth. u. K. 2. Aufl. 425 fif). 
Die Väter finden in unserer Stelle, vfjl. mit 
Job. ö. 4H. ansjedf'utot. dass der A. als der von 
den Juden erwartete Messias auftreten und 
des Tempels zu Jeraialem ridi bemächtigen, 
bt'zw. densell)en neu erbauen wor(b'. Indem 
sie ferner unter dem ^Hemmenden" (v. 
dM rSmüohe Reich verstanden, kamen sie 
folf,'t'rifhtii? zu der Behauptung, dasselbe 
werde bis gegen das Ende der Welt be- 
stehen, und erst naeh seinem ZerfVill das 
Reich des A. »ich erbeben. Im Zusaininen- 
hang damit bezogen Manche die az&jxosia 
(3) auf die Trennung der T5lker Tom ro- 
misohen Reiche, wülirend Andere mit Be- 
rufung auf Lue. IM, Mattb. 24, 12 nn 
einen Abfall vom CHuuben dachten. L'nter 
dem .(reheimniss der Bosheit* (7), das be- 
reit» wirksam »ei. verstand man die Vor- 
läufer des A., theils falsche Propheten und 
Irriehrer, theils Verfolger der Kirche. Wenn 
endlieb ib'r Aiiostd von einer Wirk.samkeit 
des bataus spriclit, m deuteten der Am- 
hrotkuUry Tneadorei s. d. St. mit den mei- 
sten Vätern dies dabin, der A. werde vom 
Teufel besessen sein; Kiuige hielten ihn so- 
gar für den Teufel selbst (Firmie. Mattm. 
de err. profan, relig. c. 22^. 

Ausserdem zog man im Alterthum noch 
eine Reihe anderer Stellen herbei. Dahin 
gehdrt namentlich da^ bekannte Gesicht Da- 
niel« von den vier Thieren, welche ebenso- 
viele Weltreiche sinnbilden (c. 7). In dem 
kleinen Horn, das in Mitte der zehn Hör- 
ner des vierten Tbieres bervorwäehst. fand 
man den A. wieder. Dieses Horn ist nach 

24 ein Konig. mächtiger als die andern. 
Er wird Lii-^reniiifren an-;st<is-en wider den 
Allerhöchsten uud die Heiligen wird er zer- 
treten, und Ifocht ist ihm gegeben 3Vi Jahre 
lang. Nach 11 , 37 (in der Fassunjr der 
Vulir. • soll er den gröbsten Ausschweifun- 
;,'eii er^^eben sein; au« 12. 11 — 12 glaubte 
Bttn entnehmen zu kr.n ' . dass von nei- 
nem Kmle bis zur Wi(>(lerkunft des Herrn 
noeh <'iiie liekebnnii^sfrist von 4ö Tagen 
gegeben werde. - Nabe verwandt mit die- 
sem Gesicht Daniels i>t tbis Thier, welches 
Johanne« Apuc. 13, 1 ti. schaut uud womit 
nnTerkennbar das römische Weltreieh be- 

zei<'bnet wird {Sahncrmi ^ Afoisar, Bossuet 
L, d. S>t.>. Schon ire«. adv. haer. V, c. "16 
bezieht dasselbe auf den A. and bemfiht 
demgemSss, aus der geheimnissroUen 



Zahl 66(5 (v. 18) den Namen desselbeti zu 
ermitteln. Hierin sind ihm sehr vi*de Er- 
klärer gefolgt, indem sie zugleich aus 11, 
3—14 schlössen, der A. werde den Elias 
und Henoch tödten. die vor <ler Wieder- 
kunft des Herrn als Bussprediger auftreten 
sollen. Gewöhnlich nahm man auch an, er 
werde aus ilem Stamme r*an hervorgehen, 
der bei der Aufzählung 7, 4— Ö Ubergan- 
gen ist. 

Ein weiterer Zug in dem Bilde des A. 
ergal) sich ans dem ursprOnglieb beidnisolien 
Volksghiiila'ii, tlass Nen» nieht todt »ei, son- 
dern aus dem Grient wietlerkommen und sich 
der Herrschaft 1»eniächtigen werde (Suefou. 
Nero c. 57; Dio Ca^. LXIV, c. D). Der- 
selben Erwartung begegnen wir auch in 
d.'ii Slhif/Iiiici, (X s(m,; VIII 70 sqq.) 
und selbst bei christlichen ächriftstellern. 
wie Commodian (Spieil. Solesm. I 43) nna 
Sulpir. Sevn: dl ist. s. II, c. 21»». Mit Recht 
Iwben dagegen Lactunt. de mort. persec. 
c. 2, Aug. Civ, D. XX, c. 19, HUrm. in 
Dan. 7 diese Vorstellung als Wahnwita zu- 
rückgewiesen. 

Ausser den oben erwähnten Schriften der 
Väter vgl. bes. Hippolyt: dtzoSst^iC ?:6f»l ypt- 
JToy X. SvTtyptTrou, Ci/r//!. Iiieros. cat. XV, 
c. 9 sqq.; rseudu-Uippolijt de consumma- 
tione mundi; den tract. de promissionibtis 
et praedictionibus Dei (inter opp. I'rnffji. 
Paris. 1711, append., 91 sc^q.). Mittelalter- 
liche Schriften, welche die Yorstellungen 
der Väter über den A, zusammenfassen, 
zum Theil auch erweitern, sind: Adso Tr. 
de nativ. Tita et morib. A. Onter opp. A1- 
cuin. ed. Frohen, t. II): T/iotn. Aqttin. de 
advcntu, statu et vita A. ; ferner die sog. 
Kevelationes Meffio<lii (Orthodoxographa gr. 
Busil. löfiy, t. 1). Vgl. überdies: Bellann. 
de Homan. Pontif. 1. III: Malrenda de Anti- 
christo libr. XI. Valent. 1621; Döllinyer 
Christenth. u, K. 276 (F., 426 ff. koslbb. 

ANTIMEXSlUM. Nach Suicer The.s. eccl. 
I :|7s ein Int. Wort: voces barbarae ex 

ivTt et [xivT'.ot pro mensa, womit SKida.<; über- 
einstimmt: dvTi|Uv9iov T:af>7 Pu>{jia{oi( xf»a>:e^a 
TOü ^xwn)p(ou x£'.}i.£VT,. Doeh schreiben 
die (irifcben neben ^ivTl|lr,v5•.o^ am bäufiirsten 
^tv:i|i(v3ta, und leiten das Wort von |i.tv3o; 
(Xeale Bastem Church, Introd. 186). Man 
versteht darunter Altardecken, welche 
bei der Consecration der Altäre in der grie- 
chischen Kirche mitgeweiht wurden, um 
.\ltare, welche nicht eonseerirt oder deren 
Conseenttion zweifelhaft war, zur Geleliri- 
rung des hl. Opfers damit zu bedecken. 
Den Ritus beschreiben Goar Euchol. Or. 
»;4H und Xial n. a. O. 1S7. üeber die 
Verwendung dieser Altardecken sprechen 
sich Job. Citrus, Balsamen, Sfonuel Chari- 
topulos bei Sttieer a. a. 0. und Bona Rer. 



Digitized by Google 



68 



Antiochien — Antipendium. 



Iii XX 2 aus. Steph. Durandus de ritib. 
eccl, cAth. Hb. I 271 setzt das Wort ein- 
fach gleich altaria portatilia, deren Stelle 
die Antimensia bei den Griechen in der 
That vcrrrotcTi, während die Syrer sich be- 
weglicher hül/ernor Aharphittcn bedienten. 
Der syrische Nomokanon bei Renaudot (Lit. 
Oriental. I 182) erklärt, in Abwesenheit 
eines A. könne man die Eucharistie auf 
einem Blatt ans dem Erangelium, eventnell 
auf den Binden det Dtakons consc- 
enren. kraus. 

ANTIOCHIEN, s. Schulen. 

ANTIIIA2XA (Gegen-Ostern, Narh-Ostorn) 
liiees in der griechischen lürche der erste, 
dem Ostenonntage gegenflbentehende nach- 
folgende Sonntag n)()minica in alhis), mit 
weldiem die Ostcrfcicr im engern Sinne \ 
acUoes, und insofern ist der Name A. gleich- ' 
bedeulaid mit den gleichfalls ^'ehrauchlichen 
Benennungen Octava Pasoliae und Pascha 
clausum oder Clausum Paschae (gothisch- 
gallikanisches Missale). Mit dem Worte A. 
wurde bisweilen auch die ganze, auf den 
sog. weissen Sonntag folgende Woche bc- 
aeichnet. Tgl. Ducange Gloss. gr.-barb. 
a. V. A. Die Praopnsitinn dhri gicV)t aber in 
der Zusammensetzung nicht bloss den Be- 
griff Ton .gegenüber , ,entgegenS sondern 
auch von .elien so gut', .entsprechend', so 
dass dunit aui' Etwas von gleichem Werthc 
hingewieeen irird. [? K.] Aneh nach ffieser 
Richtung hin können wir dem A. eine sinnige 
Bedeutung beilegen, denn es ist sicher, dass 
der erste Sonntag nach Ostern w^enigstens 
für die zu Ostern Neugetauften an Wich- 
tigkeit dem Osterfeste nicht nachstand, denn 
jener Sonntag gewann an religiöser Bedeu- 
tung, weU er die Sdilussfeier der geistigen 
Erneuerung der Täullinge bildete und diese 
selbst von diesem Tage (die« neonhytorum) 
an ab wirkliche, Tolntereehtigte Mitglieder 
der Kirchengemeindo auftreten durften. Vgl. 
Äugustin. Serm. de tenip. lüO — 164. Das 
Weitere über Dom. I. post Faeoh. a. unter 
Ajrt. Dominiea in alhis. kbOll. 

INTIFEIIDIUM. Die ältesten Altäre wa- 
ren meistens htilzerne Tische (Athanas. Ep. 
ad iolit. vitam agcnt. ; Äugustin. Ep. ad 
Bonifae. I.). Desshalb konnten die Dona- 
tisten die Altäre der Katholiken verbrennen 
(Optatus V. Müeve de schism. Douat. 1, c. Hj. 
In den Katakomben wurden in den eigens 
dazn ausgeführten Areosolien Altarplatten 
über die Gräber der Märtyrer gelegt, oder 
der Sarkophag seHafc^ente ah Altar. Der 
Bihlioth. Anastasiu* sagt im Leben des 274 
als Märtyrer gestorbenen Papstes Felix I: 
hic constituit supra sepulcra niartyruni mis- 
HW celebrari. Vgl. rrudentius Peristeph. 
Hymn. XI, 171; Hymn. V, v. 515; H. 



ni, V. 211; Kraus Rom. Sott 153, 196. 
Auch neben den Martyrergrähern freiste- 
hende und selbst Tragaltäre kamen vor. 
Das Weitere s. Kram a. a. 0. 585. Die 
freistehenden Altäre (immer mit dem sepul- 
erum versehen) giengen in den Gebrauch 
der oberirdiaehai Kirchen Aber. Von früher 
Zeit an hat man sowol die Vorderseite als 
die Seitentheile dieser Altäre mit kostbaren 
omamentirten Hetallplatten^ oder seidenen 
StoflTen, oder kostbaren Stickereien ^'cziert, 
welche Verzierungen die verschiedensten 
Namen trugen (vgl. Sdtmid Der ehriatltche 
Altar 125). Von diesen verBohiedcnen Be- 
nennungen hat sich der Name A. vor allen 
eingebilrgert. 

Wie rekli und kostbar die Antipendien 
waren, zeigen u. a. die Berichte des Biblio» 
thekars Anastasius, Päpste, Bischöfe, Kai- 
ser und andere Vornehme wetteiferten in 
Schenkungen dieser Altnrverzierungen. Ve- 
stem altaris oder super ultare facere, altare 
veetire waren die technischen Ausdrlleke 
hierfür. Der griechische Kaiser C o n s t a n- 
t i n IV schenkte unter dem Pontilicate de« 
Titalian (f 672) ab A. dem Altar dea U. 
Petrus zu Rom eine golddurchwirkte De<'ke. 
Papst Leo III (f 816) Hess für denselben 
Altar eine kostbare Stickerei mit dem Brust* 
bilde des Erlösers, der Gottcsgebärerin und 
der zwölf Apostel machen (vtistcm fecit), 
und <lie8e Stickerei war noch geziert mit 
einem Weinstocke aus reinstem Golde, so- 
wie mit Perlen und Edelsteinen. Anat^fn- 
sius (in Leon. III); Schmid a, a. 0. sagt 
treffend: ,wir mfissten das Pontificalbndi 
halb abschreiben, wollten wir die kostbaren 
Altarbekleidungen alle aufzählen, die darin 
erwihnt sind.* Faet das ganze Leben Chrieti 

und seiner Mutter, die Tbaten der Apostel 
und einer Menge von Heiligen sind auf die- 
sen Bekleidimgen theils gewebt, theils ge- 
stickt dargestellt. Der hl. Maximianus 
(t 552), Erzbischof v. Ravenna, Hess auf 
einem A. die Bilder aller seiner Vorgänger 
in Goldstickerei ausführen {Bock Gesch. d. 
liturg. Gewänder I 137). Von all' den kost- 
baren gestickten Antipendien in Seide. Gold 
und Edelsteinen aus dem 1. bis 7. Jahrh. 
ist uns nichts gebliel)en. Wenn einige Schrift- 
steller {Thiers sur les principaux autels 
des ^Sgliiee 176; Kratzer de antiq. liturg. 
ITM; Jjiharte les arts industricls 9(!) die 
vestes altaris in altari, super altare als 
bunte AltartBcher aufgefiuet wissen wollen, 
so widersprechen dem, wie VioUet-le-Due 
Diction. du mobil. 192 und Schmid a. a. 0. 
126 hervorheben, einerseiti £e schon da- 
mals bestehende Vorschrift der Kirche, dass 
die Altartücher von Leinwand sein sollen, 
und andererseits die aus Metall gefertigten 
Antipendien. Ein solches Hess Cons tan- 
tin I für den Altar der Orabkirohe au Jem- 



Digitized by Google 



Antiphon — AntipbooAr. 



5d 



salcm aus Gold und kostbaren Steinen ma- 
chen (Theodoret. Hist ccci. c. 31). Solche 
Metall -Antipendien schenkten die Pänste 
Sixtus III und Hilarius an verschiedene 
römische Kirchpn (Atmstasius in Sixto III 
et Ililario). Ein Mttall-A. war wahrschein- 
lieh auch der von Sozomenus Hist. ecci. IX, 
c. 1 erwähnte, einer Kirche zu Constanti- 
nopel geschenkte mit Goldbekleidung. Die 
nnserm (dem patrist.) Zeitraanne folgenden 
Jahrhunderte wissen von einer Men<,'e kost- 
barer Metall-Antinendien zu berichten, mit- 
«iler wahre Klemodieii der Goldsehniede- 
knnst. Zwei werthvolle Metall-Antipendien 
aus frühmittelalterlicher Zeit, das eine in 
der MATeosldTehe zu Yenedif^, das an« 
dere in der Kirche des hl. Ambrosius zu 
Mailand, sind uns erhalten. Vgl. Kunst- 
denkmale des osterr. Kaiserstaates II 30; 
MofJxs Bankuiut und Mdhanerei in, Yene- 
dig I 99. wOm. 

ABTOHOV, vox reciproca, Weehsel- 

gesanp, «jehort zu jener Oattung^ «1er 
liturg. Gesänge, die man einem oder meh- 
reren Faalmen, deren Tonart rie sa bestim- 
men hntte, uiimitfolhar vor- und niiehsetzte. 
Da ihr Vortrag mit einem von zwei Chören 
gesungenen n»hn abwechselte, mag diese 
Gesangapeoies oltstehcnde Benennung erlangt 
haben. Der Gebrauch der A.en beim Got- 
tesdienste reicht schon in die ersten Jahr- 
hunderte des christlichen Cultus hinauf, da 
sie schon damals bei den OrientaU'n ihre 
erste Anwendung fanden. So behaupteten 
die Christen Syrien«, der hl. Ignatius 
habe hei ihnen in Folge himmlischer Kr- 
leuchtung den A.engesang eingeführt. Nach 
dem Berichte des Sozommu» (HM. eocl. 
üb. IX, c. 7) brachten zwei Mönche. Fla- 
vian und Diodor, unter dem Kaiser Con- 
•tantin diese Geeangwetse auch bei den 
Griechen in Uehun^, iiinl, wie der hl. 
Augustin bezeugt, war es der hl. Am- 
b res in 8, der milchen WechselgesSngen der 
Orientalen zuerst in seiner mailändischen 
Kirche Eingang verschaffte, von wo aus 
ach dieselben bald nach 375 in vielen Diö- 
cesen des Occidentes verbrdteten. ,Tunc 
Hymni et Psalnii ut eanerentur seamdum 
morem Orientalium partium, ne populus 
moeroris taedio rontabesoeret, institatom est : 
at ex illo in hodiemum retentum, multis 
iam ac pene omnibus gre^ibus tuis per cae- 
teras Orbis imitantihin (S. Aug. Confess. 
lih. TX, c. 7). Dai*8 unter den Lateinern 
der Gebrauch der A.en zu den kanonischen 
Stunden schon im 6. Jahrh. einer weiten 
Verbreitung sich erfreute, zeigt die Regel 
des hl. Benedict (f 543), in weicher er 
durch 12 ganze Kapitel dieser Gesangs- 
gattung beim Chordiensle die ihr gebflh- 
nnde Stelle anweist (Reg. S. Bened. c 8 



\n< t2()). welche Anordnung, insoweit sie 
wenigstens den Gebrauch der A.en beim 
kanonischen Officium betrifft, nicht nur von 
den spätem kirchliehen Orden, sondern auch 
selbst von der romischen Kirche adoptirt 
wurde. Aelter noch ist ihre Verwendung 
zur Feier der hl. Messe, indem Papst Cue- 
lestin I (t 432) es war, welcher die A. 
zum Introitus anordnete: ^Antiphomm 
ad Introüum CoeMimu, natione Cunpanua 
Pontifex Homae constituit, ut ante sacri- 
ticium celcbraretur , quod ante non tiebat^ 
(Otrbert Monum. vei Litorg. II 282). Hier- 
mit übereinstimmend schreibt auch der alto 
Ordo Homanus vor (bei MabiU, n. II u. UIJ : 
incipit prior scholae onHphonam ad introi- 
tum, welche Benennunj; ebenso die ältesten 
Antiphonari(>n aus dem 9., 10. und 1 1. Jahrh. 
dem Introitus-Gesange beilegen. A. nannte 
man aber aoeh die iHFertonums- und Oom- 
muniongesängo zur Messe, indem ihnen vor 
Alters, wie dem Introitus, noch ein oder 
mehrere Psalmen beigefügt wurden, nm die 
Darhringung der Opfergahen zum Altare 
und den Empfang des hl. Abendmahls gleich- 
fiilli mit Gesang zu begleiten (vgl. Omrhwi 
Monum. vet. Liturg. II 174). Unter den 
noch vorhandenen Mess-Antiphonarien sind 
es nnr die SItem, s. B. die (Codices 8. OalK 
381, 50 141, und Einsidl. 121 in fine, 
welche für den gesammten Jahrescyclus die 
der Oommunion-A. zukommenden Psalmen 
sammt der Psalmodie bezeichnen. Vgl. Sche- 
rer Verzeichniss der Handschr. der Stifts- 
bibl. von S. (Jalkii 130. ans. schubioer. 

ANTIPHOXAR. Mit diesem Ausdrucke 
bezeichnete man jene Codices, welche die 
für den Cultus bestimmten Antiphongesänge 
enthielten. Es gab aber derselben zweierlei 
Gattungen, solche, die man für den Altar- 
dienst (antiphonaria Ifissae), und andere, 
die man für den Chordienst (diurnalo 
et noctumale officium) oder die Vigilien 
und sieben kanonischen Stunden gebrauchte. 
Obgleich nun diese beiden Gattungen von 
Gesangwerken insgemein nebst den Anti- 
phonen auch Responsorien und noch 
andere Gesänge omfiissten, so behielten sie 
dennoch die Henennung Antiphonarien 
bei bis beiläutig um das 12. Jahrb., wo 
man die für die Messe bestimmten Oesang- 
wcrke G r a d u a I i e n zu nennen begann. 
Mochten nun schon zur Zeit des hl. Bene- 
dict und wol noch früher Antiphonbttoher 
für den Altar- und Chordienst bestanden 
haben, so gebührt dennoch dem Papste 
Oregor d. Gr. (690—604) vorzugsweise 
die Khre und das Verdienst, die Kirchen- 
gesänge seiner Zeit in ein ^Antiphonarium 
Centonem' gesammelt, dieselben verbessert, 
durch neue vermehrt, nach dem kirchlichen 
Festkreise geordnet und mit der damals 



Digitized by Google 



60 



AatlquitatM — Aid. 



flbliehen NeumenBchrift venohcn zu haben. 

DicHc Verdienste Vtezon^on nicht nur dessen 
liii)<;rii|)h JohuHtus biucunun in »einer Vita 
l>. (ire^rorü, MWiderii auch manche mittel- 
alterliclie . vdii K irrlienfresniifr han<le|nde 
Sehrittsteller bei derbert und de Cousse- 
maker (Scriptoras de Mnnca medii aeri). 

Hag auch das authentisclie A. des hl. 
Gregor, diut im U. Jahrh. zu itom noch 
vorhanden und fan Laufe der Zeit aehon 
von Grefj;or selbst und eheimo vkii drssiMi 
Nachfolgern in Italien, Frankreich, England 
und DeutMhland durch sahireiche Copien 
verbreitet worden war, seither verloren ge- 
gangen sein, so sind dessen Aleiodion doch 
der FlayptHachc nach in den ältesten A.icn 
in Ni'unienst hrift aus dem 9., 10. und 
II. Jalirh. noch ant" uns irekommen und 
in jenen Uebertraguni'en enthalten, die mit 
Linien versehen, und dabei am vollknmmon- 
«tcn mit den ältesten concordircn. 7m i\i>n 
durch Alter und Inhalt sich au.szeichnenden 
A.ien gehören die Cod. R. 4. 38 der Bibl. 
Angeli<:i und (f. r)2 der Bibl, Orator. zu 
Rom'; Cod. 192 Hibl. de i'Arsenal, 748 Bibl. 
Masarine, 170 und 1097 Bt. Germ. (Bibl. nat.) 
zu Paris: ilas A. von M t)n t pr 11 i er; die Cod. 
151 und löi der Dom- und h. ije. Ii liT K.| 
der Stadtbibl. zu Trier; Cod. 86, A. 42, 
lat. Pal., Tin;». 7018. 2542, 2901 etc. in der 
königl. Bibl. zu M Uneben; die Cod. 121, 
112, 113 zu Ein siede In und insbesondere 
die C<k1. 339, 340, 342, 343. 3.^3, 359 
(von P. [jamfii/fdfr in Faesim. veröflentliebt), 
3()1, 374, 37.">, 37»; unil 379 der Stit'tsbibl. 
ZU 8t. (i allen (Verzeichniss von Srfiercr, 
wo aH< h na('hy;ewieseii, dass Cod. :{.")".> nicht 
dem 8. Jahrh. angehörte, sondern, wie In- 
halt und Schrift beweisen, beiliufig dem 10.). 

Diis A)iti pJinii't t'i inii h. (ji'i'ii'uli iKU'li den 

beüten ManuMcri|iten, von welchem der erste 
Bogen mmol in der Originaltonichrift mit 
Nenmen, als mit der modernen Clmralsclirift 
bereits erschienen ist, beabsichtigt M. Ha - 
meadorf in Trier volhitandig herauszu- 
geben. 

Die zahlreichen Schriftsteller de» Mittel- 
alters, die bald kürzer, bald einlässlicher 
ftber das gretrorianische A. handeln, sind 
in A\tt M. (r< rht rfs und Hd. dr ('"iisti rnakers 
Saniniehverken Scri|)t()res de Miisica niedii 
aevi. das erstero in drei, da« letztere in vier 
(^uartlidn. enthalt» Ti. l elter die Aiiti|thonen 
und das A. Uregurs Uieteii die musikalischen 
Gesohichtswerke von .1/. derbert (de Musica 
Sacra), Foiki/, Fi1i.-< , Domuur, Aiiihtos, 
ScIiUcht etc. reichliche Aufschlüsse. Für 
Wiederherstellung der ursprflngliehen Me- 
lodien nach dl Ml Ciuitn- h. Gregorii und 
die hierzu erforderliche Kenntniss und £r- 
klürung der alten Tonzeichen (Nenmen) be- 
mühten sich in neuerer Zeit P. Lanihillott' , 
Abbö Railiard in ihren hierauf bezüglichen 



Schriften, und insbesondere Jf. Hennesdwff 
und R. Schhvht in <ler mus. Zeitschrift 
j ,Caeciliu* von Trier. A.ien (GradualienJ, 
I wekhe die alten Singweisen des hl. Gregor 
i am getreuesteii wiedcr^'clicn. sind die neuen 
j A usgabeu der Diöcesen Rheim s-Cambray 
jund die Trier*«ehe, vor allen aber das 
d' ro'hfii/r ad normani cantus dregoH* 
j von IJei mesthrjf, de«sun erste Lieferung, ao- 
|wol mit der alten Neumen- als der moder- 
nen riiorals« hi ift Must^estattet, • unlängst an 
I die Uett'entlichkeit trat. ans. schubiu£R. 

I ANTiqUITATESy s. Archiologie. 

AXTISTE8, irpotTcwc, ein Titel, den das 
: Concil. Antio. b. :u 1 . c. 1 auf Bischöfe, 
' Priester und Diakonen anwendet. Die An- 
sidit 1). Butlers in SmitJt's Dict. I 103, auch 
AiiijKstiH hal>i' Serm. 3.')1 de Poenitentibus 
(«revivat [peccatorj ad antistites, per quos 
illi in eeclestti daves nuniatrantur, et a 
praepositis sacrainentorum ac( i|)iat satisfa^ 
ctionis suae modum') den Ausdruck von 
Bischöfen undPriestern gebraucht, kann 
ich nicht theilen; hier wie an einer andern 
Stelle Kpist. LIV, c. 4 (,immo . . . si tauta 
est plaga peccati atque impetus mor!» ut 
medicamenta talia difTcrcnda sint, auctori- 
tato antistitis debet »|uis(|ue ab altario re- 
moveri ad agendam poenitcntiam et eadera 
auctoritate reconctliari*) ist nur der Bisehof 
gemeint. kraus. 

ISITITYFIK, 8. Typik. 

A(0. Dju48 S als erster Buchstabe dee 
.Mphabets im .\lferthum zuweilen überhaupt 
für ,der, das Krste' gesetzt wurde, geht aus 
Martial. Rpigr. Y 2ft faenror: ,quod alpba 
ilixi. corde, paenulatorum te mipiT. :tli'iua 
cum iocarer in charta, .[ si forte bileni mont, 
hie tibi yersus, || dicas licebit beta mc toga- 
torum.' Ks erklärt sich daher, dass Chri- 
stus sich in der geh. Oft'cnbarung Job. 1, 8 

<>£oj, 0 «UV xal fj f/< xai o sf»/''[jL;voc, 6 zt*- 
loxpctTcop, vgl. eb. 21, H: 22, 13; sich selbst 
mit A und (0 als Anfang und Ende von 
Allem bezeichnet, wie im A. Test, bei Jes. 
44. H) der altsolute (r(>ttesl)eijriff von Je- 
hovah in den Worten |)nidicirt winl: ego 
primus et ego novissinnis, et al)s<|ue mo 
nun est Detis fvgl. eil. 41. 4: 4>*, I2l. Den 
(iedanken erklärte dann TeituU. «le Mouo- 
gamia e. 5: ,8ic et duas Graeciae litten», 
suinniam et ultimani . sibi induit Dominus, 
initii et tiuis concurrentium in se tiguras, 
uti, quemadmedom a et «• usque romtur, 
et rursus «•> ad « roplicatur, ita ostenderet 
in se 0880 et initüs decursum ad tincm et 
finis reeursum ad iaithim, ut omnis ditpo- 
sitio in cum <Ic8iseiS per quem coepta est, 
per sermonero scflieot Dei qui caro f actus 



Digitized by Google 



Am 



61 



mk^ promde derinat, queiiMidinodiiiii et 

coopit.' 

Aehnlich Cletn. Alex. Strom. IV 2ö, VI 
66; Hieronym, c. Jorurian. 1; PrudmHve 

Cathem. IX 1 1 stjq. : .mrde natus px parentiH 
ante mondi exordium || Alpha et ^ cogno- 
ndnatiu ipse fom et elansala || omninm quae 
sunt, fiierunt quaequo post futurn sunt.' 
So einfach diese Erklärung ist, hat die 
Zahlenspielerei der Gnoatiker gleichwol einen 
tiefem Grund suchen lU mfiraen geglaubt: 
schon Tertull. de Praescript. c. 50 spricht 
sich darüber also aus: ,ni>n defuerunt po8t 
hoa Marcus quidam et Colarbusus novam 
haPFPsim ex Oraecorum alphabeto compo- 
nentes. Negant cnim veritatom «ine isti» 
poaae litten» inveniri, irnmo totam plenitu- 
oinf'iT» ot perfectionom vontati« in istis lit- 
teris esse dispoeitam. Prupter hanc enim 
oaaaam Christnni dixisse : e|B;o sum « et ». 
Dpnic|ue lesum Christum dcsrondisso. id est, 
columbam in lesum veuisse, quae üraeco 
»»pottfxl pronnntiatnr, babeat 
»ccumlutn nuniorum DCCCI. Percurrunt isti 
^* Tb totum usQue ad alpha beta, 

et oonnmtant ogdoadas et aecadaa etc.* Vgl. 
auch Jren. iu\\. Ilacros. I 14. 6, 15, 1 und 
Primasius (Bibl. Max. X 338), der diese 
Deutung annahm, um die Wesensgleirhheit 
des hl. Geiste» zu erweisen. 

Man hat {Ramirez Not. ad Thron. TJut- 

Sraudi 362) die Verrauthutig autgestellt, das 
iegel AlO sei in der christlichem Kniist und 
EyMgra]diik /uiiäch-r üN Protowt gogon den 
Arianismus uulgekununen. (üoryi de mo- 
nogr. Chr. 10, Bolddti Oss. 336, Mamaeki 
Origg. III 52 glaulicii dicsp Hypothese 
durch Anführung eiuigor i>eukmäler zu be- 
seitigen, welche ihrer Ansicht nach zweifel- 
los vor die AnfJinirc dt-s Ariaiii.Hmus fallen. 
Indessen kennzeichnen sich die von diesen 
SehriftateUem angeführten Monumente (ver- 
meinttiche Martyrerinschriften bf»i Fuhretti 
c. 10, p. 738, bei* Arimjhi libr. III, e. 22. ein 
Ooldglas J3dܫ</t 194) schon durch da.s heigo- 
acCite Monogramm Christi als dem 4. Jahrb. 
angehörig, falls die beiden ersteren üIxt- 
haupt eclit sind, Martif/nif wiederholt Üol- 
detti's weitere Einwendung , djws die römi- 
si^lirn Cofjnf'rcricii iiifmuls v<iTi dfii .\rianem 
mitbenutzt, aku eine Bezeichnung der or- 
thodoxen Chfther durch das A(0 nicht erfor- 
drrlii'h gcwesf'ii sei. Iiidos.sen l)eweiKt dies 
wenig. Man wird zugeben können, dass 
das aSQ ab christliches Symbol rielleieht 
schon vor Arius aufkam (wahrscheinlich da» 
ilteste Denkmal mit dem A(0, umzogen von 
COMOi Khuiz, ohne Monogramm, ist die 
merkwürdige, wo! noch dem Anfang des 
4. Jahrb. angehörende Inschrift des Eu- 
elpius, RMer 4025, de Rosn Bull. 1864, 
28, AVrt/w R. S. 58; Martigny irrt, indem 
» die Inschrift in ihrer jetsigen Rodaction 



dem beginnenden 3. Jahrb. zuweist), ob- 
gleich dfVH älteste datirte Denkmal, welches 
dasselbe darbietet, das Jahr 355 hat. Da- 
gegen ist hnmerfain m6gfich, dass man in 
(Ji'gondf'n. wr) miin mit der arianiachcn Hä- 
resie in uälicrc Berülirung kam, orthodoxer- 
seita sieh mit Verliebe des Siegels bedient 
habe. Dafür spricht jedenfalls die eigen- 
thümliche Erscheinung, dass z. B. das so 
lange mit dem Arianismns kimpfende Spa- 
nien auf 288 Inschriften bei Hühner das A(d 
nicht weniger als 43mal aufweist, während 
es sich unter 229 altchristlichen Inschriften 
Englands bei Hühner nur fünfmal findet. 
Maiiiijnii, Smitfi's Dict, u. \. iM'rufVn sich 
auf (.ieoryi de Moiiogr. 10 dafür, das« die 
Ariaaer sich des Zci( heas AW enthalten ha- 
ben; man schreibt das wo], ohne die Stelle 
gesehen zu haben, Mamachi a. a. O. nach, 
wihrend Oeorffiti. a. O. jene Thatsaehe aHer- 

dings behauptet, ab^r mit nichts beweist. 

Am häufigsten begegnet man dem Ad) 
anf Chrabschriften : sehr selten allein ne- 
ben dem Text, wie dr Rossi Inscr. I, n. 172 
(vom J. 364); aut zw^ei Steinen zu Sitifis 
(BMer n. 8436; de VUlefosse Rapport sur 
une mission arch^l. en Alg^rie 60), viel- 
leicht einmal auf einem Stein in North- 
umberland (Hübner Inscr. Brit. n. 202). 
.Vm häutigsten umstellen die beiden Buch- 
staben das Monogramm Christi: die Form 

A^(^CO hat de BosH n. 127, 153, 178, 187, 

191, 197, 213, 214, 223, 270, 275, 283, 
304 , 326 , 341, 345 , 878, 448 , 570, 589 
(J. 408); Hübner Inscr. Hisp. n. 18, 80, 71, 
72, 78, 127. 154, 180, 193, 197, 198, 208, 
203 b, 246; ebend. 84, 102, 103 dieselbe 



Form im Kreis. 
308: A ^ (0 



oh. I, n. 594. 



Ap^lU de Eossi I, n. 
im Kreis mit swei TMiben 



3 Hübner Inscr. Hisp. 




n. 95. 

Weiter hat de Boen die Form 



(jedoch mit der Versetzung des A nach links, 
des (0 nach rechts) n. 825, 411, 847; die> 
selbe Iffibtter Hisp. n. 22, 28, 38, 44, 55, 
üb, 67, 68, 86, 87, 98, 99, 126. 

Als eine Variante dieser Yerbindnng mit 
dem Monogramm ist diejeiiit;«' Form zu be- 
trachten, wo die zwei Buchstaben von den 
Querannen des Monogram m s herabhSngen: 

de Rom n. 661 ; hier und da sind 



es kleine Ketten, an weldien die Buchsta- 
ben hängen. 



Digitized by Google 



62 , 'AravTinjc 
Wettere Yariantenjlea MonogfUDms mit 

)(ö de Rossi n. 225 ; 



dem ACO sind: A 





p 


A 






(mit der VecBetzung des ^ tauah 
links, des A naeh redits) Bom» n. 666; 

A^ ^ )(«) (/e ÄosÄ« n. 281 ; ^^^W HiU- 

Q mit S an dem P 
Hühner 



ner 




ip. n. 28; A 
Ht06n«r Htep, 



Hisp. 151; i/MZ»;*#r Brit. n. 206; 

HMner Brit 220. 



In Verbindung mit dem Kreuze hat de 
Itoiisi I das AW: A -f- 0) n. 941, 1296; 
Hiihucr Hinp. 279, 286: A -f ü llilhner Hisp. 
n. 91, 99, 119; A -f- * ///76;w Brit. 189, 
/ — 



194; 



(I) 



d« I, n. 218 (J. 370). 



E» kann hier nicht daran gedacht wer- 
den, iillc Epitaphien iuif/uführi-n, -wclcho das 
A(i) unter irgend einer Form darbieten; es 
aei nnr noeh erwflmt, dän ea anf datirten 
InHchriften Oalliens 377—547 erscheint {Le 
Blant n- 369, 591, 77, 565, 55, 467). Mit 
zwei Tauben ohne Monogramme hat e» 
HiUjtit i Iiisi r. Hisp. 92. Einmal ist es er- 
setzt durcli die auspeschriobonen Worte: 
PRIMVS NUVISSIMVS, INICIVM KT FI- 
NIS (Lersch I, n. 100). 

Nicht selten kommt das A(0 aucli auf 
Urabstoinen ohne Inschriit oder getrennt 
rm der Imehrift tot; so mit dem Meoo- 

gramm Christi oder dem zwischen 

zwei Lämmern oder zwei Pfauen, Äuf ra- 
vennatischon Sarkophagen. 

Anmer den Grabsteinen zeigt der Nim- 
bus Christi am häufigsten das AW ne- 
ben dem Kreuz oder Monogramm einge- 
zeichnet ; so auf einem Sarkophag in S. Vi- 
tale zu liavenna, auf dem Mosaikgomäldc 
Ton S. Aquilino in Mailand (ö. bis 6. Jahrb.; 
vgl. AllPijnwza Spiegazionc tav. 1, p. 18) 
und BOJist sehr oft. Aus derselben Zeit 
rühn'n die Lamml)ihior mit dem Nimbus, 
in welchem sich A(0 eingeschrieben findet, 
wi» auf dem Gemälde ans 8. Pietro e Mar- 
Oellino hf'i Boffai'i I tav. i ; spät ist die 
Altardecke mit derselben Darstelluns in S. 
Etienne tn Lyon (9. Jahrh.; Mai Cm. Vat. 
20f 



Nicht minder weisen Ringe das A(0 auf: 
vgl. d. Art. und Boldefti 504 ; d<'sgl. Mün- 
zen: «0 eine Silhcrmünze des Constans mit 
VIRTYS EXERCITVYM, eine Erzmfinze 



des Constiuitius mit SALVS AVGVSTI NO- 
8TRI; unecht ist dagegen die Goldmünze 
ConstanHn« d. Gr. mit VICTORIA MAXI- 
MA; vgl. Catedom App. alle ricerohe ant. 
intorno alle medagtie Costant. 5; (Inmicci 
Vetri 253; s. auch d. Art. Nurai.smatik. 

Freistehende Gebäude, öffentliche Bau- 
werke sind zuweilen mit dem Aü) geschmückt : 
allein, ohne Inschrift, an Porta latina zu 
Rom (Ende 4. Jahrh.). mit einer solchen 
von ;^77 zu Sitten in Wallis. Mit dorn Mo- 
nogramm wieder häutig an und in Kirchen, 
bes. in der Tribuna so in 8. Nasario e 
CcNo zu Ravcnna (um 450; s. r. Quast 
liavenna, Taf. 5). Engel halten zuweilen 
dae Kreuz mit AQ: in 8. Vitale zu Ra- 
Tenna; in S. Apollinare daselbst (6. Jahrh.) 
hat dasselbe Zeichen die Beiachrift: aalu» 
mundi. 

Piper hat in Jferzogi RE. f. prot. Theol. 
I 2 mehrere Beispiele gesammelt, aus wel- 
chen hervorgi'lit , wie lange sich das ACö 
noch im MA. im Gebrauch erhalten hat: 
so Bhabau. de laudil). s. crucis 1, Fig 1. 
Gpp. I 282 ; die Mosaiken von 8. Marco in 
Rom (an 830, Ati> am Piedestal der Figur 
Christi), den F,lfenbein<l( ( kel eines Evange- 
liums im Museum zu Darmstadt (11. Jahrb.), 
Fresken im Dom zu Anxerre (12. Jahrh.), 
Miniaturbild in der Hibliothok Barberini 
(n. 3577, ebenf. 12. Jahrb.). Didron ioonogr. 
chr6t. 601 erwfihnt eine Darstellung in den 
I leures d*Anne de Bretagne (Ende 15. Jahrb.), 
\v(» Vater und Sohn das Evangelienbuch hal- 
ten, auf welchem steht : ego sunt alpha ei o, 
prindpium §t finU, Dieselbe Insohrift EGO 
SV AL PHA ET O (von JJlhh' Ge^rh. d. 
riastik, 2. A. 3^3 gelesen Ego $um l'hae- 
Um!) umgiebt das Haupt des Erlösers am 
Portal des Dnmi s zu Parma {Lopez II bat- 
tisterio di Parma 176, Schnaase Vll 1, 263). 
Die Beispiele liessen sich vermehren. 

l.s erhellt aus dem lu^^her Mit^'etheilten, 
dass da.s 0) in der Formel .\tO durchweg 
in der uncialen Form vorkommt. <iar- 
t Hcri zu Macariu^ Hagiogr. 168 hat diese 
Regel für so ali^olut nnt^'f^'jelieii. dnsH er keine 
Ausnahme zugiebt und die mit dem Siegel 
AC = «0» Tersebene Gemme bei Mamadti 
III § 3, tab. 2* desshall. :ils falsch erklärte. 
Indessen zeigen die oben aus Uäbner uaeh- 

5ewiesenen Beisinele ausser der Schreibung 
iLU auch dreiuml AB, zweimal AO und 
einmal AO. Dass das CO vorherrscht, er- 
klärt sich einfach daraus, dass in der Epi« 
graphik jener Jahrhunderte die Unciale 
überhaupt Aber die Gapitale vorzuwiegen 
anfing. kk.ws. 

An.ANTITHü, Ötaxovo;. ein angeblich dem 
Archidiaconus gleichlautender Titel, welchen 
Habert Pontif. part. IX Observ. 6, p. 209 
aus CVme. Chalced. 449, act. IV (Oone. IV 



Digitized by Google 



'Aictnet — Aicoxpciu«. 



63 



650, n. 16) nachweisen wollte — ein auf 
der irrthümlichen Lesart ^Staxovo« drotvTiTijc 
statt 9tdfxovoc ir* oSt^c ^texspa« ixxXv]- 
siat l>i>ruhendc8 YcrsehaiL Tgl. Bhtghom 
lib. II, c 21 (I 337). 

AmZTOI, t. InfidelM. 

lPO€£IüU£n;S war ursprünglich der 
Name derjenigeii Kirehenbennton, welche 

in der alton Kirche von Päpsten an den 
kaiserlichen Hof abgesandt wurden, um da 
bei dem Staatsoberiuuipte die kirohliohen 
Angelegenheiten zu vertreten und hierühcr 
Bescheid an diejenigen zurückzumelden, von 
welchen sie ihre Sendung und ihre Auf- 
träge bekommen luMtfeen. Von dieser Pflicht, 
Ant\i'ortschrpiben zu erlaMon, stammen ihre 
^'amen Apocrmarii (a-oxpi'vsjftai) und Re- 
tponsales (respondero). Die Päpste aohiek- 
ten Apocrisiarier auch in verschiedene an- 
dere Länder und au verschiedene Biachöte, 
aber die wichtigste RoUe fiel den pSpet- 
lichen Apoerisiaricrn am Hofe zu Constan- 
■ dnopel zu. Als Kaiser Coustantin das Chri- 
«tenthora angenommen hatte nnd die Kaiser 
nicht mehr in Rom wohnten , p^ah es der 
Fälle genug, in denen das Oberhaupt der 
Christenbeft OeMmdtscbaften an das Hof- 
lager »enden musste. Dasselbe galt auch 
von den Bischöfen , die ausserdem wegen 
der ßesidenzptlicht nicht zu lange Zeit von 
fluren Kirchen abwesend sein durften. Die- 
sen Punkt berührt ausdrücklich eine No- 
Telle Jmtiniam (Nov. VI, c. 2), welcher 
desshalb im Falle einer Nothwendigkeit die 
Absendung von Apocrisiariern verlangt. Der 
Ursprung des Amtes der letzteren scheint 
auf die Constantins oder doeh auf eine 
nicht viel spätere Zeit zurückgeführt wer- 
den zu dürfen. Vgl. Hinctnar. £p. Iii, c. 
13 and 14. Bis in die Mitte de« 5. Jahrb. 
waren die Geschäfte der Apocrisiarier der 
Papste am kaiserlichen Uofe vorübergehende ; 
erst Papst Leo d. Or. schickte den Bischof 
lolianoB von der Insel Cos im ägäischen 
Meere als seinen ständigen Stellvertreter zu 
Kaiher Marcian. Im Laufe der Zeit erlang- 
ten die pipetliehen ApmM-isiarier grosse Vor- 
rechte; so z. B. zur Zeit Gregors d. Gr. 
das Kecht, Processe gegen Bischöfe zu un- 
tersuchen und sogar kfoinere Ooncilien zu 
berufen. Wie die Päpste, so hatten auch 
die Patriarchen und Exarchen der alten 
Kirche ihre Apocrisiarier bei dem Kfuser; 
diese oder der Patriarch von Conatantinopel 
vertraten zugleich die i\jigelegenheiten der 
den betreffenden Patriarchaten und Exar- 
chaten angehörigen ErzbischÖfe undBtichöfe. 
Diese selbst konnten jedoch Apocrisiarier 
an den Papst senden. So Hiidet sich ein 
Apoeriawrier des Krzbischofs von Ituvenna 
nt Rom unter Gregor d. Qr. Die Apocri- 



siarier wurden, wenn auch nicht immer, so 
gewöhnlich aus dem Stande der Kleriker, 
in der römischen Kirche aus den Diakonen 
oder Sttbdiakonen genommen. Liberatm 
Brevier, c. 12 berichtet, dans der Diakon 
Anatolius von Alexandrien des Dioscorus 
A. zu Constantinopel gewesen und es Ihm 
dadurch leicht geworden sei, nach dem Tode 
des Flavianus aut den bischöflichen Stuhl 
Ton Omutantinopel m gelangen. Euoffriuf 
1. IV, c. 38 erwähnt des Eutychius. A. des 
Bischofs von Amaaea, welch' ersterer selbst 
rar biechSflichen Wfirde berufen wnrde. 
Für (1(11 klerikalen Stand der Apocrisiarier 
ist sehr wichtig die Entschuldigung (ri'e- 
gors d. Gr. Ep. 43 an Kaiser Phokas: 
,quod permanere in palatio iuxta antiquaro 
consuetudinem apostolicae sedis diaconetn 
vestra Serenitas non invenit, non hoc meae 
neglegentiae , sed gravissimae neCMSitatil 
fuit." Das Kecht, Apocrisiarier zu senden, 
hatten auch die KlÖHter, und diese Art der 
Vertretung klösterlicher Angelegenheiten 
machte lusliuian Not. LXXIX, c. 1 gerade- 
zu zur Pflicht. So erscheint z. B. auf dem 
fEbiftmi allgemeinen Goneilinm mn gewisser 
Theon»u<, der sich M^tM Beoo rpsußorepo c xtx 
d7:oxptjapio( xou cqiou opouc ^Lwä!" nennt. 
Hit dem BilderBtreite b(fite das Amt der 
Apocrisiarier am Hofe zu Byzanz auf; der 
letzte dieser Beamten tritt uns unter Kaiser 
Coustantin Kopronymus (743) entgegen; doch 
führten die Päpste dieses Institut der Apo- 
crisiarier !ini fränkischen Hofe ein, nach- 
dem durch Karl d. Gr. das abendländische 
Kaiserthum errichtet worden war. Der Name 
,A.' wurde übrigens im Laufe der Zeit auch 
den Gesandten weltUcher Fürsten beigel^: 
Suker Thes. I 466, und ist daher gegebe- 
nen Falles zwischen weltlic hen und geist- 
hchen Apocrisiarieri) wol zu unterscheiden. 
Schliesslich sei noch kurz bemerkt, dass 
sich aus den Apocrisiariern der alten Kirche 
die späteren päpstlichen Legaten und Nun- 
tien herausbildeten, lieber das ganze vor- 
würfige Thema s. Thommsin. Vet. et nov. 
ecclesiae discipL circa benefic. p. I. lib. II, 

(IT— IIL KKl'LL. 



c. 



AllDAGÜIi:. der Tag, mit welchem die 
einem Hauptfeste folgende, mehrere Tage 
umspannende Feier Mi den Griechen auf- 
hört; in der Regel der achte Tag, die Oc- 
tave, aber nicht immer, wie z. B. Ostern 
seine A. erst an der Vigilie von Christi 
Himmelfahrt. Mariä Geburt die seiniire be- 
reits am 12. September hatte. iJanieL Cod. 
Lit. IV 230. Itfso/ Eaatvm Cfanreh In- 
trod. 764. 

AnOKPEi2X, xupictx^ diT^xpeujc, in der 
griechischen Kirche der der Dominica Sna- 
gesima entsprechende Sonntag, so genannt, 



Digitized by Google 



64 



Apokryphen — Apwtel. 



weil die Abstinenz von Fleischspeisen mit 
ihm bereits begann ; fibertras^en heisst auch 
so die ihm TorausjB^hende aU Carneval ge- 
feierte Woche. Vgl. Suirer Thettor. i. v. 
Daniel Cod. Idtorg. IV 214. 

APOKBIFHEN» Leenng denelben, s. Le- 
sungen. 

AIIOAF.AVMENüV Ordo. 

AllUArriK AI. dimissome, s. Litterae eocl. 

AflOOOPlSMOX. s. Exoommumoatioii. 

APOSTA STE (i-o"7-'.-x. praevaricati») igt 
der freiwillige Ab- oder Rückfall vom Chri- 
stenthnni zum Juden- oder Heidenthum, 
im Gegenwitz zu dem erzwungenen der 
Lapsi (s. d. A.); .pmevaricatoren,* sagt Hi- 
lar. Pict. in Ps. 118, 119, ,eo8 oxistimauius 
qni susceptam fidem et oognitionem Dei 
adeptam relinquunt, aliud pollicito!*. aliud 
nunc agente-s.' Zu Cypnum Zeiten galt 
das Verbrechen noch als so schwer, aass 
es keine Verzeihung erhielt (apostafae . . . 
nec si occisi pro nomine foria lueriut, ad- 
mitti eecundum apoetolmn pomnnt ed ecele- 
si;ir i»aeem . . . Fpist. TiV). Xarh tlon Can. 
apost. c. ü3 wurden Kleriker und Laien, 
welche die S^magofTen besnehten, exoom- 
nranicirt. >»e/. al i^csetzt; vgl. e. 69. Das 
Nicaenum gestattete die Annahme reumfithi- 
ger Apoetateo unter die Bilssenden : sie hat- 
ten drei Jahre unter den audientes, sieben 
unter den substrati, zwei unter den eon- 
sistentes zuzubringen, ehe ihnen ffestattet 
war, DMü irX to -re/x'.ov. Auch das ('f)nc. 
Carth. H!>7 , <•. X) erklärte: reumüthigen 
Apostaten ;;^ratiu vel reconciliatio non ne- 
gatur. Der Verkehr mit den Juden wurde 
von dem Trullun. 092, c. U den i-;t!ii-!i(>ii 
unter »Strafe der Absetzung^ den Laien un- 
ter Excoramunieatioii imtonagt. FHihfleitig 
werden in Spanien einfreliende und häufig 
eingeschärft« conciliarische Massregeln ge- 
gen den Abfiill zum Jndenthnm getroffen 
(vgl. Ihfeh CO. r U^i: so in Elvira :»)5, 
0. 4G und 49, in Toledo (i33, c. 59: offen- 
bar weil gerade luer die Zahl vnd der Ein- 
fluss der Juden g^oss waren. Aeludich in 
Gallien, wo die Concilien von Arles 314, 
c. 22, von Vanncs 4(>5, c. 12, von Agde 
506, c. 40, von Rponc 517 o. a. sich mit 
dem Gegenstand liefassten. 

Aueli die weltliche Macht suchte den 
Rücktritt vom Christenthum zu ferfaindem. 
Constantius bestimmte die schon von Con- 
stantin d. Or. {Cod. Theod. XVI 8, 1) fcHt- 
gesctzten poenas meritas gegen den Abfall 
zum Judentluim und setzte Confiscation der 
Güter darauf (cb. 7). Yalentinian d. J. ent- 
zog diesen Apoetaten 383 das ine testend! 
(eb. 7, :|). Dieselbe Strafe dehnte The(.- 
dositts 3dl auf die ram Heidenthum Zu- 



rückkehrenden aus; doch gestattete er 383 
den noch nicht Getauften, zu Gunsten ihrer 
Kinder und rechten Geschwister zu ver- 
fügen. Eine Constitution von :{<.<l maohte 
die Apnstaten so «;ut wie lnir<rerh"ch todt 
und unfiihig. ein Amt zu bekleiden (eb. 
XVI 7, 4 -5). Arcadius war den Aposta- 
ten wieder milder und gestattete au- h den 
: Getauften die erwähnte TestirtVeiheit zu 
Gmwten der Ihrigen, wBhrendYalentinian IIT 
426 die Gesetze gegen die A. wieder sehr 
Terscharfte. Man vgl. Gothofred. Paratitlon 
m Cod. Theodoe. XVl 7, mid Bhtgkam üb. 
Xyi e (Vn 268 ff.). uuue. 



APOSTATAE, s. Spottnamen. 

APOSTEL, bildliche Darstellung 
derselben. Hier sollen nicht die einzel- 
nen A. nach ihren indmdoellen Charakteren 

in Betracht kommen, sondern nur insoweit, 
als sich die altchristliche Kunst die A. als 
,Col]egium* nun Ge<;en-itanile ihrer Schö- 
pfungen gemacht hat. Ks ist bekannte That- 
sache, dass die A.bilder b'ji den alten Chri- 
sten sehr beliebt waren; daher auch ihre 
häufige Ainvenduns" in HiMern, Sculj)turen, 
1 Mosaiken, Gemmen und Münzen, an äarko» 
Iphagen, Lampen, auf Teppichen, in der 
Komi von Hildsiiuleii ii. s. w. Wo und wie 
immer in den ersten christlichen Jaturhun- 
derten nna leider der A., im allgemefnen 
Sinne des Wortes genommen, entgegentre- 
ten, so sind sie, ents)>rechend der Entwick- 
lung der christlichen Kunst überhaupt, mehr 
andeutender als darstellender Natur: das 
Symbol tritt in den Vordergrund. Mit Kfiek- 
sicht auf Luc. 10, 3: .gehet hin, siehe, ich 
sende euch, wie Jjämmer unter WöltV, em- 
pfahl sich ganz l)esonders da« Symb<d des 
Lammes (Schafes). In einem Kelicf bei 
Armfd I 189, 8, Bono Ih, Battari Tab. 
2S sieht man nntt-r den Figuren Jesu und 
seiner Jünger ein Liamm mit sechs Läm- 
mern auf jeder Seite abgebildet; eine Ähn- 
liche Dai-'^telluni: fin<lrt >ii h nach Allfijrnnza 
Tab. 6 im Dome zu Mailand. Das erwälmte 
dreizehnte Lamm, gewöhnlich auf einem 
Felsen, dem vier Flüsse entspringen, stehend, 
ist sehr oft dargestellt und deutet auf Chri- 
stus hin. Gleichfalls auf biblischer Basis, 
Matth. 10, 10: ,seid . . . einfältig wie die 
Tauben', beruht der Gebrauch der Taube 
als Symbol für die A., als Trager der Un- 
schuld und Kedlichkeit. Der hl. Paulmm 
r. N'ila Kp. Iii ad 8ever. erklärt in dieser 
Weise einen iSchmuck seiner Kirche, nüm- 
lieh ein Kienz, umgeben von einer Krone, 
zusammenj^esetzt ans Tauben. Bis 

heute noch haben sich Denkmäler erhalten, 
auf welchen zwftif Tauben, Symbole der 
zwrdf A.. auf dem Kreuze oder um das 
Kreuz herum sitzen: so z. B. auf einem 



Digitized by Google 



ApotteL 



65 



HoMik ia der Apais dar ffirehe 8. Clemenfee 

in Rom ; hier ist der g'ekrpuzif^te Christus 
dargestellt; auf den Armen des Kreuzes 
itcheD xwSir Taabeit die swSIf A. Born 

de cruo. triumph. VI 11; Rondinini de S. 
Clmente eiunque Basilica. Auch auf einem 
■Hni Sarkophage zu Arles sind die zwölf 
A. durch zwölf Tauben dargestellt, je zu 
leehs und sechs nuf zwei Seiten geordnet; 
dessgleichon findet »ich diencs Symbol am 
Rande eines alten Altartisches. Wie das 
Neue Test., so hat auch dns Alt»» Test, den 
alten Christen Stolf zu symbolischen Dnr- 
tteOungen gegeben, u. a. P». 41, 2: ,wie 
rieh ein Hirsch nach Ayasser(]iirll<'n sehnt, 
80 sehnet meine ii^eelu sich nach dir, o Uutt V 
Der Hirsch wurde ein sehr f^eaehtetes 
Symbol der alten Kirche und erhielt sich 
bis in das MA. hinein. Der Hirsch, im All- 
gemeinen Symbol h^sbegieriger Sevelen, be- 
(k'utet nach Hieronyfn. in Isai. c. 84 und 
Bniu in Ps. 28 auch die A.; alte Kunst- 
darstellunf^en , aus denen auf die Richtig- 
keit dieser Interpretation sicher gesdilossen 
werden könnte, scheinen sich nicht crlialten 
zu haben. Auf die A. wird auch vuii l'>iiii- 
gen das seltene Symbol eines Ochsen ge- 
'Icutet, das sonst auf die christlichen (rlau- 
bensprediger ganz allgemein bezogen wird, 
nit Rfleksicht auf I Kor. 9, 9 und I Tim. 
5. 18, womit die Stelle bei Cassioifr»-. in 
Ps. 6ö zu verglejchen ist: ,boTe8 iutelligit 
praedieatores, <|ui |m i tor» homhinm feHeiter 
exorantes, eorum senaibus coelestis verbi 
semina fruetuosa condunt." Auch die Ster- 
nenwelt diente der christlichen Symbolik. 
.Sterne bedeuten naeh der Apokalypse 
fl, IB -20) die Kirche; sie kommen aber, 
zwölf an der Zahl, auch als Symbol der A. 
oder der christlichen Lehre vor' (Kraus R. 
8. 2t!4). Dass die mystischen l'uchstahen 
A uud t*) in den Bereich der christüchen 
Symbolik gezogen and ihre Anwendung anch 
auf die A. gefundeti haben, ilarf wol am 
wenigsten befremden. Lup^i Dissert. letter. 
e «Kr. Operette 1 260 weist auf einen Omb- 
stein hin, auf welchem die zwölf .\. durch 
sw5lf A, m je sechs nach links und rechts 
abgetheilt, dargestellt sind; in der Mitte 
das A und 0), Christum repräsentirond. Vgl. 
AjK>k. 1,8. In die Klasse der hier be- 
sprochenen Symbole gehört noch der Fi- 
scher, den man auf einem im Vatioan 
gefundenen Sarkophage abgebildet sieht. 
Bottari i, Tav. 42. Der Fischer ist mit 
Aii<reln beschäftigt und sinnbildet den Be- 
ruf der A. nach den Worten Jesu: ,ich 
werde euch zu Menschüuti.Hchem machen' 
(Matth. 4, 19). Etwas geswungener scheint 
die Deutung dieses Symbols auf ChristiLs 
selbst zu sein, der allerdings in oratorischor 
Weise bei Otvgor* Na», Orat 31 ein Fischer 
genannt wird, ,nm den Fisch, d, i. den 



Menschen, aus der Tiefe und in die Höhe 

zu ziehen' etc. Die symbolisirende . auf 
Elrbauung zunächst berechnete Darstellung 
der A. in Bildern etc. schritt hauptsächlich 
seit dem 4, Jahrh. zur Darstellung der P e r- 
sonen der A. vorwärts, sei es, dass hier- 
bei nur die Phantasie des Künstlers mass- 
gebend war, sei es. dass die Dantelhuigen 
sich an biblische Scenen anschlössen. In 
der Regel sind dabei die A. mit kurzen 
Haupthaaren, Petrus selbst mit kahlem Kopfe 
dargestellt; einige aber tragen das Haupt- 
haar lang, wol mit Rücksicht auf das Nasi- 
räer-Gelübde: ,er soU heilig sein, und das 
Haar seines Hauptes sich wachsen lassen' 
(Num. 6, ö). Wann man angefangen hat, 
das Haupt eines A.s mit dem Nimbus um- 
geben darzustellen, kann nicht sicher an- 
gegeben werden i jedenfalls aber wendete 
man den Nimbus bei Christus, Maria und 
den Engeln früher als bei den A.n an, 
denen er in der zweiten Hälfte des f). Juhrh. 
gegeben worden zu sein scheint. ,.\uf dem 
Triumphbogen von St. Paul zu Rom (441) 
trä<:t Christus einen (lur< li das Kreuz ge- 
tlicilten, die A. und Evangelisten einen vol- 
len Nimbus ohne Kreuz. Aehnlich waren 
rhristus und die A. in der I.^!)2 zerstörten 
Kirche S. Agata zu Rom (472) unterschie- 
den' (Xraws R. S. 224). Bekleidet erschei- 
nen die A. mit <lerTutiica und dem Pallintit. 
letzteres bisweilen mit einem Monogramm 
▼ersehen, ersten» mit zwei senkrechten 
Streifen von Purpur geschmückt. Eine kurze 
Toga, vielleicht besser gesagt eine enge, 
toga arcta im .Gegensätze zur toga laxior 
der Reichen , will von Einigen als Zeichen 
der Armuth der A. aufgefasst werden. Wie 
immer aber die Form der Kleidiinjr der 
.\. beschaffen »ein mag, so erscheinen sie 
mit OIkt- und l'nterkleid . w as in der Iii. 
Schrift eine Degründung Hnilet in den Wor- 
ten Jesu : .demjenigen, der mit dir rechten 
und dein Udterkleid (tov yitüiva) nehmen 
will, dem huss auch den Mantel (t6 i}td-nov)'- 
(Matth. 5, 40). Was die Fussbekleidung 
in den bildlichen Darstellunf;en der A. be- 
trifft, so erscheinen diese hier und da bar- 
fuss, meistens aber an den Ffissen mit San- 
dalen versehen, d. i. mit Sohlen, welche 
mit Riemen um den Oberfuss gebunden 
wurden. Diese waren den A.n zu tragen 
erlaubt, während unter den bei Matth. 10, 10 
ihnen verbotenen Schuhen nach AiKjiiaiinm 
solche zu verstehen sind, welche di'n {ganzen 
Fuss bedeckten. Besondere Attrümte für 
die einzelnen A. tiTi<ie(i sich <leii Iii. Pe- 
trus mit den Schlüsseln ausgenummen — 
in der altohristlichen Zeit nicht; allen ge- 
meinsam war nur ein <;erolltes Buch , wel- 
ches sie mit der buken Hand halten. — 
Insoweit die A. ihrer persSnlichen Erschei- 
nung naeh in altehristiichen Denlonäleni 



Digitized by Google 



66 



Apostel. 




o 



o 



o 

a 



a 



1 
o 

du 



dargestellt wurden, so können hier aelbst- 
veTBtandliph nur einzelne Beispiele von her- 
vorra^' 'n«lt I Hodeutung angeführt werden. 
Auf dem Kelicf eines Sarkophages (s. hei 
Aringhi 1 187, 2; liosio G9; Bottari Tav. 
25) enehdnt JeBUS mit den xwdlf A.n ; Je- 
sus steht auf einem Felsen , aus dem vier 
Quellen entspringen, in einem Lehrvortrage 
be;;riHVn und ein aufgerolltes Buch in der 
linken Hand haltend: ihm zur Linken steht 
Petrus mit eiuem mit Edelsteinen ))esotzten 
KreuM in der Hand, welekM er «n die 
Sehnlter lehnt, wnl mit Rücksieht auf den 
ihm von Jesus bei Job. 21, 18 — 19 prophe- 



leiten Kreuzestod. Zur Rechten 
Jesu steht ein A., seinem kah- 
len Kopfe nach der hl. Paulus. 
Der hl. Johannes ist zu den 

Füssen Jesu am Felsen abge- 
bildet und hält zum Zeichen 
der Ehrerbietung die Hände 
mit «einem Gewände (y).otjiüc) 
bedeckt. Die A. hören auf- 
merksam der Rede Jesu zu, 
und mehrere von ihnen halten 
Schriftrollen (». Fig. 38) in den 
Händen. Auf einem alten Re- 
lief in (lor Dnmkirehe zu Mai- 
land (Aliegranza Tab. 4) huden 
wir Christus und die swSlf A. 
zu seinen beiden Seiten sitzend, 
den hl. Johannes nebst Maria 
wieder am Fusse des Felsens, 
und zwar jenen auffallend mit 
geschorenem Haupte. Die sitzen- 
de Stellung Jesu und der A. 
trifft man übrigens am häufig- 
sten auf alten (Jrabdenkmälern 
(Sarkophiigeu) Galliens [so auf 
einem Sarge zu Marseille CJ/f^»n 
Midi de la France, pl. 5!)), auf 
einem solchen aus Kigueux le 
Franc (Ain), jetstim Louvre. K.]. 
Sitzend und lehrend (>rscheint 
Jesus mit den zwölf A.n auf 
einem Mosaik in 8. Aqnilino 
zu Mailand . <l;iliei die Huoh- 
staben A und ü); in die Ge- 
wänder Ohristi und einiger A. 
sind Buchstaben eingewebt (AUc' 
gratizaTah. l). Auf zwölf Thro- 
nen zu beiden Seiten des Herrn 
sitzend (Matth. 19, 28) sieht man 
die A. auf einem Mosaik der 
Kataknnil)e der ViaSalaria; da- 
gegen stehen die A. auf einem 
andern Mosaik in S. Gioviinni 
in Foute zu Kavcuna, halten 
in der Hand eine Krone und 
sind auf dem Haupte mit einer 
Art Tiara bedeckt (Ciampmi 
Yet. Hon. 1234). Aus dersel- 
ben Zeit (5. Jahrb.) stammt 
eine Mosaikarboit von S. Agata in Su- 
hurra (Ciampim 1. c. 271), worauf Pe- 
trus allein als Oberhaupt der A. und der 
ganzen Kirche die Tiara auf dem Haupte 
trägt. Christus, die A. unterrichtend, ist viel- 
fach in Frescogemälden dargestellt. Eigen- 
thümlich ist ein Gemälde in dem ("oeme- 
terium l'rist illae, welches uns die A. in dem 
Speisesaale mit dem Worte ADVINTÜ8 
zeigt (ßiaHcAiMi Demonst. bist. occl. tab. H, 
saec. 1, nr. 25). Zur Zeit des hl. Hierony- 
utts brachte man diese Bilder auf gewnsen 
Oefässen an, die man sauromariae nannte 
{iJieronym. in lun. c. 4). Diu Zwölfzahl der 



Hl 

a. 

o 

M 

t) 

CD 



Digitized by Google 



Apostel. 



67 



A. ist eiDgehalten in den Statuen der A. 
SU8 Silber, welche Constantin in der Basi- 
lika gleichen Namens aufstellen lies«, wie 
er auch sein Grabmal zu Constantinopel mit 
den Säulen der zwölf A. schmückte {Euseb. 
Vit. Const. IV fiO). In Biistenform erschei- 
nen die zwölf A. in einem alten Btu^relief aus 
Bronce in der Form kreisförmiger Schilde, 
in deren Mitte sich ein grösserer Schild 
befindet, einen Bischofsstuhl einschliessend ; 
auf diesem liegt ein offenes Buch — das 
Evangelium, die Stelle des Heilandes ver- 
tretend (Lupi Dissertt. I 262). Die Büsten- 
form der zwölf A. hat sich auch an Fläsch- 
chen und Lampen erhalten, welch' letztere 
gerne mit den Bildern der A. geschmückt 
»nirden, wol nicht ohne Rücksicht auf Jesu 
Wort : ,ihr seid das Licht der Welt' (Matth. 
5, 14). Auf gravirten Steinen {Allegratua 
Opu-tcoli 178) und auf bemalten o«ler ver- 
goldeten Gläsern wurden die A. meist in 
ganzer PersoncngestAlt dargestellt, so u. a. 
auf einem merkwürdigen Glase bei Gari-ucci 
Vetri ornati di figurc etc. XIX 4; ein Chri- 
stuskopf i.st in der Mitte, um ihn herum 
«eben kreisförmig die zwölf A., über deren 
Köpfen die Inschrift angebracht ist: PK- 
TRVS CVM TVIS OMNES ELARES PIE 
ZESKS (?'ig. 39). Nach Anastasius dem 




Tlf. S9. OoIdfUa. 

Bibliothekar waren auch Teppiche mit den 
Bildern der A. geschmückt, und Beda de 
loc. sanct. V spricht von einem linteum 
opere textorio mit den Bildern der Zwölfe. 
Auf mehreren Reliefs sieht man die zwölf 
A. ohne den Herrn; s. Münter Sinnbilder 
der alten Christen, 2. Heft 86, so z. B. 
auf dem Sarkophage des Probus und der 
Proba, wobei man die auch anderwärts be- 
merkbare Eigenthümlichkeit wahrnimmt, dass 
die A. paarweise zwischen korinthischen Säu- 
len stehen, vielleicht mit Anspielung auf 
Luc. K), 1 : ,der Herr sandte sie je zwei 
und zwei vor sich her.' Wenn auf den 
»Itchrirtlichen Bildwerken die zwölf A. an- 
gebracht sind, so fehlt dabei immer Mat- 




al 

u 

8 



CQ 



a 
c 

A 

d 
Ä 
u 



thiaa und tritt an seine Stelle Paulus. In 
einem Mosaik, angeführt von Ciampini Vet. 
Mon. I, tab. 71, ist jeder A. mit »einem 
Namen bezeichnet; einen Matthias finden 
wir aber dabei nicht, sondern den hl. Pau- 
lus an der Seite des hl. Petrus. Die alt- 
christlichen Künstler übergingen den Mat- 
thias, weil er nicht unmittelbar durch Chri- 



98 



Apoetalfasten — Anoro^nei. 



stus selbst, Hon(I(>rn durch das Loos zum 
Apostolate bfrufen war. Nicht immer aber 
ist die Zwölfzahl der A. vertreten; es sind 
deren auch weniger, z. B. nur sechs, wie 
auf einem Mosaik von R. Androas in Bar- 
bara und aul einem schönen Wanc^mälde 
de« CoemeterimD 8. Agnetis (vid. Chmpitti 
I. c, tab, 70 und Botfari 14fi). Am liohston 
wird Jesus mit Petrus und Paulus dargestellt. 
Bei der Darstellung biblischer Soenen, s. B. 
der Wunder Jesu, finden wir Zahl und Si- 
tuation der A. durch den Charakter der 
Begebenheiten, noch mehr durch die sub- 
iecraTe AuffaKsun^ der Künstler bestimmt. 
[Lampon mit den A.n f^j'ben das 3fu8. 
Cortonenso , tab. 84, de Hossi Bull. 1867, 
28 au« Genf, 4. bis .5. Jahrh. Kine sehr 
merkwürdige, stilistisch wol die bedeutendste 
Darstellung Christi unter den zwölf A.n 

fiebt der Elfenbeinbeeher des Barßner 
Ins. 'ums, welcher nn der Mosel gefunden 
wurde; s. Üchnaase (iesch. d. HK. III 147: 
Kraus Anf. d. ehr. Kunst 122, Fig. 30. Vgl. 
unsere Fig. 40. K.] kbOll. 

APOSTELFASTEN, zum Andenken an die 
Ai>ostel IN'trns und Paulus, dauerte hei den 
Uriecheu vom Montag nach der xopiaxTj 
itpiDti) too \!fltT6«(oii (xopuorij tSw ir^w «crv» 
Tcuv, dorn erstell PHn;^sr*;iiinir;\'») Ins zum 
29. Juni, dein Tag der beiden Apostel, wie 
behauptet wird, mit Beziehung auf .\pg. 
1, 24; 2, 15. Ain/itsfi Ixtraclitet , ohne 
Gründe anzugeben, die Montanisten als die 
Urheber dieses Festes. 

APOSTELTAGE, s. Feste. 

APOSTOLATÜS (inosToXr), im Sinne von 
«bischöflicher Würde, kommt noch 
bis ins MA. vor. Vitulis vf Con^iauf'ü Ep. 
ad Capreol. Episc. Cath.; Sidon. Apollin. 
Eptst. VI 4 ad Lup. Episc. Treeens. : .prae- 
ter officium quod . . . eminenti apostolatui 
tuo sine tine debetur'; ders. Ep. VII ad 
Fontelnm ep.; Enmd. Epiat. V 17; Ävii. 
Epist. 10, 2:i, :J7, 50 u. s. f. Sp&tere Bei- 
spiele giebt Diiriin/je i. v. 

AlinSTOAKInX. Sozom. H. e. IX 10, 
Vlil 17 für eine zu Ehren der Apostel ge- 
weihto Kirche, woffir OpteU. Mü, o. Panne- 
njan. Kb. II 32 numariat Apostoürtm hat. 

APOSTOLICA SEDES liiess noch bis ins 
5. Jahrh. hinein jeder Bischofssitz : August. 
Ep. XLIl ad. fratr. Madaur. : ,soci(>tas \wr 
sedes apostolorum et suoeeisiones episcopo- 
rnm certa per orbem propagatione dift'un- 
ditur.' Eb. Ep, 1(12. Sidon. ApoUin. Ep. 
Lib. VI 1 ad Lup. Tricassin.: ,in aposto- 
lica sede novem iam decursa quinquennia' 
(von einem gallischen BischofoJ. Faulin. 
NoL Ei>ist. XLV ad AJyp. Zur selben Zeit 
indet sich aber atieh die BesdtriLnlrang des 



t. t. auf die von Aposteln gestifteten odermit 

Briefen derselben beehrten Kirchen, so Aug. 
de doct. Christ. II 8; Leo M. Epist. 1»."). 3. 

APOSTOLICCM findet sich im Ordo. ßotn. 
für epistolariimi: sabdteeomis «ntem qm leo- 
turns est sub cura sua habebit Apostolicum, 
et archidiaconus evangeliuni. 'ArojtoXaiv 
^tßXiov hat Cabasü. Expos. liturg. c. 22 
(DueoHge). 

APOSTOUGim. Ursprflngfieh heisst so 

jeder Bischof der alten Kirche: so noch 
öfter bei Venant. Fortunat. (ygL Ducange 
i. v.). Dann wird der t. auf «e Metropo- 
liten beschränkt: so gebraucht ihn P. Siri" 
rius für die Primaten: Epist. IT 1 (Conc. 
11 1029): ut extra conscientiam sedis Apo- 
stoUcae, id est, Primatis, nemo audeat ordi- 
näre, und diese Bedeutung hat das Wort 
auch noch lici Alcuin (U* divin. offic. c. 36. 
Doch galt der t. im Zeitalter Karls des 
Kahlen gemeinhin schon nur mehr dem 
Papste: Capitul. Caroli c. tit. 30, § 4 (3 Nor. 
862): adportavit mihi . . . Boso domni apo- 
stolici opistolas; wesshalb, sagt schon Gre- 
gor. Magn. Epist. V 37 : cum multi sunt 
.Vpostoli, pro ipso tarnen principatn sola 
Apostolorum prindiMti sedis in anetoritete 
convaluit. 

Ueber Aposiolici als Sectenname s. Apo- 
taetitae. kraus. 

AP08T0LIUM (dito9ToXnbv). ApostoUa 

heisscn die littei-ae episcop. an einigen Stel- 
len, wo aber. vielleicht cpistolia zu lesen ist: 
Epist. Ohlodovaei I ad Episcop. und ConeiL 
AureL II, c. 13. Vgl. Ducang* L 

APOSTOLUS (Äroa-oXo;), in der grie< hi- 
schbn und liiteini^rlMMi Kiri'he für die Brii'f- 
sammlung des .Vpostcls l'aulus. Sarrant. 
Gregorii M. Concil, Tolet. T, e. 2; Isidor. 
Ilisji'i/. hoi Im Carn. Deer. VI 1 ; Cyrill. 
Scijihopolil. Vit. s. Sabaej Codin. de oftic. 
0. 6. Vgl. Dueangt i. t. 

APOTACTITAE, Bezeichnung einer den 
Enkratiten verwandten Secte, die sich auch 
Apnstolici nannten. Aiigusfin. de liaeres. 
c. 4t>: ,Apostolici ^ui se isto nomine arro- 
gantissime ▼ocavorunt, eo quod fai suam 
communionem non reriporent ntentes con- 
iugibus et res proprias possidentes, quales 
habet eatholiea eeelesia et monachos et ele- 
ricns plurimos , »cd ideo isri liaeroHci sunt, 
quüuiam sc ab occlesia separautcs nullam 
spem putant eoR habere qui utontur bis re- 
bus quibus ipsi carent. Encratitis isti simi- 
les sunt, nani et apotactitae appellantur. 

AnOTAE.\MENnl . renu>ir/'a}ifr<i, Bezeich- 
nung der der Welt ontiuigeudon Mönche 
bei Casnan, de Instit Renundantinm und 
Patiad, Hist Lausia«. o. 15. 



Digitized by Google 



6» 



ADOTASa, 8. Abraumciatio. 
AnOTEAEZMATIKOl soviel ab Atlroloqi, 

s. Astrologie. Einifje, wie Seiden do (Iiis 

äm I, c. 2, p. 116, glauben, dass gewisse 
sine, ans Vaehs gtnertigrte Bilder, welche 
zur Storndeuterei gebrauclit wtir(l<>ii. tü^ro- 
vikb^ttxoi hieHsen. Vgl Biugham üb. VI, 
c. 5 (VU 237). 

APPELLATION. Die erste Instanz in 
Stehen des Busswesena der Laien und Oeint- 
lirhen. sowie hei Amtsvorgehen und welt- 
liclien Händeln der Geistlichen bildete der 
Biiehof der Diöcese; die erste Instanz für 
oder fregrn Bisrhöfe war die T'rovinzial- 
synode (Cau. apost. 74 Erst in der 

Mnkiielieti Zeit ftingirt als eine Art tot- 
läufifror Instiinz nueh wol der Metropolit 
allein oder mit einigen Comprovinzialbischö- 
fen (Arrern. II, oan. 19; rmi». Y, oan. 11; 
Carthag. III 7). Danach regeln »ich die 
weiteren A.8in8tanzen. Waren Laien oder 
Kleriker mit dem Spruche ihres IMs<-hofK 
nieht nilneden, ao konnten sie an die Pro- 
viasialsynodon nppelliren , deren jährlieb 
«wei oder wenigsten» eine gehalten werden 
sollten (can. ap. 38 (36) Nie. I 5). So die 
allgemeine Praxi« der ganzen alten Kirehe, 
wie die Vergleichung von Constant. 1 6, 
Oialeed. 9, Oarthag. II 8. sog. statuta Afr. 
29 und Ti.urin. 1 und 2. Agath. 111.. 
Lvgdun. II 1, Khem. ö lehrt; nur can. 7 
des sog. Carth. lü'lSsst als nurrogat der 
Synode in Sachen der Priester und Diako- 
nen Conferenzen von fünf resp. zwei Nach- 
harbischöfen zu. Bei Streitsachen gegen 
Bischöfe oder d' r HiHchöfe unter einander, 
die nicht auf den Provinzialsyno<len aus- 
geglichen werden konnten, war der römische 
Biichor die weitere Instanz, wie aus den 
fOn der Kirchcngestdiielite berichteten tliat- 
sichlichen A.en hervorgeht. Bei vielen die- 
ser Fälle ist das dogmatische nnd jurisdic- 
tionelie Klement luich nicht gesrliifflf!), in- 
dem ein Häretiker uicht Kirchendiener sein 
kann und in dem dogmatischen Yerwerfungs- 
urtheil der Ausschluss aus der Kirche und 
die Absetzung vom Kirchenamte enthalten 
'war, auch wenn sie nicht ausdrücklich aus- 
gesprochen sein sollten. Die Orientalen mach- 
ten in diesem Punkte frühzeitig S<'hwierig- 
keiten und schoben, bevor es zum Schisma 
kam, ivenigitens andere Zwischenstationen 
ein. .grossere Synoden' (A iitinch. von 341, 
can. 14;, die Exarchen und Patriarchen, 
schliesslich den von Conatantinopel (Nie. I 
6. f'halccd. 9); die Eusehianer waren den 
A.eu überhaupt abhold und sahen darin 
eine Untergrabung der Antoritlt der Sv- 
nnd,Mi a/*;/V/t' ronc.-Gesch. I 479, 481). In 
gänzlicher Verkennung der richtigen Auf- 
nMon^ der Stehe, welche Oarlfa. III 10 
aoMpnoht: ri ad alioa todiee» 



ubi est maior autorilas, ftierit proroeatom, 

non eis obsit, quonim fiiorif sdluta sententia, 
wollten die Eusebianer iür den Fall, wenn 
das IJrtheil der ersten Synode e i n s t i m m ig 
gewesen war. gar keine A. dulden (can. 15), 
worin ihnen P. luüus entschieden wider- 
sprach. Daher war es von besonderm Werth, 
daiB Hosius zu Sardica auch die formelle 
Anerkennung des höhern Jurisdi< tionsrechte« 
des römischen Bischofs bei den Orientalen 
durchsetzte (Sard. can. 8). freilich mit der 
Modification, da.ss derselbe, wofern er nicht 
das Urtheil letzterer Instanz zu bestätigen 
für gat finde, ' sondern eine neue Untersu- 
chung anonlne, iudices in partibii'; ernennen 
und, falls es sich um Absetzung eines Bi- 
schöfe handle, Legaten absenden soHe (Sard. 
can. ö). In Hefreff der A. nach Rom ge- 
rieth P. Zosimus 418 mit den Africaneni in 
eineDifferens, indem die letzteren nicht dul- 
den wollten, da.ss blosse Priester und Dia- 
konen (von Bischöfen ist keine Rede) ad 
transmarina appellirten, sondern behaupteten, 
dass sie sich mit dem Spruch der afHcani« 
sehen Oeneralsynoden begnügen mössten 
(can, 17 der Syn. dess. .1,, can. 125 des cod. 
\ ecci. Afr.), und sie beharrten nach 424 auf 
diesem Standpunkte, da die Legaten, obwol 
I sie in der Sache Recht hatten, in der Art 
derBeweisfUhrung unglfleklidi waren (Hefde 
I a. a. O. II 107. 1 l.l. 123 ff.). A.en in kirch- 
lichen Sachen an den Kaiser, d. h. die welt- 
liche Gewalt, waren den Bisehöfen und Kle- 
■ rikern durch S}^loden dos Orients wie des 
Occident« in gleicher Weise (im Allgemei- 
nen] verboten: vgl. Antioch. von 341, can. 
11 und 12 und sog. cod. eccI. Afr. can. 104. 
[knmon al)er gleichwol sogar Seitens der 
Päpste vor. K.| h. kellser. 

Al'SIS (-i'lrtc. jon. von Simo an^ 

binden, anknüpfen, Horn. Odyss. 21, 408) 
bedeutet seiner eigentlichen etymologischen 
AI)l(Mtiing gemäss nichts anderes als Ver- 
bindung oder Verknüpfung. In fibertrage- 
nem Sinne wird damit ehie Rundung oder 
Wölbung bezeichnet, namentlich gebraucht 
Plutarch dieses Wort in Verbindung mit 
dem AdjectiTum 6roup^ioc zur Bezeichnung 
von Firmament oder Himmelsgewölbe, wie 
auch der hl. Hierontftnm (Ep. ad Ephes. II 
614) von dem leuchtejiden Himmelsgewölbe 
das Wort ,A.' gebraucht. Und weil jedee 
(Icwölbe eine Nachbildung dos Himnielsge- 
wiilhes ist, .so erscheint a<|'^'c von Archestra- 
tos (in einem Fragment bei Atiienaeos 326 B) 
überhaupt als Benennung für Gewölbe. In 
der christlichen Archäologie aber bezeichnet 
man mit diesem Worte nicht ein vollkommen 

al>gerundetes (iewölbe, sondern einen an 
ein Kechteck angefügten halbkreisförmigen 
Anbau, dne NisMie, wddie die eise (weit- 
liehe, Krmu OhristL Kunst 166), dem Bb- 



Digitized by Google 



70 



Apsis. 



gang«" gcgonuborliogonde Schmalseite der 
Basilika abschliesst. Uieronymm (L. U in 
Ephes. 0. rV) bezetehnet dieeen T1i«Q der 
Kirche immer mit dem Worte A., während 
AnHrre wcfjen seiner Aehniichkeit mit einer 
Mutjchel ihn auch Concha nennen. So 
DufrWM (Comment. in l'aul. Sil. 5<i5), wel- 
cher scin(»rx»'its auf Prokop und S. Pau- 
linuH lierult. l ml in den Acten des lü, 
Theodoret von Ancvra (A«m. ed. Veron. 
295). der unter Diocletian gemartert wurde, 
wird berichtet^ dass dieser Heilige, als er 
eines Aliendt in die Kirche der Patriarchen 



zum Oi lx'tc sich begehen wollt»» 



nicht 



in 



die Kirche hinein konnte, weil die Heiden 
da« Thor Termanert hatten, weaahalb er rieh 

aus-sen niederwarf hei der Conclm, wo der 
Altar sich befand. Dieser letztere Zusatz 
erklärt uns hinlänglich, waruni die A. mit- 
unter auch conchula hematis genannt wird. 
Andere Namen für diesen Theil der Basi- 
Uka sind Tribüne, tribuna (Kraus Christi. 
Kunst 154) und Exedra. Wenigstens meint 
Dufreme, dasa der hl. Augustin diesen Theil 
bezeichnen wollte, wenn er sagt, dass eine 
Confcrenz stattfand zwischen den Katholiken 
und dem donatistischen Hischofe Emeritus 
in der Exedra. Wir brauchen uns jedoch 
nicht auf eine blosse Veramthnng «i stützen, 
da Aio/us/in. de Civ. Dr-i XXri, S, n. 2:^ 
in einer so unzweideutigen Weise für diese 
Bezeichnung spricht, dam unter Exedra gar 
nichts anderes verstanden werden kann als 
die A. Er erwähnt da die ,Canoelli', die 
das Martyrium gloriosisriini Stephan! rm 
dem Schiffe der Kirche scheiden, spricht 
▼on den ^gradibus exedrae, im qua de su- 
periore lo(|uel>ar loco' und von dem ,pro- 
cedere ad populum in ecclesia plona\ Lau- 
ter Ausdrücke, die nur einen Sinn haben, 
wenn unter Hxcdra die A. verstunden wird. 
IndesH dürftf di(>s der am wenigsten ge- 
bränchliclK' Nanu- sein, da unter diesem 
vorzugsweise verschiedene Neben- und An- 
bnoten der byzantinischen Kirchen zu ver- 
stcbcii sind, l'nd wenn difsrs Wort für A. 
dienen soll, so kann es diese Bedeutung nur 
erhalten liaben mit Rücksicht auf den Sitz 
dei Bischofs und die Ränkf der ficistlichen. 
die in 4®r A. sich befanden. J^Is würde 
unter dieser Bezeicfanmig die A. Torzugs- 
weise als Versammlungsort des Klerus er- 
scheinen, wie bei Profanschriftstellem der 
Versammlungsort des Senats (Plutarch), oder 
die Gest'IIsi haftshalle in den Gymnasien (Vi- 
truv.), oder überhaupt eine mit Sitzen ver- 
sehene Halle, oder ein von einer Seite offe- 
nes Gemach, das als Gesellschaftszimmer 
diente, mit dem Worte Kiipa bezeichnet 
wird. 

lieber den Ursprung der A. an der christ- 
lichen Basilika herrschen verschiedene Mei- 
nungen. Die Einen betracktea dieselbe als 



eine Nachahmung der an der Basilioa fo- 
rensis befindlichen Kische, in welcher sich 
ein erhöhtes Tribunal für d«n Richter be- 
fand, weil dieser Theil der forensischen Ba- 
silika für die öffentlichen Gerichtsverhand- 
lungen bestimmt war. Andere Autoren 
dagegen behaupten, die forcnsis<>he Basi- 
lika habe gar Keine A. gehabt. So Zester- 
mann, Kreuser u. A. Diese Aufstellung 
Zestermanns hat sidi indess als hinfiUlig 
erwiesen , indem genauere rntersuchungen 
festgestellt haben, dass einmal die antiken 
Basiliken einen bei manchen bewegfielien, 
bei vielen aber mitgebauten erhöhten Platz, 
das Tribunal, welches sich auch in den Cu- 
rien PompejiV, sowie im dortigen Sitzungs- 
saal der Decurionen findet, enthielten : und 
dass zweitens dieses Tribunal wenigstens 
zuweilen in einer Exedra lag, welclra 
bald, wie in Pompeji, eckig, bald, wie in 
der Basilica IHpia zu Otricoli, in der Ba.si- 
lica Constantini und in dem Gebäude zu 
Trier (weldies von den Einen als romische 
Bäder, von den Andern als Basilika, als 
Centifanum, als Pantominicntlifater, als Ca- 
pitol lH»zeichnet wird ; Wisd rniunns Illustr. 
Monatsh. X 2:5 f.; Kraus Christi. Kunst 
188) halbkreisförmig war und also, wenn 
sie flberwdlbt war, den Namen A. oder 
Concha verdient. Diese Concha kehrt aneh 
in denjenigen für Curien gehalteueu Ge- 
bäuden wieider, welche nicht als Thetle einer 
Basilika, sondern als iX''^'>'id''rte CeMiude 
auftreten. Im iScheitel derselben standen 
hier und da Altire oder QMterbQder, oft in 
besonderen Nischen, oder auch in einer 
formlichen Aedicula; so zu Pompeji in der 
einen Curie und im Sitzungssäle der Decu- 
rionen; ebenso in dem Halbkreise bei der 
ripia und in der von Vitruv beschriebenen 
Ba>silika zu Fano. In einigen dieser Tri- 
bunale zog sich an der Wand herum eine 
bankähnliche Erhöhung . vermuthlich der 
Sitz der Richter. So wiederum in Pompeji 
und Otricoli (vgl. Krtuis Christi. Kunst 177 
und Mofhes Die Basilikenform 91). — Da 
also Apsiden thatsächlich vorhanden waren, 
so konnten die Christen an denselben etwas 
erkennen , was sehr zweckmä.ssig für die 
christliche Cultusstätte verwerthet werden 
kSnne. So kann denn eineneits festgehal- 
ten werden, dass die A. an den Basiliken 
aus dem Bedürfnisse des Cultus hervorge- 
gangen sei, und andererseits, dass die An- 
weisung zur entsprechenden Befriedigung 
dieses Bedürfnisses an den antiken Apsiden 
gegeben war (vgl. Mothis a. a. O. .51 und 
Dippd llandb. d. Acsthetik und Kunstgesch. 
1.S9). Uns scheint demnach Beher das Rich- 
tige getroffen zu haben, wenn er in der 
Oeriditsstoa dee Archen Basileus in Athen 
die Stammrautter einerseits der heidnisch- 
rSmischen und andererseits der christlichen 



Digitized by Google 



AquABunlle. 



71 



BMÜikMi erkennt und m der PriiwtlMdHkft 

den Raum vorj^ebildet findet , in wolcyiem 
die chhstlichti Cultarchitektur wurzelt {Ue- 
Ur Knnst^h. d. Alterthmns 252, 428 ff. 
mid Dir Crforni der röni. lia^ilika 35 f.). 
Dagegen kann nicht die Thatsacbe |[eltend 
gramcht werden, dass sich die A. in den 
Oratorien der Katakomben findet und dass 
diese unterirdischen Kapcllon jene Elemente 
Tereini^en, die «ich in dem spätem Kirchen- 
bau entwickelten, da eben die A. in den 
Katakomben schon eine Naobahmun«? der 
antiken A. sein kann. [S. den Art. Ba- 
silika.! 

Ks ist schon erwähnt worden, dass die A. 
an den rechteckigen Kau angefügt war, so 
dm lie «Iso im vollen Halblcreiie am dem 

Kirohenbau hervortrat und schon äusMerlioh 
ab die wichtigste Stätte, gleichsam als das 
Haapt dee Garnen mch darstellte. Aus- 
nahmsweise jedoch kam es auch Tor, dass 
ee an einer äusserlich sichtbaren Ohaniische 
Mite und dam der Bau geradlinig seUom, 
indem die A. in den Bau hineingezogen und 
im Innem der oblongron Umfassungsmauer 
entweder als halbrunde A. an die Mauer 
angelehnt oder in die mächtige Mauermasse 
hineingelegt . oder auch als sell)ständi;^e 
Cella frei in die Kirche hineingestellt wurde 



AugutUn. de GiT. Dei XXII, e. 8, n. 23). 

Durch die!<e Stclluni: der Priester am den 
Bischof bei der l^'eier des hl. Opfers war 
wol die Form des ChorRchlumeB, sowie auch 

der für die I?i'/eiihnun^ des fJanzen ge- 
bräuchliche ^ame C h o r, /of"'^«« veranlasst; 
a coetu canentium clericorum (AugusH Denk- 
würdigkeiten XI 386). Auch Presbyterium 
oder Priesterraum wird die A. eben dess- 
wegen genannt, während die Bezeichnung 
Satictuarium oder Saticfa Sauclorutn erst bei 
mittelalterlidien S«diriftstellern vorkommt, 
naciidein die Sitze iler (!eistliclil<eit und der 
Hischofsthron aus der .\. verlej^t waren und 
diese statt deniiell)en den Hochaltar in sich 
aufgenommen hatte, in der früheren Zeit 
befand sich der Altar nicht in, sondern an 

der Orenze der A.. Iiald mclir, bald weni- 
ger gegen das Schiff der Kirche vorge- 
schoben. 

Die künstlerische Ausstattung der A. be- 
stand darin, dam meistens sowol der üoden 
ab aneh die WSnde derselben mit Marmor 

reich belegt und der obere Theil mit Mo- 
saikbildern verziert war, wie uns Paulinus 
Ep. ad Sev, XXXII berichtet: .apsidam, 
solo et pariotibus marmoratam, camera ma* 
sivo illusa clariticat.' Ein Heispiel solchen 
niusivischeu Schmuckes bietet die beigege- 




{Ersch und Gruber Bneykkiiidie I, Th. 84, 
& 334). 

Hinsichtlich der Innern Einriciitung der 
A. ist bekannt, dass sich halbkreisförmig 
der Mauer entlang die für die Priester be- 
stimmten Hänke hinzogen, in deren Mitte, 
in Hintergrunde der Nische, auf erhöhtem 
Throne der Bisohof seinen Plats hatte (vgl. 



bene Figur 41, dip Apside der ehemaligen 
vaticaniscbon Hasilika darstellend. Im Uebri- 
gen muss hier auf deu Art. Mosaiken ver- 
wiesen werden. oipni.. 

AQUAMANILE - in dem Ord. Roman. 
kurz als ms manuale bezeichnet — war 
ein Utuigisches Gefass (Uandbecken) , Uber 



Digitized by Google 



72 



Aquarii. 



wolchcm bei der Feier de« hl. Opfors der 
Celebrans die Hände wusch und worin das 
abflienende Wamer aiifgefen§[en wurde. 

.A<|uaniiinile sdirt'iljt Lan/ranr. Kp. 13, 
,e8t vatt iuferius, in <^uud manibus iiifusa 
aqoa delabitar; nroeolua Tero est Tas supe- 
riu8, linde lavandiH manibuH aqua infundi> 
tun' Diesen Geßiss war dorn aquiminarium 
oder aquiminale der alten Römer nachge- 
bildet und kommt in wenig aprachriehtiger 
Weise auch unter den Namen aquamanun- 
lis, aquHmanilin und aquamunus vor (Du- 
ratiffe in Glossar, s. h. v.). Die Vorm dieser 
(rofässc und deren (Jewirhr und Vcrzierunp^ 
waren verschieden. Desiderius übergab sei- 
ner Kirehe von Anxerre ein A.^ das swei 
Pfuurl und zehn Unzen wn^j. und dessen 
V^erzieruug in der Mitte aus einem aus 
Lilienfonnen ^wnndenen Rade und am ge- 
sohwjMften Knde aus einem Meuschenkopfe 
bestand. Brunechildis, Königin der i'Van- 
ken, schenkte der Kirche des hl. Germanus 
durch Vermittlung des genannten Desiderius 
ein A. mit einem Gewichte von drei T'fund 
und neun l'nzen; in der Mitte war Neptun 
mit dem Dreizacke angebracht {Luhbeus 
Biblioth. MSt. I 4l>4. 425). In dem (Miron. 
Mogunt. ap. Urstisium 5()8 werden aus dem 
Kirchenschatze von Mainz u. a. neben vier 
silbernen Reeken au< |i sillieriK- Krii<re von 
verschiedenen Formen genannt (urcei^ ^(juos 
raamlia Toeant, eo quM ex eis aqua sacer» 
dotum manibus funderetur'. w(){)ci iiirit^lichci- 
Weise der Ausdruck manilia auf Krug und 
Becken als susammengebSrig sieb zugleich 
beziehen mag. Silberne (leschirre ZOT Hand- 
waschung im Kircheudienste werden auch 
in dem Verzeichnisse der Hintorlassensohaft 
des hl. Abtes Anse<;isus (bei Binterim Denk- 
würdi^keiren V|[ 1. S. 41) erwähnt mit den 
Worten; ,a<|uainanile et urceu» argenteus 
mirabili opere.* Dass Krug: und Becken aus 
ein und demselben StofVc witren. dürfte kaum 
bezweifelt werden, wenn man bedenkt, das« 
die alte Kircbe kein Opfer scheute, wenn 
CS «rillt, (icriithe, welche zu der l urliiiristi- 
schen Feier in irgend einer Bcisiehung stan- 
den, auf da« Wordigste und darum Kost- 
barste auszustiitt''n. \v<)v<in allcrdinfrs ärmere 
Kirchen Ausuaiuneu machon mussten. Was 
die Frage betrifft, seit wann die Aquimaniüa 
in den kirchlichen Gebrauch aufgenommen 
wurden, so ist für sie in dieser Bezi(dnni>r 
ein hohes* Alter zu vindieiren, denn schon 
die sehr alte Kanonensammlung, welche 
irrig einer angeblidi vierteti Synode von 
Cartliago vom J. H^S zugeschrieben wird, 
erwähnt neben den uroeoli des Wasser- 
beekens und eines Tuches zum Abtrocknen 
der Hände (mantergiuiu, can. 5 u. ti). Eben- 
so im Saoramentar Gregors d. Or. p. 221. 
Ba den Griechen empfangt der Hypodiakon 
^ppvtpu^EJxov xai |McvduXtov (vgl. Daniel Cod. 



Lit. rV 550), wo ersteres Wort vielleicht 
A. und urceus (s. d. A.) begreii't. Wir dür- 
fen den Anfang der kfaebmben Benutzung 
der Aquamanilia wol auf das 5. Jahrb. zu- 
rUckfUhren. Den Dienst mit den Gefiäsaen 
der ICandwaschung bei der F^flr des bL 
Opfers hatten ursprünglich die Diakonen, 
an deren Stolle in der römischen Kirche die 
Subdiakonen und nach diesen die Akoluthen 
traten, später die ,capeUani' und endlieh 
vornehmere Laien. Augttstin. Patric. Cae- 
renioiuale L. III. sei-t. 5. C. 4. krÜll. 

AQUARII hics-<cn die Anhänger derjeni- 
gen Secten, welche die Forderung der £nt- 
mltsanikeit rem Weine so weit tneben, daas 

sie denselben nicht einmal beim Abendmahle 
verwendeten, sondern sich dabei ausschliess- 
lieb des Wassers bedienten. Hierzu reeh> 

ncn wir zuerst die Kbioniten. die nach 
dem hl. Kpiphanius (Haeros. XXX 16) bei 
ihrer Abendmahlsfeier nebst ungesäuerten 
liroden pure» Waaser zur Anwendung brach- 
ten. Verstehen wir eine Stelle des Id. Irr- 
naeus richtig, so hätte bereits dieser »len 
Kbioniten diesell>e irrige Praxis zugesehrie- 
ben. Unter Wein und Wiusser einerseits 
die Gottheit und andererseits die Mensch- 
heit Christi verstehend, sebeint er ihnen 
einen dnjijH'hcn Irrthnm. nämlich die Leufj- 
nun^ der Gottheit unseres Herrn und die 
Ansicht von der Zulänglichkeit blossen Was- 
<i I S beim .\bendnialil, zur T^ast zu le<;en, 
ludem er schreibt: ,8ie verwerfen die Mi- 
schung des himmlischen Weines und halten 
sich bloss an irdisches Wasser, weil sie eine 
Vereinigung Gottes mit den Menschen nicht 
annehmen" fe. haer. V 1 Hätte aber 
hici durch der Bischof von Lyon den frag- 
liclien l'nistand l)ei den Kbioniten hervor- 
gehüben, so idiebe es autTallend, könnte 
man einwenden, dass er ihn bei den En- 
kratiten. die doch allgemein als die ersten 
eigentUchen A. gelten, gänzlich mit Still- 
schweigen übergeht. Von dimen fBhrt er 
bloss an. ilass sie die Ehe verwarfen, sich 
vom Genüsse des Fleisches enthielten und 
den Tatian, einen Schüler des hl. lustin, 
zu ihrem Urheber gehabt hätten fl. c. I 28'). 
Den Punkt von ihrer sc hrift widrigen Abend- 
mahlsfeier l)erührt er nicht, was doch sicher 
geschehen wäre, wenn er ihn Im reits bei 
den Kbioniten in Erfahrung gebracht hätte. 
Hierauf ist kurz zu (•rwied(>rn, dass die 
Secte der Enkratiten zur Zeit . wo der hL 
Irenaeus sein berfihmtes Werk sehrieb, erst 
in ihrer Entwicklung begriffen, darum in 
ihrer vollen Ausartung noch nicht zu sauer 
Kenntniss gelangt war. Tndess spricht sohOD 
Clemma von Alexandrien von solchen HIp 
retikera, die bei der Bueharteto bloas Was* 
ser gebnuichrcii (Strom. 1 19), und dass er 
damit die Enkratiten meinte, schiiessen wir 



Digitized by Google 



Are«. 



7S 



tat dem Unutende, dass er dieten «nder- 

wärt» (Taedag. II 2) die Bibelstelle Matth. 
11, 19 entgegenhielt Sodann giebt uns 
T%toior«t Vbw die flbliehen Namen der 

Anhänger Tatians noch f?enauern Aufschluss. 
Sie hiessen nämlich eptpa-nTai, Enthaltsame, 
weil sie weder Wein noch Fleisch genossen ; 
i^^ttuparraTai aber, weil sie Wasser statt 
Wein opferten (Hacrct. fah. 120; vir. Epi- 
phati. liucre«. XLVI 2). Auch fand noch 
der U. Cfaryiottoiiiiis Anlaafi, auf diese Secte 
hinzuweisen. Ihm zufolge trank der Herr 
(laut der Aussage bei Matth. 26, 29> nach 
■einer Anferstohmig, wenn er mit sdnen 
Jöngem spoiste , nicht Wasser , sondern 
Wein, theils um zu beweisen, dass er bei 
Eimetnmg dee wunderbaren OeheimniMee 
Wein gebrauchfe, theils auch, um einer zu- 
künftigen ,gar schädlichen Häresie' gegen- 
über den Genus« des Weines Oberhaupt als 
etwas Erlaubtes darzustellen Cm Matth, hom. 
82. Migne VII 740). Ohne Zweifel sind 
bei diesem Kxcurs die Enkratiten ins Auge 
gefaast 

Um die Mitte des '^. Jahrb. war gleich- 
falls in einigen Gemeinden Africa's die 
Uiuitte eingerissen, beim hL Opfer Waaeer 
Ktatt Wt'iu nU Opferelement zu j::<'I>rau- 
chen. Zur Einstellung dieses Missbrauches 
«rliem der hl. Cyprian an einen gewiBsen 
Caecilius ein unifantjreicli(>s Sclireil)en TEp. 
63j, welches Au<fuslittiu ein Muster au- 

rtbsloeer Schreibart nennt (de Doct 
t. rV 21). Weil dieser Unsitte inAfirica 
nicht etwa häretische Motive, wie bei den 
Ebiouiten und Enkratiten. sondern bloss 
fUswinenheit oder Einfalt' zu (iniude Ing. 
so war C^T^rian in der I^age. hei deren He- 
kärapfung von sehr bedeutungsvollen Vor- 
aussetzungen auflgehen zu können. Gestiitzt 
nÜTiilich auf da<» von beiden S(»iten für un- 
zneiieUioi't erachtete Glaubensbewussti»ein, 
dass ohne alle Frage die hl. Eucharistie das 
wahre und wirkliche Blut Christi cntbulten 
mässe, wird gezeigt, dass nach der iiichrift 
and dem Vorgänge des Herrn nur der Wein 
das verwand<>lbare Element sein könn«;. Da- 
bei wird aber aus sehr triftigen symbolischen 
Gründen ein Zusatz TOn Wasser für uner- 
iässlich gehalten (vgl. meine Abliandl. : Oy- 
prians r,ebre ül)er die hl. Eucharistie, im 
Katholik iHia, II 2.") f.J. 

Dieae Auseinandersetzung des hl. Cyprian 
ist dem ganzen cliristlichen Alterthum ge- 
meinsam. Uleicbwol fand sich eine 8ynode 
m Hippo im J. 383, der Augustin als' Prie- 
ster beiwohnte . veranlasst . zu bestimmen : 
,bei dem iSacrament des Leibes und Blutes 
Christi eoU nichts geopfert werten als Brod 
und Wein, mit Wasser gemischt' (Hefele 
CG. II 54). Ob dieser Kanon aus Anlass 
der Too Cyprian bekimf^lsii Unsitte nöthig 
iit sehr finglich. Wol werden die 



A. Ton PAäcMirlMS (de Haeres. c. 77), eben- 
so von Augustinus (de Haeres. c. 77) er- 
wähnt, von beiden jedoch unter die Häre- 
tiker gesfthlt. Der Ton (Cyprian bekämpf- 
ten Partei lagen aber, wie wir oben be- 
merkt, keine häretischen Motive zu Grunde, 
wesshalb wir unter den von späteren abend- 
ländischen Schriftstellern namhaft geouu^ 
ten A. entweder Enkratiten oder, was noch 
wahrscheinlicher ist, Manichäer zu ver8t*?hen 
haben. Wie nämlich Leo d. Gr. berichtet, 
gal) es der manichäischen Secte angehr>rige 
Christen, die, um nicht als Häretiker zu 
erscheinen, am christlichen GotleedienBte 
mitunter theilnahnien. den I-eil» Christi em- 
pfingen, dem Genüsse des Kelches alier sich 
neiralieh entzogen (Serm. IV de quadnig., 
ed. Migne 1 278). Nachdem man diese auf 
häretischer Anschauung beruhende Praxis 
wahrgenommen, verordnete der Papst, dass 
alle, die in solcher Weise dem Qottesdienste 
beiwohnten , fernerhin als Excommunicirte 
gelten sollten. Vielleicht waren es nun Ma- 
nit liiu r. welche, weil sie aucli beim Opfer 
den Wein für unerlaubt hielten, den obigen 
Kanon der Synode von liippo veranlassten. 
Wie dem auch sei, es war und blieb be- 
harrliche Praxis der Kirflic nur Wein mit 
Wasser vermischt als das traditionelle Opfer- 
element ansusehen (8. Amhroa. de Sacram. 
V 1 ; (ieini'id. d*' on 1. dogmat. c. 74) und 
wurde zugleich der Gebrauch der Ame- 
nier, nur Wein ohne Wasser sum hl. Opfer 
XU verwenden, bei Strafe der Absetzni^ 
verboten (Quinisext. c. 32; Hardoum lu 

1673). PETBBS. 

ARCA kommt in sehr verschiedenem Sinne 
vor: I) bedeutet es das (letliss. in welchem 
die Eucharistie bewahrt. \uv.. in die Häuser 
gebracht und dnrt aufbewahrt wurde; so 
bei Cyprian, de Laps. c. 26 : ,et cum 4uae- 
dam arcam suam in quo Donaini sanctum 
fnit manibus immnndis temptasset aperire, 
igne inde »urgente dcterrita est ne auderet 
attingere", wo das Adj. suam darauf hin- 
weist, dass die einzelnen Christen oder die 
einzelnen Familien solche arcae besassen. 

2) A., areula — aacra pifxi«, KeUquien- 
behiUter. Vgl. Ludeteig Reliq. M8S. VI 201. 
Ob der im MA. geläufige t. sich im Alter- 
thum nachweisen lüssr , ist mir unbekannt. 

3) Bei Kenauäat Lit. Or. I 501 ist mit 
arca sire disrus maior jene Patene wieder- 
gegeben , auf oder über welcher bei den 
Aethiopiem die Eucharistie consecrirt wird. 
Chatham in Smith's Dist. I 134 erinnert 
hierbei an den t. tXaTnjptov, den die Kop- 
ten f&r AJtar gebrauchen (Remntdet 1 182), 
und vermuthet. dass es sich hier um eine 
wirkliche Kiste handle. Er beruft sich fer- 
ner auf Neal Eastern Choreh, Introd. 186, 
nach welchem der U$batU, eine Kiste, sur 



Digitized by Google 



74 



AreandlselpUn. 



Aufbewahrung des Sacraments in der ithio- 1 1 Kor. 14, 23). Die geistige Belehrung aber, 
pisohon Kircho dient. wiihr<«ii<l iliTsolhe nach soweit sie hiernach den Gläubigen in den 
Harris Highhiiids ol Kthiopia IK l'iS nur öfl'entüchen Zusammenkünften vorenthalten 
einen Pergaraentstreifen mit dem Datain der j «erdNl muaste, wurde ihnen in den Privat- 
Dedicatidii <1<'^ ndiäudps enthiilt. Versammlungen /u Tlieil. Zu die^ien. die 

4; A. i8t üeldkiste,JSchatz-oder üemeiude- beharrlich .aliwcchsc hui in den lläuseru' 
~ - - . j,(^((f,j„(j,.„ iiatten die Ungläubigen keinen 

Zutritt. Dies erhellt wie aus dem bereits 
quasi redeniutae rcügionia congregator u. s. f. üesagtcn so auch aus einigen I>itM;ipl|nar- 
Denselben Amdruck haben Lib. Pontif. in < ▼onchriflen der apastolischen Zeit In wel- 



kame. Tuivü, Apol. c. 39: etiam «i quod 

arcae i^'emis c^t . iinn de honoraria summa 



Stephan, c. 24, FauVm. l't fvirnnJ . Vit, 
Martini IV. Areuia sancta nennt MarceUtts 
YH. 8. Felicis c 3 die Kasse , aus welcher 

die Geistlichen ihren Antheil an dem Kir- 
chonvermögen beziehen. Der t. ist dem rö- 
mischen Gebrauehe von area = ßftcus, the- 
murus puhlicHS nachgebildet, wie o /. B. in 
Inschriften bei G ruf er ('assioiior. Ep. 

II 24 vorkonunt. Abgeleitet ist der t. ur- 
carim, der Schatzmeister, o?xovo[xo;, vgl. 
Gntter SHO"; Cassiodor. Kp. I K». Ein 
Arcarius rccksUie Komanue als kirchlicher 
Beamteter erscheint bei Anaatas. Agathon, 
und Constantin. 58, und hei mehreren 
ma. Schriftstellern (Ducange i. v.). kuauh. 

ABCITTDISCIFUH. [Disciplina an-ani: 
den Ausdruck haben nickt, wie vielfach be- 



chern Sinne hatte Jemand, nachdem er (Christ 
geworden, wiederum ,dem iSatau übergeben* 
(I Tim. 1, 20), wie ,als Heide und ZSlIner^ 
(Matth. IS. 17) erachtet werden können, 
wenn dem Ungläubigen der Zutritt zu den 
Oaltacten der Gläubigen nnyerwehrt ge- 
wesen? Wurde doch der Unzüchtig© von 
Korinth schon von der Tischgemeinschaft 
( I Kor. 5, 11; vgl. v, 2), so noch viel eher 
von ,den GeheininiHsen Gottes' (I Kor. 4, 1) 
ferngehalten, und fand sich ilerselbe gerade 
wegen dieser Absonderung mit einem Hei- 
den und Zöllner auf glel<'her Stufe. So ©r- 
jrieJit sich mit Notliwnidi^'keit schon aus 
der aposiolinchen Zeit dasjenige, wofür viel 
später, snerst durch Daüaewi im 17. Jahrh., 
die Bezeichnung ,A.' in Aufnahme kam 
(vgl. bomvetsch in der Keitschrii't für die 



hauptet wird, katholische Autoren erfbnden; I histORBche Theoli^e 1873, 204). 



er tritt zürn erstenniale, soviel bekannt ist, 
bei dem Helmstädter Theologen (iehh. Theod. 
Geier in dessen Dissert. de recond. vet. ecd. 
Theologia, Heimst. 1677, 4 auf. K.| Ge- 
leitet durch die Vorschrift, das Heilige nicht 
den Hunden zu geben und die Perlen nicht 
vor die Schweine zu werfen (Matth. 7, 6), 
waren die Apostel für Verhüllung und Ge- 
heimhaltung alles dessen . was bloss den 
Augen des Olaubens offen lag, ängstlich 
be.<!orpt. So feierten sie, obgleich sie mit 
den ersten Gläubigen zu Jerusalem ,täglich 



Für diese Einrichtung sprechen auch einige 
ganz unzweideutige Zeugnisse aus der un- 
mittelbar naehapoBtolischen Zelt. Wenn der 

hl. IgnatiuH die Christen von Ephesus 3Iit- 
eingeweihte (supp-iirrai) des Paulus nennt 
(Ep. ad Eph. c. 12>, so muss eine Art My- 
sterien vorausgesetzt werden, an denen «Un- 
eingeweihte'' keinen Antheil hatten. Aus 
derselben Zeit datirt auch der bekannte 
Brief des Plinius, der für unsere Präge 
nicht ohne IJelang ist. Ihm zufolge "war 
den Christen schon damals die Geheimlial- 



einmfitÜg im Temper verharrten, dennoeh i tang ihrer Mysterien so natürlich und selbst- 



,häu8erweise' (yoit ot/o/), d, }i. l>;ild in die 
sem, bald in einem audeni Loeale das Opfer 
der Eaeharistie lammt den damit Terbun- 
denen Liebeamahlen (Act. 2. 4(;). Gleiche 
Yorrieht gebrauchten die Jünger auch auwer- 
halb Paiästina's. In Milet erinnerte der 
Völkerapoetel die ,Aeltesten der Gemeinde' 
daran, wie er ihnen , nichts vorenthielt, was 
heilsam* war, und sie ,«owol öffentlich als 
in einzelnen Häusern (xax' oixouc) belehrt' 
habe (Act. 20. 20). Der in den letzten 
Worten enthaltene Gegensatz springt in die 
Augen. Solange das Christenthnm rieh un- 
ter dem Schatten des .ludenthums ausbrei- 
tete, durfte auch ein Ungläubiger dem ho- 
mileti sehen Theile dM ehrotliehen Got- 
tesdienstes beiwohnen . wesshalb hier alles 
vermieden wurde, was dem ^iichteingewcih- 
ten seiner Natur nach unverständhch ge- 
wesen und eher zu Vorurteilen als zur 



verständlich, dass der heidnische Statthalter 
trotz aller Mühe, trotzdem er gegen zwei 
Diakonissen die FoHer gebraaehte, Tom 
Christentlnini fa^^t gar nichts erfuhr, insbe- 
sondere von der Beschaffenheit ihres Gottee- 
dienstes an Traian so gut wie nichts zu be- 
richten wusste (Ep. 10, 97). Zur Erklärung 
dieser Geheimhaltung rein defensorische 
Rücksichten vorzuschieben, ist reinweg un- 
zulässig. In der ersten Hälfte des 2. Jahrh. 
zeigte ein gewisser Diognet ungewöhnlichen 
Eifer, die Religion der Christen kennen zu 
lernen, und erkundigte sich aufs Angelegent- 
lichste über dieselbe, namentlich über deren 
Gottesverehrung. Hier hatte man also nicht 
einen Verfolger, sondern <Hnen aufrichtigen 
Freund der Wahrheit vor sich. Gleiehwol 
giebt der ungenannte Verfasser des Briefes 
an Diognet nnr über den Gott und die 
Sitten der Christen den erwünschten Auf- 



Sinnesänderung Anlass gegeben hätte (vgl. , schluss, nicht aber Uber die Art und Weise, 



Digitized by Google 



ArwiidlMipUii. 



75 



wie sie Om Terehiten. Dies wnr jedem Ghri' 

ften untcraafft. , Erwarte nicht, dm» du das 
Geheimnis» des ihnen (den Christen) eip;en- 
thümlichen Gottesdienstes von irgend Je- 
manden lernen kömiMf (c 4). mon den 
Gläubigen, heisst es weiter, schliosBe die 
Kirche die Qeheiiniiisse auf, und wenn er 
(IHognet) die christliche Lehre annehme, 
wcnlo auch er darin einj^oweiht (c. II; 
Tgl. Frohst Kirchliche Disci^lin '624). Mau 
iwht, ^ndsltslich yenehwiegen die Chri- 
sten ihr«' Ciiltijrohpininissc, und zwar haupt- 
iieblich desshalb, weil Christus ihnen ver- 
boten hatte, das Heilige den Hunden, die 
Perlen den Schweinen vorzuwerfen (vgl. 
Tert. de praescript. c. 41). Ob zur Zeit 
der Abfassung jenes Briefes das Katechu- 
nienat »chon bestand oder nicht, das bleibt 
sich gleich ; gewiss ist , das» man damals 

Segen Ungläubige dicHclbe Praxis einhielt, 
ie CffpHoH um die Mitte des 3. Jahrb. 
dem Deniefrian nregeiifil)er befolgte. Dieser 
erfuhr aus dem häutigen Verkehr mit dem 
Bischof Manches Aber ,Gott den Knen und 
W.ihrcn', aber nichts über die den Christen 
eigeuthUmliche Oottesvcrohruug (s, Cypr. 
adDemet. c. 1). — Ffir den trflhzeitigen 
Bestand der in Rede stehenden Einrichtung 
sprechen auch einige altchristUche Hymbole. 
Die Belebungsmittel der zweiten Geburt sind 
nach dem Rarnabasbriefe (c. ß) , Honig und 
Milch*, zwei Ausdrücke, unter denen man 
nicht ohne Grund die Taufe und Euchari- . 
stie verbfillt findet (vgl. iVoA«< a. a. 0. 320). | 
So fftRste schon Cffmens con Alexandrien 
jene Worte auf (l'aedjig. 1, c. 6), und da 
er den Brief ffir echt hält (Strom. Y, e. 10), 
war auch ihm zufolge die .Geheimlehrc^ 
schon im 1. Jahrh. üblich. Uralt ist gleich- 
falls das Symbol des Fisches, dessen Ge- 
brauch seit der ersten Hälfte des ?<. .lalii li.. 
also gerade zur {^eit, in welcher die Prote- 
stanten, wie wir bald sehen Verden, die 
A. entstehen lassen, nii lit erst aufkam, son- 
dern abnahm und mit dem Aufhören der 
Verfolgung nahezu gänzlich verschwand 
{Kraus R. S. 23<>)- Die Entstehung eines 
m bedeutungsvollen Symbols in so früher 
Zeit ist ein that-sachlicher Beweis für die 
Existenz der A. , sowie dessen allmäligcs 
Verschwinden als eine Lockerung denel^n 
erscheint. 

Es geadlieht nicht nmsonst, dass wir mit 

so viel Eifer und Interesse die ersten Spu- 
ren der ,(}eheimpraxi8' verfolgen. Noch 
bis mir Stande senen gelehrte Protestanten 
se als ein Institut an, wohinter sich eine 
nicht geringe Abweichung der altchristlichen 
Kirche vom reinen evangelischen Glauben 
▼erbergen soll ( \ yl. dOMMCaefta. a. O. 27:i). 
Nach Harnack, dem neuestens BomrHsch 
folgt, bestände ,die A. wesentlich in der 



rar Mjsterienform* (a. a. O. 212); letztere 
sei erst mit Tertullian (a. a. 0. 230) ,auf 
fremdem Boden erwnrhsen' (a. a. O. 228). 
d. i. geradezu den ,heidniHelien Mysterien 
entlehnt* (a. a. O. 259). Wie unhistorisoh, 
ja wie unhildisoli diese Theorie ist, das er- 
hellt aus dem Vorangegangenen zur Ge- 
nflge. Nur auf einen Poiuct wollen wir 
noch aufmerksam machen, nämlich auf die 
von BonueUch ausgesprochene Aüsicht von 
,geschlossenera Oottesdienst^, weil diese es 
möglich macht, manche gegnerisrhe Heweis- 
momente leichter Hand abzuweisen (vgL 
a. a. O. 230). Nach ihm hat , das EdSct 
des Traian die Yenuüassiing zur ganzlichen 
Schliessung des Gottesdienstes* gegeben (a. 
a. O. 249). Diese Behauptung ist historisch 
gar nicht begründet. Der bereits erwähnte 
Brief des PUHius bezeugt, da-ss die Christen 
selbst das von Traian gegen die Hetärien 
erlassene Oesets auf ihre gottesdienstlichen 
Versammlungen bezogen, ohne dass man es 
gegen sie insbesondere zur Geltung brachte. 
Lautete demnach die Abfassung Torzugs- 
weise auf die Christen, so hat das Traiansciie 
Edict so wenig ,die gänzliche ächlieasung 
ihres Oottesdienstes* Teranlasst, dass es Tiet 

melir diesellie voraus.setzt. Ebenso wenig 
hat man ,in dem Gesetz des Septimius, — 
welches den U e b e r t r i t zum Christenthum 
strenge verbot, — den Anlass zur Oeffnung 
des homiletischen Theiles für die Katechu- 
menen zu suchen' (liomcetsch a. a. O. 249). 
Denn nach L. 1. pr. Dig. 47, 22 liat Sep- 
timius Severus für nöthig erachtet, dasselbe 
Traiansche Gesetz gegen die Hetärien zu 
emeuem. Wie aber ans etnor und dersel- 
ben Massrei^'cl eine fr<'rade umgekehrte Wir- 
kung hätte erfolgen können, ist eine ebenso 
unberechtigte 'Voraussetzung, wie die An- 
nahme, ein Verl)ot des ITebertritts zum 
Christentbum habe ,zur Oeifnung des homi- 
letischen Theiles ffir die Katechumenen* 
Anlass gegeben. Das sind nur Ausflüchte, 
erfunden zur Stütze einer Theorie, die jeder 
thatsächlichen Begründung entbehrt. Das 
Wahre ist. da-ss der sog. .gesehlossene Got- 
tesdienst' von der Apostel Zeiten an be- 
stand, und da.s8 er von der ,Geheimlehre' 
oder ,Geheimpraxi8* nicht zu trennen ist, 
vielmehr in dieser seinen Grund hat. 

Die Behauptung, dass die Kirche von 
Anfang an principiell einige Mysterien, 
namentlich Cultgeheimnisse, vor Uneinge- 
weihten verschwieg, steigem wir Jedoch 
nicht mit Kurtz bis zu der Annahme, dass 
diese Geheimhaltung jemals .aus dogma- 
tisch • principiellen Gründen' gaschehen sei 
(bei Bonwetsch a. a. 0. 231). Durch Miss- 
aehtuiig der A. setste man sich scharfem 
Tadel aus, aber man verletzte kein Dogma, 
man wurde dieserhaib nicht für einen Hä- 
retiker angesehen (TgL Tert, 1. c). Es war 



Digitized by Google 



76 



AiehBologte. 



dne reine DiBciplinarronehrift, der nieht 

immer bloss eine, sondern je nach den Um- 
ständen bald die eine, bald mehr eine an- 
dere Rficksicht zu Grunde lag. Daher blieb 

es mö<;lii>)i. dass Jemand in einem gegebe- 
nen Falle durch minder strenge Beobach- 
tung der fraglichen Disciplin das allgemeine 
Wohl der Kirche um so mehr zu fordern 

glaubte. In dicsoni Falle befand sich der 
I. liistin bei Abfassung Hcinor ernten Apo- 
logie. Indem er Jedem aus dem Volke 
möglich machen wcdlte, .die Wahrheit zu 
erkennen und aus der Täuschung zu kom- 
men* (o. M), sog er u. a. jene Punkt« in 
Betraclit. Itc/iiglich deren die Dämonen «ich 
Nachättungen des Christentbums erlaubt 
hatten; da dieses auch rflcksichtlieh der 
Taufe und EuchariHtio geschehen war, so 
nalun or keinen Ajistand, sogar diese bei- 
den Sacramente einer Besprechung zu un- 
terziehen. Indess wird bloss die l"'f reffende 
Lehre der Christen mitgetheilt, die f'orm 
dagegen, wodurch die Sacramente ihren In- 
halt bekommen, bleibt unerwälmt. Da hier- 
bei das Verliältiiiss zwisi hen Ursaclx' und 
Wirkung nur durcli den (ilauben erfussitar 
ist, so gab selbst lustiu darüber keinen 
weitern Aufschluss. I'iid s(»i;ar liii'se ein- 
geschränkte Mittheilung macht er nicht, ohne 
sich snvor zu entschuldigen (e. 61), wol wis- 
send, (liiss er die Selirariken dessen, was 
TertulUun später die allen Mysterien zu- 
kommende fides silentii (Apolog. c 7) nennt, 
in etwas durchbrach. 

Diese wenigen Audeutun^n genügen zum 
Beweis, dass der hl. Instin, anf den die 
Gegner sich im Interesse ihrer Theorie so 
gerne berufen, eher für als gegen den Be- 
stand der A. Zeugniss ablegt. Wenn er 
die mit heidnischen Mysterien verwandte 
Terminologie weniger gebraucht als spätere 
Apologeten, so kommt es daher, weil er 
seine Aufgabe in einem andern Sinne er- 
fa.sste und löst(>. .Mxt \\w< der naelnnals 
zur Anwendung gekommenen Terminologie 
sngleieh anf einen heidnischen Ursprung 
der christlichen Mysterien zurückscliüo-^en 
wollen, das kann doch nur dem eiuläilen, 
der von einem ITntersehted zwischen Form 

und Inhalt kein Verstäiidniss hat. \Schel- 
strate Antiq. iiluBtr., AnCv. Iü7b; dess. de 
Discipl. arcani conti« dispnt. Em'. Tenzelii 
Dias. Apol.. Rom. 1(584, 4*: Tnuel Diss. de 
diso. nrc. Viteberg. hab. d. III Jan. 1(?83, 
in eiusd. Kxercitt. s(d. , Lips. et Francof. 
1692, 4*; Mosheim de reb. christ. ante 
Const. M. p. W2 .'HO: Srhedius de sacris 
opcrtis vett. Christ, seu <le discipl. (juani 
▼ocant aroani, Ooetting. 1794; F. A. Carits 
de Accommodatione C'hristi» iinpriniis et 
Apostolis tributa, Lips. 17B4; Herrn, Schol- 
mtr Diso, arcani suae antiquitati restitata, 
1756, 4«; 2^ LknkaH de antiq. Litrn^. 



|et de disc are., Argwit. 1829 , 8*; Joe, 

' Zimmermann de Diso. arc. , Tigur. 1 75 1 ; 
G. C. L. Th. Fromnumn de Disc. arc 
quae in Totere eocLohtinnisse fertnr, Jen. 
18.33, 8*; Rieh. Botfie de Disc. arcani quae 
dicitur in eccl. christ. Origine, Ueidelb. 
1841, 4\ und abgedr. in Volbeding Thea. 
II 357 ff. K.] 



ARCUÄOLCmiE , christliche. I. Be- 
griff. Der Ausdruck <ip75tio>.07i'o kommt 
zuerst bei I'lnfo im flipp, mai. p. 14, ed. 
Bip. vor : "epl xäv ^Evt*». <i -«oxpoxsc , "cöiv 
TS fjpoütttv xal tfiv dvHpturtuv, xai tiLv xatOU 
»•Arewv, «oc TO opyaTov ixxiybtpor^ oi hoXeic, 

dxpofivtat. Hier wie spSter beseielinete er 

!)('! rli II f; riechen aber nicht sowol A. im 
heutigen Sinne, als üeschicbte vergan- 
gener Zeiten: in diesem Sinne setzten 2Mb- 
nt/s ron JJalikarnass und Josephus Flavius 
ihn ihren bekannten Werken als Titel vor, 
obgleich man zugeben muss, dass beide 
Schriftsteller auf Leben. Verfassimg, Sitten 
der von ihnen behandelten Vrdker vorziig- 
liche.»; (iewiclit ]ei,'en. Hei den Höniern ent- 
sprach dem Wiirte Anfitfui/afr.s; Cir. Acad. 
(post.j I 2: Iii», praef. Tl. X.; Ge/I. V ]\ 
XI 1. Von christhchen Auetoren gebrauchen 
Äntiquitates im selben Sinne Aug. de Cir. 
Dei VI : Ilirrdin/tn. adv. lovin. II 13. 
Erst in der neuem Zeit, seit dem 16. Jahrb., 
haben beide Ausdrfleke die hestimmte Be- 
ziehung auf T-elten und Zustände vergange- 
ner Zeiten im Uegunsatz zu der Geschichte 
oder der Darstellung der geschichtliehen 
Thatsachen genommen. Aber auch jetzt ist 
man über den Werth derselben sowie ihr 
Verhältniss zu ,A 1 1 e r t h umswisten- 
schaff (Alterthonnkunde) keinesw^ ein- 
verstanden. 

Eine grosse An/^ahl von Schriftstellern 
gebraucht die in Rede stehenden 1. 1. voll- 
kommen promiscue. So noch Rheintrald und 
AuyiisU in ihren Lehrbüchern (IHHO, bejE. 
1836). so auch MarHgmy, wie überhaupt 
die iiictitdeiitsclien Autoren, wälirend die 
Schwierigkeiten einer correcteu und urHchö- 
pfenden Definition und namentlich der ehro- 
nologischen Orenzbestimmung schon PeUiccia 
veranlassten, auf die Bezeichnung A., Anti- 
(juitüten u. s. f. ganz zu yerzichten und 
seinem Werke den Titel ,Politia ecciesiae 
christianae' zu geben (1780), Indessen zeigt 
sich letzteres Verfahren nicht annehmbar : 
einmal weil in unseren modernen Sprachen 
ein 7:o),iTEi'a entsprechendos Wort fehlt, dann 
weil dieses doch audi die Sache nicht völlig 
wiedergiebt. Man wird bei den einmal so 
eingebürgerten Ausdrücken stehen bleiben 
und sich nur über ihren Inhalt und ihr ge- 
genseitiges YerhUtiiiw rerstandigen müssen. 

Ei wvd anlehflk Ton dem Begriffe dea 



Digitized by Google 



Arohlologto. 



77 



ehristlielieii ^terdumn* aiunnigehen B0I11. 

Wax hat man darunter zu verstehen? Au- 
guati meint (Einleitung in s. tlandb. d. ehr. 
1. I 8S)^ ,dan man die Uten und nitt- 
lorf Zoit unter die allf^emeine Rubrik Alter- 
thum zusammenfiBMen dürfe^, Bcheint auch 
idMD dunA die bekannte TerminolMie Mit- 
tel- Alt er, wodurch man die Zeit von 
Karl d. Gr. bis Luther bezeichnet, gerecht- 
fertigt werden zu können; Andere, wie 
Botmkratiz und Ptper, verlangen die Fort- 
fahrung de« Stoffes bis zur Gegenwart, da 
^es, auch das jüngst Vergangene, der 
Gegenwart gegenfiber ein Altes, Abgeschlos- 
MaeB geworden sei'. So dehnen AmjuaH 
die OrnuMn der christlichen A. bis ins 12., 
Bmmgartm 90gtat bis im 15. Jalnii. bin- 
aus», während Walch sie seltsamer Weise 
auf die ersten drei Jahrhunderte beflchrän« 
ken wollte. Auch hierin sah Bingham rieh- 
tiger, der den Tod Gregor» d. Gr. 604 als 
Grenzstein feststellte, worin ihm Bhemwald 
nachJul^'tf. 

Gegenwärtig hat sich der Spraehgeljrauch 
hinreielicnd ti.xirt. Hin Blick auf die hervor- 
ragendsten i'uhlicatiimen ät liossPs, dar- 
nccPs, Le Blants, Martigm^g zeigt sofort, 
das« diese Archäologen unter christlichem 
Altcrthum jene Zeit verstehen , in wel- 
cher das Christenthum im Umfange der 

griechisch-römi^i lien I'iMung sich Itewegte. 
Kleine V'urächiedeuhoiten in der Ausdehnung 
dieses Zeitraumes steHen sieh zwar auch Uer 
selhstverstündlich. weil z. H. in Gallien 
die antike Bildung noch etwa ein Jahrhun- 
dert lang nachwirkte, nachdem sie in Ita- 
lien bereits im Gaii/en und GrosseD TOD 
den einbrechenden Barbaren zertreten war. 
So schliesst de Rann seine I lisch rit'fensanim- 
hing mit dem 7.. //■ lUntit die seinige mit 
dem 8. Jnhrli. .Ii dnitalls befindet sich die 
k. in diesem l'unkt«; in wesentlicher üeber- 
einstimniung mit den neuesten Bearbeitun- 
iT'Ti iler Kirchengeschichte, wilche irleich- 
iiäU daa 7. Jahrh. im Allgeweiucn als den 
grossen Markstein betraehten, der des christ- 
lich«' Alterthuni und Mittelalter sclieiilet; um 
ein festes Jahr zu habod, kann man bei (j04 
stehen bleiben (vgl. F. X. Kram Lehrh. 
d. Kirchengeschichte, Trier 1872 f.). Die 
Grenzen weiter hinabrucken und gar das 
ganze MA. und selbst die neuere Zeit un- 
ter dem AuH<lruck zn umfassen, heisst .Al- 
terthum, und , Vergangenheit* verwecliseln. 
,Chri8tliche Alterthu m »wisse n- 
sebaft* in ihrem weitestoi Umfange nen- 
nen wir demnach das wissenschaftliche Be- 
wusataein der Gegenwart von dem Leben 
und den Zustiaden in den ersten seebs 
Jahrhunderten des Bestandes der Kirche, 
oder strenger gefasst, die allseitige Er- 
kenntnits und Darstellung des 
ehriatliehen Lebens im Umfange 



der antiken (grieehiseb-römisehen) 

B i 1 d u n g s f (» r m. 

Mit diesem Begriöe deckt sich derjenige 
der christlichen A. k^neswegs; er gebt 
einmal über ihn hinaus, er bleibt aber auch 
hinter ihm zurück; ersteres, weil ^ wir ge- 
wobnbeitsmSssig auch spfttere Entwickelun- 
gen der christlichen A. zuweisen, z. B. die 
mittelalterliche Kunst, ihre Symbolik und 
Ikonographie; letzteres, weil ebenso der 
Sprachgj'brauch sich gewiilmt hat, mit ,A.* 
die Beziehung auf das Monumentale zu 
verbinden. Wir sind genöthigt, hier einen 
Blick auf die Verwendung derselben t. t. 
bei den classischen PhilologcTi zu werfen. 
Ed. Gerhard hat in seinem ,Grundriss der 
A.\ Berlin 1853, die Definition gegeben: 
..\.," das ist die auf monumentales Wissen 
begründete Hälfte allgemeiner Wissenschaft 
des ohissiseben AHerßiunis.* Dagegen hat 
sich 0. Jahn in dem sehr lesenswerthen 
Aufsatz ,öber das Wesen und die wichtig- 
sten Aufgaben der archäologischen Studien* 
(in Berichten über die Verhandl. der kgl. 
sächs. fiesellschaft der Wissenschaften ZU 
Leipzig, Leipz. 1848, II 209—225) erhoben. 
Er will die bildende Kunst als den Mittel- 
punkt der A. ^-elten lassen und nicht den 
uubtistinuntcu Begriif des Monumentalen an 
ihre Stelle gesetit wissen. Nur wenn man 

als das Princi]) der archäoIngiscIuMi For- 
ischuug das Wesen der Kunst annehme, 
I meint er, komme Ordnung in die Yerwir- 
' rung und gewinne man ein sicheres Krite- 
rium für da.sjenige, vrm diese Wissenschaft 
j in Anspruch zu nehmen habe ; der A. ge- 
hören alle Ueberlieferungen des Alterthums 
'an, welche von dem Geiste dess<dben Kunde 
gehen, insoweit er sich in der bilden«len 
Kunst offenhart: jedes Denkmal, das von 
diesem künstlerischen Geiste auf irgend einer 
seiner Entwickelungastufcn die Spur trägt, 
jedes Zeugniss, das uns darfiber aufklärt, 
gehört in den Kreis der archäologischen 
Betrachtung, mit welcher übrigens, wie 
Jahn sofort bemerkt (8. 214), die istbetisohe 
keineswegs zusammenfällt; denn ,gar Man- 
ches, welches der bei Seite legt, der nur 
das Schöne sucht, i.st derBetmehtimg dessen 
Werth, der der Entfaltung des künstlerischen 
Geistes nachforscht und nicht nur die Voll- 
eiidunjr, sondern auch this Streben nach 
dersellx'n mit seinen unvermeidlichen Miss- 
gritien t>rkennen wilT. Ausgeschlossen bliebe 
demnach von der eigentlichen A. das, was 
! nur dem Handwerk angehört ; des Weitem 
die ihr gew()hnlich als Nebendisciplinen zn- 
j gewiesenen Wissenschaften der N u m i s m a- 
Itik (soweit nicht der Kunstwertb einselner 
Münzen in Betrncht kommt) und der Epi- 
graph ik; erstere will Jahn, soweit es sich 
einfach um Denkmiler des Handels und 
Verkehrs, um Zeugnisse der Ohronologie und 



Digitized by Google 



78 



Aichlologle. 



Geschieht« handelt, ledififlieh der allgomoinen 
Geschichtsforschung anheimgeben; letztere 
theilt er der Sprachfonebung zu, da der 
zufällige Umstand, dass die Inschriften auf 
Stein oder Erz überliofert sind, an ihrem 
Charakter als rein sprachlichon Denkmälern 
nichtH ändern könne. So fannt bekanutUch 
auch RiUtchl und seine Schule die Epigraphik 
auf (s. d. A.). 

S») einleuchtend diese Ausführungen 0. 
Jahns erscheinen, so erhellt ihre Einseitig- 
keit doch sofort, wenn mau sich nicht auf 
die Betraehtnngder claasiaehen A. beschränkt. 
Der von JnJni aufijpstrlltf» Rrgriff der A. kann 
unmöglich der richtige sein, wenn er nur 
auf letzteres Gebiet passt. Wer wird aber 
den Namen des Archfiolo^'cn di>mjenigen ab- 
streiten, welcher sich der Erforschung der 
Denkmäler nnd Alterthfimer jener Nationen 
hingiebt, die es nie zu einer Kunst gel (rächt 
haben? Der allgemeine und nicht mehr 
zu ändernde Sprachgebrauch wendet den 
Terminus i ln-nso an auf denjenigen, wel- 
cher die A. <lcs Orabes bei (Jcrnianen und 
Skandinaviern, bei Hindus und Semiten stu- 
dirt, als auf den, welcher die Gtemftlde des 
Polyj^not auslegt. Jedermann spricht von 
,bibiiächer A." und meint damit gewiss einen 
Gegenstand, der mit der Kunst so |^t wie 
nichts gemein hat. Wenn Jahn zur Unter- 
stützung dessen, was er über die Epigraphik 
sagt, hmzufBgt, die Erfahrung weise die 
iM kaiiritrn Namen der grossen Kpigraphiker 
nicht unter den Archäologen auf , so dürf- 
ten, um bei unserm speziellen Gegenstände 
zu blt'ilM Ti, \anicii wie Sc. Majfeif Cavt- 
doni, de Rossi, Le Blaut diest» These voll- 
ständig umwerfen ; von ihnen ist keiner aus 
der Philologie zur Epigraphik gekommen. 

Stellt sich auf dit-se Weise die l'nhalt- 
barkuit der von O. Jahn (man muss sagen, 
im wesentlichen Anschluss an Windedmemn) 
gegel)enen DcHnition lu^raus, so worden wir 
gerne zugeben, dass die Kunst Mittelpunkt 
und Kern der elaasischen A. ausmache, vns 
selbst aber nat b einer andern RegrifTslK-- 
fltimmung umsehen müssen. Und da es nun 
femer Niemanden freisteht, einen einmal 
eingebürgerten Sprachgebrauch ohne Wei- 
teres aufzuheben, bleibt uns nur übrig, zu 
eoBstatiren, dass im weitem Sinne ,A.' mit 
,Alterthumswissen8chaft^ oder ,Alterthttm8- 
kunde' vielfach identisch gebraucht wird, 
dass es aber wünschensworth sei, das Wort 
nur in ^nem engem Begriff zu brauchen. 
In diesem engern Sinne würden wir denn, 
im Anschlüsse an die von Gerharri, Braun, 
Prdler (Ztechr. f. Alterthnmsw. 1845, I 97) 
vertretenen Anschauungen als eigentliches 
und nächstes Ohject derselben dasjenige be- 
seiehnen, waaeinen monumentalenCha^ 
rakter trägt. Unter .fMi r i s t Ii c Ii c r A.' 
im engem Sinne begreifen wir also jenen 



Zweig der cli ristlichen Alterthumswisson- 
schaft, welcher im Gegensätze litterariscber 
Quellen auf monamentalen Zeugnissen be- 
raht, mit denen , soweit sie der Kunst an- 
gehören, die christliche Kunst - A. sich 
beschäftigt, während die c h r i s 1 1 i c h e Epi- 
graphik und Numismatik die schrift- 
liche Hinterlas-senschaft des christlichen Al- 
terthums behandeln , soweit dieselbe auf 
Stein, Erz u. s. f.. bez. auf Münzen und 
Medaillen erhalten ist. Die (lesammtdar- 
stellung der christlichenAlterthümer 
bliebe als iden^h mit der christlichen 
.\ 1 1 e r t h u m s w i s s e n s c Ii a f t oder Alte r- 
thu ms künde zu betrachten, wie sie so- 
wol auf litterarisehen als monumentalen 
Quellen beruht. Nur tlicilwcise decken sich 
beide Begriffe mit derjenigen Wissenschaft, 
welche man in neuester Zeit «monumen- 
tale Theologie^ nennt, und deren Auf- 
gabe keine atidere ist, als die Entwickelung 
der christlichen Lehre und Lebonsjinschauung 
an der Hand der Monumente nachzuweisen. 
Die monumental«' ThfHloijic kann sich hei 
dieser Aufgabe niclit auf das Alterthum 
allein beschränken, sie muss, da die Ent- 
wicki hing niemals als abgeschlossen zu er- 
achten ist, nothwendig die gesammte 
Vergangenheit der Kirche, abo anch 
Mittelalter und Neuzeit, in Hetracht ziehen. 

Die christliche Alterthumswissenschaft als 
Ganzes, d. h. als die Erkenntnis« und Dar- 
stelluni; des in seinen Erscheinungen so viel- 
gestaltigen, unb^renzten, keinerlei tksha- 
blone unterworfenen Lebens, kann selbst- 
verständlich keiner streng systematischen 
(Vinstruction fähig sein. Wir werden dem- 
nach . handelt es sich um eine Eintheilung 
derselben, den Stoff nur nach den allge- 
meinen (tesicht.spunkten ordnen können, 
welche sich bei der Betrachtung des kirch- 
lichen und Yolks-Lebens von selbst ergeben, 
und demnach folgende Abtheilungen auf- 
stellen : 

1) AlterthDmer der Verfassung, 
d« r Verwaltung und des kirchli- 
chen Hechts; 

! 2) Alterthfimer des Oultus; 

1 :i) A Iterth ü ni e r (1 e s P rl V atlebena; 
I 4) Alterthümer der Kunst. 

Betont man den Begriff der AlterHinnis- 

I Wissenschaft in ihrem weitesten Umfange, 
I so hätten als weitere Abtheilungen noch: 

I ö) die Alterthümer der Littera- 

I I u r, und 

Ti) die Alterthümer des Dogma s 

hinzuzutreten. 

Beide Disciplinen als wesentlich die gei- 
stige Entwickelung. «'iu'eiitlich die (Jeschichte 
des christUcheu Ueistes schildernd, werden 
indessen mit mehr Recht von der allge- 
meinen Kirchen- und Dogmengeschichte 
als Nebenzweige in Anspmch genommen. 



Digitized by Google 



Arohlologi«. 



79 



Eine ToUkomraene Scheidung wird ja hier 
Oberhaupt nicht möglich »ein , und selbst 
irenn mau bei den angeführten vier Ab- 
tteflaiigeii stehen bleflik, wSre die Behand- 
lung derselben von sehr verschiedenen Ge- 
•ichtspunkten durchzuführen, in dem vor- 
Nefoiden Werke ist der Venach gemacht 
worden, auswehliesslich diese vier Abtheilun- 
gen abzuhandeln, dabei aber vor Allem 
uewH^ ftof die motmmentalen Zeugnuee 
zu legen und den Stoff nach dieser Seite 
möf»lichf«t erschöpfend vorzulegen. 

Kehren wir zu der christlichen A. 
in «If-ni angedeutetm engem Sinne zurück, 
80 hahen wir es nur mehr mit der christ- 
lichen Kunst-A. , der Epigraphik und 
Knmismatik zn thun. Diesen Diacipli- 
nen, ^^ill man sie zu einer mctliodischen 
Oesammtdarstcllung bringen, hat selbstver- 
iliiMillch eine Verständigung über Metho- 
dik (über A u 1 0 I» t i k , Kritik und H e r- 
meaeatik> der Denkmäler vorauszugehen; 
ideht minder eine Bhuleitting, welche die 
Oesehichte dieser Studien gäbe, welche 
weiter die Quellen desselben, also sowol 
die litterarischen als die monumentalen, nä- 
her untersuchte; dieser Erörterung würde 
weh sofort die D e n k m äle r k u n d <• (To- 
pographie) und Museogruphie un- 
8ch Hessen. 

Die ^lethodik der christlichen A. be- 
schäitigt sich zunächst mit der Autoptik, 
der Kunst zn sehen: diese Disciplin ist die 
Lehre vom Anblick und Eindruck des Mo- 
numentes und führt zunächst zu einer rein 
iusserlichen Beschreibung dessel« 
ben, und zwar a) nacli seinem Stoffe oder 
Material, nach seinem Umfang und ge- 
genwärtigen Zustand der Erhaltung; 
h) nach seinem Stil; c) nach seinem In- 
halte; d) nach seinem Funil- iind .\uf- 
bewahrungsort; v) nach seiner bisheri- 
gen gelehrten Bearbeitung, be>w. 
Puhl i eation. 

Auf die Autoptik folgt die Kritik, die 
Kunst zu prüfen. Sie untersucht und prüft 
die durch die Autopsie, bez. durch die 
Ueberlieferung gewonnenen Eindrücke 
und Umrisse und snäit xu emdtteln, wel- 
cher Zeit das Denkmal u) nach Stoff, 
b; nach Stil, c) nach Inhalt oder ide- 
ellem Gehalte angehört, mit anderen 
Worten, ob es echt odernneeht, antik 
oder modern ist. 

Die Hermeneutik ist die Kunst der 
Auslegung. Sie soll zu tieferm Verständniss 
des äusi^crlich erkannten Denkmals leiten, 
und stellt zu dem Bchufo Vergleich ungen 
aus der sonstigen, auf Monumenten wie 
schriftlichen Zeugnissen beruhenden gelehr- 
ten Kenntniss des Alterthums an, und zwar 
auch hier wieder a) nteb Stoff und Fund- 
ort, b) nach Stil, e) naeh ideellem 



[Gehalte. Dass liier zur Bewältigung der 

' Aufgabe ein erhebliches Maans archäologi- 
scher Bildung erforderhch ist, leuchtet ein ; 
das Paradoxon: monumentorum artis qui 
unum vidit, nullum vidit, qui milia vidit, 
unum vidit, enthält, wie 0. Jahn mit Recht 
hervorhebt, ,e{ne tiefe Wahrheit, die jeder 
Archäologe wol zu beherzijjen hat*. 

Die Gesetze der Kritik und Uerme- 
nentik kSnnen natflriich bei unserm Gegen- 
stände keine anderen als diejenigen sein, 
welche überhaupt bei der historischen und 
archäologischen Forschung in Anwendung 
kommen. IDer gilt de Rossi's Wahlspruch: 
archaeologum, non theologum facio. In der 
Befolgung dieses Princips zeigt sich der 

I volle Unterschied der gegenwärtig von den 
Tlauptvertretem der christlichen A. ein- 

I gehaltenen Methode im Gegensatze zu der 
altem, welche fast ausniwmdos nur im 

' Dienste der Theologie stand und darum zu 
einer unbefangenen kritischen Anschauung 
und Darstellung der Dinge sich nicht in 
erheben wusste. 

Eine Einleitung zu unserer Wissenschaft 

j hätte weiter auf den praktischen We r t h 

I derselben innerhalb der Kirche aufmerksam 
zu machen: sie hätte einmal auf das Mo- 
ment der Erbauung und Erfüllung 
mit wahrhaft kirchlichem Sinne hinzuwei- 
sen (vgl. I'iper Einl. in die nion. Theol. 
§ 200, Schluss) und den ehrwürdigen Geist 
altchristlieher Zeiten, jenen Geist unver- 
gleichlichcr Milde und Mässigung im Gegen- 
satze zu den Leidenschaften des Tages vor 
dem Leser anftteigen zu lassen; sie hStte 
aber auch zu erinnern , wie widitig die 
Kcnutniss des Gegenstandes für den prak- 
tischen Geistlichen bei liturgischen 
Fragen, bei Restaurationen von Kir- 
ch e ti . bei kirchlichen Neubauten 
wäre. Vgl. A. h'eic/iensperger Fingerzeige 
auf d. Gebiete d. kirchl. Kunst, Lpz. 1855; 
F. X. Kraus das Studium der Kunswissen- 
schaft auf den deutschen Hochschulen, Strasb. 
1874. 

Alle diese Diti^e können in diesem kurzen 
j Artikel über christUche A. nicht ausgeführt, 
I sie dtrfen nur angedeutet werden; und eben- 
so kann nur eine l'ebcrsicht dessen gegeben 
werden, was weiter die historische Einlei- 
tung in dies Studium zu leisten hätte. 

Die Quellen der christlichen Alter- 
thumswissenschaft zerfallen in zwei Klassen : 
1) litterarische, 2) monumentale. 
Von letzterer handeln die Denkmälerkunde 
und Museogra]>hie , erstere erschliesst die 
christliche Litteraturgeschiclite und Patro- 
logie. 

Von litterarischen Quellen kommen in 
Betracht: a) Urkunden (der Niederschlag 
der IdrohUdien Aotion: Com^aoten, Deore- 
talen, Epiitolae can oni oo, Litnigieen, Con- 



Digitized by Google 



80 



Arohiologi«. 



•litatiooes und Canones Apostolorum, Samm- 
lunjfen solcher Actt-n und Dccret« ; b) Sc h ri f- 
ten der alten Christen: da» N. Test., 
die Apokryphen, die apostolischen Vätar, 
die Apoloffpten, Itos. [ustin, die Kirchcn- 
Schriftäteller und -Väter, bes. Irunaeus, Cle- 
meiM Alozandrinufl, Tertullian, Hi«roB3rinu8, 
AujE^stinus, die Historiker, Iten. Eusebius. 
Theodoret, Cassiodoriua u. s. f., die homi- 
letiiehen nnd liturgwehen SehriftMa des Cle- 
mens, Cyrill, ChrvHostomus. flrotjor d. Gr.. 
die Mönchsrc^eln u. s. w.; c) Schriften 
▼ on Nichtchritten: die auawrldreh- 
lichen Nachrichten Ober Christus und die 
Christen, die Aeusserungen von Plinius, 
TacituB, SuetoniuR, Dio Caiwius, die polemi- 
schen Schriften von Celma, Lucian, Hiero- 
kles, Porphyrius, lulian, nowoit (*io uns er- 
halten oder aus den christlii licn .ViKdoj^leen 
bekannt sind: d) aus dem Mittelalter 
it»t zur B«'l<'uchrunp des dirisf liclicii Alter- 
thums eine lieihu von Auotureu anzuziehen: 
so Theodor Stadita, Nicephonis, Codiniu, 
(l;is M;i li'rhilcli vom Hcrir«' Athos; die Sa- 
cramentarieu und Lectiouarieu, die ältesten 
Meislitarffieen und Kanonemammlan^n, die 
Libri rnroliiii. .\l< iiiii, Rhabanus Maurus. 
Amalarius von Metz und Amalarius von Trier, 
OlaudiiMi von Tarin und A;?obnrd, TTieoduIf, 
Ermoldus Nif;t>!lus. Anastasius" Liber Ponti- 
ficalis, A^nellus' Lib. Pontiticalis Ravennat., 
Regino, Burchard, Ivo, Theophilus. Vincen- 
tius von Beauvais. Jarolms «l«* Voragine, 
Wilh. Durandus, Jtili. lii-lctli: die t(ipo«jra- 

|)hisfhen Schriften iWwr Rttm und .It-ru^a- 
em, Pilgerbücher u. s. f. 

Das Studium der rliristlichen A. beginnt 
erst mit dem IG. Jahrh. Zwar haben die 
italienischen Huimmisten , von Dante und 
fV//-fl;TAo anir' t'.iriirf'n. auoli dem <'hristIicli(Mi 
AJterthum gelegentlich ihren lilick zuge- 
wandt: aber im Allgemeinen ist es hSchst 
auffalli'ud uikI t liarakr)'rl-itis«-b . ilass die 
namhaftesten ilumauisten des 15. Jahrh. 
nur fBr das heidnische Altertfanm sehwtnn- 
ten: die Mitglieder der römischen Akademie, 
welche unter der Führung von l'omponio 
Leto sich in den Tagen Pauls II in den 
Katakomben von S. Callisto versammelten, 
gingen achtlos an den Monumenten des 
christlii'hen AltJTthums vorüber, und nur 
gelegentlich wird cliristlirlier Denkmälor bei 
Hruni. Alberti. Poggio, Üiriaco von Anoona, 
Traversari gedacht. 

Das Zeitalter der Reformation musste die 
wis-i''iwi liafdii lip Krforsoliung des christlichen 
Altisrthums von vorneherein ins Auge fas- 
ten, da die Reformatoren mit dem Anspruch 
sich erhoben, die Kirche wieder in den Zu- 
stand der alt<.*hri8tlichen Jahrhunderte zu- 
rflckzuTersetran. Den Erweis dieses Tor- 
gebens zu erV)ringen, war bekanntlich die 
Aufgabe, welche sich die Magdeburger Cen- 



turiatoren (Basil. 1559—74) tleokftan: ihr 

Werk stellte im Anhange zu jeder Oen- 
turie auch die Alterthümer der betr. Zeit 
zusammen, natürlich in durchaus polemischer 
.\bsiclit. Der erste Prot»'stant. welcher dann 
eine systematische Darstellung der christ- 
lichen A. versuchte, war der Strasbni^r 
Professor der Tlieolo-^io Balthasar Ih'hrl, 
dessen Antiouitates eccies., Argentorati lt)79, 
3 voll, in 4*, aber auch Dogmen- und Lit- 
torärgeschichte beranzof;. Auf ihn foljrten 
Quenstedt Antiqq. bibl. et eccl., Witteb. 1699, 
4*. Die reformirten Theologen El. Morm 

(Diss. octo, Gciu'v. l(;S:i). Daille (Dallaens) 
und Spanhem ptiegteti unterdessen mit Vor- 
liebe und gleichfalls polemischer Abmcht 
einzebie Gebiete, wie die Sacramenten lehre 
nnd die Bilderverehrung (Dallaeus de cult. 
relig. Latin.. Gen. ItiTl; /(/. de Patr. fide 
circa imagines. Gen. 1641 f., u. 8. f.; Span- 
hetnii llist. ima'jinum resrituta c. Natal. 
AJexandrumet Ludov. Mainihuurgium, Lugd. 
Bat. 1686). Arnold, der Verfasser der ,Ün- 
partheiisclicn Kirchen- und Ketzerhistorie' 
(1699J, gab von dieser Seite den ersten Ver- 
such einer Bearbeitung der christlichen Pri« 
vatalrerfhünicr in s. .Wahren Abbilduntr der 
Ersten Christen im Glauben und im Leben', 
Frankf. 1700 , 2 Bde. in Fol. (vgl. dazu 
Arnold Das ehel. und ünverehel. Leben d. 
ersten Christen, Leipzig 17H2). Alle diese 
Arbeiten übertraf an kritischem Geiste, an 
(it'diegenheit der Erudition und Sicherheit 
des Wissens der Ens;län<ler Josirpli liiiiifham 
in s. Origines eccl., or the Aiiti<juities «jf Chr. 
Churcb. Lond. 1708 — 22, welches meist nur 
in der lat. rel>ersetzun:; des IlalherstSdter 
Theologen Joh. II. Grischor , Halle 1724 
(2. An^f. ob. 1751—62) citirt wird; eine neue 
Ausgabe des (•Tii,'lisc|ieii Orii^inals erschien 
Oxford 187U, 9 voll. Binghani ist in seinem 
Urthefl fVeier und unabhängiger als die 
meisten seiner Zeifirennssen. alu-r iintiK rhin 
oft noch gegen die katholischen Kiuricb- 
tnngen und Schriftsteller ungerecht, wiewol 
auch das polemische Interesse liei ihm hin- 
ter das wissen.schaftliche zurücktritt. Die 
litterarischen Quellen der ersten sechs bis 
sii l" II Jahrhunderte kennt er, nach dem 
damaligen Standpunkt «ler Dinge, vortreff- 
lich: nach dieser Hichtun«; ist sein Werk 
noch heute höclist hrauchbar und eine Fund- 
grul)e, aus wtdcher zahlreiche Theologen 
und Archäologen ihren eigenen Mangel an 
Relesenheit in den Alten decken. Dagegen 
fehlt ihm. wie der ganzen bisher angeführ- 
ten Klasse protestantischer Archäologen, die 
Kenntniss und die Beachtung der 
M (t ti u III e II r e. ein Vorwurf, der um so 
schwerer wiegt, als Bostels grosse Forschun- 
gen damals doeli längst voriagen und nur 
blinde Parteileidonschaft «ich ihren Folge> 
rungen entnehen konnte. 



Digitized by Google 



ArcUMogie. 



81 



Ib Bom war Baromus bekanntlich be- 
■Iht gewesen, durch seine berühmten An- 
nalee ecci. (1588—1607) den Maf^debur^er 
Oentnriatoren entg^^nzutreten. Auch er 
fasste in eigenen Anehnittell das archäo- 
logische Material zusammen, welches dann 
Schiäiing in s. Epitome Annal. eccl. C. Ba- 
ram eontiiMiia tniwanmin ■Mnurioiii AnÜ- 
quitatum HROS) zu einer Gesammtdarstel- 
lung verarbeitete. Baroniiu war nicht Ar- 
dtSolog. aber er schenkte den DenkmUem 
f^TOS&e Aufmerksamkeit und zop nie in hö- 
henn Qrade als die Protestanten heran, in 
semem Geiste, ebenfalls in dorchans pole- 
mischer Richtung, arbeiteten Molanus (de 
pioturis et imag'inihns sacris. 1570, 2. A. 
1594, ed. Paquut. Lovau. 1771), PaleoUi 
(Ditoono delle immagini sacre e profane — 
de imaginibus sacris et profan.. In^^olHtadii 
1594), der Jesuit Greiser (de Cruce, 3 voll., 
lagolat. 1606), während Giorgio Vaaari in 
8. berilhmten ,Kun8tlerge»chiclite Italiens' 
(1550, 1568) nur hier und da die ältere 
Malerei und Seolptar atreifte. Derselben Ka- 
tegorie gehören die Schriften von Borro- 
meo (de Pictura sacra 11. 11, Mediol. 1634) 
vnd CtuaH (de prof. et saer. Tett. Ritibus, 
Francof. 1671) an. 

Die monumentale Forschung, das eigent- 
liche Feld des Archäologen, hatte bis dahin 
Niemand mit namhaftem Erfolge betreten. 
Hier geschah der crxto und auf lange Zeit 
bedeutendste Schritt durch Antonio Bosio, 
den Columbus der Katakomben (vgl. den 
Art. Katakomben über ihn und s. Nach- 
folger). Boeio verband mit einer durchaus 
riratigen HeÜiods bei der Dozehfonehung 
der Roma sotterranea eine grosse Belesenheit 
in den litterarischen Quellen des christlichen 
AltorUiiinu, wie noeh jetzt seine nmfang- 
rriehen Collectaneen in der Vali< ('IhinH hc- 
wisen; aber der damalige Zustand der nur 
tiraOwene noch bekannten und erschlossenen, 
oft in sehr unyoUkommener Gestalt Qbcr- 
lieferten Quellen, mehr die der Zeit über- 
haupt noch vielfach verwehrte Einsicht in 
die Gesetze hi»<t()ris( her Forsehang fieaien 
auch Bosio auf manchen Irrweg gerathcn; 
trotzdem ist im Ganzen und Grossen seine 
Lmtung hSehster Anerkennung wertt, und 
nur Voreingenommenheit konnte ea zuwege 
bringen, dass diesseits der Alpen seine Ke- 
•nhate sorosagen beiseite geaehoben und 
Werke wie Bingham's Origines, ja noch Au- 
gu8ti*8 Denkwürdigkeiten geschrieben wur- 
den, als ob nie ein Boao «ifgettandeii imd 
das unterirdische Rom entdeckt hätte. 

Sehr wertbvoUe Ergänzungen und Fort- 
•etsungen der Bosio'schen Studien lieferten 
Mine Jfachfolger in der Katakombenfor- 
schung: Bottari, Maranfjoni, Fahretti, Bm- 
narruoU, Boidetti, während die kirchlichen 
Braten nnd die Mosaiken Roms an CKum- 



pini einen Bearbeiter fanden, üm diesenie 
Zeit wandten Männer wie Lambeck, Du^ 
cange, Mont/niimti. Bnh<::e, später die Asse- 
mani, der Curdmal AUtnni ihre Aufmerk- 
samkeit den Bilderhandschriften ond damit 
auch der altchristlichen Ikonographie zu. 
In Frankreich mussten die Studien der Bt" 
tudietkimr von 8. Manr der ehriatiiehen AJ- 
terthumswissenschaft vielfach zu Oute kom- 
men und namentlich die Quellenkenntniss 
yennehren nnd die Methode sehirfen: so 
die Arbeiten von Mont/aucon und Mahillon, 
neben denen namentlich Dom Huimrt als 
Bearbater der Acta Martyrum zu nennen 
ist. Dass das grosse von BoUandus einge- 
leitPtp Werk der belgischen Jesuiten (Acta 
sancturumj auch unserer Disciplin zu Gute 
kam, bedarf kaum der Bemerkung: hatte 
ja schon Hollandus selbst die Absicht, die 
Hagioglypta des Jean l'Heureux, des Vor- 
gängers von Bosio, dem Druck m flber^ 
geben. In ähtiliclier Wei^^o niusstcn sich 
die Untersuchungen der namhaften fran- 
iSaachai Kirehenhiatoriker wie die TWfe- 
monts f Fleury's (Moeurs des Isr. et des 
Ohrsens, Avign. 1705), Lmuho^s, NoHAie- 
xmdnf» aieb Unfig mit unserm G egenstande 
berfiliren. 

Indessen blieb Italien auch im 18. Jahrh. 
die vorzüglichste Heimat christlich-antiqua- 
rischer Be8trel)ungen. Zwar lag in diesem 
ganzen Jahrhundert, wenigstens nach Hot- 
tari's Tagen (1734 54), die Erforschung 
der Katakomben darnieder. Aber achtens- 
werthe (rch'hrtc wie Olivitri, Bvrgia , Pa- 
ciaudif Zaccaria, vorzüglich Muratori, Lupi, 
bearbeiteten nrit Erfolg etnoetae Gebiete Oer 
christlichen A., Epigmphik und NumisnMriik» 
während Bianchini die Monumente zuerst 
systemstiseb rar IIh»lFation der Kirehenge- 
schichte heninzoi^ (Demonstratio bist. eccl. 
comprobatae monumentis pertinentibus ad 
fidem temporum et gestorum, Rom. 1752), 
worauf dann Mmuarfii (Origines et Anti- 
(juitatos Christ.. Rom. 1741» 52, 5 voll. 4", 
neu aufgelegt durch Matranga, Rom. 1841 tf., 
6 Bde. 4°), Selvaggio (Antiquitatum chri- 
stianarum Institutiones, Ven ellis 177S. (i voll. 
12«, Mogunt. 1787, b voll. 8";, Peilicria 
(de Christ, ecel. primae, mediae et novissi- 
maeantifuiitatisPolitia. Ven ellis 1780, 4 voll. 
12**, neu aufgelegt durch Bt^fer und Braun, 
Colon. 1629—88, 4 pp. in 2 Bdn. 8") und 
Puleotimo , Luc. (Antiqq. s. Origg. eccles. 
Summa, Yen. 1766, 4«; Aug. Yind. 1767, 4») 
Oesanuntdarstellungen des O^mtandee un- 
ternahmen. Das Werk des Dominicaners 
Mamachi (die Privataltcrthümer gab er auch 
italienisch unter dem Titel : de* eostumi de' 
primitiyi Cristiani, H voll. Ilom. 1753 — 54; 
Venezia 1757; deutsch: die Sitten der er- 
sten Christen, Augsb. 1790) ist weitläufig 
und seholaatisobgeiehmMUoe: die grasw 

e 



Dlgitlzed by Google 



82 



Arohlologie. 



Beietienheit cnfsohädi^ meht fUr den Man- 
gel an Kritik. Die Neapolitaner Selvaggin 
und Pnleotiniu wussten sich conciser auszu- 
drflcken. Am bedeutendsten von den vieren 
ist wol J*ellicria, eheufalls NeapoIitaiHT. dem 
wir auch die erste Darstellung der Kata- 
komben zu Neapel Terdttiiken. Alle vier be- 
rfirk«i< lirirrt<'ii aueh die A. der Kunst, d(K^li 
trat dieselbe hinter die Alterthümer der 
Verfiusiuig, der Verwaltung, des Caltas 
sehr raritek. und ausserdem lieschwertcii 
diese Schriftsteller ihre Handbücher mit 
kirchengeschichtlichem Material, wie der 
Geschichte der Ausbreitung:^ und dir Vcr- 
folpfunf^ des Christentimms, welohi^s garnieht 
hierher gehörte. Dagegen erweiterte Pel- 
Boeia «einen Kreis mit Heeht durch Auf- 
nahme des Kapitel« de re lapidaria und 
durch eingehendere Behandlung desjenigen 
de coemeteriis. 

Neben diesen HauptT^'erkcn , die noch 
etzt einen gewissen Werth haben, treten 
'ie kleineren Compendien protestantischer 
Auetoren, wir sie im 18. Jahrh. in Deatsch- 
laud erschienen, bedeutend zurück; sie seien 
nvr der Yollstiitdigkeit wegen erwlimt: J. 
G. Walch Compondium untiq. ecel. ex seri- 
ptoribus apologetieis oorunidemque conimen- 
tatoribus eompos., I^ips. 173H, 8'. Jiaum- 
(jarten Primae lineae breviarii anti(|q. ehrist., 
Schol. add. ./. S. Stmler, Hai. 17«;(;. 8". 
S. J. Jiaumyaitem Erläuterung der ehr. 
Alterth. , hcrausgeg. von Hertnin, Hidle 
17f)8. 8". — J. Simotm Vorlesungen über 
d. ehriKtl. Alterth., nach Baumgarten, her- 
ausgeg. von 8. Mnnrinna, Halle 1769, 6*. — 
Vuifel Alterth. d. ersten u. ältesten Christen, 
Hamb. 1780, S*. — Haug d. Alterth. d. 
Christen, Stattg. 1785, 8*. — Daneben ist 
noeh des Versuchs vf)n Jos. Anulf Lexicon 
autiq. eccl., Qryphisw. I()(i9, 4°, und der 
Katholiken Dom. et Carol. Mneri Hiero- 
lexieon s. sarrum Dietionarium, Rom. 1H77, 
fol.; Venet. 17l"i. 4". zu gedenken, welche 
den Stoff" lexikalisch verarbeiteten. Kine 
ähnliche unsureichende Arbeit Hegt tot yon 
Zarrnria. 

Die Umwälzungen und die grossen Kriege 
des ausgehenden 18. und beginnenden 19. 
Jahrh. konnten unserm Studium nur ver- 
derblieh sein : die Nothlage der Kirche, die 
Zerstomng der theologischen Lehranstalten 
entzofjen ihm seine natiirlii he Basis. Erst 
allmälig, seit der Uestauratiou, zeigte sich 
auch aufdiesem Gebiete neues Leben. Uebcr- 
blicken wir die erste Generation von Ar- 
chäologen bis zum Auftreten Marchi's und 
de Rossi \ so hat Italien zu nennen: Sarti, 
SeiUh, AiSfMMtiy Valentini, Ferrario, Orli, 

Ctmfjnarn , Cihrnria , Selrn/Iro ; auch die 
Atti deir Accademia Homana \H2] — 64 ent- 
halten manches Einschlagende. Viel Nam- 
hafteres aber leisteten in dieser Periode die 



Franzosen: MUUh» (f 1816) Thfitigkeit un- 
ter dem Kaiserreich kam auch den christ- 
lichen Antiquitäten zu Oute (Vovages dans 
les departements du midi de la France, 
4 voll. 8". 1H07-11); mehr noch that SV- 
t'oux WAgincuuri (geb. zu Beauvais 173U, 
t 1814), dar 1778 m der ausgesprochenen 
Absicht nach Rom ging . Winckelmanns 
Forschungen fortzusetzen und auf das Ue- 
biet der spätrSmisohen, altehristüeben und 
mittelalterlichen Kunst auszudehnen. Erst 
nach seinem Tode erschien die Frucht sei- 
ner Bemfihungen, die Hist. de l'art par les 
monuments, Paris 1825, 6 Bde., mit 325 
Kupfertafcln ; deutsch rev. von v. Quast, 
Berlin 1840; italienisch Milano 1824—25. 
Jetrt im Text gänzlich veraltet hat das Werk 
nur mehr Werth durch die Kupfer, die indes- 
sen auch zum Theil sehr unvollkommen sind; 
fQr jene Zeit war es indessen epochemachend 
und höchst anregend. Verwandt damit ist 
Am. Davids Hist. de la peinture au moyen- 
&ge, im Masfe fran^ Iv (1812) und Paris 
18f!M. Für die Wiederbelehu!i<j des christ- 
lichen Kunststudiums wurde dann de Cau- 
mottt der Htttelptudct. IfaMe er loniehat 
die nationale Kunst in der Normandie zu 
untersuchen begonnen (1824: Societä des 
Antiquaires de Normandie), so dehnte er 
durch Orfindung der 8ooüt6 fhuieaise d*ftr- 
cheologie pour la eonsorvation de« monu- 
mentH seit 1834 seine Thütigkeit auf ganz 
Frankreich aus: sein Bulletin monumental 
ward bald, neben />i</;ww Annales d'Archeol. 
chretienne (Par. 1844 — 70), das Uauptorgau 
fQr diese Bestrebnngen, die sich allerdings 
mehr dem französischen Mittelalter als der 
altchristlichen Zeit zuwandten, was auch 
▼on der in den letzten Jahnehnten Miuni- 
getretenen Revue de l'art chretien des .Vbb6 
Coröiet (Par. 1ÖÖ7 ff.) gilt. Uif/s Art chre- 
tien (2. A. Par. 1861—67) beechiftigt sieh 
zwar vornehmlich mit der italienischen Kunst 
vom 18. bis IB. Jahrb., doch gab er in 
seiner Einleitung auch eine treffliche Ueber- 
sicht der altchristlichen , wie er denn das 
christliche Kunstideal reiner als irgend ein 
Anderer erfasst hat. Spezieller unserm (ie- 
genstande gewidmet erscheinen die geistvol- 
len rntersuehungen Haoiil Hochettes (TrtMS 
Memoire» sur les Antiquites chr6t. in den 
M^. de TAead^ie des Inscriptions 1889, 
und Tableau des (^ataconibes de Home, Par. 
1837; iSur Torigine etc. des types imitatifs 
qui co n stitwnt Tart dn Ghristaanisnie, Par. 
1834), obgleich dieselben das Verhältiiiss 
der altchristlichen Kunst zur römisch-heid- 
nischen in ein theilweise ganz falsches Licht 
setzten (s. Mythologie der christlichen Kunst). 
Nur mittelbar l>erührten das altchristliehe 
U^ebiet Chrac, Lrtrtnme, de bastard; ihm 
niher kamen die Forschungen von Ch. Z/e- 
nomant and diejenigen der beiden gdehr- 



Digitized by Google 



Arehlologie. 



8S 



tnJmmkM Martin vniCaMer. Alle dime 

Baitiehun^on fanden lebhafte Trnterstiitzunjs^ 
dneh den Euthuaiaamu» der liberalen Ka- 
tliofikeiL, wie namentlieh MotUt^mherte (Di»> 

tours du Vandalbme et du Catholicisme 
dam l'art. Pari« 1839 u. a.; M41an{;eB d*art 
et de litt^rature. Par. 18()1, in Oeuvr. VT). 

WenigiT bedeutend war, was in jenem 
Zeiträume 1800- 1844 in En^'limd und Bel- 
gien frcsohah : dort wirkte zwar die 1572 
bereits l»e^rüiidet« Society of Antiquaries 
of London fort, und für mittelalterliche 
Kunstgeschichte ges< -hah Manche» (so Uug- 
(fi^Monaat-Angl., L ii<l 1817; OaUffKnigkt 
the e<-cl. Archit. oi' Ir;ily, Lond. iRJ'i'f.), 
aber daa ohristlicbe Alterthum wurde zu- 
Biekrt wenig berfleksichtigt. In Belgien, 
wo der Baron v. lieißt'iiherg thütig war, 
enchien einzelnes ujis hier Angehendes in 
den Bau. de rAead^mie d'nehM. de Belg., 
Airrers 1843 f., in den M^m. de l'Acad. 
rorale de Bruxelles, in dem Meaaager des 
adencea hiat., Gand 1833 f. 

Anders standen die Dinge in Winckel- 
manns Vaterlaml. Das Auftreten dieses 
grossen Mannes hatte die KunstgeHiehiL-hte 
tk Wineoachaft geschaffen, und früher oder 
»päter musste auch die christliclif A. davon 
Nutzen ziehen. Der Aufschwung der natio- 
nalen und romantischen Bewegung im Gegen- 
satze zu der franzräischen Fremdherrschaft 
führte von selbst mit der Wiederbeachtung 
des Mittelalters aneh auf die altchristliche 
Kunst zurQck. Zwar srhlDsson, mit Aus- 
oabme Üchinte^s (Qeschichtsi'oradiungen über 
^ kirehL Oebrftuehe und Bmrichtungen der 
Thristen, 2 Bde., Berl. 1819, 8»), die syste- 
matischen Dantellungen der ciiri8tlichen A. 
▼on den Protestanten Ätignsti (geb. 1772, 
t 1841: die christl. Altertli., ein Lehrb. f. 
akad. Vöries., Lp/, isii), s"; Denkwürdig- 
keiten aus d. ciiristl. .V., Lp/,. 1817 Hl. 
12 Bde. 8"; Handb. d. christl. A., Lpz. 
3 Bde. 80), Rheinnald U\. kirchl. A., Herl. 
1830, 8">, WUh. Böhtner (d. christl.-kirchl. 
Atterthumswissenschaft, 2 Bde., Breslau 1836, 
8*), wie nocli später diejenige von Guericke 
(Lehrb. d. christL-kirchl. A., BerL 1847; 
2. Anfl. 1859, 8*) das monnmentele Gebiet so- 
ziisji'^'cn gänzlich aus und liesseii in seltsamer 
Verstocktheit den Leaer kaum ahnen, daia 
Katakomben entdeckt, die doch sehen «inials 
gro!Martige Resultate zu Tage gefördert hat- 
ten — waren ja auch des Katholiken liin- 
t$rm Vera. DenkwOrdigkciten der christl.- 
kathol. Kirche, 7 Theile in 16 Bdn., Uamz 
1826 — 41, zum Theil nur eine T%'bertragung 
Ton Pellicciu, in dieser Hiiisii ht wie auch 
in formeller Beziehung sehr mangelhaft, 
l nbedeutend war auch Locherera Lehrb. d. 
chrwtl.-kirchl. A., Frkf. 1832, 8*. Dagegen 
wurde um dieselbe Zeit Henrorragendes von 
den eigenUkshen Konetiuitorikern geleistet, 



I sn demm sieh aueh mehrere von der Tlieo- 

logie ausgehende verdiente Schriftsteller ge- 
sellten. Unter letzteren nenne ich von Pro- 
teetanten den Bischof Münter Ton Seehmd 
(t 1830: Antiq. Abhandl., Kopenh. 181(5; 
Symhola veteris eeol. actis operibus expressa, 
1819; namentlich aber die Sinnbilder und 
Kunstvorstellungen der alten Christen, Al- 
tona 1825^. MdtteriUiM. du Onosticisme, Par. 
1828, 14 Taf., 1844 ohne die Taf.), (hült- 
eisen, auch Atiijmti (Beitr. z. christl. Kunst* 
«gesell, und Liturgik, Leipzig 1841 f.); von 
Katholiken deu Weihl)is»'h()f f. IVessenberg 
(die christl. Bilder, ein BefSrdemngsmittel 
des christl. Sinnes, 2 Bde., Constanz 1827 f.), 
den spätem Bischof von Münster. J. Q. 
Müller (die büdl. Darstellungen im Sanetna- 
rium der christl. Kirchen vom 5. -15. Jahrb., 
Trier 1835). Boüseree und seine Freunde 
gingen mehr auf das Ifittelaltor aus; da- 
gegen hat F. r. Rumohr (ftal. Forschungen, 
Berl. 1827—31) in seinen für die neuere 
Kunstgeschichte bahnbrechenden Forschun- 
gen auch manchen Blick auf die altchrist- 
lichen Denkmäler gethan; an ihn haben 
dann KuijUr und Sduuiase mit ihren epoche- 
machenden kunstgeschichtlichen Werken an- 
geknO|)ft, wo aucli die altchristliche Zeit be- 
rücksichtigt, wenn auch keineswegs durch- 
weg in dem richtigen Lichte dargestellt ist. 
So spukt hier noch immer jener fabelhafte 
Kunsthaas der alten Christen, Uber den 
eine eigene Abhandlung geschrie- 
ben CKunstbl. 18;n. n*> 28 HO). Kndlich 
muss aus dieser Periode noch der Boschrei- 
bung der Stadt Rom durch PkUner, Bmtem, 
(ierhard und /W.v/p// fStuttg. und TOb. 1830 
bis 1842), sowie der BasiUken d(>s christL 
Rom von J. Bumen (4 voll. 1842) gedacht 
werden. 

Mit dem J. 1844 datiren wir eine neue 
Entwicklung unserer Wissenschaft: es sind 
wieder die Katnkombenstudicn, welche die- 
ses StÄdiura einleiten und charakterisiren. 
An <ler Spitze dieser Bestrebungen stehen 
wieder die Italiener: zunächst der Jesuit 
Marc/ii (f ]HV,()) mit seinen Mnnumenti delle 
arti crist. primitive uella metrt>poli del cri- 
stianeaimo^ Rem. 1844, 4*. Marchi nahm 

die topographische Methode de-< \'o-<\o wie- 
der auf, war aber seihst der Mann uicht, 
seiner Aufgabe zu genügen : an seine Stelle 
trat ein Grösserer, den wir jetzt .\.lle als 
den Fürsten der Archäologen verehren, der 
Börner GUnan BaUiuUt de Rossi, gleich ans- 
genidbaMt dun^ grossartigste Beherrschung 
der gesaramten pnifancn wie kirchlichen 
Alterthumswissenschaft, durch geniale Com- 
bination, durcli unvergleichliche« Glück in 
Aufdeckung der Monumente. Fr allein hat 
für die christliche A. mehr gethan als alle 

j seine-Fachgenossen im lU. Jahrh. zusammen. 

i Seine Hauptschrifton sind: de Christ mo- 



Digitized by Google 



84 



Aroblologle. 



liuinentis tx^v exhibentibua, in Pitra's Spi- 
dl. Solosm. III.; de titulis Christ Cartha- 

g'nensibus, eh.; Inscriptione« christ. urbis 
Dmae I., Rom. I Sr.! ; Koma Hotterranea, 
Romac I 18G4, II 1867, III 1877; Musiiici 
cristiani, Rom. 1871 ff. Von den neuen 
Fanden in den Katakomben, wie Oberhaupt 
von den Fortschritten auf unsenn Gebiete, 
giebt endlich das Bulledno di Archeologia 
eriBtiana seit 1868 (in flninsMMlier Ausgabe 
durch Abb^ Martigny) Nachricht. 

Neben de Roasi muM auch dessen gelehr- 
ter Brader Mkkdt Strfano de Boui genoimt 
werden, der namentlich die werthvollen to- 
pographischen Untersuchungen der römischen 
Katakomben geleitet hat Von jüngeren Mit- 
arbeitern und Schülern haben Armellini, Ma- 
rticchi, Guiöi und Sttvenaon beraiis tAelitige 
Arbeiten geliefert. 

Der Hauptvertreter der christlichen A. in 
Italien ist nächst de Rossi der Jesuit Huffaele 
Garrucci, aui^ezeichnet durch grosse Erudi- 
tion und glfloKliche ComMmtionsgabe, aber 
binndltlich »einer Fides nicht immer zuver- 
HM^ und oft unmethodisch und unkritisch : 
Mfine mi B Kit lvir te und unwflrdigeNergelei ge- 
gen de Rossi muss laut ^'crü^rt werden. fJar- 
rucct's einschlägige Schriften sind : II Croci- 
fis»o graffito, Rom. 1857; Los Myst^res du 
syncretisme phrygien etc. in Cahier et Mar- 
fin\ M<*'lftn{?es 1854; M^lanj^es d'T^pifjraphie 
I 11, l'ar. 1856—57; Vetri ornati di figure 
in oro, Rom. 1858. 4»; 2. Aufl. 1864. Sein 
Hauptwerk ist die jetzt noch im Erscheinen 
begriffene Storia dell' arte crist nei primi 
Otto aecoli, Prato 1872 ff., auf 5 Bde. Fol. 
berechnet mit 500 Taf.. deren Ausfiihrunf; 
oft viel zu wünschen lässt, wälirend der 
Text dem gegenwärtigen Standpunkte der 
Wissenschaft durchweg nicht entspricht. 
£in anderes Mitglied der Qoflellschaft Jesu, 
P. Tontfioryi, zSdt zn den thätigsten Wt- 
gliedern der Commission di sacra archeolo- 
gia, ohne indess seine reichen Kenntnisse 
bisan litterarisch verwerthet zu haben. Rom 
bcKitzt endlich gegenwärtig noch an dem 
Bamabitcn F. Bnicza einen tüchtigen Ver- 
tret<»r der christlichen Epigraphik, der be- 
sonders G'/;;' ra's Studien Aber die piemon- 
tesischen Inschriften fortsetzt. 

Eine kleine, aber des Lobes werthe Schule 
hat Neapel einweisen, wo die Katakomben 
gleichfalls den Mittelpunkt der christlich- 
areh&oliMnschen Thätigkeit bilden ; sie knüpft 
an den Oanonieui Andrea de Jono an und 
zählt zu sich den Canon icus und Prof. Scherillo 
(t 1876), den Prof. Don Gennaro Galante, ihr 
jetziges Haupt, und dessen Schüler Taglior 
latela und Stomaiuolo. Das Hauptwerk, wel- 
ches aus diesem Kreise hervorn;ej)^angf n, sind 
wol die Sfudj sui Monumenti delia Itiilia me- 
ridionalo, I. Napoli 1871 f., Fol., von dem 
Qalerie-InqieGtor Don Demetrio Saiazaro, 



Ausser den Genannten sind mit Ehren 
zu nennen der ausgezeichnete, leider dahin- 
geschiedene Numismatiker Cavedoni , der 
Brescianer Odorici (Antich. crist di Prftnria, 
Bresc. 1845, Fol.), Carallnri in Palermo, 
C. L. Visconti, Mozzoni, dessen Tavole cro> 
nologiche-critiche tellft storia della chiesa 
universale, Venez. 1856 — 60, fortgesetzt 
von dem Bamabiten, jetzigen Cardinal BiUOf 
auch die Monumente heraadelien, Biraghi 
in Mailand , wenn auch oft unkritisch, Li- 
verani (le Catacombe etc. di Chiusi, Sien» 
1872). Ein Haadbneh gßi» der Neapolitaner 
Marinifola Antiqq. chriifc. LiftiL, 2 voU., 
Nap. i857. 

In Frankreich hatten die Forsehungen 
de Rossi's mächtigen Widerhall. Schon in 
den 40cr und 50er Jahren suchten (rcrhetf 
Gaume, de la Gournet ie, Cordier , Lenor- 
«umldie Resultate der Katekombenforschung 
zu popularisiren : werthvoller war der gleiche 
Versuch des Grafen Desbaanain de Riche- 
mont (lei CbtaoomlM» de Borne, Par. 1870), 
welchem Allard mit .seiner Uebersetzung 
von l«iorthcote folgte (1871). Ferreta Cata- 
oombes de Some, 6 toÜ. in gr. Fol., Par. 
1851 55, 8t<»llen swar artistisch ein wahres 
Prachtwerk vor, doch sind die Abbildungen 
meist modemisirt, untreu, der Text fast 
null. Der ältem französischen A. wandte 
der scharfsinnige Abbe Cochef seine erfolg- 
reichen Bemühungen zu (lu ^onnaudie sou- 
terraine, Dieppe 1854 , 8*; 2. AnfL 18A5; 
Sepultures gauioises. romaines, frnnques et 
normandes, Ronen 1857, 8°); mit der Qe- 
schichto der chriBtlichen Baidninst Ix^schäf- 
tipl^ten sich ausser d*> CaumotU: Texter und 
i'u//aH (l'Architecture byxantine, Londres 
1864), FVrii«*i%(Areliitb7nntineenFranoe, 
Par. 1852), dann der bedeutendste Kunst- 
gelehrte unter den ausübenden Architekten 
VioUet-le-Dne (f 1879: Biet raieonn« de 
l'Archit. fr., Par. 1854 ff.), und der Graf de 
Vogue, der die grossartige Entdeckung eine» 
christlichen Pompeji in den Bergen des Liba- 
non machte (la Syrie centrale, Par. 1867), 
während die Jesuiten Cahier und Marlin sich 
hauptsächlich dem Studium der Ikonographie 
und Symbolik zuwandten (M^langes d'Ajrch^ 
\o^io, Paris 1847 — 5H, 4 voll.; Nouvoaiix 
Melanies, eb. 1874, 2 voll. 4°; Cuhier Ca- 
raot^mtique« des Saints, 2 toIL, Par. 1867, 
im Uebrigen, wie in ihren gro3.sen Ar- 
beiten über die Kathedralen von Bourges 
und Chartree, hauptsichlieh die mittelalter- 
liche Kunst ins Auge fausten; dasselbe gilt 
von Abbä Crosnier, dem Verfasser der sehr 
brauchbaren Iconographie ohr^enne, Par. 
1848, 8*, Abb6 Aubmr (Symbolismc reli- 
gieux, 4 voll. 8», Par. 1871) und Didrnn 
(Hist. de Dieu, Par. 1843), dessen Zeitschrift 
Annales d'Archöol. chr^t, Par. 1844—70, 
lange Zeit das Hanptorgan tat dieae Be- 



Digitized by Google 



Ardliologte. 



86 



itielNUgeD wurde. Die prächtig auig»- 
tttttotra 8>iiiitiftlwwlL6 des Ylebdureibevs 

Xoerofe gehen fast nur das MA. an; in den 
Fkidrtwerken des Abtes Uuiranger (Ste. 
CfeOe, Pkr. 1874, 4»), L. F«iifUo< (Yie de 

J^ras-ChriBt, Par. 1873, 4»), Maynnrd (l'ie 
de la Ste. Viergc, Tours 1875, 4<*) können 
die zahlreichen, nach altchristlichen Denk- 
mälern gogelM>nen Abhildiu^en die völlige 
Bodeutungslosigkeit und UnwissenschnftlicTi- 
keit des Textes nicht ersetzen. Von wirk- 
lich hervorragendem Werthe ist dagegsn 
Lobart/.'i Hist. des arts industriels au moyen- 
ige et k l'epoque de la Kenaissance, 4 voll. 
8\ Par. 1864—66, das aber wieder fOr die 
alrrhristlichr Zeit wenig abwirft. Zunächst 
auf dem Felde der Epigraphik , dann aber 
■neh der ffeMmmteii ehntnioheii A. arbeitet 
K'lmond he Blaut (s. Epigraphik), den wir 
unbedenklich als den bedeutendsten Ver- 
treter vnserer Disciplin jenseits der Yi^eeen 
benidmen. Zusammenfassende Bearbeitun- 
gen versuchten in der Form eines Ijehr- 
buches der Abbe Bourassi, Gareiso (1850), 
Oudin und Godard (Courn d'Ar( li(''oI. sacree, 
Par. 1851 u. ö.); in lexikalischer Jacqtiin 
et Duesöerg (Dict. d'Antio. chr6t., Par. 1848, 
unbrauchbar), der Abb4 Migne in seinen be- 
kannten, ziomlich worthlosen Dictionnairea, 
vor Allem der Abbä Martigm/f Canonicus 
in BeUej, dessen Dietionnaire des Anti- 
quit^s chrcticnne» , Par. 1855, 8«; 2. Aufl. 
Iti78, 8", weitaus die vorzüglichste Oesammt- 
dantellnng des Stdfes in mimSriseher Spra- 
che ist, wenngleich auch ihm die Schärfe 
der kritischen Methode wie auch die Kennt- 
niss der einschlägigen ausländischen Litte- 
ratur vielfach mangelt. Den Mosaiken der 
römischen Basiliken wandte der Bibliothekar 
der Ecole des Beaux-Artü, E. Müntz, seinen 
Scharfsinn und seine rastlose Thätigkeit mit 
Erfolg zu. Von Zeitschriften besitzt Frank- 
reich, nachdem die Didron'schen Annalen 
eingegangen, als Organe fiir unsere Studien 
besonders die Onrhict srhe Revue ch ro- 
tten ne, neben welcher auch die i3onetty- 
sehen Annales de Philos. clir6t. und 
die Verhandlungen der Soci4t6 des A n- 
tiquaires de France, sowie die der 
Kormandie manche« Einschlagige bringen. 

In Spanien ist. nur (hterra äs Vertreter 
unserer Disciplin zu nennen. 

In Kngland hängt der Betrieb der christ- 
lichen A. aufs Innigste mit der durch die 
Oxforder Tractarianer angeregten, ihm Ka- 
tholicismus entgegenkommenden Bewegung 
zusammen. Die fefo i st c rangfBr das onrist- 
liehe Alterthiini rof^ten in Tausenden {ge- 
bildeter Leser die Komane ,Fabiola' des 
Ctr£nals Witemmt vmA die ,08lliBta* des 
P. Neimian an. Neirman , dic^i i- IkmIcu- 
tendste Kopf der englischen Kirche, die 
giMe Broberang des KaftholidiBMia im 



19. Jahrb., hat denn überhaupt wol das 
Mdste ge^an, nm die Oedanken seines 

Vaterlandes auf das kirchliche Alterthum 
zurflckzulenken — ,nicht um eine knech- 
tisehe yachabmnng der Yergangenbeit zu 
empfehlen, sondern eine jugondfrische Wie- 
derbelebung de^n, was alt ist'. Die Re- 
sultate der Katakombenforsehung suchte 
schon 1850 der Conreitit Northcole in einem 
kleinern Werke seinen Landsleuten zu er- 
schliessen (übers. Köln 1858 , 8") ; der 
groBsartige Aufschwung dieser Forschungen 
veranlasste ihn zu einem andern Unter- 
nehmen, welches ein weitlüuhger«^ Hesumö 
der de Rosri'sehen Roma sott, gab (Roma 
sotterranca nr some accownt of the Roman 
Catacombs, especially of the Cemetery of 
san Oisllisto, eompiled ftmn the worin of 
commendatnro de Ro».si with th(> consent 
of the author, by Rev. J. Spencer üorth- 
cote and Rer. W. B. BrownhWf Lond. 1869, 
8'; 2. Aufl. 1878—79). Im Gegensatz zu 
den genannten katholischen Auetoren, wel- 
chen noch Rock (in seinen zahlreichen Schrif- 
ten über altchristliche Liturgik) beisnaihlan 
ist, kehrte Marriott (in seinen übrigens ver- 
dienstvollen Werken VcstiariumChristianum, 
Lond. 1868, 8», und The Testimony of the 
Catacombs, Lond. 1870, 8") den protestanti- 
schen Standpunkt hervor. Auch die übrigen 
bier ni nennenden Gelehrten gehören, mit 
Ausnahme Pugim , der zum Katholicismus 
übertrat, der anglikanischen Kirche an. So 
Appeil, der mne statistische Zusammenstel- 
lung der altchristlichen Denkmäler, freilich 
in sehr unvollständiger Weise, versucht«^ (Mo- 
numents of early Christian Art, Lond. 1872, 
8*); so Kini/, der die altchristliche Numis- 
matik (Early Christian Numismatics, Lond. 
1874) behandelte und namentlich den gno- 
stisi'ticn Denkmälern seine Aufmerksamkeit 
schenkte (The (innstics und thoir romains, 
ancient and mediaeval, Loud. 1864), nicht 
ebne in der Interpretation recht wunder^ 
liehe Sprunge zu mueheii. Kritischer und 
sorgfältiger sind Maddtns Untersuchungen 
zur aJtenristiiehen HOnsknnde. Den mn- 
donkmalcn und dem Ornament wandten sich 
Pugin und Umth zu (Ulossary of eccle- 
siastical Ornaments and Ooetumes, London 
18fiH, 4"); die fkcmographie (freilich haupt- 
sächlich das MA.) bauten mit Erfolg zwei 
Damen an, Loitisa Tuining (Symbols and 
Emblems, Lond. 1H5H; Types and Figures 
of the Bible, Lond. 1S.").5) und Mrs. Jame- 
80n (Sacred and le^rendary Art, in vier 
Abth., Lond. 1857 t.i. während der viel- 
verdiente Tliorvas Wriyht die ältere Cul- 
turgcschichte , bes. Englands, bereicherte 
(Homesof etiler days, I^nd. 1871, 8*; Wo- 
mankind in all ages in Western Europe, 
Lond. 1869, 4**). Eine üesammtdarstellung 
in lextkaUsdier Form unternahmen dann 



Digitized by Google 



86 



Arohlologle. 



IGiwirlning von etwa 70 Mitarbeitern 

die HH. Smith uii<l (liPifhnm in iJirom 
IMetkniary of Christian Antiquities, Lond. 
1876 ITm 2 voll. 4* Eine eigene Zeiteehrift 

für fhriKHiche A. besitzt Enfjlnnd Tiidir; (loch 
bringen der Ecclesiologist, die Archaeologia 
und das Arobaeologieal Journal, hier und 
da auch die Acaderay, manche Ik'itrii^'o. 
Den in da* christliche Alterthum hinauf- 
reichenden Denkmälern Englands, Schott- 
tanids und Irlands wandten Muir, Lord Dun- 
rarm , Miss Marif Sfakcs , John Shnirt, 
Jatnrs Dntmmond, (/yeUi, Arthur Mitchell, 
Jos. Antlersun ilire Thätigkeit zu. 

fn B«'li,'i(Mi haheii Alrins, ('i>u.'^st'fn<ik'fr.'* 
(Zur Oeschichte der Musik) ik>strebungen 
hier und da Beriehungen zu umerm Oegen- 
stiirtd. r>a< nicht unhraucliliarc, mIkt in den 
Priucipicn unkhiro Lehrbuch des Franzosen 
/. OtMih (Archäologie ehr^t., Bnrx. 1847, 
3' cil. S") ward für Ik'Ifificn iiin^n-urlHMtct; 
eingeliender und besser sind die Clements 
d*Areh. chrdt. des L&wmmr PnfeMon i^Mi- 
•eiu (Louv. 1869—72, I— HI). Der her- 
vorragendste Vertreter unserer WisaenBchaft 
in Belgien war aber P. Victor de Huck a. d. 
G. J., das Haupt der Bollandisten und lange 
Zeit die Seele dieses Unternehnionsrfjoh. 1817, 
t 2ii. Mai 1876); er war zwcifulsohne einer 
der grössten und scharfsinnigsten Gtelehrten, 
welche die katholische Kirche {gegenwärtig 
aufzuweisen hatte, in der Kritik unabhiin- 
gi|;er, suTerliBsiger als irgend ein Mitglied 
seines Ordens. Leider besitzen wir von ihm 
ausser dem nicht in die Oettentlichkeit ge- 
kommenen Werke De Phialts mbrieatiB, 
Brüx. 1855, 8", nur einige zerstreute Auf- 
sätze archäologischer Natur, aber auch seine 
hagiologischen Fornchungen für die Acta 
BS. sind reich an Beiträgen. 

In Russland hatte die (lesellschaft für 
russische Gesi'hichte und Alterthum seit 1H15 
in ihren ,Jahrbüchem und Arl»eiten' auch 
das byzaiitifiisrhe Alterthum berücksichtigt: 
ebenso Köpptn (über Alterth. und Kunst 
in Kussl., Wien 1822), Adelung, Snegivew 
(Denkm. des moskow. Alterth. , Moskau 
1842—45). In den letzten Jahrzehnten 
mehrten sieh diese Bestrebungen ; wir nen- 
nen als Resultate derselben ,die Altcrthümer 
des russ. Reiches^ Drewnoeti rossijslcago 
goffiudarstwa, Modcwa 1849 — 53; MuKrtinow 
Russ. Alterth., Mosk. 1846 -47: Fundn- 
klay Alterth. v. Kiew, 1845; die Publiea- 
tion Mosk. Bilderhandschriften, 1853; die 
CJopiet photograpliiques des miniatures des 
mss. grec« etc.. I II, Mosk. 1862 f.; Sa- 
bas Sacristie patriarcale dite synodale de 
Moscou, ed. 2. Mosk. 1865; endlich das von 
Filiminoff in Moskau herausgegebene Bul- 
letin für altrussisch-byzantinische Kunst. 

Wir kommen schliesslich zu den christ- 
liohFarchiologisdien Stodian in Dentsohland 



seit 1844. Es muss constatirt werden, dass 
wir läntjere Zeit für die christliche A. im 
engem iSinne wenig genug thaten; die Ar«^ 
heiten Miarohi^s und m BoBsi's waren ttnssl 
in Fluss, ohne dass die Kunsthistoriker oaer 
die Theologen rechte Notiz von ihnen nah- 
men. Am meisten gesehah znnSchst für d^e 
Kenntniss der altchristlichen Architektur. 
Zeatennann hatte die Frage nach dem Ur- 
sprung der Basilika auigeiiommen und da- 
mit eine f'diitroverse angeregt, an der sioll 
(s. d. A. Basilika) mit Erfolg Ürlirhs , v. 
Qiui.sf, Kuglcr, Messmer, Weingarten, Uebetf 
Mothes, Stockbauer l>etheiligten ; Hübsch gab 
in seinen ..Mtchristl. Kirchen' (Karlsruhe 
1862) für lange Zeit die wertbvollsten Un- 
tersuchungen Aber den alten Kirehenbau, 
welche dann durch die Arbeiten von Snl- 
zenberg (Aitchristl. Baudeukm. t. Constan- 
tinopel 6.— 12. Jahrb., Berl. 1864), Osten 
fRaiiw. in der Lombardei 7. 14. Jahrb.. 
Darnist, 1846—69), A'. Förster, Kugler 
(Oeseh. d. Bankmist, Stuttg. 1855 ff.). Spritz 
ger (die Bauk. d. ehr. MA., Bonn 1854), 
Otte (Hdb. d. kirchl. Kunst-A. d. deutschen 
MA.. Lpz. 1868. 4. Aufl., u. a.), RaMn 
(Central- und Kuppelbau, Lpz. 1866 u. a.), 
V. Wilmoirskij (Dom z, Trier, Trier 1874) 
und Richter willkommene Ergänzung fan- 
den. DieLiturgik. namentlich die Geschichte 
der liturgischen (lewänder, fand an He/ele, 
F. liockf speziell die Üostümkunde an v. Hef' 
ner und Bttkir, aa ITeu» (Berlin 1856) 
Bearbeiter. INe Ikonographie und Symbolik, 
freilich mehr die des MA. als des christ- 
lichen Alterthnms, ist durch 9. Badcwitgf 
Alt, Helmsdörfer, W, Menzel, Com. Bock, 
Münz, Ihtrschy Heidtr, Zappert, Piper, 
Kreuser, Kraus, Stoekhauer , Straub ange- 
baut worden, allerdings nicht in dem Masse, 
wie dies in Frankreich geschehen ; speziell 
die Mythologie der christlichen Kunst fand 
an F. Piper einen fleissigen Bearbeiter (My- 
thol. d. ehr. Kunst, 2 Bde., Weimar 1847), 
der indessen sein Werk auch noch vor 
den massgebenden Elntdeckungen de Roesi*a 
schrieb. Dobbert hat mit glänzendem Er- 
folg namentlich die bysantinische Kunst iUu- 
stnrt. Den arehiologisehen Stoff hinsieht 
lieh der Sacramentenlehre , Liturgie und 
DiscipUn bearbeiteten die katholischen Theo- 
logen Prohti (Tübingen 1870—73), Wolter 
u. A., freilieh nicht erschöpfend; eine Ein- 
leitung zur monumentalen Theologie gab 
F. Piper (Gotha 1867, 8"), der auch in 
seinem ,BnmgeI. Kalender* arehiologiaehe 
Kenntnisse unter das Volk zu bringen suchte. 
Eine Sammlung älterer Dissertationen über 
Themata der christlichen A. veranstaltete 
Volheding (Thesaur. Dif^s., Lips. 1846 f., 
und Index Dissert., Programm, et libello- 
rum, Lips. 1849). Zmummwifassand« Dmv 
steUuBgm in Form toü LehrbAebnni ver» 



Digltized by Google 



87 



der bekannte altlutherische Theo- 
loge Gueridc« (Lehrb. der efaml].>kirchl. A., 

Berl. Ift47: 2. Aufl. 1859) und der katho- 
lüche, 1876 f WeltgeUtliche F. U. KtOÜ 
(Christi. Alterthamskunde, 2 Bde., Regensb. 
1856), beides brauehbttre Werke ; do<;h hatte 
Guerickc auch das monnmontalo Gebiet wie- 
der iuisircsi'hlosspn, und Knills anerkennens- 
irertln' L<'i9tung Hol iiooh vor da» Bekannt- { 
werden der de Ro»si's( ln'ii. viele Anschauun- 
gen so gänzHch umgestaltenden Auiigra- 
bvngen. Letztere soohto dann F. X Kraus I 
in «einer Roma sotterranea (Treiburg 1873) i 
dem deutschen Pubiicum nahe zu bringen, 
eineni Werke, das sam Theil die Ueber- 
setzung des Nortluote-BrownlowVhen Epi- 
tome iat, zum Tbeil »elhständige Arbeit. 
DenaeAen Zweek verfolgten des Verf. ,An- 
finge der chriHtl. Kunst' (Lpz. 1872, 8% 
wahrend desselben ^Untersucnungen über ' 
die BlutampuUcn der römisohen Katakom- 
ben' (Prankf. 1808. und Freibj?. 1872), so- 
wio über diu» Spottcrurifix u. s. f, einzelne 
Punkte der christlichen Altertiiumskunde 
illustrirten. In einer die Remiltate der ita- 
lienischen Forschungen vermittelnden Rich- 
tung bewegten sich die Studien von F. 
BAr (Spottemeifix, Bresl. 1866, 8"; die 
Darsti llim^ .1. 0. unter dem Bilde des Fi- 
schet), Bresl. 1866, 8"; Wand- und Deeken- 
gemilde der rSm. Katekomben, Gera 1876) 
und J, P. Richter, welcher kürzlich au< h 
die Mosaiken Ravenna's einer selbständigen 
Untersuchung untonogen hat, während ein 
protestantischer Theologe, V, SchuUze, selb- 
ttindige Untersuchungen über die neapoli- 
tanischen KatakonilH^n veröffentlichte (Lpz. 
1877). Eine Zeitschrift für christliche A., 
aber allerdings hauptsächlich für das MA., 
hatten r. Qiumt und Otte ins Leben ge- 
rufen, doch ging sie bald unter, so dsuis 
jetzt kein besfinderes Or^jan für unsere Wis- 
senschaft besteht. Doch brachten bez. brin- 
gen sahireiche BeitrSge die J ahrb. d. Ver- 
eins von A Itor th umaf reunden im 
HheinL, die Nassauer Annalen, die 
Oesellseb. f. nfltzl. Forschungen in 
Trier, die M i 1 1 h e i 1 u n g e n der k. k. 
Centralcommission, das Christliche 
Kunstblatt von Grüneiam u. s. f., Jahna 
Jahrb. f. Kunstwissenschaft (Lpz. 1868—76), 
r. LTttzows Zeitschr. f. bild. Kunst (I^eipzig 
1868 ff'.), Scheslags Repertor. f. Kunstwis- 
sensehaft (Wien 1875 ff.), die Zeitsehr. 
f. Kirchengesohichte, djus Organ f. 
christliche Kunst und der Kirchen- 
schmuck (beide eingegangen), der eigent- 
lich theologiMhMi Zeitschriften nicht zu ge- 
denken. 

Die katholisehe Theologie in Deutsohland 

hal die Ergebnisse der christlichen A. freudig 
aa^jmommen, aber bis jetzt wenig verwer- 
Ihet Die protaatantische hat ridi von ihnen 



freilich stärker berüliren lassen, als dies im 
17. Jahrb. der Fall war; aber namentlich 

die Linke der protestantischen Theolotrjo 
hat es auch jetzt noch verstanden, über 
unbequeme Resultate die Augen zu scblies- 
sen: sie bat sogar versucht, de Rossi und 
desset) Freunde anzuklagen, die A. im Dienste 
kutholisciier Vorurt^'ile zu betreiben. Die 
Geschichte wird aut diese Anklagen ant- 
werten. die nur zu begreiflich da sich ein- 
Htellctt, wo bessere Argumente fehlen; was 
schwerer zu begreifen, ist, dass in den In* 
tholisch-tlieuldirischcn Lehranstalten das Stu- 
dium der christlichen A. nii-ht längst obliga- 
torisch erkttrt ist. Die einzigen Anstalten, 
an denen bisan retrelniässige Vorlesungen 
über christliche A. gehalten werden, sind 
die Hoohsetolen zn Berlin (Piper), Frei» 
bürg und München (Messmer). Daneben 
ist etwa noch Tübingen {FtinJc) zu nen- 
nen. Die Gründung eines Reichsstipendiums 
für christliche A. an dem deutschen archSo- 
logischen Institut zu Berlin ist mit hohem 
Danke anzunehmen. Von besonderm Werthe 
für unsern Gegenstand verspricht anch die 
Thätifikfit der al^rierisehen Bischöfe Msgr. 
de Lavigerie und Msgr. Robert zu werden 
(Tgl. de Rom Bull. 18^8, 73), da die DiSce- 
sen Al;ri<*r und Constantine Ilauptfundstätten 
christlicher Alterthümer sind. Zur Bethei- 
ligung des Klerus an der Pflege und dem 
Studium des christlichen .\lterthums laden 
u. a. ein algierische« Provinzialconcil und 
Msgr. 7i«r«PM«(Ijettres pastorales snr l*£tude 
d'arch^logie, la restauration des eglises et 
la conservation d*objets d'art, Chamb^ 
1875) ein. 

Die Einleitung in die christliche A. hat 
es schliesslich mit der Topographie und 
Museugruphie zu thun; wir verweisen da- 
für auf die Artikel CoemetMien, Katakom- 
ben. Museoj^raphie, und für sammtliehe hier 
angeregten Fragen auf F. X. Kraus lieber 
Begriff, Umfang, Gesebichte der christlichen 
A. und die Bed<'utung der monumentalen 
Studien, Freiburg 1879. kraus. 

APXÜIAKONOI. Aus den Diakonen (s. 
Diakon; wählten die Bischöfe seit dem ersten 
Jahrhundert einen als ihren besondem Qe- 
hülfen und Stellvertrelw bei der kirchlichen 
Verwaltung und Regierung aus, und zwar 
nicht nai'li der Anciennität, sondern nach der 
Befähigung {Bingham Ori?. eccles. lib. II, 
c. XXI, t; II) und in der l{egcl, wenigstens 
ohne vorherige Wahl, von Seiten der Diako- 
nen ; derselbe wurde dneonns episcopi, später 
archidiaconus genannt. So erscheint schon 
im 2. Jahrh. in der römischen Kirche Eleu- 
therus als iet Diakon des Papstes Anieet 

(Hegfsipp. bei FJtisrh. llist. eecl. TV 22), im 
i. jahrh. Sixtus als Diakon de« Papstea 
Stephanus (Lib. pontif. in Steph. § II), der 



Digltized by Google 



88 



hl. Laurentius als Diakon des P. Sixtus II 
(Lib. pont. in Xysto II, § III; PmtUnt 
Hymn. de S. Laurent, v. 3fi, 37: hir pH- 
MMS e Septem viris qui stant ad aram pro- 
ximi): im 4. Jahrb. Seyenu ab diaoonus 
papae sui Marcelli (de Rossi Tnsrr. christ. 
I p. CXV), in einer in 8. Sebastiane zu 
Born gefundenen Grabeohrift ein diaconus 
episcopi .(de Rossi Bull. 1866, 8). Eben- 
so heisst e» noch im 7. Jahrb. TOn dem 
Archidiakon Theophylactu» von Neapel in 
seiner Grabsehrift: praesulis et proprii 
blande minister eras (de Jtossi Bull. 1867, 
73). Den Namen Archidiaconus finden wir 
zuerst bei Optat. Milev. (lib. 1, n. XVI) 
dem Diakon und spätem Narhfol}?er des 
Bischots Mensurinus von Cartbago, Caeci- 
liannt, beigelegt; Mit Hieronymiu (Cofm. 
in K/oeh. 0. 4S) wird er nllmälig allgemein 
gebräuchlioh (Sozom. Uist. eccl. IV 28, VI 
90; Theoäoret. Hi«t. eoel. I 26). Schon in 
den Zeiten der Verfolfif^unfj hatte der Arohi- 
diakon zunächst und unter dem Bischof die 
Aufsicht über die Verwaltung des Kirchen- 
TemiSgMiB, die Sorge für den Unteriialt 
des Kleni«, der .\rmen. der Wittwen und 
"Waisen, der Pilger, der zu den Bergwer- 
ken Terurteilten oder in den Gefängnissen 
sehni-K-htenden l^ckt-nner; er hatte das Ver- 
zeichniss sowul des Klerus als der übrigen 
unterstützten Personen su fBhren, und da 
in dem kirrlilichen L(-I)cti die moralischen 
und die materiellen Beziehungen sich viel- 
fach dnrehdringen , so ward« er naturge- 
mäss auch mit der Anfsicht ühor den Klerus 
und das ganze kirchliche Leben betraut 
und hatte eine von dem Bischöfe allerdings 
abhängige, aber nächst diesem die höchste 
Regiorungsgewalt. Die dadurch in seiner 
Person nöthigc Tüchtigkeit einerseits und 
seine Geschäftskenntniss andererseit^i legte 
es darum nahe, ihn bei Krledigung des 
bischöflichen iStuliles zum Naclit'olger zu 
wählen. So wurden Caecilianns Bischof von 
Cartbago, der Iii. Atliannsius Bischof von 
Alexandrien. W iis Eulogius von Alexan- 
drien {Phot. Cod. CLXXm) als Herkom- 
men erwähnf. wird durch das Beispiel der 
Päpste Eleutherius und Sixtus Ii (s. oben) 
bestätigt, und noch am Ende des ft, Jahrh. 
wird vn?i Papst Synimachus berichtet, dass 
man ihn u>€ Sva xwv siztd 6iax6va>v (/*Ju>t. 
Erotem. Cod. 89 Vindob. in Fontona Nor. 
del. erudit. I 44) zum Nachfolger des Pap- 
stes Anastasius gewählt habe. Diese Ver- 
hältnisse machen es erklärlich, dass die 
Arehidiakoneu es als eine Art Zurflck- 
Setzung betrachten konnten, wenn sie zu 
Priestern geweiht werden sollten (.S". Hieron. 
in Buch. c. 48: iniuHara putat si presby- 
ter ordineturj. und dass später die Kirche 
gerade wegen der hervorragenden Stellung 
des ArchiaSakons, welche die Priestor se^ 



ner Leitung unterstellte, anordnete, dass 
dieselben die Prieaterweihe empfangen mflas» 

ten. lieber die weitere Rntwickelung der 
Jurisdictionwewalt des Archidiakons sind dra 
kirchenrechwehen Werke sn Tergldehen. 

Wie überhaupt in den kirchlichen Aom- 
tern die äussere Verwaltung und die gottes- 
dienstliche Verpflichtung m engem Ver- 
bände stehen, so war der Archidiakon, wel- 
chen der Bischof zum Zeugen seines gan- 
zen Lebens (a latere pontificis non recede- 
bat, Ä. Hieron. 1. c.) und zu «einem ersten 
I Gehülfen in der bischöflichen Verwaltung 
j sich erwählte, auch beim (jottesdienste sein 
j erster Gehülfe , insbesondere bei der hl. 
Messe Ambrosius de offic. I 4 ! Ki'^st 
den hl. Laurentius zum Papste Sixtus auf 
dessen Wege snn Hartyrfthum sagen : quo, 
sacerdos sancte, sine diacono propenw? Nun- 
quam sacriticium sine ministro offerre oon- 
snereras), bei der Ertheilung der Weihen 
fConcil. Carthag. IV, c. V) und beim Pre- 
digen (S. Hieron. in Ezech. c. 48: certe 
(^ui primus fuerit ministrorum , quia per 
smgula concionatur in populo). Gleiehwie 
ferner die Diakonen überhaupt bis zu der 
Zeit (xregors d. Gr. (Maust Concil. X 434) 
die .\ufgal)e hatten, bei dem reichen mekv 
dischen Kirchengesange, der nach Aufhören 
der Verfolgungen sich ausbildete, in beson- 
derer Weise mitsawirken (s. Diakon), so 
wird auch die Gesnngskunst einzelner Arehi- 
diakoneu auf iliren Grabachriften besonders 
hervorgehoben: so bei dem rdmiscben Arehi- 
diakon Deusdedit im Anfange des 5. Jahrb. 
I (hic levitarum primus in ordine vivens, Oa- 
I vidici cantor earminis iste fnit) und bei dem 
Archidiakon Sabinu» ^voce psalmos modu- 
latur et arte , diversis cecini verba sacrata 
sonis, de Rom Bull. 1863, 88). uectser. 

APXIKlIliüKOllUl. Mit diesem Namen be- 
I zeichnete man zuerst nur diejenigen Bi- 
I schöfe, welchen eine höhere Jurisdiction als 
die des Metropoliten zustand. Dersellie fin- 
det sich zuerst bei Athanasius (Apol. II) 
|nnd bei Epiphanius gebraucht, und «war 
von di'tii Patriarchen Alexander und Petrus 
I von Alexandrien (Ü, Epiph. iiaer. LXVIII 
1 2!). In den Acten des Concils von Ephe- 
sus (431) wurde der Papst Leo und der hl. 
I Cyrillus so genannt, und es erscheint dieser ' 
iMone also als ein den Patriarehen o^m- 
j thümlicher Titel (art. T) . und in glekhar 
W^eise bezeichnet das Concil von Chalccdon 
(art. XVI) mit diesem Titel sowol den Papst 
|als den Patriarchen von OonstantinopeL 
Auch au.« ehier Verfügung fustinians fNov. 
.XI): volumus ut non .solum Metropolitanus, 
sed etiam Arcliie|)isropus fiat, erhellt, dass 
man mit letzteren Worten damals regelmässig 
höhere Würden als die des MetropoUten be- 
seichnete. Dass bei M^^ipluaiim (Haerea. 



Digitized by Google 



Arcblmandrit — Aroosollnm. 



8» 



LXVlll «. 8) auch M rietim, Metropolit der 

Thebais, »o genannt wird, mus« für jene Zeit 
«is Tereinaeite Ausnahme gelten. Seit dem 
C Jahili. wird diewr Titersb«* auch Mhon 
Unfimr den Metropoliten beigelegt (Greg. 
M, B^, h 27, 62, 64, ed. Bened. U 517. 
551 f 553; Synod. Aquilej. 591 bei Manm 
X 44)4, 486) «ad allinUig aUgeroein y<m 
den«»eU)en angenommen. Gegen wärti<? be- 
leichnet dieser Name den Metropoliten ah 
dtn Ialial>er der Rechte über Heine Snfira» 
ganen und über die Kirehen|)rovinz . wes- 
halb der Metropolit vor Erlangung den Pal- 
liam.s (s. Pallium) auch den Titel RrzbiMchof 
nicht führen wlL Im Uebrigen M< tro- 

polit. HKl SKK. 

UK'HIMANDRIT fapyrnv-r^j lAavopx;). Die- 
M Wort taucht in der christlichen Litte- 
fttnr im 5. Jahrh. auf und bedeutet Klostor- 
Torsteher, Abt (jJ^ctv^pa = Hürde, KloHter; 
Sfrjittt = herrschen, vorstehen). In den 
Aäen dea Concib von Epheras vom J. 481 
hegCj^nen wir der Bittschrift eines A.en 
Buflras {Uardouin Conc. I 1335) und auf 
der Synode von Oonelantinopel rom J. 448, 
•ttf der der A. Eiityche» wegen seiner nio- 
BOphyntiachen Denkweise verurteilt wurde, 
erscheint eine ganze Reihe ron A.en (Hlrir- 
dnntn 1. c. II 170 sq.). Die Bezeichnung 
war hiemach damals im Orient bereits eine 
j^an/ gewöhnliche und sie wird bald darauf 
•oeh im Abondhinde erwähnt (Sühn. Apollin. 
ep. Vni 14). Im MA. erhielt das Wort 
eine weitere Bedeutung und e.s diente nicht 
bloM ror He/' iehnung der Klostervorsteher, 
windern liäutif; der kireblichen VorRtände 
überhaupt (Üucange Glossar, s. h. v. ; Hu- 
heri Pontif. eeeL Graee. 570 f.). rmrx. 

APXmPESBTTEPOI, «. Erzpriester. 

ixxXTjjiüiv, Kirchenvorsteher 
oder = Fflnten, findet sich oft fHr Bi- 

»rhöfe bei Orijfenf.9, Eiinihiiis , Chnjsnxtn- 
Mw, dem prindpe» bei Hieronymus , Pau- 
Bnnf u. A. entsprechend; Termuthlicti mit 

IV/ug auf Jes. 60, 17: ü&ho principe.% tuo» 
in pace et episcopos tuos in iustitia. Dass 
dabei kein politischer Sinn unterläuft, ver- 
iMit »ich bei der Annrhauung des gesarnm- 
ten christlifhen Alterthunis über «ins Reich 
Gottes hienieden von sell)st. kkai s. 

IBCHONTICI, Bezeichnungeinerderzahl- 
reichenffnostiMhen Secten bei £^Äait. Haer. 
XL, Theodard, Haer. Fab. 1 11, HO be- 
nannt wegen ilirer Lehre von den i'^rxi. 

ARCOSOLH'M. Der Name leitet sich 
ab von arcus Bogen und soUum. Letzteres \ 
Wort beaeidmete den Thron Mnes Gottes | 

iCir. de harusp. respons. c. 27). einej« Herr- 
»cher» \,Virg. Aen. VII 169>, den Amts-. 



stuhl eines Adroeaten {Cie, de leg. \ .3), 

eine Badewanne (Vifntv. de areh. IX 3) 
und öfters auch einen Sarg (Suelon. Nero 
c. 50). A. ist demnadi irgend ein Thron, 
Sessel, Sarg, Altar, von einem Bogen (Recht- 
eck) überdeckt, un sarcofago surmontato 
da un arco, wie Marciii sich ausdrückt. 
Sachlich ist es gleichbedeutend mit Cibo- 
rium, formell scheint nur der Unterschied 
zu sein, dass A. eine vertiefte Nische, Ci- 
borium einen freistehenden Baldaelun be- 
zeichnet. 

Schon im heidnischen Cultus kamen 
Arcosolien unter dem Namen nediculn, /e- 
studn vor, z. H. über einem Altare in Pom- 
peji {Overbeck Pompeji I, Fig. 156>, an den 
Innenwänden des rantheon Ober GHHter- 
bildiTTi . im Tempel der Venu« und Roma 
in gleicher Eigenschaft. Im Christen- 
t h nme begegnen nns dieselben in den On- 
bikeln der römischen Katakomben in zwei 
verschiedenen Formen, einmal in Form 
eines Tonnengew8lbes, sodann in Ge- 
stalt eines Rechterki s Die gewölbte 
Form findet sich häuhger, z. B. in der Ka- 
takombe der hl. Agnes, des Callistus, Her- 
mes; bisweilen ist sie in einem einzigen 
Cubiculum mehrfach zu sehen, z. H. in S. 
Sebastiani ad catacumbas. 8. Agnese, Die 
rechtwinklige Gattung, von de Rossi se- 
polcro a mema (Tafeigrah) genannt , ist 
seltener, vermuthlich, weil die tuta granu- 
läre, in welche die meisteii Katakomben 




PIg. 4t. >»p«l t f « MDMU 

eingehauen sind, zu wenig horizontale Trag- 
kraft besitzt (vgl. Fig. 42). (Eine andere 
Art von Arcoso- 
lien nähert sich 
in dem Aufliau 
unseren an die 
Wand gestellten 
Altären : hier 
springt der un- 
ter dem Bogen 
stehende Sarko- 
phag aus dem- 
selben in die 
Krypta vor. 
Eine iCrypta au 
der Via latina 
enthalt drei der- 
artige Arcoso- 




4S. 



Aron.ollam 

M«relil>. 



Dlgitlzed by Google 



90 



ArovB — Am. 



lien. Vgl. die Abbikhing nach ManAi tey. 

xxn. K.i 

Unter der gewölbten oder wagrediten 
Nisdie befand neh der Sarfp eine« Mar- 

tyrors oder eine« andern Christen, wdi-hor 
das Uubiculum etwa hatte ausgraben latwen, 
wie eine Inaehrift deutlich angiebt. ESnt- 
wcdor war nun dii-^or Sur«: i-'m nnsi^'cmt'issel- 
tor beweglicher Stein, der in die Waod- 
nuehe hineingerBekt werden Itonnte, oder 
es wurde nur die vordere Seife der Nisehe 
auf die Höhe eines gewöhnlichen Ti8che8 
aufgemauert, wie z. B. in der Papstkrypta, 
in der Krypta des hl. lanuarius im Coe- 
meterium des Praete-xtatus. In beiden Fäl- 
len diente da« Grab, wenn es einen Mär- 
tyrer einschloss, als Atta r. Bin deutlieheR 
Zeu}»niRfl ffir diese lieliauptiinir ^'it''>t der 
christliche Dirliter Fmdettdus Perist. XI 
T. IHH in einem Gedichte auf den hl. Hip- 
polyt. Bischof von Portos, der im Ii. Jahrb. 
in Ostia von wilden i'lerden zu Toile ge- 
■ehleifk and in der Katakombe des hl. Lau- 
rentius zu Horn beigesetzt wurde (NähereH 
bei Brockhaus Aurelius Prudentius 142 ff., 
Leipzig 1872). Kacb der Beeehreibnng des 
Prudentiu« ist den Oeheinen des Iii. Mär- 
tyrers ein Altar beigesetzt (aru adposita), 
welcher da« Saerament spendet und als 
treuer Wächter seines Märtyrers im Grabe 
die Qebeine bewahrt (servat). Für die 
Richtiirkeit dieser AufAwaang spricht ausser 
dem Wortlaute ein von Anaj<tasius erwähn- 
tes Decret des Papstes FeUx I (272 j, die 
hl. Messe ,über den Gräbern der Märtyrer' 
zu feiern, sowie die Praxis der katholischen 
Kirche bis auf den heutigen Tag, das hl. 
Me.'wopfer nur über Gebeinen hl. Märtyrer 
darzubringen. 

Noch in anderer Hinsicht ist da» ange- 
führte Gedicht des Prudetitius von Wich- 
tigkeit, weil es v. 123 12(! erzählt, es sei 
an der Wand ,uher dem (Irahe' des Hippo- 
lyt der Tod dieses Märtyrers mit Purpur- 
mrbe dargestellt worden. Aehnliche Bil- 
der finden si(}i an der Stückwand, der 
Laibung des Uugens und in dessen näch- 
ster Umgebung sehr hfioAg, z. B. Jonas 
unter dem Wunderbaume liegend oder vom 
Rachen des Fisches aufgenommen, Moses 
mit dem Stabe an den Felsen schlagend, 
ChrbtuH als guter Hirto, das Abendmahl 
unter dem Bilde der Brodvermehrung u. s. f. 
8. Bilder. 

(Die Arcosolien kommen nicht bloss in 
den römischen Katakomben vor, sie finden 
sich z. B. auch in denjenigen von Chiusi, 
Tgl. Cavedoni Civ. Chiua. (50, in Kappado- 
cien; vgl. Texter Archit. byzant. 40. Hier 
sieht man neben dem unter dem A. beige- 
setsten Sarkophag Tx)cu}i in der Wand, in 
welche die Leichen der Länge nach hin- 
eingeschoben wurden. (Vgl. Loculus.) Auf 



I die Verschiedenheit der neapolitanischen 
' KatAkomben von den römischen in Hinsieht 
der Arcosolien hat V. Schnitze Die Katak. 
▼<m S. Qennftro n. s. f. 17 ff. anfaierkswn 
gemacht. In der grossen (lalcrie von S. 
Gennaro de' Poveri herrscht das A. vor, 
^wihrond die links und rechts von dem 
VorSMle gelegenen Kammern eine, soweit 
mir bekannt, bis jetzt in den christlichen 
Coemeterien noch nicht nachgewiesene Form 
der Gräber zeigen: an den Schmalseiten 
des Orabraumes erheben sich in einer Höhe 
von c. 60 cm senkrechte Seitenwände, 
die durch ein flaches Tonnengewi'illic ver- 
bunden werden, — eine Stilart, die sehr an 
die von de Rosai in den römischen Kata- 
konilx II registrirten ^fpofen* a mm'«'/ , für 
' weldie sich übrigens in den neapolitanischen 
Coemeterien kein Bei.spiel findet, erinnert. 
Der einzige l'titerschied liegt in der Form 
der Decke'. .Auffallend ist, dass. während 
in den römischen Katakomben der Loculu» 
als die älteste, das A. als die jüngste Grab- 
form erscheint, hier das umgekehrte Ver- 
hältnis» stattfindet, indem die Loculi sich 
erst in denjenigen Corridoren linden, welelMi 
von der Hauptgalerie aus angelegt wurden. 
• Letztere aber zeigt nur AreosoUen; wo Lo- 
jeuK erseheinen, sind sie erst qiAter einge» 

fügt, wie an der regellosen .VnrädDUng und 

1 Ausführung ersichthch ist." 

I Den i A. kennen wir ans einigen Inschrif- 
ten ; Iwzeichnend ist die von Marrlil p. 85 

I mitgetheilte, jetzt im I'alazzo Kondauini- 

I Horghese : DOMTS ETERNALTS AVR 
GELSI ET AVK ILARITATIS GOMPAHI 
MEKS FECIMVS NOBIS ET XOSTKIS ET 
AMICIS ARCOSOLIOCVM PARETICVLO 

ISVOINPACEH. K.] a. acmm. 

ARCT8 ffir Kirehenportal bei PaU' 

Hfl. Nol. Epist. XH ad Sever.: ,alma domos 
triplici patet ingredientibus arcu.^ 

ARDICA , ein sehr seltener architektoni- 
scher t. t., <ler namentlich in Ravenna ge- 
bräuchlich gewesen zu sein scheint. Agttell. 
Lib. Pontif. Act. Sanctor. Jul. VII 183«: 
aspice super valvas eius<lem ecciesiae infra 
(irdiea, ibi me ridebis depictum in parietil 

jcjilce. ({ualis ego fui in mundo in came. 

' Die BoUandisten und iiineu folgend Üucangf 
Henaehen i, t. erklären demnach A. als pars 
superior portae aedificii primariae. Die Er- 
klärung ist nicht haltbar, vielmehr hat man 
A. SS ab Vorhalle m nehmen, wie ea 
s. B. auch Hübuh gebraneht nuua. 

AREA. I. Der rSrnnehe Sprachgebrauch 

bei den Heiden wie bei den Christen ver- 
stand unter A., soweit es sich um das Be- 
gräbnis« handelte, das kleine Stück Feld, 
in der Regel von länglich-viereckiger Form, 
welches unmittelbar zu einem Monumentum 



uü by Google 



AlttB 



91 



oder Orabmal gehörte. Weiterhin umfasste 
jener Ausdmdc aneh die Gärten, Wein- 
xmd Rnhrpflanziin^en, die alH die nrea ad- 
iecta, i\\iae cedit monnmento. bezeichiirf 
worden und aus deren Ertraj^ren das Mn 
nument und dio zugehöriffpn fJohäud»' er- 
halten und die Ausla^^en für die jährliche 
OedächtniaBfeier beetritten wurden. In der 
africani^chon Kircho endlich und wol auch 
anderwärtH bezeichnete das Volk mit dem 
Worte nreae die sn ebener Erde angelegen 
Friedhöfe der rhristen. Wenn uns (I.iiiti 
weiterhin der Ausdruck in altkirchlieben 
Naehrichten aueh cur Bezeiehmini^ (HFent- 
licher Phltze ho^c^ct, z. H. A. rallisti 
bei der jetzigen Kirche 6. Maria in Traste- 
vere, ao haben für nna doch nur die drei 
zuerst erwähnten Bedeutungen Interesse; 
eine ebenw zahlreiche als merkwürdige 
Reihe heidnischer wie christlicher Denk- 
mäler aber hat VB* eine eingehende Kennt- 
nis« dos rmfangp» und der Eintheilung wie 
der gesetzlichen Bestimmungen vermittelt, 
von denen dieae Areae sepulcromm um- 
gehen waren. 

Zunächst alst) verstand mau unter der A. 
daa an eine Landatrasse oder an einen Sei- 
renweg stossende, unmittelbar zu einer (trah- 
Ktatte gehörende kleine Grundstück, ^'ach 
dem römischen Gesetze wurde jeder Ort 
dadureli. das« eine Leiche daselhst bestattet 
wurde, ein religiös geweihter: corpus iila- 
tun locum religiemun reddil Dinni iuris 
^utit veluti res sacrae et religiosae. Res 
sacrae , quae diis superis consecratae sunt, 
religioaae, quae düs Manibns relietae aunt. 
Sed sa<Tum quideni selum existimatur aucto- 
ritate populi Uomani tieri, . . . roligiosum 
T»ro nostra TOluntato fteimua mortuum in- 
ferentea in locum nostnun (Caixs II 5; 
Tgl. Beckfr - Marquardt Handb. der röm. 
iuterth. IV 437). Seine Verwendung zu 
profanem Oebrauch 8<'hloas den Frevel des 
Sacrileginm in sich. Nach demseHten römi- 
schen Gesetze verblieb der Besitztitel auf 
eine Begrabnimrtitie unverBnaierlieh dem 
dort Beerdigten, so zwar, da«« weder (hireh 
Erbscliaft, noch durcii Verkauf die betref- 
fende A. in andere Hände übergidien konnte. 
Es hing vom Willen des Krlmuers ab. wenn 
er die Mitgliedschaft an seiner Ruhestätte 
zu ge e te hen wollte, und gewisee Strafinunmen, 
die an die städtisehe Kasse oder an ein 
CoUegium zu zahlen waren, sicherteu ne- 
ben Oer waehaainen Aufirieht der Pontifiees 
die stete Beobachtung der einmal erlassenen 
WiUenserldärung. Diese Uesetzeebestim- 
nuugeu kannten keine Ausnalune, weder 
für den Armen. luxh für den FremdUng. 
noch für den Verbrecher. 

Die Grösse oder der Flächenraum der 
eigentlichen A. monumenti war je nach Stand 
nad VennSgen Tenchieden; zu dauerndem 



Gedächtnis« war gewöhnlich das Mass auf 
einen Stein des Monuments eingegraben, mit 
Unterscheidung der Fuss an der Strasse 
(in fronte) und in der Tiefe (in agro), Zu- 
f,'leich {)Hegte man daneben an die gesetz- 
liche Hesfimmung der riiver;iusserli<'hkeit 
ZU erinnern (hoc raonunientum haeredem 
non sequitur). Beispiele ron solchen In- 
sch riffelt iriebt es eine j^rosse Menge. Wir 
begnügen uns mit der Wiedergabe einer 
einzigen an der Yta Appia, die unsers Wie- 
sens 11(11 Ii nicht publieirt ist und die aueh 
sonst ihr besonderes Interesse hat: 
D • M • 

T • AELFO ■ AVd UP, ■ LONGO 
MAKITO • LNCOMi'AKABlLI 
AYRELU • MARTHA • ET 
AELIA • ANTIOONA • ET • L0NGINY8 
I PATRI • PllSSniO • FECERVMT • ET 
I SIBI 

LIHERTIS • LIBERTAHVSQVE • SVIS 
POSTERISQVE EORVM • H • M • fi • 
Ii X • S 

IIN • FRONT • P Xlir • DT • AGR • P 

XIIII 

Die weiteren (irundstücke, beson<lers Wein- 
und Obstjfärten und Rohrpflanzungen, welche 
elie A. adiecta bildeten, konnten durch Be- 
I Stimmung des Testators an dem Rechte der 
UnTerfiuflserlichkeit participiren , um sns 
ihren Erträgen das Monument in Staad sn 
halten und die Kosten für die Jahreage- 
diehtntsae zu decken. So heiast es auf 
einer Inschrift })ei Fafirrff! 22:< . n. 594 : 
HVIC • MONVMEMO • CEDIT • VXNIO- 
LA, und auf einer bei (hftter 964': HOR- 
TVS ET • DIETA • SEPVLC?RO • CE- 
DAT: eine andere giebt uns den Umfang der 
A. adieeta an: HVIC • MONVMKNTO CE- 
D\^^T • AGRI • PVRI • IVGERA • DKCKM 
(Gruter 399'). Auch die Mannigfaltigkeit der 
Bezeichnungen dieser Areae giebt uns (>ine 
Anschauung von derGrSase und Beschaffen- 
heit derHen)eii. Die beiden mailändiselien Mar- 
tjrrer Gervasius und I'rotasius waren in hor- 
tis Philippi bestattet; ein Ehepaar, das sich, 
getrennt von der (Gemeinde der Gläubigen, 
eine Grabstätte bereitet hatte, erklärt auf 
der Inschrift: in kortuUs nostris secessimos 
((rrnff-r 1095 ^^): das Grundstück, auf wel- 
chem die Gruft der iil. Agnes lag, hiess noch 
im 18. Jahrb. agdlm 8. Agne^i. Ausser* 

dem begegnen wir den Bezeichnungen viii» 
darium, rosariumf pomarium, harundinetum 
ete. (Rom. Sott I 66, Anh.). Die Aufirieht 
und Pflege war einem eigenen Custos an- 
vertraut, der in der ^ähe des Monuments 
seine Wohnung hatte; andere Gehftude, die 
cellae memoriae oder scholac, dienten zur 
Bewirthung an den Jahresti^n; dahinter 
dehnten sich in der A. adiecta Blumen- 
beete, Baumgruppen und Laubgfinge, Obst- 
und Bebenpflanzongen aus; das Ganze war 



uü by Google 



durch Mannorgeländer und Grenzsteine (cip- 
pu«) umfriedigt. Wenn duhor heute die un- 
absehbare Ruinonreihe der Monumente au 
der LandstrasHc , zumal an der appischen, 
einen tioS melanoliolt8( lion Eindruck macht, 
so zog im Alterthum der Wanderer durch 
endlose Anlagm, die mit ellem Reiehthum 
und a!I<T Mannigfaltig;keit von Kunst und 
Pflanzeucultur geziert waren und in denen 
.man dnreh Bhimendnft, Farbenpraeht und 
den reizenden S<>hmuok von Statuen, Al- 
tären , Monumenten und Bauten die trost- 
loaen Sehrecken des Todee Tergewen zu 
maehen mehie. 

Eine klare Anschauung der BoHohnfTen- 
heit, Lage und Grösse der A. monumenti 
ifie der A. adiecta ist uns vermittelt durch 
Mne gegenwärtig in Urhino aufbewahrte 
Marmorplatte, auf welcher der Orundriss 
etnes grossen Grabmals eingemeiHMclt ist, 
und durch ein Testament, das Prof. Kifss- 
ling auf dem Pergameutumschlag eines Baa- 
ler Codex entdeekte. Beide haben durch 
die Gebrüder de Roxai die eingehendste Be- 
sprechung erhalten (Bull. 1863« 95; 1804, 
27 ffl; Rom. Sott. 1 54, Anh.). Der Orund- 
riss zeigt da^ monumentum mit der um- 
liegenden , wie es scheint, mit Bäumen be- 
aeteten A.; rechts und links birgt die m- 
tfodia, die Wohnnng dw Wärters; man 
sieht da ferner eine ex indulgentia dos 
Eigenthüniers an Andere ülierlassene Grab- 
stätte mit dem ogdlus condutu». Dahin- 
ter liegt der finrhfs als das fiornariiim , so- 
wie ein hururuituftum und der ager. An 
letstem stösst dann, die Via publica ent- 
lang, eine Reihe kleiner, duroh cippi alii^c- 
theilter areae für weitere Begräbnissstätten, 
die dureh Schenkung oder Kauf an Fremde 
abgetreten werden konnten. Wäre die Zeich- 
nung in Proportion zu den angegebenen 
Ltngenmaasen der beiden Yiae pnvatae ent- 
worfen, so Hesse «ich der Flächeninhalt der 
beiden areae berechnen, was jetzt nicht 
möglich ist. Aus dem von Kiessling publi- 
cirten Testamente hohen wir die ftrunst i n 
Gegenstand be<leutsanien Bestimmungen her- 
aus: das Eigenthunisrecht auf die Besitzung 
aoU lieh ein/.ig auf Erhaltung und Verbes- 
serung der (iel»iiu(le und Anlagen erstrecken; 
da» Verbrennen oder Begraben fremder Lei- 
chen daselbst wird mit 1000 Seeternen be- 
straft , welche die (Commune von liangros 
einzutreiben hat; für Bewachung und Pflege 
des Monumenti und der Anlagen vorden 
drei topiarii oder Knnstgärtner hestellt. Vgl. 
über diese Btcker Gallus III 44. 

Wenden wir nunmehr die Uah« darge- 
legten Thatsachen und ßestimmangen auf 
die Begräbnissplätze der Christen an. Zu- 
nächst sicherte ihnen die Unveräusserlich- 
keit der A. den steten -nnd ungestörten Be- 
«ifat ihrer Grabstätten, waren dieselben nun 



im Anschluss an das Hypogeum einer Fa- 
milie angelegt oder aus der Kirchenkasse 
erworben worden. Der Charakter eines lo- 
eos religiosus machte weiterhin die Gräber 
unverletzlich und schützte sie gegen frevel- 
hafte Entweihung. Mochten daher die Gläu- 
bigen eelber zu Wasser und zu Luid Ter- 
folgt und proscribirt sein . die Ruhestätten 
ihrer Todten wenigstens und die verehrten 
Oräber ihrer Märtyrer waren auch fBr eine 
feindliche Obrigkeit geweihte und unantast- 
bare Stätten, um welche das Gesetz seine 
schirmenden Sehriakeo sog. Einen neuen 
gesetzlichen SiAtttB «ibittten die Gläubigen 
flir ihre Gräber, als die Kirche in der Zeit 
des Alexander Severus sich als Collegium 
funeraticium eigene Gemeindefriedhöfe an- 
legte, in deren Besitz sie gleich den übrigen 
heidnischen Collegien durch den Staat be- 
.schützt war. Der Schenkung einea solchen 
(Jottesackers an das collegium fratnim, wne 
die Christen sich nannton, erwähnt eine von 
de BoMj Bull. 1864 , 28 eingehend bespro- 
chene Insclirift : aream ad sepulcra (Euel- 
pius) cultor verbi contulit, et oeUam struxit 
cnnetis tnb snmptibns; eoelesiae sanctae 
hanc reli(]uit memnriam. Erst unter Decius 
und Yalerian und dann unter Diocletian 
wurde zunächst das Betreten der Coeme- 
terien amtlich verboten ; dann wurden seibat 
die Areae von Staatswegen confiscirt; da- 
neben übte der Pöbel zu Rom und ander- 
wärts auf eigene Faust Justis nieht nur in 
der Zcrsrörunir der cellae memoriae oder 
der kleinen (irubbasiliken über den liypo- 
geen, sondern auch in der Verwüstung der 
Gräber selber. Allein dieser Siedepunkt 
der Verfolgung hörte mit dem Sturze des 
betreffenden Kaisers auf, und die Nachfol- 
ger gaben den Christen ihre Areae zurück. 

In Rom und wo sonst die Gräber in den 
versehltmgenen Lab3rrinthen unterirdiseher 
Strassen angelegt waren , konnten weder 
die Confiscationen der Areae, noch die Ex- 
cesse des Pöbels eine ausgedehnte Zerstö- 
i inu; der Grüfte zur Folge haben; selbst 
das Verlyot des Besuches ihrer Coemeterien 
machten die Christen durch Benützung ge- 
heimer Zugänge oft genng illusorisch. An- 
ders dage<ren war es an allen denjenigen 
Orten , wo die Bodenbuschutfeuheit dazu 
nöthigte, Friedhofe nach unserer Sitte an- 
zulegen. Aui li diese, an der Oberfläche der 
Erde liegendeu Begräbnisse bezeichnete man 
als areae oder horti, und wir finden sie tot 
Allem in Africa, dann in den am Meere 
oder in der Niederung gelegenen Städten 
Italiens, wie su Ostia, Portus, Hailand; end- 
lich in Gallien und Deutschland , in Phry- 
gien u. 8. w. (Bull. 18fi4, 32). Bei der 
strengen AbgCTchlossenheit, welche die Chri- 
sten für ihre Todten gegen heidnische Lei- 
chen beobachteten, mussten diese Friedhofe 



Digltized by Google 



Aniuurlen. 



93 



bald die Aulmerkganikeit auf rieh riehen, 

selbst wenn nicht die Inschriften mit ihrer 
ehrutUchen Phraseologie sie Jedem als Be- 
fiibmnstStte der Terhassieii Secte rer- 
ntiMn hätten. Hier hatten also die Aus- 
Mid» der Volkswuth und die Ck>iifi8catioii8- 
e&te ihr Opfer lehiiti* und wehrioe Tor 
rieh, und wenn um heute von unzähligen 
Stidten, die unzweifelhaft schon in den 
Jahrhonderten der Yeifolffttng den Glauben 
annahmen, kaum irgend ein christliches 
Monument au« jener Periode erhalten ist, 
80 Hegt darin die beste Erläuterung der 
Worte Tertnlliana (Apolog. c. 37 ; ad Scfr- 
pul. c. 3) : ipsis bacchanalium furiis nee mor- 
tui» parcunt christianiSf cum illos de re- 
quie sepahonie, de asylo quodam mortis 
iam alio«, iam nec totos avellant, dissecent, 
distrahant ... De areis sepulturarum nostrar 
rora aoelamatnm est: areae non sint. 

[II. Der Gebrauch von area — t'crlrMia 
o der au ch = atrium , wie er bei Bin^ham 
I. Vni, c. 1, 9 (lU 120), eb. e. S (ni 178) 
and nach ihm in Smith' s Dict. I 141 be- 
hauptet wird, ist im Alterthum nicht be- 
gründet. K.] DR WAAL. 

ARENABIEN. Kaum mag man einige 
Schritte vor die Thore Roms in die offene 
Oampagna hinausgehen, so bemerkt man 
an zahlreichen Steilen Sandgruben und Ein- 
ginge zu Steinbrüchen. In den ersteren wird 
oie Posasolanerde aasgegraben, die, mit Kalk 
vermischt, den treffliehen römischen Mörtel 
Uefert; in den letzteren bricht mau jenes 
bfamie Qest^, das naeh oberflSehlicher 
Bearbeitung bald ohne Mörtolverhindung zu 
UmfassungHmauem von Grundstücken über 
einander gelegt, bald in den städtischen 
Bauten zur Aufi'ührung der Innenmauem 
Terwendet wird. Jene Sandgruben Wessen 
bei den Alten arenaria, die Steinbrüche 
lapidicinae. Die Steinbrüche sind angelegt 
in der felnartigen Tufschichte jener altern 
vulcani.st'hen Hodenformation, der wir auf 
dem ganzen römischen Oebiete begegnen; 
die A. in der mehr an der Oberfläche lie- 
senden spätem Schichte, die ohne feste Ver- 
biDdvn^ der Bestandtheile bald als Sand, 
bald ab ein sehr weicher Stein erseheint. 
Wie heute, so konnteii andi die Altai für 
üune Banwerke das Material mir ans der 
fel»iirtigen tiefem Tufschichte oder aus der 
lockern obern Sandschiehte entnehmen ; jene 
MittcUage, welche weder hart und fest ge- 
ling war, um Steine darana au brechen, 
noch weich genug, um ohne grosse Mühe 
8andgrul>en in ihnen anzulegen, blieben da- 
her unberührt. Die Hteinbrfiche haben für 
uns keine weitere Bedeutung; die A. da- 
gegen sind die vertrauten Zeugen der blu- 
B^iten Pevioden der CSurlrteniTmolgnng ge- 
ja die eceten Butler der Oesehiehte 



unserer Katakomben sind in ihnen geschrie- 
ben worden ; sie verlangen endjich auch aus 
dem Grunde eine besondere Beachtung, weil 
bis in dfie neuere Zeit hinein die Ooemete* 

ricn für ursprüngliche A. i^alten, die von den 
Heiden verlassen und dann von den Chri- 
sten zu B^^rftbnissen benOtst worden seien. 

Fassen wir zunächst diesen letztern Punkt 
ins Auge, so dürfen wir nach den eingehen- 
den Darlegungen bei de Rossi R. S. I 23 ff. 
im Anh. und Kram 333 ff. (379 ff. 2. A.) 
uns darauf beschränken, die l»eiden Ilaupt- 
be weise für die Thatsache vorzulegen, dass 
die Katakombenanlage durchaus christliche 
Schöpfung ist. Zuerst nämlich bietet das 
lockere Erdreich der Sandgruben nicht die 
erforderliehe Feetigkeit zum Aushöhlen von 
Orabnischen; dazu l)edurfte man einer festern 
Maase, die hinwiederum nicht so hart und 
felsig sein durfte, dass die Anlage der Grfi- 
ber zu grosse Schwierif,'keit gema< lif haben 
würde. So sehen wir denn in der That un- 
sere Katakomben angelegt in jener mittel- 
weichen Schichte der sog. tufa granuläre, dio 
weder zurMSrtolbereitung, noch zum Formen 
von Bausteinen geeignet ist. Nichts erläutert 
diese Thatsache besser, als jene schöne und 
breite Treppe in S. Oallisto, die in ein neu 
anzulegendes, tieferes Stockwerk führen 
sollte. Allein die Hoffnung, durch die Pozzo- 
lanschichte hindurch in die festere Tuf- 
schichte zu gelangen, erwies sich als falsch, 
und nachdem man dureh Weitertreiben eines 
schmalen und sich verengenden Stollens ver- 
gebens einen letzten Versuch gemacht, brach 
man die Arbeit ab; die in die Seitenwinde 
der Treppe angelegten Gräber sind sämmt- 
lich gemauert. Von der Kegel, dass die 
Christen nur die tufa granuläre zu ihren 
Grabanlagen wählten, macht eine Aua- 
nahrae das kleine Coemeterium des Castu- 
lus an der Via Labicana, das man beim Hau 
der Eisenbahn 1864 wieder entdeckte. Die- 
ses ist ganz ei<reiitlich in der l*ozzolanerde 
angelegt, und noch dazu m der Niederung 
und unterhalb einer Wasserleitung. Allmn 
der Bericht über die Todesart der Heiligen 
in den Martyreracten erklärt uns die Sache : 
misstts est m foveam et demissa est super 
cum niassa arenaria. Hier hat also die 
Verehrung gegen die Ruhestätte des Mar- 
t3rTer8 die Anlage eines Ooemeterinm selbst 
in einem dazu ganz ungeeigneten Terrain 
veranlasst (de Rossi Bvdl lSü5, 10). — Der 
zweite Beweis des christ heben Ursprungs 
der Katakomben liegt in ihrer Form. In 
den A. zwang dio Natur <ler Sandmasse, 
bei der Ausgrabung hinlänglich mäclitige 
Pfeiler zur Tragung der Decke /u lassen, 
! und so erseheinen die PozzolangnI^'eIl siinimt- 
liche als weite, aber niedrige gewölbte Gänge, 
die ohne Plan und Regelmäsrigkeit sich in 
den Boden hinMn renweigen, wie rieh der 



Digltized by Google 



94 



Arenarlen. 



Holzwurm seine Gänj;;e 
in daa Holz bohrt. Die 
Strassen der Katakomben 
dage^n verfolgen in der 
Regel die gerade Linie; 
sie Hind so eng, doM in 
denselben eben zwei Per- 
sonen zwischen sich eine 
Leiche auf einer Bahre 
tragen konnten; ihre Sei- 
tenwände sind durchaus 
senkrecht, die Decke meist 
flach. Man braucht uns 
nur aus einem Corridor 
der Katakomben in einen 
Gang der A. zu führen, um 
sofort die 
ganz wesent- 
liche Ver- 
schiedenlieit 
beider zu er- 
kennen. (Vgl. 
die Verschie- 
denheit der 
Anlage Fig. 
44 u. 45.) 

AlaP.Mar- 
chi zuerst die 
Theorie von 
dem christ- 
lichen Ur- 
sprünge der 
Katakomben 
aufstellte, da 
musste er vor 
Allem die 
Einwendun- 
gen zu ent- 
kräften su- 
chen, die man 




Tlf. 44. Plan «tner AreMrU in 8. AfM»«. 




ihm aus Jenen 
alten Nach- 
richten entgegenhalten konnte, welche nus- 
drücklioh von der Beisetzung einer Anzahl 
von Märtyrern in arenario, oder in cryptis 
arenariis, also in Pozzolangruben, melden. 
Er wie nach ihm df liossi u. A. haben mit 
dem Aufwando vielen Scharfsinnes theils das 
Gewicht der einzelnen Nachrichten zu ent- 
kräften, theils jene Ausdrücke durch den 
Umstand zu erklären versucht, dass in der 
Nähe de« betreffenden Martyrergrabes wirk- 
lich früher oder später Sandgruben gewesen 
seien. Ich weiss nicht, ob jene Versuche 
jeden Leser befriedigt haben. Mir scheint 
die Lösung sich sehr einfach aus folgender 
Erwägung zu ergeben. Zunächst haben die 
Christen die bei der Anlage der Gänge und 
Gräber ausgebrochene und zerbröckelte Tuf- 
Erde unzweifelhaft, wenigstens theilweise, 
an das Tageslicht expediren müssen. In 
den Augen der Heiden aber, an welche sie 
dieselbe verkauften, musste sie als eine Art 



Fiff. 4a. Ein TbeU der Kutalcomb« von 8. AfiWM. 



Pozzolanerde aus einem 
Arenar gelten, und die 
Christen Hessen sie wol- 
weislich dabei. So gab 
sich neben dem kirch- 
lichen Ausdruck ,coeme- 
terium' von selbst die Ein- 
führung und Uobertra- 
gung des profanen ,are- 
narium* : beide Bezeich- 
nungen waren unter den 
Christen im gewöhnlichen 
Leben neben einander in 
Gebrauch, und das er- 
klärt uns, wie die alten 
Schriftsteller auch Kata- 
komben Poz- 
zolangruben 

nennen 
konnten. 

So unzwei- 
felhaft nun 
auch die 
Christen als 
die Erbauer 
der unterir- 
dischen Tod- 
tenstadt der 
römischen 
Katakomben 
zu betrach- 
ten sind, so 
stossen wir 
innerhalb 
derselben 
doch auf 
Strassen und 
selbst Vier- 
tel , die ur- 
sprünglich 





^^^^ 



ohne Frage 
A. waren. 

Am interessantesten ist in dieser Hinsicht das 
zu den ältesten und ehrwürdigsten zählende 
Coemeterium der hl. Priscilla an der Via 
Salaria. Dort durchwandern wir nämlich in 
demjenigen Theile. des-sen Alter in die apo- 
stolische Zeit hinaufsteigt, Gräberstrassen, 
welche nicht aus dem natürlichen Gestein 
gebrochen, sondern durch Mauern herge- 
stellt sind, die innerhalb der weiten Pozzol- 
langruben die bekannten engen Katakom- 
bengassen bilden. Indem de Kossi in die 
Zwischenräume hinter den Mauern eindrang, 
entdeckte er in den Wänden des Arenars 
christliche Gräber, die sich durch den Stil 
der Inschriften und der Symbole, wie durch 
die Nomenclatur als Oräl>er der ältesten 
Periode charakterisiren (de Rossi R. S. I 
188, Anh. 33). Dort ist also unleugbar der 
Anfang der Katakombenanlage in einem 
Arenar gemacht worden ; allein gerade hier 
ist es, wo wir die Schüler der Apostel so- 



▲raenweaen — Aitotyritae. 



95 



fOttgen bei dor ßrundsteinlegunp ihrer un- ' 
leriiäiMheii Todtemtadt äbernwolien. Man 
■odi in der Zoit des ProMrena und 

aber gar bald standen die Prin- 
dpien in voller Klarheit. Durch die dort 
rohenden Leichen war das Arenar eine hl. 
Stätte; allein dennocli verwandelte din Folge- 
zeit, in bewusster Al)wphr der Identifici- 
rung von profanen Siiiiilnruben mit chrißt- i 
liehen Ruhestätten , die Form des Arenars i 
durch eingebaute Mauern in die einer 
Katakombe. Wenn wir dieselbe Erschei- 
nung in einigen Coemeterien der spatem 
Periode finden, «o liegt die Erklärung in 
dem Uniatande, dass, zumal in der Diocle- 
üuiiKben Verfolgiing, die A. wiederholt 
der Sehnupiatz des Martyriums wurden. Da- 
durch waren sie nun geweihte Stätten go- 
worden, und die Cluwton beeilten sich, die- 
»elHfii durch Aufführung von Mauern in i'in 
Uoemeterium zu verwandeln (tiull. 186Ö, lUj. 

Damit gelangen wir nomnehr mr Be- 
fpreohung der besondern Wichtigkeit, welche 
die A. für die Christen in jenen Tagen er- 
langten, ab ihnen das Betreten ihrer Coe- 
meterien verboten, die regelmiüwigen Zu- 
gänge zu denselben polizeilich gesperrt oder 
von den Gläubigen selbst aus Furcht vor 
der Verfolgung unlirauchhar gOBacht wur- 
de». Jetzt brachen die Fossoren Verbin- 
dung»gänge zwischen den Kutakumh(>n und 
benachbarten A., oder legten, wie in 8. 
Agnese. eine Treppe oder einen senkrech- 
ten btollen aus der Pozzolangrube ui die 
üefnr liegenden Coemeterien an (JfdwvAiSS). 
Auf diesem Wege bra<"hte man nun fortan 
die Leichen in die Katakomben und ver- 
Munmelle moh an den Jahrestagen der Mär- 
tyrer bei deren Gräbern, l'mgekehrt wa- 
ren zugleich 4ie mannigfaltigen Ausgänge 
dsr A. die Thftren, aus welchen die Ohri- 
»ten unbemerkt hinausgehen und . falls sie 
in den Katakomben selbst überrascht und 
terfbli^ wurdeiL, entwisehen konnten. Wir 
fühlt II uns auf da« Lf ldiufte.ste mitten in 
diese blutige Zeit der (Jhristenhetze hinein- 
renetst, wenn wir aus dem Coeroeterium 
des CaUietus von der Papstkapelle her in 
das nahe Arenarium wandern und dort 
gleich iu den ersten Gängen über uns in 
dar Wölbung der Sandgrube eine geheime 
Treppe sich aufthun sehen, die ans Tages- 
licht empornihrt. ^'ur mit Jiülfe einer Lei- 
ter kann man vom FtaMboden der Sand- 
grabe aus »lie Treppe erreichen. Sahen sich 
tlio die Christen verfolgt und fanden sie 
iellMt die AmgSnge der A. besetzt, so btieb 
ihnen immer n(»ch dieses !{rtt»nigsmitte!. 
Wenn dann der letzte FlüchtUng die Leiter 
hiater rieh empoi^ezogen und dadurch den 
Häschern der Weg abgeschnitten hatte, dann 
mögen wol die Vorfolgten das Wort des in 
Unfiolier Weite geretteten Panliu auf lieh 



angewendet haben: et sie evasimus manu» 
pcrsecutoruni in nomine Domini. dk wjlal. 

AKMEXWESEN, s. Kirchengut und Wohl- 

thütigkeitsanstalten. 

ABMILLA (4«XXtov, «j«cXtov>, Armbänder 
für MSnner und Frauen; jene oft aus meh> 

reren Windungen bestehend. Mm trug sie 
an verschiedenen Theilen des Körpers, bald 
am Handgelenk, bald über dem Knöchel 
oder dem fleisehigen Theil des Amea. Sue- 
ton erzählt von Cali;^iiln : sacpo manule^tus 
et armillatus in publicuni proeessit (c. 52); 
oft gab man diese Armbänder den Soldaten 
als Lohn der Tapferkeit: Lic. X 44; Cn- 
pUolin. in Maximin.: Iftidor. Hi^p. Fitymol. 
XIX 30; Festus Pomp, de Appellut. nom. 
i. V.; Pi'trnniiis (Sat. :^2) und Miirttulis 
erwähnen der den Frauen nachgeahmten 
.\rmringe, weldie weiUebhe Mumer tru- 
gen : TniuUian. de Pallio c. 4 gedenkt 
dieses Schmuckes der Frauen in seiner Art : 
et cum latrinamm antistes serieura Ventilat 
et imTniiiidifirem loco cervicem monilibua 
consolatur« et armillns. (juas ex virorum 
forHum donis ipsae quo({ue matronae teraere 
usurpassent, omnium pudendorum eonsciiw 
mnnus inserit u. s. f. Aehnlich ders. de 
hnbitu mulicr. : habent circulos ex aum 
quibus brachia artimtur. Trotz derartiger 
Urteile bedienten sieh aber auch die Chri- 
i sten dieses Schmucke«. Boldetti II 501, Tav. 
II 500, n. 15. Kl, 17 TerOirentlichte drei 
Armliänder. welche von Damen um den 
obern Theil des Armes getragen und die 
! in verschiedenen Katakomben gefunden wur- 
den. Auf einem derselben sind die Zeichen 
' des Thierkreiscs eingetragen (s. d. A.). VgL 
auch Buonarmoti Yasi di Tetr. TaT. 28* 
(und p. 199, wo ein Goldglas mit Amor und 
i Psyche am Arme der letzteren zwei solche 
jarmillae zeigt; den ehristlichmi Ursprung 
de« Glases bezeugt der Fundort (Katakombe 
der iü. Priscilia) und die Umschrift. Vgl. 
dasselbe Denkmal bei Oarrueei Yetri Tav. 
85* und ein ähnliches Tav. 30'. dazu p. 20:? 
und R. Hochttte M^m. sur les Antiq. chr^t. 
KI 209. Für den noch spätem Gebrauch der 
Armillae ForUmat. Tit. s. Badegundis 23; 
Anonym, de mirac. s. Fidis ra. et virg. c. 5 ; 
Audoeni Vita s. Eligii I 10 u. s. f. KaAüS. 

ABKA, s. Handgeld. 

ARTOTYRITAK lapTo;. tup^cl. eine eigen- 
thümliche Secte, weh he die Eucharistie nicht 
bloss mit Hrod, sondern mit Brod und KSse 
feierte. Ejüjthmi. Haeres. XLIX, n. 2: 
dpTOTup(Ta; os «utouc xa>>oüffiv, ätio toü iv 
ToT» ouToT? jAUTCTjpi'oic inxiftevTac aprov xfld 
Tupov, xat ouTcu? itoisiv Ta ootüiv (jLwrr'pta;. 
\Augmt. de Uaeres. o. 4tt: ^artotyritae sunt 
IquibaB oblatio eontm hoo nomen dedifc: 



uü by Google 



96 



AniapiciiiA — AatmUm. 



offerunt enim panem et caseura, diccntos^ 
a primis hominibus oblationeü de fructibiu 
terrae et ovium fuitwe celebratas/ 

IRÜSPICINA, s. Wahrsagerei. 

jLSCE.VSIO (Christi Himmelfahrt), s. Feste. 

ASCETEN (dbxew, daxT^-nj?). Versuche, 
die Idee der üttlichen Vollkommenheit 
durch eifrqpe Uebung (Smrpn) möglichst 
im Lehen zu verwirklichen, wurden schon 
unter Heiden und Juden gemacht. Zeu- 
gen hiefllr sind die Stoiker, die igyp- 
tischen Therapeuten , die Essäer, die Nasi- 
räer. In gewissem Sinne dürfen wir hiezu 
ans der Zm nmnittelbar tot Chrigtns Jo- 
hannes den Täufer und die Wittwe Anna 
(Luc 2, 36) rechnen. Nach Fol». Not in 
Enrnb. c. 17 nannten die alten Philo- 
sophen dif Uebunf? der Tugend und Ent- 
haltaamkeit xax' ^oj(f^v die a9XT)9ic, und 
bei Ärimnidor. lY, c. 35 wird ein gewisser 
Philofloph Alexander d7X7]-n]; genannt im 
Sinne Fhilo's, der düXTjTr,; als einen den 
Uebungen der Frömmigkeit ergebenen Men- 
aohen beieichnet Der Name Ascet ging 
nun auch auf jene Chriaten der Erstlings- 
kirche über, welche sich freiwillig eines 
strengem und eingezogenem Lebens Im>- 
flissen, ohne desshnlli mit den Sitten und 
Gewohnheiten des bürgerlichen Alltagsiubcus 
EU brechen. Des Anrecht auf den Manien 
eines A. gewährte vor Allem das, was stets 
als der Höhepunkt der christlichen Ascese 
betrachtet worde, ninilieh die fireiwinige 
Virgin! tut. Wenn aucli iiidit «lern Na- 
men, so doch der Sache nach Huden wir 
die ersten Siniren dieser &xiptc in dem 
Briefe des hl. I<fnatiu,s Antioch. an Poly- 
carp (c. 5) in den Worten: ,wenu Jemand 
in Keuschheit (i^ d7ve(a) za Teriiarren 
im Stande ist, zur Ehre des Herrn des 
Fleisches f so thue er es in aller Demutb. 
Wer sich dessen brfistet, ist verloren/ Hit 
Uebergchung gleichlautender Zeugnisse bei 
A(hena(/or. Apol. c. 28 und TertuU. de cult. 
fem. II, c. 11 machen wir noch auf Oriy. 
c. CSela. I. VU aufmerksam, wo unter An- 
spielung auf den Namen ,A8cet* iH'richtet 
wird, dass es Christen gebe, welche ajxoüoi 
tj|pf monsM} itopÖtvt'av. /u den A. wurden 
ferner ^rechnet di(> freiwillii,' Kitsteiuleii, 
wenn sie sich nur nicht aus Motiven der 
Gnoetiker und Maniohler, welche die Ma- 
terie für satanisch liielten, von (Kheii und 
vouj Fleisch und Wein enthielten, sondern 
dies Isxijnv thaten (CunoM. apoti. c. 
51 (al. 50). Viele dieser fastenden A. ent- 
hielten sich zwei bis drei Tage lang jeg- 
licher Nahmng; Andere flhton die Asoese 
durch Einfachheit und Oleichförniit^keit der 
Speisen {JbUioch. hom. YII in Bibl. patr. 
graec. lat t I 1037). Der Stand der A. 



zahlte weiter zu den Seinigen jene Frauen, 
welche sich durch ausserordentlichen 6e- 
betseifer hervorthaten, nach dem Beispiele 
der Prophetin Anna (Luc. 2, 36), die tob 
Ci/riU. Hierosol. Cat. X, c. 19 die Ehren- 
namen iTxpai^c tiXa^gaxavn xal dbxi^Tpia (con- 
tinetis religiosissima etasoeticam vitam agens) 
erhielt. Auch diejenigen Christen, welche 
mit dem strengem und beschaulichen Le- 
ben die Werke der Liebe verlMmden und, 
selbst in freiwilliger Armuth verbleibend, 
ihre zeitlichen Qüter den Kirchen oder Ar- 
men schenkten, hieasen A. * soldie hefinden 
sich unter den Märtyrern, welche in Piilü- 
stina unter Diocletian litten und von denen 
EüSib. de martyr. Palaest c. 10 einen ge> 
wis.sen Petnis als 4jxt]tt^; und e. 1 1 einen 
andern mit Namen Seleucius ab ^i^<i»Tf|V 
rän Ti]c SnMRßi&tc imoftSN (religiosomm asce- 
t^irura imitatorem) bezeichnet. Aus densel- 
ben Gründen schreibt auch Hieronym. de 
Script, eccl. c. 41 dem Bischöfe Serapion 
von Antiochien, und c. 76 dem Pierius die 
Würde von A. zu, an welcher überhaupt 
Laien und Kleriker participirten , nur mit 
dem Unterschiede, dass die letzteren ein 
ascetisrhes Lehen mehr als eine selbstver- 
ständliche Folge ihres Standes l>etrachteten. 
Endlich galten diejenigen, welche ihr Fleisch 
durch freiwillii^e Selbstpeinigungen im Geiste 
christlicher Busse kreuzigten, für A., wes- 
halb der Verfasser der Synopsis scripturae 
inter f^>pp. S. Affin nas. den Märtyrer Lucian, 
der selbst im Kerker noch jene BussQbun- 
gen vornahm, pitf" i»vK^ aemt — IKe 
\. wurden in der alten Kirche noch durch 
besondere Ehrennamen ausgezeichnet. 
Nach Soerateg Hist. eoel. IV, e. 23 hatte 
Athanasius vorzugsweise die A. mit dem 
Namen ,Gnostiker' (jvovrtxoi) ausgezeich- 
net, weil sie unter den GllaliigMi einen 
höhern Grad der Erkenntnisa imd praM- 
schen Uebung des Christenthums sich er- 
worben hatten. Während die Christen Ober- 
haupt die ixXexxot (electi) hiessen, wurden 
die A. I>ei Clanen» Alex. Hom. Quis dives 
sjilv. n. 36 hknx&t ixXtxr^pot genannt; 
EpiphanktS Expos, fidei n. 22 giebt den 
Frommen, welche zwei, drei oder vier Tage 
fasteten, den Namen OTiouöaioi. Im Abeud- 
lande soll der Name ,confessor* eine Be- 
zeichnung für die A. gewesen und desshalb 
der hl. Martin von Tours unter diesem Titel 
in das kirchliche Calendarinm eingetragen 
worden sein. Vgl. I>in-'inii> in (iloss. s. v. 
Confess. — Die A., zu denen die frömmsten 
und gelehrtesten Ifinner des christliehen 
Alterthums zahlten , waren innerhalb der 
kirchlichen Qemeinschaft als ein eigener 
Stand zwischen Klerus und Laien angesehen 
und geachtet (Comtit. apost. VIll. c. 1!^; 
Dionys. Hicrarch. eccl. lU, c. 6) und mach- 
ton sich auch nach Aussen hin bemerkbar. 



Digitized by Google 



I 



Ascia. 



97 



wenijrsten'« in den AufjPTi der Ohriston. durch 
einfache Kleidung von schwarzer oder brau- 
ner Farbe (SyiM». Ep. 146). Aneh de« Pal- 
liums. (Ifs MantflK der alten Philosophen, 
bedienten sich die A. unter den Christen 
gerne, gleichwie dieses Kl^d aneb diejeni- 
gen unter den neueren Heiden liebten, welche 
sich auf Phil<%ophie und eine strengere Le- 
bensweise verlegten. Vgl. Salmasius Not. ad 
Tertull. de PilUio DI u. IV. — Aus dem 
bisher Gesagten ei^iebt sich von selbst der 
Unterschied zwischen A. einerseits und Ana- 
eboreten und Mönchen andererseits ; die er- 
rteren führton ihr frewöliiih'ches Leben in 
der Welt und in der Mitte ihrer l amilien 
and IGtbürger fort, während das Leben der 
letzteren durch Abschliessung von der Welt 
charakterisirt wird. Nichtsdestoweniger aber 
dürfen wir annehmen, daas die Ideen, welche 
dem Leben der A. in den ersten Jahrhun- 
derten zu Qrunde la^n, in dem anacho- 
retbehen und cfoobltwchen Leben nur ihre 
natargemSsse Entwicklung fanden, so dnss 
allerdings der Ascetismus der alten Kirche 
als Ursprung des spätem Monchthums an- 
gesehen werden kann. Schliesslich machen 
wir darauf aufmerksam, da^s sclion in den 
älteren Zeiten der Kirche Missbrauehe in 
die Ascese sich einaehlichen, und hier und 
da die wahre Asrese zu einer unerleuchte- 
ten Hyperascese wurde. So sprach z. B. 
die Synode zu Gangra in Kleinasien 
un die Mitte des 4. Jahrh. dan Anathcm 
aus Aber Sklaven, welche unter dem Vor- 
wande der FrSmmigkdt (Asoese) ihre Heiv 
ren verachten oder ihnen entlaufen (can. 3); 
ebenso über Männer, welche aus venneint- 
lieber Aaoeie das Fuliiim tragen und dess- 
halb hochmflihig dieJoi^iBn verachten, wel- 
che die gewSl^ehen Ueider tragen (can. 
12;; desgleichen werden mit dem Anathem 
bedilrflt die Frauen, welche aus falscher 
Ascese statt der weiblichen Kleidung Manns- 
kleider tragen (cjin. 13); dann Eltern, welche 
unter dem Yorwinde der Asceso ihre Kin- 
der verlassen oder nicht recht erziehen 
(can. 15;, und ebenso Kinder, welche aus 
demselben Grunde den Eltem nicht <Be 
gebnhrende Ehre erweisen oder sie gänz- 
lich verlassen etc. (can. Iti). Zu Uim- 
brinehen fBhrfee aneh das nnprünglich gut 
gemeinte Institut der 7jvaty.3; tj^v.-jtaz'h 
(dxaTnrjTai , aorores), womach gottge weihte 
Jungfrauen mit A. behnfli gegenseitiger gei- 
stiger Förderung eine« frommen Lebens in 
Einem Hause beisammen wohnten. Die Aus- 
artungen dieser Sitte wurden frühzeitig üe- 
genstand IdrehUeher Beschränkungen. Sjjh 
nod. Illiher. can. 27 ; Sijnod. Aitcifr. can. 
19; Conc. 2\ii:urii. I, can. 3; (Jlirysosi. de 
subintroduct. 1. I und Hitnm, Ep. 22. Vgl. 
den Art Sabintroductae. 

KBÜU.. 

■MMbMjrktopUto. 



ASCIA (Axt, Spitzhaue), als Symbol des 
Todes und die epigraphischen Ausdrücke, 
die sich danraf benehen, als; mA «nda dt' 

dicavit, poauif, consumnni n'f , gehören aus- 
schliesslich heidnischen Denkmälern an und 
finden sich nie anf ehristliehen. Znweflen 
findet man freilich auch auf letzteren eine 
Axt eingehauen oder gemalt, die aber eine 
ganz andere Bedeutung hat. Man hat da- 
rin nSmlich in allen Fällen die ciscia fo»- 
soria zu sehen, jenes Werkzeug, dessen 
man sich zur Ausgrabung der Katakomben 
bediente, und das auf Gemälden in den 
Händen der Fosso/vvs als Kennzeichen ihre« 
Handwerkn erscheint. Es ergiebt sich das 
aus dem Epitaph des Fossor Debestus, 
welches de Rossi puhlicirt hat CR. S. III 
Ö34), und aus andern weiter unten zu er- 
wShnenden Menumenien. 

Die Aextc oder Piken. (1i(> wir auf dir-sen 
Denkmälern sehen, entsprechen ihrer Form 
nach der verschiedenen Beschaffenheit dar 
Arbeit, zu der sie ^jc'liraucht wurden. Be- 
kanntlich wurden die Katakomben in jenen 
Schichten von Tuf ausgehöhlt, welche sich 
in der Umgebung Roms unter der Erdober- 
fläche dahinziehen. Diese Schichten aber, 
welche abwechselnd sich senken oder er- 
heben, erweitern oder verengern, sind zu- 
gleich auch oft verschieden rucksichtlich 
ihres Materials und Härte. Während sie 
im Allgemeinen aus der zarten Tufa gra- 
nuläre liestclieii, flehen sie zuweilen in die 
Tufa litoide über und manchmal verbinden 
sie sich auch mit Schichten von Ponralana 
und mit den Sandabla<»^crungen. Je nach 
der Festigkeit und üärte dieser Schichten 
nntssten aneh die zu ihrer Bearbeitung^ noth- 
wendigen Werkzeuge verschieden sein. Es 
erklärt sich daraus die Mannigfaltigkeit der 
Formen bei den in den Katakomben vor- 
gefundenen und auf den Denkm&Iem dar- 
gestellten Ascien. 

Da die Tufa granuläre weich ist, wurde 
sie in der Weise ausgehöhlt, da-ss man Ein- 
schnitte in sie machte und sie dann in klei- 
nen Blättern mit einer Axt losmachte, die 
mit einem nieht gar langen Stiel verschen 
war und ;iuf einer Seite den Kopf eines 
Hammens hatte, auf der andern sich ver- 
längerte und, im stumpfen Winkel ausein- 
andergehend, am Ende etwa 4 cm breit 
war. Eine solche Axt wurde in der Kata- 
kombe des OalKstns gefimden, andere siiri 
abgebildet auf Grabsteinen, so auf t'incm, 
der aus dem Cocmeterium von & Hermes 
{Bosio R. S. 5f;3), anf einem andern, der 

von S. Callistus herrührt {BMdH OSS. 
sopr. i cimit. 62). und auf einer Tafel ans 
Tcrracotta, welche aus unbekannter Fund- 
stätte in das Museum dei Lfttemn gelangte 
und wo eine d(>n vorhin genannten ähnlioie 
Axt vorgestellt ist. 

7 



Digltized by Google 



98 



ABOodnrtM — 'Aai(i|n$ fpof w). 



Aexte TOD gl^cher Form findet man auf 

heidnischen DenkTnälern {Mazocchi dr A. 
43), sowie auf einem raveiinatischcn Monu- 
mente, Ton welchem aber ungewiss ist, ob 
es ( hristUchen oder heidnischen Unpniogs 
sei {Murat<tri N. Th. 536). 

Andere Aexte dagegen sind, anstatt im 
stumpfen Winkel aus/ubicgen, boffenförmig 
gekrümmt, wovon Murntori /'Sopm l'A. DIhs. 
Cort. II Tav. 4), sowie eine aus dem 

jüdischen Coemoterium in der Vigna Ciraarra 
bei S. Sebastian herrührende Scuiptur Bei- 
spiele bieten. In beiden Gestalten war die 
A. gleich geeignet zur Amgrabong der 
Oiingo und Grahkummern, denn die mit 
derselben abgeschnittenen Wände wurden 
aenkrecht, ohne dan ee nStiijg war, die 
erste Arbmt nachbessernd wieder za durdi* 
gehen. 

Wenn jedooh die TnflMshiehien hSrter w«p 

ren und in die Tufa litoide übergingen, be- 
durfte man einer stärkem A., um die Masse 
zu durchbrechen. In diesem Falle gebrauchte 
man die Brechaxt (dolabra), welche we- 
niger gobojrcn war, statt der breiten Schneide 
eine Spitze liutte und mit langem Stiel ver- 
seben war, nm mit grtaerer Kraft geschwun- 
gen werden zu können. 

Mit dieser Brechaxt sind die Fossores bei 
ihrer Arbeit dargestellt, wie sie den Tuf 
wegbrechen l'n^ni H. S. TT, tsiv. IS); 
ebenso halten sie dieselbe in der Uand oder 
auf den Schultern , als Kenmteichen ihres 
Berufes, auf Ocmälden. welclie zur Aus- 
schmflekimg der Cubicula gemacht wurden 
und auf denen sie zuweilen ndiend darge- 
stellt werden (a. a. 0. tav. 17). Einen lan- 
gen Stiel hatte auch eine andere Axt mit 
sehr breitem Eisen, welche zum Spalten des 
Tofo diente. Solche findet man auf den von 
Brno anfreführten Bildern (K. S. :i:?ö, \V.V.\) 
in der iiand <ler Fossores. Da diese Axt 
zum Brechen des harten Gesteins nngeeig>- 
not erscheint . so j^lauhe ich wegen der 
Breite dos Eisens und der Schneide, dass 
sie nicht bloss' bei Ausgrabung weicher 
S<'1iichten diente, sondern hauptsarlilich zur 
Verebttung und Ülättung iener Unebenhei- 
ten und Fnrehen, welche oe iiseAs f(moiHn 
und die Spitze der Rrechaxt an den Oe- 
wölben der CHinge und ürabkammern zu- 
rBekliessen. Wie nns der Augenschein üher- 
zeugt, sind jene Gewölbe mit grossem Fleisse 
ausgeführt und geglättet, wozu ein Eisen 
mit breiter Schneide und längerem Stiele 
erforderlieh war, um vom Boden aus diese 
Arbeit auszuführen. Spuren von der Äfcin 
fossoria und der Dolnhra finden sich noch 
in jedem Theilo der Katakomben, indem 
die Zeichen, welche die Fossores beim Aus- 
graben derselben im Tufu anbrachten, sich 
bis jetzt erhalten haben. 

Viel seltener sind dagegen die ^uren 



dieser Werkzeuge in den Arenarien und 

Pozzohinschirhtcn. Da ihre Oberfläche wenig 
Festigkeit und Consistenz hat, so schält sie 
sich TortwShrend ab und kran daher die 
empfangenen Eindrücke nicht lange bewah- 
ren. Ihre ganz verschiedene Beschaffenheit 
erforderte auch zur Aushöhlung derselben 
ein u]i(i< res geeigneteres Werkzeug. Eine 
solciic Asn'n, von durcliaus verschiedener 
(lestalt als die bisher besprochenen, fand 
Stcren.-iim in einem christlichen Coemeterium 
an der fünften Mif^lie der Via latina {s^\. 
de Uosgi Bull. 1876, 153). Da nämlich 
jene kleine B^^bnissstStte ganz in einer 
Sandschicht ausgehöhlt war, wurden die 
Gänge wegen der leichten Zerreibbarkeit 
des Materials ganz mit Sand angefüllt ge- 
funden, der von dem Gewölbe und den 
Wänden sich abgelöst hatte. Unter diesem 
Sande fand sieh eme A»^, die ohne Zweifel 
zur Ausgrabung gedient hatte. Sic unter- 
scheidet sich von der gewöhnlichen A$cia 
fossoria und der Dolabra, indem der Vorder- 
theil, der der Länge nach in einem Bogen 
sich erweitert, mit einer von zwei han> 
runden Spitzen begrenzten bogenförmigen 
Schneide endigt. 

In solcher Weise war sie geeip;Ttet, mit 
breitem Schnitte und in grossen Blättern 
sowol den Sand wie die roszolana loezu- 
machcn, zusammenznbrinjjen und aufzuhäu- 
fen. Sie hat viele Aehulichkcit mit den 
Ton Muralori (a. a. O. n. 5 und N. Th. 535) 
beschriebenen, nur dass diese in scharfe, 
jene in abgerundete Spitzen auslaufen. 

D>v6 YeTBchiedenheit in der Form all' die- 
ser Werkzeuge, welehe in gleicher Weise 
den christlichen Fossores beim Ausgraben 
der Katakomben dienten, zeigt somit deut- 
lich, dass sie der Tcrschiedenen Beschaffen- 
heit des Hodens und Gesteines, die sie zu 
brechen unil zu zerstückeln bestimmt waren, 
entsprachen und das« die A. in jeder Ge- 
stalt als Kennzciclien des Berufes der Fos- 
sores ungesehen und daher auf ihren Qrä- 
bem eingehanen und auf den Decoratioas- 
bildern der von ihnen ausgegrabenen GralH 
kainniern gemalt wurde. bkuzza. 

ASCODRTTAE, eine gnostische Secte, 
welche weder Taufe noch Abendmahl bei- 
behielt, sondern jene Sacramente durch die 
Erkenntniss ersetzte : ■ • eTvoti rf,v tüsiti 
droXuTptojiv rf|V oXtjJ^ tou ovtoc ini'-yvtujw. 
Theoihref» de FabuL haeret lib. I, c. 10. 

ASINARn, 8. Spottnamen, Esel. .. 

/V^KHüIi: n\\a>IKli nennt PaUadius Ilist. 
Lansiac. c. 14 die wissenschaftliche Beschäf- 
tigung im Gegensatz zu der ilandarl)eit, 
wie man sie den in dem Xenodochiuni auf- 
genommenen FremdMi Seitens der idtrisehfla 
Mönche zugab; Oiste, wddie sieh diveh 



Digltized by Google 



'Aoxiit^wv — Aspenloii. 



99 



Uandarbeit nützlich machten oder dieser iax. 
Ipofw^ oblagen, konnten zwti oder drei 
jalire m dorn Xenodoohiam Terweilen. 

f^^riechischer Ausdruck für 
Kl<>st«>r. im Latpinischpn häufig vordorluM) 
tu architfterium , architoriutn, arciäteriuni, 
•rdiitriam, anisterium, acistarium, adste- 
rimn, aacysterimD (a. Dim»»^). 

Aün ATTIKOS OIKOS = aalntatorimn (s. 

d. A.). 

ASPERCILLÜM , der Spron^wfdol aus 
Hynop (vgl. Ps. 51), mit welchem z. B. der 
Kseliof imch dem Satr. Oregor. bei Ein- 
weihung pinor Kirrhp siebonmal don Alt:ir 
besprengte. In der französischen Kirche 
gebrancnte man dafür spiter einen Fncba» 
schwänz, wie aus dem t. (joupÜ — vul- 
piaäa hervorgeht (s. Dimmge). 

ASPERSION. Wie die johanneische, so 
CMchah ursprünglich auch die christliche 
Tuife dorcb Untertandrang der ganzen Per» 

8on, welche Sitte bis tief ins MA. liinoin 
die gewöhnliche bUeb (cfr. Thom. Summ, 
dir. III 66, a. 7). Doeh machten ümstSnde 
von lif-sondt ri r Wichtigkeit, wie Kranklioit. 
Mangel an hinreichendem Wasser, oder eine 
allni groese Ansabi der zu Taufenden u. 
8. w. hier Ausnahmen nöthig, und nach- 
weislich war auch die Spendung der Taufe 
durch Aufgiessen fjierfuaio) oder Bespren- 
gen (aspersio) frühzeitig im Gebrauch. Wenn 
Tfrtiiffif])! dem unbunsfortigen Kiitecluinu'- 
ncn zuruft: ,wer wird dich audi nur mit 
einem Tropfen Wasser besprengen?' (de 
Poenit. <•. «;). unrl lifrichtet , nach Einigen 
wären die Apostel getauft worden, als sie 
im SchiiFlein von den WeUen besprengt 
wurden fde Bapt. <\ 12), so deutet er hin- 
länglich an, das« man damals so^r in Fäl- 
len, wo daa IJntertanehen mSglicb war, die 
A. für genfi<,'ond hielt. Dem Berichte über 
Nüvatian, der, ,weil man ihn dem Tode 
nabe glaubte, in dem Bette selbst, in wel- 
diem <T lag. durch Aufgiessung (~pr^fht;) 
die Taufe emphng^ fügt der Iii. Cornelius 
allerding8 die Bemerknng binzn: ,wenn man 
uViorhaupt sagen kann, dass <'in solcher 
die Taufe empfanpjn^ (ap. Em. II. c. VI 
43); aber sowol die Form des hier geheg- 
ten Zweifels als auch was jener Aeusscrung 
Torhergeht wie nachfolgt, machen es un- 
l*itritten , dass hier nicht die objective 
Taufliandlung , sondern die Disposition des 
Empfängers in Frage geHtellt wird. Nach 
altchristlicher Aufftissung wurde die Neu- 
wliOpftang durch Taufe und Firmung voll- 
logen; da aber Novatian Ift/t'-rc versehmäht, 
so gab er der Verniutiiuug Uaum, dass er 
MMtt entere nicht mit gehöriger Disposition 
mpfangen. Uebrigens konnte Cornelius un- 



möglich bezweifeln, was er nahezu seit 
einem halben Jahrhundert anf den eallisti- 

nisoben Bildern durgestellt sah , auf denen 
nämlich ein nackter Knabe, der kaum bis ans 
Knie nntergetanebt ist, die Tanfe empfing, 
indem ein Mann den ganzen Körper mit 
Waaser bogiesst {Kram Ii. S. 2. A. Fig. 52 b). 
Also selbst bildlich wird uns in gar früher 
Zeit die Taufe durch Begiessung vorge- 
führt, und doch wäre die Art durch Unter- 
tauchung ebenso leicht darstellbar gewesen. 

Bemerkenswerth ist der vom hl. Ci/prian 
/um Austrag dieser Frage gelieferte Bei- 
trag. Beachten wir vorerst die ihm zur 
Lösung vorgelegte Frage: .sind die, welche 
während einer Kranklieit die Gnade Oot- 
tes erlangen, für rechtmüssige Christen 
zu halten, obgleich sie nieht durch das heil- 
same Wasser gewaschen floti), sondern 
begossen (perfusi) worden aindi'" OHen- 
bar geht aus der Fassung der Frage her- 
vor. da.s.s hier kein Zweifel obwaltet über 
den Empfang der götthchen Gnade, son- 
dern bloss darflber, ob solche fBr Tollstftn- 
digo Christen zu eraditen seien. Dem ent- 
sprechend war auch die Antwort: man dürfe 
,in keiner Hhisicht die göttlichen Wohltha» 
ten V e r s t u m m e I n oder v e r k u r z e n . . . 
Denn nicht so wird im heilsamen Sacra- 
mente die Befleclciing der Sünde abgewa- 
schen, wie im tieischlichen und irdischen 
Bad die Haut und der Korper von Schmutz 
gereinigt wird, so dass Schaumsalpeter und 
nebst den übrigen llülfsmitteln, womit man 
das Körporehen abwascht . eine Badwanne 
und ein Wasserbehälter ncithig wäre. An- 
ders wird die Brust des Gh'iubig(*n abgo- 
witsehen. anders der Sinn des Menschen 
durch die Verdieaste des (Jlaubens gerei- 
nigt. Bei dem heilbringenden Sacrament 
giebt, wenn die Noth es fordert und Gott 
seine Qnade verleiht, die göttliche Qüte 
Alles auf kürzerem Wege. Es bleibt sich 
i,'Ieieh. ob die Kranken, wenn sie die Gnade 
des licrrn erlangen, besprengt oder 
be gos s en werden, da (nach Es. 36, 26. 26; 
Num. 10, 8. 12. 13; Is. 8, T) H) auch die 
Üespreiigung denselben Vorzug wie das heil- 
same Bad haben kann* (Ep. 69, c. 12). 
Aus der Widerlegung eines Kinwandes, den 
man hiegegen erhob, geht femer hervor, 
dass hier der Zweifel nicht dem wirkliohen 
Empfang der Taufgnade galt. Ans dem 
Fmstande nämlich, dass die also Getauften 
.Kliniker' hiessen, dürfe man nicht scbliessen, 
als hätten ,8ie zwar die Onade des Herrn, 
al)er doch in einem kleinern und geringem 
Masse emi)fangen, und als waren sie wol 
als Christen, aber den übrigen doch nicht 
gleich zu achten*. Am entschiedensten ist 
aber zuletzt noch folgende Rücksicht. Man 
dürfte höchstens behaupten, die Kliniker 
lifttten gar nichts empfangen und mfissten 

7* 



Digitized by Google 



100 



AwmDptfo — Astrologl«. 



desshalb nach ihrer Oenesung (Mnfa« )j 
tauft werden. Das aber fanden sowol Cy- 
prian als auch <Iit' Frar^estoller fnr durch- 
aus unzulässig. ,Wenn aber die nicht kön- 
nen getauft werden, die bereits durch die 
Taufe der Kirche (d. i. hier die Taufe durch 
Besprengung; geheiligt sind, warum nehmen 
sie (die Fragesteller) Anstoss an ihrem Glmi- 
bcn und an der Gute des Herrn?* (c. 13.) 
Hierzu kommt, dass überhaupt «der hl. Geist 
nicht naoh einem gewissen Masse, sondern 
ganz Ober den Oläubigcn ausgegoHsen wird. 
Wenn es ftlr Alle auf gleiche Weise Tag 
irird, wenn die Sonne sich fiber Alle mit 
gleiell vielem und gleich »tarkem Lirht er- 
giesst. um wieviel mehr spendet Christus, 
die wahre Sonne und der wahre Tag, in 
seiner Kin lic nach gleichem Masse und in 
gleicher BcschaflFenheit das Tiiclit des ewi- 
gen Lebens' (c. 14^. Wie man sieht, galt 
Wasser stets als die nothwendige Materie 
des Sncramout'« . nber auf welche spezielle 
Weise es verwendet wird, ob mittelst Un- 
tertanehung, oder mittebt Be<tprcngtmg oder 
Begiessung, das hing von den Umstünden ab, 
das ist Gegenstand der Disciplin. petkbs. 

ISSUMPTIO, für Auflösung, Tod, wird 
SUtt erstenmale gebraucht bei Cyprian. Ep. 
X (ed. Härtel) c. 4, wo II Thees. 4, 6 nicht 
wie in der Vulg. mit rcsolutio, sondern mit 
asRuraptio wie*lergegeben ist. Später hat 
sich der (Tebrauoh des Wortes meist be- 
schränkt auf den Ilintritt der sei. Jungfiran 
(s. Mnriae Himmelfahrt), aber keineswegs 
auschliesslich und noch weniger will der t. 
selbst eine leibliche Anftiahme in den Him- 
mel in sich schliesscn, wie Einige gewollt 
haben. So noch A. s. loannis Jiaptistae 
Apostoli et EvangeVstae bei Odtrie. Tttal. 
Hb. V 593 und Vita Oodefridi Cbnütts 
Campebergensis (vgl. Ducange). 

ASTERTSrrS. I. Kin von Origenes er- 
ftindenes und bei seiner Hexapla ange- 
wandtes kritisches Zeichen = Bekannt- 
lich enthielt die Hexapla in sechs Spalten 
sunachst den hebräischen Text (mit hebräi- 
schen und mit griechischen Huchstahen gj;- 
schriebon), sodann die vier l'elterset/.ungen 
der Septuaginta, des A(|uila, Theodotion 
und Symmachus. Wenn nun im Hebräi- 
schen etwas stand, was bei den LXX fehlte, 
so ergänzte Origenes (liesfw aus den ande- 
ren Ucbersctzungen , und zwar meist aus 
Theodotion, zuweilen auch ans Aqnila, sel- 
tener aus Symmachus. Um aber die Kin- 
schalttuig als solche kenntlich zu machen, 
setzte er davor einen A. nebet dem An- 

fangsbuchsta)>en des Namens des Ueber- 
setzers; am Schlüsse aber fügto er einen 
Doppelpunkt bei, z. B. «. ATTTOY: In 
dem umgekehrten Falle, wo die 8eptua> 



ginta etwas enthielt, was im Hebräischen 
fehlte, Hess Origenes dasselbe sldien, setzte 
aber einen Obelos (oj) davw und einen 
Doppelpunkt dahinter. 

Der Text der Septuaginta sammt Aste> 
risken und Obelen wurde durch Pamphilus 
und Eusebius aus der Hexapla abgeschrie- 
ben und TielfMh verbreitet. Bald schlich 
sich jedoch der Uebelstand ein, dass man 
die kritischen Zeichen nicht beachtete und 
in den Abschriften wegliess. So worden 
allmälig die Zusätze zur Septuaginta, welche 
die Hexapla enthielt, als zum urspruiK- 
lichen Text gehörig betrachtet, und & 
Ver\^irrung, welche Origenes zu beseitigen 
gedachte, wuclis immer mehr. Daher die 
Klugen des Ilitroni/nius, welcher Ep. 89 an 
Augustin sehreibt: ,vis amator eise ▼erna 
LXX interpretum? non legns ea, quae sub 
asteriscis sunt, immo rade de voluminibus, 
ut veterum te fautorem probes.* 

Die Astcrisken und Obelen gingen auch 
in die Handschriften des H. Test, über, frei- 
lich in anderer Bedentnng. Sie sollen hier 
eine Stelle als unecht oder zweifelhaft be- 
zeichnen. So erscheint z. B. der Abschnitt 
Joh. 7, 53 bis 8, 11 in manchen eodd. mit 
diesen kritischen Zeichen versehen. Auch 
in der Philoxeniana werden sie beim ü. 
Tost, angewandt, und zwar rühren sie wmhr^ 
scheinlich schon von dem ersten Uebersetser 
Polycarp, Chorbischitf von Mabug, her. 

XOKLER. 

II. Ein kleines, aus kreuzförmig überein- 
ander gelegten, auf vier Füssen stehenden 

Metallstreilen ge- 

AETHP 




Fig. 46. ▲•t«rlacii«. 



bildeteslnstmment, 

welches man in der 
griechischen Kirche 
über die die con- 
secn'rten Oestalten 
tragende Patene 
stellt, um dies. Spe- 
eles vor Beschädi- 
gung , namentlich 
damit dieselbe nicht 
durch das Altar- 
Velum heruntergeweht werde, zu schützen. 
Vgl. Nealc Eu.stern Church, Introd. 350 j 
Daniel Cod. Liturg. IV [m, 39<1; Cheetham 
in Smith's Dict. I l.')0 und die Abbildung 
daselbst. Wenn der Priester den A. auf 
die Patene stellte, sprach er den Satz 
Matth. 2, 0 aus. Vgl. Goar, Euchol. 62, 
ed. Paris. 1747. kraus. 

ASTROLOGIE. Die Ausübung der Stem- 
deuterei schloss nach (Jonstit. apostol. lib. 
Vlir, e. 32 Tom Empfang der Taufe am. 
Terfulliau. de Idolol. c. 3 bezeichnet die A. 
als reinen Götzendienst, Lactantius Ii 15 
als Erfindung der Dämonen (eorum inrenta 
sunt astrologi» ete.). Aehnlich spreehm eseh 



Digitized by Google 



Asylreoht — Ac«Xci« Xttxou|>7<xi]. 



lOi 



Euseb. Praepar. cvang. Hb. VI, o. 10 sq., 
Augustin. de Civ. Dei lib. V, c, 1 aus ; Leo 
£p. 91 (93) ad Turrib. c. 11 erklärt die 
Afltnriogeo gendesu «ob der Kirche aus- 
^■•chloflsen: verum ista sectantibu» nullus 
m ecclesia catholicu lo«us est: quoniam qui 
ae telibufl persunHionibuM dedit. a Chrwti 
corpore totus abMoessit. Schon früher Jiatto 
das Conc. Laodic. c, 3<> unter Strafe der 
Excommunication Klerikern aller Art die 
Ausübung der A. untersagt. Gleichwol fehlte 
es nicht an Mitgliedern der Kirche, welche 
sieh diesem Aben?lauben hingaben : so selbst 
ein Bischof, Eusebius v. Emesa. der dess- 
halb des Episkopats verlustig ging {Sozom. 
m 6); ein andme Bespiel fmm AugtuHn 
an rde mathem. 70, nach Tract. in Ps. LXI, 
ed. Ben. Yen. 1769, V 460, 803). Das 
CoDBoHireii der M «thenuitiel, dann der Aatro- 
logen nennt dcrscllic Ainjust. Serm. IX de 
dm. Chord. (Üpp. a. a. Ö. YU 50) genide- 
la fornioari cum daemonni. "üm Ton An- 
gmlül angeführten Lohren jener Astrologen, 
welche unser sittliches Handeln ganz vom 
Einflüsse der Oestime abhängig machten, 
mussten in der Thal ala hSehrt gefährlich 
encheinra. kbavs. 

A8TLBECHT. Asyl ist ein rechtlich an- 
erkannter Zufluchtsort für Verfolgte. Das 
Vorrecht eines Ortes, vermöge dessen er 
einem Verfolgten Schutz zu gewähren im 
Stande ist, heis.st A. Die Einrichtung der 
Asyle ist wol den meisten iieligiunen ge- 
meinaam; bei den meisten Völkern finden! 
wir Freistätten zum Schutze der Verfolgten, 
ao bei den Crriechen, Körnern ( Virgil. Aen. 
n SS3 n. 573; Tib¥Ü, IT IS, 23), wie bei 
den Hebräern (Exod. 21, 13; I Kon. 1, 50; 
2, 28; Deut. 4. 43; Jos. 20, 7 u. s. w.). 

Das A. de« JfIdiMhen, sowie der heidni- 
schen Tempel ging auf die diristlichen Aber. 
Dazu kam, dass sich die Kirche ftberhaupt 
dar Klaaae der UnglfiokHohen und Yerfolg- 
ten gerne annahm. Das Concil von Sar- 
dica gebot den Bischöfen, diea aine cun- 
etatione et dubitatione zu tiinn. 8o lange 
die Kirehe verfolgt wurde, konnte von einem 
»taatlioh anerkannten A. für die chriHtlichen 
Tempel keine Kede sein. Das Concil von 
Orange (441), welches das A. mit der 
Heiligkeit des christüohen Tempels motivirt. 
indem es (c. 5) sagt: ,dieieuigeu, welche 
rar Kirche geflüchtel aind, dflrfen nieht 
ausgeliefert werden . «nndem müssen aus 
Ehrfurcht vor dem Orte beschützt und ver- 
dieidigt werden\ nennt gleichwol dies Recht 
ein altherkömmliches. Als die Kirche von 
der {Staatsgewalt anerkannt war, wurde auch 
daa A. staatlieheraeita anerkanni Der 
»chof Alexander von Ali x indrien flfich- 
tete sich in die Kirche vor den Altar, ab 
er den Arina in die 



aufnehmen sollte {Rvßu H. e. I, c. 12); 
Oleiches that in ahnlicher Lage Ambro- 
sius (Rtifin. 1, c. II, c. 16), und er erläu- 
terte st inc Absicht, indem er an seine Schwe- 
ster M a r 0 e 1 Ii n ft schrieb (Ej). V i : .icfi 
werde die Altäre uielit umfassen, um für 
mein Leben zu flehen, sondern ich will 
mich lieber für die Altäre opfern.* Der- 
selbe Heilige erzählt von einem Mädchen, 
das, von seinen Eltern zur Heirat gedrangt, 
in die Kirclie gcHohen sei (Amhros. de virg. 
I in tine). Da.s .Nämliche berichtet der hl. 
Gregor vo» Nagian» in ähnlichem Betreff 
von einer "Wittwc fOr. 43) und YOn seiner 
öchw^ester Gorgonia (Or. 8). 

Selbst die arianiachen Gothen achteten 
das A. der Kirchen, als sie 410 Rom stürm- 
ten und eroberten {Auguatiti. de Civ. Dei 
I, c. 1, 2; OrosAtf Hiat adr. Pagan. VII, 
c. 39), nicht aber die anderen Häretiker, 
Augustinus berichtet (contra Cresc. Donat. 
IIL c. 43), dass die Cirenmcelllonen den 
an den Altar der Kirche geflüchteten Bi- 
schof Maximinianus nicht schonten, sondern 
ergriffen und halbtodt misshandelten. Aehn- 
liches berichten Optittus v. Mäeve (de schism. 
Donat. VI, c. 1 ; II, c 1«) und BiuiUut d. 
Gr. (Serm. in s. (Jordium). 

Durch die Constitutionen der christlichen 
Kaiser vrurde tlas A. der Kirchen unerkannt, 
bald jedoch verengert, bald erweitert. Theo- 
dosins d. Or. sclilesa von der Asylbereeli» 
tigung aus die Steuerverweigerer, Hono« 
riu8 und Arcadius die Juden, welche, 
um sich einer Zahlnngsplieht zu entziehen, 
in die Kirchen flüchteten. lustinian die 
Mörder, Ehebrecher und Jungfraueuräuber 
(CW. T%90ä. l. IV nnd Cod. %gtin. L TI). 
Durch die Kaiser Theodosius und Va- 
lentinian wurde das A. Mgar auf die 
TorbSfe mid Kebengebii^ der Kirehen 
und die sie umgebenden FiiedliSfe ausge- 
dehnt (Cor/. lust. l \), 

Wie strenge die Kirehe das Recht der 
Tempel als Asyle wahrte, ersieht man dar- 
aus, dass die Concilien zu Orange (541 
c. 21), Lerida (c. 8) und Toledo (c. 10) 
die Excommunication Aber diejenigen aus- 
sprachen, welche zur Kirche geflüchtete 
Menschen durch List oder Gewalt hinweg- 
brSchten. Desshalb unterfing sich auch Be- 
iisar, der von der Kaiserin Theodora be- 
auftragt war, den Papst Silverius ge- 
fangen zu nehmen, nicht, denselben in der 
Kirche der hl. Martyrin Sabina zu ergreifen, 
sondern er Hess ihn durch seinen Solm 
Photis in seinen Palast locken. Vgl. Voigi 
Thvsia-steriologia sive de altaribus vet. christ., 
Hamb. 1709, bes. c. XVII; Hel/recht Ab- 
haadlniig tob d. Asylen, Hof 1801; SdMd 
Der ehnstL Altar, Begensb. 1871. mObs. 

ATEAEIA AEirorPTlKH. s. Lnmamtit. 



Digitized by Google 



102 



Athei — Auferstehung. 



ATHEIy 8. Spottnamen. 
ATBIVH und AULB, s. Baeilika. 
AUDIENTES) 8. Kateeharaenftt 

AUFERSTEHUNG des Fleisches ist 
die HenteUnng des gestorbenen Menschon- 
Icibe« zum Leben und zur Oomeinschaft 
mit der Seele, so das« die urH|trünf»liolie 
Lebenseinheit zwi8<*hen Körper und (icist 
wieder erneuert wird. Die A. «Ics Fleisches 
ist eine der wichtigsten und uuterseUeiden- 
den Lehren des Ohristenthon» (I Kor. 15, 
13: vf^'I. I'hil. 10; I Thess, t. 11). Da 
die »Sünde es ist, welche den leiblichen Tod 
bevnrkt hat (KSnu 5, 12), ao j?eh5rt die 
Wiederbentelhmgun^^ertw /edallenon Leibes 
lur Int^ritlt dss Erlüsuujy;»werke8 (I Kor. 
15, 54). Wenige Lehren dee GhrMetttiinnn 
wurden aber mit so viel Widerwillen und 
Spott aufgenommen aIb diese (Act. 17, 52). 
^oe genns quaestionum,' sa^ der hl. Au- 
(justhi (Ep. 102 in »juaest. VI de lona n. 
30), ,muito cachinno a paganis graviter 
hriflum animadverrt,' Viele Stellen der 
Kirchenviii 1 I m fii>^i n sie Ii «hirum mit der 
Auscinanderset/unf,' dit-ser Lehre und den 
sie bekämpfenden Ansichten der Heiden. 
So Äthenatjoras (de Resurrect. c. 4), Ter- 
tuUian (de Resurrect. c. 3 ; de oanie Christ, 
c. 15; Apolog. c. 48), Irenaeus (udv. Ilaer. 
V, c. 3), Minucius FeUx (Octav. c. 11). 
Hippohft (adv. Oraccos c. 22), Ci/HU von 
Jei-usaUm (Catoch. XVlll, c. 1 1 ; II, e. 58): 
Auguttmus (Enchirid. c. 88). 

Die unter (i«'n schreeklich-^ten Leiden und 
furchtbarsten Bedrünguiascn der feindlich 

Swinnton heidniBeheB R^j^iemng seufitende 
eerde (Christi faml in dem Glauben an die 
A. und die Ausgleichung nach dem Tode 
rächen Troet. /VtTeit entfernt daher, die 
Qualen und ESntbebnuigen, die ihnen droh- 
ten, vor Augen zu stellen, gefielen sie sich 
vielmehr darin, das Grab mit firenndliehen 
Symbolen zu umgel>en* (liamd Rochette Ca- 
tac. 164). Daher bilden die so oft wieder- 
kehrenden Symbole und T^pen der A. den 
Hauptinhalt der altchristlidien aepaleralen 
Kunst. 

Als Sinnbilder der A. begegnen uns 
in der altchristlichen Gräbersymbolik der 
Baum, der Adler, der Pfau, der Phönix, 
das Ei (s. die lietr. Art.». Typen der A. 
waren Job, L/erhiel. Daniel in der Löwen- 

f:rul>e, die drei Jünglinge im FeuenifVn. die 
linimeli'ahrt des Elias und der von den 
Todten wiedererweckte Lazarus. Vgl. die 
betr. Art. 

Die Heiden hielten es für unmöglich, dass 
ein Terwesener, in Tansende Ton Atomen 
zerfallener, von Thioron gefressener oder 
vom Feuer zerstörter Leib >»icder aufer- 
stehen könne. Oesshalb Terbrannteii die 



Heiden die Körper der Lyoner (und ande- 
rer) Märtyrer und streuten die As<-he in die 
Rhdne, um letzteren die Möglichkeit der 
A. zu benehmen. Von diesem heidnischen 
Wahne waren selbst manche Christen be- 
einflusst. Daher die Furcht mancher Mär- 
tyrer (nicht vor Qualen und dem Tode als 
solchem, semdern) vor dem Feuertode , wie 
sie z. H. die hhl. .Montaiius und Lucius u. 
a. zeigten: daher die Furcht vor Verlu^t 
einzelner Glieder des Leibes oder vor Weg- 
nahme einzelner Gebeine aus dem Grabe; 
daher die innigen Bitten und die fürchter- 
lichen Verwüiiscliungen auf einzelnen Epi- 
taphien für die, welche die Grabesruhe stö- 
ren oder die Oebmne zerstreuen. Ueber die- 
sen nur andeutungsweise gegebenen Punkt 
vgl. ,KathoUk' 1870, üd5— 702; 1875, 395 
bis 406; L« BUmi Un argnment oontre le 
dogme de la resurrect. und in der RevitB 
archeol. Nouv. sörie 1874, sept.; Naaa. 
Annalen Bd. XIV, Heft. 2. ifüins. 

AUFEBSTEHUNO des Herrn ist die 
Besiegelung der Wahrheit seiner Lehre, der 
klarste Beweis seiner Gottheit (I Kor. 15). 
Dennwh ist die A. Christi weniger in der 
altchristlichen Kunst zur Darstellung ge- 
kommen. Die Erklärung liegt in der That> 
sa(>he. dass die altchristliclie Kunst einen 
vorwie^'end symbolischen und allego- 
ris( iien Charakter hatte. Selbst dann 
noch, als man es wagte, Christi (Geburt, 
Leiden und) A. darzustellen, componirte 
man diese Begebenheiten nur mit scheuer 
Ehrfurcht nu hr andeutungsweise, für jeden 
Gläubigen leicht verständlich, aber den pro- 
fanen Blieken der ,1anemden* {Tnftdmm) 
Heiilenwelt unversfäiullich. Zuerst waren 
es typische Personen des A. Test., in 
deren Geschichte man die A. Ohrnti vor- 
gebildet fand. Da die Geschichte des Pro- 
pheten Jonas (s. d. A.) vom Herrn selbst 
als Typus seiner A. htngestellt wurde (Matth. 
12. 'V.»), so nimmt sie unter allen Gegen- 
ständen aus dem A. Test, auf den Bildern 
der Fresken, Sarkophage, Lampen, Qold- 
ghlser, Epitaphe den ersten Platz ein (vgl. 
Marfi(fnij 397 ; Kraus R. S. 243, 2. A. 280). 
Ein anderes, jedoch selten zur Darstellung 
gekommenes Vorbild der A. des Herrn ist 
der Patriarch Joseph (s. d. A.). Vgl. 
Kraua löiU 2. A. 287; Martigmj 'i\id. Ein 
drittes, im christlichen Alterthum sehr sel- 
teues (vgl. M<nti<tii>i 710), dagegen im 
Frühmittelalter häutiges Vorbild der A. und 
mehr noch der Bd^iung der vor Christus 
gestorbenen Gerechten aus der Vorhölle ist 
Samson, der die Thore von Gaza trägt 
(s. d. A.). 

Als christliche Künstler, jedoch kaum vor 
dem 3. Jahrh.. es wagten, die A. Christi 
selbst damuteuen, da war die Composition 



AuferstohuDg. 



103 



noch eine mehr symboKachc und andeutungs- 
weise als deutliche. Anfangs zeichnete der 
christliche Künstler neben ein, meistens mit 

D 

Edelsteinen geziertes Monogramm - 



(Perret V, pl. 1), oder ein von einem Mono- 
gramm ^ ^ (das von einem Lorbeerkranze 

umgeben ist) überragtes Kreuz (Le Bhint 
I 303, 304; Gioryw de Monogr. Chr. 10) 
zwei Soldaten, die, gestützt auf ihre Schilde, 
aufrecht stehen. Der Bildhauer des Fig. 47 
abgebildeten Sarkophages im Lateranmuseum 
(4. oder 5. Jahrh.) ging einen Schritt weiter: 
dxis Mittelfeld dieses Sarges (Kraus R. S. 
2. A. 3>n; Piper Ev. Kai. 1857, 45) wird 
von der A. Christi eingenommen. Drei wich- 
tige Momente au« der Oeschichte dos Er- 
lösers sind darin dargestellt. Man sieht ein 
sog. lateinisches Kreuz, hinweisend auf Chri- 
sti Erlösungstod. Zum Kreuze gehören auch 
die beiden Köpfe oberhalb der Säulen, wel- 



Sarkophag von Soissons (MahiUon Annal. 
8. Ben. 1 022) und einer von Arles (Millin 
Voyage I 547, pl. (j5*). In etwas abwei- 




T\^. ii. OelBifchrhen in Moni». 

chender Weise ist Kreuzigung und A. dar- 
gestellt auf dem Fig. 48 abgebildeten, 
durch Gregor d. Gr. der Königin Theo- 




T\f. 47. 8«rkoph«g im L«t«ranan«enBi. 



che Sonne und Mond (a, d, A.) bezeichnen 
und in der altchristlichen und frühmittel- 
alterlichen Zeit als Sinnbilder der trauern- 
den Natur vorkommen. Vgl. Münz Arch. 
B. 175; Piptr M)th. 12, 137. Ueber dem 
Kreuze hält ein Adler (als Symbol der A.) 

das Monogramm das von einem Kranze 

(dem Sinnbildo der ewigen Belohnung) um- 
geben ist. Auf den Kreuzesbalken sitzen 
zwei Tauben (als Sinnbilder der durch Christi 
Tod erlösten und jetzt an der ewigen Be- 
lohnung participirenden Seelen). Das er- 
höhte Monogramm weist wol nach Phil. 2, 9 
auf die Erhöhung Christi im Himmel hin 
(vgl. auch Pattliu. Epist. XXII ad Sever. 
c. 12 u. 14). Unter dem Kreuze sitzen zwei 
Wächter, der eine schlafend auf seinen 
Schild gestützt, der andere wachend und 
in die Höhe schauend, nachdenkend über 
da« stattgehabte Wunder der A. Die an- 
deren Felder des Sarkophage« bieten Sce- 
nen aus der Leidensgeschichte. Ziemlich 
genaue Uebereinstimmung mit dem A.sbildo 
des eben besprochenen Sarges zeigt ein 



delinde gesandten , zu Monza bewahrten 
Oelfläschchen. — Wieder einen Schritt wei- 
ter geht die Composition auf einem Sarko- 
phage aus dem vaticanischen Coemeterium 
{Bosio 79; Aringhi I 311; Bottari I, tav, 
XXX). In obiger Darstellung soll die thurm- 
artige Wohnung mit dem halbkreisförmig 
überdeckten Eingang das Grab Christi vor- 
stellen. Anstatt der (verscheuchten) Wäch- 
ter erscheinen auf der einen Seite die das 
Grab beschauenden Marieen (Matth. 28, 1) 
und auf der andern Seite der Herr seibat, 
vor dem jene anbetend nieilersinken. Bot- 
tari I 118 deutet die Composition auf die 
Scene aus der Auferweckung des Lazarus, 
wo die beiden Schwestern den Herrn bitten, 
ihren verstorbenen Bruder zu erwecken. 
Doch mit Unrecht. Ein Grab in der Krypta 
von S. Maximin (sepulcrum sculptum, Gre- 
gor t on Tours de Olor. confess. c. 36) zeigt 
den Heiland an der Oeffnung des Grabes 
und seine Hand zum Zeichen der Anrede 
gegen die beiden Soldaten (der eine mit 
Schild, der andere mit Lanze) ausstreckend. 

Die unten abgebildete Auferstehungsscene 
auf einem Sarkophage in S. Celso in Mailand 



104 



AnUmmekiiacen — Aureol». 




Tig 49. SarkopliAf aut 8. Oli-u in Mailand. 

(Bugati MeuL di S. Celso 242, tav. 1) lüsst 
anf der daen dee thnnnSImlielien lee- 
ren Grabes den Engel und die beiden oben 
zum Grabe gekommenen Marieen sehen. 
Die eine der Frauen mit gesenktem Haupte 
zeifjt mit der Rcrhten auf die vor dem 
(rralH' Heftenden Leintüclier (.Inh. 20, 5), 
währeiul die andere zum Kugel einporrtchaut 
(Matth. 28, ö). Auf der andern Seite, je- 
doch mehr im llinter^unde, ist nebst einem 
andern Apostel der ungläubige Thomas zu 
sehen, der mit dem Finger dm Seitenwnnde 
Christi berührt. 

Ein Ton dem oben erwälmten verschie- 
nes OelfllBchelien der Theodelinde zeigt den 
auferstandenen TTrilfiiid in seiner Verklä- 
rung, von einer lichten Wolke umschattet, 
in einem Oarten, wie er der Magdidena er- 
scheint (s. Abbildung Mozzoni VII 79). Diese 
Darstellung der A. Christi bildet den Uobor- 
gang zu den mittelalterlichen und modernen 
Ctompoeitioiien. Hü»« 

AUFBBWECKinfQEN von Todten, abge- 
sehen Ton derjenigen des Herrn selbst und 
des Lazarus, sind eungemal auf altchrist- 

Kchen Sarko- 
phagen darge- 
stellt. So auf 
einem Fig. 50 
wiedergegebe- 
nen Sarge von 
S. Maximin bei 
IfOIAilfididelA 
France pl. Hfi', 
wo die Blutflüs- 
sige , die den 
Saum des Horm 
berührt (s.d. A.), 
der Synaffogen- 
TOTitehcr, wel- 
cher den Herrn 
um Heilung sei- 
ner Tochter an- 
fleht (Matth. 9, 



18), und Christaa, die Hand nach dem tod- 
ten Mädchen ausstreckend und es aufrich- 
tend, dargestellt ist. Andere sQdgallische 
Sarkophage geben die Auferweckung der 
Tabithii durch Pi^trus (s. Tabitha). Auf 
einem römischen iäarkophag {Aririghi II 191, 
ed. CoIm n 3W Rom.; Bottari III, tav. 195> 
sieht man eine bartlose Oestalf , Avelehe in 
der Rechten den Stab ausstreckt; vor ihr 
liegt ein nackter Knabe todt, ein anderer 
hat sich schon aufgerichtet. Ariurjhi p-lmibt 
hier die Auferweckung dee Sohnes der VVittwe 
durch Elisaeus bez. SGm za sehen, wihrend 
Bottari Christus erkennt, de55.sen verschie- 
dene Todtenerweckungen hier angedeutet 
sind.. Der bartlose jugendliche Kopf allein 
schon beweift die RiehtiglEeit letzterer Er- 
klärung. KBAÜ»^ 

AUdlTBIIIM, 8. Wahrsagerei. 

ArKEOLA tmd Nimbus in der christ- 
lichen Kunst wollen einerseits das Ueber- 
natOrEehe im luUflrHchen Mensehen, die 

Macht des Geistes im Leiblichen, andern- 
theils die Herrlichkeit, welche die Heiligen 
im Himmel umgicbt, ausdrBöken. Die erste 
Ausstrahlung des göttlichen Lichtes, das 
den Leib ülterHukti' und über ihn hinaue- 
strahltc, erwähnt üii8 A. Test. II Mos. 34, 
29 in dem strahlenden Antlitz des Moees, 
als er aus Gottes Nähe vom Sinai herab- 
kam. Bei der Verklärunfi aui Tabor (Matth. 
17, Luc. 9) war die ganze Person Jesu von 
(Uanz umflossen (t-x ijxaTia fiuxoZ i^evsto 
Afcuxä 0»« TO (pöic). Das Antlitz des Moses 
war nimbttiartig, die Person des Heilandes 
glorien- oder aiireolartif? verklärt. Wäh- 
rend nämlich der eigentliche Nimbus (s. 
d. A.), wenn aach in Tersehiedener Qo- 
staltung, nur das Haupt umj^iebt, umfliOMl 
der Glanz der Aureola (auch gloria. So?«» 
Schild, im Mittehater mandorla, Fisch, ve- 
sica, piscis, Osterei genannt) die j^anze F" 



gut. Die Benennungen 




gloria und o^a 
sind biblisch 
(Luc. 9, 30—32: 

adtoü; Joh. 1, 
14: vidimus glo- 
riani eins : vp:l. 
11, 40); die iie- 
zeichung A., 
ebenfalls bi- 
blisch (II Mos. 
25, 25—80; III 
:i7, 27), kommt 
von der GK)ld- 
forbe, mit der 
die Aureole dar- 
f^estellt wurde. 
DerNaraeSchild 
(scutiun) ist dem 
Leben des hl. 



Digitized by Google 



Awnni pMnorain, trlooBUmm — Badnutreleh. 



105 



AmbroBiuB von seinem Diakon Paul in n« 

entlehnt, der den Heiligen in einem Strahlon> 

?lanze sah: cum quadraj^pflimum tertium 
'aalmum dictaret, me et excipiente et vi- 
dente, subito in modum scuti brevis, i^^nis 
Caput eius ooporuit. Die Erklärung der 
tlldem Ausdrücke : maudorla, vesica, piscis, 
Fiieh, Osterei, erst im liittelalter aufge- 
kommen, also jenseits iinspn>r Orenzen lie- 
gend, findet man bei Kreuser Kirchenbau 
I 551 n. A. 

Währrnil der Nimbus nach und nach 
Terschiedeaen Wesen beigegeben wurde, 
bHeb die Aureole hau|)tBle!i6eh den Per* 
»oiien der hl. Dreifaltigkeit, oder Christo 
in den verächiedcnsten Situationen seines 
Lebena, oder dem .Te^ukinde mit seiner Mut- 
ter vorbehalten. Di»- Aureole, später als 
der Ninihus nat hwcishar. hat sich au» dem 
Strahleanimbus entwickelt, der Anfangs das 
Haupt, epSter die ganze Gestalt umgab. 
Auf einem von Garrucci (Civilti eattolica 
Ser. V, vol. I 692) veröfifentlichten Frag- 
BMite eines Goldglases (s. d. A.) sieht man 
Christus mir einem solchen Strahlrnnimbus, 
neben ihm Maria und Jesaias. [Ueber den 
Untenebied Ton A., Ton Krans und tob 
Nimbus s. noch Tf. Wackernagel Kleine 
Schriften I 3HS f., A. K.] mCnz. 

AUBUM PAXNOSl M, TIROMCUM u. s. f., 
bestimmte Abgaben der römischen Kaiser- 
wit, TOD denen ein Theil des Klerus z. Z. 
frei war : vj;!. Bimjham lib. V, c. 3 (II 237, 
242) ; PseuUo-Äuy. Quaest. vet et nov. Test, 
c. 75. ISn Oesefai Ckmttantine nalmi Ton 
erstercn wenip^tens die Copiaten (s. d. A.) 
aus: Cod. Theodos. lib. XVI. tit. U de 
epiie. et deric leg. 8 und XUI. tit. I de 
hntraK ooH. le^. 1. 

AVSSCHLIESSUlfO tod der Kirche, s. 
BtcommumeatioB. 

AUSSCHLIESSÜNG von der Taufe. Die 
alte Kirche kannte keine bedingungslose A. 
von der Taufe. Dagegen waren im Allge- 
meinen Tom Empfange dieses Sacramentes 

alle diejenigen ausgeschlos^icn, welche schon 
das römische Kecht als infames vom Bürger- 
recht und allen Ehrenstellen ausschloss (vgl. 
AHijustin. de Civ. Dei II 14), selbstverständ- 
lich, so lange sie ihre Lebensart und ihr 



Gewerbe nkdit loderten {Cme. BUb. e. 62: 
ut priua artibus suis rcnuntient, et tunc 
demum soscipiantur, ita ut ultcrius non re- 
Tortantur. Quod si facere contra interdi- 
ctum tentaverint, proiciantur ab ecclesia. 
Vgl. Couc. Cartfi. III 35). Zu dieser Ka- 
tegorie gehörten nun 1 ) die Schauspieler 
und Pantomimen (s. d. A.); 2) die Hand- 
werker und Künstler, welche Götzenbilder 
u. dgl. fertigten (t^tokortom, Const. apost.) 
oder mit Amuleten (s. d. A.) Handel trie- 
ben (Ti'ftuU. de idol. c. 11; adv. Hermog. 
c. 7; de spectac. c. 22); 3) die bei Qladia^ 
toren* und Cirensspielen Hitwirkenden : Wa- 
geiiUnkcr fs. d. A.). Fechter, Faustkampfer 
u. 8. f. (Const. apost. Vlil 32; Conc. Ard. 
I 4; Hieronym. Vit HllarU c. 13); 4) die 
Wahrsager (s. d. A.) und Astrologen (s. d, 
A.); 5) öffentliche Dirnen, Kuppler u. dgl. 

Unentschieden ist bei Binyham IV 233 
und Augusti Hdb. II 360, ob auch im Com- 
cubinat und Polygamie Lebende ausgeschlos- 
sen waren : es kann dies indess keinem Zwei- 
fel unterliegen, da überhaupt öffentliehee 
Aergerniss vom Fmpfang der Sacmmente 
ausschloss. Dagegen kann man weder aus 
den apoBtol. Ccnii^tutionen noeh aus Cone. 
Nicaen. c. 12 auf A. der Soldaten schliesscn. 
Letzterer Kanon bezog sich nur auf die 
Thennabme an dem Knegsdienste unter Li' 
cinius, der sieh als ofliciellen Vorkämpfer 
des Heidenthums hin-jestellt hatte (vgl. He- 
fele Tüb. theolog. Quartalschr. 1841, 386; 
Conefliengesch. 2. A. I 416); erstere spre- 
chen nur von Soldaten, welche sich Ge- 
waltthaten, Erpressungen u. s. f. zu Schul- 
den koomomi lassen. nuus. 

ATTOKEOAAOI« s. htiftikou 

AYTOX£IPIA, s. Selbstrerstfliiimelung. 

ABI02, s. Biscboftwahl, Zurufe bei der- 
selben. 

AZ¥MII£K (di;u{&tTai), Spottname, welchen 
die Orieebm den Lateinern wegen des Oe- 
brauches des ungesäuerten Bredes bei der 
Eucharistie gaben ; wohingegen die Lateiner 
' sich an den Griechen mit dem Spottnamen 
' fermmtarü, fmiimtaeü rSehteiL Yg^. Iht- 
! catifje i. v. 

AZYMON) s. Eucharistie, Elemente der> 

I selben. 



B. 

BACKKTOTSBIGR. Aurem rellere, Je- 1 Horat. Satir. IX 74). Bei den Orientalen, 
manden am Ohre zupfen, hatte bei den den Hebräern (II Mos. 21, 5: v^jl. V Mos. 
alten Griechen und Römern die Bedeutung 15, 16), Lydiern {Xettophon Auabasis III, 
ton Jemuiden an etwas erinneni (Vergä. o. 31) und Chaldiem (luvenaL Satir. 1 104) 
Belog. VI S; PHn, Eist nat. XI, c. 45; ksm, ebenfalls als Zeichen der Brimernng, 



Digitized by Google 



106 



BmvU. 



die Durchbohrung des Ohrläppchens mit 
eüitni l'frienicn vor. Die Sitte des Ohr- 
supfens kannten auch die alten liajuva- 
ren (Lex Raiuvar. 15, 2: !(!, 5), während 
andere germanische Stämme ein niiiulcr 
sanftes Mittel, die Erinnerung /u wecken, 
den B. hatten ( n>ih/:ind Capituhiria Ht'g. 
franc. I 45 ; Heiimcius filemeuta iur. Germ. 
1 425; Grimm DeutMhe RmhtMitorth. 545). 
B.e wurden gegeben bei liürgerlichen Ge- 
schäften, bei Aufnahme von Soldaten in 
den Dienst, bei BpfmBaUenjTrauungen u. s. w. 
Vgl. Nassau. Aniutlen IX 341; KaUiolik 
18Gy, 1 34. 

Bei einer kirchlichen Handlung hat sich 
der B, bis heute erhalten, bei der Firmung, 
und seine Bedeutung entspricht ganz dein 
Wesen dieses Sacramentes als Aufnalime 
anter die miUtes Dei oder Christi (vgl. Ci/- 
riü ron J> rus. Catech. nivst. XX ; Ti-t tttll. 
de Orat. c. H>; ad Martyr. c. 3; Ruinart 
Act. mart. cd. Rat. III, adiquat dem Aus- 
drucke des Apnsfels II Tim. 2, 3 — ö ; I Kor. 
15t ^^'^ geistlicher Kitterschlag. 

Der B. bei der Firmmig ist ein Rest alt- 
germanisoher Sitte und kommt vor dem 
lü. Jahrh. nicht vor. Alte Ritualien, die 
Siter sind als das 10. Jahrb., kennen den 
B. bei der Firmong nicht; dagegen wird 
er in den Ritual» und Pontiücal-Büchern 
des 12. und 13. Jahrh. als schon lange 
fiblich erwähnt. Berti de theol. discipl. 
XXXII, 0. 10 citirt zwei Pontificalien aus 
der Bibliotlieca angelica zu Rom aus dem 
12. und 13. Jahrh.. welche den Ritus des 
B.es als einen schon lange In'stehenden be- 
zeichnen. Auf dieselben Codices beruft sich 
Mmtsi Suppl. Concil. TV 84 in seinen No> 
ten ad Synod. Diamperit. 

Der B. als jenseits der altchristlichen 
Zeit bitte fügtieh in unserer Real-Encyklo- 
pädie ülier^'angen wenlen kfinnen , wenn 
nicht Manche noch dem Vorgänge von Äg- 
$emmH Cod. Hhmrg. TT! 28 den B. ms dem 
altchristlichen osculum pacis entstandeil win 
Hessen. ,Alapa in origine erat osculum pa- 
cis, quod honcstatis ratione habita ad femi- 
nae per levem niaaiis contactum in genis 
coepit dari et sonsini cnnsideniri ut signum, 
quo chrismate perun«'ti tenacius memoria 
teneant se sacramentum rccepisso, vel ut 
meniinerint, se tamquam fortes athletas pa- 
ratos esse ad omuia pro Christo toleranda.' 
Die Entrtehung und Bedeatung des B.es hat 
kon und prägnant der gegen Ende des 
15. Jahrh. gestorbene Bischof Clatui Mag- 
ma Ton I^MÜa in seinw Hietoria de gent. 
•eptentr. SIV, c. 9 aumesprochen. müxz. 

BICUU. Unter den für die alte Kirche 

und deren Gottesdienst (liturgische Feier) 
geltenden Bestimmungen treffen wir unter 
andern auch diese: ^dum evangelium legi- 



tur, baculi de manibus deponuntur.* Diese 
Vorschrift findet sich ausser dem Ord. Rom. 
noch öfter, z. B. bei Ilonor. Augnstod. Gem. 
anini. I 24; Ainafttr. de off. eccl. III 1^; 
Miir/i-Hi' de antiq. eccl. rit. I, c. 4, urt. 5 
citirt. Darüber, was die Stöcke (B.) in 
den Händen der dem Gottesdienste beiwoh- 
nenden Gläubigen zu bedeuten haben, wur- 
den yereehiedene Anrichten lant Sinnr^eh, 
aber nidit liistorisch begründet sind die my- 
stischen Erklärungen, welche diesen Stöcken 
geradezu eine gewisse allgemeine litnry^he 
Bedeutung lieilegen. Einige dicker IiiTer- 
pretatoren glaubten, die alten Christen hat* 
ten diese B. zur liturgischen Feier mi^e- 
braoht, weil deren kreuzwei.se geformter 
Handgriff an das Kreuz des Erlösers er- 
innere; Andere meinten, dass die Gläubi- 
gen mit Stöcken in der Hand bei der Feiet 
des unblutigen Opfers des Lammes Gotte« 
erschienen, um in veredelter Weise den 
Ritus einzubauen , der den aus Aegypten 
ziehenden Israeliti-n für den Genuss ihres 
Usterlammes vorgeschrieben war: ,teneutes 
baei^os in manibus . . . oomedetis festinan- 
t(>r: est enim Pha.se (id est transitus) Do- 
mini' (Exod. 12, 11). Das Richtige scheint 
uns zu sein, den Gebrauch der B. auf einen 
rein physischen Grund zurückzuführen. Be- 
kanntlich nahm die Liturgie der altchrist- 
lichen Kirche eine lange Zeit in Anspruch ; 
da nun zu jener Zeit die stehende Stellung 
beim Ciebete nicht uiiirewölmlich, an Sonn- 
tagen und während der fünfzig Tage zwi- 
schen Ostern und Pfingsten zur Erinnoning 
an die Auferstehung Jesu geradezu geI>o- 
ten war, so wurde den Personen, welchen 
das lange Stehen beschwerlich fallen musste, 
namentlich kränklichen und altersschwachen 
Personen, gestattet, sich auf B. zu stützen. 
In dem ETangelran aber erkannte man ,den 
Heiland selbst in seiner gei<ti:T«Mi Hinter- 
lassenschaft' und sollte darum der evangc- 
fisdieB Lesung die grSsste fShrerbietung er^ 
wiesen werden. Das Evangelium mirde da- 
her durchweg stehend angehört, um dadurch 
den schnellen, bereitwilligen Gehorsam, der 
Lehre des Evangeliums zu folgen, anzu- 
detiten. Zeugniss dieser Ehrfurcht und die- 
ses (Jehorsiims sollte auch die Verleugnung 
der He(juemlichkeit in der Benützung der 
B. sein. Die Sitte, die Stöcke während des 
Evangeliums bei !:k;ite zu legen, findet sich 
noch im 8., ja im 12. Jahrh. ; denn Amala- 
n'iis schreibt : .usrpie ad istud officium baculi.s 
sustentabamur ; modo ut oportet servos ante 
Dominum stare, humiliter stamus, deponen- 
tes baculos e manibus.' So auch llihlrfiertus: 
,inde sinistrorsum Domini sacra verba le- 
guntur, plebs baenlos ponit, stat retegitqae 
Caput.* S. Binterim Denkw. IV 3, S. 338. 
(Ucber baculus episcopi s. d. A. Bischofs- 
stab.) KKt^LL. 



Dlgitized by Google 



Bäder. 



107 



BIBER. Zu Anfang des Chrintenthunis 
waren die öffentlichen B. Orte der unsin- 
nigsten Schwelgerei und des wahnsinnigsten 
Gmuases. Je häufiger sie waren, gab 
es ja in Italien dorfarti^,''' Orte, «Ii»' mrlir 
als eine für Geld zu beiiüt/a'iulc IJailcaii- 
slalt hatten (Plin. cjjp. II 17) - , um so 
mehr trugen sie zur Erstickung alles S< lmm- 
gefühls bei, indem Frauen nieht ullein sich 
TOn männlichen Sklaven im Bade be<lierien 
Hessen {hw. Snt. VI 422; Cletu. Ahr. V^'d. 
ni 5). sondern auch mit Männern gumuin- 
Mbaftlich badeten (Plin. H. N. 33, 12; 
(lern. Ah\r. 1. c). Wenn aufh einige Kai- 
ser letzteres verboten hatten {Spart, llud. 
18; Capit. Ant. Phikw. 23; Lampr. Alex. 
Sev. 24), so wuido es gleicliwol wieder ge- 
stattet und durch ihr Beispiel bestätigt 
{Lampr. 1. e. nnd Heliofifab. 31). Wie all- 
ffeniein die Verführun;,' }i;^e\vorden, wie sehr 
die lasterhafte Sitte um sich gegriffen hatte, 
kann man daraus ermessen, dass um die 
Mitte des 3. Jahrh. seihst christliche Jung- 
frauen sich nicht scheuten, gemeinsame B. 
zu besuchen (s, Cijpr. de hab. vir^. c. 19). 

Sehern wegen dieses argen Missurauches, 
dann auch im Interesse der Frage über- 
haupt verdient die christliche Praxis der 
hflidniichen Unsitte gegenfiber in kurzer 
Besprechung berücksichtigt zu werden. Be- 
ginnen wir mit dem Hinweis auf die dies- 
bezügliche Handlungsweise einiger Christen 
aus dem frühesten Alterthum. Vom hl. Ja- 
kobus, dem J^ruder des iierrn', wird her- 
vorgehobeiif dan er sieh nie mit Oel salbte, 
nocli je ein Bad nahm (IIr;/es. ap. Euseb, 
H. e. II 23; s. Euiph. Uaeros. 78, n. 13; 
s. ÜMT. de Tir. Ol. e. 2). Dasselbe bezeugt 
Epiphanitis (Tlaeres. 30, n. 24) vom hl. Jo- 
hannes, doch mit dem Zusätze, das» derselbe 
einmal ^ne Ausnahme gemaeht habe. Von 
den Mönchen des 4. Jahrh. wird berichtet, 
dass sehr viele von ihnen nie ein Bad nah- 
men {Epiph. expos. fid. c. 23), und von der 
hl. Demetrias, dass sie sehr selten und zwar 
nur aus Gesundheitsrücksichten badj'te, aber 
stets bekleidet mit einer Tunii-a, in der 
Ueberzeugung, sich selbst diese ehrfurchts- 
volle Rücksicht schuldig zu sein (I'nl/aii. 
vit. 8. loan. Chrys. c. 17). AngcsichtJi sol- 
dier Vorgänge ist es nicht zu verwundern, 
wenn wir die eine oder andere Stimme ge- 
gen den Gebrauch der B. vernehmen. Der 
hl. Huronymus räth einer Wittwe (ep. 79 
ad Salv. ed. Migne I 530), ebenso einem 
Mönche das Baden ab (ep. 125 ad Kust. 
L e. 107, 5; efir. Äug, t^. ad serr. Dei 
n. 9), dann überhaupt jeder erwachsenen 
Jungfrau, ,die aus Schamgefühl sich selbst 
nieht nackt sehen darf (ep. 107 ad Laet. 
L c. >*7(;). 

Verrathen auch die angeführten Beispiele 
md die Bathsehlage, die einaelnen Peno- 



nen, zunächst denen, die nach höherer VoH« 
kommenheit stn-bten, gegeben wurden, eine 
Missbilligung des Radens, so ist doch nie 
von der Kirche « in Vcrhut der B. ausge- 
gangen. Auch d» r Apostel Johannes nach 
des hl. In/Kicus Kr/.äliluri;; des bekannten 
Vorfalls mit ('.Tinth (adv. Ilaer. III 3. 4) 
scheint eher öfter als zufiillig nur einmal 
^ das öffentliche Bad zu Ephesus besuclit zu 
! haben. Selbst der als Rigorist bekannte 
Ti ) fiil/iaii berichtet im All^^eim inen von den 
Christen, dass dieselben mit iieideu zusam- 
menwohnten ,nieht ohne den Gebranch des 
Forums, nicht ohne den Fleischniarkt. iiii lit 
ohne die B.\ und von sich insbesondere: 
,ich bade mieh an den Satnmalien (d. i 
um Neujahr) nieht während der Morgen- 
dämmerung, um nicht den Tag mit der 
Naeht zu verlieren; jedooh bade ich zu 
einer Stunde, wo es anständig und der Ge- 
sundheit zuträglich ist, wo ich meine Le- 
bens- und Blutwärme behatte; denn starr 
und bleich nach dem Bade sein, las kann 
ich als Todter geniessen* (Apol. c. 42). 
Nur mit Rücksicht auf die Gesundheit, sei 
es des Leibes, sei es der Seele, ging dem- 
nach der Christ ins Bad. lieber den Tod 
s^'iner Jlutter au.sser sich vor Schmerz, kam 
der hl. Augustin auf den Einfall, zu baden, 
weil er gehört hatte, ,da.Hs die Griechen 
das Bad desshalb [ia>vaveiov genannt hätten, 
weil es die Traurigkeit ans dem Heraen 
verscheuche' iConfess. IX 12). 

War sonach das Baden im Allgemeinen 
nieht Terbolen, so finden wir es doeh firOh- 
zeitig in einzelnen Fällen eingeschränkt. 
Bei ötieutiichen Calamitäten {Tert. 1. c. c. 
40), wihrend der Bussseit (Tert. de poenit. 

c. 11; Ci/pr. de laps. c. .'50), die vierzigw 
tägigen Fasten hindurch (Aug. ep. Ö4 ad 
lan. n. 5. t. II 205; efr. Tert. ie ieion. c. 1), 
dann auch die ersten acht Tage nach Em- 
pfang der Taufe (Tei l, de cor. c. 3) pflegte 
man sich des Badens zu enthalten. Diese 
Eünschr&nknngcn hatten offenbar auch den 
Zweck, die christliche Zucht beim Baden 
desto leichter durchzuführen und stets in 
Erinnerung zu halten. Denn es versteht 
sich von .selbst, dass die Kirche gleich an- 
fangs auf Kntlernung all' der furchtbaren 
I Exce.sse, denen man sich in den B.n über- 
lie.ss, bei ihren A n;,'ehörigen aufs Strengste 
j drang. Die apostoliscljcn Constitutionen ver- 
I bieten einer glaubigen Frau den Besuch 
der den beiden Geschlechtem gemeinschaft- 
ihchen Badeanstalten (1 9). Nach Clemens 
\wm Ahaeandrim (Paed. III 9) mXÜ nan 
beim Baden sich nie der Hülfe eines An- 
dern bedienen, vielmehr stets allein sein und 
wie fiberall so auch dort tn Gesellschaft und 
Vereinigung mit dem .Logos' stehen. Ka- 
men trotz dieser und ähnlicher Warnungen 
Missbriuehe vor, so fehlte es nie an emst- 



uü by Google 



108 



Bahrea. 



lifhcr Hü;:»'. .Solrli ein Rad,' schrieb Cij- 
oHan an Jungfrauen, die ffemeinaamc B. 
benfitsten , ^iritoeht nieht so und reinigt 
nicht die rJlitMh'r, sondern heflockt sie . . . 
Ein Schauspiel machst da aus dem Bade; 
der Ort, wonin du kmmmt, Irt selilndBeliei' 
ab ein Theater. Alle Schanilmftigkeif wird 
dort aasgezogen, mit dem Ueberwurf des 
Gewändes zugleich die Ehre des Körpers 
vaA die Zucht ab^^ele^'t . . . Erwäge doch, 
ob eine solche, welche durch freche Blosse 
zur Schamlosigkeit fortffeschritten ist, unter 
Männern schamhaft sei, auch wenn tie on- 
gekleidet ist' (de hnh. virg. 10). 

Vielen Heiden war es nicht entgangen, 
dass auch bei ihnen ursprunglieh «e gute 
Sitte nicht so tief gesunken war. dass na- 
mentlich Frauen vor dem letzten Jahrhun- 
dert der Bepnblik nie ein öffentliches Bad 
besuchten, und seihst in der Kniser/.eit nur 
auf Kosten ihres guten liufeä {^i^uint. Inst. 
V 9) mit Ißbinem gemeinflohafllieih baden 
konnten, dass ferner erwachsene Kind'-r nie 
mit ihren Eltern in demsellien Bade zu- 
Munmenlmmen {AwhroB. de off. minist. T 19, 
ti. 79). Dies Bewusstsein, das sich olme 
Zweii'ei bei manchen Heiden erhalten hatte 
(cfr. 8m$c, ep. 86), moaste die Kirebenvor- 
■teber Teranlinen, selbst schon zur Wah- 
rung der Ehre des Christenthums, allen 
Ausschreitungen, deren sich seine Bekenner 
in den B.n konnten zu Schulden kommen 
lassen, möglichst vorzubeugen. Untröstlich 
war in der That der hl. Cyprian über 
,cinige berQchtigtc und Ternbschmnngswür- 
dige Oespräche', die aus Anla.is von H.n 
über die Jungfrauen in Schwung kamen, 
weil so ,die Ehre der Enthaltsamkeit, die 
Herrlichkeit und Würde der Schamhaftig- 
keit'' in Gefahr geriethen (1- <*• 20). Wie 
hier, so trat auch in dicsbezüglit hen 83mo- 
dalbeschlüssen die Rücksicht , die man auf 
Heiden zu nehmen hatte, in sehr markirter 
Weise benror. So bestinrnta e. 30 der Sy- 
node von Laodicea : .die höheren und nie- 
dereren Kleriker und Asceten, überhaupt 
kein Christ, aneb kein Laie darf in einem 
und demselben Bade mit WeibspersoTn ii -iich 
baden. Denn dies ist der grösste Vorwort 
(rpwTTj xaTctf toste) bei den Heiden* (Hiorrf. 
I 786), Diesen Kanon wiederholte die trul- 
lanische Synode c. 177, ebenso Gratian Dist. 
81, c. 28. In diesem Bestreben ging auch 
der Staat, nachdem er christlich geworden 
war, mit der Kirche Hand in Hnnd; u. a. 
galt da» gemeinschaftliche Baden der Frauen 
mit Hianem in der lustinianisclien Oesetz- 
sammlung als hinreichender Orund zur Sen- j 
dung eines Scheidehriefes (1. 11. § 2. c. V j 
17; Nov. 22, HJ. § 1). I 

Seit der christlichen Kaiserzoit wurde es 
gleichfalls Sitte, in der Nähe der HoMiliken i 
theili fEür die Bedfirflnne dea Klenia, theib j 



für andere, licsonders kirchliche Zwecke, 
Badeanstalten zu errichten (Em, Vit. Const. 
TV 59; (ferner Hist. «eel. X 4, Kiidie lu 
Tvrus; raHlin. Kj). XII 31; Natal. 9, 10. 
Eine Inschrift bei Beines, 1001, n. 442 oon- 
statirt die Exiitemc sokher B. bei 8. Paolo 
f. 1. m. Eine Abbildung liturgischer B. 
giebt eine Miniatur von S. Paolo in Neapel 
(Paeiaudi de sacr. Christ. Balneis 58, tav. 2): 
man sieht da drei Kleriker, jeden mit sei- 
nem bnlneator zur Seite. Vgl. die )»ei- 
stehende Abbildung. K.J). Dies Beispiel 




rif. ftl. Mlataiw am Pwtio ia »Mp«L 

ahmten auch die Päpste nach, und gedenkt 
das Pontificalbuch sehr häufig (z, B. Ed. 
Migne I 1019; 11 45:i, 1185 etc.) der von 
ihnen theil« wiederhergestellten, theils neu 
angelegten B. Der Erwähnung dieser ge- 
meinnützigen Thätigkeit der Päpste lassen 
vnr zum Schluss deren Ansicht über das 
Baden flberhanpt in einem karren Satae 
folgen, den wir der Antwort Nikolaus' I 
auf eine von den Bulgaren an ihn gestellte 
Anfrage entlehnen. ,AaB8innliehh»it,* heiiet 
es , ,ist das Baden nie , aus Nothdurft für 
den Körper ist es allzeit erlaubt' (Reep. 
Nie. ad eonsnit. Balg. e. 6). Pimis. 

BAUBEM (feretra). Da die Leichen in 
altchrnffiefaer Zeit meist zu <}rab getra- 
gen wurden (obgleich auch Beispide TOT- 
kommen, wo sie gefahren wurden: oorpns 
in Uroto yebens, Stern» Aei 88. 12. Mai), 
muss die Anwendung von B. unterstellt 
werden, obgleich deren erst spät positire 
Erwähnung geschieht. Vgl. Isidor. XVIII 
1 9. Bs kcanmen dafür die t. ^opt'ov, lectica, 
feretrwn vor: Serr. u. Isidor. XX 11: fe- 
retrum, locus ubi mortui feruntur. Aus 
dem apfttem MA. hat Dimmge i. V. die 
Stellen gesammelt. Eine Inschrift bei Qnt- 
ter 607. 

in der altr9iiiiBeheD litnr^ die in einer 



9 

Dlgitlzed by Google 



Baxovn^ — BwUlkm. 



100 



Gelasianischen Handschrift des 5. Jabrh. er- 
halten ist, hoisst es: mefflbru ex fcretro 
depositis (Muratori Liturg. rom. vet. 749 
bis 751). Wir wissen nicht, wie es die 
Christen liinrichtUch des bei den Heiden 
beliehton Luxus der hohen Paradobt'tten 
(lectus, lectica) hielten, auf denen die Lei- 
eben zu Grabe getragen wurden. Bekannt- 
lich wurdo bei diesen auch zuweilen der 
Todte in einem verschlossenen Sarge (ca- 
pnliifl) «of oder tnnerliBlb der Bahre xmn 
Scheiterhaufen j^fführt, und auf dem Sarfjo 
war dann der Verstorbene durch ein {)la- 
stiaehes PortritbUd (bekleidete Holzpuppe 
mit ^^achslarve) dargestellt. Es ist höclist 
wahrscheinlich, dass diese Bitte bei den 
Christen keine Nachahmung gefunden hat. 
— Ueber die bei heidnischen Processionen 
üblichen Trag-B. (fercula) s. Otto Jahn 
Berichte der Sachs. Gesellsch. d. WW. XU 
313. nuuB. 

BAKAMTIBOI, a. YacantiTi. 

BAIITIZEIN, BAimZOMENOI, BAIITIS. 
M0£. 8. T^mfe. 

BAPnSTEBIENy a. Tknlkurehen. 

BABTTBieKir, a. Haaitraeht. 

BASniCA AÜBBA heiaat bei Or^. M. 

Epist. II in Praof., Ana.stas. Vit. s. Silvestri 
u. 8. f. die Basilica Salvatoris im Lateran, 
venDaiUich wegen ihrer groaaen Pracht 
(a. nnteo). 

BASmCA ECCUBSUE, 3al(>.•y^, sc. raY), 
bcisftt bei Griechen, z. B. AUarci, aber auch 
bei Lateinern (Ann, Bened. Saec. IV 288: 
rex itaque gaudens ecclesiae Basiiicam in- 
trat, ebenso eb. Saec. V 98) das Haupt- 
portal der Kirche. Indessen ist l)ish(!r kein 
Bele;; dafür beigebracht worden, dass diese 
Bez< it hriung bis ina chriaUiche Alterthnm 
hinaut reicht. 

BASILIDUAEB, a. Abraxas und Gno- 
itiker. 

BASILIKA. L Name. B. zur Bezeich- 
nung ohriitlicher Kirchen kommt seit An- 
fang des 4. Jahrh. auf. Bis dahin ist dir 
gewöhnliche Bezeichnung der gottesdienst- 
Bohen Ranine Bethaua (oTxoc itpomwtn^- 
pto;, -poTEuxTr'pt'jv) , dann •/'jptox'vv , flonu'ni- 
cum , ecämüf conventiculum. Die von Fa- 
errichteten Coemeterialkirdien 1mw> 
in dem ältesten Bericht fahricuc pn- 
totnäMtria {Catal. Ldberian.) und werden 
in der Zeit des P. InKua hanlieM genannt 
fK. S. I 117). Am frühesten tritt der Aus- 
druck uns in Africa entgegen, und zwar 
amiehst nnr zur Bezeichnung der innerhalb 
der Stadt gelegenen Bethäuser, nicht der 
Coemeterialgebäude , welche hier oonatant 



cellae, tnemoriae martyrum heissen. Die 
wichtigste Urkunde in dieser Hinaieht und 
die Acta purgationis Felicis .\ptungitani 
im Anhang zu Optat. ed. Dupin 162 if. und 
die Acta pnrgationia Oaeeiliaiii eb. 170 ff. 
In jenen heisst es : et Zama et Funiis di- 
rui basilicas et uri scripturas vidi, wofür 
ab gleichbedentend gleieh darauf ateht: 
locus uhi orationes oelehrare ronsueti fue- 
rant. Weiter heisst es da: epistulas salu- 
tatoriaa de baailica protalit ete. Aosdrflek- 
lirh ist davon unterschieden die area, uhi 
orationes faciunt (das Coemeterium) ; und 
daa auf der area martyrnm sa Ohrte be- 
findlicho Gebäude heisst in den Act. pulg. 
Caecil. nicht baailica, sondern cella maior. 
Der t. ,B.'^ wird dann von den Schriftstel- 
lern, welche die Zerstörung der christlichen 
ßethäuser in den Tagen Diocletians be- 
richten, noch nicht angewendet: Lactuntius, 
Amobius, Eusebius sprechen da nur von 
conventinda , ecclesiae , domi , olxoi :rpo9- 
euxTi^pioi, euxtijfxo (. Wie neu die Be- 
adeknang noch nin 333 war, zeigt die Aeusse- 
rung des Pilgers von Bordeaux , der B. 
mit domiuicam umschreibt: ibi (lüerusti- 
lem) modo iussu Constantini imp. basilica 
facta est, id (^M «Inniinieum mirae pulchri- 
tudinis (Itin. ilierusul. cd. Parihey et Fitt' 
der 280). Um diese Zeit gehraaeht dann 
Constantin den Ausdruck in s. Briefe an 
B. Makarius von Jerusaleni, wo der Ban 
jener B. angeordnet wird (Eitt. Tite Const. 
III .'H). Optat US de schism. Don. II 4 be- 
zeichnet mit demselben dann die in Kom 
TOT Diodetian bestehenden Bethanaer: qna- 
dmginte et quod cxcurrit basilicas, womit 
er aber sowol die städtischen Titel als die 
Coemeterialgebäude meint (R. S. I 203, III 
4(!n). Von da ab wird der t. sehr ge- 
bräuchlich; er findet sich seit Mitte des 
4. Jahrh. bei den Kirchenvätern (Ambro- 
aioa, Angnst., Hieron., Optatus, Gaudentius 
u. 8. f.) und in den Martyracten (Act. M. 
SS. Saturnini, Fei. et Dativi, Ruinart § 1, 
Vincentü eb. § 12, Quirini eb. § 5), und 
zwar nicht bloss für die grösseren Kirchen 
oder gar ausschliesslich , wie Zestermunn 
glaubte, für solche mit mehrscbilTiger An- 
lage und nherliöhtem Mittelschiff, sondern, 
wie Uarrucci (Bull. arch. Napol. II, 1, 3Gff.; 
vgl. MinerpM eb. 16) nnd de Bossi (R. S. 
III 4f?(0 narhjxewiesen haben, auch für 
kleinere, eiuschiii'ige Bauten und namentlich 
aneh fSr die Goemelerialbanten. Letzteres 
erhellt z. B. aus Hieron. Kp. ad Tielind, 
ed. Vallarsi I 338: basilicas ecclesiae et 
martymm eonetliabnla diversia floribns et 
arhorum eornis vitiumque pampinis (Nepo- 
tianus) adumbravit; femer aus der von 
Garrued a. a. O. beleuchteten Grabaefarifl 
de« kleinen C. Nonius Flavianus, in der 
es heiaat: baailica a parentibua adquiaite 



.UÜ Ly 



oogle 



contootiKiuo est. Gerade für Grabldrchen 
hat 8icb diese Bezeichnung lange, beson- 
dors in (Jallicn, orhalten ; man nannte sie 
hier üasUkulne: Atitus Ep. <i, ebenso Lex 
SaUea tik 68, § 34, 5; vgl. Cittmpini Yett. 
^lon. T War ja auoli in dor [n-ofniicn 

Architektur der Kömer der t. B. keines- 
wegB auf die forensbehen Praehtbanten be- 
Bchriinkt, sondern wurde derselbe auch auf 
Hallen und Säulengänge der verachiedensten 
Galtnng angewandt: thennas cum portiei- 
bus <'t basilieis, sacellum adieotis biiMilicis 
(Promis Yocabuli lat. etc. in Mem. della 
R. AccAd. di Torino, 11% ». t. XXVIII 41). 
Man sprach daher von Weinbagilikon u. 
dgl. , in Britannien kommt eine basilica 
equestris exercitatoria vor {HtVnie^r C. J. 
L. VII 965; OrelU-IInizm n. «73«)- I^«"" 
Namen H. für die Prarlit-bnuten Roms, die 
erweiterten Tlioro (s. u.l, ;?laubto hid. Hi- 
tptU» Orif». XV, 4, 11 (lalii r leiten zu miis- 
Beil| dass sie rlunlcni Königswohnungen 
(regnm lial»itacula) gewesen: ,nunc auteni 
ideo divina templa basilicae nominantur, 
quia rr^'i ihi (minium Deo rnltii^ ot »acri- 
tiiia otleruntur.' Diese Herleitung ist nun 
freilich unhaltbar; die Bezeichnung der 
rhristliclici) Kin bo mit '^izO.txr, (sc. oTxo;) 
weist unzweileihaft auf die römiBche B. 
(forensis) znrfick, womit ürefliefa über das 
Verhältniss dor einen «ur andern noch 
nichts entschieden ist. Für die Bezeichnung 
der Bafliltca foremis (sie kommt seit Plau- 
tus, Varro, Cicero unzähligeraal vor), und 
die Frage, ob sie mit der Königshalle in 
Athen zusammenhange, muss hier AxitZester- 
mami Die ant. und d. ehr. Basiliken 1 10 f. 
verwiesen werden , wo nachgewiosfn ist, 
dass dem Worte im Munde der RönuT nur 
der Begriff ,herrlich, prächtig, ausgezeich- 
net' innewohntp und dass die römische B. 
nicht griechischen Ursprungs ist. 

II. Ursprung der christlichen Ba- 
silika. Die gemeine Ansicht der Kunstfor- 
Bcher ging in älterer und neuerer Zeit dahin, 
dass die christliche B. einfiieh aus der foren- 
sischen B. der Hcimer hervor{;e<^an<»en sei. 
Der älteste Sc hriftsteller, welcher da» Thema 
behandelt hat, der AreUtekt Leom BeOtitta 
Alh.rti ft 1472», hält in ss. De re aedifi- 
catoria 11. X, ed. Florent. 1485, antike und 
ehristliche Basiliken fttr tdenttsch. Diese 
Anschauung beherrschte im Wesentlichen 
die Darstellungen bis ld47: so sehen Pal- 
ladio (i quattro libri di Archit., Venet. 1570). 
Pompeo Sarnelli fAntica Basilicographia, 
Nap. 1686). Ciampini (Vett. Mon., Rom. 
1690, irad de Aedif. Const. M., Rom. 1693), 
Sichler (Entst. d. ehr. Kunst etc., Almanach 
a. Rom I, Lpz. 1810), Büsching (Auf. d. 
ehr. Kunst des MA., Kunstbl. 1824, n". 49), 
Hirt (Oeseh. d. Baak. b. d. Alten, BerUn 
1821), Seraux d'Agituourt (Uist. de Tart 



par les Mon., Par. 1823 ff.), Platner und 
Bitmm fBeschr. Roms, 1830 ff.), Augttttif 
Franz Kmfhr (d. röm. Basilikenbau, Kunstbl. 
1842 { Hdb. d. Kü.. ätuttg. 1842 u. ö.>, 
Quast (d. B. d. Alten, Berl. 1845), Kitt- 
kel (Gesch. d. c]jr. K., Bonn 1845), Dunsen 
(d. Basiliken d. ehr. Rom, München 1842), 
Cmtma (Rio. aull* Arehit., Rom. 1843), Ag. 
Viifnitim' de BasiKchc sante di Roma, 1845), 
(iuUhabaud (Denkm. d. Bauk., deutsche 
Ausg. 1844), Hoffstadt (Goth. ABC, Prkf. 
1845) die Sache an. 

In eine ganz neue Phase trat die Frage, 
als Aug. Christ. Ad. ZmUrmann (f 1869) 
im J. 1847 zum erstenmal die antiken und 
altchristlichen Hasiiiken einer sorgfältigen 
Untersuchung unter/.o;,' (de Basilicis libri 
tres, deutsch: die antiken und d. christL 
Basiliken, Lpz. 1847), deren Resultat er 
dahin zusammenfassto : ,die antiken Basi- 
liken waren Erzeugnis-se des römischen Gei- 
stes, und nach dem hauptsiii lilichstcn Zwecke, 
dem sie dienten, ihre Form vou dem römi- 
schen Forum, das sie fOr Kaufleute ersetzen 
sollten, entlehnt. Sie blieben unberührt vom 
christlichen Geiste, auch nach der Einfüh- 
rung dea Ohristenthums ihrem ursprüng- 
lichen Zwecke gewidmet uml sind nicht in 
christliche Basiliken verwandelt worden. Viel» 
mehr schuf sieh der ehristliebe CkHst fBr 
die Bedflrfnisse seines Cultus, der als eine 
neue Erseheinung in die Welt eintrat, eine 
neue entsprechende Stätte, die man darum 
B. nannte, weil sie durch den Porticus der 
Hoitenräume und durch den über dieselben 
sich erhebenden bedeckten Mittelraum eine 
Aehnlichkeit mit den Basiliken der Alten 
hatte. Sonach muss man ebensowol den 
heidnischen wie den christlichen Römern 
nachrühmen , dass beide Theile für ihre 
grossartigen Zwecke sich Gebäude schufen, 
deren Formen nicht erborg, sondern aus 
dem klaren Bewusstsein emes bestimmten 
Zwei-kes hervorireiranfren waren' IS. 171 f.). 
Zestermanns .Auf'strdUingen blieben nicht 
ohne scharfen Widerspruch (L. Urlichs Die 
Apsis der alten Basiliken, Oreifsw. 1848; 
* . (^uast Ueber Form, Einrichtung und Aus- 
schmückung der ältesten ehristl. Kirehen, 
Berl. 1853). IL im: IliUxrh fd. Archit. und 
ihr Verhältniss zur heutigen Malerei und 
St'ulptur, Stuttg. 1847) stimmte ihm m und 
ebenso später ein anderer .Vrchitokt. O. Mo- 
ihes (d. BasUikenform bei den Christen d. 
ersten Jabrh., 2. A.,'Lpz. 1869), mit der 
Modification , dass er die altchristliche B. 
rücksichtlich ihrer Kaumdispoeition aus dem 
Bedürfnisse der christlichen Gemeinde und 
des christlichen Gottesdienstes hervorgewach- 
sen annimmt, während sie ihrer Construo- 
tion nach an die vorhandene Technik, wie 
dem Stil nach an die vorhandene Form- 
gebung sich angeschlossen habe. Die Mehr^ 



uü by Google 



BMÜIkiu 



III 



zahl dvr Kunstforscher verhielt sich den 
Zei«tennanii*8chen Ausführungon g«><?onühor 
mehr oder weniger ahlchiiond : so KiKjler 
(in der Aufl. b. KG. von 1Ö5<»), Ä. Rosen- 
garten (Archit. Stilarten, Braun«chw. 1857), 
ir. Lühky (Gesch. d. Archit.. 2. A. 1858), 
James Fergusson (III. Handbook of Arehit., 
Lond. 1859), Ldtzotc (Meistonr. d. IQrchen- 
bauk., Lpz. 18fi2), E. Forster (Vors. li. d. 
Kanstgesch., 1862), vf 'ahrend. Springer (Hdb. 
d. Kmutgesch., Stuttg. 1856, 120) ein non 
liquct sprach , nachdem er in 8. liaukunst 
de« ehr. MA., Bonn 1854, 33, ziemlich ent- 
■ehieden gegen Zestennann Pltriei ergriffen. 
Kreuser^ der sich in s. Christi. Kirchenbau, 
Bonn 1851, ganz auf Zcstermanns Seite go- 
tteilt, ging gar auf den judischen Tempel 
imd auf ägyptische Bauten als Vorbild un- 
serer Basiliken zurück, indem er sich auf 
eine von Hanebery nachgewiesene Stelle des 
Tafannd bezog, in welcher die grosso Juden- 
pynafjoge zu Diospolis M. hcisst (Hin Wort 
über den Urftpruiio; der ß. , in den Mitth. 
der k. k. Centralconimission 1859, April, 
und Christ. Kin honbau , 2. A. 1800; ahn- 
lich , Wiederum christl. Kirohenbau', 1868). 
Naehdem namentlich Uriichs a. a. O. und 
Fh-ini/i (Kunstbl. 1848, 19 f.) eine Reihe 
der Zestermann'schen Aufatellungeu im Ein- 
zelnen widerlegt, unternahm es Jo». AhL 
Missmer rr('!)cr den I'rsprunj^, die Ent 
Wicklung und Bedeutung der B. in der 
ehristl. Baukunst, Lpz. 1854), den Zusaai- 
meilhang der altchristlichen mit der foren- 
Mo B. wieder herzustellen« 

Ein drittes Stadium unserer Controyerse 
wird durch eine zweite Schrift Messmers 
und die fjwt gleichzeitige von H7ZA. U'ein- 
yärtner (Ursprung und Entwicklung des 
christl. Kirchengebäudes, Lpz. 1858) be- 
zeichnet. Indem Letzterer die Entwicklung 
der Gemeinde von ihren frühesten Anfiin- 
wen fWfolgte, gelangte »t <ia/u, in dem 
Innern des Hauses den ScIidoss dieser Ent- 
faltung zu sehen und hier vorzugsweise den 
Raum zu suchen, in welchem in der Zeit 
TOT Constantin die gottesdienstlichen Ver- 
aanimlungen gehalten wurden. Als diesen 
Raum sah dann Weingärtner den Saal des 
romischen Pala.stes. speziell den sog. ägyp- 
tischen Saal an, weichen VUruvius VI, 3,9 
den flhnlieh* nannte. Ffir die 

weitere Entwioklunfj der christlichen Kirclic 
aus diesem ,äg^ti8chon' Saale nimmt or 
dann Einflfine des jfidisehen und heidni- 
schen Tempels an und findet einmal in der 
DreithcUung des erstem, dann in den For- 
men des griechischen Hypäthraltempels un- 
sere B. ▼oUkommen vorgebildet. Messmer, 
welcher um dieselbe Zeit die nämliche Un- 
tersuchung anstellte, kam, unabhängig von 
jenem, eoen&lb za dem Ergebniss, dass 
der Unprang omerer ehristUchen Kirche 



in der rOmisehen Donms zu suchen sei, er 
griff aber glücklicher denn Wf hujiiiiMrf 
indem er, worauf ja auch schon der Name 
hinwies, die Privat-B., den von Vilruv VI, 
5, 2 gleichfalls erwähnten Haopt- und 
Prachtsaal der Paläste römischer Orossen 
in der Kaiserzeit als das Vorbild der B. 
hinstellte (Veber den Vrspr. d. ehristl. B., 
in r. Quast und Offrs Zeitschr. f. chrizti. 
Archäologie 1859, II 212 ff.). 

Den Ton Messmer eingeschlagenen Weg 
als den richtigen erkennend , suchte RfhtT 
(Ueber die Urform der römischen B., in 
den Mitth. der k. k. Centralcommission 1869, 
U 35) das Verhältniss der romischen Pri- 
vat-B. mit der forcnsen näher festzustellen. 
In seiner Abhandlung, die neben der zwei- 
ten Messmer'schen dax Gediegenste ist, was 
in neuerer Zeit üher Basiliken geschrieben 
wurde, gelangte er zu dem Resultat, dass 
die Privat-B. der Kaiserzeit die Urfonn der 
römischen B. , nämlich diejenifre. wie sie 
die Basilica Porcia darstellte (Oblongura mit 
Säulenstellungen ringsum im Innern, dop- 
peltfjeschossif^en Abseiten, apsidaler .\us- 
beugung, Vorhalle nach dem Forum zu), 
im Ghinzen ffetren bewahrt, wibrend die 
Basilii'ii f<n-ensis sich Meit von derselben ent- 
fernt habe j dass demnach die christUche B., 
indena sie nicht an die forense B. der Kai- 
serzeit, sondern an die Privat-B. anknüpft, 
der Urform der römischen B. viel näher 
steht, als die Basilica forensis der Kaiserzeit. 
Diesen Standpunkt reproducirt denn auch 
Stockbauer (D. christl. Kiruhcnbau in den 
ersten teclis Jahrb., Regensb. 1874), wäh- 
rend J. Paul Richter (Christi. Architektur 
und Pla-ttik, Jena 1872) immer noch meinte, 
,trotz gründlichster Untersuchung sei es bis 
jetzt noch nicht gelungen , schlagend zu 
widerlegen, dass die christliche B. aus d(>r 
heidnischen Gerichtshalle hervorgegangen 
sei' (S. 5), eine Ansicht, die sich denn 1877 
bei C. Brockhauti (Art. Baukunst: in Real- 
Encykl. f. protest. Theologie und Kirche, 
2. A. IP 135 ff.) wiederholt, während Jos. 
Biirkhardt (de origine Basiliearnm christ. 
Comment., Hai. Sax. 1875) im Wesentlichen 
auf den Zestennann*selini Standpunkt zu- 
rückkehrt. Das Dictionary of Chri'^t. Antifj. 
überseht die ganze Frage mit Stillschweigen. 

Bei der in Deutsehland geführten Oon- 
rniverse über die Kntsfcliuni: der H. war 
von den Denkmälern der Katakomben voll- 
ständig abgesehen worden. Auf sie als auf 
eine weitere Quelle für die Erweiterung un- 
serer Kenntnias dieses Gegenstandes haben 
denn Martigny (Dict. des Antiq. , 1. Aufl. 
S. 77 ff.; 2. A. S. 88 f.) und F, X. Kratts 
H). christl. Kunst in ihren frühesten An- 
langen, Lpz. 1872. 151 f.) hingewiesen. Es 
wurde geltend gemacht, dass die in den 
Basiliken auftretende, aus dem Bedürfniss 



uü by Google 



112 



BasUikA. 



des Cultus erwachsende Raumvertheihlllg 
bereits in den sog. Katakombenkirchen (den 
zu gottesdienstlichen Zwecken dienenden 
grosseren Cubicula) sich finde, und dass 
weiter die von Marohi und de RosKi aufge- 
deckten, über der Erde ^'oliauten Coenie- 
terialbasiliken einfacho Doppcltjuadrate mit 
dreifacher absidalor Ausl)('u;?uiif^ das Solicma 
der unterirdischen Kirchen wiederholten und 
einen üebergang zu den Basiliken darzu- 
stellen srh einen. Endlich grifiF /. P. Itic fiter 
(Der Urspr. d. abendländ. Kirchengebäude, 
nach neuen Entdeckungen kriiiBoli erlSnterfc, 
Wien 1878) ebenfalls, aber in anderer Weise, 
auf die Katakomben zurück, indem er der 
Ansicht ist, man habe in der christlichen 
B. des 4. Jahrh. das Hemicyclium der Ora- 
torien in der Campagna und die DispoHitio- 
nen des Arcosoliums ins Kiestuhafte über- 
tragen und den auf glcirho Proportionen 
gesteigerton S;iall)au der älteren Oemeinde- 
hauser damit in Verbindung gebracht. 

Nadi dieser Ueberdeiit der Litteratur un- 
.serer Frage IcSnnen wir zur Besprechung 
dieser selbst ftbei^hen. Eine erneute Un- 
tennehnng des gesammten einschlägigen 
Qucllenmatcrials und die Prüfunf^ der bis- 
her vorgelegten Hypothesen führt mich zur 
Anfttelrang nachstellender SSUxo: 

1) Die cb ristliche Gemeinde hatte 
TonAnfang an eigene gottesdienst- 
licheRäume. Zwar vergingen Jahre und 
selbst Jahrzehnte seit der Stiftung der Kirche, 
ehe sich die Christon vollständig im bürger- 
liehen und religiösen Lrbcn von den Juden 
trennten. Man ging vor wie nach noch in 
den Tempel zu Jeru.salem lieten (Luc. 24, 
53; Apg. 2, 46), hielt selbst i\jifang8 die 
vorgeschriebenen Glebetsstunden ein (Apg. 
3, 1): die Aposff 1 predigten vornehmlich 
in der Halle Salomons (eb. 3, 11; 5, 12) 
vnd wandton sich aof ihren Bekehrungs- 
reisen zunächst an ihre Stftnimesf^iMiossen in 
den Synagogen. Gleichwol musste von vorn- 
herein mh zugleich das BedflilfUas eigener 
Looale einstellen, zu welchen nur die Be- 
kenner des Evangehums Zutritt hatten. 
Man brauchte einen Raum für jenen ,Opfer- 
altar, von dem diejenigen nicht essen durf- 
ten, welche dem Zelte dienten' (Ifebr. 13, 10). 
Der vollständige Riss zwischen der Gemeinde 
und der Synago>,'i im letzten Viertel des 
1. Jahrh. trennte Juden und Christen auch 
für alle anderen Gebetsübungen. Wo fan- 
den diese, wo &nd das Opfer statt? 

21 Als g <i t f e s d i 0 n 8 1 1 i c h e Räume 
dienten den Christen in der vor- 
eonstaniinisehen Zeit nachweisbar 
die Oeei, die P r :i r Ii t s ii 1 e des römi- 
schen Hauses, und speziell die Ba- 
silika des römischen FriTatpalastes. 
Mfssrners ausgezeichnete (II.) Schrift hat 
diesen Satz in unwiderleglicher Weise be- 



I wiesen. Die Apostel kamen nach der Him- 
melfahrt des Herrn in dem .obern Speisesaale* 
zusammen (Apg. 1, 13; 2, 1. 42. 46). Sie 
versammelten sich, um das Brod zu b^rechen 
xat oTxov (2, 4G), von Haus zu Haus. Eben- 
so ausserhalb Jerusalems (Apg. 20, 9). In 
Ephesus wird das Haus Aquila's und Pri^ 
cilla's als Ort der Zusammenkunft erwähnt 
1(1 Kor. 16, 9). In Rom bezeichnet die 
I Tradition die Häuser des Senators Pudens, 
der hl. Caeeilia, der Matronen Eutrnj)ia, 
Lucina, Anastasia, dann dasjenige Aquiias 
und Priscina*s (R8m. 16, 5; s. d. A. Pn* 
dens und Prisca) als Orte der Ecclesia. 
Her Märtyrer lustinus drückt sich in seinem 
TeihSr raf die Frage des PrBfecton : quem 
in loenm Christiani convenirent, also vor- 
sichtig aus : eo unumquemque convenire quo 
vellet ac posset. An, inquit, existimas ora- 
nes nos in enmdem locum convenire solitos? 
Minime res ita se habet, quoniam Cliri- 
stianorura Dens loco non oircuinscribitur, 
sed, cum invisibilis sit, eaelum et terram 
impl<'t atque ubique a fidelibus adoratur et 
eins gloria collaudatur. Tunc praefectus: 
age, inquit, dieas, quem in kMsam conre- 
niatis et discipulos tuos congroges. Respon- 
dit lustinua: ego prope domum Martini 
cninsdam, ad rabieum cognomento Timio- 
tinum hactenus mansi. Teni autem in ur- 
bem Romam sccundo neque alium quem- 
piam locum, nisi quem dixi, cognosco. Ac 
ii quis ad me venire voloit, communicaTi 
cum illo veritatis dontrinam. So auswei- 
chend diese Antwort ist. lässt sie erkennen, 
da*i8 um jene Zeit mehrere Häuser den 
Zusammenkünften der Christen dienten. Das 
von lustiu erwähnte Bad bat man in Be- 
ziehung zu Timotheus, dem Sohne des Pu- 
dens, gebracht (s. d. A. Pudens). Eine 
solche Zusammenkunft beschreibt uns in 
seiner liöhnisehen Weise der Yerfoner des 
Dialof^s Pliilopatris . welchen der Zufall in 
einen Betsaal führte: ,er stieg in einem 
ihm mibekannten Hause eine Treppe hin» 
auf und trat in ein Zinnner mit Täfelwerk, 
wie das Haus des Menelaoe bei Homer. 
Doch habe er keine Helena drinnen gefun- 
den, sondern bloss abgehärmte Gestalten, 
die auf den Knieen lagen.' Der Haupt- 
gottesdienst mit Feier .des hl. (Opfers hat 
zweifelsohne auch vielfach im 4. utid 5. Jahrh. 
noch stattgefunden: ,domos Dei.' sagt da.s 
Cuncä. Gauynttae (a. 328), honoranms et 
eonventus qui in his fiont, tamquam san- 
ctos et utiles suscipimus , picfufcrn in j)ri- 
vatis domibus non claudeutes,* wogegen 
allerdings das Cme. Laodie. (a. 820) die 
Dnrbringung des Opfers durcli Bischöfe und 
Priester in den Häusern der Gläubigen 
nieht mehr für passend eraehtele. Solche 
Privat Oratorien, über welche de Rossi 
Bull. 1876, 38 f. zu vei^leichen ist, schei« 



Digitized by Google 



BuUikA. 



113 



nen die Bethäuser gewesen zu sein, welche 
im 18. Jahrh. bei B. Prisca in der Cosa dei 
Cornelii Pudenti (Bull. 18B7, 4H) und jüngst 
Mif dem Monte della Oiufltizia bei den Ther- 
men des Dioflotian HUilI. 1S7>*, 47) auf«;«'- 
deckt wurden. Abgesehen von scilohen klei- 
nevenBftmnegiwar esselbetverständiich, dasg 
man zu diesen gottesdienstlichen Versamm- 
lungen die grössten Säle nahm, und es er- 
gab ikb von selbst, dass die Häuser der 
reicheren (Jemeindemitglredcr /u P^cclesiae 
domesticae wurden. In solchen boten die 
^nclmieii oft sehr stattBebe Rftiune, wie 
dies aus den pompejanischen Denkmälern 
und aut FUn. H. ^. XXXVI 4 u. 5 her- 
▼orgebi Wie dieeelben bembalfen waren, 
beschreibt uns Vitno-. VI. S an einer 
für unserii UogenstAnd geradezu cUasigcbeu 
SteHe. ,Die korintbiflcben Sfile und die Tier- 
Sauligen und die sog. ägyptischen sollen 
Lingen- und Breitoverhältnisse haben, wie 
ne den Speisesälen im Allgemeinen zuge- 
theilt worden sind (nämlich die halbe Summe 
Ton Breite und Länge als Höhenmass), aber 
wegen der Zwischenstellung von Säulen 
nofinen si(> geräumiger angelegt werden. 
Zwischen den korinthischen und ägypfisclien 
Sälen ist aber der Unterschied dieser: die 
korinthischen haben einfache Säulen (d. h. 
nicht je zwei iilKTcinander ; Heber), entwe- 
der auf einen .Sockel oder auf den Boden 
gaatoUt, und darüber Architrav nnd Sims 
entAvcdfT von Holz oder Stui k : ausserdem 
eine nach der Zirkeiiinie gewölbte Decke. 
Bei den ftg3rpti8cben Sälen aber sind Aber 
die Säulen Architravo und von den Archi- 
traven zu deu Wänden horizontale Deck- 
balken zu legen und Uber das l>eekengetSfcl 
ein Pavinu nt, damit oben unter freiem Him- 
mel ein Umgang sei. Dann sind auf den 
ArehitraT in seda«ebter linie mit den un- 
teren Säulen andere zu stellen, die um ein 
Viertel kleiner sind, und über den Archi- 
tntven und Oebäikzierden der letzteren soll 
eine mit Lacunarien verzierte Decke nnd 
iwisehen den oberen Säulen sollen Fenster 
ani^bracht »ein; so sdieinen sie mit den 
Basiliken und nicht mit den Spt-isesälen 
Aehnlichkeit zu hal)en.* Es werden also 
hier ausser dem gewöluüichen viersäuligen, 
mit einheitlicher HorisontaMeeke versehenen 
Saale zwei Hauptgattunccen von Sälen un- 
terschieden: der korinthische gewölbte 
Saal und der ägyptische, der in mehrere 
ungleich hohe Bäume mit horizontaler Be- 
deckung gegliedert ist und dessen Eigenart 
tn dem eiiiohten nnd durch Seitenrenster 
beleuchteten Mittelnuini beruht hat. Aii-^ 
dem korinthischen äaale entwickelten sich, 
wie Rdttr bemericte, die KrenzgewSlbiäle 
der Thermen in der nachaugusteischen Zeit ; 
Tou dem septischen erklärt Vüruv, er gehe 
fest flbar am Gestalt das l^eisesaaleB inn- 



aus und gleiche mehr einer B. Man hat 

hier an die Privat-B. zu denken, welche der 
Autor in der Besprechung der verschiedenen 
Saalartcn nicht berücksichtigt, weil er da 
nur von der Einri<'litiini; des mittlem römi- 
schen Hauses spricht, das aiisser den Wohn- 
zimmern ein Tablinuni. Speisesäle, Exedren 
und etwa einen Gemäldesaal lirauche. Wo 
er dagegen von dem Haust* des römischen 
Oroflsen spricht, .da^ heisst es, ,8eien hohe 
Atrien, geräumi;:«' Säulenhöfe, Gartenan- 
lagen mit au;ägedehnten Promenaden, Bi> 
bhotheken, Oanäldesäle nnd Basiliken 
nothwendig. weil hier oft sow(d Staats- als 
Privatberathungen abgehalten und schieds- 
riebterKebe Erkenntnisse gef&nt würden* (s. 
Itther a. a. O. iö). Solcher Basiliken bc- 
sass z. B. die Villa der Gordiane drei, jede 
mit hundert Säulen {M. Capitol. Oord. 32), 
eine ebenfalls sehr prächtige wird im Pac 
last des Domitian erwähnt (FltUarck, PodL 
15). Himmymm äussert sidi Aber sohsne 
Bauten also: ubi (nämlich in Rom) instar 
palatii privatorum exstructae basilicae, ut 
vile corpusculum hominis pretiosius inam- 
bulet . . . (Ep. 18 ad Marcellam.) 

Dnss nun solche Privatbasiliken zum Oot- 
tewlienste verwendet wurden und als Eccle- 
siae mit dem (tebrauch auch in den Besits 
der Gemeinde übergingen, unterliegt keinem 
Zweifel. Wir besitzen dafür ganz positive 
Zeugnisse des Alterthums. Als das älteste 
derselben muss die F>zählung der in der 
ersten Hälfte des 3. Jahrh. entstandenen 
pseudoelementiniseben Reeognitionen 
flibr. X. ti. 71. ed. GaUand. Bibl. II 327) 
betrachtet werden, nach welcher in der 
apoatoKsehen Zeit dn reieber Bewohner von 
Antiochien, Theophilus, die grosse Ii. seines 
Hauses zur Kirche hergab (domus suae in- 
gentem basilicam ecciesiae nomine eonser- 
varet, \\\ <|ua Pctro apostolo constitutn est 
ab omni populo cathedra, et omnis multi« 
tudo cotidie ad audiendum yeibiim oonve* 
niens credebat sanctae doctrinae quam san- 
ctitatis efficacitas affirmabat). Dass die Re- 
eognitionen eine apokryphe Schrift sind, 
k(mimt hier nicht in Hftracht; der Verfas- 
ser beurkundet durch seine .\eu8serung 
thatsächlich, dass wenigstens in seiner Zeit 
die Umwandlung von Privatbasiliken in 
Kirchen stattfan<l. Ein solches Factum be- 
richtet dann Hieronymus (Epist. atl Ocea- 
num) hinsichtlich der B. im Palaste des 
Lateranus. Dies Haus, schon von luvcnal 
,aede8 egregiae Luteranorum' genannt, in 
dem R^ionar des Ruftas und Victor ange- 
führt. berühmt dadurch, dass Marc Aurel 
hier geboren und erzogen worden, wie auch 
seine Statue hier zum Vorschein kam, be- 
sä ss eine 15., welche zur Kirdic verwandelt 
wurde und in der mau eines Tages Fabiola 
untmr den Büssenden sah: ,tota urbe spe- 

8 



Digitized by Google 



lU 



BMiUk*. 



otentd Roniana/ sa^t //iVrowy ,anhi diem 
pascbiie in basilica quotidam Laterani, qui 
Caesariano truncatus est gladio, staret in 
ordine pooiiitcntiuin' Cv^l. Tctc. Ann. XI 30, 
3r,; XIII II; XV 49, 50). Die MutWr- 
kirche dos Abendliindos ontstand somit au« 
einer Haus-B. Kbenso stimme ich Mess- 
mer \w\ betr. der Stolle des Annnianns 
MarceUinm XXV II 3: et in concertatione 
snperavit Damasus (Ober Ursinus) . . . con- 
statqae in basilica Sicinini, ubi ritua Chri- 
stiani est conventiculunL, uno die CXXXVIl 
cadaTen peremptomm roperta {yf(\. Mei- 
mers Erörterung? der Stelle pogon Zi'sfrr- 
mann, in 8. IL Abh. 218). Aller Wahr- 
Msheinlichkeit nach ist atu dieeer BaMltea 
Sicinini die spätere Liberiana, jetzt S. Ma- 
ria maggiore entstanden (a. de Rossi Bull. 
1871, 19—21). Vermuthlich haben die be- 
reitg von Meamer S. 220 erwälmteii BaaUi- 
ken in Africa donseihen Ursprunjf aus einer 
Haus-B., so die des Fuustus (Comm. in XL. 
Serm. S. Auf^ust. Sirmonrl. I 343; Morcelli l 
Mr. Christ., Brix. 1817, II ad a. 303, 377, 
1 ; III 33), die Ba>tilica Celerinae, die Leou- 
tiana, Florentii, Gratiani, Theodosii, die B. 
bei Babour (Ifin. Atifofi. ed. Parthev et Fin- 
der 1848, 17; Wesseling 40; Tab. Peuting. 
Diadnmene; vgl. Shawweiaetn^ Lps. 1765, 
Taf 'V2), das Caesareum zu Alexandrien 
(basüica Caesarea). Epwh. Uaer. 69, u. 2 ; 
Socr. VIT 15; Amhrfn. Ep. 89 ad TneodoB. 

3) Die Oostalt d ieisr P r i v at ba s i- 
likennäherte sich yermuthlich der 
Urform der forensen B., wie sie 
dlePorcia ergiebt, ist indessen zu 
wenig festgestellt, um den sichern 
Schluss zu erlauben^ dass die christ- 
liehe B. der oonstantinischcn Zeit 
unmittelbar aus i Ii r e n t s t a n d (• n s e i. 
lieber hat in seiner verdienstvollen Abhand- 
lung, Mitth. der k. k. CentraloommiMion 
XIV 46 f.. die über die vier voraugustei- 
schen Basiliken Roms, die Porcia (185 v. 
Chr.), die Fnlria (Aemilia), die Bempronia 
und die (^pimia, spärlich erhaltenen Nach- 
richten zusammengestellt und den beträcht- 
lichen IJnterschied derselben von den fo- 
rensen Basiliken der Kaiserzeit nachgewie- 
sen. Die Poreia gewinnt darnach in seiner 
Reconakraction folgende Ücstalt: sie bildet 
ein mit der Schmalimto nach dem Forum 
an Hegendes Oltinngum, mit Vorhalle und 
apeidalen Ausbeugungen der dem Eingang 
entgegengesetzten Bdunalseite. Die Um- 
fassung besteht aus massivem Mauerwerk, 
da.s innere ist durch eine iSäulcnstcllung 
gegliedert, welche wieder einen oblongen 
Kaum UTiischliesst: in dieser Saulenreilie 
i8t die unmittelbar vor der Apsis stehende 
Sftole diejenige, welehe die Volkstribonen 
entfernt wissen wollten , was den Wider- 
spruch und das erste öffentliche Auftreten 



des Jüngern Cato hervorrief ( Vhtt. Cat. min. 5). 
In dem Plane der Volkstribunen findet lie- 
ber bereits jmen Fortsehritt ausgesprochen, 
den die christliche B. darstellt, die Unter« 
brechung der ringsum geführten Neben- 
räume zu Gunsten der Apsis, die Umbil- 
dung in die eigentliche Mehrschiffigkeit des 
Ganzen durch eine lediglich nach einer 
Kichtung ausgeführte Parallclglioderung. 

Rs ist nun bereits TOn StodlAouer a. a. 
O, 43 mit Hecht* hervorgehoben worden, 
dass, wenn man von den ältesten Kirchen 
rQckwärts schlietsen darf, die Yerbindiing 
der Mittf'lsi'liiffmauern bez. di'r(>ii Säulen- 
stellungen mit den Umfassungsmauern der 
▼ordern Frontseite nicht immer in der rm 
Ri/nr angenommenen Weise stattgefunden 
zu haben scheint, wenn nämlich die Apeis 
Aber die Fluchtlinien der mittleren Hillen- 
Stellungen hinausgriff. Stockbauer meint 
weiter, da« unter Constantin so markirt auf- 
tretende Querschiff weise auf eine ständige 
und lange Gewohnheit hin , vor der Apsia' 
sich eine die Kichtung der Langschiffe durch- 
schneidende Bauanlage zu denken. Beide 
Argumente sprechen mehr, als sich Stork- 
ham^r eingesteht, gegen die völlii^e Idcnti- 
iicirung der Privat-B. mit der Purcia, bez. 
gegen die voreilige Ableitung der ehrtst- 
lichen B. von jener. 

Nur eine in ihrer ehemaligen Gestalt mit 
Sicherheit nachgewiesene Pmat-B. hat rieh 
erhalten. Zwar giebt Canma Via A|»pia 
tav. 32 noch den Grundriss einer solchen in 
der Villa der Quinctilier, und EdifisI diRoma 
tav. 305 eine andere neben der palatinischen 
Oasa d'Augusto. Jener G rundriss (reproducirt 
bei Stockbauer Taf. 1 *) zeigt ein Oblongum 
mit Apsis, in der Frontseite Vor hallo, im In- 
nern zwei Säulenreihen, und würde ja dem- 
nach vollkommen dem einfachsten Schema 
der' constantinischen christlichen B. entspro» 
chen ; aber es erheben sich gegen die Zu- 
verlässigkeit desselben gegründete Zweifel. 
Femer liefert ein pompejanisches Wand- 
gemälde (frell and Gandy Pompejana. pl. 
60 =■ Ouhl & Koner Leben d. Griechen, u. 
RAmer, Fig. 893, S. 489 , 2. AnlL) die 
Ansicht einer am Meere gelegenen Villa, 
in deren Vordergrund ein Bau steht, deseen 
überhöhter Mittelraum zu beiden Seiten Ton 
viel breiteren Portiken flankirt ist. Eine 
Apsis .scheint derselbe nicht zu haben. In- 
dessen ist der Inwilikale ('luiraktcr des Ge- 
bäudes und die Zuverlässigkeit der Malerei, 
bez. ihr Verhältniss zur Wirklichkeit zu 
unsicher, um irgend einen Sehluss auf sie 
zu gründen. Als Privat-B. eines römischen 
Haus(>s kann mit Gewissheit nur die 1SG2 
aufgedeckte sog. Basiüca lovis neben der 
Flavisohen Boraus auf dem Palatin gelten. 
Sic hatte an der westlichen Schmalseite «»ine 
halbkreisförmige Tribuna, welche durch 



Digitized by Google 



BuUlka. 



115 



dnrchbrochono Marmorschranken abgetrennt 
wajp; «n der Rückspite führten zwei Treppen 
zn dem orhöhfrrt Podium. Von den Kiidcn 
der Tribuim gingen zwei Siiulcnstellungcn 
ton je fönf Säulen au», von welch' leteteren 
nooh einige Reste nebst den HaHon vorhan- 
den sind. Dieser Bau zeigt alsio allerdings 
mehr Aelinlichkeit mit der chrirtlidien B. 
als iri^ciid rinc der bekannten forensen Hii- 
sihken, m dutts, wie die Dinge liegen, die 
Verwandtsdiaft der PriTat-B. mit der ür> 
form der rcpulilikanisrhcii forensen B., spe- 
ziell mit der Purcia, für durchaus wahrscheiu- 
lieh erkannt werden man. Indenen reicht 
jenes eine Beispiel nicht hin, um festzustel- 
len, ob die Privat-ti. regelmässig Apsis und 
Vorhalle beaeasen, und wie dieaelbe in den 
Complex der übrigen Gebäuliehkeiteo ein- 
gezogen war, bez. wie selir oder wie wenig 
lie ana demselben heranatrat — allea Fra- 
gen, die gelöst sein müssten, ehe wir die 
constantinische B. als die einfache Repro- 
duction der liaus-B. erklären können. 

4) Ea iat nieht wahrscheinlich, 
dass, abgesehen von den erwähn- 
ten Sälen und llausbasiliken. die 
Christen der vorconstan ti n is( )h> ii 
Zeit, wenigstens in Rom. innerhalb 
der Stadt eigentliche Kirchen be- 
iassc n. 

Zunächst muss constatirt werden, das» 
keine einzige der uns erhaltenen städtischen 
Basiliken über Constantin hinausgeht. Es 
ist nicht nöthig, hier auf den Nachweis 
zurückzukommen, dass die im J. 285 der 
manretaiuflohen Aera erbaute Kirehe des 
Repnratus zu Orlöansvillc nicht ins ,1. '252 
(so Messmei-f Kugler, Lübke, Üchnaase in 
ihren frflheren Aufl.), sondern 325 Allt (s. 
Bock Christi. Kunstblätter. Freib. 1870, iU ; 
Kraus D. christl. Kunst in ihren frühesten 
Anfangen 150). Man hat xwar noch einige 
andere Basiliken in Africa, Aegypten, Cöle- 
«yrien (so die von Chaqqa, welche de Vogue 
pl. 6 tt. 15, 16 ins 2.-3. Jahrh. setzt) der 
Toroonstantitiischen Zi'it, aber ohne Beweis, 
zuMachrieben. Die Berufung auf Eusi'h. FI. 
e. VlI 13 (Oallienus erstttttet den Bischöfen 
die Coemeterien zurück und erklärt ?rcoc 
ir.K T(ov -fjT.vr/ tmjv ')pT,7y.£V7''a<iJv), Fjis. H. e. 
Vill 1 (die Ziihl der Kirclicn wächst ausser- 
ordentlich in der der diocletianischen Ver- 
folgung vorhergehenden Buhe . . . iva ~ija; 
TÄc ix {k|jL£>i(ijv dvisTcüv ixxÄrjai'acj, 

eb. 2 (Diocletian läHst die Kiroben nieder- 
reisson : ^rr^vixa t«jv 7rpoJsuxrr,pf«ov to'jc 

«atappnctoofaivovc), Optat. Müev. de sohism. 

Donat. ri ♦ (sairt den Donatistcn : non enira 
grex^ aut populus appellandi fuerant ^uci, 
VjiA inter quadraginta et qnod excnmt ba^ 
siliciis looum ubi colligerent non habebant. 
sc. Komae) beweut ebenso wenig gegen 



meinen Satz als die Thatsache, dass Ale- 
xander Severus den Christen einen (wir 
wissen nicht einmal, ob innerhalb der Stadt- 
mauern gelegenen^ Platz zu.spruch {Ad. 
Lawpriil. Vit Alex. c. 49: cum Christiani 
• [uemdam locum 'nii piiblicus fuerat occu- 
passent, contra popiuarii dicerent, sibi eum 
debere, rescripsit, melius esse nt quomodo- 
cumque illic i)eus colatur, quam popinariis 
dedatur), oder dass schon 202 zu Edessa 
ein Versammlungshaus der Christen erwähnt 
wird (Chron. Kdcss. lioi Asst tnaiii Bild. Or. 
I 387>. Alle diene, sowie die von Augmti 
Denlcw. XI 344 angefahrten Aensserongen 
von Kirchenschriftstcllern {TevtuU. de Idolol. 
c. 7 ; adv. Valent. c. 3 ; de Coron. mil. c. 3; 
de pndic. c 4; Cypr. Ep. 55, 38; Gregor. 
Thaumat. Ep. can. c. 1 1 ; Greg. Xyss. Vit. 
Greg. Thaum. Opp. UI 567; Dionj/s. Alex. 
Ep. can. e. 2; LaUmU, Inst. dir. Y 11; 
de mort. Pcrsec, c. 12, 15; Ambras, in 
Eph. 4 u. a.) und Ifartyreracten (z. B. Act. 
I Theodoti bei Rumart ed. Paris. 355 : ut 
I ecclesiae cum suis altaribus aequarentur 
Isolo; 356: sacerdotes derelinqnentos vesti- 
bula ecclosiarum; 357: aedcs urationis; 359: 
presbyter egrediens ab ecclesia) beweisen 
das Vorhandensein von kirchlichen Ver- 
sammlungsorten, von Bethüusorn innerhalb 
I und ausserhalb der Stidte, aber sie bewei* 
sen nicht, dass jene von den Privatsälen 
im Wesen verschieden waren. Bei Minu- 
I eiu9 c. 10, 32 wird den Christen vorgewor- 
fen . dnss sie keine Tempel, keine augen- 
1 fälligen Ueiligthümer hätten : c. 8, dass sie 
nur in Schlnpfwinkehi den Ifand dffheten: 
für Jone Zeit eine Bestätigung unserer These. 
I Man sieht überhaupt nicht ein, wie die Chri- 
I sten Tor Constantin intra nraros Sffentliehe, 
eigentliche Kirclicn erbaut haben sollen; 
I gewiss konnte bis auf Gallienus davon keine 
Rede sein , und auch nachher war ihre 
rechtliche Stellung nicht der Art, dass sie 
I solche in Angriff nehmen konnten. Oanz 
I anders war es mit den Coemeterialgebäuden 
I beschaffen, welche, als zu den Coemeterien 
; gehörig, den diesen vom Oesetz gewährten 
Schutz (s. (1. A.j genossen. Hier konnten 
sie unter und ober der EkIi frei l)iiuen ; 
in der Stadt werden si»' sii Ii hesdiränkt 
haben, die Zahl der Privutbasüiken zu ver- 
> mehren und die neu zu erbauenden Con- 
venticula nur als Annexe von Privatwoh- 
: nungcn gelten zu lassen. Die Stelle des 
jOptatus scheint dies evident zu beweisen. 
Der .\utor spricht von der .\nkiinft des Do- 
natisteu Victor Qarbensis in Rum zu An- 
fang dnr Dvmatistonbewegung , also noch 
während oder gleich nach der Verfolgung: 
damals waren innerhalb der Stadt (denn 
im Oegensatae dazu hetsst es Ton den Schis* 
niatikern: speluncam quamdam foris a civi- 
tate cratibus sepserunt ubi ipso tempore 

8» 



uü by Google 



116 



BMilik«. 



zwei zu der Kirche führende Oallerieen; 
r Thüro mit Schwelle, Gesims und Archi- 
trav aus Travertin; sie bildet den Eingang 
zu dem TomelmiBten TheO der Kfaviie; 
Marchi p;lauht in dem Räume d fl den Auf- 
enthalt der Männer, in den der Frauen 
in erkennen, e dü Chor oder Presbyte- 
rimn, in wcldifin das Altaro portatile st«nd ; 
da die Cathedra vor dem Arcosolium stand, 
kann dieses nicht als Altar gedient haben; 
/ Einpint^srliiin» zu dem entg'Ojjen^'fwtzten, 
weniger geräumigen Theile der Kirche gg, 
wo die Frauen standen; h sedes pontificaiis ; 
i Sitze für die dem Bischof asHistirenden 
Priester und Kleriker; in diesen Sitzen sind 
loculi für Kinder angebracht; II Säulen, aus 
dem Tuf gehauen, mit Stuck fibeildeidet; 
ohne structive BcdtMitiuirr, dienten sie zur 
Zierde und wol iiucli, um da» Presbyterium 
von (iem Reste der Kirche zu trennen; 
VI ball)l<r("iHi7triniiro , n rectnnguläre Nische 
zur Aufnahme von Statuetten, wie Marchi 
glaubt; Tielleicht auch , um Lichter aufzu- 
stellen; on zwei // ähnlichen Säulen, Marchi 
meint, um den Diakonissen das Ordnen der 
Frauen zu erleichtem (? !) ; p Trflmmer dei 
Marmors, der den linden überall l)ekleidete; 
q und /' zwei Räume mit Arcosolien, ge- 
wissermaMen Vestibflle zu der Kirche. 

Nicht minder belehrend ist der Grund- 
riss einer andern unterirdischen Kirche in 
dem Coemeterium an der Salita del Coco- 
mero (la Pariola) unter der Salaria Vecehia 
(Marchi 191, tav. 38). A ist der Eingang 
ans dem nntem StoelnreriE des Coameterlum 




Flf. 5t. ■mtan ta B. igntm (mh llsr«ki)L 



komben beigegebenen Onmdritse des Coe- 1 zu dem der Kirche. B der Zugang von dem 
meteriom von S. Agnese mit Nr. 33—35 be-iobern Stockwerk zu derselben. C Eingang 
leichneten Räume nach Marchi tav. 35, ' von dem ohern Stockwerk zu dem Vesti- 

S. 282 wiedergiebt. Dieselben bilden eine bulum der Kirche. D moderne Treppe, 
er henrorrngendsten sog. Katakombenkir- welche wa dem Vcstibulnm flUirt B Stufon, 
eben, und dürften noch vor das 3. Jahrb. welclio zu einer den Zuganij zur Treppe D 
fallen. In demselben bezeichnen a und b vermitteludeu Wendeltreppe (heute dem ein- 



eenventiculum habere potuissent, unde Mon- 1 
tennos appelluti sunt ) über 40 Ba^iUken : 
kann man darunter, unt«r jenen Verhält- 
nissen, etwas anderes als Privatbasiliken 
verstehen y Diese mehr als 40 Basiliken wa- ! 
ren ohne Zweifel identisch mit den 46 Ti- 
tnli, die wir nach Cornelius* Brief an Fabius 
(Ens. U. t>. VI schon unter ihm an» 
neiunen müssen, deren jedem ein Presbyter 
▼erstand (s. d. A. TttuB) und deren Zahl 
durch Zephvrin erst auf 25 gebracht wor- 
den war (s.* de Rossi Bull. 1866. 20). 

5) Ausser den Hansbasiliken dien- 
ten dem Gottesdienste die Coeme- 
ter ialgobäude: ausnah mswe ise die- 
jenigen unter der Erde, regelmas- 
sig die suh dio erbauten Memoriae 
und Basiiirae. Rh muss für den ausffihr- ' 
liehen Beweis dieser These auf die Art. 
Katakomben und Coemeterialgebäude ver-| 
wiesen werden. Hier ist als fcstijcstellt an- 
zusehen, dass in den Krypten der Kata- 
komben im 1. und 2. Jahrh. nur ausnahms- 1 
weise Synaxen stattfanden , häufiger aber | 
im 3. Jahrh. in der Zeit der Verfolgungen ; I 
im 4. Jahrh. hat die Feier der hl. Geheim- 1 
nisse in sepulcris nur den Charakter der | 
miisia privata. Die Katakomben dienten 
demnach nur sn anaserordentUchen Yer^ 
samniluiigen; die ordentlichen Synaxen wur- 
den in den Oeilae oder Memoriae abgehal- 
ten, welche Uber der Erde errichtet waren. 

Die Kinrirhtung der /u den Synaxen die- 
nenden Krypten zeigt die beistehende Fig. | 
52. welehe die in dam dem Ari Kata- 



Basilika. 



117 




Vig. 63. 



zipcii Zugan 
zur Kiix'he) füh 
rcn. F Stufen 
zwischen dem 
Vestibulum und 
der Kirche. 6 
dreigptheilter 
Kaum der Kir- 
che. H zwei Vor- 
sprünge, die die 
Area G in drei 
Theile »cheiden, 
und über wel- 
chen sich Bogen 
wön)en. die 5 m 
unter der Hoho 
der Kirche blei- 
ben. I Apsis^ 
in welclu* der 
Zugang A mün- 
det (der introitus ad sanctos). K unten 
rechteckige, oben im HalbkreiH zulaufende 
Ni«« he im Coemeteriuni der Apside, L klei- 
nere halbkreisförmige Nische im Centrum 
von K. M moderner Bruch im Felsen. 
}C Nebengemach . vielleicht Secretarium. 
0 Eingang von der Wendeltreppe zu einer 
Krypta, die älter ist als die Kirche und die 
in dem Niveau des obern Stockwerkes liegt. 
F Krypta, durch dnn Bögen in 4 unregel- 
mässige Kammern getheilt. Q Trümmer 
eines profanen Gebäudes. R Fenst«r, in 
neuerer Zeit angebracht, um P und G zu 
verbinden. Hin grosses Lucemar gab der 
Kirche Licht. 

In diesen Katakombenkirchen sieht man 
die Trennung des Klerus vom Volk , auch 
die Scheidung der Geschlechter, die Stellung 
des Alters in einer Excdra, die im 
Falle eine halbkreisförmige Ausbeugung bil 
det — alles Diii^je, die in der B. wieder- 
kehren, die aber entfernt nicht hinreichen, 
um mit Martiyntf einen directen Zusammen- 
hang beider zu statuiren. (ianz dasselbe 
gilt von den beiden Krypten in dem ober- 
sten Stockwerk von S. Priscilla, auf welche 
Hichfer a, a. 0. 34 f. so grosses Gewicht 
legt: ihre Kxedra genügt nicht, um sie in 
unmittelbaren Zusammenhang mit der 
ß. zu bringen. 

Gehen wir zu den sub dio auf den über 
den Katakomben liegenden Areae erbauten 
Bethäusern ülier. Sie heissen regelmässig 
[tTpruptov, Confessio , McmoHa oder Cdia 
(». die Art.): in ihnen wurde in der Kegel 
das iocrificium pro fie/uncto dargebracht, 
das zwar zuweilen auch iurfa fnpulcntni, 
namentlich bei der Deposition selbst, wenn 
feierlich, cum roto et tritimpho magno, jeden- 
falls nur in der Ecclesia cimitcrialis statt- 
fand. Diese ablatio pro donnifwue haben 
wir uns als einen täglichen Gottesdienst vor- 
zustellen ; jedem Coemeterium war ein Prie- 



Krypten im Coemoterium der SaliU «lel Cocomeru 
liucb Marrbt». 



ster vorgesetzt, 
der in der Eccle- 
sia cimitcrialis 
den Gottesdienst 
hielt , wie der 
Presbyter tituli 
in der Stadt in 
den Privatbasi- 
liken : per coe- 
meteria diversa 
constituti pres- 

byteri sacra- 
mentorum con- 
ficiendorum ius 
habent atque 
licentiam (/«- 
noc. I Ep. 25, ed. 
Coiistaut 8Güf.); 
und: nec prae- 
terit diesqua vel 
a sacrificiis divinis vel a baptismatis officio 
fpresbvteri) vacent (Intwc. I Ep. 2, 12; 
.SVr«-. "Ep. I, 10; Conslant ({Hl, 753, 791) 
— eine Einrichtung, aus welcher sich die 
Privatmesse entwickelt hat. 

Welches war nun die Gestalt dieser Coeme- 
terialkirchen? Aus schriftlichen Quellen wis- 
sen wir, das» sie eine Apside hatten (Martyr. 
Theodoti bei Ruinart 3fil: ipse vero pro- 
gressus ad Patriarcharum »"onfeasionem, cum 
obstructam illam ab impiis reperisset, ne 
quis Christianorum illuc posset ingredi, fo- 
ris ittrta coucham se proiecit in orationem 
etc.). In vielen Fällen mögen die Merao- 
rien, den Grabdenkmälern der Alten ent- 
sprechend , von kreisrunder oder polygo- 
naler Form gewesen »ein, wie die Grab- 
kirche, welche Gregor von Diocaesarea (f 374) 
zweiten \ aufbaute, und deren Gregor von Nazianz 
gedenkt (s. Centraibauten), Anderer Gestalt 
waren ohne Zweifel diejenigen Coemetorial- 
kirchen, in welchen regelmä-ssige Synaxen 
st^ittfanden , — und solche dürfen wir im 
3. Jahrb. dort als sehr häufig wiederkehrend 
unterstellen. Für diese sind wir aber nicht 
auf blosse Vern'uthung angewiesen, indem 
sich einige Exemplare bis auf die Gegen- 
wart, wenigstens in den Grundmauern, er- 
halten haben. Es sind zunächst die beiden, 
von Marchi und de lioasi auf der .\rea über 
S. Callisto und S. Soteris entdeckten Basi- 
liken des hl. Sixtus und der hl. Cae- 
cilia {\oi\ Marangoni schon 173() gesehen 
und für christlich erkannt, von Arch. 
228, tav. 45 f. irrthünilich für die B. des 
Marcus und Marcellianus gehalten; vgl. K.S. 
II 5 f., III 4<)8 ff.) und die der hl. Sote- 
ris (von Marrhi für die B. des Damasus 
erklärt; s. dagegen R. S. III If», 471). Die 
von Marchi gegebenen Grundrisse der bei- 
den Cellae sind ungenau, indem er einzelne 
moderne Theile derselben (so die zu der 
KatukomlH» herahführende Treppe in der 



Digitized by Google 



118 



BMiUka. 




flff. M. 

(aMh Marek I). 



tT ^^. Raum, der nach drei 

^ ¥W*frr „ Seiten in halbkreis- 

förmijra Apmden 
auslädt. Die Cella 
der hl. Soteris 
scheint mehr ein Privatmausoleum fiiewesen 
ni Min und blieb darum bei d(>r diocletia- 
nisohon Tcrfoln^un«» viclloiclit verschont ; sie 
war iiucli der vierten Seite hin geradlinig 
abgeschlossen, wurde dann später nacli der- 
selben Seite hin verlängert und erhielt eine 



B. der Suttens, s. Stadt, gemacht worden. Es fand sich da 
beistehende Figur neben der dem oonafantinisehen Zeitalter 
54) für alt ansah ; angehörenden grössern B. eine kleine Cdla 
ihren wirklichen trichora , die mit ihrer Hauptbasis an die- 
Orundriss giebt de jonige der grössern jiTHtössf und durch eine 
liussiR. S. III, tav. j Oelfnung mit ihr eunimunicirt, welche einen 
42 — 45, wo taT. 39 | willkommenen Pendant bildet za der TOii 
auch die Ansicht Pom/iw. Nol. Opp. ed. Roswevd. 1022, 152 
der Ruinen gebe- 1 beschriebenen Disposition der Ii. des hl. Fe- 
ten wird. Dieselben | lix: laetinimo vero eompectn tota aimnl 
stellen sog. ccilac haec ba.silica in basilicam nicnitirnti confes- 
iritkorae dar : ei- 1 soris aperitur trinis arcubus paribus per- 
nen quadratisehen | Incente transenna, per qnam lieimini ribi 
tecta ac spatia basilicae utriusque iungun- 
tur. Vgl. E. Stevenson bei de Bossi BuU. 
1878, 79 f., und: Sooperta di Sta. Sinfo- 
rosa e dei suui settc figli al nono miglio 
della Via Tiburtina (Estratto dal Periodico: 
gÜ Studj in Italia, Roma 1878). Die Cella 
hat drei Apsiden, wie die Im i<li ti über S. 
Callisto; der oblonge, nach der der Haupt- 
basis gegenüberliegeudeu Seite etwas spitz 
zulaufende Kaum zeigt an besagter Seite 
den ehemaligen Kingang; die eine Lang- 
Seite des Oblongums ist ganz zerstört, es 



neue Kuppel, vermuthlich unter btepliau U „ 

(752—757), von welchem der Liber Ponti- 1 nheint mir fra^ieii, obdMsdbe hier ülicr- 
ficalis anmerkt : 
restauravit tegu- 
men eoeroeterii 

sanctae Soteris 
quod ceciderat 
(R. S. 1 260, in 

31,471). Anden 
Ecken stehen 
Ste«bepfeiler zur 
Stütze der Decke. 
Die Cella s. öixti 
iit bedentender: 
ihre genaue Un- 




W4- 



Flf. &&. Orandriti Ton 8. Sinforota tnacb St«Tcnaon). 



tersuchung durch Mich. Stef. de Rossi ergab, [ aufmerksam zu machen, 
dass sie in alter Zeit, ohne Zweifel in der dio- ~ 
detianischen Verfolgung, zerstört und dann 
mit Veränderung ihrer ursprünglichen Form 

wieder hergestellt wurde. Sie hatte Strebe- 1 eines der schönsten Gräber an der Via La- 
pfeiler und ein Kuppelgewölbe; bei der Re- tina (R. S. III 470). Der Outtesdienst wurde 
Stauration scheinen beide weggelassen und ' in der Cella gehalten: ibis Volk stand in 



haupt geschlos- 
sen war. (Vgl. 
Fig. .55.) 

Die Thatsache, 
daas die Cella S. 
Sixti ander'^er- 
ten Seite offen 
stand, ist hoch- 
wichtig. DeBosgi 
ermangelt nicht 
(U. S. m 495), 
auf die Bedeu- 
tung derselben 
DieäeBauform war 
nicht ohne Vorbilder: die Grabcellen waren 
im Gegentheil allem Anschein nach von der 
einen Seite meist offen, wie der Speisesaal 



ein Haches Dach aufgesetzt wordi-n zu sein. 
Der vordere Raum wurde bei dieser Ge- 
legenheit hinausgeschoben und geschlossen, 
während die Cella ursprünglich, 
wie die Nachgrabung ergeben hat, 
offen stand. Das wjir die Area, uhl 
oraliones /aciiis (Gest. purg. Felicis, s. Oü- 
tatittf ed. Dnpm 169). Das Mauerwerk ist 
ans Ziegel, mit wenig Tuf, in der vorcon- 
itantinischcn Technik, wie denn beide Ccllae 
vielleicht sn jenen gehören, welche B. Fa- 
bian irriclirm liess fmulfn^^ fahricas per 
coemeteria tieri iussit, Lib. Pont. ; vgl. R. S. 
I 117, 199). Eine dritte hier efaisehlagende 
hochwichtige Entdeckung ist in den letzten 



der offenen Area (natürlicii nicht in den 
Zeiten der Verfolgung), wie de Roui ver- 
muthet. durch hölzerne S<'liraiiken so ge- 
theilt, da.s.s den einzelnen Klassen der (iläu- 
bigen (fideles und catechumeni) ihr Recht 
wurde. Hier ist der Punkt, wo die B. dflS 
constautiuischeu Zeitalters einsetzt. 
6) Die ehrtstliehe B. der oonstan- 

t i n i s c h e n Zeit ist nicht eine ein- 
fache Herübernahme oder Nacli- 
ahmung der forensen B. der Kai- 
serzeit. Es ist zwar oft (zuletzt noch von 
Messmer Uebcr den Ursnrung, die Entw. 
u. Bedeutung d. B. 54 f.) behauptet, aber 
niemals b(;wie.sen worden, dass unter Con- 



Jahren in der ti. der hl. Sy mphorosa I stantin oder seinen Nachfolgern forense Ba- 
«n der Via Tiburtina, 9 Miglien vor densiliken in chrtstlidbe Kifc&en Yerwuidelt 



lyiu. 



cd by Google 



BuUikA. 



119 



worden seien. Die darauf angerufene Aeuase- 
mng des Ausonius (Grat. act. pro consulatu 
ad Gratian. Irap. cd. Valpy n. 419, al. I'.K). 
§ 3: nulluH (locusj inquam, Imperator Au- 
guste, quin adminuidain spe« iem tuae Tene- 
rationis incufiat: non |jalatium, quod tu 
cum terribile acceperis, amabile pra^titiati, 
Boo fonun et basilka olhn negotin plena, 
nunc votis, vntisinic pn» salute suscoprif«) 
beweist dies keineswegs; sclion die Verbin- 
dung von fonm «f mmÜmi hUte, was auch 
Schnanse in s. 2. Aufl. III 40, A. 1, nicht 
entgangen ist, von einer solchen Exegese 
abluHira mfiMen. Es ist aueli durehaus nicht 
einzusehon, wir mit dem Siej,'«» d Cliristen- 
thums die profanen Basiliken übertlüssig 
geworden : naehweitbar hat dieses Ereigniss 
weder den Verkehr noch die rjcric litsvcr- 
handlungcn in einer Wfiso vermindert, welche 
Basiliken verfügbar gt^macht hatte; dies hätte 
erst beim Sinken des Kainerreichs eintreten 
können, als der Typus der christlichen Ba- 
siliken längst ausgebildet war. 

Als man die altchristliche B. als eine ein- 
fache Nachahmung der foronscn hinstollte. 
ging man von ersterer aus, um sich die 
Gestalt der letztem zu roconstruiren : auf 
diese phantastische Reconstruction stützte 
man dann den Vergleich beider. Der Beweis 
schloss somit eine petitio principü in sich. 
Man stellte sich die forense B. vor als: 
1) ein Oblongum; 2) nach aussen durch 
Umfiusungsmauern abgeschlossen; 8) das 
Inno« durch Säulenreihen in drei, bez. 
fBnf Schiffe getheilc, von denen das mittlere 
breiter and nnterbroehen , die Seitenschiffe 
zuweilen in zwei Stockwerke gegliedert wa- 
ren; 4) die eine Schmalseite di% i'ronte 
Mldend; 5) die andere Schmalseite in eine 
halbkuppelförniig überwölbte Apside aus- 
ladend; 6) das Ganze, von der Apside ab- 
sesehen, mit flacher Balkendecke versehen, 
das Mittelschiff mit Giebel-, die .Vlweiten 
mit Pultdächern bedacht ; 7) das Mittelschiti' 
überhöht, d. h. durch auf die Säulen ge- 
stellte und von Fenstern durchbrochene 
Oberwände von den Seitenschilfen getrennt 
(s. Reber a. a. O. 3b f.;. Eine sorgfaltige 
Untenmehung derjenigen profanen Basiliken, 
deren Plan am meisten gesichert ist (der 
lalia, der Normal-H. hei Vitruv, Vitruvs 
B. SU Fanuro, die Basiliken zu Otricoli und 
Pompeji, die l'lpia und die H. (^instantiiis) 
hat aber gezeigt, dass keines von den au- 

Sftthrten Merkmalen sich an allen diesen 
rensen Basiliken findet; die fdreiisc T?. ist 
im Wesentlichen als eine geschützte und ge- 
deckte Erweiterung des Forums sn deflviren 

{Reber a. a. O. HHj; sclion ('irero Attic. 
lY 16j erklärte das Motiv der Erbauung 
der Basiliken dahin : nt ampliaretnr fomm. 
Bestand dieses im Allgemeinen aus einem 
von zweistöckiger Porticus umgebenen ob- 



longen Mittelraum (Vitruv. V 1), so charak- 
terisirt sich die M. zunächst dadurch, dass 
dieser Miftelraum bedeckt war. Alles l'ehrige 
ist lucidentell und wechselnd: iiatnentiich 
kann die absidale Ausladung, die Ueber- 
höhung des Mittelschiffs , die Umfassung 
I durch Mauern, der Eingang an der Schmal- 
I Seite nicht als Gharakteristieum der forensen 
B. bezeichnet werden . und gerade hierin 
I spricht sich die Dissonanz zwischen ihr und 
der ehrisllielien B. ans. Sollen wir gleieh- 
' wol den Zusammenhang lieitlor Lränzlirli Icni,'- 
1 nen ? Gewiss nicht. Vergegenwärtigen wir 
nns die Lage des christliehen Architekten, als 
'die Kirche nach der längsten nrnl licftit^stcn 
' ^' erfolgung plötzlich frei wurde. Er hatte 
an Stelle der zerttSrten Ckmventienla grossere 
und prächtigere herzustellen. FiS war na- 
türlich und ganz in der Tradition der christ- 
lichen Kirche begründet, da.ss er nicht einen 
durchaus neuen Typus aufstellte, sondeni 
an da« Vorhandene anknüpfte. Die neuen 
Kirchen erstanden zunächst an Stelle der 
zerstörten oder unzureichend gewordenen 
Tellae oder Memoriae martyrum ; an diese 
knüpfte er an; und dass man direct an diese 
anknüpfte, kann nun, nach der Entdeckung 
der l)opp<>l-B. von S. Symphorosa, kein 
Zweifel mehr sein: hier, wie in der B. des 
hl. Felix in Nola, ist die nachconstantinisehe 
M. sozusagen nur eine im grossem Maas- 
stabe angelegte Memoria, welche mit der 
alten Martjrrerkirehe im nnmittelbarsten Zn^ 
sammenhang steht. Die Hälfte seiner Auf- 
gabe fand er in jenen Gebäuden gelöst vor, 
welche, wie die CeHa S. Sixti, zum Theit 
noch standen; es handelte sich bloss darum, 
dem Volke statt der unbedeckten, allen Ein- 
flflssen der Witterung preisgegebenen Area 
einen gedeckten Kaum herzustellen — einen 
Kaum, der sich, dem Bedürfnisse entspre- 
chend, meistens, aber nicht immer, zu emer 
dreischifflgen Halle gestalten musste. Für 
diese Aufgabe bot ihm die forense B. so- 
wol wie die Haus-B. die willkommensten 
Formen, deren Herttbemahme sich ohne 
Weiteres von selbst verstand. Wir liaheii 
also, um (las Resultat dieser Hetraciitung 
zusammenzufassen, zu sagen : 

7) I) i e c h r i s 1 1 i c h <! B. ist im Zeit- 
alter Coustantins durch das Zu- 
sammentreten zweier Factoren 
entstanden: einmal der in einer 
oder drei Apsiden ausladenden of- 
fenen OMa emätrialw, und zweitens 
der grossen dreischifflgen Halle, 
sei es der forensen, sei es der Pri- 
T a t-B. Ueber die Anftiahme einsebier Foiw 
men derselben hat das Bedfirfinss des Cd- 
tus entschieden. 

Mit dem Vorstehenden erledigt sich Jlrck- 
ters Ver8u<*h, die B. im Wr'sentlichen auf 
das Arcosolium der Katakomben zurück- 



uü by Google 



120 



BMilika. 



fBhron su wollen — ein Venuoh , den ieh I 

für <r;uiz vorun|?löckt halte, d;i t-in ciiizcl- 
oes ßauglied nicht die Entselieidung über 
die EntwicklnnfT der gesammton Anlage 
j^cbon kann. Völlifr unhaltbar ist os. wonn 
liichter da& Trausept geradezu als daa 
ins Riemnhafle übertragene Aiooeolium an- 
sieht, /unüchst it<t das Transept kein in» 
tep^irender Tbcil der B. . — woran allein 
die ^anze Aufstellung Richters scheitert. 
Dann al)cr frafjt man sich, wie es Richter 
entgehen konnte, dm» da» Arcosolienffrab 
der Katakomben bei der sub dio K**hauten 
B. sofort sein Surro;,'nt erhielt in dem Ci- 
borium und dessen Alrar. dessen Stelle, bei- 
läutig gesagt, in der Hegel in der Apsis, nicht 
im Tranae|»t war. Eine Wechselbeziehung 
ist da: aber sie liefet einfach darin, dass, 
während in den Katakomben der Sarg in die 
SU einer rundbogigon oder yiereoldgen Nische 
ao^ehShlten Wand gestellt wurm, er nun 



|an den beiden Basiliken in Hidra, deren 

rrruiMlriss (i. ]\^ilni<ntn<: aufnahm und mir 
zur VeröHentlichung überliess, d. h. also 
ungefUir gerade Im denjenigen Bauten, 
wel('!)i< für im Sern Zweck TOT Allem in Be> 
tracht kunuueu. 

III. Die Banformen und die rer- 
schiedenen Theile der B. Ffir die 
Kenntniss der Üestalt der B. kann ich den 
uns erhaltenen alten Abbildun«:^en von Ba- 
siliken nur einen «ehr relativen Werth zu- 
schreiben, da ja dun liaus fraj^lich ist. inwie- 
weit ilieselben der Wirklichkeit entsprachen, 
und andererseits bekannt ist, dass das Altei^ 
thuni in dieser llinsidit nieist sehr frei ver- 
fuhr. Ich will dieselben indessen doch hier zu- 
sammensteilen; es sind: 1) die Sehmabmten 
eines ehedem in S. Andrea della Yalle, jetzt 
im Lateran belindliciien äarkophages aus 
dem 4. Jahrh. (abgeb. bei Roth 87; lifihe 
nebenstehende Fig. 56, welche die tine be- 






n«. M. ■Mkoplwt4MMa«teMHt, 



B«tlo). 



in der B. unter den Fussboden, in die Krj'pta 
wandert, und das Opfer, welches früher auf 
dem Sarkopha^deckel darfrebracht wurd«'. 
nunmehr auf dem über den Keliiiuien des 
MartynTS auf^jebauten, von einem freistehen- 
den Baldachin überdm-liten Altare »gefeiert 
wird. Alle anderen Wechselbeziehungen sind 
kfinstfich hineingetragen. Herrn Richterselbst 
ist es [licht entfranjjen . dass fremde zwei 
der berühmtesten Mart) rkirchen Roms, S. 
Agneae und 8. Lorenzo, beide fnori le mura, 
des Transeptes entbehren. i»Ii\vn! ilic IJeli- 

äuien der betr. Märtyrer hier verehrt war- 
en; die Ausrede, dass hier der Raum für 
eine Querhausanlage gefehlt habe, wird 
schwerlich bei irprend Jemanden verfangen. 
Ebenso fehlt das Transept an der neuent- 
deckten grössern B. von S. S y m p !i <> rosa 
und nicht minder ;tn der jenigen der hl. 0 e- 
nerosa (s. u.; und an der B. der hl. Pe- 
tronilla (de Bossi Bull. 1874 , Taf. IV ; 
Kram R. S. 2. A. 8. 83, Fig. 12), wie auch 



deutendere Schmalseite wiedergiebt). Man 
sieht hier mehrere Basiliken mit ihren An- 
bauten. Uaptisterien u. s. f. dargestellt, ohne 
dass uns ein klares Bild gegeben wird. Die 
hier wiedergegehene Abbildung zeigt in dem 
Hauptbau einen mit Vela verhängten Kin- 
gang, Concha, kleine Fenster mit Transen- 
nae: der Tor der B. stehende niedrigere Bau 
könnte ein Secretarium oder ein Xenodo- 
ciiium, der vor dem Eijij^ang stehende Rund- 
bau ein Baptisterium sein. 2) Rine Bronze» 
lampe in fi( st;i!t einer kleinen M.. in Afriea 
flwfuoden und im Besitz eines iirn. Peimt«' 
Ddacourt. Die Abbildung (bei de Rös9i 
Bull. ISfiCi, 15, 1—2) zeifjt ein kleines ein- 
schiffiges Gebäude mit Giebeldach, aller statt 
der Umfau»8ungsmauern rundbogige Säulen- 
areadon. Ueber den Arcaden zieht sieh ein 
Sims hin, auf welchem vier den Dai'lisirns 
tragende Pilaster stehen. Die die luter« 
columnien füllende Oberwand ist mit je 
neun kleinen Fenstmi durchbohrt, ein Um- 



Digitized by Google 



BMtUk». 



121 



«tand, ans welchem de Ros»i mit Recht 

whIie.Hst. da98 wir in dieser Bronze nicht 
die Wieder^be einer wirkliclicn B. zu sehen 
hallen, da, wenn die)*e tluitsaclilich der Tm- 
fns8un«fsnuiiiern entl)ehrte, eine Lichtzufuhr 
durch OherHohter übortiüssi;? war. Ii) Das 
berühmte Klfenbeinreüef im Donwchatze zu 
Trier, die Einbringm^ Ton Reliquien in 
eine B. dar-^tclleiid . vor weloher eine Kai- 
serin den vun einem Kaitier geleiteten Zug 
in Bmpfanf^ nimmt (Abb. bei F. X Kraus 
D. christl. Kunst in ilircn fr. Anf. IHO; vtjl. 
desa. Beitr. zur Trieriücheu Arehäol. und 
Oewhichte, Trier 1868, 135 ff.). IMe von 
mir auf die Beisetzunf? des Gürtels Marine 
unter K. Leo (457 — 474) und Verina in der 
Kirche der Blachernen oder dem Tempel 
am Quell (Cfaalkoprateion) in CP. bezogene 
Darstellung zeifrt in der rechten Ecke eine 
11. mit üborhöiitem Mittelschiff, niedriger 
Abseite, halbkreisförmiger ('(im lsa, kleinen 
Fenstern. Die Al)seite hat eine NelMjnthür. 
Auf den Giebeln des Langhausos sieht man 
<bu Kreuz, wie auf der Cathedra, welche 
in der Apsis der sub n" 2 erwähnten Bronze 
steht. 4) Ein Theil des Innern einer B.; 
BtsehofMhrone, Altäre u. s. f. «ind auf dem 
Mosaik von S. fiiovanni in Fönte zu Ra- 
▼enna vorgestellt (451) i vgl. de Jiossi Bull. 
1872, 137 f., tav. 8. 

Eine weitere Quelle für unsere Kennt- 
niw des altchristlichen Kirchenbaues sind 
die Beschreibungen von kirchliehen Bauten 
bei Eusebiu» (H. e. X 2 u. 3: K. des Pau- 
linus zu Tvrus , 315: vgl. Bini/hfim HI 
175; Vit. Const. III 30 39: KK. zu Je- 
nualein: eb. III 41—43: KK. zu Beth- 
lehem und auf dem Oellierg; eb. III 48: 
die Hartyria zu CP.; III 50: die KK. 
XU Nikomedien u. e. f.; III 51 — 53: K. zu 
Mamre : III 58: K. zu Heliopolis; IV 5(5: 
Zeltkirche; IV 58 f.: Martyrerk. zu CP.;, 
/VnrüfMM Not. (Ep. al. 1 2 ; Cara. 24—25 ; 
Vit. S. Paulin. 42 44), Prucopitis (--y. 
twv xTta)iaT(uv: de aedilicüs lustin iani II. VI;. 
Bcud. SäenHorhn (Deicript. 8. Sopluae et 
Ambonis, ex recogn. /. Bekkeri, Bonn. 1837, 
mit Conim. des Üucange und A. Jianduri. 

Wir «ind also im Uebrigen und im We- 
sentlichen aui* die uns erhaltenen BasiUken 
angewiesen, für dt>ren i^tudiuni liauptaäch- 
lich auf Ciampini Vett. Munum. otc.^ Horn. 
1890—99; «fast, de mem aedifioüs a Con- 
stantinoM. eOMtruetis, ed. Rom. 1(;93), Sar- 
netli (Antiea Basilicographia, Napoli 1856;, 
Hlibgeh (Die altehrietl. Kirehen nach den 
Baudenkmalen und älteren Beschreibungen. 
Karlsr. 1862), Aiejc. Mt^bUt (Un the Churches 
at Kome earlier than the 3rear 1160, in Ar- 
chaeologia XL 1, 157 ff.. Lond. I8(;(;), so- 
wie auf die angeführten Abhandlungen bes. 
von Weingärtner f Messmer, Sto^mamr Stt 
▼enreisen ist ergiebt fich am der ver^ 



gleichenden Untersuchung für die einzelnen 

Theile der B. Folgendes: 

1) Der Umkreis des Platzes, welchen die 
B. mit ihren Anbauten einnininit. heisst der 
- e p t 0 Ä 0 ; , Ambitus , den wir uns naeh 
AW. 11. e. X 4 stellenweise (ob ini Alter- 
thura immer?; mit einer Mauer (Spxo;) um- 
schlossen zu denken haben. Innerhalb dieses 
Umkreises liegt das Hauptgebäude meist in 
der Richtung von Osten naeh \N'esten (s. d. 
A. Orientirani^). 

2) Der freie Platz unmittelbar vor dem 

I Eingang zur B. beisst bei Eusebius aibpiov, 
bei Procop «iXilj, sonst atu^ {tteaölliov, 
, Atnum (in der beiceg. Zeidmunc Fig. 57 
RKRRJ: ,at. 
rium,^ heisst 
es in mum 
Oloss. ms., 
,e8t area ante 
aedem porti- 
eibus et co- 
lumnis cin- 
cta, unde et 
perisfyliuni 
etimpluvium 
dioehatttr.* 
Eintritt zu 
ihm gewähr- 
te ein VeaU- 
bulum (ZZ), 
eine Säulen- 
stelluug. Das 
Atrium war, 
wie wir wis- 
sen , in der 
i Hagia So- 
i phia, in der 
j Kirche der 
; hhl. Sergius 
und Bacchus, 
zu Tyrus in 
der Kirche 
des hl. Pau- 
liu, zu Mai- 
land in der 1B Bi OB 

des hl. Am^Jf^^ Owmdri»» «Inw allakrtatttahu 
brosius von Batuik«. 

einer viersei- 
tigen Portieus ('ntp^traiXov, TstpasTwov, QQQQ) 
umgeben, deren vierte an den Eingang zur 
Kirche stosscnde Seite indessen zuweilen als 
Narthex (s. u.) diente. Die Arcaden der 
Portiken hatten eine (Ixilzerne) Brustwehr, 
ein (iitter, welches sie von der offenen Area 
trennte (Em. H. e. X 4; Pnid. Nol. Nat. 
s. Fei. X 43 ff.): sed cirouinicctis in porti- 
cibus spatiari i copia lar^ ȟbest interposi- 
tisque columnaa | canoelliB fessoe incumbere 
. . . et certainine l)lando ' miniri pla< ido 
salientes munuure fontet»>. taulimm giebt 
awih audrlldclieh «. a. 0. t. 15 ff. an, daae 
diese Portiken mit Marmor und Malereien 




Digltized by 



122 



Basilika. 



goschmüokt waren; in <]it von ihm hoHchrio- 
benen B. waren ohne ZcHreifel rechtü, wo die 
MKniier deb aufhielten, die Oesehiehten de« 

Job und dc8 Tobias, links, in der Porticus 
der Frauen, diejenigen der Judith und Esther 
gemalt. Die Portiken des AtrinmB dienten 
uer KlassL" <U'r lUisscnden, welche die rpos- 
x)>ato-/TE; . fietUes, hiemen, als Aufenthalt; 
fiohwerero Verbrechen schlössen selbst von 
» diesen aus und verwienen den Bussenden in 
die offene, imbcsrhützto Area des Atriums 
(daher /Eiixav'fJLi'Oi, hiemantes)\ weuigHteiis 
scheint dies aus Greg, ThaWH. c. 40 uiul 
TertuU. (If |(uili(\ c. 4 (reliquas auteni libi- 
dinum t'urias impias et in Corpora et in se- 
xus ultra iura naturae, non modo limine, 
verum omni ecdeHine tocto sulimnvcmu». 
quia non sunt dßlicta, sed monstra) hervor- 
zugehen. 

Inmitten der Area dos Atrium stand der 
Brunnen, ftaXij, cantharus (.TXT; s. d. A.>, 
der bei PimUnus a. a. O. tou einem Bai- 
diu liiti überdeckt ist (v. : cantharus . . . 
quem cancellata te^t area culmino turris), 
und an welchem sich die Ol&ubigen, ehe 
sie das Ootteshaus betraten, Qeächt, iländc 
und Fusae wuschen (s. Waschungen). Da« 
Euchologiuni Oraee. enthält eine Formel für 
die Benediction des Brunnens am Yorabend 
oder auch am Feste der Epiphanie. 

Das Atrium hiess später auch l'at ndisus, 
vermuthlioh seit hier begraben wurde, was 
seit dem (>, Jahrli. i:es< liHh. Die Area sc- 
puiturae wird iiischriltlich schon früher 
hortutf e«potajihiitiH genannt : sie war mit 
ihrem grünen blühcinlcn Strauch- und Haum- 
werk ein Abbild des i^aradieses, in welchem 
die Hingeschiedenen nun weilen (i. de Born 
R. S. iri 4:i') f.i. Es war auch da>* Atrium 
der Basiliken zuweilen mit büuiueu besetzet, 
s. Vita s. Marthae (der Mutter des hl. Hy- 
meon) c. 7. n. 57 in Act. SS. V Mai. 42H 
und Ducanye i. v., wo die älteren Belege 
fBr die Bezeichnung ,PandieB* geeanunelt 
^inlI. /,. \\. Aiiastii^. in Vit. Doni pp. : hic 
utrium b. Petri superiuSf quod paradisus 
dlcitur estque ante eociesiam in quadri por- 
ticuni, magnis marmoribus stravit. Aus die- 
ser Verwendung des Vorplatzes vor der 
Kirche ist der mittelalterliche und a|)ätere 
Fried- oder Kirchhuf, (iottesficker entstan- 
den« \'^\. Aiujusti Donkw. IX 54»; f. 

Anf der Area des Atrium erstanden denn 
auch dieTaofkirchen oderTaufbaMins, ^ar- 
TiOTi^pia oder ^ptoxt^Ti^pta, auch pisci- 
nae (xoÄyjxJJr^^pa, s. Joh. 9, 7). Vgl. d. A. 
T^fkirchen. Die oben angefahrte Darstel- 
lung von Hnsilikcn auf dem vdh Hosio pu- 
blicirten 8arge des Lateranniuseum zeigt, 
also schon im 4. Jahrb., Baptisterien vor 
der Kirche, eine Kinri( htun<r. dir- sich auch 
lange nach Einführung der Kindertaufe bis 
tief ins HA. erhalten bat, wo oder ne> 



' b(»n den Donikin hcn ehemalige Taufkirchen, 
meist mit dem Titel des hl. Johannes des 
Tiufim lagen (z. B. in Metz und Trier). 

Seit die Abwaschungen vor dem F.ititritt 
in die Kirche in Abnahme gcriothcn, ward 
der Cantharus überflassig und machte dem 
in der Kirche selbst aufgestellten Weih- 
wasserstein Platz <». d. A.). 

3) Die Vorhalle oder die P r o p y 1 ä e n 
(npowoc, ])orticus, rpoiruXa). Das Atrium 
öffnet sich nach der Kirche zu in einer 
Sjiuh'ustellung (2, !{, 5, 7), die mit Eisen- 
stangen verbunden waren , an welchen bei 
festlichen ticlft^cnhciten die Vi'la befestigt 
waren, , wie man das auf dem Sarkophag des 
Lateramnuseum (s. o. S. 120) sieht. Der In- 
' nemranm diesiM- Colonnade entsprach dem Im- 
1 plupüan der römischen Domus und war mit 
I llalermen decorirt. Solcher Propylien gab 
es bei Itedoutenden Kirchen wol mr'hrere 
lan den verschiedenen Seiten (Faul. iSüetU. 
de templo Theodos. II 9): die Tor dem 
Haupteingang, dem Altar gewohnlich an 
1 der Westseite gegenüberliegende lialle heisst 
joft der Nartnex (fertUa); warum, sucht 
Bingham III 188 so zu erklären: si (juae- 
ras, cur isthaec ecclesiae pars narthex vi- 
rata sit, responduo, ideo quod figura iUiua 
araBis esse eredebatur fcruloc, quod no- 
men latinum eius est. Nam figura quaevia 
oblonga sive dromic«, ut Oraeci vocant, 
narthex ipsis dicebatur, quemadmodum «Sm/- 
reniH et (In Freanim e Tßieodosio Ztfgontala 
observarunt. Atque hinc haee pars eccle- 
siae, cum esset longa quidem, sed aoguata, 
c transvcrso frontis ecclesiae narthex seu 
teruia ex hac ratione appcUabatur. Augusti 
Denkw. XI 395 erinnert dazu noch an vop- 
Ur^xiov fnarthecium ). Kästchen, und meint, 
dass man auch vielleicht vocpfti)! in dieser 
Bedeutung genommen. Fenäa in dem Sfame 
von Vestildilum kommt nun erst und nur 
in der \ ita s. Basilii des Amphilochius (Act. 
88. Itui. II 953: ingrediturqne sanctae ec- 
clesiae ferulam qua etiam Ariani intrave- 
rant) vor. Sonst bezeichnet das Wort gleich 
vdp}>r,S das Pfriemenkraut, aus welchem 
die Ruthen geschnitten wurden, deren man 
sich bei der Jugenderziehung bediente. Es 
wurde daher auch vermuthet, der Narthex 
der christlichen Kirche kSnne, als Aufent- 
haltsort der Hü.iHenden. mit dieser Bedeu* 
tung des Wortes zusammenhängen. 

Die Lage des Narthex ist strittig. PtiU' 
Ins Sileudai iii.s und (loar sprechen TMI 
mehreren N. und unterscheiden innere 
und äussere (ljf> vaplh|xac, n. aen portieua 
interiores, und vapi>T,y.a;. n. seu porticus 
exterioresj. Da in der jetzigen griechischen 
Kirche vielfach fan Innern des Schiffes durch 
Gitter ein Kaum nach dem Einganfje zu 
abgeschlossen ist und dieser Raum den Na- 
men KsdnAex trigt, ghiabten Manehef den 



uü by Google 



123 



innern NarHiex der alten B. in das Schilf 

vorlcpon zu müssen, während Andere, wie 
MariignUf den inuem Karthex mit dem 
nnmittelDar tot dem Laagbaoi liegenden 

Vestibulum (Fig. PPNMN), den äussern 
mit dem äussern Yestibulum ZZ identifi- 
cirten, so dass das Atrium beide trennte. 
Letztere Ansicht ist wol die richti^'ere. Der 
(innere) Narthex war dann von dem Schiffe 
getrennt durch Thore (LLKLLj, dtrcii 
mittleres den Haupteiiiffaiif^ dem Altar }je- 
penfiluT liildcte und , wie beim Trmpel /u 
Jerusalem, ^J^r, wpai'a oder ^t/.txTj, bei 
Em. H. e. X 4 rpw-n) efood»« hieie. Dann 
Männer und Frauen, Priester u. s, f. ilire 
eigenen Eingänge hatten (porta sacerdo- 
taioDf Tiromm, Tirgiomn eto.), ist gewiM. 
Die Thore waren wol meist mit zwei Flfi- 
geh (iauuae bifores) geschlossen, welche mit 
reKefirtera Hob oder Ens bedeekt waren. 
Wahrseheinlich hat sich in der berflhmtan 
Thäre von S. Sabina ein solches Denkmal 
aas dem 5. Jahrh. erhalten — wenigstens 
ist dies die Ansicht Dohberfs (Ueber den 
Stil Nie«'. PisanoV. Miiiichen 1H73, 87, und 
Jahrb. d. kgl. pr. KunstsainmI. 1880, l; 
Tgl. auch Crowe und Cavalmselle Hist. of 
Painting I 56), die auch <lc liossi theilt, 
während allerdings nicht minder bedeutende 
Kunstforseher sie f&r eine archaisirende Ar» 
beit des 12. Jahrh. erklären (Rumohr l 273; 
Schnaase 2. A. VII 251, A. 1). 

Der Nartliex odw das Pronaoe war der 
den Hfissendcn der zweiten Klasse, den 
AudUnteSf zugewiesene Platz {Const. Apust. 
ym 5; Bant. M. Ep. can. e. 57; Greg. 
Nyas. Ep. ad Let. c. 5), von dem aus sie 
der Predigt anwohnen konnten. Zuweilen 
gestattete man auch den Heiden und Hä- 
retikern, von hier aus das Wort Gottes zu 
hören (Conc. Cartfi. iV, e. 84: ut episeopus 
null um prohibeat ingredi ecclesiam et au- 
dire ▼erbum Dei, sire gentüein, »ive hae- 
reticum, sive Tudaeum, usquc ad missam 
Catechumenorum), wenn auch einzelne Sy- 
noden dagegen Widersprach erhoben (Cone. 
Laodic. c. Hl. 

in späteren Zeiten diente das Yestibulum 
dann aueh namentlich fttr die Todtanrlgi- 
lien, sowie für verschiedene fieschäfte und 
Yersanunlungen. Das ganze MA. hindurch 
wurde anf dem vor dem^ Eingange zur 
KIrehe liegenden, mit dar I^kle bepflaniten 
Fiats tDrag" gehalten. 

4) Das Langhaas. Die innere Area 
der Kirche, wo die Gemeinde Platz fand, 
heisst bei deti (iriechen va^c wie beim Tem- 
pel zu Jerusalem, ein Ausdruck, dem nur 
aachUch der lateinische ihmw, Sohif t, ent- 
spricht. Sonst nannte man diesen Theil 
auch ixxXi]8i'a, weil hier diu Uemeindc 
Stand, ortOormmpopuli oder faueomm, auch 
fnadntim jfoptdi, im Ckigensatae an dem 




HalbkreiBe der Apsis. Den t. J^anghaos^ 
hat erst die Gegenwart geschaffen, um der 
unbestimmten Bedeutung von ,Schüi^ aus- 
zuweichen, der sidi nun jenem nnterwdnet, 
so dass dax Langfaaus ein oder mehrere 
Schifte besitzt. 

Das Langhaus stellt ein Viereck — miirt 
Oblongum — dar, welches fim Umfas- 
sungsmauern umschlos- 
sen ist, die einmal die 
räumliche Function dee Ab> 
Schlusses, dann die eon- 
structive haben, vermöge 
deren sie mittelst ihrer 
rückwirkciidf-n Festigkeit 
dem vertualen Druck der 
aof ihnen liegenden Deeke 
widerstehen. Die Mauern 
stellen daher ursprünglich 
verticale Oberflichen dar, 
die dann aus struetiven 
wie ästhetischen Gründen 
mannigfach gegliedert sind. 
Zu diesen Gliedemngen 
zählt das äussere horizon- 
tale Ii a u p t g e s i m s. eine 
kantige Platte niö„^ rfriMwiiii in vim 
platte) , oft mit Unter- 
lage (Zahnschnitte oder Kragsteine, Mutuli, 
Consolen) und Gesimsfries; ferner der 
schräge . der Dachneigung entsprechende 
Giebelsims, im Innem der Deckensims. 
Mehr arbitrirer Natur sind bei dem mehr- 
stöcki;,'cii Hau das Gurtgesims, welches 
die einzelnen Geschosse trennt, und Mauer- 
fuss oder Sockel, von welchem die Um- 
fassungsmauern sich abheben. Ebenso rein 
arbiträr sind die verticalen Gliederungen an 
den Ecken (verzahnte Kette, Ecklesenen) 
und die die Ifotterfläche nach aussen unter- 
brechenden , sie belebenden , sich in den 
llauptsims verlautenden Lese neu. Diese 
arbiträre (iliederutig der Aussenseite gehört 
weit mehr dem MA. als der altchristlichen 
Ii. au; letztere ist wesentlich in neu bau, 
erst das HA. betont den Aussenbau. 

Die .M a u er öf f 11 u n gen fThüren und 
Fenster) sind in der altcbriBtlichen Zeit meist 
viereckige Durchbrechungen der Umfessung 
mit geradlinigem Sturz und genider Lei- 
bung. Doch findet sich auch die Ueber- 
spannung der Oeffhungen dareh einen run- 
den Bogen, dessen Ausfüllung (Tympanum, 
Giebelfeld) der plastischen Ausschmückung 
Raum giebt. Für die Fenster ist von 3(K> 
bis 750 da.s im Halbbogen auslaufende Ob- 
longum die Kegel , kreisrunde Fenster sah 
man im Transept von S. Paolo f. 1. in. und 
S. Stefano Itotondo. 

Wo das Kirchengebiiude sich nicht auf 
ein einziges Schiff beschränkt und dies 
ist nur Ausnahme — , ist das Langhaas 
dnreh eine Pfeiler^ odiur SiulensteUung in 



Digitized by Coogje 



124 



Basilika. 



f'iiio uiifrorade Zahl von Schiffen trofheilt. 
Hier ist nun ein Punkt, in welchem die alt- 
christlleh» B., und zwar sieht zu ihrem 
Vortheil , ülior die franze liisherifje Archi- 
tektur hinausgeht: da» ist die Ventendung 
der Siiilen zur Stiltzung der Oberwand des 
Mittrischiffs. Dir-ic Aufgabe war in <ler 
bisherigen Baukunst nur den Pfeilerarcaden 
mgewieseii: die ihrer Natur nach lehwft- 
chero, nur zum Tragen des Gebälkes ge- 
bildete Säule wird von den christlichen 
Architekten nun dem Pfeiler gloichwerthig 
angewendet, eine Neuerung, die allerdings 
den (Jesptzen monumentaler Sehönlieit wider- 
streitet , obgleich es übertrieben ist . wenn 
Storkhauer S. 60 meint; ,mit diesein an der 
Peterskirche Kum erstoniimle im grössten 
MasHstabe zum Ausdruck gektmmienen Ab- 
fall von den Oesetzen der classischen Kunst 
tritt die christliche CultHrchitcktur ins öH'ent- 
Uche Leben ein und setzte sich dadurch 
den 8temj)el einer Barbarei anf , den alle 
anderen \0r2fige derselben nicht rerwischen 
kennen/ 

Die Verwendung der Pfeiler kommt in 

der alti'hristlichen B. hauptsächlich nocli 
da vor, wo es an vorhandenen Säulen oder 
an Material zu solchen mangelte. Sonst 
lierrsclit ilie Säule, und /w.ir siml die ko- 
rinthische, die jonische Ordnung und die 
Composite am meisten rertreten. Der Ver- 
fall des 5ffentliclien Wohlstand(>s brachte 
es im 4. und 5. Jabrh. mit sich, dass man 
sich zu den Säulen meist der Spolien an- 
tiker Gebäude liediente. woraus sieh dann 
vielfache Ungleichformigkeit in den Mass- 
verhältnissen und Details ergab. Einsam 
und zart stehen so in Araceli ein paar 
gelblicliweisst" iniiisi-be Mnrniorxiiulen unter 
dunkelrotli» II ( Ji anirschäften. In S. Loreii/.o 
fuori le jnura sind die schönsten antiken 
Friese r(di atieinander geflickt: in S. Maria 
in Trastevero gleicht fast keine Säule der 
andern. Nicht selten sieht man auch Ca- 
pitelle verkehrt aijfgesetzt. Das ist keine 
bewusste Verschiedenheit der einzelnen Üau- 
glieder, wie spater in der Blfiteieit des 
MA.s, sondern es tritt hier ^B&ch die der 
altchristUclien Kunst charakteristische Ver- 
nachlässigung des plastischen Eie- 
rn e n t e s hervor. 

Die teberspannung der Säulen ist ent- 
weder durch Architrare, die an den 
Wänden auf Wand pfei lern (Anten, Pi- 
lastern) oder H a 1 b p f e i 1 e r n lagern, oder 
(im Occident erst seit :^7()) durch Bogen 
(Volten) hergestellt , wie deren schon in 
Diodetians Palast zu Salona auftreten. 

In der altrömischen B. trug die untere 
Süulenstellung noch eine zweite, obere (17- 
irUV. V 1. V! :i ein Motiv, welches in 
einzelnen Fällen (,S. Agnese, S. ^'ereo ed 
^ohnieo) in christlichen Basiliken nachge- 



ahmt , dann in den griechischen Kirchen 
dahin modificirt wurde, dass die Oberwand 
gegen das Schiff zu geöffnete Nischen er- 
hielt; die zu dieser Gallerie fuhrende E m- 

&ore (uRcfwov, Greg.Naz.C&rm.\i\ Euagr. 
. e. rv 31 ; Pma. SOent Soph. descr. I 
25()) über den Seit( ii>c!iiffcii diente dann 
zum Aufenthalt der Frauen (jiaipovixtov, ma- 
tronaeim, znw^en auch Ton einem Jnng- 
frauenchor, "«pftevCxtov, unterschieden, Aw- 
bros. ad Virg. laps. e. 6; Ciampini Vett. 
Mon. I, c. 2), eine Einrichtung, die sich 
denn auch in der mittelaiterliehea Banlmiuit, 
besonders in Kirchen von Damenstiften, 
hndet. Sonst war die geschlossene Ober- 
wand die Regel; sie hatte nur Fenster, 
die mit durclibrochenen Marmorplatten ge- 
füllt waren; sie waren anfangs ziemlich 
gross, später zog man kleinere Oberlichter 
vor. die wol oft nur mit Tiicliem verhängt 
waren. Olasfenster werden zwar auch 
schon im 4. Jahrh. erwähnt {LaelanL de 
opif. Dei c. S; Hierotii/ni. ad Ez(>cli. 41, 10; 
Greg. Tut: Hist. Franc. VI lU; Ven. Fort. 
Carm. 1), waren aber sehr kostspielig und 
selten. Wo es an (»las und Marmor ge- 
brach, half man sich mit Feldspat {Jenestrae 
gifpseae). Ctemalte Glasfenster kommen erst 
seit dem 0. Jahrh. auf (Anostas. Vit. Leon. 
III : fenestras ex metallo grpsino decoravit 
et alias fenestras de vitro dirersis coloribns 
decoravit; cfr. Lio Ost. I 3, c. 27, 31). 

Das Mittelschiff bildet den Uauptraum der 
Kirche; es ist in der Regel breiter als die 
Seitenschiffe, doch werden die Massverbält- 
nisse nicht selten nachlässig behandelt. Den 
Männern war das südliche, den Fraiien da.«» 
nördliche Seitenschifi" angewiesen (Cotigf. 
ifpnsf. l\ bl : Ci/rill. liier. Procat. e. H; 
Aiuj. de Civ. Dei 11 28; Cfiri/s. llom. 74 
in Matth.), das Mittidschiff blieb frei. Im 
A l>e?nliaii<le ist <las Mäniierscbiff oft etwas 
länger als dasjenige der i' rauen (S. Sabina, 
Kathedrale zu Nami u. a.). Holzgitter oder 
Verschlage trennten die Schiffe in verschie- 
dene Abthcilunguu : vom Eingange an wa- 
ren zunächst die Bfissenden und die Kate- 

chumenen gestellt, ebenfalls nach TJrad und 
(ieschlecht geschieden. Daun folgten die 
Gläubigen, und in einer dritten AbÜieilung, 
dem Bema zunächst, auf der FraiuMisr ito 
die Sanctimoniales, auf der Männerseite die 
MSnche (Tgl. Origm. Tr. XXVI in Matth.; 
Aiiihros. ad Virg. laps. (\). Solche Tren- 
nung der Stände und (ieschlechter war von 
fräh an vorgeschrieben {Coiut. ap. II 57, 
VUl 2<»: Ci/riU. Hieros. Procatech. c 8; 
Etmh. 11. e. II 17 etc.), einmal wegen der 
Arcan- und Bu.ssdisciplin , dann um Sitte 
und Anstand /.u schützen. Vides hing hier 
freilich von localen Verhältnissen und An- 
schauungen ab; sorgfältiger war z. B. von 
jeher im Orient die Trennung der Gesdilecli- 



Digitlzed by Google 



BMÜikft. 



125 



ter (vgl. Leo». Allam Tr. de Templi» Graec); 

Ifinpr stell«>nwi'iso so weit, dass Vorhän^jf» 
das Frauenschitt' von dem der Männer schied. 
Ueber simmtliche PHItoe, über Ehof^ng und 

Ausgang hatten dio Ostiarior, Diakonen und 
DiAkonissen die Auisicht {Const. a^osl. 11 
57, 58). 

Der dem Bcnia zunärhstliegende Raum des 
Schifi'es hiess Lminare oder SoUa (ItuXeo, 
Mieh ooXfa, h 9oWc, 6 ffoiAcoc« ooltlev, 
5tu).£Tov, jiuXt'ov; ungewigg ist die Ahleitung 
aus solium oder solea = Fusmohlei Boden; 
Tgl. Codm, de offic. c. 17; Leo Aüae, de 
Tenpl. Or. II § r> ; Cretser in Codin. III 12; 
Dueattffe in Paul. Silent. 584). AnderwSrt« 
hietsfll der Platz Setiatoriumf wol wegen 
der aaitgeidehneten Sitze, die hier für Kai- 
ser, hcrvorrflgeiule Magistratspernonen, auch 
für die Cleri<'i minore«, für Subdiakonen 
und Leotoren (Simeon. 2%«na/. bei >SVi;-- 
itiHi Hö) eiiigeriditet waren. Die zu Prie- 
steni zu weihenden Diakonen wurden von 
hier in da^i Chor zur Weihe g^ttbrt. Hier, 
an der Scliwelle der Hema. empfingen die 
einfachen Gläubigen, niedere Geistliche und 
wiche, die laisirt waren, die hl. Conuno- 
nion. Dil' Soh'a lair um einige Stufen hö- 
her als dflji Sellin {Hieran, c. Lucil'erian. : 
episcopam corpus Domini attrectantein et 
de sublinii loeo euchnri-stiam populo mini- 
ttrantemj, und war z. B. in CP. in der 
Hauptkirehe mit Onyx gepflastert. 

Der Fussboden der reicheren Bai»iliken 
wird nicht aus einfachem Elstrich, son- 
dern WOB eowiB durch Mosaik oder Marmor 
bergeeteUtoi Bodenbelag bestanden haben. 
Die herrlichen Pavimente der römischen 
Basiliken sind nun allerdings mit geringen 
Ausnahmen alle mittelalterlich und dürften 
selten über das 12. Jalirli. hinaufreii lien 
Als antik kann man den Mosaikboden in 
8. Pndenziana und den ans weissen und 
schwarzen Steinchen zusammengesetzten Mo- 
saik Imden in der unterirdischen S. Silvester- 
kirche in S. Martine ai Monti (Abbild, bei 
yishiH a a. (). Fig. S. 181) bezeichnen. 
Alte Bodenbeläge aus Marmorplatten kamen 
in 8. Stefano in Via Latina, in 8. Lorenao 
f. L m. (Ausgr. I«.i8— .00) zu Tage. Ebenso 
in alten Dome zu Trier. 

Das Mittelschiff trug auf seiner Oberwand 
da^ Balkenwerk des Daches: eawaren^ 
weder überdieit und mit eassetirter, Ter^ 
goldeler {Frud. Hymn. XI: auratts trabibus; 
Constinitin. ad Macar. 1. c; August. Serm. 
XV 1 ; Greg. Xyss. de laud. Theod. M.) 
Decke geschlossen, oder es trug den o f f e- 
nen Da< hstuhl. Von letzterin spricht 
Opiatus Mil. de »chism. Donat. II H; man 
habe, heisst es da, von aussen das Dach 
der B. bestiegen und Schindeln in die Kirche 
geworfen. Der <»ffene Dach-^tuhl war in 
altitaUenischen Bauten etwas Gewöhnliches, 



erst nach der Zerstörung Carthago's kamen 
vergoldete Fehlerdecken in den Tenipchi 
auf (Hl«. N. H. XXX III Iii). Seimaase 
tlT 49 bemerkt mit Recht, einer Architek- 
tur, welch«' überall die ronstmction selbst 
mit ihren nothwendigen Theilen unverbüUt 
zeigte, habe diese Form allzu nahe gelegen, 
rnsrliiui war iDiriirens nicht, lu-sduders 
bei reicher Färbung und Verzierung des 
Balkenwerkes. Spuren solcher Decoration 
fanden sich in den Trümmern von S. Pa- 
ede f. 1. m. (1823), in S. Balbina u. s. f. 
Wie prächtig eine solche Anordnung wiir 
ken könne, zeigt der freilich einer spätem 
Zeit angehörende Dom von Messina (s. Mo- 
reij ('harpente de la cath. de Messine, Par. 
1847: >'</inaiis> a. a. (). >. 

In der merkwiirdi;,'( [i (Jruppe der von 
</♦' Vogu? verotlentliiliten centralsyrischen 
Bauten findet sich eine ganz abweichende 
Bedachung, durch den hier herrschenden 
Mangel an Mauholz bedingt. Die Decke ist 
aus grossen Steinbalken gebildet, welche 
auf <len über den rundbogigen Pfeiler- 
arcaden eraporgetührten Quermauurn lagern. 

Auch in anderer Beidebnnf rteUt das 
Langhaus der centralsyrischen Basiliken ab- 
weichende Formen dar. Die bei de Vogue 
p1. 6 — 17 abgebildeten Basiliken zu Chaqqa 
und Tafkha (vgl. unten und Li'ihh rJesch. 
d. Archit., ö. A. & 251, Fig. 2Ö5) zeigen 
zweirtSekke Nebenschiffe, d eren Decken 
nicht auf Arcadcnbogen. sondern auf Krag- 
steinen ruhen. Dasselbe Motiv scheint in 
einigen nordafricanischen Basiliken wieder> 
zukehren. 

Der ( I e w ö 1 he b a u , obgleich dem Alter- 
thum keineswegs fremd, ist in der altchrist- 
Ucken B. nicht zur Anwendung gekommen, 
wol aber im Centralbau (vgl. d. Art.). Dass 
CuemeterialceMen schon früh überwölbt wa- 
ren, zeigt die oben besprochene kleine B. 
.s. Sixti et Caeoiliae; vgL de Bom R. S. 
m 471. 

Das äussere Dach ist bei den Basiliken 
regelmässig ein niebpl-, nicht Walm- 
dach, bei den Centraibauten das Kuppel- 
dach. Die Abseiten erhalten an das Mittel- 

schiff anliegende Pultdächer. 

5) Das Querhaus (Transept) fehlt 
vidfadif ist aber bereits in den Seiten- 
apsiden der Coemeterialcellen vorgebildet. 
Iraa Querschifi', welches sich zwischen Apsis 
und Langhaus einschiebt, hat Terschiedene 
Länge, es bleibt zuweilen in der Breite des 
Langhauses (S. Maria in Trastevere, Basi- 
lica Seesoriana), oder springt riselitartig über 
dasselbe hinaus (S. Paolo), oder es tritt be- 
deutend über diese Breite hinaus, so dass 
das ganze Gebäude die Kreuzesform an- 
nimmt (die ehemalige S. Peterskirche. S. 
Giovanni im Latenm. S. Pras.sede). Die 
die Scbifi'e abschliessende Wand muss nun 



Digitized by Google 



126 



BMUlkm. 



natflrlich darehbroehen werden ; der der Ap«ifi 

ontsprcchcTuli' Mo;,'!'!! hoisst T r i u ni ji h 1) o- 

Se n {arcus triumphalis, vgl. Ciampiui Vett. 
[on. I 199 f.). Das OnerhaoB itt in der 
Ref?el ein Oblorifjuni , (loch tritt auch finih 
schon (Kirche zu Betlilehem) jene Form 
snf, wo die Kreuzarme halbkreisförmig ab- 
8chlios8en. 

r.) Die Apsis (v^l. d. Art. S. (;9 f.), 
der halhkrt'isturraige Ausbau (Exodraj, den 
wir als einen wesentlichen Bestandtheil der 
cliristlicluMi H. zu betrachten hitl)on. und 
der nach »einer Gestalt auch Conchn {x'j-f/r^, 
auch eonehula; Paulin.: totum vero extra 
concham basilicu' sinitiuin alto et lacunato 
culmine genünisi utrin^ue purticibus dilataturj 
heint. Die alten Lexiea erkllren ^nf^, lUtsIda 
als emispen'iini , rn rns, fornir, forfex fs. 
Ducange i. v.). buhon bei Augusim. Ep. ad 
Alb. und Ep. 203 ad Max. (in ftaturo Onnati 
iudieio nec apsidae ji^radutae nee oafliedrae 
velataej kommt der Ausdruck vor, dann 
bei areg. Tur. de Vit. PP. c. 7, 16 u. s. f. 
Denselben Bautheil nennt man wegen seiner 
Erhöhung ?^K-a (von -jvalktvetv. ». d. A.), 
dann wegen dessen, wa« er umschliesst, das 
^ot, a7ta3|jLa, oTtov a^imv, Sanctuni, San- 
ctuarium. Sacrarium (Ens. H. e, X 4, VII 
15; C'otic. Carth. IV, c. 93), in demselben 
Sinne ISurov, ^Eßetrov (weil er alt Altarraum 
nur den PricstcrtK iiidit Tiiiii-n und Frauen 
zugänglich war; Conc. Laod. c. 19, 44; 
Tn$a. e. 69; ThtodoreL H. e. Y 18; Sotom. 
Vir '25), ispiTsTov und r&£7ßu-rr^ptov, Pifesbfj- 
terium (ao auch ronaesms cierif Cffpr, £p. 
55), (kiTOwn^piov {Com, Laod. c. 44; TnM. 
('. GD^, T« £v3ov T«i>v xiYxXi'^tov (locus 
inter cancellos, Theodorel. V 18), auch 
^vtfxtopov nach dem Vorgange der heid- 
nischen Tempel in der Sprache der tragi- 
schen Dichter. Endlich ixt die im Abond- 
lande gebräuchliche Be/.richming Chor, rho- 
ni»f YOn dem coetus cum ntium cloncorum 
herfrononimen (Com: Tolel. IV, c. IH ; Isi- 
dor. Jltspal. Orig. I, c. 3; vgl. August i 
Denkw. XI 386). 

Die Apsis ist mit einer halbkreisförmigen 
Kuppel gewölbt. Polygonale Chorabachlüsse 
kommen in der frflneaten Zrit nicht Tor, 
indessen finden sie sich seit dorn f!. Jalirli., 
80 in Apollinare ^uovo in Kavenna 
(HüM Taf. 3 '), 8. Giovanni in Porta Lar 
tiiia in Rom (eb. 3 Kirche de» Job. Stu- 
dios zn CP. (eb. 5 0- B. zu Parenzo (eb. 
17*), 8. Apollinare in Classe bei Ravenna 
(eb. 21*), Kirche zu Ephesus (? eb. 31"), 
S. Sergius und Hacchus zu CP. (3/8, eb. 
32*'*). Kectanguläre Chöre, wie sie im 
MA. eraeheinen, sind Im Alterthum unbe- 
kannt. 

Auch die quadratische Ummauerung der 
Apeide >ei^ sich gegen Ausgang der Pe- 
riode: ao u S. Agorano del eroeifisso in 



Spolelo (Hi^seh 6**). Gans abweichend 

ist die aus dorn So^u^nt eines j^^rossen Krei- 
ses bestehende Apsis von S. Pudenziana 
in Rom (eb. 7*). Die neben der Hanpt- 

apsis zuweilen gelagerten Seitenapsiden sind 
in der Regel ebenfalls halbkreisfonnig ; doch 
liat S. demente zu Rom ausser einem halb- 

kreisformii^en aucli einen dreiseitigm Neben« 

chor. In den Hauten Coelesyriens sieht 
! man nicht selten die halbkreisförmige Apsis 
I ummauert zwischen zwei oblongen Neben- 
chören. Fortsetzungen der Seitenschiffe, He- 
gen (B. in Ruciha , G. Jahrb. , de Vogue 
|Taf. 68). 

Der Chor war von dem Langhaus durch 
1 die C a n c e 1 1 i (s. d. A.j getrennt, an deren 
I Hilden die Ambonen (s. d. A. £L 43 f.) 

Platz hatten, von welchen Fvinif^eliom und 
I Epistel verlesen wurde, in der Mitte des 
I Cnon stand der Altar, die mmm, mit der 
zur Aufnahme der Oblationen dienonden 
Prothesis (s. d. A.). Diese Prothesis mag 
zuweilen in einer eigenen Exodra sich be» 
funden haben (Pastophonutn, s. d. A.). Die 
Nebenchoro dienten als Diacom'ra Ctxevo- 
^uXaxia. Sacristeien u. s. f., s. d. A.>. Im 
Hintergrunde der Apsis war die bischöfliche 
Cathedra (Upovo;. s. d. A.) aufgerichtet, 
die wol meist mit Vorhängen verhängt war 
(cathedra velata^ ÄugmHn. Ep. 203; Afhan. 
Apol. II). Rechts und links von ihr zogen 
sich an den Wänden der Apsis die Siib' 
sellia für die Priesterschaft hin (9»v8povou 
ftpovoi os'jTcpot). SO dass f^p^voc xi\ Tjy.<!^i)Xia. 
unterschieden werden {Jäus. U. e. X 4., 5; 
VTT 30; Greg. Nag. Somn. Anast t. 4. 
carni. lainb. 23; Const Ap. II 57; 7%eo- 
dorct. 11. e. VU 3). 

7) Anbauten. Sowol die oben gegebene 
Abbildung einer B. auf den Sarkophag des 
4. Jahrh. als die Schilderungen bei Pau/hi. 
Nol. Ep. 12, Conc. TruU. c. 97, Nov. Uo- 
nis Imp. 73 beweisen fflr «ahlreiche An- 
bauten. Gänge und Kammern, welche sich 
um das Langhaus herzogen (vgl. Bingham 
j III 251). Yen den Baptisterien ist bereits 
Hede gewesen. Weiter sind als solche An- 
i bauten zu nennen : die Diaconica (ob im- 
I mer in den Nebenapsiden ?), Seeretaria, Ve- 

stinria , Ri rfjttoria (salutatoria) , die Dt cn- 
nica oder Kirchengctängnisse , Mitatoria, 
Gasophijlada und PatiopHoria^ die Ar- 
chive, Bibliotheken, Schulen, X e- 
nodochien. Armen- und Kranken- 
häuser, Bäder u. s. f. (s. die Art.) Un- 
ter den noch so wolerhaltenen Denkmälern 
Centraisyriens sind mehrere Haisiliken mit 
sehr umfa.s.senden Anbauten: so die B. zu 
Kherbet-IUss {dt Vogue pl. 59), die- 
jenige zu El-Barah feb. pl. W): beson- 
ders lehrreich ist der CJrundnss der Doppel- 
B. des U. Simeon Stylites in KaUt Se- 
ma*n (eb. pL 139). 



Digitized by Google 



BaaiUka. 



127 



8) Orientirung und Bftulinie, s. 

Orientirung. 

9) Aesthetische Wirkung. Deco- 
ration. Der Mangel architektonischer Glie- 
derung in der iiltphristliohon 15. maclito den 
Eindruck grosser Einfachheit und Nüchtern- 
heit Oerade darum aber wirkt ihr Anblick 
noch jetzt so hedeutciul. , Betrachtet man 
diese Basiliken mit urcliitektoniBch gewohn- 
tem Aii^'«-, SD entbehrt man nicht nur jedes 
reiche, schmeichehido Detail, s(>iiil(^m ni.ni 
entdeckt leicht manche« Uuzusanimenhiiu- 
crode, Widerspruchsyolle, Rohe. Aber die 
Wirkung dcsGan/fii i^f dennoch eine höchst 
wohlthätige, erhebende und beruhigende, 
und man darf nicht zweifehi, dan die groM- 
artif;e Einfachheit . mit welcher hier die 
(irundzüge christlicher Architektonik dar- 
gelegt sind, sehr Tiel daza beiti^gt. Wir 
fühlen einen Anfang, der den weitern Fort- 
schritt der Jahrhunderte ahnen lässt; wir 
tehoi die einfache Groodform aller späteren 
christlichen Tempel klarer und verständ- 
licher, als sie uns bei reicheren Formationen 
entgegentreten würde. Es ist gewiss, dass 
diese Form nicht das Werk einer kfinst- 
Icritk^ihcn Ueherlt'srnnfr . Kondern ein unmit- 
telbares Erzeuf,niiss des Bedürfnisses war. 
Der geistigere Gottesdienst, die Gemeinsam- 
keit des Cultus forderte (h>n grossen , fje- 
Bchlossenen Raum; die herkömmliche Sou- 
derung der Geschlechter und Stände machte 
die Mehrzahl der Schiffe, die Heilighaltung 
des Altars das geräumixe äanctuarium nü- 
thig, das Ablesen der U. Sehriften bedingte 
die hellem Beleuchtung. Hier, wie immer, 
«rzeuirte der Cultus die architektonische 
Onindfonn. Es war wieder ein einfhelrar 
Kormgedanke, wie der des Säulenhauses 
für die griechische Architektur, der aber 
•benao wie dieeer der fruchtbare Kam der 
weitem Entwicklung wurde. Die Erbauer 
dieser Basiliken haben also dennoch eine 
grosse künstlerisch wirksame That vollbracht, 
deren freilich sie selbst und ihre Zeitge- 
nossen sich nicht bewusst waren , und die 
keinem Einzelnen beizumessen ist, sondern 
ans der Gesammtheit der christlichen Ge- 
meinden hervorging. (lerade d{i.s ist das 
EigenthümUche der Architektur, da.ss ihre 
hSehsten Grundgedanken nicht von Ein/ei- 
nen entdeckt oder erfunden, sondern da.ss 
sie unbemerkt und anspruchslos, gleichsam 
im Dunkeln, geboren werden' (Se^naase III 
53 f.). 

Die ästhetische Wirkung der Basihkeu war 
übrigens keineswegs durch die Baafonnen 
allein bedingt; sie ward in einem Masse, 
vou dem der gegenwärtige Zustand derselben 
kaum mehr eine Vorstellung giebt, durch 
die pra('htvr)ll(; I n n en d e c u r a t i o n ge- 
hoben. Diese Decoration bestand theils in 
der Verwendung kostbafer Harmoref mit 



denen der Fussboden und die Wände aus- 
gelegt wurden , ebenso kostbaren Holzes 
(Cedemholz) für Getäfel und Decke, theils 
in reicher Vergoldung des Gebälkes u. 
s. f. Ausserdem fehlte es nieht aji kiiiist- 
liclien Seul|)turen, wie denn namentlich die 
Altarschranken ans sierlicher netzförmiger 
Arbeit gebildet waren. Die Wände und 
Fenster wurden mit prächtigen Top pichen 
▼erh&ngt, und ein reicher Baldachin fiber^ 
scliattete die Altannensa. Goldene und sil- 
berne Geiasse, die auf den Altären autge- 
stellt wurden, mSchtige Candelaber aus Erz 
erhöhten die Pracht: vor Allem aber war 
es die musivisehe Ausmalung der 
Ooneha, des Triumphbogens, oft auch der 
Oberwand des Mittelschiffes und der West- 
front wie der Vorhalle, welche einen ge- 
waltigen Eindruck machten. ,iramentheh 
gilt dies von den Mosaiken in der Concha; 
meistens colossale Gestalten, vereinzelt, ganz 
gerade dem Beschauer entgegengekehrt, 
schwebend oder doch leicht auf dem ange- 
deuteten Fussboden stehend, auf blauem 
oder goldenem Grunde, von ernstem Aus- 
druck, von einfacher, strenger Gewandbe- 
handlung. Die imponirende Erscheinung 
dieser hohen Gestalten bemächtigt sich des 
Eintretenden und zwingt ihn gleichsam, im 
ehrfurchtsvollen leisen Schritte den Gang 
zu der hl. Stätte zurückzulegen, welche 
durch den Glanz des (Goldgrundes oder durch 
die lichten Farben recht deutlich sich als 
das Ziel des Strebens zu erkennen giebt. 
So ist denn der Emdruek dieeer Gebinde 
ein sehr wohl t hat iirer, ernst und doch nieht 
mit weltlicher Consequenz, heiter und doch 
wehmflthig, Tor Allem bescheiden und doeh 
reich^ (Sr}uiiia!9t' III 59). 

10) Entwicklung der 13. Wie der 

griechische Tempel gleich emer plStzlichen 
ffenbarung uns auf einmal als etwas Fer- 
tiges entgegentritt, so zeigt sich die christ- 
liche B. sofort bei ihrem Auftreten in den 
Tagen Constantins als etwas in ihrer Art 
Vollendetes. Gleichwol kann von einer Ent- 
wicklung gesprochen werden; provinzielle, 
locale Einflüsse haben auf die Gestaltung 
der B. wie im Ganzen so namentlich in den 
Details eingewirkt, und so lassen sich denn 
mehrere Gruppen unterscheiden , die zum 
Theil auch zeitlich Phasen der Entwicklung 
durstollen. Die erste dieser Gruppen ist 
die abendlandisch-römische, mit der 
nhrinjens auch im Orient die meisten Ba.si- 
liken der frühern Zeit im Wesentlichen über- 
ehutiramen. Es lassen sich da Terschiedene 
Klassen von Basiliken unterscheiden. Die 
vou mir früher adoptirte Zestermaunsche 
Classification ist indess nicht haltbar. Zo* 
stermann nimmt als erste und primitivste 
Klasse diejenigen Basiliken an, die ein ein- 
fiMshes Gfalmigum, ohne Ausbau, darstellen, 



Digitized by Google 



12b 



BasUikft. 



und nennt als Hois|)if'If die B. S. Lorfnzo 
f. 1. m. und die Pauimische B. zu Tyrus 
(Eka. H. e. X 4). Indenen entbehrte ehe» 
mal« die H. S. Lorenzo keineswegs der spä- 
ter erxt abgeräumten Apside, und Eusebius' 
Beschreibung der Kirche zu Tyrus schliesst 
eine eolehe durchaus nicht aus. Der Dnm 
von Trier hatte zwar, wie wir im Oegensatze 
zu der frühem Angabe jetzt durch r. 117/- 
nUMfaky wisHen. keinen Ausbau, alier da er 
vermutlilich ursprünglich kein kircliIicluTliau 
gewesen, kann man sieh nicht auf ihn berufen. 
Ea ist also nicht nachgewiesen, duss es ßasi- 
h'ken ohne ApslM gab. Als erste Klasse 
stelle ich <iaiier das einscliiiilge Oblungum 
mit Apsis, ohne SauIensteUnng im binem, 
hin, ein sehr selten vorkommendes Sdir'nia 
(Babouda, de Vogu'e pl. ti7): als zweite 
die dreiwhiffige B. ohne Querhaua (hl.Grab- 
kirrhe ronstanrins zu Jerusalem. S. Af^nese. 
S. demente in Rom); als dritte die drei- 
eehiffige B. mit Querachiff (s. oben); ab 
vierte die B. ohne Atrium, mit Vorliallc i 
oder Loggia unmittelbar vor dem Eingänge | 
(S. Maria Maggiore, S. Maria in Trastevere, | 
nnprunglich so angelegt ; bei anderen wurde 
das Atrium erst später entfernt, so in S. 
Agneao, 8. Maria in Domcnica, Basilica Ses- 
•Oflkma). Als eine fttnfte Klame kdnnte 
man mit Zestermann die sog. byzantini- 
schen Basiliken auschen, Basiliken mit 
drei Apsiden, ohne Querschif!', aber mit 
Narthex im Innern des Baues. Der Name 
ist jedoch jedenfalls ungenau gewählt. 

Eine zweite ganz eigenthiimliche ( Jruppe 
ist diejenige der von ilr rV/c/J't Syrie centrale, 
Par. 1865) in Centralsy rien im Liba- 
non entdedtten Denkmiler (4. bis 7. Jahrh.) 
— ein christliches Pompeji, das beim Her- 
annahen der Saraeeneu im 7. Jahrh. ver- 
hunen mirde. Er hat sich hier eine Reihe 
von Städten und Dörfern mit bürtrerlichen 
und lürchiicheu Bauten, Kirchen und Klö- 
stern erhalten, Ton denen die ifldliehe Gruppe 
im Haöran (Aunmitis, Batanea. TrachonitiB, 
Ituraea) am interessantesten, die nördliche 
(Gegend von Antiochien, Apamoa, AJeppo) 
am reichsten und besten erhalten ist. Diese 
Denkmäler zeigen den auch der syrischen 
Theologenschulc eigenen Hang zum Katio- 
nellen, Empirischen. Das Charakteristische 
derselben Ifisst sieh , soweit es nnsern (Je- 
genstand berührt, in folgenden Punkten 
znsammenfiuaen: a) die Capitellbildung er- 
innert nur mehr entfernt an die Antike; 
es finden sich wie vom Wind bewegte Kelch- 
formen, Ähnlich demoi des MA.s (Dom zu 
Salemo); h) Pilaster zur Ausbildung der 
Ecken und Stirnseiten; c) die Apsis erhält 
hSnfig eine Pilastermnfassung — ein erst in 
der romanischen Architektur des 12. Jahrh. 
wiederkehrendes Motiv; d) die Bogen wer- 
den mit oniunentirten Gesimsbiadem nu- 



rahmt : e) die Formen zeichnen sich durch 
Derbheit und Massenhaftigkeit, die Profile 
durch Stumpfheit aus, wie sotehee der blosse 

Steinhau bei dem Mangel des HoIz<» be- 
dingt; f) als Hauptomament begegnet man 
dem Akanthus una der Weinranke mit sjrm* 
l>olisch-christUdier Bedeotmg (Monogramm 
Christi, Vasen mit Pfauen, wie in Ravenna) ; 
g) das Ornament entbehrt der geometrischen 
Combinationen ; h) die äussere Eäveheinung 
der Bauwerke ist wiinlii;. rubis^': man liebt 
wirksame Westfacaden mit im Boj^en ge- 
öffneter Vorhalle, darflber Säuleiilog},'ien; 
Thüre und Fenster hal>en geraden Sturz oder 
auch Kundbogen; i) es zeigt sich Abnei- 
gung gegen das Heraustreten der Apsis, 
daher häufig Ummantelung derselben, oder 
im üegentbeile völlige Entwicklung der- 
selben, wie in der romanischen Kumt des 
.Tahrh. . mit Verwendung «ler oberen 
Säuleu als Stützen der Kragsteine. 

Eine dritte Ittr die Entwicklung der 
christlichen Architektur liochwichtigeffruppe 
ist die von Ravenna, wo sich die Bauge- 
sehichte wesentlich an den Namen der Galla 
IMacidia. Theodosius' Tochter und Ge- 
mahlin des Athaulph, dann des Constantius 
(425), des Ostgothenkönigs Theoderich 
(493— 52<;), des Iuli»n«S Argen tari us 
(Schatzmeister der rn%'ennati»chpn Kirche?), 
dann an denjenigen lustinians d. Gr. 
knüpft. Man liat in den Bauwerken der 
Zeit des riuMxlerii b schon Spuren des ger- 
manischen Geistes, namentlich im Ornament, 
Hnden wollen; gewiss mit Unrecht, da sich 
die dafür angeführten Formen wol auch 
anderwärts belegen und herleiten lassen, 
andererseits der germanische Geist hier wie 
allenthalben in jeiirr Zeit sich einfach der 
vorgefundenen Kuustformen bediente, ohne 
sunäehst Selbständiges zu produciren. Die 
Künstler, die für Tlieoderich arbeiteten, 
waren gewiss keine Gormanen. Dabei kann 
man zugeben, dass in mancher Hinsieht die 
raveiniatischen Bauten dem MA. näher ste- 
hen als dem AJterthum. Charakteristisch 
ist ihnen Folgendes: a) die Yerlmidmig 
der Säulen nicht durch Architrave, sondern 
durch Kundbogen; b) die Einführung dea 
Kämpfers, der als ein eigenes Glied zwi- 
schen Capitcll und Bogenatisar/. tritt, nm 
eine weitere Oeffnung der Arcaden zu er- 
möglichen; c) Belebung der \Vandtlä<'he 
dlUWh ans SKegelpfcilem gebildete, die Fen- 
ster umschliessende Bogen; d) überhaupt 
stärkere Betonung des Aussenbaues, wie 
dies sich s. B. auch in den grösser ange- 
legten Fenstern zeigt: e) endlich da.s wich- 
tigste hier hinzutretende Element sind die 
Tlifirme, welehe erst gegen Ausgang un- 
serer Periode auftreten. In Rom wirtl erst 
im 6. Jahrh. (770) eines Glockenthurmea 
bei S. Peter gedacht (ÄiuutM, Yit Steph. 



Digitized by Google 



Basilika. 



129 



III); dort wie hier stehen «ie in der älte- 
ren Zeit nur neben der Kirche; in Ilom 
sind die Thümif meist vierookip, in Ra- 
venna rund mit {?ekupi)elt('n Fenstern. Vgl. 
r. Qftmt Die ultrhristl. Hauwerke von Ra- 
venna vom 5. bis »i. Jalirh. , Berl. 1H42; 
HtVtsch a. a. < ). ; Hahn in v. Zahns Jahrb. 
f. Kunntw. I, Lpz. 18»!9. 

In den ravennatisrhen Jiauwerken wie 
in denen von CentraUvrien offenbart Kleb 
der UelK'rgang zu dem by /an t inisehen 
Stil, der «ioli durch Verscliiebung bez, Ver- 
mischung der Kiemente und Formen der nlt- 
christlit'hen H. und des Ceiitralbaues cha- 
rakteriüirt und der b«i letzterm nälier zu 
erörtern ist. 

IV. Statistik der altchristlichen 
Basiliken. Kinc vollständige Statistik 
der nlt<'hristlichen Basiliken lehlt gt»gen- 
wnrtig noch und ist allerdings nicht leicht 
herzustellen. Die nachfolgenden Angaben 
erhebe« keinen Anspruch auf absolute Voll- 
ständigkeit, werden indessen immerhin als 
ein Versuch willkommen sein, der «las uns 
bekaJinte Material ülKürsichrlich und ersi-hö- 
pfender , als es bisher gcsrhchen , zusam- 
menstellt. 

Italien: Horn Cvgl. Cinmpini de sacris 
aediticiis a Constantino M. constr., Hom. 
1893; Srsbitt On the (Muirches at Korne 
earlier than the year 1150, in Archaeolo- 
gia XL. Lond. 18<»(); Hübsch und liunscn 
8. a. (). ; Fontami C'hiese di Koma , Koma 
1840 : MilnU 

Les ane. Hasi- - — . 

li(jues etEglises 
de Romo au lö' 
B. in K«'v. ar- 
cheol. 1S77 f.). 
In den Unter- 
schriften der 
49tl unter Papst 
Symmnchus ge- 
haltenen Sy- 
node werden :{0 
(nicht 2«, wie 
Hichftr a. a. < ). 
45 nach Gretjo- 
rorins \ 253 f. 
angiebt) Tituli 
aufgeführt; es 
sind nachste- 
hende: S.,Vemi- 
lianae. S. Ana- 

stasiae , SS, 

Apostolorum. 
8. L'aeciliae, S. 
l'hrysogoni, S. 
Clemontis , S. 

Cresrentianae. 
S, Cyriaci. S. 
Cvriaci in ther- 

'• ... r. 1 •• Fig. 59. 

mi», S. Rusebn, 

Rf'al-Encrklopüdie. 




S. Faaciolae, S. Gaii, S. lulii, S. Laurentii 
(wol f. I. m.), S. Laurentii in Damaso, S. 
Laurentii in Lucina, S. Man-elli. S. Marci, 
S. Martini tit. Lquitii, S. Mattbaei, S. Ni- 
comedis, S. Panimachii, S. I*ra.xedi8. S. Pu- 
dentis, S. Romani, S. Sal)inae. S, Susannae 
Trigidae. S. Vestinae. Vgl. die Acten bei 
Harduin II 957, Mansi VIII 230, Surins 
W 330. 

Noch theilweise in Ruinen erhaltene Coe- 
meterialbasiliken sind die beiden Basilica 
S. S i s t i et S. C a e c i I i a e und S. S o t e- 
ris (s. oben); bis jetzt nicht constatirt sind 
die Ba.siliken S. Marci et M a r c e 1 1 i a n i 
(Bull. 18<><;, 23; 1874, 9, 13, 29; 1S75, 14, 
39) und diejenige, welche P. Damasus 
für sich, seine Mutter und Schwester bauen 
Hess (Bull. 18<;(!, 23; 1874, 9, 12 f., 29; 
1875, 14;, beide an der Via Ardeatina. 
Verschwunden sind die über dem (.'oemc- 
terium des Praetextatus angegebenen Ba- 
siliken der bhl. Tiburtius, Valerianus 
und M a x i m u s {de lio.tsi Bull. 1 8(53, I —2 ; 
18<54, »>0; 1872, 53 f.) und S. Zeno (ib. 
18(13, 1 ; 1872, 53). 

In den Fundamenten vollständig erhalten 
ist ferner die oben S. 118 erwähnte, hoch- 
interessante Doppel-B. der hl. Sympho- 
rosa, 9 Miglien von Rom, an der Via Ti- 
burtina; s. .Sterfnwn im Bull. 1878. 75 ft". 
und S<"operta dellu basilic« di S. Sinforosa 
in Oli Studj in Itnlia, Rom. 1878. Die 
grössere B, ermangelt des Querhauses, ihr 

Langhaus ist 
durch eine Dop- 
pelstellung von 
je sei'hs oblon- 
gen Pfeilern in 
drei S<'hifi'e ge- 
theilt; der halb- 
kreisförmigen 
Apsis ist »ehr 

charakteri- 
stisch ein recht- 
winkliger, ob- 
longer Raum 
vorgelegt, wel- 
cher von zwei 
fast ({uadrati- 
schen Secreta- 
rien tlankirt ist. 

Derselben 
Kategorie v<m 
C'oemeterialba- 
siliken gehören 
diejenigen der 
hl. (J e n e ro sa 
unrl «b r hl. Pe- 
tronilla an. 
Erstere. über 
dem Cocmete- 
rium ib'r fJene- 
rosa , an Via 
9 



Rom: QrODtlriM der Katakomb« nad Batilika 
dtr hl. OrocroM. 



130 




rig. m. Rum: Orandrits d«r Baiillka H. P«troiitlU. 



Portiipnup . 5 Mifjlic'ii von Rom fjt'lpfjen, 
«teilt piiiz n)>woii'lien<l<'r Wi'iso in ihrem 
Orundriss ein rechtwinkli<res Ohlon^um dar, 
«las dureh eine DoppelHtellunjf von je drei 
(juadratis('hr>n l*f«'iU'rn in drei Schiffe go- 
theilt ist: die Apsin ne<;t an der «lern Mar- 
tvrer^rahe zunärhst kommenden Lanj^seite 
(m l). Vgl. >U' /{ossi \{. S. III ii'iA f. und 
ilazu Tav. 52 u. M'k und Kraus R. S. 2. A. 
8. 52(» ((TrundrisH. danaeli hier Fi|r. (10). 

ßasilioa s. P e t r on i 1 1 a e. 1H74 auf{3[e- 
deckt; vgl. »le liossi Bull. 1H74. Taf. 4 u. ö. 
p. 1 u. I>8 f. Dreiwhiffige Säulen-H. mit 
Vorhalle und Apsi« (in welcher Nisclie für 
die Cathedra). Die Krhauung lallt Hil") ; 
die l\. wurde unter Leo III (7«J5 81«) 
verlassen und wahrseheinlieh durch das 
Erdhehen von 8'.»7 zerstört. Kino der merk- 
wünligsten Ausgrabungen tie lios.si's; vgl. 
Bull. 1874. 5 :t5, (J8 75; 1875, 5-11. 
4<>- 50. Man heaehte die trapezförmige, 
an die ältere Cella der hl. Syniphorosa er- 
innernde (»estalt de>t Langhaust-s. 

Gän/Iieh zerstört und abgetragen sind 
die mit Stern Itezeiehneten Bauten. 

S. AgatH iu Su hurra, um 4(»0 erbaut, 
unter Rieimer arianisch (Mosjiik mit In- 
schrift, 158«) zerstört), 5".>1 von fJregor d. 
(ir. neugeweiht, 1.589 modernisirt. Zwölf 
Oranitsäulen mit weiten Intercolumnien. von 
Archivulten überspannt, ebenso die Mittel- 
schiff- und rmfassungsmauern de» alten 
Baues haben si«'h erhalten. Auf den in 
Stuck erneuerten Capitellen Kämpfer. Vgl, 
Hühsrh a. a. 0. XXIV. 

S. Agnese fuori le mura an Via 
Nomentana, von (.'«»nstantin d. (ir. :i24 an- 



geblich Aber dem firabe der hl. Agnes ge- 
gründet, von Symmachus am Chor restau- 
rirt, von 1'. Honorius um •)2»» neu aufge- 
führt (Lib. Pontif.) und nach der B<'schä- 
digung 755 durch P. Hadrian 775 wieder 
hergestellt. l)reis<-hifflge B. mit einer halb- 
kreisförmigen Apsis, südlich quadratischer 
Kxedra und Vorhalli-: Seitenschiffe wie in 
S. Lorenzo zw«'istöckig . doch trägt hier 
auch die untere Säulenstellung Archivolten, 
und sind die (lewölbc der unteren Abseiten 
nicht, wie in S. Lorenzo, von Holz, son- 
d<'rn gewöMit. Cimnpini 12*1; Iliibsrh 89, 
pl. XXXVIP-'«. Hecke modern. Die ehe- 
dem offene Daehrüstung ist im 17. .lahrh. 
durch einen geschlosseiu-n Plafond ersetzt 
worden. Vgl. de Rossi Bull. 18<»3, 48; 
18<!5, 48; 1873, HM; 1874, 12; 187.5, 2r.. 

S. A I e s H a n d r o in Via Nomentana, tief 
im B<Mlen , ärmlich , mit verschieden gear- 
beiteten Säulenschäften, lliift.sc/i XXIV. 

* S. A 1 e 8 s i o , angeblich von dem Sena- 
tor Kuphemianus zu K. Honorius' Zeiten 
gestiftet, I57t» ganz umgebaut; nur da» 
Atrium ist dem l'lane nach vorhanden. 

*S. Anastasia SU b paintio, im4. Jahrh. 
gebaut, 1721 ganz modernisirt. Vgl. (/«■ y^«.«.-.si 
Bull. 18<)7, 10. 

S. Angelo in Via Salaria , kleine K., 
42!» (Inschrift) gegründet. iJt Rossi Bull. 
1871, Uli f. 

*S, Andrea in Barbara, ehemal« in 
der Nähe von S. Maria Maggiore, jetzt zer- 
stört, aber noch V(m Ciamphii Vett. Mon. 
I. c. 1 abgebildet; vgl. Jlfihsrh 71. pl. XXX 
Kinschiffiger , rechteckiger Bau mit 
Vorhalle und Apsis. von (^iampini mit Un- 



1S1 




Flf. «]. Eon: Asaleht il«r Rnintn 4tr BMlUk« $, Pelroufll«. 



recht für die zu Cultzweckon umgewandelte I S. Balbina auf dem Aventin, ein' 
antike Basilica Sicinntna gehalten. Vgl. de schiffige Kirche mit offenem Dachstuhl, 
Ro»»i Bull. 1867, 65; 1868 , 55; 1871, . einer Apnis. Vorhalle und Kapellen mo- 



5—29, 41—64, 133, 134. 

*S. Andrea in thermis Diocletianii, vgl. 
de Rassi Bull. 1869, 94. 

*8. Apofltoli, 499 erwähnt; Pelagius I 
erbaute sie 560, wie es scheint, von Neuem, 
Johannes III vollendete sie; 1348 wurde sie 
durch ein Erdbeben zerstört, von Martin Y 
erneuert. Ciampini 137. 



dern. Gegründet von Gregor d. Or. Dop- 
pelte Reihe von Fenstern; von der Bank, 
welche unter der obern Reihe sich hin- 
zieht, steigen Liscnon nach dem Dachsims 
auf. Vgl. mb«eh 90, PI. IIP, XXXVIP-». 

S. Bibiana vor Porta maggtore, 470 
dun'h P. Simplicius neben dem Liciniani- 
scheii Paliitit gcj^iUndet , unter Urban VII 



182 



dnreh Bernini modemisirt. DreiRehUR^ B.^ 

acht antike Siiulfn : Apsis. Hübsch JuLVf^ 
de Jtosai Bull. iHOtl, 45; 1809. 2. 

*S. Bonos II inTrastevere, jetzt er- 
neuert; <lr liossi Bull. 1K70, 83 — 41. 

* S. (y e (• i 1 i a in T r a s 1 1> v p r e , «chon im 
5. Jahrh. einer der lluupttitel der Stadt, 
Ton Pasoludis I im 9. Jahrh. gam mnge- 
baut. 

B. Clenieute« südöstlich vom Colos- 
•enm; der gegemw^brÜge Oberbau f^ehört 

dorn MA. nn (Jcdiann VIII. 872 Ss2. Pa- 
schalis II, — zeigt aber in sei- 
nem GrundrisB durchaus das altehristliehe 
Schema, und zwar treuer, als irgend eine 
andere B. Roms. Man tritt durch das alte 
Vefltibulum (9. Jahrh.?) in den quadrati- 
schen Vorhnf (Atrium) mit seinen Portiken 
und dem Cantliarus. von dort iu die drei- 
schiff'i^'e Säulen-B. (Narth<'X, im Mittelschiff 
Chorus für die niedere Geistlichkeit, 9. Jahrh.. 
drei Exedrenl. Alier unter diesem ndcihau 
liegt die hochintereHsante I nterkirehe, .seit 
1858 ausgegraben und restaurirt:*yf|^ dt 
Rossi huW. lHr,3, 25 ff.: Miifoahf Saint Tle- 
nient pope ^nd martyr aud his Basilica iu 
Rone, Kome 1873^ 2. ed. Sie hat gf&were 
Dimensionen, als der mittelalterliehe Jfeu- 
bau; nur eine grosse Apsis, drei Schiffe, 
Narthex. Das Langhans kt roxi Osten nach 
Westen von einer Substruetionsmauer für 
den Oberbau durchzoj^en. Dieser Bau, schon 
von Hieronymus um 31)5 erwähnt, wird in 
die Zeit Constantins d, (Jr, genetzt; doch 
fallen die merkwürdigen Fresken dessellien 
meist viel später, in» 7., 8., U. und 11. .Jahrh. 
Eine Treppe fDhrt m einem dritten Stock- 
werk, dem ursprilnfrlirlien Bau. Iiesfehend 
aus ciuigeu, noch in die Zeit der Kepublik 
bes. der frühesten Kaiserzeit hinaufreichen- 
den Kammern, von denen eine im 2. Jahrh. 
zu einem Mitliraeuju umgewandelt wurde. 
Da der hl. Clemens, der (dritte?) Nachfol- 
ger des hl. Petrut«, nicht iu Kom beerdigt 
war und bis ins 4. Jahrh. hinein keine 
Kirche auf den Titel eines Heiligen geweiht 
wurde« dessen Gebeine Rio nicht umsohloss. 
so vermuthet de Hossi . dass ("lemens in 
irgend einer andern Beziehung zu jener B. 
geatanden haben muss, welche nach Hiero- 
nymus nominis eins memoriam usque liodie 
. . . custodit. Es ist nur eine liyuothese, 
aber kdne schlecht begrfindete, aass die 
erwähnten Wohnkammern von Clemens oder 
seiner Familie bewohnt wurden. Der Libcr 
pontifiealis giebt als Yatcr des Clemens 
einen auf dem ('<»elius wohnenden Fniistns 
an, ein Name, der zu Ende des 1. Jahrh. 
besonders in der Familie der Aeilii Gla> 
briones gebräucblieli war. Ein Acilius Gla* 
brio war VU n. Chr. Consul und wurde nach 
SuetoH. in Domit. c. 10 wegen Neigung zu 
Neuerangen von Domitian zum Toae ver-| 



I nrtheilt — vieUeieht wegen Christenthnms, 

I wie Andere, die de« nämlichen Verbrechens 
wegen exilirt wurden {Dto. Hist. LXVIl 

I 12, 14). Stand dieser (Jlabrio mit Clemens 
in Beziehung und war letzterer nicht ein 
Glied seiner Familie? — Ueber das Atrium 

j und Portal vgl. Hiil/srii 103 ; bes. de liossi 
Bull. 1863, 8—14, 25—3», 52—89; 1864, 

' 1—0, 39. 40, 42, 79: 1805, 2.3, 32; 1867, 

|35; 1870, 41, 125—127, 129—168; 1874, 

142, 50; 1875, 54. 

*SS. Quattro Corona ti, nach AhA» 

j stasius unter Honurius 1 (62ö — 638) auf dem 

'Coelius gestiftet, doch schon unter Gregor 
d. Gr. genannt. Von Leo IV im 9. Jahrh. 
umgebaut, ebenso 1111. Iliihxrh XXV; 
Ciampini 137; de Roftfti Bull. 1879, 79. 

S. C o s m a e D a m i a n o Cin CampO vaoci- 
nol, Iliihsch i>, IM. ni\ fX': nur uneigent- 
lieh hierher zu zählen, da die Kirche ein- 
schiffig ist. Ilalhkreisförmi^'e Apsis. Alt 
ist auch noch die iil)er die Ku|)))el der 
Vorlialle aufragende (iiebeinmuer der Vor- 

I derfa^e. Erbaut von P. Felix T (526 bis 
r)3(l) nach dem l.ih. Pont, und Paul. Diac. 
Berühmte Mosaiken. Vgl. de hosst Bull. 

! 1867, 61—72. 

*S. Crisogotio in Trastevere, auf 
dem Conc. Symmachi erwälint, 1128 um- 
gebaut. Vgl. de Bossi Bull. 1870, 153. 

*S, (^rocein Oerusalemme oder Ba- 
silica SesBoriana bei Porta S. Giovanni. 
Oefter erneuert; nur die Umfassungsmauern 
aus Backstein gehctren nach Hübschs Fnter- 
sucliuntren noch dem Constantinischen Pa- 
last an und umschlossen ein Vestilmlum 
mit Wohnkammern, die 330 angeblich auf 
Aiisnr!icn der hl. Helena zu einer Kirche 
verwandelt wurdeu. Auch der alte Fuss- 
boden üt dieilweise noch erhalten. Der 
ehemalige Bau ähnelte S. Agnese f. 1, m. 
Ciampini 116; Hübsch 70, pl. XXX«-", 
rV"; vgl. d« BoMi Bull. 1868, 15; 1872, 
37 f.; 1875, 125. 

*S. Eustachio, nahe der Sapienza, 1196 
neu erbaut, (iloekenthurm des 9. Jahrh. 

Oratorium der hl. Felicitas, an der 
Via Snlaria, Ober dem betr. Coemeterium; 
ITS.) zerstört. JJr hossi Bull. 18«>3, 21, 
40 f.: 1H72, 37. 

*S. Francesca Koma na. Die alte 
Kirche S. Maria antiquu wich unter Leo IV 
der 8. Maria nnova, die Nikolaus I (858 
l)is SC)?) vollendete, Sie wurde unter Ho- 
norius III (1216 — 27) rcstuurirt, 1615 mo- 
demistrt. AH ist nur noch der sehr in- 
teressante (iloekenthurm. VgL de BoBti 
Bull. 1867, 70; 1872, 57. 

*S. Giorgio in Velabro, TonLeoII 
682 gestiftet YorhaUe 824—44. Hübsek 
XXV. 

S. Giovanni in Calibito, de liossi 
Bull. 1867, 49. 



Digltized by Google 



BasUikB. 



133 



*8. Oioranni im Lateran, mater et 
Caput o<'f'|psianim , erster Bau (KaMilica Con- 
stantiiiiiina, dann S. Sulvatore, von Gre/»or 
d. Qr. Basilica aurea, Hpäter lateranensi») : 
entstandfri aus der Privat-B. de» lateraiii- 
sfhen Paläste», den Fuusta, Constaiitins Ge- 
mahlin, beaOM; SSH; /UAammengestürzt. Ciam- 
pini de saer. nedif. 7, 1 1). Heiichreibang 
Roma III, a. öü7. Hübsch XXIV. 

*S. OioTanni e Paolo in cUto Scann, 
ühfr dem Colosseum. als t. I'ainniachii 4!H) 
aut dein 8ymniachui»-Concil emähut, iin 



8irt. Altcliristlicher Olockenthurm. ////WA 
XXVI; vgl. de Ji(Misi Bull 1872, 106; 1873, 
36—41. 

*S. Giovanni a Porta latina. von 
Hadrian I, dann im 12. Jahrb. umgebaut, 
KiHii jfanz modernisirt. Hübsch XX\ 
de /^>.«i Bull. lHti7, 78 f. 

S. I p {> o I i 1 1 o in Fönte auf dem E»- 
quilin; v^H. fle liotsi Bull. 18»)7, 57 f. 

*Junius Ba^auB, B. des, 317 als 
lieidnisrlicr Hau errichtet, wurde durch Va- 
lila und P. SimpliciuH dem rhristliehen ('ult 
geweiljt. Man vgl. über sie und die merk- 
würdige Inschrift de« Valila Ciam/n'tii Vett. 
Mon. I, tab. I; (l^ Jiomti Inscr. I, n. 141, 
p. 80; C. Bock Christi. Kunstbl. n* 86 und 
87 (isf;<»). 

basilica Liberiana (S. Maria ad Ni- 
Tes, 8. Maria Maggiore), gegrOndet von 
P. Liberius VAr>2 :^66), von Sixtus III (432 
bis 44()j angeblich 



gewöhnlich Sixtus III (432—440) und be- 
sonders Pelagius II (078) /u : doch glaubt 
Hübsd, 49 f., pl. XVIP•^ XVIII das« 
die Gesammtanlage und namentlich die Auf- 
stellunij der 1'2 hcIiöikmi Miirrnorsäult'n auf 
die Constantinische Z«'it oder liocli s|)äteHtens 
auf Sixtus III zurückzuführen sei. Den 
jetzigen vonlcrn Tlicil der P>. biiutr II o n o- 
riu8 XU (121()— 2<J, indem er die Apsia 
der alten Kirche abtrafir und daa Mittelschiff 

derselljen zum Pn'sbvfcriiini umscliuf. Der 
Altar kam dann zwischen dieses und die 



12. Jahrh. umgebaut und spftter modemi- Vorhalle zu stehen. Zweistöckige Seiten- 



wt§. n. 



schiffe; die untere Süulcti'^ti'lhiiig trägt Archi- 
trave, die obere Archivolten. Ueber den 
neuem Bau Hilbteh 104. Vgl. Ciampim 1 1 1. 

S. L o r e n z o in L u c i n a. Von dem alten 
Bau Sixtus' III (440) steht nur noch die 
Vgl. • Mauer der Apsis mit einem Theil der Seiten- 
mauer (Lisenen-Arcatur). Hübsch XXIV; 
<h Bos.si BuU. 1870, 40; 1872, 122; 1873, 
22- 35. 

S. Marco. 33ß angeblich erbaut, in den 
Unterschriften des Symtnachus-Concils 499 
erwähnt, unter (»regor IV (827 — 844) neu 
gebaut, später modernisirt. Zwanzig alte 
(iranitsäulen. Vidlcirlit rührt «iie jetzige 
Vertiefung noch vuu dem ältetiten Bau her. 
De Rotsiim. 1875, 12&. 

S. Maria Annunziata, iZoMt Bull. 
18(>9, 85.- 

S. Maria in Cosmedin (Boeoa della 
Teritä), angeblich in den Tempel der For- 
tuna Virgo hinein« 
gebaut, im 6. Jahrlu 

eine Diakonie als 
S. Maria in schola 
graeca, im 8. Jahrh. 
durch P. Hadrian I 

vergrossert ; 
Hübach I(»2, pl. 
XLV*, XL VI» 
schreibt die Haupt- 
anlage letzterm 
ganz zu. Dreischif- 
fige B. mit einer 
Apsis und 1718 er- 
Querhaua fehlt. Die 




i: 8. Maria la OotMäla. 



erneuert. Indessen 

hat Hübsch 10, pl. 
IX die woIIk?- 
gründetc Behaup- 
tung aufgestellt, 
dass Sixtus keines- 
wegs einen volligen 
Neobao vorgenom- 
men und dftss die 
noch bis zum Haupt- 
gesims erhaltenen 
Mittelsrhiffsmauern 
mit ihrem sor^l- 

Ilgen Baeksteinwerk , der Trhimphbogen, I neuerter Vorhalle. 

wol auch die vordere Steinwand, vielli i( lif Säulen theils antik, tbeils altchristlich, zu 
auch die nun verhüllten Umfassungsmauern i sammengewfirfelt, von ganz verschiedenen 
j__ ö_-^ j._ äM 1 — L "Kapitellen und Schiften. Neu ist die Un- 
terbrechung der Säulenarcaden des Mittel- 
schiffs durch breite Pfeiler, ein bis dahin 
in Rom nicht angetroffenes Motiv. Fuss- 
boden von opus tesselatuni: zwei Ambonen 
und bischötliche Katlanlra. Hoher (36 m), 
achtstöckiger und viereckiger Thurm, mit 
zu drei gekuppelten Fenstern, aus Hadrians 
Zeit (777). Krypta u|iter dem Presbyte- 
rium. 

*S. Maria in Trastevere, soll auf 
dem von J.ainju idiiis in Alex. Sev. c. 49 
Den jetzigen Üstbau schreibt man i erwähnten Platz angeblich sclion durch P. 



der Seitensohüfe , jedenfalls die 44 kost- 
baren antiken Säulen dem Liberiaiiisehen 
Bau angeboren. Transept und Apsis sind 
sniter. Die Mosaiken an der Oberwand 

ues Mittelschiffs fallen in die Zeit des Sixtus 
und gehören immerhin zu den ältesten der 
nns in Horn erlialtenen. Vgl. Inneres bei 
Piranesi Vedute di Roma L 

S. Loren/o fnori le mura, über dem 
Coemeterium der Iii. Cvriaca, wo der hl. 
Laurentius seine Uuhestätte hatte, in Agro 
Verano durch K. Constantiii ireirniiidef i Lili. 
Pontif.j. 



L lyi i^cd by Google 



134 



Basilika. 



Callist I (Trichtet wnnlfn soin C224I), als 
erste Marienkirche der Stadt. Erwähnt wird 
ri« zaent 499 beim Ckmdl des Symmacliiiii 

als Haxiliea s. lulii, der sie neu crliaut 
haben »oll (337—354). Der alte Bau wich 
dem Neubau von 1139. Vielleicht sind die 
22 antiken, sehr ungleichen Säulen und 
das anfike fTcliiilk, welohes auf den den 
Triuniphhoj^cn tniffendcn zwei (tranitsäulen 
aufla,«<tet, noch aus dem ursprilnghclien Bau. 
Hnbsch XXVI, pl. LIII: 'le Rmsi Bull. 
1863, «7; 18(55, 24; isuil, 76, 94: ISfJ. 
60; 1869, 17—20; 1870, 113 f.: 1871, «7. 

S. Martine ai Monti. nclien den Ther- 
men des Caracalla, von P. Sylvester ge 



Vorhalle /erstört. Di»' Kirdie. vor dem Bau 
von S. l'eter im Ki. Jahrh. die grüaste B. der 
Christenheit, soll von Comttannn d. Gr. 324 

auf Wunsch Sylvesters da frej^riindet worden 
sein, wo der hl. Paulus auf dem Coemete- 
rium der hl. Lucina ad Tiam Osttemeni 
bestattet worden war. Dieser erste Bau 
wurde unter Valentinian II. Theodosius und 
AreadiuH (Decret vom J. 38B erhalten) durch 
einen völligen Neubau ersetzt, welcher fünf- 
sehiffig war, ein grosse« Querhaus, eine Ap- 
side und Vorhalle, ortcncn Dachstulil lie- 
8888 ; K2 Säulen trugen die Areliivolten. 
Vgl. Ciainpini l(l'>: H>V>sr/, 15 f., pl. X 



(Uruudrissj, XI, XII; rirauesi Ved. di 
grOndet, Ton P. Sjnmnachwi 600 neu erbaut, j Rom. T (Inneres); Rodni Sette ('olle di 
1650 modern umgeschaffen. Dreischifflge Roma II. pl. 99, 100. 101 (Zustand der ab- 
B. mit 24 antiken Säulen. Unterkirche in i gebrannten B. 1823, 17. Juli). Bei dem 
den antiken Tnüans-Thennen, dretBchifR- 1 von Leo XII eingeleiteten, von Pius IX 
ger, reetangularer Bau, mit 3 X 4 Grat- 1^54 geweihten Neubau hat man /war ilie 
gewolben , Resten altcbristlicher Öculptur Miuisse und den Qrundriss des alten Baues 



und Malerei, der alte titiilaa EquitiL flwMcA 
XXVI, pl. IV. 

K. des hl. Mennas in Via Ostienri; de 
Rossi Bull. 1869, 32. 

K. des hl. Michael in Via Salaria; de 
Jtositi Bull. IS71, 14»; f. 

*S. N e r eo e <1 A c h i 1 1 e o , bei den Ca- 
racalla-Thernien (tit. Faseiolae) , sehr alte 
K.. unter Leo III neu aufi^eführt. liuhsch 
XXVI; iie Rossi Bull. ItSUT, 51; 1874, 14, 
21, 31 flf.; 1875, 51—56. 

S. Nicoin inCarcere, aus einem heid- 
nischen Tempel entstanden; s. deRositi Bull. 
1873, 52. 

*S. Nieomedis in Via Hommtaiia; de 
Ro8»i Bull. 1865, 50. 
8. Pancrasio, yon 8yniniacHii« um 500 

bei der Kat4ikombe des hl. Calepodius er- 
baut , unter Honorius I 628 
1609 und 1849 erneuert. 

liehen Mauern und den Säulen 



(Langhans 120 m lang, 60 m breit, 23 m 
boch) beibehalten, alw^r den offenen Dach- 
stubl durch Cassettcndocke ersetzt. Ober 
das gothische Tabernakel einen zopHgen 
Ilochhaldaehin gestellt und die Kirche durch 
schreienden Pomp in der Decoration über- 
laden. 

* S. P e t e r i m V a t i c a n, erster Bau, von 
Constantin d. (ir. mit Benützung des Xero- 
nischen Cireus Aber dem Grabe des hl. Pe- 
trus errichtet, im 11. Jahrh. von 
im IT), von .)fiilf''a IV7/0 beschrieben: unter 
Sixtus V stellte Tibvi io Al/at uno von Zeich- 
nungen und Planen das suaammen, dessen 
er habhaft werden konnte, nachdem der alte 
Bau unter Giulio II abgebrochen worden 
war. Vgl. Chmpmi de aedif. Conat. 27 f.; 
Bniunint Nuni. summ. Pontif. templi Vati» 
umgebaut, , cani fahr, indic, Rom. 1706; MaUius Deaer. 
Von ursnrflng- j Vat. Bas. vet et noT., Rom. 1646 = Act. 88. 
ilen des Mittel- lun. VII 37 f.; Mnnt:: Rech, sur Toeuvre 



HiUmh 



er- 



schiifs hat sich ein Theil erhalten. 
XXIV. 

•8. Paolo ad Aq. Salvias, später 
neuert; s. de Rossi Bull. ISTI. 71 f. 

S. Paolo fuuri le mura, 1823 durch 
Brand bis auf 

die grosse Tri- 

buna mit ihren ^"""^^^^^^^^^^^^^ 

Mosaiken, die 
Mosaiken der 
4U ersten Päp- 
ste, einenTheil 

der Mosaiken 



archöol. de J. Grimaldi, in Bibl. des ecoles 
fran«. d'Ath. et de Rome, 1877, 225 f.; 

MifftKinti Ist. della sacr. patr. haa. Vatiean., 
R<mi. 1H07; Cannlliirl de secretariis basili- 
cae Vaticanae. Horn. 178»;, 4 voll. 4": Hüharh 

S. XXI II, pl. 



des Triumph- 
bogens, me 
mittelalter- 
liche Confe«- 
sio , die Ca- 
pella del Coro 
und del Croci- 
iisso und die 



5 



I 




III 



IV 



1-1 



Flf. 68. B«ni: B. Paolo f. L ■.. Oroadriat. 



Fonlana II 
Tempio Vatic. 

e sua origine, 

Rom. 1(594. 
Die Kirche war 
fünfschifllg, 
die Säulen an- 
tiken (lebftu- 

dcn r'titlehiit, 
ungleich , mit 
Atrium und 
ilem prächti- 
gen, von Pau- 
On Ton NoU 



uü by Google 



Basilika 



136 



beschriebenen 
Brunnen , Con- 
fe^io mit dem 
Orab de« Apo- 
stel«. 

Erhalten i8t 
noch die drei- 
sohiifi^e Unter- 
kirche (Grotte 
Tecchie; Torri' 
gio Sacre Grotte 

Vatic. , Rom. 
1639; Dionigi 
Sacr. Vatic. Ba«. 
Cryptae monu- 
menta , Rom. 
1773 |mit den 
Suppl. vonSarto 
und Settelel), 
Angebaut war 




Fif. 64. Rom: Fa{«d« der klten 8. P«tertklroh«. 



«iden. Iliihsrh 
15 und pl. VIP, 
TX'-* hält auch 
die Kreuzgewöl- 
be der 8eiten- 
schiffe und des 
Querhauses, wie 
die von S. Ago- 
«tino in Spoloto, 
für ursprüng- 
lich. Antiker 
Marmorses«el. 

* S. Fietro 
e Marcel Ii DO 
in Via Meru- 
lana , in einer 
Synode Gregors 
d. Gr. und schon 
früher erwähnt, 
unter Bene- 




Pig. 6&. Rom: Inaere« der «Iten 8. Petertkirche. 



die B. oder Grabkapelle desAnicius 
Prob US (t 395), berühmt durch den Sar- 
kophag dieses ehemaligen Consuh ; Ciampim 
de ae<lif. 94, 2. 

*S. Pietro in Vincoli, ursprünglich 
als Peter- und Paul-Kirche von Sixtus III 
gegründet. Ih Rossi Bull. lH(i3, 4H; IS«i7, 
39; 1874, 147; 1875, 54. Die angebliche 
Gründung durch Eudoxia, Valentinians III 
Gemahlin (455), ist also wol nur als Aus- 
stattung oder Ausbau zu denken : doch 
hieM sie seither Basilica Eudoxiana. Sie 
wurde von Hadrian 722 restaurirt; 1475 
durch Sixtus IV mit der Porticu« und der 
Wölbung des Querhauses versehen. Drei- 
schiffige Säulen-B. mit Querhaus und drei Ap- 



dict X IV ganz erneuert ; vgl. de Rossi Bull. 
1873, 113 f.; Ciampim 122. 

•8. Prasse de, im 4. Jahrb. erbaut; die 
gegenwärtige K. wurde von Pawhalis I 
(817 — 824) auf einem andern Platz ge- 
gründet. Hiibsrh 103; de Rossi Bull. 1865, 
137. 

*S. Prisca, auf dem Aventin, auf an- 
tikem Unterbau da angelegt, wo der hl. 
Petrus bei Prisrilla un«l A(|uila gewohnt 
haben soll. Vgl. de Rossi Bull. 18(17 . 5» 
43—58; 18fi8, 35. 

S. Pudenziana, angeblich in ihrem 
Ursprung die älteste Kirche Roms, errichtet 
an der Stelle, wo der Apostel Petrus von 
dem Senator Pudens lieherbergt wurde; die 



136 



BMiUkA. 









] 1 




1 




vif. M. Rom: A. 

Oraadrlat. 



da8cll>8t ange- 
leg'ten Thernit'n 
Boll P. Pius l 
146 auf Veran- 
Ihskuiij; der hl. 
l'raxedis zur 
Kirch« f(emneht 

hahcti rdicr 

diu monumunta- 
len T^ngnwae^ 
welche zur Un- 
terHtOtzung die- 
ser Angaben an« 
gerufen werden 
können , 8. de 
Hossi huM 1H(J4, 

10; 18«;7, :«,:{<>, 

37. 43— 4(1. 48 
— ÜO; IttUÖ, 35, 
94; 1869, 16; 
1876, 75. T)pr 
Bau ist durch die 
Restaurationen 
des IG. Jahrli. 
(bes. de« Cardi- 
nab OaStani 
1598) stark ent- 
stellt, liisst aber 



die ursprün^cliclRMi Furnicn noch erkennen. 
Nach den rnt<'rsuehunRen TOn Hiibitch 6, 
VIP-\ VIII'-''* stanimoTi nocli die Um- 
faHSungsmauern aus dem 4. .luhrh. Di« 
Kirehe war eine Saulen-B., etwa von der 
Orösso der Siriniiiiina , mit Vorhalle und 
Aptiis; auffallender Weise war die Apsis 
kein Halbkreis, sondern nur ein Kreisseg- 
ment von »ehr grossem Railiiis : Phiftiers 
und Stockbauers Ansicht, dass die A|Mii8 
auch hier ein Halbkreis gewesen, erscheint 
schwer ann< linil)Hr, es sei denn, dass man 
in ihr einen Rest der alten Thermen sieht, 
welche zur Kirche umgebaut worden sein 
■ollen. Bemerk •Miswerth ist die Ueberspaii- 
nun}*^ der Säulen des Mittelschiffs durch 
Archivolten statt der Andiitniven: frühe- 
stes Beispiel dieses fortan so beliebten Mo- 
tivH in (br rhristlichcn Kunst, jedoch Iie- 
reits in dem l'alast zu Hpalatru vorgebildet. 
— Sehr alte Iforaiken. 

S: Sa1)inn. auf dem Aventin, iiadi der 
Zerstörung S. Paulo's 1823 die einzige im 
Oansen unveränderte Hauptkirche des alten 
Rom, unter Cölestin I (422 432) gegrün- 
det, unter seinem Nachfolger Sixtus HI 
vollendet, nreischiffigc S9ulen-B. mit einer 
halbkreist7')rmi^'en Hauptapsis, einer süd- 
lichen hall)kreistormigen Seitenapsis und 
nördlichen quadratischen Exedra. Vorhalle 
(ob orsprüngUohf); 24 antike Säulen aus 
parischeni Marmor in weiten Abständen tra- 
gen Arciiividten. Der alte Daclistuhl noch 
erhalten. Cmmjnni 139. Merkwfirdtg die 
berühmte Holathflre, deren Scolpturen Hu' 



mohr Ital. Fonell. I 274 um 1200 setzt, wäh- 
rend diesellien neuerdings auch von den mei- 
sten Kritikern dem 5. — H. Jahrh. zugewiesen 
werden (s. oben 123). Hübsch 12, pl. VII*, 
IX'-": Ifossi Bull. I8f!3, 4«: 1M71. IM f. 

*S. iSaturuiuu in Via Salaria nuuva, 
tU »09m Bull. 1873, 6—8, 10, 15, 17. 

* S. S e b a » t i a n o , von Innocenz 1 ge- 
weiht, von Gregor d. Or. erwähnt, im 
17. Jahrh. bis auf die sechs antiken joni- 
sehen Säulen der Vorhalle gänzlich er- 
neuert. Vgl. de Rom Bull. 1872, 57. 

S. Sitvestro in Via Salaria, de Rossi 
Bull. 18»;3, 53; 1864, 34; 1873, ii ff. 

S. Silvesfro in Capite, de hos» 
Bull. 1S7I, 25. 

s. Stefano in Agro Verano, äe 
Roxsi Bull. 18r,4, 54— 5fi. 

S. Stefano del (!acco, bei Piazza 
della Minenra, bewahrt noch seine antike 
Säulenstellnng. Hilhsr/i XX FV. 

*ä. Stefano maggiore und minore, 
hinter der Petersldrehe, längst zerstört. 

S. Stefano in Via lariii;i. vierseitige 
Porticua, doppeltes Vestibuium (oder Nar- 
Üwx), Dreitheilung des Langschiffs mit Sei- 
tenbauten , Tribuna und Baptisterium sind 
im Orundplan wieder aufgedeckt. Die Kr- 
bauung fiillt ins 5. Jahrh. {de Rossi Bull. 
1871, 134 f.), wo Demetrias, die Freundin 
Leo's I und Correnpondentin des Pelagiu», 
dem Papste ihren A«'ker zu einem Kirehen- 
bau schenkte. Plan bei Nesbitf ir»7. 

S. Susanna, /wischen ileii Tliernu'n des 
Diücletiun und den (iärt^wi des Sallust, 37U 
von Ambrosius erwfihnt: vgl. de Rom Bull. 
lSr.9, 94 f.: IH7(), 1)7. 100, ]03, 11»). 

*ä. Urbanu della Caffarella, de 
Rwri Bull. 1863, 2, 21 ; 1872, 59, 61. 

* S. V i c e n z < > e d A n a s t a s i o alle Tre 
Fontane, von Hcnjorius 1 ((»25 (538) gegrün- 
det. 780 abgelminnt, unter Hadrian 1 und 
schon wieder angehlieh unter Leo III umge- 
l>aut. Pfeiler-B. mit durchlöelierten Marmor- 
fenstern. Hübsch 102. pl. \\\ IV", 
XLVI*-', hält indess noch den Klosterhof 
für ursprünglich (7. Jahrh.) und das älteste 
Vorbild der romanischen Kreuzgänge. Vgl. 
de Rosei BulL 1869 , 83—89; 1870, 41; 
1871, 73. 

*S. Vitale, am Fusse des Vaticaus, zu 
Anfiftng des 5. Jahrh. gebaut; de Roeei 
Bull. IH70, 90; 1872, 10. 

Die Kirchen S. Lorenzo in Pane- 
perna, S. Maria in Araceli, S. Ori- 
sogono, S. Pietro in Montorio. S. 
Marcellü und S. Sebastiano wagt selbst 
Ciampirti 138 und 139 nicht ins christliehe 
Alterflmni, bes. auf Constantiniaehe Stiftong 

hinaut'zuliihron. 

Italien: ausserhalb Roms: 

Albano: Constantinische B., Ruinen von 
Frmetmi neuerdings aufgedeckt; a. deBom 



Digitized by Google 



BmUUuu 



137 



Bull. 1869, 7ß; 1878, 103; Ciampini 141. 

A r i (■ c i a : K. des hl. EutheiiiiB? de Bo^ki 
Bull. 187:J, 104. 

Bovillo, B.: vgl. de Rossi Bull. 1869, 
79. In der Nähe 1u<? die BasUioa di S. Eu- 
femia; eb. 80; 1873, 101. 

Brescia: 8. Giulia. Trapez mit drei 
ApHiden.' Aussen Kleinhogenstpllinifr. Ornl)- 
kirche aus der longobardischen Zeit. Hübsch 
97, pl. XL"-". 

Oapua vecchia: Dom, erneuert, an- 
geblich von Constantin gegründet Ciam- 
pini 142. 

Castel Savolli: Basilioa S. Theo- 
dor i in Sahello, erwähnt im Lib. Pontif. 
z. Hadrian 1 (172 -194): vgl. Ji- IM 
Bull. 1873, 102. 

Ciampino in den Tu««'iilanerl)er<;en : 
zwei alte Basiliken, von denen die eine 
dem 7. Jahrh. angehSrt (9. Andrea); vgl. 
de Ro^ii Bull. 1H72. 'X^ f.: IXTH, KiT. 

ClitumnuB im Spoletischen: K. degli 
Angeli. ehemaliger hMdntieher Tempel ; de 
Rassi Bull. 1871, 147. 

Cumo: 8. Abondio, Reete der unter 
der jetzigen Kirche stehenden B. des 8. Jahrh. : 
de Basti Bull. 1864, 40 , 77—80. In der 
Nahe ebenfalls Carpoforo, eb., und 
S8. Pietro e Paolo, eb. 

Fiesole: S. Alessandro, modemi- 
Mrt: 1.') antike Marmorsäulen; ob lursprflog- 
bch ein altc-hritttlieher Bau ? 

Fondi: (Pfeiler*) B., zerstört, erbaut 
40.3. mit Baptisterium. 

Frascati: B. 8. Maria und Se- 
bastian o; ob altchristlieh? i?o«si Bull. 
1872, 86, \»\ 141: 1H73. 109. 

S. Oermano: quadrati^'her Bau mit 
drei Apsiden. Der Mittelraum nach allen 
Tier Seiten durch je zwei mit Archivolten 
fiberspannte Säulen abgegrenzt. Entste- 
hungszeit ungewiss. Von den Apsiden ab- 
gesehen hat der Bau Aehnli< lik< it mit dem 
(römisehenj Dom zu Trier. Vgl. Uübifeh 48, 
pl. X1X\ XX". 

Orotta ferrata; ehemalige B.; de 
Rossi Bull. 1S72. III- 11.'). IHl f. In der 
ü&he 8. Pietro in Meruli und in Ma- 
ro Iis, s. eb. Bull. 1870, 106—109; 1872, 
90, 102 104: 1>^7:?. lOS. 

S. Maria in Diaconia in Valie Ma- 
riana, bei Orotta ferrata ; s. de Rossi Bull. 
1872, 101 f.; 1873, 108. 

Lucca: S. Alessandro, gewölbte Säu- 
len-B. mit einer Apsis; au« dem 7. Jahrh.? 
Hilbsch 96, pl. XL"-'*. S. Krodiano 
(Basiliea Longobardorum). im 7. .lahrb. ge- 
gründet, fünfüchitiige B., MitteUehiH' mit 
offenem Dachstuhl; antike und altchrist- 
liche Säuh'n. 

Mailand: ä. Ambrogio (ä. Gervasio 
eProtasio). In seiner jetzigen Gestalt (drei- 
sehüfige Pfeiler-B. mit Emporen) ans dem 



9. Jahrh. Iiule.^en glaubt Hübs^ 91 mit 
gutem (irund, dass die nur von einer 
Fensteröffnung durchbrochene Mauer der 
ApeiB, desgleichen die gegen das Langhaus 
hin auf zwei Pfeib-ni rulu-nde, an die Öhor- 
mauer anstossende Kuppel dem urspriuig- 
liehen Bau des hl. Amnrostus angehSren; 
auch hält er die Kirche von Anfang an 
für gewölbt. Der schöne berühmte Vorhof 
stammt aus der longobardischen Zeit, ist 
al>er auf den Fundamenten des alten auf- 
gebaut; Tielleicht ist die vordere Facaden- 
niauer des Vorhofs noch die alte. Vgl. 
WUisch pl. m*\ XXXVIII >-'»: FerraHo 
Monum. sarri e profani di S. Ambrogio in 
Milano, ilil. 1824, 4": A/h'ifranza Spiega- 
zione e riflessiime sopra ab-, ^acri monum. 
antichi di Milano. Mil. 17.')7, 4". 

Eb.: S. ^uzario grande, oinschifiige 
Kreuzkirche (drei bez. vier Quadrate) mit 
eiiK'r A]>sis und in Apsiden ausladenden 
Krt uzarmen; modemisirt; doch hält Hübsch 
97, pl. XLP-**, den Grundplan und selbst 
die Kuppel nir ursprfinglich. De Rossi Boll. 
1864, 76. 

Eh.: Nabore €i Feiice, wo Ambrosius 
die (iebeine von Gervasius und ProtStittS 
fand: vgl. de Rossi Bull. lHr,4, 21». 

E b. : S. S e p o 1 c r o , dreischiftlge B. mit 
Vorhalle, in .\psiden ausladendem Quer- 
haus, Apside zwisclien reotangulären Aus- 
bauten: 11. Jahrh., aber nach Hiibuch 101, 
pl. XLIV'***, in der Orundanlage noch alt- 
«•hristlieh. 

Eb.: S. Valeria, de Rossi ^Vi. 1864, 
30—32. 

Marino in don Tusculanerbergen : S. 
Marina in Moreni, de Rossi Bull. 1872, 
90—91 ; 1873, 107. 

Masseo bei Assisi : ehem. B.; €. Jahrh. P 
Lh Rossi Bull. 1871, 12:^. 

M u r a n o bei Venedig : Dom 8. D o- 
nato, dreischifTige Häulen-B. mit Apsis, in 
Kreuzform, dem Dom von Torcello ver- 
wandt: ihr Alter ungewii», doch jedenfalls 
über das 10. .lahrh. hmausgehend. HHbs<^ 
95. pl. XI.'-*. 

Neapel: ä. lletitituta, der alte Dom, 
angeblich von Constantin d. Gr. gegrfindet, 
s|)äti>r zum Neubau des ji r/iir'''! Doms ('S. 
GeuuaroJ zur Hälfte abgebrochen und im 
17. Jahrh. modemisirt. Ursprflnglich fDnf- 
schifllge B. mit antiken Marmor- bez. (Ti- 
polinsäulen. Vgl. Galante Umda saera della 
cittä di Napoli, Nap. 187.S, p. 2<» ; de Rossi 
Bull. 1871. !.")<;: Ciampini 142. 

Nola: Kirche des hl. Kdix. von Paulin 
von Nola 401 403 erbaut, jetzt zerstört. 
Vgl. Paul in. Carm. 24, 25; de Rossi Bull. 
1871, ni : 24. :n. 

N u V a r a : Dom , ronuinischer Bau des 
11. Jahrh. auf altchristlicher 'Anlage. 

Ostia: Kirche der hhl. Petrus und Pau- 



Digitized by Google 



136 



BasUika. 



lus und .loh. 15a|)t. . an^cMich conatantini- 
st'he Stiftung»; versi-liwumU'ii. Ciampini 
V.V.) f. 

I'ii I «' s f r i n a : eine Afcili' südlich von 
der Stadt, in der coiitrada If Querello, 
die lM(i4 aufjfi^eckten Ruinen der alten 
H. d»'s hl. A j;a ]) Pf u s foinscliirtl}?? Atriinn. 
Apsinj; sie war zu Laon III Zeit schon 
baafalliff. Der in der Stadt stehende Dom 
des hl. Apqx'tus Avird von Crrroui und l'e- 
trüii dem 4. Jahrh. zugeM;hrieben , doch 
soll das in den Huinen des alten Fortuna* 
tompt'ls Kt»»h('iidi' Mauerwerk für die Zeit 
Paschais H sprechen. ScoynanUylio ilella 
primitiTa Bastliea del M«iire S. A^^pito. 
Roma 1S(;4, 4". 

Porto: Ba8ilioa di S. Ippolito, 
Rom Bull. 18ßf>, 49. 

Eb.: BasilicA di S. Maria. IBOO durch 
Lanciaeci autVodeckt, dreischifTig^ , mit ein- 
gebauter Apside. Atrium, bedeutenden An- 



liayuald. in Spie. Rav. ho\ ^fn^'ato^•^ I 2, 
574; Hiihifch de Honai Bull. IHUB, 74. 

Eb.: Ecclesia Petriana, 412—425 
in der Vorstadt Chissis «^cluiut, jetzt zer- 
stört; f unts« hitt'i','e Ii. Hühsch 81; de Hossi 
Hull. IHW;, 73. 

Kli. : K r z It i s I Ii ii f 1. Kapelle im Pa- 
hist, kleiner quadratischer Hau, 5. Jahrh. 
Huhsch ßl. 

Eh.: S. Franr rs.M) f \It S. Peter). 425 
bis 43U ; dreischitlige it., von Eb. >eo 426 
bis 430 erbaut; mhgek 32, pl. XVP'*, 
•»lauht In'er das vy>\v Beispiel ei^en« 
arbeiteter altchristlichor Säulen zu finden 
(Mang;el der Entasis, Terminderte Qrane, 
Kämpfer über dem Capitell}. Viereckiger 
Uloekenthurm (ß. Jahrh.?). 

Eh.: 8. Giovanni Evang., 425 ff., 
von Galla Plaeidia errichtet: dreischiffige 
Anlage: alt sind nur nm-h die 24 antiken 
Säulen des Mittclscliifis und die unteren 



bauten (Xenodochium des Pammachius?); Mauern der Apsis. Liaenen mit Kleinbogen. 

de Eossi lUill. lS<i(), 170 ff. I - - - 

K a V e n n a : S. A g a t a, 41 7, kl(>ine, drei- 
schitl'ige H. mit 20 antiken Säulen. Offener 
T)achstuhl im Langhaus, Iliihsrfi ^'>:^. 

Eb. : iS. Apolliuare in Clatwe, 5:^4 
unter Leitung des lulianua Avgentarius be> i 
grOndet, 549 




reiht. An 
Westseite 

Vorhalle fur- 
dicaj, ehemals 
mit flftulenar^ 
cadoii. Drei- 
achiillge B.mit 
erhöhter Tri- 
bnna und zwei 
kleinen 8ei- 

tentribunen ; 
24 Säulen aus 
griech. ("ipol- 
lino mit weis- 
sen f 'omponit- 
ca|iitellen und 

Kämpferauf- 
sätaen. Archi« 
Volten. Aus- 
sen bau zeigt 
Liaenen u^d 
Blendbogen. Glockenthurm. Vgl. Hübsch 
59 f., pl. XXP-», XXIll« ", XXI V, 

Eb.: 8. Apollinare nuovo (so seit' 
dem 9. Jahrh., früher S. Maitiiio in r(i< In 



Fix- *7. BAveiuw: 8. ApoUiuf« ia ClMM. 



Hiihsrft 38. 

Eh.: S. (liovanni Hattista, gleich- 
fall» von Galla Plaeidia gestiftet, H;28 mo- 
deriiisirt. .Vit sind die 1(1 antiken Säulen 
und der schlanke runde Glockenthurm. 
Eb.: S. Lorenso in Glasse, 39ß er- 

liaut . 1 558 
ganz abgebro- 
«hen. 

Eh.rS.TeO- 
duro (S. Spi> 
rito). 493 bia 

510 Cf), nadi 
Anderen 
schon vor 
Theuderich 
errichtet.aria- 
nische liaupt- 
kirche. Drei- 
schiffige Säu- 
len-B. , Apsis 
polygon (ob 
l V alt Vi. Käm- 
pt'eraufsätze; 

Lisenen. 
Hübsch r>8. 

Eh.: 8. Vit- 
tore, drei- 
schiffige Säulen-1». mit einer Apsis: auffal- 
lend kleine Fensterschlitze. Wol 5. Jahrh. 
Vgl. Hilhsch 61, pl. XXI*, XXrV«-«. 
|{ i in i n i : Ruinen einer B. des 5. bis 



auro), von Theoderich gegründet, später, (>. Jahrh., aufgedeckt und beschrieben von 
tbeilweise erneuert. Dreischiffige Säulen-B. I TanwU AMa della deputaz. di atoda patr. 



mit Ardica und einer Apsis. Erhalten hat 
sich von dem ursprflnglichen Bau noch das 
Mittels<<hiff mit seiner herrlichen musivischen 

liHH ndecoration. Vgl. HilbtehB2^ pl. 111% fiss'o, von Hühsrh 4, pl. VI 
XXVI constantinische Zeit 

s. C r u e i s 



di Romagna IL Vgl. «h Bogri BulL 1864, 

14 f. 

Spoleto: S. Agostino del Croci- 

~ in die 



iresetzt, im 7. Jahrh. 



El).: Bttsilica s. Crueis, von (ialia jedenfalls theilweise erneuert, eine der merk- 
Plad^ 450 erbaut, jetzt zentdrt; vgl. i wflrdigsten altchristlichen Kirehen. Blrei- 



Digitized by Google 



BulUkA. 



139 



scliiffipe Säulen- (»p. Pfeiler-) B. mit Quer- 
haus, ^fewölbter Vierun^jskuppcl und halb- 
kreisförmiger Apsi« . welche rechtwinklig 
umbaut wt. An der Fa^adc drei, noch ganz 
classinrhe Thiiri,'est»>ne und Ffiisfcrfiiiriis- 
sungen. TriuniphlMtjrfii ruht auf vier Halli- 
säuk'u mit eigenthünilichen jon. Capitollen. 
Vgl. (iuardahmsi und (/* Rossi lUill. 1S71, 
131 ff., wo die B. in den Aut^gang des 4. 
and Anfanfr des 5. Jahrb. venetst wird. 

Ell.: S. Michele, 429 gegründet, spa- 
ter erneuert; de Hossi Bull. 1871, 147. 

Bb.: 8. Pietro, s. de Roasi Bull. 1871, 
116-120, 141 f. 
Sutri: unterirdisches Oratorium in Form 
B. Hühtch 7, pl. VI«'*"; I^wir Ant. 
I 88. 

Tarquinia: ehemals zwei Basiliken; 
de Ros,si Bull. 1874, Ö4, 8Ö (eine mit dem 
Titel der hl. Maria, «ine andere mit dem 
der hl. Restituta). 

Tharsos (in Sardinien): Kathedral-B. 
de« 4. Jahrb. (?); de Robm Bull 187B, 129, 
139. 

To reelle: Dom, in den wesentlichen 
Tbeflen ans dem 7. Jahrb. (am 651), viel- 
leicht Nachbildung eines ältern zu -Mtinuni: 
dreischifilge ääulen-B. mit drei Apsiden, 
S64 nnd 1008 reetaurirt. Altchristliche 
Säulenschäfte älter als der Bau. Lisenen 
und Kleinbogen. St h nfira 11. a. O.; Hübsch 
92, pl. XX.WIIP', XXX iX -' . 

T u 8 c u I o : ehemalige altchristliche B. ; 
I. de Ro.<H, Bull. 1872. 140 f.; IS7H, 10». i 

Venedig: 8. Qiacometto di Uialto, ! 
520 gegründet. Die (irundform (dreisrhifflge j 
S,lii|cn-H. ) Mfwh die alt«', wol auch noch das 
Touuengewülbe im Mittel- und Querschifi', 
und das Kreuzgewölbe in den Abseiten. 
Drei geradlinig abg»'sehlossene f'hnre. Vgl. 
Hübsch 92, pL XXXVIIP", XXXIX'"; 
Sdtaiieo snlla areh. e sulla scnlt in Ve» 
ne/ia. 1842; A. Mothes (iesch. d. BaukOBBt 
u. 8. f. Venedig«, Lpz. 1855». 

Verona: S. Loren zo. I)reii»chiiilge B. 
mit wechaelnden Pfeiler- und Saalenatfitcen ; 
Querhaus , drei Apflidcn tnit vorgeh-gten 
Chorräumen. Oe»<im8 der Umfassungsmauern 
mit Kleinbogen. Die Säulen lauter antike 
monolithe .Marmorschafte. Im Mittelscliiff 
Tonnengewölbe, in den Abseiten Kreuz- 
gewölbe. Ob nmprflngliehf 91, 
pl. XXXVIIP«-'*. hält das Gebüude noch 
für altchristlich, etwa 6.-7. Jahrh. 

Littorale. Parenso: Dom« 542 (?). 
DreiHchiflige Säulen-B. mit Atrium und Bnp- 
tisterium am Westende, »Irei Apsiden, merk- 
würdig auch durch Erhaltung der ursprung- 
lichen Mosaiken an der Ost- und WeHt- 
fa^ade. sowie der Mosniken, Marmorvertäfe- 
lungen und des i*resl»\ tcriums niit dem 
bisohöfiichen Sita in der Apsis. Die oberen 
UmfaarangnnaaeRi und die Decke sind er- 



neuert. Vgl. Haider und Eitelberger Mit- 
telalterl. Kunstdenkm. des österr. Kaiserst. 
rV u. V ; Lohdf ZoitHch. f. Bauwesen, Berl., 
IX, H. 1-8: lUihsth 4* f., pl. XVIP, 
XX .Vii den Abseitentnauern Lisenen- 
.Vrtaden, wie in S. Apollinure zu Kuvenna. 

Triest: Dom (S. Giusto), erster Baa 
400- 410, zweiter 'V.W. Ffinfsi-hittlge B. 
mit frühmittelalterlichen Kapellen zu beiden 
Seiten. Der altcbriatlicben Zeit mögen nach 
Jlühsrli XX VII n(M'li die mittleren S<'hiffe 
augehören. Hohe Würfel auf den Capi- 
telTen, Bogen wegen der Kfirze der Biulen- 
sehäfte Oberhöht. 

(hallten. Arles: S. Trophime, drei- 
schiffige Pfeiler-B. mit Querhaus« ohne Ap- 
sis: vielkantig(> Pfeiler. HiUaek 107, pL 
XLViri'''', hält die rmfassungsmauem, <lie 
Freipfcilcr und selbst die Gewölbe noch für 
die alten, dem Bau des B. TigUins 626 an- 
gehörigen. 

Auf dem Coemeterium von Alisuamps 
die BMitiken der hhl, Honoratus und Pe- 
trus; s. de Rom Bull. 1874. 14.'). 

Clermout: K. des hl. Namatianus, 
vgl. Tours. 

Digne: K. des 4. und 5. Jahrb.. be- 
steht nicht mehr. F. de S. AufUol in Re- 
vue de Tart chr^t. 1868, 592 if.; de Bossi 
Bull. 1872, 146, 

Lyon: Krypta unter S. Iren^e, 
Best der im 4. Jahrh. erliauten K. des hl. 
irenaeus. Dreisehifl'igf Anlüge mit Apsia, 
die Deckenirewölbe d>iril) .Xtcliivolten ge- 
tragen, die jetzt, nach Entwendung der 
alten Marmorsaulen, auf rothen Proilem 
ruhen. In den Abseiten opos tenelatum. 
Hübsch IWi, pl. XLVII»-'. 

Eh.: K. des hl. Patiens, 480—490. 

Marseille: Krypta unter S. Vic- 
tor, liest der Victorskirche des 5. Jahrh., 
an die Katakombe der hl. Martha anstoa- 
send. Massive antik-römische Oewolbecon- 
fltruction; 3 > 4 auf Pfeilern ruhende Joche. 
Hübsch 10»>. pl. XL VIP-'». 

Bb.: alter Dom; jetzt zum Theil ab- 
getragen: dreischiffige Pfeiler-M. mit einer 
.\psis, gewölbt. Dopp«'lkantige (^uerprofile 
<ler Gurten und Archivolten. Hübsch 106, 
pl. XLV1I>>-'S hiUt die Anhige fOr aUr 
clu'istUch. 

Motiers: dretsehiffige B. mit Apsis und 

Transept. Vgl. Barbier de Munfaiit Kev. 
arcbeol. 1879, 56 und ebenda Borreif wel- 
cher die gamse Anlage als Krypta der spfi- 
tem Kirche ansieht. 

Hegimont bei Beziers: B. der hhl. Vin- 
centius, Agnes und Eulalia, 445 gegründet, 
s. L. ^soguier im Bull, monum. XXXVll 
138; Le Blatd Inscr. ehret, de la Gaule II 
454 f.: de Rossi BuU. 1872, 145. 

Toulou-'i : Dom, von Theodorius 
baut; rerschwunden. 



Digitized by Google 



140 



BasUika. 



Touri: K. des hl. Pcrpctuus, 
Bchriehpn von Gretf. Tur. Hist. Fr. II 14, 
450, über dem Grab cles hl. Martin erbaut. 
Vernmthlich dreischiffiffe H. mit Vorhalle, 
in Apsiden ausladendem (juerhaus, einer 
UauptapsiB; ätützenwechsel. S. die ver- 
snchte Restaara^ bei HAAmA 108, p1. 

Eb.: K. des hl. ^ianiatius, bei Touns; 
dmacfaJifige B. mit rectan^tlär atniadendein 
Querhaus, Hauptapsis /.winchen zwei NelxMi- 
apsidiolen; HtUtzenwechsel: xer^tört wie die 
de« hl. Perpetuu». HÜhat^ 108, pl. XLTIIP'*. 
Vpfl. Quiihernt Restitution de la bBsilique 
de S. Martin de Tour«, d'apW's Gr^goire de 
Tours et lesautros textes anc-iens, Pari.s IHTO. 

Yienne: 8. Pierre, .s. Ä. Allwer Rn\}- 
port sur iU^ nouv. fouilleMetc, Yienne 1865; 
de Rossi Bull. 18(>5, 48. 

Deatsehland* Trier: Dom : der römische 
Theil des!<ell>eii ntellt ein Quadrat von 122' 
im Liüliten dar, dessen Mauern etwa 80' auf- 
stiej^en, demen flache Decke dnreh t28chwib- 
boj^rii «xetraf^en wurden, die auf vier ;jegen 
ÖU' hoben ääuleu iastetuu; wol ursprQug- 
fidi eine Gerichtihalle (ohne Apflis), die 
BBoh ». Wümowskif in der Zeit Valenti- 
niauH r erbaut, »chon 50 Jahre später zur 
Kirelie einfjerichtet, dann nach den Bränden 
der Stadt im 5. Jahrh. durch B. Nicetiu» 
wieder ii<Ti,n'sf»'IIt wurde ('t'.\'2 .")(>()). V;;!. 
Schmidt lUuuienkm. d. röm. Periode u. k. f. | 
in Trier. 1889, II; r. Wilmousk;/ der Dom 
zu Trier, Trier 1874. Trier besass indessen 
schon im 4. Jahrb. mehrere Kirchen. A t h a- 
naHiuB war während seiner Terbannung^ I 
in Trier Zeu^^e eines Kirehenbnu<'< : vj^'l. 
Apol. ad Imu. Const. p. 682; daxu Honth. 
Prodr. hifit. Trer. I 149, 249. Der Ursprung 
der Basiliken des hl. Kucharius. der hlil. 
Paulinus und Maximinus geht wahrschein- , 
lieh auch ins 4. Jahrh. hinauf ; vgl. Honth. 
a. a. O. 88, 14». Nicetius stellte na. h 
Venant. Fortiiti. nu'bri're Kirchen wieder 
her, v<;l. Hoiiffi. II ist. dipl. I 41. Ausser- 
dem besa.Hs Trier (MTie Ii. Victoris, 
welche nördlich der M(tscl in dem Vicus 
Voclaniorum stand, a. r. irt/morjfAy Archäul. 
Fände in Trier und üm^gend, Trier 187S; t 
,!> Hns^i Hiill. is7:i 140 f. Dem grössten 
Theil nach erhalten und durch einen Um- 
bau zur eyangelinehen Kirche des BrlSeersI 
umgewandelt ist die sog. Coustantinische B.. 
Über deren ursprOngUche Bestimmung die 
Ansichten sehr aus einander gehen. Tchl 
habe sie (die christl. Kunst in ihren frühe- 
sten .Vnf.. S. 188, vgl. Urundriss Fig. 47) 
8. Z. für eine jener zu Versanunlungsorten 
von Landtagen u. s. f. dienenden Magnauren | 
des 4. .lahrli. gehalten, indem ihr ein con- 
stitutivcs Element der Basilica forensis, die 
Trennung des Langhauses durch eine Pfei- 
lenteUung, abzugehen schien. Sttinin^i 



I 



(d. Ruinen am Altthor /u Trier, Trier 16.35) 
sah in ihr eine Ba.silicu forensis, was neuer- 
dings auch //. Hfttne.r annimmt, indem er 
auf (frund der 1847 gemachten .Vufnahmen 
(Iii' .VnwcMenheit einer Pfeilerstellung <'on- 
.statirfe. Ist dies der Fall, so kann wol nur 
an eine Basitica forensis gedacht werden, 
ilie indessen auch hier in iilter Zeit nicht 
zu einer kirchlichen H. umgewandelt wurde. 
Ihr angebaut war die wol ins merowingisehe 
Zeitalter hinaufreichende Kirche des hl. Lau- 
rentius, wdcbo seit 1801 abgetragen wurde. 

Spaulen. R. zu Begas tri ^. Jahrh.), 
zerstört; vgl. Gturra Deitania y m cätedral 
episcopal de Begastri, Madr. 1879. 

Beste einer B. des .'>. Jahrh. bei Loja, 
zwischen GruTuida und Malaga , bei Torres 
(Torrox) durch .Manuel de Cueto y Hivero 
gefunden; vgl. (ruerra Artjueologia ( i istiana, 
und dazu de Rtmi Bull. 1878. M tf. 

ifrica (.\lgerien und Tunis). Atreni- 
m u n - U b c k k a r : Ruine eines üblonguma, 
innerhalb dessen Umfassungsmauer ein Tt^ 
chorum , ein drei iiin b aussen rectangulär 
ummauerte Apsiden aufweisender Bau, ähn- 
lich den CoemetorialeelleQ Borns, liegt ; vgl. 
C/i. de Viqnei ul Huincs rOm. de TAlgme, 
Par. 18«8' 85», pl. 14. 

ATn-SuItan (bei Mediana Zabunif>- 
runi). Für das Vorhandi'uscin einer B. 
/engt da.s schöne, von de liossi BulL 1878, 
114 besprochene Ciliorium. 

A n n u n a (zwischen Constantine und (rliel- 
niii): dreischiftlge Saulen-B. mit CoiK-ha. 
Korinthische Wandpfeiler. Kev. arcbeol. 
VI 19. 

(' o n H t a n t i n e : angeblich Oonstantinische 
U., zerstört. Ciampini 178. 
Carthago besass wenigstens 20 Rirehen, 

von denen ilie <ler hl. Jungfrau, die beiden 
des hl. Cyprian, die Perpetua Kestituta auf 
dem Forum, nahe dem Palast des jetzigen 
Marineniinisters Mustapba lien Ismael, die 
der hl. Celerina. die M. (l<'r Scillitanischen 
Märtyrer, das Trieillariuni. in dem der bL 
Augustin »n oft |)redigte. die Basilirn The<K 
prepiana . die des 'l'lietMlcunis . des (Iratian. 
die lijuiilica Muvarun» am öftesten genannt 
werden. Ihre Loeaiitftten sind kaum an- 
nähernd mehr zu bestimmen. Vgl. Lea 
Missions ciith. 1870, n" 390 f. 

Hidra (das alte Ammedera): zwei Ba- 
siliken, von ^'irii^rl» flüchtig signalisirt: dazu 
drei andere, von 0. H ümannn näher unter- 
sucht. Die eine derselben hat halbkreis- 
förmige, ummauerte Apsis. die Schiffe sind 
durch Mauern getrennt, die Abseiten waren 
gewölbt. Doppelter Narthex. Die andere 
scheint der Apflis entbehrt zu haben: durdi 
eine (^uermauer ist ein Prcsbyteriura her- 
gerichtet, dc-wen Rückseite erhöht ist. Säu- 
lenstellung: keine Vorhalle oder Narthex. 
Vgl. d4 AosM Bull. 1877, 107; 1878, 25 f. 



Digitized by Google 



BmUIIul 



141 



Ifegroun (in Nuniidien): B. viTsrhwiui- 
den; eiiusiger Kest der ron df lio.tsi BuW. 
1877,98, fav. VIH publicirto Cihoriumaltar. 

Orl^ausville (Castellum Tingitanum) : 
B. des hl. Repanitot, fBoftchilfig, mit swei 
Apsiden. Die Dodicationsinschriff trii^t da» 
Datum : pru(cinciae anno) ducmtesimo ocia- 
ftmmo et qtdntOf d. i. 8W (= 285 der man- 
rotenisoheii Aera. Prerosf Rfv. archpol. 
1848, 6«3, pl. 78; Rev. afric. I 429. Vgl. 
de Bossi Bull. 1871. 133; 1874. 127 f.; 
Com. Hock Chrisfl. Kunstblätter. Freiburg 
1870, 94. Die frühere Annahme {Kuglet-, 
Me.fsmer, Liihke}, als ftaninie die H. aus 
dem Jahre 252. ht aufgegelx'n. 

Thevest(> (Tehessa) inNumidien: drei- 
»chiftigti B. mit Fteilern in den Buiten- 
■diilfeii und korinthiRchen Säulen, welche 
.\n'aden frui:i'i), im MitrcNchiff'; Wandjd- 
laster. Die Seitcnschifi e hat tun Tonnen^e- 
vSlbe und Emporen, die Chornische eine 
Halbkuppol. Zu beiden Seiten derselben 
Prothe«l8 und Diaconicum. Zweistöckiger 
Anbau mit Klosterzellen nach drei Seiten 
der K. Vorhof. Die panze Anlafje befe- 
stigt. Vi^l. Lrnoir Arehit. Monast. II 4S2; 
Moll Kev. Ulf. 1853; C. Bock Chr. Kunstbl. 
18(i9, n. 89 f. Andere aus altchristliclien 
Kirchen von Theveste herrührende Funde 
und Insc hriften s. bei Bosndon Notices de 
la Soc. arch^'ul. de Constantine, rol. XX, 
und Eossi Bull. l^TH. »; ff. 

Tifaced (Typaesaj: dreisehiftlge B. mit 
Siolen im Mittel-, Pfeilern in den Seiten- 
schiffen. .\ndeutunff eines (Jucrhau-Jcs durch 
Abtrennung von je drei lutercolumuien der 
SdleoMsliiTO von den Torderen Längenräu- 
men. Coocha. Hev. areh. VI! 553. 

Tigzirt: christliche Reste; ob hiereine 
B.? De Vigneral a. a. (). 22. pl. 3. 

Cjrenaica. S. Apollonia: grosse, drei- 
siohittl^«' Säulen-B. mit Tribuna. Mittelschiff 
mid Contha haben 28' Breite. H. Barth 
Wanderungen durch d. Kflstenl. d. Mittel- 

BiPeres. 458. 

Aegjpten. Alexandrien: K. des hl. 
Marens, nahe der Katakombe, um 450 

•schon als länfjst bestehender Bau OTwähnt. 
im 13. Jahrb. durch iSaladin zerstört. Nä- 
here Nachrichten Aber diesen prachtrollen 
Bau fehlen. 

Deyr Abu-Saneh: drcischitfigc Säu- 
len-B. mit eingebauter Concha, ohne Quer- 
haus und Vorhalle. Die Säulen trugen 
Ruiulareadcti und (}allerien. Die Concha 
war von Anbauten Hankirt, ihr j^e},'enüber 
eine Oallerie, die auf zwei von einer Säule 
getrajrenen Bogen ruhte. Absehluss der 
Concha und einer lutcrcolumnic <les Mittel- 
schiffs durch Cancelli; Krypta (?). Cham- 
ptJlion Dcscr. de l'FXvpte VII. pl. 67; 
Kualer Gesch. d. Bauk. 1 372— 37Ü. 

El Kays (Oase in der liby^hen Wflste): 



iri'iscliitrijre 



IMViler-B., 70 m lang, SO m 
breit. Vorraum vor dem Eingang, einge- 
baute viereckige Tribuna mit seitlichen An- 
bauten. Gewölbte Seitenschiffe mit Empo- 
ren. In den Capitellen und der BSechung 
der .\ussenmauem zeigt sich das charakte- 
ristisch Aegyptische. An die Pfeiler sind 
bereits HalbsSnlen angelehnt. i^Wj^fer Oesch. 
d. Bank. 1 :?74. 

Erment: dreischifiige 8äulen-B., ähn- 
lich derjenigen von Oneansville, nm 800. 

Fostat (Alt-Kairo): K. des hl. Sergius 
("Bu Serdscha): droischiffige Säulen-B., um 
300-310 (?) erbaut; Krypta, vergitterte 
Emporen. Champnüion a. a. O.; Ku^ar 
a. a. (). ;<".'). 

H e p t a n o m i s bei M e m p h i s : zwei von 
Denon Descr. de l'^Igypte IV aufgenommene 
Kirchen, deren eim- einschiffig mit auf vor- 
springenden W andpf eilern und Quergurten 
ruhenden Kreuzgewölben, die andere drei- 
schiffij,'. ganz j^ewolljf , zweisröcki^'e Ab-^ei- 
ten. Beide haben ganz Hache Dächer und 
in den Umfassungsmauern gar keine Fen- 
ster; das Licht tritt durch kleine Oefihun- 
gen in der Decke ein. lliihsrh sf>. 

Nnbien. (J ü s t u n : dreischifl ige kojitische 
K. Eingebaute Concha mit Resten der Ka- 
tliedrü und der SubseUien für den Klerus. 
Vorhalle mit Treppenhäusern, von dem iic- 
bäude selbst al^schnitten; ebenso sind die 
entgegengesetzten Hndeii der Seitenschiffe 
für Sacristeizwecke u. s. f. abgeschnitten. Gau 
Neuentd. Denkm. yuhieos, 1882, Tai, 53. 

Constantinopel (Sahenhenf Altchristliche 
Baudenkm. v. CP. v. ö, — 12. Jahrb., Berl. 
1854 ; hilghfr Les anciennes l^glise« byzan- 
tines de CV.. 1—4 livr., Wien IHTD): S. 
Aeacii iv Kapua, angeblich constantinisch. 
Ciampini 173. 

S. A eniiliani, eh. 174. 
B. in Agalmata s. in ätatuas. Cmum- 
phii 174. 

B a 8 i 1 i c a 8. .\ g a t Ii o n i c i, nach Cedren 
und Mn-ph. von Constantin gegrfindet. Ckm*- 

piui 170. 

Basilicas. Crucis, nach Chran. Pasch, 
Ol. 278 von Gonstantin gegründet. Ciom- 

pini 177. 

Basilica Deiparae 'Axeipotcot^xoo, an- 
geblich von Gonstantin g^rfindet Ctom- 
pini 170. 

Basilica Deiparae in *Paßd<v und 
in S i g m a t e, beide angebUeh constantinisch. 

Ciampini 170 f. 

Basilica S. Dynamcos, angeblich von 
Gonstantin gegründet. Nietpk, VII; CVom- 

pini KiS. 

Basilica S. Huphemiae in llippo- 
dromo, angeblich von Constantin gegründet. 
Uucanijr CP. christ.: Ciampint 17<). 

liagia Johannes Studios, dreischif- 
fige B. mit geradem Oebälk, einer Tribuna 



Digitized by Google 



142 



und VorhalU'. p]ni|>oriinii, Atrium (y). Kuffler Ulnng der Soitonsohiff«?. An d«>r W«»stfaQade 
Gesell. (1. Hauk. I 411»; Hlihsch n. XXVII, : lapf fino froistehende, zMoistöckij^e Kapelle 
pl. V u. VIII. Vpl. Aulnahme bei I (Baptisterium), in welcher die Taufe Con- 

\>eyg S. 36, Taf. 2 4. P.iner andern, an- i stantiufi ^^-malt war. Vgl. C. Botk ChriatL 
geblieti coTHtnntiniachen .F<>hiUllli^^kirche ge- Kunstbl. IHdit. n" f. 
denken Dutumje CP. christ. IV 4, 9; Komani, an;;t>hlith constantiuijwh. 

Ciampini 17S. ^Ciampini 17H. 

S. Irene, von Constantin troff ründef. S. Sergius und Bare hu Di»' von 
üocf. I K» etc.; Ciamjjtiii Kiü; verl>rannte luntinian d. Gr. unter diesem Titel erbaute 
unter luKtinian ; TTieoph. 154 ; Satzenberg j Doppelkirehe ist beschrieben von Proeop. 
T. Ilübaeh T, Ö*"*, T. 33*; Ciow- I. 4. Von den I)eiden hart nchon ein- 
])ini IGO. ander liegenden Kirchen mit geraeinschaft- 

Marienkirche zu den BlaehernenJ lichem \^rhof und Narthex besteht nur 
narh Xii-rvl/. CaU. von Pulcheria {^t'irründr'f. noch die eine, welche CentralauLii^c und 
war vcrmutlilieh eiue dreischiHigo B. mit i Kuppelgewölbe zeigt (s. d. A.); die andere, 
Wechsel von Pfeilern und SSnIen ; sie scheint deren Restauration Htfi^A 77 f.. pl. XXXII*** 



gewölbt gewesen zu sein. Vgl. HUhstch 80, 
pl. XXXU«-», XXXIII • (Kestaur.); Ruy 
Omz(üe$ tte Clavign Hist. del grnn Tamor- 
lan. Madr. 1TK2, iV.); Kraus Beitr. z. Tr. 



vorsuchte, war wahrscheinlich eine drei- 
Hchiffige Pfeiler -B. mit Architraven und 
Kreuzgewölben (?). 
S. St( |>])aiii prope Sigma, angeblich 



Arch. u. (lesch. I I4:{; //ofA*."! For-^diun- constantinisch. ('iiiinpini 175. 

gen über diese und die übrigen Kin heii S. Theclae, von lustiu erbaut, angeb- 

CP.8 sind leider nicht zum Alxlruck ge- lieh als Marienkirche von Constantin ge« 

langt. 1 4:U zerstört. .AlibiMiinir erhulrfri in gründet. Ciuinpini 171. 

dem Meuolugiuni des K. Basilius Md. .lalirh.). S. Thefnlori. aiigeblicli coiistantflUflob. 

Marienkirche zu (' ha I k o p ra t i o n <'i<itiij>iii{ IT<!. 

oder iv rrj-j-iQ. von Thcodosiu"* d. .1. wahr- T h c s sa I n u i c Ii . vt:!. Tr rler V.\\ , m'o 

sc'heinlich gegründet, von Pulcheria v(dl- eine grosse Menge von Kirchen angeführt 



endet: jetst aerstört War ein Langhaun 

mit aliLTcniTideten ()tu*rarmen. Vgl. llUhsih 



werden: am wichtigsten sind: S. Deme- 
trius (134. pl. 17 f.). die jetzige Moschee 



a. a. U. st); A'/Y/Mx a. a. O. 141. Kine Be-iEski Djuma (löö, pl. 42 f.), die Apo- 
sohreibung gab Sireph. CaU. in dem 2u7- 1 utelkirche (161. pl. 47 f.), S. Bardiaa 
Tpomia «epl aw-rwecoc toü js^ia^ixioy o^xo-j HCJ f.. pl. .">(» f.). S. Elias (HU. pl. .')2 f.). 
T^C 2v K. Ccuodo^ou mjY^c u. s. f. , von wel- Die meisten diener Kirchen gehören dem 
ehern mir swei höchst seftene Drudce be- byzan^iaehen Stil und dem ILi. an, doch 
kannt sind: einer i^tiTTaii-j Afijiposfoy upofxo- werden S. Demetrius und Eski-Djuma 
vay. Wtt n«|Ai:eptu>c. aioß' (bis auf ein Exeni- noch ins 5.— (». Jahrb. zu vi 
plar der Wiener Hofbibliothek untcrgegan- 

§en), 4": der andere, nach ganz abweichen- 
er Textrecension ev tw et; to \la 



versetzen «ein; 
beide zeigen noch wenig Abweichung von 
der abeiulländischen B. Es sind Säulen» 
basiliken mit flacher Decke, halbkreisför- 
miger Apsi», Emporen, die Säulen durch 
Bundbogen verbunden. Tgl. Stknaase III 
I2n. 

Kleinasien (vgl. Ärutuhl A Visit to the 
Seven Churches of .\sia . London 1828). 



plar der Wiener Hofbibliothek untcrgegan 

veichen 

iQtjgiOUT- 

naafltyavt 'ElXXrjvtxtü h exet 1812, 4". 

S. Mennao, angeblich von Constantin 
gegründet. Ciani/iiiu' 17r>. 

S. Metrophuni desgl. i'b. 17(5. 
S. Michael (Micha<'lion). angeblich von 
Constantin gegrüntlet. Sozmn. l '.i; de Ros.'*i .\ncyra: (IrciscIiit^'iLres gewölbtes l.ang- 
sBuU. 1H71, 14(i. CP. besiUis zwei Michaels- haus mit Kuppel auf der Mitte de« Lang- 
kirehen, eine in Anaplo (Rotunde), die an-|hauses, ohne Qnerlutus. Pfeiler mit Fflllun- 
(li if rpö 'jy^'i-j oder in Protnontorio, eben- gen decorirt. in dfii Frintcrn Säulchcu wi«» 
falls uugeblich eoustantinisch. CVa»ip. 1 7 1 f . | in llagia Sophia. Zweiütöckige Abseiten. 

Basiliea 8. Mooii, angeblich oonstan- 1 TeriVr a. a. O.; HSbfteh 81. pT. XXXV 
tiiiiscli. ("liDtipini \~'.\. Cassaba. An diesem Fluss steht eine 

K. des hl. Polyeukt, von der K. Eu-jmit der Ii. in Ancyra im Grundriss über* 
dokia nach 440 begonnen, von Anicia lu- einstimmende Saulen-R. Texitr a. a. O. 
liaiia um r)27 beendet: nach <len uns er- Hübsch Sl. pl. XXXIP"*. 



haltenen Notizen bvzantinisclier Schriftsteller 
war die K. eine dreischiffige Häulen-Bt mit 
Narthex, in welchen man durch eine zu- 
rücktretende (?) Nische eintrat. Sio lag <Ier 



Ephesus: Doppelkirclte, jetzt in Rui- 
nen; die vordere K., mit dicken Mauern 
und Pfeilern, war wol gewölbt und hatte 

vermuthlich drei Eingänge; Abseiten schwer- 



Lünge naeh von \V. nach (). ; es sollen .\p- lieh zweistöckig; die hintere K. war eine 

sidi'ii an der Langseite lieraus;,'rtri'ri ii sfin. dreischiffige ungewölbte Süuleu-B. mit Apsis 

Besonder« gerühmt wird <lic l'raclit der zwischen zwei rectaiiguläreii Kx(>dreii. Vgl. 

vergoldeten Decke und die Murniorbeklei- den restaurirten (Jrundriss nach Bock bei 



uü by Google 



143 



HitbMh 82, pl. XXX«-»: 

Ephosus etc., Loml. 1H77. KM), und J. P. 
Richttr Beibl. z. Zeitschr. f. bild. Kunst 
1877, XIII 43, und Acaderay 1878, n. 325. 

H e I i o p o 1 i .H in Phry^en : eonstanüliiHohe 
B.: Ens. Vit. Const. III äS; Ciampini 178. 

M y ra : oltlonfr«» j;i'WÖll)to K. : droiscliifflf^o 
Pfeiler-H. mit dn'i Apsidni uiui Kuppel ühor 
dt'ni r.iui'jhau.s. dem als Vorhalle fin drci- 
Bchittiger, eliHnfallü auf Pfeilern ruhender 
Qverbau vorgelegt ist. Taeier a. a. O. 182, 
pl. 5S f.; llUhsrh 81. pl. V«'-". 

Nicu media in bithynieti:, fek;cl. s. Sal- 
Tatori«, nach fcW. Vit. Gönnt. III 50 von 
Constatitiii fjt'ijrrnulct. Cinmpini 178. 

Trapexunt. Die von Terier beschrie- 
benen Kirchen (H. Sophia, 22t), pl. (>() f.; 
Pnna}?ia Chrysokephalos, 228, pl. 
67 f. : P a n a ^ i a T Ii (M> t () k <• s . '2'M) sclifi- 
nen aili* aus dein s|iäterii MA. zu »tanunen. 

Krim. Seliastopnl: B., deren Ruinen 
in der Nähe der Stadt entdeckt wurden. 
Vgl. Hühsch 7(»; Koehnt Dewcr. du musee 



Wo^kI Diiiooir. at|320 von Constantin errichtet; zweiter Ban 

angeblicb ( . ."):tO TOn Iu.*»Hnian : später re- 
staurirt. Alt sind noch die kreuzförmige 
Anlage mit drei abgerundeten Armen, und 
aueh die rünt"schifl"i';e .Vnlajje: Sepp Jeru.s. 
u. d. hl. Land 1. A. S. WV.S ninuiit f^ar kei- 
nen Xeul)au unter Iu8tinian an. Vgl. Hübsch 
XXV 11 u. 7(J. pl. d«BomlM\, 1872, 

i;i;); ('iampiiil l.lO. 

Uuza: B., drei.sehitl'ig, mit zweistöckigen 
Abseiten und Apsis, unter lustinian erbaut, 
jetzt zerstört. Kine Reschreibuiif; <;iel)t Ca- 
ricius iiaz. in s. Oratione« ed. Boissonadef 
Par. 1846, 113 f. Vgl. HObaO^ 84. 

Ebenda: K. des Iii. Sergius, drcj- 
sehifTiges Langhaus, mit Kreugewölben über- 
deckt, eb. a. a. O. 86 und gleichfalb ron 
Coricins Or. in Marcian. 1 beschrieben. 

Jerusaleni: hl. (»rabkirche, 326 
bi.s 330 von Coiistantin gebaut, bei Kmeh. 
Vit. C'onst. IV, c. 30 f. beschrieben; fünf- 
schittl^'c IMeiler-H. mit zwejsttlckigen Ab- 
seiten (einziges Beispiel bei fünf Sohiflen !), 



Kotsohoubey 1447 f.; </^ff«wM/ Bull. 1871, 133. 1 überkuppelter Apsis, Vorhof mit Säulen« 



Zwei Basiliken Coli alrrhi isfliche V) und ' hallen. 
Kirche mit Mosaikboilen wurden 1878 



lef/t ^'iiiizlich zerstört unil <liiri'h 
Bautun ersetzt. Vgl. Hübsch 74, 



eiue Kirche mit .Mosatkuoiien wurden 1848: spatere Bauten ersetzt, »gl. Jiubsc/i «4, 
Ton der ,(}e8elbeh. f. Geich, u. Alterthflmer* I pl. XXX Voguf Im Egl. de la Terre 



von Odessa in Sebastopol bei dem cher- 
sonesischen KloHter aufgedeckt. Vgl. ßeibl. 
s. Zeitschr. f. bUd. Kunst 1879, n* 4, S. 60. 

Academy 1875). Oct. IS. j». 2i>2. 

Armenien und Kankasien. Pitzunda: 
dreiBchiftljjes Oblongum mit zweistöckigen 
Abwiteii und einer Kuppel auf der Kreu- 
ztm«,'. drt'i A|)-;ii!< n. I{este der mit runden 
Liicbern »lurclibrocInMien Fenster|)latten. 
Doppelkantige Pfeiler. Vgl. JDMfol» de Mont- 
pmii iix Voyawe au Caucase, en Colchide, 
en Georgic, en Armenie et en Crimee, Par. 
1843; mhBfh 87. 

fbririi: fiinrscIiiHyije (juadratisclie B. auf 
dem büchsten Punkt« der Stadt (jetzt kop- 
tisch), im Mittelschiff SSuIen, in den Seiten- 
whiffen Pfeiler. Ausgebaute f'oni'ha mit 
Nebenräumen. Keine Vorhalle und kein 
Quereohiff. Drei Portale gegenüber der 
Apeia, /.u dem südlichrai ffihrt ein Treppen- 
haus: ob daher Kmporeanninehmenl^ Oan 
a. a. (). Tat'. 53. 

Sinai: K. der Vorklärunj^ inner- 
halb der Kiiij^auern (h's Haujitklosters auf 
dem Herge, von FococJc* Heise in d. Mor- 
genl., Lond. 1742 — 45, aufgenommen. Un- 
ter Iiistiniaji erbaute dreischitflge B. mit 



Sainte. Par. l^ilO; ('iiinijii)ii 1 MI: ('lirnioiif- 
Gameau rautheuticite du 8. bepulere et lo 
tombeau de Joseph d'Arimathie, Paris 1878. 

Marienkirche des lustinian. um 530 
gebaut (l'rocop.), von Omar dem Islam als 
Mesdjid el Aksa geweiht, grosaartiger 
Gebäudecomplex. Vgl. Bäddeer Jerusalem 
183 f. ((frundrissj. 

A u f f a h r t s k i r c h e auf den» Oelberg, 
nach Sulp. Sever. von (Nmstantin gegrQndet, 
zerstört. Vgl. ('Iiimpini 1(12. 

Mambra, Thal, B. von Con-stantin ge- 
grfindet. Vit. Const. IIT 53: Nieeph. 

(\if(. Viri 30: Ciumpltti MVA. 

Kirche des hl. b i m e o u S t > 1 i t e s, 
im südlichen Palastina, bei Pwwke a. a. O. 
Oblonguin mit Kreuzarnien. 

Syrien. Dana in Euphratesia , drei- 
scIufTige Säulen-B. mit ummauerter Apsis. 
Textet a. a. O. 189, pL 59 f. 

Neocaesarea: Gregor ron Xffssa er- 
wähnt Vit. (iregor. Thaumat. die um 250 
bis 270 am liöcbsten Punkte der Stadt er- 
baute Kirche. Nähere .XngalM-n feliliMi. 

Tyrus. Die von B. Paulinus 3lo 320 
erbaute Kirche ist von EubMu» II. e. X, 
c. 4 beschrieben. Danach war es eine drei- 



weit aus einander stehenden, von Archivol- 1 schiftige B. mit drei Eingängen au der Ost- 
ten flberspannten korinthisirenden fihranit- ! seite ; .\psi8 mit Holzgitter, Stufensitzen; 



fHHisrh 85, 



vermuthlich mit (iuerscliitf und runden Ex- 
Palästina (vel. de liosui BulL lKlt5, 81 tf.; i udren. Von Emtebim a. a. O. 42 ausdrück- 
[B9deker'8oeil^ Jerusalem u. Syrien , Lpz. | lieh als oTxoc ßa9^toc bezeichnet. HübKh 



le Voßue les ^Igl. de la Terre Ste., 75 f., pl. XXXP; Hädeker Pnlästinu, Lpx. 

1875, 44<!. Die Ausgrabungen ^V/>/>ir (Meer- 
fahrt nach Tyrus, 1878) haben hinsichtlich 
lehem: Oebnrtsktrche, erster Bau c. ; der altehristlichon B. kein Ergebnis« gehabt. 



lS,o 

Par. 1800; Ünger die Bauten Constantins 
cL Gr. am hl. Örab zu Jerusalem;. Beth- 



Digitized by Google 



144 



Basilika. 



Centraisyrien. Zu der olK»n berührten, B.; innerhalb der viereckigen Umfawung 

h(>ohHt merkM'iirdipen Oruppe der central- lietjt die halbrunde Hauptap«i» zwischen 

syriHC'hen Basiliken frehören folgende bei de zwei (|uadratiHchen Exedren : Vorhalle. Sehr 

Vofft4e a. a. 0. publicirten Denkmale : unif'a»st'nde Anbauten, in denen sich eine 

PI. (5 u. 15, 1<>: B. zu Cha(|qa, höchst zweite Kirche mit ähnlichem Schema wie- 
einfacher dreiHchiftlger Bau, von <le l'otfUr derholt; kleine viereckige Kapelle mit Apsi». 
wol mit Unrecht für eine antike B. gehal- Fl. <il : Kherbet-HÄHs. 
ten. Unmittelbare Verbindung von Bogen PI. (i5 u. f»»»: Häss, dreischiffige Säulen- 
und Säulen, die antike Oebälkordnung ist B. mit äu.H8erer Säulenvorhalle und grosser 
abgethan. Nach f/e Vogui^ 2.— H. Jahrb., rectangulärer, zwei quadratischen Seiten- 
doch wol zu früh, angesetzt. exedren. 

PI. 17: Tafkha. ähnliche dreischiffige PI. H7 : Babouda, Kirche, einschiffig, 

Anlage, aber mit Apsis, die in Cha(|(|a fehlt, mit Vorhalle und halbkreisförmiger Apsis; 

Thurm links von der Fa<;ade. 5. Jahrb. Ueber dem aus drei rundbogigen 

PI. 10': Qenn'ou&t, zwei dreischiffig«' .\rcaden bestehenden Eingang entsprechende 

Basiliken mit je einer Apside; Ineinander- Säulenloggie. 

greifen von Säulen und Pfeilern. PI. (>8 u. flO: Rueiha, dreischiffige B., 

PI. 19*: Sueideh, fünfschiffige Säulen- «lie weit gezogene Apsis liegt innerhalb der 

B. , fünfgetheilte Vorhalle ; der Chor be- rectanguläriMi Umfa.ssungsmauern, zwischen 

steht aus Fortsetzung des Mittelschiffs mit zwei oblongen Exedren, Fortsetzungen der 

angelegter Hauptapsis; neben dem Rechteck. Seitenschiffe. Säulenstellung im Innern fehlt, 

sind zwei in Nebenapsiden ausladende Ob- auf Pfeileni steigen Querbogen über dem 

longe als Fortsetzung der beiden inneren Mittelschiff auf; ö. Jahrh. 

Seitenschiffe angelegt. PI. lUi: Deir-Seta. dreischiffige Säu- 

PI. 59: K herb et- Hftss, dreischiffige B. h*n-B. mit halbkreisförmiger Hauptapsis zwi- 

mit Vorhalle und Atrium Apsis zwischen i sehen zwei ([uadratischen Exedren innerhalb 
zwei oblongen Exedren eingemauert. Be- i der UmfaHsungsmaueni. 

deutende Anbauten. PI. 1IH u. 119: Baquza, Säulen-B., 

PI. (>Ü: El Bar ah, dreischiffige Säulen- drcischitfig, mit Vorhalle und halbkreisfor- 




Digitized by Google 



BasUiiu — Bftnm. 



145 



miger Apm zwiMbom nrai <rf>loiigeD Neben- 
apsiden innerhalb der ümfiMu^nuniem : 
6. Jahrh. 

PI. 120: Kokansya, Kapelle; 6. Jahrh. 

PI. 121. Kcfr.Kileh,B. (5.-6. Jahrh.); 
Gnindrus fehlt. 

PI. 122—129: Qalb-Luzoh, dreischif- 
flge Pfeiler-B.; in wdttwten Abstanden 
tra^n f^m Icurzo, miLssive Pfeiler mit bez. 
hohen Sockehj uml Kämpfern die weit^e- 
spren^tm Hof^n. Dreigetheilte VörhaHe, 
eine halbkreiHtormijjje Apsis; letztere voll- 
kommen entwickelt und durch zwei Aber 
einander geordnete, dnrch einen Abacns 
getrennte Säulenstellungen an der Aussen- 
seite gegliedert f eine an die romanische 
Arehitektnr des 12. Jahrh. dnrehaos er^ 

innt'rnde H<'hantllun<r (s. Fifj. <(8). 

PL 13U~ : T u r m a n i n , dreischiffige 
Sittlen-B., hn GrundriM fast identisch mit 
ßaquza (6. Jahrb.). Bedeutender, Hchwer- 
failiger Fa<^adenbau mit prächtiger Loggia 
über dem Portal. 

PI. i:i7 138: Hebioh, dreifwhilHge 
Säul<>ti-B. mit Vorhalle, ohne Apsis (spa- 
terer oblonger Anbau?). 

PI. 139 150: Kalat-SemAn, Kirehe 
miil KloHter des hl. Simeon Srylites. Don 
Mittelpunkt der höchtit bedeutenden Anlagen 
bildet ein Oktogon, an welches nach den 
vier HiTiinirlsi^'cgendcn (lri'is< liifllj»e Säulen- 
basiiikeu au8toH8en; die öatiicbe hat drei 
halbkreisfSrmige Apniden, keine Vorhalle; 
die westliehe Vorhalle keine Apsiden, eben- 
so die nördliche und südliche. Nahe der 
Apni» der östlichen B., durch ein Obluu- 
guiii t^otrennt, eine sehr kleine B. tob glei- 
chem Gnmdrise, wie Baquza. kraus. 

SASnilJS, Liturgie des hL, e. Litiugieen. 

BAUKUNST. Die ältesten Denkmäler 
christlic'her H. stellen die Katakomben (s. 
d. A.) dar; die in ihnen eingebauten Oratorien 
und Basiliken leiten über all der grossartigen 
arrhif«'ktoiiisrhen Entfaltung, welrlie in dem 
Batii 1 ikenstil seit dem 4. Jahrh. ihren 
Ausdruck findet (s. d. A.). Neben demsel- 
ben erscheint schon seil dem Zeitalter ('(m- 
stanttns der zweite Bautypus, der Central- 
nnd Rundbau (s. d. A.). Beide Typen 
bavhen auf antiker Tradition , und selbst 
der in Kavenna und Byzanz hauptsächlich 
rertretene Kuppelbau fs. d. A.) weist in 
seiner techniscnen Grundlage auf die Ther- 
malanlagen Horn« zurück. ImiiK'rliin kann 
man als dritte Hauptforra des altrliristlii hen 
Kirchengebäudos, wenigstens für das (;..labrh., 
den bysantinischen Stil aufstellen. i 

BAlJMy Bäume. In der hl. Schrift wird 
der Gerechte einem B.e verglichen, ge- 
ptianzt an Wasserbäche, der seine Frucht 
Dringt zu seiner Zeit, und dessen Blfttter 

iMl-K^ktopUl«. 



[nicht verwelken (Pt. 1, 3). Der Ctoreohte 

wird grünen wie ein l'alinhauni . wachsen 
wie eine Ceder auf dem Libanon (Ps, 91, 
13; vgl. Spr. 11, 28; 12, :{; Jerem. 17, 8; 
Matth. 7, 17; 12, 33). — Der Messias 
selbst wird genannt ««in Zweig aus der 
Wurzel JesiKj's (Is. 11. I), und ein Reis, 
das zur hohen Ceder wird, unter der alle 
Völker wohnen und alles Geflügel im Schat- 
ten ihrer Zweige (Eze< li. 17, 22; vgl. Spr. 
3, 18). — Das Glück des aus der Verban- 
nung ins Land der Verlieissung zu-' 
rückgekehrten Volkes schildert Ez. 47, 
12, wenn er u. a. sagt: .an den Ufern des 
Stromes wachsen Fruehtliäuiiu' aller Art, 
es welken nicht ihre Blätter und es ^ehen 
ihre Frflchte nicht aus, alle Monate zeitigen 
sie.' Diese Stelle des Propheten entlehnt 
die (Jeh. ( m>g. 22, l u. 2 bei Schilderung 
des himmlischen Paradieses, wie 
sie auch dem, der überwindet, verheisst, 
zu essen von ilcrn Baume des Lel)ens. der 
da ist im rariKliese (Jottes (C)tfenb. 2, 7). 

Anschliessend an dij-sen biblischen Sprach- 
gebrauch wurde iler 15. (i ittweder mit Be- 
ziehung auf den B. des Lebens Uen. 3, 24, 
oder mit Beidehung auf Ps. 1, 3 und Spr. 
3, IS) ein Symbol ('hristi. Als solrhes 
ist der B. autgefasst bei Imtin. Dial. c 
Tryph. c. 8fi; Origene« in Job. XX, n. 29 
und in Kpist. ad Rom. VI: Ci/rill r. Jerth 
saletn Catech. XVIIl; Methodius v. Tyru» 
Conviv, decem virg. Orat. IX. c. 3; Mara- 
riiis Chii/socephalus Grat, in exalt. crucis 
c. 4: Anihrosius Knarrat. in Ps. 1, 3; Au- 
gmtinuit de Civ. I)ei XI 11. <•. 11. Anasta- 
sius Sitiaitn bemerkt ( Atiai;. eonten>|d. in 
hcxaera. ^'IIll. dass Christus sieh selbst 
einen B. nenne, und iM-zteht sich dafür auf 
Matth. 12, 33 und Luc. 23, 31. Als Sym- 



1er B. genommen werden 
im .Museum zu Ur- 




Xjur 



1m)1 Gliristi niiiss rier 
auf einem Grabstein* 
bino (de Rossi 
R. S. n 323; 
vgl. Fig. «9) 
und auf einem 
von Fahretti 
Inscr. 580, n. 
81 angeführ- 
ten Grabtitel, 
weil zu beiden 
Seiten des B.es 
A und W, das 
S>Tnb(d iler 
f^wigkeit und Gottlieit des Sohnes, ange- 
bracht sind. MSns ArehSol. Bemerk. 99. 

Der B. ist sodann Sinnbild des Ge- 
rechten mit Beziehung auf die Eingangs 
erwShnten Stellen. Der hl. Fid^müm nennt 
in seiner Rede de dispensat. Dom. c. 5 die 
guten Christen Bäume (,arbore8 sumus, fra- 
tres, in agro dominico constitutae ; Dominus 
autem noeter agricohi est*), und knflpfl da- 
to 



FIff. W. Onibfllstai au VrblB«. 



Dlgitized by Google 



14« 



Baum. 



ran dio pfträiu'tisolio IJeiuerkunf,', da««, wenn 
auch nirht all»' {fleicho mivr roirbliche 
Früchto ln'rv(»rhrinf;«*n könnon . dorh knn 
B. ganz unfrurhrlMir lilcilu-ii dürtV. A«'hn- 
lioh »prioht nich aus »1er hl. Hieronymus 
(Horn. IV in Canf.,). Di«' MimiscIicii in ihren 
verschiedenen IielM'ns.st»'llun<;i'n nind den 
▼ermchiedenen Arten von Häunien gleich ; 
jeder mu.'^s Frucht l)ringen nach Heiner .Art 
und darf" sich von den Winden der Trüh- 
sale nidit entwurzeln lassen. Vgl. Hirron. 
Epist. VI ad hoin. aegrot. und In Oseani 
c, CXIV. In dieser Hedeutung werden w»>l 
zu" nehmen sein »lie Häunie auf den (J rah- 
steinen bei Aringhi Koin. suht. II ")22, Lupi 
Sever. epitaph. tah. XVII, liolde.tti Osserv. 



8«2 und auf einigen (iohlgläwrn bei Htto- 
narmofi Vasi ant. tav. XVIII* u. XXP. 

Kinige oder mehrere Bäume zuHammen- 
gruppirt sind ein S y m Im> 1 des h i m ni I i- 
schen Paradieses. Eine Vision der hl. 
I'erpetua, die sie selbst niedergeschrie- 
ben, ist Bestätigung hierfür. Sie sah da» 
Panidies in Form eines (Jartens; der Hirte 
war darin mit Melken seiner Schafe be- 
schäftigt und l)ot d»'r Heiligen Milch (s. d, 
\.) an. Mehrere Bilder im Coemeteriuni 
des (!a II ist US. wol glei«'hzeitig mit der 
africani«<hen Martyrin, jüngere Deckenge- 
mälde im Toemeterium der hl. Agnes und 
ältere in dem der Priscilla stimmen mit den 
Anschauungen der Visi<m genau überein. 




Ft(. 70. Wandi^rmäldr im CnbieulDin drr (Qnf Heiti^n in 8. Hotcr«. 



Digitized by Google 



Bttttn. 



147 



Vgl. de Rosui K. S. II. tav. H7 45*, 49*, 
55 *. Inmitten der B.gruppe steht zuweilen 
not'h der ^ntr Hirte Cs. d. A.) als Typus 
des lieilaudcs, und neben diesem oder auck 
aUein die Orans (t. d. A.), Betend», dM 
Bild iliT mcn^fhliclKMi Sergio in df>n Freu- 
den dü8 Paradieses {de Hossi K. ä. tar. 39 
«nd Boaio Rom. aoH. 869; Ptrret Cata- 
comb. V. pl. ;')) oder aucli Hoilifjc, bos. 
Agnes (s. d. A.), auf Goldgläsern {liuomir- 
ntoH Vasi tav. 18 u. 21; Bottari tar. 97*). 
|Kin firtssisches Mi'ispiel dieser Paradieses- 
darüt<'lluii<; l)i<*tt't das sidiöni' Wandgoniäldp 
in dorn Cubiculuiii der fünf Heiligen in S. 
Bütere (de Bo8»i R. 8. III, tav. 1 : Krattit 
R. S. Vig. 2:K S. 201: ^. Fig. 70). K.] 
Die Darstellung des Paradieses durch Bäume 
(nnd Blumen) findet tlch aumer den er- 
wähnten Di rk('H;,'cniäld<Mi und nold;rIä^<'rii 
noch auf Urabsteiuen, iSarkouliagen und 
«pater besonders auf den Homiken der Ba- 
siliken. (So in S. Cosma c Damiano, in 
S. PrasHcde, 8. Cecilia {Ciampini II, tab. 
15, 47, 52). [n der Nativitaskirche zu Beth- 
lehem befindet sieh eine Cmx gammata 




\ 




Ftg. 71 ' f i > i,-.iinliml.'i in Botli- 



! < ;< lil)i'|;iiiliti'n 



/.wijirln'i) /\M 

Vogue I^glist'K dt? la Tcrrc St»-. 
72). Auf Sarkophagen findet sich dasselbe 
Motiv (Mon. de 8te. Matleleine T 704). K.| 
Die Bäume (mit Ausnahme der 2sadel- 
hSlier) Terlieren im Herbste ihre Blitter 
und bekleiden sich im Kriiliütic:»' mit neuem 
Grün. Aus diesem Urundc wurde der B. 
Sinnbild der Auf erstehung. AIssol» 
ches findet er sich mehrere Male in der 
Darstellung der Auferweckung des Lazarus 
(auf einem Goldglase BmMrrwiH taT. 7 \ 
auf einer Glaspatene Bottari in, tav. 197 '). 
üebermässig gehäuft sind die Symbole der 
Auferstehung auf einem Sarkophag des Va- 
tiian. wo man nel)en der Auferweckung 
des Lazarus (s. <1. A.l und dem Propheten 
Jonas (s. d. A.> noch in der Arche (s. d. A.) 
einen grünenden B. erblickt. BoHori I, 
ta?. 42. 

Auf eiuigen gallischen und germanischen 
<)nibtiAeIn sind nrm Biume angebracht, der 



eine grünend im Blätterschmuck . der an- 
dere dflrr. FioreHcourt (Altchristi. Grabet, 
von Trier S. 10) wollte dadurch den un- 
vollkommenen, düstem Zustand des Erden- 
lebens im Gtogensatie lur faerrliehen, glQek» 
liehen Ewigkeit, yfnifiijnij CDict. 47» den 
öden Geisteszustand des Menschen vor und 
den an Gnaden reichen Zustand nach 
der Taufe ausgedrttckt finden. Le Blant 
(Inscr. I 391) sieht in dem dürren B. den 
Tod und in dem grünen die verheissene glor- 
reiche Auferstehung des Leibes angedeutet, 
weil diese Erklärung ihre H«'< htfertigung 
in dem über den B. als Sinnbild der Auf- 
erstehung Gesagten findet. mCnz. 

(Di«' Martigny'sche Auffa-i^sung wird durch 
das von ihm in Abbildung (s. beistehende 
Fig. 72) gegebene Bmehatflck einer alten 




Fiff. tt. MStorsI im BspOstwIga wm 'Vtittaau. 

Malerei in einem Baptisterium cu Valenoe 

unterstützt: man sieht in derselben Eva 
nach dem Sündenfall, rechts von ihr den 
blühenden Paradieses-B. , links einen dür- 
ren B.. der wol das Elend der Natur naeh 
UelHTtretung de» göttliehen (Jeliotes sym- 
bolisiren soll. Besser ist jedenfalls, den B. 
zur Linken Bva^s als Cyprease (s. d. A.) 
zu deuten. 

Endlich muss der ü. als Symbol der 
Auferstehung betrachtet werden. So 
auf dem Sarkophag bei Bnttnri tav. 42, 
wo inmitten der Geschichte des Jonas eine 
Arche steht, ans welcher statt des Noah 
«'in B. aufwächst. Solche Bäume wachsen 
aus dem Grabe des Liazarus auf Gläsern bei 
J^ofturf ni, tav. 197; BumtarruoH tav. 1*. 
Aehnlich auf dem Grabe des Erlösers auf 
einigen Oofä.ssen zu Monza, Mozzoni Tav. 
Saec. VII. 84. Martigny findet die Andeu- 
tung des B.es auch auf einer von Miinter 
SiiuibiMer II (nicht Ii Taf. 5 * ahgeliildeten, 
von Tunini zu Hinidur. Numisni. Inip. Rum., 
Rom. 1791, Tab. 5 herausgegebenen Kupfer- 
münze aus dem Zeitalter Konstantins, wo 
das Wort ANACTACIC Ix'igeschrieben ist; 
indessen läset die Abbildung Zweifel. K.] 

10* 



Digitized by Google 



148 



B«*tiMtmiiB — Bckrlnsang. 



BEiTUKUMUS, •. 

BEERDIQd«» BBGSiBSISS» g. Tod 

und Todtenfeier. 

BEQIEBDBTAVFBy ■. Fener- und Blut- 

taufe. 

BEK HTE, BEICHTSIECJEL, h. liussc. 

BEKRiNZUNO. Das Bokranzon mit Blu- 
men ist bei den Heiden, Juden und Chri- 
iten eine ^leichTiiä>sii,' erscheinonde Sitte, 
vor Allem ah Ausdruck der Freude, dann 
aber auoli als Zeichen eines religiösen Cul- 
tes, den man der Gottheit oder den Ver- 
»torhenen darhraehte. relicr ilie eit;ent- 
üchen Corunae wird an einem andern Orte 
Rede sein; hier soll nur von der B. mit 
Guirlanden und Blumengewinden ffehandelt 
werden. Für die erwähnte Sitte bei den 
Jaden möge e« f^enü^ren, daraaf htnsnwei- 

■en, dnss .ini I.aulitiürteufc^tr die Theil- 

nehmer einen mit WciUenblättern und Myr- 
tonkrinzen umwundenen I^lmEweijif in der 

Hand trufren; die Verelirer der Cvlicle lic- 

Singen dos Fest der wiedererwachenden 
fatur unter Anderm durch BekrSnxen einer 
Tanne mit Veilchen (D8llin;/(r Ileidenth. 
u. Judenth. 815; Marqum df HeiligthQmer 
316). Bei den Römern gehörten Guirlan- 
den TOD Yerbenen und andern Blumen zu 
dem nothwendigen Sehmucke des Opfer- 
altant tiJöllinger a. a. O, 040): in Gleichem 
wurden am Feste der Terminulien (2:{. l'e- 
liruarl die Grenzsfeine. als di»- -cliür/i-iuli'n 
Genien des Besit/>thunts und der utieiitliclien 
StrasRen, gesalbt und bekränzt (Döllinger 
n. a. O. Ö4Ö). Am meisten in AnAvendung 
aber kamen die Blumen bei den Todten- 
feierKchkeiten und bei den Gedaehtnimi- 
mahlen. die man am Grabe der A'rrsrorltc- 
nen zu halten pHegte. Unter Anderm be- 
gingen die Römer im Mai das Romnfeiit, 
die Hosnria , wo von den Krhen und den 
Mitgliedern der Uenossenschafteu bei dem 
Tedtenflchmanse Ronen unter die CKtote Ter- 
theilt und auf die Gräber gelegt wurden, 
untl Aehnlichea geschah an den sog. dies 
violae (Marqtfarat a. a. O. 259). Die starke 
Nachfrage nach Blumen, besonders Roeen, 
fflr solche FestHchkeiten veranlasste die 
Anlage eigener Rosengarten: Kaiser Con- 
Itantin sdicnkte einen solchen, der zwischen 
der a|)|»isclien und ardeatinisdieii Strasse 
lagf der Kirche für das Coemeterium der 
hl. Balbina: obtulit basilicne, <{uam coeme- 
terium coiistitiiit via Ardentina funduni rr>- 
sarium cum omni agro camueKtri. Anast. 
in Tita S. Marei ; Tgl. ds RmH Bull. 1867, 4. 

Dass die Christen bei feierlichen Gelegen- 
heiten, z. B. am Geburtstage der Kaiser 
oder bei sonstigen öffentltehen und Fami- 
lienfesten, sich von dem allgemeinen Brauche, 
die iiäuser mit Blumen und KrSnzen zu 



•ehmfieken und Abends ra beleuchten, nicht 

ausschhwsfii , kann nach den mancherlei 
Aeuaserungen der iSchriftateller nicht in 
Zweifel gezogen werden. Allerdings nuae- 
ten sie dabei manchmal, um jeden Schein 
der Theihiahme am abgöttischen Cultus zu 
vermeiden, Torricht und Behutsamkeit an- 
wenden. In solcher Lage waren sie s. B. 
im J. 394, als der Consul Flavianus den 
Hingang zu seiner Wohnung mit Lorbeer 
schmückte, in der Absicht, die ihn besuchen- 
den Christen indirect als Anhänger des alten 

I Cultes erscheinen zu lassen, da der Lorbeer 

I als ein heiliger Baum galt, mit dessen Laub 
auch die Vestfllinncn das Hciliirtbum ihrer 

' Güttin zu schmücken ptiegten (Ui' Bossi Bull. 

1 1868. 57). Mehr aber noch ab die HSuser 
wurden an den Festtagen des Herrn und 

I seiner Heiligen die Kirchen mit Blumenge- 

I winden gesiert. Dazu fordert >. B. Paulin 
von Nola sein«* Landsleute zu Khren di"* bl. 
Felix auf: praetoxite iimina sertis (Felic. 
Natal. VI), und ähnliche AeuRserungcn fin- 
den sich bei Ilier(»nymus. Prudentius u. A. 

Was das Bekränzen der Gräber betrifft, 
lo bezeichnet Terti^ian de Corona milil 
e. 10 in seinem Rigorismus dies als etwas 
für die Christon »(»sohlt Unerlaubtes, als 

I secunda idololatria (de C<trona milit. c. 10). 
Auch Minuciu.s FiHr erwiümt des Vorwurfs 

: <ler fmpietät. den die Heiden desswegen den 
( liristen machten : nun i ()r|iiis odoribus ho- 
nestatis . . . Coronas etiam s(>|iulcris den^ 
gatis (Octav. XII f>). und in<lem er die 
Thatsache anzuerkennen scheint, weist er 

I nur den daraus entnommenen Vorwurf su- 

1 rück, indem er erwiederf: beafiis non egot, 

I miser non gaudet tioribus. Dennoch tiuden 

I wir in dienen und ahnliehen Stellen die im 
.\IlL,"'"!eiTH'ii unter den Christen lierrscbende 
Sitte Kchwerlich ausgesprochen ; die alten 

I Gläubigen haben rielmehr, wie die Heiden 
und wie wir noili heute, die Gräber ihrer 
Lieben mit Blumen geschmückt und mit 
KrSnzen behangen. Das lehren uns fllr die 
nachconstantinische Zeit der hl. Hierottymtts 

! und PmdentUis mit klaren Worten. Lilieri 
mariti super tumulos coniugum spargunt 
violas, rosa.s, lilia, sagt llieronifmua ad Pa- 
mach. Ep. 2<;, 2, und l'rioleiifii/s schildert 

I uns die JSitte »einer Zeit in tien folgenden 

I Versen: 

' no« tecta fovebimus (»ssa 

Tiolis et fronde freijuenti 

I titulumque et frigida saxa 

li(|uido spargenius <idon'. 
.Selbst die am Grabe brennenden Kerzeu 
sehen wir auf einem Katakombengemälde 
aus dem Ende des }. .lahrb. mit Blumen 
umwunden (Gan ucci Sturia dell' arte crist 
Tav. 101). Dass wir aber hierhi nicht einen 
Missbrauch der sinitern Zeit und einen IJück- 
fall in heidnische bitten sehen dürfen (po- 



Digitized by Google 



Bi]Xa — Bmwdietlo. 



149 



ttea antiquonim praevaluit mos, wie Dru- 1 

gel Xot. ad Prudont. (55 sa^t), dafür legen ' 
die Monumente selber lautredendes Zeug- 1 
niM ab. Zunächst nämlich wenden die Ma- ! 
Iweieii der Katakomben des 2. und 3. Jahrh. 
hänpondo Uhimonjrewindf als das lieliebtente 
Det'orationsniittel in den Deckengemälden 
der Orafckaimneni aiL, wo »ie bald au» Füll- 
hörnern hervorspriessen , bald von (lenien 
oder Tauben gehalten worden, bald die Li- 
nien und Krorn fonniren, durch welche 
die Flä<'he eingetlieilt ist. Weiterhin aber 
tindeu wir diese Kränze auch um den äuH8eru 
Band der Arcoeofien fffel^ oder fan Innern 
dargt'stellr. sfi ch. dass sie als die einzige 
Decoration über den ganzen Bogen der Wöl- 
httng «inen hreiten Blumemehmuck span- 
nt'ii. Sfi OH. dass sie in leichten (iuirlnnden 
an den Bildern und Linien herabhängen 
(d$ Rossi R. 8. n, iar. XX). In einer der 
Ilte«t«n Kammern des Coemeterium der 
Lucina gehen wir sogar aufgehängte Kr&nze 
auf die Wand unmittelbar unterhalb der 
Grabnische gemalt (He Rossi K. S. I, tav. 
XVI; \'^]. II. tav. XX 10. Die-.' während 
der ganzen Dauer der ersten .lalu liiUHlcrte 
uns in unzähligen Betspiclcn )H'<r(Hrtiende 
biiilliclic Darstellung von Hlunienj^ewinden 
und Kränzen an den (irälH'rn aber netzt 
Toraua, dass da« Auge der Christen darin 
nichts ruKtatthaftes fand, und dass auch 
Guirlanden von wirklichen Blumen nicht 
verboten waren, wo man sie an einem Sar- 
kopbaj^p oder auch an einem Wanili,Tab 
befeatijKen und aufhängen konnte (vgl. de 
J?oen Bull. 1968, 14). Vam auf die oben an« 
geführte Stelle des Minucius Felix nicht 
viel Qewirht zu legen ist, ergiebt sich dar- 
aus, dam auch dem ersten Ton ihm ange- 

Seführten Vorwurfe, non corpus odoribus 
onestatis, die Sitte des ganzen christlichen 
Alterthunw widerstreitet, in Bezug auf welche 
Tertullian sagt, die Christen verwendeten 
mehr Spe/ereicn für ihre Todten, als die 
Heiden für ihre (»ötter. DK w.\.\i.. 

[H.en bei der Hochzeitsfeier, wie sie das 
Heidentlnim hatte, behielten die Christen 
bei; doch sagt noch TertuU. de Cor. mil. 
e. 13 rigoristiseh : ooronant et nupttae spon- 
»08 : ideo non nubamus ethnicis, ne nos ad 
idoiolatriam us^ue deduuant, a qua apud 
Olosnuptiae incipiunt, wihrend CArys. Hoin. 
rX in I Timoth, die Sitte christlich umdeutet : 

yiabrpT* ujco t^c rjdov^c Ein biBsondcre» 
Oebet, bei dieser B. zu reeitiren, findet 

sich bei Theodor. Sludita (um 80(1) Ep. T 
22 bei Sirmond. Opp. V, Par. 1696. K.J 

BH.\.A, 8. Velum, Vorhang. 

BHMA. a. Ambon. 



BBirBDICITE heisst nach seinem An« 

fangswort der Gesang ^er drei Knaben im 
Feuerofen (Dan. ü). welcher jetzt noch täg- 
lich in den Laudes des OfHc. div. recitirt 
wird. Dass derselbe bereits im christlichen 
Alterthum einen integrirenden Bestandtheil 
des Oftiriuni liildete, lehren uns Athanatsius 
de Virginit. 1057 : 8tafpaufia \v^-a.- gdXoTSixi 
TTOVTO Tai spY« x'jG'!o'j tÖv vt'jptov. lind Chn/sost, 
Quod nemo laeditur nisi a se ipso, 10 
(Opp. IV 59H e<l. Ben.): tpor^^ zT/rotyoü tt^c 
o?xoo}i£VTj; 'X'SoixEvrjV xal rtjWr^TjiLvn^-^ &U tic 
jjÄTflk Taüxa 7«v&ac. Das Cuttc. ToUt. IV, 
e. 13, al. 14 erkllrt, dass dieser Hymnus 
in der ganzen Christenheit im Gebrauch 
sei, und bestimmt unter ötrafe der Ex- 
commnnieation, dass er per omnes eoeleetas 
Hispaniae vel (ralliciae (Galliae?) in om- 
nium missarum solemnitate in puipito de* 
canfetnr. in dem Ton Mahißim herausge- 
gebenen Leetionarium Gallicattum (de liturg. 
Gallic. Hb. II, c. 108) wird die Absingung 
desselben nach den Prophezieen vorgeschrie- 
ben. Vgl Biitgham VI 48. Knaus. 

BBREDIOrnnBBlUSGBL» s. Hönehsleben. 

BENEDICTIO, Segen. Segnung (vgl. d. 
Art.). Man kann die kirchlichen Setjnungen 
füglich in liturgische und ausserliturgische 
eintheilen, welche Unterscheidung bereits 
in Tfi-tulliam t. »acramentuni conversatio- 
nis und discipUnae (adv. Murciun. IV 24) 
gegeben ist. Die ausserKturgischen (con- 
versationis) Benedirtioiicii hesdiräiiken sich 
auf einen frommen \\'unsch oder Uruas. 
Den dieser B. au Orunde liegenden Ge- 
danken s|)ri<-ht Orii/ftirs ad Horn. FX 14, 
p. 458 und eh. c. 8, p. 2ü dahin aus: Got- 
tes Segen spende regeimtssig denen, -welche 
ees^net werden, eine Gabe, vorausgesetzt, 
dass sie würdig sind, dass die Benediction 
auf sie herabkomme. Weiter lassen die 
.Veusserungen des Ortffmm und Tertullian 
(de bnptism. c. 4: supervenit enim statim 
Spiritus de ccxdis et uijuis superest, sancti- 
ticHUH eo.<» de senietipso et ita sanctiticatae 
vim .sjinctiticandi rinntiil)untl keinen Zweifel 
daran, da^«* die Weihegeliote dem henedi- 
cirten Gegenstand nach altchristliohcr An- 
schauung eine ihm inhärirende Kraft ivir- 
tus; mittheilten: sie waren sancta Dei (Oriy. 
in Levit. Horn. XT, n. 1, p. 183^186). 

Schon die apostolischen Cfonstitutionen un- 
terscheiden grosse und kleine B. (suXoTtoro 
ptxpÄv ?, (U-r^Tiv, lib. III, c. 10; vgl. VIII, 
c. 4<i), ohne zu sagen, wa.s man darunter 
zu verstehen hat. Frobst Sacramente und 
Sacramentalien in den drei ersten Jahrb., 
Tübingen 1872, 68 f., nimmt an, zu jenen 
habe die Weihe von Brod, Taufwasser, 
Chrisam, Kirchengeräth und Gewändern, 
die der Jungfrauen und niederen Kleriker, 
au diesen die Segnung von Speise und 



oiyiii^ed by GoO' 



ISO 



BenedietlooM. 



Fruchten, von Oel und Wasaer gehört — 
eiiu' ClasHificirunff, die man dahingestellt soin 
lassen musg. Andere »uohten die Begrün- 
dung der Unterscheidung darin. da.Hs die 
onen Benedictionen vom Bißohof, <lii' an- 
dern vom Priester, wieder Andere darin, 
dam einige Benedictionen SIfenttich, andere 
privnrim rrtheilt wurden (TgL CottUer Ftktr. 
Apo»t. 1Ü98, 1 284;. 

JDie gebrSnchlichatett Segnungen der alt- 
chrtatiiehou Zeit waren: 

a) die Henedietion der Speisen und 
Früchte; vgl. da« Tischgebet der apo- 
stolimhen Conititationon VII, c. 49 und 
Tertnll. de coron. e. !}. der an dieser clas- 
»iselien Stelle die Benediction aU mit dem 
Kreuzzeichen verbunden abo nuanraten- 
•tellt: ad oninem pn»gre«snm atquc pro- 
motum, ad omnem exitum et aditum, ad 
▼estitum et calceatum, ad hivacra, ad men- 
sas, ad limiiiia. inT ciiliilia, ad nedilia, quflp- 
cumque nu8 couvertuitio cxercet, t'routem 
Bignaculo terminus. Namentlich waren ei 
die Erstlinj^'f^friiclite , denen ein besonderer 
Sege n zu Theil wurde; die Apoet. Con«tit. 
YITI, c. 40 bewahren die EpiUese dafOr 
auf. Vgl. auch Hippol. ean. 3. p. ß5. Eine 
besondere Klasse mit solchen Benedictionen 
gesegneter Speisen sind die Kulogien, 
die gesegneten Brode (s. d. A.j. 

b) Die Benediction des Taufwasaers, 
8. Taufe. 

c) Die Benediction des Oel es, vgl. Ter- 

tuU. de hapt. c 7: CifprinH. Ep. 70. p. 2R9 
ed. Baluz., letzterer in einer Verbindung 
mit der Eucharistie, welche an die Segnung 
des Oeles wjilirciKl der liturj;ischen Opfer- 
handlung denken lässt. Die arabischen Oan. 
Hippol. 0. 19. n. 8 lanen die Weihe des 
Oels durch den Blaehof geschehen. In allen 
diesen Fällen handelt es sich um das zur 
Firmung bez. nach der Taufe gebrauchte 
Oel; hinsirhtlich des Kntechumenen- und 
Kraiikenöls wird es sieh ahnlich verhalten 
haben; uiu li letztere Benediction war meist 
nach dem Pontif, Rom. dem Biscliof vor- 
behalten. Indessen ist sehr frafjlirli. oli die 
ersten Jahrhunderte eine eigene Weihe die- 
ser Oele gekannt haben. 

d) Benediction oder Consecration der Kir- 
chen. Sie wird von Ambrosius schon als 
eine sehr alte Gewohnheit beaseichnet; 
Eusebius Mohnt 315 einer feierli<'lien Kirch- 
weihe bei in Tyrus; die von trobst a. a. 
O. 95 ans der Mitte dee 3. Jahrh. ange- 
führten Beispiele sind am apokryphen Mar- 
tyreracten hergenommen und hier nicht 
völlig beweisend. Dagegen erhellt das hohe 
Alter dieser Benediction auch aus der Mit- 
theilung des CleifK AI. Strom. VII ö, wo- 
nach die Karpokratianer dem Epipiianes 
Tempel bauten und weihten. 

Augusti Hdb. III 392 unterscheidet get- 



tesdienstlichen und ansaergottesdienstlicheD 

S^'^-en : eine schwer zu rechtfertigende Ein- 
thcilung. Zu ji-neni rechnet er diu Ent- 
lassund^ormeln (diroXo^eic). wie Dominus 
vobiscum, pax vobiscum. ite in pace u. dgl., 
suwie die Segensformeln bei Aufnalunc und 
Entlassung der Katediumenen (Const. ap. 
VIII f!) u. s. f. Zu der zweiten Klasse sollen 
dann aj der allgemeine bischöfliche Segen 
(zuerst bei Bam. Ep. ean. e. 27; Chrt^, 
Hom. 45 in Mel., _ ed. Morell. I 523; 
Horn. IH ad uou. Ant. =^ I 42; Attg. Kp. 
147 u. 8. f.), b) me besonderen bischöflichen 
oder priesterlichen Benedi< tionen gehören. 
Hier erinnert er mit Kecht daran, das» B. 
und Conse<-ratio häutig identisch gebraucht 
wenlen, obgleich ein Unterschied zwischen 
beiden liestelit , insofern die C'onsecration 
die betr. Suche oder Person zu »iiner heili- 
gen macht, nicht nur sie zu einem heiligen 
Oebrauclu- bestimmt. Es crhellf ;uis ( )ln- 

Sem, in wieweit diese Dehnitiou haltbar ist, 
ie ja stellenweise durchaus Pbtx greift, 
wie wenn von panis consecFatus und pania 
benedictus Kede ist. 

Die spatere Zeit hat die Zahl der Benedie- 
tionen sehr vermehrt; es kommen da hinzu: 
B. lac^tis et mellis, incensi, salis, paschalis, 
cereorum et candelarum, cinerum (am Ascher- 
mittwoch), nunorum (am Palnisoimtag) agid 
paschalis, cerei paschalis oder novi ignis; 
manche, wie segetum et vinearuni, uvae, fru- 
menti, novae domus, armorum, peregrinan- 
tiuni, navis, areae novae, vexilli etc. ge- 
hören erst dem MA. an. Vgl. Ducanye i. v. 
( Ueber die B. nuptialis s. Ehe. 

(Je;,'!'!! .\ii>i;ang des uns hierangehenden 
I Zeitraums w erden noch erwähnt : B. poeni" 
\i«ntiae (Cme. Bareinm. 599, c. 4; ToleL 
Vr, c. S; Agnth. c. 44 u. s. f.), B. super 
^po/iuhitn (äacram. Ecd. Rom. p. 2U0>, B. 
Ipi'shi/teratu» (Conc. Arvem. o. 18; Gre- 
gor. III Ep. 5), B. virginum (Muratori 
•Vntiqq. Ital. med. aev. V 573), B. rirginum 
irlevoUirum (Cod. A/ric. C"an. c. G, wol tür 
Diakonissen? S. H'ini;/Ii Epist. ad Clodov. 
! regem ; Poenifenf. Theodor. Canfuar.). 

Vgl. den Art. Segen. Zur Litteratur: 
I Marten« de antiq. eccl. Ritibus; Greiser de 
Benedictionibus; (it rJiard de B. ecclesiiistica; 
I Auyusti a. a. O.; trabst a. a. O. kkaus. 

I BEXEDICTIOXES, für Eulmjlnt, selir oft 
bei Hieron iftH.f Gregor. M., AvünSf Fulgen- 
tüa und Spitem. Die Stellen hat Duamgt 
gesammelt. Vgl. Eulogia. Der Gebrauch 
für pastus extraordinarii in Klöstern ist erst 
seit dem 9. Jahrh. nachgewiesen. Ebenso 
die Bezeichnung B. für die ordines mino- 
res. — B. für nmlediciin ist ebenfalls mit- 
telalterlich, beruht aber auf der alten Ueber- 
setxung ben^icere für maledicere Job 1, 5. 
11; 2, 5. 9; lU Kön. 20, 10. 13. 



Digitized by Google 



Bea«<Uctioiuiriuiii und Benedictionalis Liber — BUthanatl. 



151 



BENEDICTIONARfUMundBEXEDICTIO- 
NALIS LIBER, s. LitiugiMshe Bäcbfir. 

BHP02, 8. Hirru«. 

BBSCmrSIDVlf« Chmti, s. Feste. 

BBSPREVOUNO, s. Asperaion. 

BESTECHLICHKEIT f . orniptio) der Rirh- 
ter, iu Cod. Thtodos. üb. IX. tit. 28 capi- 
tale und aniroadTenione fleveriBRima notirt, 
ein auch von der Kirolie gestraftes Verbre- 
chen. Ein glänzendes Beispiel kirchlicher 
Ahndung desselben giebt .sV//i«»»t« (Kp. LVII 
172, ed. Petav.) durch die Excoinmunication 
des AndronicuR. Präfecteii der Ptolemais. 

BESTIAKII. Zu den nffnitlirliiMi Spielen 
der Römer, welche im t'in u.s maximus ab- 
gehalten wurden, gehörte auch das Thier- 
ijf'frcht fvenatio). hei wclilinn entweder 
wilde Thiene ge^en einamler oder mit Men- 
lehen klmpften. Diese letzteren hekamen 
davon den Xamen B. und waren Leute, 
weiche entweder zur Strafe zu diesen Ge- 
fechten verartheilt wurden (damnatio ad 
bestiae. unter den Kaisern selir gewölmlicli), 
oder sich freiwillig aus natürlicher Wildheit 
oder endlich gegen Lohn «ich dem Thier- 
kunpfe unterzogen. Der Xam<> H. wurde 
nun in den Zeiten der (Miristenverfolgungen 
iu sfiöttisclier und licM-himpfender Weise 
auf die Christen angewendet und zwar aus 
zwei (iründen. Der eine lag in der grossen 
Ziüil tier den wilden Thieren vorgeworfeiu'n 
Christen , eine Zahl , welche bedingt war 
durch die Friv(»lit;it . mit wel<'her die Hei- 
den Jedwede Veranlassung benützten, um, 
wie TMfuüiam Apok^. e. 40 berichtet, ihren 
verwegenen irriuisamon Ruf: Christianos ad 
ieones! hören zu lassen. Einen zweiten 
Grund fiinden die Heiden, welche 'die Stand- 
hafltigkeit und den Todesmuth . ja die To- 
desfreudigkeit der Christen sich aus fiber- 
natfirlichen GrOnden nteht erklXren konn- 
ten, darin, dass sie das ihnen unbegreif- 
liche Benehmen der christlichen Märtyrer 
mit der Tollkühnheit oder Verworfenheit 
der eigentlichen B. (auch confectores ge- 
nannt) in einen freilich sehr unrichtig ge- 
wälilten Vergleich brachten. (Vgl. d, Art. 
Desperati und Parabolarii.) In dieser An- 
schauungsweise der Heiden wiir/elt der 
Vorwurf der ,umentia*, den l'linius d, ,1. 
in seinem Briefe an Traian Kpp. 10, 97 
den Christen niaclit, clu tisu das .ßapl^apov 
'Mt^T^\ womit PorphyriuH bei Euneb. llist. 
ecol. VI 19 die chruitUche Beligion be- 
Beiehnete. kbOll. 

BETHLEHEM, s. Kirehe und Städte. 

UTBUO, 8. Yenditoren. 

BIATHANATI O^i (Jewaltthat, »avtiv ster- 
ben, ßiaioöowTew gewaltsamen Todes ster- 



I ben) war de)* Name für diejenigen Men- 
I sehen , welche zum Tode verurteilt und 
1 der Hand des Henkers anheimgefallen wa- 
I ren, aber auch ffttr diejenigen, welche selbst 
' Hand an sich le;;ten, für die Selbsttnör- 
der. Der Name B. wurde von den iieideu 
den Christen der ersten Jahrhynderte in 
spöttischer und entehrender Weise !)eige- . 
legt, weniger in der zuerst angegebenen Be- 
deutung des Wortes, obschon auch hierfQr 
eine ^'ewis-ic Merechtigung vorlag, als haupt- 
sächlich im letztern Sinne des Wortes. Das 
Verlangen der Christen nach dem Martyrer- 
tode, ihre rnerschrockenheit . Handlungen 
ZU begehen, welche den sichern Tod nach 
sich ziehen mussten, und die so oft und 
klar kundgegelH-ne Hoffnung, durch den 
Tod ein schlimmes Erdenloo« mit einer 
be.s.sern Zukunft zu vertauschen, gab den 
Heiden Veranlaasang, die Christen mit den 
B., Sen»stniördern , auf eine Stufe zu stel- 
len. Wir verweisen hierbei auf Teriulluin. 
ad Scapul. c. ."). Hier wird berichtet, dass, 
als .\rriu-; Aiitoninus in .\sion anhaltend 
die Christen verfolgte, alle Christen jen^ 
Landes, nachdem sie sieh durch einen Schwur 
verbunden hatten, vor seinem Tribunale er^. • 
schienen, er aber ihnen zurief: ,ihr Be- 
dauemngs würdigen , wollt ihr sterben, so 
habt ihr Felsen und Stricke!' rebrigttU 
I bemerken wir hier gelegenheitlich, daas ttn 
ohne alle Veranlassung bewerkstelligtes Hin- 
zudriingen der ("bristen /.u den heidnischen 
Richterstühleu und so zum Martyrium \on 
der Kirche nicht gebilligt wurde und solche 
Christen aucli nur unter dem minder ehren- 
den JS'amen .professores' aufgeführt erschei- 
nen. Der Name B. war übrigens in der 
Heideinvelt si» vulgär, dass, wie Baronim 
Annal. cicl. ad ann. l:{S aus dem Marty- 
rologiuin Heda s anführt, das Grab iler sie- 
ben Söbiu» der Symphorosa, weh-he um des 
(Haubens willen gemartert und in Kino 
(irube geworfen wurden, geradezu die Be- 
nennung ,ad Septem hiothanatos* erhielt. 
Wir könnten hier noch auf Marr. Aurel. 
, Etc «auT^v (^Ibstbetrachtungeu) XI 3 yer- 
\ weisen, wo der Kaiser meint, man mfiase 
den Tod aus Teberlegung verachten, nicht 
Ol XpiOTiavol bloss xatd ^<kr{* ::a(>dh«{ti% 
Id. i. aus ,HartnlU;kigkeif oder ,nach Art 
der Leichtbewaffneten', welche sich vor- 
schnell und besinnungslos iu den Kampf 
stürzten. Aber der Beisatz halt die Kritik 
nicht aus. Dasselbe ist der Fall bei Aria- 
I HHH ('omment. de Epicteti disputt. TV 7 ; 
'hier wird u. A. erwähnt, dass man sich 
auch aus Manie mm Tode entschliessen 
könne, o>; ot ra>.t).arot. welch' letzterer Bei- 
satz nicht genügend als ej-bt verfochten 
wenlen kann. Vgl. Eichatat^lt Exercit. An- 
toninian. III. und Sckwdghäuaer Epictet. 
, philos. monumenta. kküll. 



Digitized by Google 



152 



Bib«l. 



BIBEL, Gebrauch derselben. Wir 

unterscheiden zunächst einen doppelten Ge- 
brauch: den ötf'critlichon oder liturfjischen, 
und den privaten. 

I. Der chriHt liehe 0()tt<'8dienst gliederte 
sich von Aulaug an in zwei lluupttheile : 
die Feier des eocharigtischen Opfers und 
da8 {femeinsame Stundeji^n lx t. Die Sitte, 
dabei &m der hl. Schrift vurzuleHen, ent- 
ftand ohne Zweifel nach dem Vorbild der 
Synagoge (Act. l.'l. 15: 15. 21; II Kor. 
3, 14 ff.) und ist jedenfalls auf eine An- 
Ordnung der Apostel zurflckzufBhren. Das 
Christenthum antersehied nich aber in die- 
ser Hinsicht vom Judeuthum dadurch, dass 
es die Schriften de« N. Test, denen des A. 
Test, völliff fjleichstellte . indem es beide 
zur Vorlesunj; benutzte. Wie ferner in der 
Syna^fojfc je ein Lesestück dem Gesetz und 
ili'ii l'roiilictpn entnommen wurde, »o bei 
dem rbristliclicii (iottcsdicnst je eines aus 
dem Evanffelium und dem Apostolu«. Cfr. 
Juttin. M. Anol. I, c f»7; Kp. ad Diognet. 
0. 11 : elta •f'i^V>; v'Sfxo'j -zost«'., ra\ 7rpo(pT,Tüjv 
](({pu iVDiomitxai, xoLi eusqTsXi'oiv liia-ni topuTsi 
xsl iKi}9x6ktm mn^iSoaif tjnkiawtn «al IxxKt^- 

Fragen wir nun näherhin, welche Bücher 
der hl. Sehrift in der alten Kirche ge- 
braucht wurden, so finden wir die doppelte 
Thatsache: einmal, dann manche Schriften, 
die heutzutage als kanonisch gelten , in 
numehen GFegenden eine Zeitlang Tom kirch- 
lichen Gcbrnuch aiisj^eschlofiscn wnren. wie 
S. B. der Hebräcrbrief im AiM>ndlundo, die 
Apokalypse im Orient (vgl. d. A. Kanon): 
ferner. dn.*ts andere Bücher, die wir nicht 
zum Kanon rechnen, hier und da beim 
Oottesdienst vorgelesen wurden. Dahin ge- 
hören : die Kpist. Clement, ad Corinth. (t'tt- 
9eb. ü. e. iiiy c. Iti; lY, c. 23) , auch der 
Mg. «weite Brief desselben (Can. 76 Aftmt. ; 
tSr, Cod. Alex.)., der Pastor Hcrmae (Euseh. 
H. e. nr, c. 3; Hieron. de vir. ill. c. 10; 
cfr. Cod. Sinait.), die Epist. Barnab. (Clem. 
AI. ap. EifHeb. H. e. VI, c. 13, 14; cfr. 
Cod. Sinait.). ferner die sog. Apocal. Petri 
(Sozom. VII, c. l'J; cfr. das dem Cod. Cla- 
romont. angehängte stiehometr. Verzeichnis» 
der hl. Schriften), ausserdem bei den juden- 
christhchen Gemeinden in ä)Tien daa sog. 
Hebrfter-Evangelium (EiaA. H. e. III, o. 
25, 27: Theo<1nrrt. Haeret. fal). 1, c. 20). 
Dieser Gewohnheit gegenäber schärfen die 
Ooncilien und YSter wiederholt ein, dass 
beim (Jottesdienste nur kanonisi'he Schrif- 
ten vorgelesen werden dürften. Cfr. Conc. 
Laodk, can. 59, Conc. Carthag. III. can. 47. 

Wie die hl. Strhriften zum gottesdienst- 
lichen Gebrauche eingetbcilt , in welchem 
Umfang und welcher Keiheufolge sie vor- 
geleeen wurden, darfiber TgL d. Art. Le- 
sungen und Perikopen. 



Es ist bekannte Thatsai-lic , dass in den 
ersten Jahrhunderten die neubekehrten Völ- 
ker durchgehend» den Gottesdienst in ihrer 
eigenen S|)rache feierten. Dies erforderte 
natürlich Tebersetzunj^en <ler hl. Schrift, 
und solche entstanden denn auch in der 
Regel gleich nach der Bekehrung zum Chri* 
stenthum. Bekanntlich ist das X. Test, mit 
Ausnahme des Matthäus-Evaugeiiums ur- 
sprünglich griechiseh geschrieben, und in 
uersellHjn Sprache besuss man schon längst 
das A. Test.; daneben entstand zu Anfang 
des 2. Jahrh. fBr die weetfiehe HAlfte des 
grossen Kömerreiclies eine lateinische l'elicr- 
setzung. So war für das Bedürfnis« der 
meisten Länder, in denen der Glaube zu- 
erst verkündigt wurde, gesorgt. In dem- 
selben Masse aber, als das Christenthum 
über da.s Gebiet beider Sprachen hinaus 
weiter vordrang, entstanden auch neue 
Uebersetzungen : so in Asien ilii" verschie- 
denen syrischen, die persische, armenische, 
georgische; in Africa die äthiopliehe, kop- 
tische, sahidischc. bnscbnnirische : in Europa 
die gothische uud suäter die slavische ffir 
die nenbekehrten Mftfaren. In den westlichen 
Ländern Europa's blieli Jedoch das Latei- 
nische die herrschende Kirchensprache, auch 
nachdem in den ehemals römischen Pro- 
vinzen die romanischen Mundarten sicli ge- 
bildet hatten. Die später bekehrten Vrilker 
deutschen, skandiiuivisehen uud slavischen 
Stammes (mit Ausnahme der Mähren) übOT- 
n ahmen mit der Liturgie Roms auch dessen 
S|>rache. 

II. Der private Gebrauch hatte theÜs 

einen wissenschaftlichen, theil-- einen er- 
bauUcheu Zweck. Die Väter empfehlen mit 
}>eredten Worten das eifWge Lwen der hl. 
Schrift; doch betonen sie regelmässig zu- 
gleich auch deren Dunkelheit. ChrtfSoaL 
Horn. 41 in loh. c. 1 ; Auy. de doct. ehr. II, 
c. (>; Hieron. Elp. ad Paulin. Aus diesem 
Grunde fordern sie, dass man dieselbe nicht 
nach eigenem Gutdünken, sondern nach 
der sichern Richtschnur der überlieferten 
Lehre auslege. Au;f. 1. c. III 2. Auch sei 
es — so bemerken sie gleichfalls — gegen- 
über den Hfiretikern und ihren willkürlichen 
Erklärungen viel einfaeber , leichter und 
sicherer, auf die Ucberlieferung der apo- 
stoliidien Kfapehen tUeh ia berufen, ab auf 
das vieldeutige Bibelwort. Trffi. aclv. haer. 
III. c. 2 — 4. Indem sich die Kirche be- 
gnügte, in solcher Weise die Gläubigen sa 
warnen, fand sie damals keine Veranlas- 
sung, durch förmliche Gesetze einzuschreiten. 
Erst das Auftreten der Albigenser bewog 
die Concilien von Toulouse (1229) und Tar- 
ragona (V2'M). <ien Laien das Lesen der 
hl. Schrift in der Landesspraciie zu ver- 
bieten. Als dann später die Erfindung der 
Buehdruokerkunst eine weitere Verbreitung 



Digitized by Google 



BiUlotlieken. 



153 



der B. ermSgliehte, und anSereraeito die 

»og. Reformation durdi ihre Lofire von der 
«uffieientia et perspicuitas 8. scripturae da- 
hin drängte, sah sich das Ckme. ^ridaiit. 
genöthigt, ein ähnliches Verbot ffir die 
ganxe Kirche zu erlassen. 

Sclbstversändlich galt im gan/.en Altt r- 
thum d<>r (Jnudiatz, ,was nicht in der 
Kirche gelesen werde . solle »uch nicht zu 
Hause gelesen werden', ('t/rill. JUtros. Cat. 
IV, e. 36. Damit war also die ]k>nGtzung 
der Apokryphen ausgesehlosj*en. Förmliche 
Verbute derart begegnen uns selur häutig. 
Cfr. CoHsüt. opost. VI, c. 16. 

Zum If'idirerti fJehrnuch hatte mim sclion 
frühe die hl. Schriften in besondere Ab- 
tehnitte ixe^pcü.at«) eingetheilt. Was das N. 
Test, betrifft, so verfasste Ammonius Alex., 
der Lehrer des Origenes, zum Zwecke sei- 
ner Kvangelienharmonie eine Fjintheilung 
in Kapitel, deren Matth. H55. Marc. 233, 
Luc. Ml. Job. 232 zählte. Diese Kinthei- 
lunj^ wurde von Eitseh. (Jaisur. verbessert 
und der leichtern l'ebersieht halber in zehn 
Tafeln fxavovs;) geordnet. I)iine)>en gab es 
»eit dem ö. Jatirh. eine andere Abthetlung 
in grossere «cfflAoM^ denen jedesmal kurse 
Inhaltsanzeigen Ct't/o'.) voranu'in^ren. Hier- 
nach kamen auf Matth. (>8, auf Marc. 4U, 
auf Lnc. 83 , auf Joh. 18. Letztere Ein- 
thciiung, die sich zuerst im Cod. Alex, fin- 
det, wurde noch vor der Mitte des 5. Jahrh. 
auf die Apostelgeschichte und die Briefe 
ausgedehnt. Gegen Anfang des 6. Jahrh. 
theilte der l?ischof Andrea« v. Caesarea in 
Kappadocien audi die Apokalypse in ent- 
sprechender Weise ein. Was aas .\.. Tost, 
betrifft, so hezeu;,'t Hii^ronifinm wiederholt 
das Vorbaudenjwjin einer eigenen Kapitel- 
eintheilung fQr die LXX und dem gemäss 
ftui'h für die lateinische rebers<'tzu!i!.j. und 
zwar bemerkt er ausdrücklich, dass dio- 
■elbe an einigen Stellen Ton der des he- 
bräischen Textes abweiche (in Mich. 6, 9: 
in Sophon. 3, 14). 

im Allgemeinen war, wenigstens in den 
StidtMi^ die hl. Schrift sehr verbreitet. 
G&ryso«/. fordert wiederholt die (Mäubigen 
auf, die einzelnen Abschnitte, welche er 
in seinen Homilien zu erklären gedachte, 
vorher zu Hause durchzulesen; er lils.st da- 
bei nicht einmal für die Armen die Ent- 
sehuldigung gelten, dass sie kein Exemplar 
besässen (Horn. 11 in In. c. 1). l'eber die 
ausgebreitete Schriftkenntniss der Anacho- 
reten Tgl. Sotom. H. e. VI, c. 29. Hitunter 
finden wir auch (Uc Iii. Schrift zu alicr- 
gUlubischen Zwecken nussbraucht. Das Cone, 
Agaih, spricht von Solehen, die ;snb nomine 
fietae religionis per eas, quns sanctorum 
flortes vocant, divinationis scientiam proft- 
tentur, aut quarumcunque scripturarum in- 
qwetlone ftitura promlttnnt^. Cfir. Cone; 



AMTwUtm. I, c. 30. Einen Fall derart er- 
wihnt Qr9g. Tvarm, Hist. IV, e. 16. hoslib. 

BIBUOTHEKEN. Die Existenx einer Ober- 
aus reichen patristischen Litteratur ist allein 
sch<m ein Beweis für ihre nothwendige Vor- 
aussetzung, nämlich für grössere Hflcher- 
sammlungen in den ersten Jahrhunderten. 
Ks fehlt aber auch nicht an positiven Nach- 
richten über solche. Es gab damals wie 
heute Privat- K. und öffentliohe B. 
Hervorragende Heispiele von ersteren ken- 
nen wir viele. 8o bericiitet uns Kus, H. e. 
VI 39 über die Bfiohersamralung des unter 
Decius gemarterten H. Alexander von Je- 
rusalem ; der Märtyrer und bibliophile Pam- 
philns in Caesarea besass eme ausserordent- 
lich reiche . Eusebius (IL e. VI 32) und 
Hieronymus (Epist. ad Marcell.^ de vir. ill. 
III) wohlbekannte Bibliothek, die nach In- 
dorus 0. Seviiia (Etym. VI 6) an 30 000 
Volumina umfa.-wt hätte; sie ging in der 
diocletianischen Verfolgung leider zu ürunde. 
Zwei Nachfolger des Eusebius, Acacius und 
Euzoius, suchten sie wieder herzustellen 
(Hieron. de vir. ill. CXIII). ßunUius M, 
(Ep. 82). Augustinus (de Haeres. 88 ad 
Quodvultd., Opp. Vrrr 27: vgl. Clnden de 
fortuna bibl. d. Augustim in excidio Uippon., 
Lipe. 1742) und BimmymM (Ep. 6 Catal. 
c. 75, 113; Comm. in Tit. c. 'M waren 
für ihre Zeit ebenfalls im Besitz namhafter 
Bfichnsohltze ; in Gallien rühmte Stdonim 
ApoUinariB (Ep. V 15) die H. der BischSfe 
Ruricius von Limoges und Lupus von Peri- 
gueux (VIII 11). Die bestimmten Mitthei- 
lungun dieser Sehrifksteller, wie Oberhaupt 
die ganze , di<' profane und vorchristliche 
Litteratur durduius niclit bei Seite setzende 
Thätigkeit der Kirchenväter lässt keine Zwei- 
fel . dass neben den kirchlichen Auetoren 
auch Profanscribeuten in diesen B. Platz 
fanden; noeh Sidmiu» erzählt uns, wie auf 
demselben Tisch Horaz nelxMi PnnlentittS, 
Varro neben Augustin lag (Epist. II it). 

Neben diesen Privatsannnlungen gab es 
von sehr früh an öffentliche, d. h. kirch- 
liche B. und Archive, welche die Bischöfe 
für den Gebrauch der Gemeinde anlegten. 
Solche B. gab es zu Edessa; aus ihrem 
kostbaren Schatze rühren zum Theil die 
neuerdings von (.'urcton herausgegebenen 
Reste der syrisch - christlichen Litteratur; 
weiter zu Jeru.salem (Eu,-<. II. e. VI 20), 
Kom, Alexandria, C'onstantinopel. Die Bi- 
bliothek an der Hagia Sophia zu (TP., an- 
geblich von Constantin begründet, von Theo- 
dosius d. J. bedeutend vermehrt, soll meh- 
rere Hunderttausend Volumina besessen ha- 
ben; sie ging bei einem Aufstand durch 
Feuer zu Grunde (vgl. Niceph. Call. H. e. 
XIV 3, Bibl. Angl. III 502). Der bischöf- 
lichen Bibliothek zu Hippo gedenkt Jt^i«- 



Digitized by Google 



154 



Biblische DAnteUangeo. 



stin a. a. 0.; eine ältere in Afrioa, zu Cirta, 
fand in dtr (lioolotianischen Vt'rfol<:uTiir ilirfji 
V ntor giUVf^ (Lnhbe Conv. I 1444). Rom Imrto 
schon zu Zeiten des P. Hilarius inetirere B. 
{Annsf. Vit. Hilar.), am Lateran alh'iii zwei; 
zu Gregon» d. Gr. Zeit war die Menf^e der 
aafgehäuft4»n BQcher schon nidir j^roKs (Praef. 
in I. XI Ilotnil.: vgl. -1. Mai Meni. ist«r. 
degli archivi dclla 8. iSede, liom. 1825, u. A.). 
Den Haoptbestand dieser kirchtichen B. bil« 
deton nothwcnilii; die Iii. Srlu ifrcn . sei es 
im Originale, sei es in den L ebersetzungen, 
die kircUichen Constitutionen und Decrete, 
Coneilsacten . Itrit tV mid Ilomilien der Fii- 
•chöfe, dann die MatricuiHe. die Acta Mar- 
tyrum, die Lectionaricn, Diptychen. Dane- 
ben winl man die Werke der Kirchenvftter 
in möglichster Vollständigkeit besessen ha- 
ben: aber auch die prufane classisohe Lit- 
teratur fehlte in diesen kirohliehen Samm- 
hingen nicht: wir wissen aus Atigustin. dass 
die Bibliothek /u llipix) auch solche uni- 
fasste. wie dies auch bei den Klaeter> und 
Kirchen-B. <ies MA.?* der P'hII war. 

Die kin lilu lien \^. wunlen in einem hm clie 
Basilika anstossenden oder vielmehr zu ihr 
gehörigen Raum aufbewahrt, dem scrinium, 
tabularium, tablinunu arehivuni, librarium, 
bibliotheoa, graimnatophylacinni, amuirium, 
spfiter aucli chartariuni. diartophylacium, 
oiartilogium u. s. f. (vgl. VameUieri de Se> 
Orot. Bas. Vat. I 325). Di Raum seheint 
dem sacrarium maius aiinex gewesen zu 
sein, wie dies aus der Beschreibung der 
Bibliolliek an der Sophienkirche zu CP. 
(Ducange CP. ; vgl. CunceUieri a. a. O. M2n, 
A.) hervorgeht und auch am Vatiean und 
Lateran der Fall war. Ein Schlafzimmer 
für den ('iistotlen war danur verbunden. 
Aus diesem l»ildiotliekrnume brachte mnn 
des Morgens nach dem (Jotte.sdien.sfe die 
Bücher in die Zellen oder Cubicula zur 
Linken des sacrarium lM*matis, wo die (lejst- 
lichen dem Studium oblagen. Man las da- 
her in der Basilika zu Nola nachstehende 
Verse des hl. l'anlin links von der Apsis: 
si quem sancta tenet ineditandi in lege vo- 
hintas II hic poterit remdens saeris intendere 

libris (Kp. xxxir n;). 

In der vorconstantinischen Zeit scheinen 
die khrehltch-liturgiflehen Bfleher nnd hhl. 

Schriften entAveder in <l» ni Hause des Bi- 
schofs oder auf und neben seiner Cathedra 
aufbewahrt worden zu sein. Belehrend sind 
in dieser Hinsicht die Oesta purgationis Fe- 
licis ep. im Anhang zu Optalus ed. Dupin, 
Antw. 1702. H;2 H., wo es u. A. 164 heisst: 
,tunc mittunt in domwm efritOOfii Felicis ut 
tollerent inde .scrijituras . ut exuri possent 
secundum sacruni pnR'ceptunr : und dann 
165: .tolle clavem et (jufis invenies in ca- 
thedra lihros et super lapide Codices, tolle 
illos' . . . und : ,tullat aliijuis de vobis in 



areis, ubi onitiones faciti.s, et illic pojian- 
tur'. Vgl. über die B. der altchristlichen 
Zeit überhaupt noch: Lomeier de B., Ultraj. 
KJHO; CancelUeri a. a. 0.: Petit Rädel Re- 
cherches sur les Bibliotheques anciennes, 
2«! ff.: HiiKjham III 270: Helienn Dissert. 
de arcliiviis s. tabulariis vett. Christ.: Au- 
(fusd Hdb. I ; Cahier Nouveaux M«3- 
Unges d'Archeol. (IV>, Par. 1877, 47 ff.; 
Ä. MtU Dlaooni di argom. rolig., Rom. 
1836, 56 ir. KRAUS. 

BraUSCHEDlBSTELLimeSV. LWenn 

die heidnische Kunst in ihrer ftötferlebro 
und Mythologie eine unerschöpfliche Fund- 
grube neuer Ideen besass, so erSffhete das 
Christenthnm in den hhl. S<^hriften und 
in den Geheimnisslehren der Kirche den 
Künstlern eine nicht minder reiche Quelle, 
und sie haben aus diesem unrersi^baren 
Born geschöpft bis auf unsere Tage. Aller- 
<lings ist die Art und Weise, wie die alte 
< hristliche Kunst die biblischen Stoffe be> 
liaiMlcIte. bin)tne|weit verschieden von der 
der späteren und der neueren Kiitjstler; 
allein so einfach dort die Compositionen 
sind, .so genügsam die alten Meister sicli 
mit den bescheidensten Mitteln der Technik 
zeigen, es liegt in ihren schlichten Schö- 
pfungen d(«'h ein ganz eigenthümliclier Reiz. 
Indem wir unter dem uns fremden Gewände 
eine ans bekannte und ISngst vertraute bi» 
blische Scene wiedererkennen . fesselt uns 
nicht nur die Form der Darstellung, son- 
dern mehr noch die Idee, welche hinter 
dem durchsichtigen Schleier des Bildes durch- 
schimmert. Dieser Heiz wird durch den Um- 
stand gesteigert, dass wir Bildwerke der 
Urkirche vor uns haben, Malereien and 
S«-ulpturen. aus denen die Schüler der Apo- 
stel, die Srdine der Märtyrer zu uns reden, 
die uns immer neue Blicke in das Leben 
uiiil !>i t!kt'ii der ersten Christen thun las- 
sen und, wie sie selber ilurdi die Schriften 
der apostolischen Väter und ileren Nach> 
folger ihr rechtes Ver>t;i ndiiiss gewinnen, 
I SO ihrerseits hinwiederum jene erlüuteni. 
iDenn es ist eine jetzt nicht mehr bestreil> 
bare Thatsaclie, ilass wir biblisi ln- Scenen 
I bereits in den Katakomben des ersten Jahr- 
Ihunderts finden, ja nicht selten ist der 
Charakter und Typus gerade dieser ältesten 
I Darstellungen für die späteren Künstler auf 
I Jahrhunderte massgebend geblieben. 

Was die Auswahl der Stoffe betrifft, so 
richtete sich dieselbe theils nach dem Ge- 
genstande seihst, indem man mit Vorliebe 
I solche Si'enen aussuchte, die sich durch irgend 
einen charakteristis<"hpu Zug sofort ketmtlich 
machen lies.sen, theils richtete sie sich nach 
dem besondern Zwecke, nach der Bestim« 
innni,' des Ortes oder Raumes, den der 
Künstler auszustatten hatte. Da nun der bei 



uü by GoOgl 



BlbliMhe Dantelliangen. 



155 



Weitem prBnte Theil der um erhaltenen 
IfOttQinenre diosor Art der AttMchnin('ktin<; 
der Ruhestätten diente, so aehen wir vor 
AXkm solche Seenen aiuf(ewihlt, welche m 

näherer wler entfernterer Beziehung zu dem 
Glauben an eine Auferstehung und ein glück- 
lichee Jenseits standen, um so mehr, als der 
dflatem Hoffnung^loMi^keit des Heidenthums 
gegenüber die Kirche ihre trostreiche Auf- 
gabe darin erkannte, das Dunkel des (Jra- 
bes durch das Licht des (flaubens zu er- 
hellen und durch di«' Nacht de« Todes hin- 
durch den Morgenschimmcr eint?« ewig seli- 
gen I^eltens leuchten zu lassen. 

Zu den alttestanieritlicheu I^iirstfllmi^cn 
dieser Art aus der frühesten iVriode zuiilen: 
Koe mit der Taube, die ihm den Oelzweig 
fde,s ewigen Friedens) bringt; der in der 
Löwengrube (aus dem Hachen des TodesJ 
errettete Daniel und die in gleicher Weise 
unversehrt aiH den Flammen hervnrgeijan- 
genen Jünglinge im Fouerofcn; endlich der 
vom Seethier (Tom Tode) yersehlungcne. 
aber wieder ans Land fdes Jenseits) aus- 
gesetzte und dort unter der Kürbisstaude 
mlmnde Jonas. Zu den ältesten neutesta- 
mentlichen Rüdem gehören: die Aufer- 
weokung des Lazarus und der gute Uirte, 
der seine getreuen Schäflein zu den Auen 
des himmlischen Paradieses trägt. Die \nr- 
bedingung aber /u einer seli<;eTi Auferstehung 
ist d«*r (Jlaul>e an L'liristus und die Theil- 
nahme an seinen Heilsmitteln. Dah(>r schliesst 
■^irh an die genannten Seenen weiterhin an 
besonder« Moses, der in der Wüste (des 
Lebens) aus dem Felsen (Christus) das Waa- 
ser ("des Heils) eröffnet, und die Anbetung 
der Magier, die in dem Kinde ihren Gott 
erkannten, sowie das Opfer Abrahams und 
die wunilerbare nrodverniehrung als Hinweis 
auf den Opfertod des Herrn und aui das eu- 
eharistisehelbhl, das uns derFrflchte seines 
f)pfert<ides theilhaftig macht. Dm 2. und 
3. Jahrh. fugten diesen eine Itcihc weiterer 
HUisehor Sranen hinzu, wie den Sflndenfall. 
die Erscheinung Jehuvah's im brennenden 
Dornbusch und die (Sesetzgebung auf Sinai, 
die Hochzeit zu Kana , die Speisung der 
Jünger am See Tiberias, die HeUting des 
(licbtbrüchigen und Hlindgebornen u. s. f. 
Daran reihen sich in der Folge u. A. die 
Erschaffung des Mt'nschen. Kains und Abels 
Opfer, der Durchgang durchs rothe Meer, 
die Himmelfahrt des Elias, die drei Jüng- 
linge Tor der Statue des Nabuchodonosor. 
sowie die Verleiigmuig l*etri , die Parabel 
von den klugen Jungtrauen und die ersten 
Yersttche nstnralistischer Darstellung der 
Passion. Alle diese Bilder kamen in ver- 
hältuissmässig grosser Anzahl vor; dane- 
ben aber erscheint noch mne bedeutende 
Auswahl weiterer biblischer Seenen nur das 
eine oder andere 1hl, z. B. der Manna- 



Regen, die Trauben tragenden Kundschaf- 
ter, die Ma^'-ier vor ITerodes und da.s Weib 

I am Jakobsbruuuen. (Die erschöpfende Auf- 

|z8hlung B. unter Bildercyclus.) üeber die 
Mutter:;ottes1)ilder bat di' Rdssi' eine eigene 
Abhandlung geschrieben; das älteste der- 
selben geh&rt noeh dem ersten Jahrfaun» 
dert an und findet sich auf einem Decken- 
gemälde im Coemeterium der Priscilla. 
Xicht minder reichen die Einzelbilder der 
hhl. Petrus und Paulus bis in das höchste 
Alterthum hinauf; Hilder der Kvang<'listen 
erscheinen erst gegen Ende des 3. oder im 
Anfang des 4. Jahrh.: noch spftter kommen 
die evanir(distischen Zeichen. 

Was die Darstellungen aus den < eutero- 
kanonischen Schriften d(>s A. Test, und aus 
den Apokryphen betrifft, so finden wir die 
Susanna bereits auf einem Uemälde des 
ältesten Theiles der Katakomben der Pris- 
cilla. wofern die Erklärung ^«/vi/m''* rich- 
tig ist; jedenfalls kommt sie unter einer 
symbolisdien Darstellung in den Katakom- 
ben des Praetextatus aus dem '^. Jahrh. 
und in mehreren späteren Bildern vor. To- 
buis erscheint wiederholt, bald allein mit 
dem Fi8« h in der Hand, bald in Begleitung 
des Engels, sowol auf den Fresken der 
Orabkannnern, als auch auf Olasschalen. 
Aus den Apokryphen dagegen ist <>s nur 
der Thurmbau aus dem Pastor des llennas, 
der ein einziges Mal im ( 'oeineteriuni »les 

i hl. lanuariuH zu Neapel abgebildet ist; in 
Rom findet «ich keine Anspielung siuf die 
doch so zahlreichen Oleichnisse und Bilder 

I jener Schrift, obschon sie in der ewigen 
Stadt verfasst worden ist Knssi Bull. 
I8(i3. b2;. Eine Darstellung der Yerkün- 

I <Iigung Mariae (Bugati Meraorie di S. Celso, 
Tav. 11. II. :'.) iiiK'li dem Evangelium des 
hl. Jakolais kommt einmal, aber auf einem 

1 1)i|>tychon späterer Z«t, Tor. 

.\n diesen l'elierblick fügen sich nunmehr 
eine Reihe von Einzelbemerkungen. Die Art 

' und Weise zunächst, wie die biblischen See- 
neu dargej^tellt sind, besteht in einer der 
alten christlichen Kunst eigenthümlichen, 
höch.st einfachen C(mi|»osition, <lie mit mög- 

I liehst wenigen Mitteln das Ereigniss tixirt, 
und zwar nicht zunächst in der Absicht, 
die Scene um ihrer selbst willen darzustel- 
len, somlem um unter ihrer Hülle eine 
tiefere Idee anzudeuten. (Man vergleiche 
damit, was ( ktii. Alrjc. Strom. 1. LV, c. 2. 

. p. 5(i5 über seine eigene Schrift sagt, daas 
Worte undronfext etwas Anderes andeuten, 
etwas Anderes bezeichnen.) Daher genfig;t 

i es dem Kfinstler, dnreh irgend ein charak- 
teristisclies Moment das En-igniss erkennbar 
gemacht zu haben. So reicht eine Heihe 
▼on Brodkdrhen hin, um auf die wunder^ 
bare Brodverraehrung hinzuwei.sen : so Imj- 
schränkt sich die Schilderung der Hochzeit 



156 



Bibliaehe DarateUnngeii. 



zu Kann darauf, den Heiland und iifhcn 
ihm ciniijr Miscliki'ü^"' (liirzustcllcii. Hicr- 
au8 begreift nieh die Schwierigkeit in der 
ErkUrung mancher Bilder, die verRohiedenen I 
Deutungen der einen , die völlige Härh'<''l- 
haftigkeit der andern. Diese Schwierigkeit 
wicmt durch den Umitand, dsis der Rflnst- ) 
1er, wfil sein Werk wosentlieh typisch und 
symboiiach sein sollte , sich nicht gar ZU| 
streng^ an den biblischen Bericht h&lt. IMe < 
Erscheinung des Herrn vor Moses am Ho- 
reb z. Ii. ist , statt im brennenden Dom- j 
buoeh. durch eine atu Wolken Voi^estreckte 
Haud abgebildet : die Arche Xoe*8 hat nicht 
die Form eines Fahrzeuges, sondern eines 
Sarges, und nur die Haltung des Moses, 
der seine Schuhe auszieht, und die Taube, 
die den Oelzweig l)ringt. gel)en uns Gewias- 
heit über die liedeutun;,' und den Sinn des 
Bildes. Mit jenem typisi h-symbolisehen Cha- 1 
rakter der altchrisrlicheii KunstHchöpfungen 
hängt endlich uucti die Eigenthüuiliehkeit 
zuMunmen, dass wir auf WandgemftldenJ 
besonders aber auf Sarkophagen eine Reihe 
verschiedener alt- und neutestamentlicher i 
Scenen miTennittelt neben einander grup-i 
pirt sehen , scheinbar und auf den ersten 
Blick in ganz zufalliger oder nur durch, 
den Raum gebotener Auswahl^ bis durch t 
Prüfung und Vergleichung sich die einlieit- 
liche Idee erschliesst, welche der bunten 
Ziuammenstellung zu Grunde liegt. (Vgl. 
d. Art. Sarkophag.) 

Da.ss für eine gatize Keihe biblischer | 
Darstelhingen die Künstler heidnische Mo- j 
tive \ ci widdet haben, ist ebenso unbestreit- | 
bar als erklärlich (vgl. Kraus H. S. 192 f!'.. 
2. Aufl. S. 227). So erinnert eine An- 
sah! von guten Hirten auf den ersten Illick 
an den Orpheus zwi»<'hen den durch seine 
Musik gezähmten wilden Tbiereu ; die Him- 
melfahrt des Elias geschieht auf einem vier- 
spännigen "Wagen, durchaus in der Weise, 
wie die Wetttahrer im Circus, oder wie 
der aufgehende Morgen dargestellt zu wer- 
den ])flet^rcTi. I)cr t'titergiing l'harao's im 
rotheu ^Meere ist wiederum ganz als eine 
Seene aufgefasst, wie man sie oei dem fiber^ 
stOrzcmlcn Wettjagen um die Meta herum 
ZU sehen gewohnt war. Das eucharistische 
Mahl ist als solches meist nnr durch die auf 
der Tafel liegende Speise von den Bildern 
heidnischer Mahlzeiten zu unterscheiden. 

Manche biblis<:he Bilder haben von An- 
fang an einen festen Typus, der höchstens 
durch llin/.ufügung einer weitern IVrson, 
durch eine Hesmiderheit in der körperlichen 
Haltung u. dgl. eine leichte Aenderung er- 
leidet. Zu diesen Bildern rechnen wir un- 
ter andern dos Schlagen des Wassers aus 
dbn Felsen durch Moses, Daniel in der 
Löwengrube, die Jünglinge im Feuerofen, 
die Anbetung der Magier. So erscheint Da- 



niel in der Regel nackt und in der Haltung 
der Oranten . während je ein Löwe rechts 
und links sich neben ihm aufrichtet. In 
dieser Weise ist er auf dem ältesten Bilde 
im Coemeterium der Domitilla darg<'stellt. 
und das nach Jahrhunderten in der jetzi- 
gen Vnterkirehe von 8. Olemente gemalte 
Hilil zei;;t durchaus noch dcnsclhen Typus. 
Andere b. I). haben eine gewisse grössere 
oder geringere Entwickelnng dnrehgemacht, 
so zwar, dass die älteren Typen später nicht 
mehr vorkommen. Das gilt u. A. vom Opfer 
Isaaks, das in der iltesten Darstellung in 
S. Callisto so wesentlich verschieden ist von 
allen späteren Darstellungen; das gilt von 
der Auierweckung des Lazarus, der auf den 
frühesten Bildern als bereits von den Todt«n 
erstanden erscheint, während die Folge ihn 
noch imdirabe abbildet in dem Augenblicke, 
wo der Herr ihn auferweckt. 

Vergleichen wir ilie t>ililischen Darstellun- 
gen der römischen Katakomben mit denen in 
Neapel, in Oallien, in Aegypten, so über- 
rascht uns in allen eine g<'meinsame (Jleich- 
hoit der Grundidee und selbst theilweise der 
Acoidentien; die Einheit der Kirche mani- 
festirte sich nicht nur iji der Lehre, auch 
die Kunst hat an derselben Theil genommen. 
Wie durchaus einander ähnlieh sind z. B. die 
wunderbare nrodverniehrung in S. Callisto 
(dt R<mi K. S. II, Tav. d'aggiunta, B; und 
auf Sarkophagen des Lateran-Hnsenm, und 
der gleiche Gegenstand in einem ägypti* 
sehen Coemeterium (de Rom Bull. 1865, 
60)! Daneben aber tritt uns doch in doi 
einzelnen Kir< hen wiederum eine gewisse 
Eigenart und Sell)ständigkeit entgegen, und 
so tretfen wir z. Ii. auf Sarkophagen in 
(•allien biblische Milder, die auf romischen 
Sarkophagen viel seltener oder gar nicht 
vorkommen. 

Bndlich sei noch auf einige Besonder* 
heiten aufmerksam gemacht. In den ziem- 
Uch zahlreichen Darstellungen der Epipha- 
nie erscheint Maria regelmässig auf einem 
Throne sitzend, das Kind TOr sich auf dem 
Schoosse haltend, die Gaben aber sind nicht 
Oold, Weihranch und Myrrhen, sondern 
Kränze und, wir' es scheinr, Spielzeug für 
Kinder. Weiterhin ist die Besonderheit auf- 
feilend, dass der Herr seine Wunder mit- 
telst eines Stabes wirkt . mit welchem er 
die zu vermehrenden Brede, den aufzu- 
weckenden Lazarus u. s. w. berührt. Die 
alttestamentlichen Erscheinungen Gottes wer- 
den nicht in menschlicher (J estalt, sondern 
durch die Hand aus der Wolke abgebildet. 
Eine eigenthümliche .\llegorisirung, die zu- 
mal seit dem 4. .lahrh. .\ufnahme fand, 
stellt die Heiligen und den Heiland selbst 
als Lämmer dar und lässt durch diese die 
Handlungen jener ausführen. So sehen wir 
Susanna als Lamm zwischen Wolf und Fuchs 



d by Googl 



BAIteeb« Itentdliiiig«!!. 



157 



im Coemetcrium des Praetextatus ; auf dem 
Sarkophag des Bamn erHcheinen hei der 
Taufo Christi Johannes und (l«'r Iloilanfl nis 
LänimiT u. 8. w. ; eine ähnliche Thiersym- 
bollk stellte die Apostel als Tnuhon dar. 
Auf üudfTP, wcnifj-pr generelle Besonder- 
heiten wird hei den einzelnen Oegenstüjulen 
hinzuweisen sein. 

Die altchristliehe Kunst hiir die iMldisclien 
Scenen, mit welchen sie die hl. Stätten ihren 
Cttitns flchnflckte, nicht vn llnrer selbst 
willen ausgeführt, nicht also, um diese« oder 
jenes Ereigniss der hl. Geschichte als sol- 
ehee cur Ansehanangr zu brinfpen, Tfelmehr 
waren dieselben imnuT nur die Hülle, 
unter der sich für den Eingeweihten eine 
tiefere Idee yerbarg, nur Symbole und 
Typen der Geheimlehren des Chri- 
stenthums, den Heiden unverständlich, 
den Katechumenen eine Art biblia paupe- 
mm, den Olaubigen aber wie ein Baolif dos 
zu immer wiederholtem LcKen reizt, und 
in weichem mau immer neue Schönheiten 
und tiefere Oedanken entdeckt. 

Dieser wesentlich symbolisch-dogmatische 
Charakter, in welchem die biblischen 8totle 
behandelt wurden, beruht theils auf dem 
Zwecke , dem dif> altchristliche Kunst zu- 
nächst diente, nämlich die Ruhestätte der 
Todten ansztMehmflcken, theO« naf der Ar- 
eandiscijilin . welche die Cteheininisse des 
Glaubens mit dem Schleier des Symbols be- 
deckte. Was der Yerstorbene im Leben 
geglaubt liiitte. wjvs seine Stärkung gewesen 
war in den Stürmen der Verfolgung, was 
er und was fUr ihn die ZurDekgebIkbenen 
im Tode hofften, das suchten die Küna^r 
durch biblische Hilder anzudeuten. Die heid- 
nische Kunst hatte der Gegenwart und dem 
heitern Genüsse des Lebens gehont, hatte 
darum jef,'liches (Jewand hinweggew«»rfen 
von der idealen Fülle nackter Forinschön- 
heit: die christliche Kunst griff züclitig den 
fallengelassenen Schleier wieder auf und 
umhüllte ihre Gestalten mit dem dichten 
Gewände geheinmissvoller Symbolik; so 
»itellte sie sich an die Pforten des Grabes 
und scluuückte den dunklen Gang in das 
Jenseits dureh Gebilde unsterblicher Hoff- 
nung. 

Aus dem Gesagten erklärt sich zunächst, 
warum die alten Kfinstler sich keineswegs 

streng an die Idblischen Berichte binden, 
sondern nur das Wesen des Ereignisses ins 
Auge fassen und dieses in tnmt Behand- 

hing zur Anschauung bringen. Das tritt 
vielleicht am klarsten hervor in dem Hilde 
des aus der Flut erretteten Noe. Da da.s- 
selbe Sinnbild der Auferstehung war. so er- 
scheint Noe regelniiissi<r »tjitt in der Arche 
in einem Sarge, und l>ald als niiiiinliche. bald 
als weibliche Fig^r, über ihm die Taube, 
die ihm den Oelsweig, das Symbol des ewi- 



gen Friedens, bringt. Die gleiche Freiheit 
der Behandlung begegnet uns aber überall. 
Die Gaben, welche die Magier dem Christ- 
kindlein bringen, sind, wie bemerkt. Kränze, 
Tauben, Brod und selbst Spielzeug; statt der 
Krseheinun«; Jehovahs im brennenden Dorn- 
busch erblicken wir auf einem Wandgemälde 
in S. Callisto eine aus den Wolken henror- 
gestreckte Hand u. s. w. Bei dem ersten 
Hilde war das Kommen der heiduisclien 
Magier cum gMtlieheii Kinde ahi KnnbOd 
<ler Bekehrung der heidnisch-römischen Welt 
zum Christenthum das, was dem Künstler 
die Hanptimehe war; da blieben also die 
GüImmi Nebeiisiiche : im zweiten Falle wählte 
der Künstler, unbekümmert um den bibli- 
sdien Bericht, die zu seiner Zeit flbfielie 
Art, die Erscheinung Gottes und sein Reden 
zu den Menschen darzustellen^ weil er eben 
dies ausdrücken wollte. 

Aus dem symbolischen Charakter der Bil- 
der erklärt sieh weiterhin, wie nicht selten 
verschiedene Kreignissegleii lisatn verschmol- 
zen wertlen, /.. H. wenn den drei -Jünglin- 
gen itn Feuerofen die Taul>e Noe s den Oel- 
zweig bringt, wie wir es auf einem Gemälde 
im Coemetcrium der Priscilla sehen (Gar- 
ntrri Storia, Tav. 77). oder wenn dieselbe 
Taube über dem vom Seeungeheuer aus 
Land geworfenen Jonas erseheint, wie das 
auf einem graftirten Grabsteine im T.ateran- 
Museum der Fall ist. Die beiden verwandton 
Wunder auf der Hochzeit zu Kana und das 
der Mrodverniehrung floss(»ii in der künst- 
lerischen Darstellung so in einander, dass 
das letztere Wunder auf den Wandgemftl- 
den und Bildern der Glasschalen regelmässig 
an den sieben übriggebliebenen Körben, 
welche gleich den Krügen v(m Kana vor 
I dem Herrn aufgestellt sind . gewirkt er- 
scheint, während hinwiederum das Wunder 
bei der Hochzeit gewöhnlich statt an sechs 
an sieben Krügen vollzogen wird. Beide 
Wunder waren Vorbilder der Eucharistie, 
. und ihre Verschmelzung gab der Idee nur 
I einen desto bestimmtem Ausdruck. 
, Der oben angeführte Zweck erklärt end- 
llich drittens die ungemein schlichte ü^in- 
jfiftchheit der Composition, die sich einzig 
damit zufrieden gielit. das- Factum als sol- 
I ches hinlänglich kenntlich gemacht zu ha- 
I ben. Ein Mann, der seine Schuhe auszieht, 
wahren<l er. in Aufmerksamkeit lauschend, 
den Koi)f emporrichtet, genügt, die Erschei- 
nung aes Herrn tot Moses am Horeb an- 
zudeuten; das Wunder der Brodvermehrung 
wird durch die übriggebliebenen Körbe voll 
Brod dargestellt : bei der Auferweckung des 
Lazarus erscheinen weder <lie Schwestern, 
no<di die sie begleitenden Juden, ebenso- 
wenig wie die Gäste bei dem Wunder zu 
Kaiui. 

II. Bestimmt, die Ruhestätten der Verstor- 



uü by Google 



166 



Blblisehe D«r»teUiiiigeii. 



benen, die Wfinde und Decken der Ontb-! 

kamincrn und Areosolien zu schmucken, 
wurden auH den hihhsehen Erzählun^^en zu« 
nächst Holche Scenen ausgewählt, welche 
dem Glauben Ausdruck fjel)en . der den 
Christen in und durrh das (Jrab jfeleitet. 
Dalier ist eint' (h'r ältesten wie der helieh- 
teaten Durstelhin^en Noe, dem die Taube 
den Oel/wei«; des Friedens hrinpft. und Jo- 
nas, der vom Seethier, d. h. vom Tode ver- 
tebhmKen und wieder an das Ufer gewor- 
fen wird, wo (>r im Frieden unter der Kür- 
bitttaude achlummert; aus dem N. Test, 
aber der gut» Hirt, der iiein Schiflein aus 
der Wüste dieses Lehens zu der himmlischen 
Heerde und zu den seligen Weiden des Pa- 
radiefte« nmporträgt : Lazarus, den der Herr 
von den Todten erweckt, uml «Iis himm- 
lische ( iastmahl . zu weh'lieni der ewifje 
König seine (i;iste einhidet. Dazu konmien 
seit niclit nun<li i trüher Zeit Darstellungen, 
die mein- diin li <lcii (leist der Bedränf^nisH 
in den \ t'rtolgungen au die Hand gegeben 
waren : Daniel . der wunderbar aus dem 
Fiachen iler Lriwen befreit wurde, und die 
aus dem Feuerofen erretteten Jünglinge. 

Die Quelle aber, wie alle« Heilea, so auch 
aller lloffimnir \v:ir Christus und seine 
Kirche. Das freudige Oefühl^ aus der Nacht 
des Irrthunu sur Erkenntnis! der Wahrheit, 
von den (jtötzen zu dem einen, wahren, 
Mensch gewordenen Gott und in die Mutter- 
arme der Kirche geführt worden zu sein, 
musste in der jungen, aus dem Ileidenthum 
berufenen Kirche ganz besonders tief und 
lebendig sein. So dürfen wir erwarten, 
auch Darstellungen der frühesten Zeit zu 
finden. w(<lche diesen Emptindunj;eu Aus- 
druck gaben. Als solche bilder l>cgcgnen 
uns die Anbetung der Magier, dieser Erst- 
litij,'e ;ius den» Ileidenthum. und in unver- 
kennbarer Verwandtschaft damit jene be- 
kannte, dem Ende des 1. Jahrb. zugeh«)- 
rende Darstellung im Coemeterium Pris- 
ciltae. wo vor der Mutter (Rottes mit dorn 
Kindlein auf dem Schoossc der Prophet 
Isaias steht und mit der Hand auf ilen 
Stern über dem Haupte des Kindes hin- 
weist. P'erner die Saniuriteriu am .lakobs- 
brunnen (ygl. Job. 4, 21 — 23); Moses, der 
das Wasser aus <lem Felsen schlägt, als 
Sinnbild der ünaden , die aus dem Felsen 
Christus sich in die Wüste des Heidenthums 
durch die Predigt der Apostel er;;ossen; der 
Fischfang, anschliessend an die VerheissuuK: 
,Ton nun an werdet ihr Mensehen fangeir ; 
endlich das Sohitt'lein Petri. das diejenigen 
Tor dem Verderben rettet, die sich in dem- 
sdben befinden. Zu den genannten bibli- 
schen Bildern gesellen sich (lann no<-h sym- 
bolische Darstellungen der grossen (Jeheim- 
nisse der Taufe und der Kucharistie, die 
-Heilung des CHchtbrfichigen am Teiche Be- 



theeda, das Opfer Abrahams und die wun- 
derbare Brod Vermehrung'. 

Das sind die hauptsächlichsten und häufig- 
sten bibfisehen Darstellungen, wie sie uns m 

den älteren und ältesten Theilen der auf die 
apostolisehe Zeit zurückgehenden Katakom- 
ben der Domitilla, der Priscilla und der Lu- 
cina be}?egnen. Nach und nach erweiterte 
sieh <ler Hilderkreis , während zugleich die 
frülteren Darstellungen in neuer Auffassung 
hervortreten, wie es z. B. bei dem Opfer 
l.sartks. dem triiteti Hirten, der Auferweckung 
des Lazarus u. s. w. der Fall ist. Bei man- 
chen der neu hinzugekomnenen Bilder ist die 
Aufnahme unverkennbar in den die Kin ho 
gerade bewegenden Kämpfen und dogmati- 
schen Streitigkeiten zu suchen. Das ist z. B. 
der Fall bei (h'r seit der Mitte des .Tahrh. 
häufigen Darstellung des Herrn in Mitte 
seiner Jünger, um die kirchliche Einheit 
den Schismatikern g^penttber aus/ n | • i > i hen, 
und, im ZuHHmmenhan*?e damit, die l>eson- 
dere Vorlielie. mit welcher nuiu für den 
Primat nadi einem bildlichen Ausdruck 
suchte. Zweimal tindeji wir Moses, der 
das WtiHser aus dem Felsen schlägt, durch 
die amdrOckliche Hinzufügung des Namena 
Petri als Typus für den Führer und Lidirer 
des neutcstamentlichen Volkes erklärt; in 
der Darstellung der Himmelfahrt des Elias 
ist detn Propheten wiederholt ilie (Sestalt 
des Herrn, dem Elisaeus aber, auf den mit 
dem Mantel der Geist des Propheten fiber- 
ging, die des Petrus gegeben. .\uf einem 
geschnittenen Stein sehen wir den Apostel 
über den Wogen zu dem Herrn hinwau- 
deln, daneben alier das Schitflein des Apo- 
st(<ls um! auf dem Mastbaum und am Steiu'p- 
ruder die Taube, diw Symbol des hl. (fei- 
stes. Seit den Anfängen des 4. Jahrh. iin- 
den wir dann auch noch die Uebergabe der 
Schlüssel, sowie die Vorhersagung der Ver- 
leugnung, mit der Besonderheit, dass Petrus 
aui li in seinem Falle den ihm alh in aiiver- 
trautou iStab der Macht und iiegieruug nicht 
Terliert. Mit Rfiekabht auf die Trrlelu«, 
welche der Kirche die Gewalt bestritt, auch 
nach der Taufe begangene schwere Sünden 
zu verg(dien, wurde der SOndenfall der er- 
sten Kitern und die ihnen zu Thoil gewor- 
dene Krharnnin<j durch das meiisc!it,'ew(>r- 
dene Wort in den liilderkreis aufgeiuuiunen. 
Ausserdem sind als weitere, seit der Mitte 
des :{. .hihrh. hinzukommende Darstelluniren 
zu nennen: Job, di<' Ge-tetzgebunK auf C>i- 
nai, das Wunder zu Kaaa, die HeUnng des 
Rlindgebnrnen, des blutflüssig(<n Weibes u.a. 
Manche Darstellungen kommen nur verein- 
zelt Tor, ohne den sie weitere Anfhahme 
unil Verl)reitung fanden, z. B. Susanna, die 
Verkündigung Mariae, die wir beide in dem 
ältesten Theile des Coemeterium der Pris- 
cilla finden {ßorrucei Storia, Tar. 75 u. 80), 



Digitized by Google 



Bilder — BtldMcyeliis. 



159 



David mir der Schl»'U(l<'r im (■«H'iiiftcriiim Tal»itlia auf zwoi ^allirtolicn Sarkophagen, 
der Doinitilla tf rumirri Tav. 25), dif (le-idie riefaii<,'i'iiiiehinung Petri und die de« 



scfiicht«' ilrs Tobias (Tav. l'.i), die Heilung 
de» IJertesseiieii (Tav. HA) u. s. w. 

m. Vielfaeh einen hesoadeni Charakter 
tra^i'ii die liihli-^clieii S<'enen auf den Sculp- 
turcti der Sarkuphage. Da trat eine neue 
Kunst in den Dienst der Kirche, sugleieli 
in ein<T Zeit, wo da« Kreuz seinen Triunipli 
über da» rönmche Weltreich begann und 



Paulus. \Välin'nd alx-r so die jotzt niif der 
ersten Kraft der Ju)fen<l schaHende Seulp- 
tur eine Reihe neuer Bilder einführte, blieb 
aucli die Malerei nielit /.urück . ujkI der 
Manua-Kcgen Kowie die Paruiiel von den 
klugen und thdriehten Jungfrauen begeg- 
nen \u\< liiii« ii'dcnini nur auf den spatiTcn 
Wandguuiiildeu der Katakomben. Ab dann 



die bisherige Hfllle der Areandtseiplin Ton die Basilika sieh mit Mosaiken sehmOckte, 

den Geheimnissen <les filaultens hinwe(;<re- erweiterte >ii )i der kirehli<'he Bilderkreis 
sogen werden durfte. Zu der Anbetung t noch bedeutend. Es int bekannt, wie Six- 
dar Könige gesellte sich die Gleburt Christi, | tos III die Winde in Maria maggiore mit 
der «wölfjährige Knabe im Tempel, die einem ganzen Cvilus airtestamentlicher See- 



Taufe im Jordan, ferner verschietlene See- 
nen aus der Passion, nieht mehr mit sym- 
bolischem, sondern mit hiMtorisehem Cha- 
rakter. Unter den letzteren sind zu nennen : 
der Gang Christi mit seinen .Jüngern naeh 
Jemaalem und der Einzug am l'alnisoini- 
tage , der Verrath um dreissi«; Silhrrlinge. 
Christus am üellierge, vor Kaipluui und vor 
PilatUA, die Domenkronung und die Kreuz- 
tragung und. mit l'ehergehnn^ der Kreuzi- 
gung, die am Urabe schlafenden Wächter. 
Offene Cmeifixlrilder mit yollstlndiger Aus- 

führung <ler Scenen auf dem Calvarienherge 
finden wir erst seit dem ö. Jahrh. {Dobh^rl 
Zur Entstehungsgesch. des Crucifixes, in 



nen zierte; wie in den Elfenbeinschnitze- 
reien der Diptychen und in den alten Co- 
dices uns bald hier, bald dort eine biblische 
I)arsteilung Itegegnet, welche das Alterthum 
nii lit kannte, die Kugel l>ei Abraham, das 
Opfer des Melchiscdech, die Verkündigung 
Marine, der Kindermord /n lU-rliltdiem und 
die Flucht nach Aegypten, die Verklärung, 
die Krauen am (Intbe, ThomM, Soenen 
aus der Apokalypse u. s. w. 

Wie im MA. die Ausschmückung der 
Ootteshanser niit biblischen Darstellungen 

der Aufsieht der Kirche uiitersti llt war. SO 
hat sie auch ohne alle Frage in der alten 
Zeit einen ähnlichen Einflnas auf die Kunst 



Jahrb. d. k. pr. Kunstsamml. IHHO. I, ]j. ausgeübt, sei es, dass sie unmitt(dhar durch 
In Betreff des eigenthüm liehen Charakters . ihre Vorsteher dem Kflnttler die biblischen 
dieser Pasaionabilder ist wiederholt darauf [Stoffe angab, wie es de Rousi z. B. fBr die 
anftnerksam gemacht worden, wie die Kunst 
nur mit einer gewissen S«'heu sich an die 
Darstellung der Erniedrigung des Herrn 
wagte und selbst da entwcnler der Schmach 
unmitt(dbar die Verherrlichung entgegen- 
stellte, oder solche Seenen wählte, in denen 
aui li in der Erniedrigung das Zeugniss der 
Heiligkeit und ( Jört liilikeit Christi nieht 
fehlte. (lanz derselbe (reist, in welchem der 
Dichter des .Heliand'' den Erlöser als den 
sieghafff II göttlichen Helden darstellt . in- 
^irirte auch die religiöse Kunst, besonders 
me christliche Sculptur; da liess sich der 
Kreuzestod nicht darstellen, und selbst bei 
der 8eene der Kreuztragung, die wir auf 



sog, Kapellen der Sacramente in S. Callisto 
annimmt, sei es, dass sie es mittelbar durch 
ihre Liturgie that. Qerade dies Letztere, der 
Einfluss der Liturgie auf die Kunst der alten 

Kirche, ist ein Punkt, der unsere ganz be- 
sondere Beariitiing verdient. jVgl. «larüber 
die Art. Symliolik, Liturgi«', und Lf Blaut 
Les Basreliefs des Sarcnph. ehret, et les 
liturgies funeruires, in Rev. arch. IH79, X 
276 tt. XI 22B. K.] db waal. 

BlLliEH, vgl. Kunst. 

BILI>ER('YCLrS. Der Kreis, in welchem 
die bildliehen Darstellungen der altchrisfe- 
zwei Sarkophagen des LäterämMnsenm ftn- 1 liehen Zeit sich bewegen, wird in den Art. 

den. ist es nicht der Herr, sondern einer Malerei, Sculptur, Symbolik, Sarkophage, 
der Schacher oder Simon von Cyreno, der i Mosaiken, (ioldgläser u. s. f. zur eim;ehen- 
das Kreuz trSgt. I dem Besprechung kommen. Eine Verglei- 

Als weitere, nur auf den Sarkophagen ehung der in diesen verschiedenen Richtun- 
vorkoramende biblische Hilder sind noch zu gen auftn'tenden Kunstvorstellungen zeigt 
nennen: die Erschaffung des Menschen, das eine so regelmässige Wiederkehr bestimmter 
Opfer Kains und .\i>els. der Durchgang | Gegenstände und Typen, und selbst eine 
durch das rothe Meer, Daniel, der ilen l>ra- so grosse rebereinstimmung in der Auf- 
chen vergiftet, und di»- Visitni des Kzeehiel, fassung, dass man dem (ledanken Raum 
WO Christus es ist. der mit dem Stabe sei- gel)er) uniss, es habe hier nicht die Willkür 
ner Allmacht die TrxUen aiilerweckt. .\u> des sdiatlenden Kün>.||ers. stnnlern ein bo- 
deui N.Test.: die Auferwcckung der Toch- stininues Ciesetz, eine hieratisciie Kegel ge- 
ter des Jairus, die Kanaaniterin , und aus waltet. Die von der Kirche ül>erwachtc 
der Apostelgeschichte die Auferweckung der | Tradition war fBr die Wahl der Sujets und 



uü by Google 



160 



Bilderverelmiiig. 



fBr deren Behandlniif^ im Oanxen nuuw- 

ge1)('ii(l, die Künsflor hatten na«'h <lon An- 
ordnungen der den Coemeterien vorgesetzten 
(Hietlienen zu arbeiten, welche sieh wieder 
durch mehr oder weniger all^^oniein gel- 
tende Kegeln gebunden sahen. Eine solche 
Hegel war z. B. vor AHem die, dem in den 
über der Erde (gelegenen und dem profanen 
Publikum so leicht zn£r}in{»lichen Oratorien 
und littsiliken im Zeitalter der Verfolgung 
nur einfachen Ornament, keine biblinchen 
Sceneti und Pieziehunjjen auf die Uehcim- 
lehreu des Chri»tenthum8 gemalt wurden — 
eine Thatsaehe, welche durch die neueren 
Entdeckuiif^en de Rossi's ausser Zweifel 
gesetzt wurde und welche uns auch deu 
SdiUlne} snm VentändntMm des c«n. 26 
dea Conoils von Elvira (300) fjiebt. Der 
Beediluss dieser spanischen Synode: pla- 
Cttitpietnraa in eccfetia esse non debere, ne 
quoa colitur et adorat ur in parietibus de- 
pingatur, ist vielfach und noch neuestens 
von Jlerzoff Real-E. f. prot. Theol. II 472 
als ein Verlmt der bildenden Kunst über- 
haupt auf;,'efasst worden: die Kirche, meinte 
man. habe sich hier gegen die Bilder über- 
liaupt erklärt, aus Besorgniss, der Anblick 
der Bilder möge den Christen ein Anlass 
zum KückfaU in die Idololatrie werden. 
Heute, wo der reiche Gebnudi, den die 
TOreonstantinische Kirche von allen Zwei- 
en der Kunst machte, hinlänglich constatirt 
nt. iat eine derart i^^e Anffiuming geradezu 
unhaltbar, und der Kanon von Elvira kann 
nur das bedeuten, was uns der Thatbestand 
an den römischen Monumenten zeigt: die 
eigentlichen Gemälde, also Vorstellungen 
aus der hl. Schrift u. s. f.. werden aus den 
über der Erde }^(def,'enen Kirchen in die 
Cnbieula der Coemeterien sub tem verwie- 
sen . wo sie vor ProCanation beeeer geeehfit/t 
waren. 

Der GyoluB der für zulassig erachteten 

Kunstvorstellungen ist indessen im Laufe 
der Jaiirhunderte auch im christlichen Altcr- 
thum sich keineswegs gleich geblieben. E« 
lassen sich in dieser Hinsiclit zwei sehr 
scharf abgegrenzte Epochen unterHcheiden : 
in der ersten, vom 1.— 4. Jahrb., herrscht 
dss symbolische Element vor; es ent- 
spricht der damnlifren I,aj,'e <ler Kirche und 
der Vorsicht, mit welcher die junj,'e (Jc- 
meinde des Herrn sich nach allen Seiten 
bewegen musste. Sobald diesell)C mit Con- 
stantin ihre Freiheit gewonnen und gar 
siegreich geworden, verliert die Symbolik 
ihre Bedeutung und der Charakter der 
Kunstvorstellungen wird vorwaltend histo- 
risch. Eine Menge Sujets, welche frflher 
nicht darfjestellt wurden, erscheinen jetzt 
in den Malereien, auf den Sarkophagen und 
besonders den Mosaiken der Basiliken ; such- 
ten die Vorstellungen derKatakombentnlder 



I den gedrfleklen Gemeinden Math und Ver^ 

trauen mitten in der Trübsal der Verfol- 
.gung einzutlössen , so kennzeichnet sich 
i die Kunst des 4. , 6. und 6. Jahrh. durch 
die Betonung der sieghaften Freude über 
den errungenen Sieg, in welchem die Ge- 
meinde aufgefordert wird, das Vorbild des 
Triumphes über Tod und Welt zu sehen, 
j Die (restalten derer, welclie den Sies? er- 
fochten, werden jetzt gemalt, während frü- 
her keine Martyrien, selten ein AnH^wg 
an da« Leiden Christi selbst vorkommen. 

I Schon R. liochette M<>m. sur les antiq. ehret. 

I I 74 (vgl. meine Anfllnge d. christl. Kunst 
101 f.) hat es betont . dass die früheste 

1 Kunst der Christen mitten unter dem Ein- 
druck so qualvoller PrOfUngen doch kein 
Bild der Trauer, kein Zeichen der Krän- 
kung oder Rachbegierde hinterlassen hat, 
' dass im Gegentheil alle ihre Denkniiler den 
(ieist der Sanftmuth, de« Wolwollen«, der 
Liebe afhmen. Das änderte sich jetzt viol- 
j facli. Wir begegnen Darstellungen der Mar- 
tyrien, besonder« aber auch Scenen aus dem 
I Leiden Christi, endlich kommt da.s Bild des 
I Gekreuzigten auf und erhebt sich bald /um 
I wichtigsten und beliebtesten Gegenstand der 
Malerei und Plastik. T)ie dii<:niatischen Käm- 
pfe über die Person des (iottmenschen hän- 
gen aufe Innigste mit dieser TerSndemng 
der Kunstvorstellungen zusaninien. Der 
Kreis der dargestellten Scenen wird über- 
haupt reicher und erweitert sich alhnälig zu 
einer Schilderung des gcsammten Reiches 
Gottes in »einen llauptepochen bis hinauf 
zum Weltgericht, dessen älteste Darstellun- 
gen (wie die auf Befehl des K. Paulinus 
von "N'nla zu Fundi in der Kirche des hl. 
1' eiix HU.HgeführteJ schon in den Anfang des 
5. Jahrh. fallen, allerdings um (>rst im M A. 
häufiger zu werden. Der wachsende Heicb- 
thum der geschilderten Scenen, die Menge 
der Aufgaben und Bestellungen bedingte 
dann weiter eine weit weniger ängstliche 
L'eberwachuug der Künstler durch den Kl4- 
rus und ein stärkeres Hervortreten der 
künstlerischen Individualität. Das war im 
Allgemeinen der Charakter der zweiten 
EfKiche, bis der Zusammensturz der römisch- 
christlichen Cultur und die beginnende Er- 
starrung des Byzantinismus seit dem H..lahrh. 
wieder eine neue, wesentlich dem MA. an- 
gehörende Pluuse schuf. Vgl. F. Piper Ueber 
den christl. Bilderkreia, BerL 1852. kuaüs. 

BILDSBTIBBHKDIIO. Bei dem gegen- 
wärtigen Standpunkt unserer archäologischen 
Wissenschaft ist es überflflssig, diesem Ar- 
tikel einen grSmem Raum zu gönnen. Da 
der Gebramdi der Bilder seit den ersten 
drei Jahrhunderten über jeden Zweifel er^ 
wiesen, da die Ausschmfidcung der gottes- 
diensUiehen und Coemeterial-Anlagen der 



Digltized by Google 



BUderwand — Birrni. 



161 



alten Christen mit Bildwerken eine That- 

«a<'he ist, so «•r^'iobt sich von seihst. da.ss 
die an diesen Orten angebrauhten religiösen 
K uM tro ra tellimgen in enf^rter Beriehaiif? /.u 
dem Cultus standen. K<»nnt(>n die Glüuhi- 

gn anders ak mit Gefühlen der Ehrfurcht, 
r Bewundenm^, der Liebe so diesen Qe- 
miilden aufblicken ? Das» die Einfalt und 
der verkehrte Sinn einzelner Gläubigen einen 
unrichtigen Gebrauch Ton den Bildern ge- 
macht, (iiiMH Einzelne das materielle Bild in 
ahnlicher Wi-ise verelirt halM'ii mochten, wie 
sie es im Schoo«»«« de» Heidentiiums gewohnt 
waren, soD nidit-m Abrede gestellt werden ; 
worauf es ankommt, ist aber, zu constatircn. 
daas die von der Kirche seübte Praxis hin- 
aiehtlieh der Bilder in volfkomiiiener Ueber- 
pjnstinniuiiijr mit <lpm spirituali*4tisch«'ii Cha- 
rakter des Christenthums atand. Wie die 
Titer darflber daehten, lehren die zahlrei- 
chen AeusHerunfjen der Aj)()lüy:eten, die je- 
den idololatriscben , der Materie geltenden 
Gedanken himichtlich der Bilder abweifien, 
Aensserungen, die nur zu oft im Sinne je- 
nes vielhcrufenen angeblichen .Kunsthasses. 
(». d. A. Kunst) ausgelegt wurden, und de- 
ren vollständigste Zusammenstellung man 
h- i Aminsti Beitr. z. christl. Kunstgesch. u. 
Liturgik 1 103- 146, U 81—183 finden 
kaim. Diese Auslassunf^ erfahren ihren 
rnmini-ntar in den Monumenten, welche den 
Beweis liefern, daas nicht der Gebrauch, 
wol aber der idololatrisehe Mtssbrauch der 
Bilder verpönt wird. Ks fVliIt aber au«*h 
nicht an AuBeioaudersetzungen, welche den 
principiellen Standpunkt der kirchlichen Auo> 
toritat in dieser Angelegenheit genau prä- 
ctsiren. Dahin zählen vor Allem die be- 
kannten Aeusäerungcn des Papstes Gregor 
d. Gr. Als B. Serenus Ton Marseille Bil> 
der au» den Kirchen wegnahm und zer- 
störte., weil man, wie er bemerkt, sie an- 
gebetet habe, giebt ihm Gregor seine Zu- 
stimmung darüber zu erkennen, dass er eine 
Anbetung der Bilder nicht gestattet, fügt 
aber biiuu: ,Afangi vero mm debnft <)uod 
neu ad adornndum in ''rclesiis, sed ad in- 
struandas solummodo mentes fuit uescieu- 
tiom eoUocatum* (En. 105). Dem Se- 
enndinus sendet er die Bilder Christi. Ma- 
riae und der Apostel Petrus und Paulus 
mit der Bemerkung: ,srio «juod imaginem 
salratoris nostri non ideo petis, ut (|uasi 
T)eum colas, »ed ob recnrdationem filii Dei 
in eius amore recalescas, cuius te imaginem 
videre te desideras. Et nos qnidem non 
i|uasi ante divinitatt in ante illam proster- 
niniur, sed illuni udorainus, quem per ima- 
ginem ant natum ant passum. sed et in 
throno sedenteni remnliinuir* ( Kp. IX 'vi). 
Die Bilder sind zu betrachten wie andere 
Creatnren, die uns die VorstelluD^ des Schö- 
pfers nahelegen : ,si enim quidquid est,^ sagt 

Bwl>XaeykJo|Mi«. 



AHgttsfht. Enurr. in Ps. 93, 4 (Opp. VI 261 b), 
, linde similitudo ducitur ad sanctos, adoran- 
dum tibi putas . . . si autcm non adoraa in 
Christo ista terrena« quamris de iilis simi- 
litudo ({uaedam data est. ad si<;nifi<'and()s 
sanctos de quacumque creatura ducta fuerit 
simtlitndo, tu 'intellege similitudinem cres- 
turae. et adora artificem creaturae.' In die- 
sem Sinne spricht Pntäin pon Sola (Ep. 
XXII 3) von dem Bilde de« hl. Martinus: 
,Martinum veneranda viri testatur imago.* 
Aus derselben (Jcsinnung betet und Hebt 
Piudentius vor dem Bilde des Märtyrers 
Cassian (JWisteph. IX 9 ff.). Namentlich 
in d(»r frricrbischen Kirche fand aucli bald 
der Cultus der Bilder äusserlich in der 
Kniebeugung vor denselben seinen Aus- 
druck ; wir le.sen . dii.ss die der Conferenz 
des hl. Maximus und des B. Theudosius von 
Caesarea beiwohnenden TSter die Bilder des 
Heilandes und seiner Mutter durch (Jenu- 
tlexion grussten. Des Nähern auf die ins 
byzantinische MA. fallenden Streitigkeiten 
über die B. und die Jahrhunderte langen 
ikonnklaMischen Kämpfe einzugehen, ist hier 
nicht der Ort. Man vgl. Auqusti Hdb. III 
fill ft".: Bintenm Denkw. IV. 1. 4(;i fl".; 
(V. Liidike die B. und die bildl. Darst. in den 
ersten cbristl. Jahrb.. Freili. 1S74. kkais. 

BILDEBWAH'D (eixovo(7-aai(j, die Hulz- 
wand, die in den byzantinischen Kirchen 

den Chorraum vom Schiff trennte und die 
an die Stelle der frühem Cancelli und der 
den Altar verhüllenden Vorhänge (s. d. A.j 
trat, so genannt, weil sie regelmässig mit 
den Bildern Christi, Mariae u. s. f. ge- 
schmückt war. Diese B. eignet den grie- 
chischen und russisclien Kirchen de« MA.s; 
ob sie über dasselbe hinans<.''('}if , ist fraj;- 
lich. Vgl. Lenoir Archit. mouastique 1 342 tf. ; 
AU d. ehr. Cultus I 90 ff. 

BILDÜNO DER GEISTLICHEN, s. Kli rus 

BIRRUSy auch Byrrhus, ein niantcl- 
fSrmiges, kfinseres oder längeres Gewand 

mk r'irn'r Kiipuzi'. das /unächst zur Be- 
deckung des Kopfes uud der Brust ül»er 
den anderen Kleidern zum Schutz gegen 
Nässe und Kälte schon von den Alten und 
bis tief ins Mittelalter hinein getragen wurde 
(Schol. vet. ad luv. 8at VI II 145 ». In der 
kürzem Form, ab Mantelkragen mit Kn- 
puze. vorn geschlossen, mit lanj^cn Tutdi- 
Hockcn I Noppen), träfet es die in Pompeji 
aufgefundene Statue eines schlafenden, ju- 
gendlichen Fischers (Real .Museo-Borbunir'o 
VIll, tav. 4»"). Bis an die Kniec reichend 
und vom mit einem Knepfe susammenge- 
halten, will man sie erkennen auf einem 
etwa aus dem 7. Jahrb. stimmenden Bilde 
in der dritten Kammer der Katakombe des 
hL Pontianus, welches die hl. Abdon und 

u 



Digltized by Google 



162 



BtMhof. 




Sonnen darntellt. Noch länger und weiter, 
überhaupt unseren Mänteln ähnlicher i»t 
das von etniffen Ardiäologen, z. B. Mar- 
fif/ni/ Diot. d»'H antiqq. ehret. 2. Aufl. 104, 
ais B. bozciclinete Gewand, wie e« das Bild 
des hl. Diakons Laurentius im Coemeterinm 
S. lulii pap. an der Via 
Flaminia trägt (Bosio 581; 
Arintjhi R. S. II 355, tav. 
II * ; vgl. beistehende Fig. 
731. Auf letztere Form 
passt also nur wa.H II. 
Wtia$ Kostümk. II 1011 
sagt: ,war die Penula h. 
d. A.> ringsum geschlossen, 
nannte man »Te Torzugs- 
weiseCnsula; war sie vom 
der Länge nach offen, ver- 
mnthlich Beirut oder B.* 
Es wird Bich alter /eigen, 
dass man bisweilen auch 
den B. eine Casala namte. 
Zufolge seiner Brauchbar- 
keit und Zweckmässigkeit 
»*»• *** wurde der B. , besonders 

** in der spätem Kaiserzeit, 
häufig von Heieh und Arm, Heiden und 
Christen, und unter diesen von Laien und 
GeistUohen aller Orade (nicht nur. w^ie Ba- 
ron, ad a. 2ni behauptet, von Bischöfen» 
und ganz ix'sunders auch von Soldaten und 
Mönchen g(>tragen, und auf diesen allge- 
meinen (Jehrauch »eheint uns die Stellt' lu i 
Mat-tian. CapeU. 1. lY 350, ed. fcJyssenliardt 
1866, anzuspielen: unirocum est quando 
duarum aut i)lurium rerum unum nomen 
est et detinitio ut vestis. Nam et birrus et 
tuniea et nomen ve$H» halMmt et deflnitio- 
nem possunt arcipiM-o. EIkmiho AiKjiisfinifx 
Herta. 161 de verb. Apost. 1 Cor. 6. c. 10 
(Manrinerausgabe). Der hL OypriinuB, Bi- 
schof, von Carthago, am Orte seiner Ent- 
hauptung angelangt, ibi se lacerna hyrro 
exspoliavit {Cyprian. Opp. omn. III 113, ed. 
Härtel). AthuUMius, Bischof Ton Alexan- 
dria, entfloh vor seinen Verfolgern tunica 
tantum sua birrotjue vestitus {Ileruclfs Vit. 
virg. Alexandr. ap. //. Roaweid Vit. Patr. 
974). Aus d<>r Vit. s. Pelagiae Hbid. Wl^^) 
zu schliessen. iru^ um 4Ö7 der hl. Bischof 
Nonnus zu Antioeliien einen B. von gerin- 
gem Werthe. Nach (irtii. M. Kpp. 1. IX. 
c. (>, od. (Jallicciolli, wurde der Neopliyt 
mit dem ß. albus bekleidet. Noch in den 
Zeiten der Kreuzzüge wurden Sache und 
Name gebraucht (dio Beweise bei Ducanye 
i. T.). Der B. der Vornehmeren war, wenn 
auch inuiicrhin etwas steif (Sulp. Smr. 
Diul. 1, c. 21, cd. Ualm: illa ut byrruni 
rigentem, haec ut fluentem texat lacer- 
nam), doch von besserm, ja kostbarem Woll- 
gewebe (August. Serm. 356 de vit. et mor. 
clerioor. c 13: offerat mihi v. g. byrrhum 



/tretiomm: forte decet episcnpum. i|uamvis 
non deceat Augustinum i. e. honiinem pau- 
perem). Vgl. Svnode Ton Gangra caa. 12 
bei Ile/cle Conc^-Oesch. 2. A. I 784. Der 
B. , besonders der Sklaven (Cod. Theod. 
lex 1 de habitu 14, 10), war meistens von 
grobem und dunkelfarbigem , namentlich 
bräunlichem Wolltuche mit Knötchen, loh. 
Cassian. de ijistit. cocnob. 1. I, e. 7 wollte, 
dass die Mönche i)laneticanun atque birro- 
nim pretia simul ambitionemque de<*linent. 
Den B. nannten gallische Schriftsteller, wie 
sich aus Sulp. Sever. Dial. II 1 und der 
Vif. Thiroli c. 0 bei ^ilahill. A<'t. SS. 
Ord. s. Bened. saec. 11 105 ergiebt, auch 
ampMHMu», wesshalb Iktetmge i. ▼. diefien 
als B. villoHUS vel planeta bezeichnet. Der 
amphiballus heisst «ber auch in der Expos, 
brer. antiq. Litui^tae Oallie. bei Martine t. V. 
Anecdot. col. 1)9: caf^ula , woraus hervor- 

feht, dass der B. auch ganz gescldossen sein 
onnte. Vgl. noch Nieet. ep. Lugd. o. 5 
bei Greg. Turon. Vitae patr., ed. Migne; 
Beeim zur Vit s. Columbae 439. Oft suchte 
das Volk den Saum des B. oder der casula 
hl. Männer zu berflhren und an küssen. 
Beispiele l)ei Ducange, der übrigens hie und 
da seine Quellen missversteht. i.Ctolf. 

BISCHOF. Das Mnozot des N. Test, 
(zuerst ir.iTxo-Ti Act. l, 20; vgl. Ps. 109, 8) 
ist ebenso der Septuaginta entnommen, wo 
CS den Inhalier religiöser wie bürgerlicher 

, Aemter bezeicliuet (IV Mos. 4, 16; 31, 14 

I u. 8. f.), als der t t icpss^topo« (IV Mos. 
n, .Ter. 19, 1 u. s. f.). Anfangs wer- 

ideu beide Termini vielfach mit demselben 
Wertbe angewendet (Aet. 20, 17. 28: Ttt 

' 1. 5; n.m. ail Cor. I. c. 42. 4 1. 47). NfM«h 
im 2. Jalirh. findet man die Bischöfe auch 
irpea^'j-repoi genannt, niebt aber umgekehrt. 
Sofort fixirt sich denn d< r Sprachgebrauch: 
der B. ist der Vorsteher der isopoutCo, 8ioC» 
xT)(jic als Narhlolgt r der Apostel; ihm un- 
terstehen Volk und (»eistlichkeit ; ihm wohnt 
die Fülle der priesterlichen (Jewalt inne. 
Ign. ad Polye. 15, (i, 8; ad Fph. 1, 2; 
Herrn. Fast III 5; Canon. Murat. § 20; 
FIri/tsipp. ap. Kus. II. e. 11 23 u. s. f. 

1. N a m e n. Die verschiedenen für den 
B. sonst no<!h vorkommenden Bezeichnun- 
gen haben Mamavhi Origg. lib. IV, c. 4 
(ed. Korn. 1850, IV 250 ff.) und nach ihm 
A. W. H. Haddan im Dietionary of Chrirt. 
Antiq. I 209 am sorgfaltigsten zun 



gestellt. Es sind nachfolgende: Apo$l<^ 
\ {Theodor. Mops, 'in I Tim. 3, 1; ThtodoreL 

in r Tim. 1: in Phil. 1, 1: 2, 25; Am- 
hro.sifti<t. in Eph. 4, 12>, Apostolicus (s. d. 
A.), Sueeessor aposiolorum (Cijpr. LXVI al. 
LXIX ad Florent.), Vir apoafolirus (Tt-rl. 
de praescr. c. 32), Ilpocffto»« oder llpo- 
»«tÄ»c T^c hxkrpldi {Kus. H. e. IV 23, 



Digitized by Google 



I 



BlMhof 



163 



VT 3, 8 etc.). Die Bezeichnung galt auch 
nocli den Protbjtern (Ba»iL Reg. Mon. LXX 
36). *0 iTpOffTOTuiv «Y^eXoc (Ofnnu. rt 
Arelh. in Apoc, 2, 1), \\^oi<3-i\i.i^'j i 
(EmX flpieSpoc {Eus. H. e. VI FI 2. von 
PrnsliytfTii (»b. X 4; Si/iies. Epist. XII). 
J'raej)osUu:s {Cypr. Up. III, IX etc.; Aug. 
de Trin. XV 26 u. •. o.; Ton Presbytern 
Cijpr. Kp. III 21), PraesifhHs (Trrtitll. de 
coron. mil. III), Antistes (sehr oft, aber 
•vch fQr Presbyter, a. Ambrotifwt. m t Tim. 
5: Sidonius Apollinaris nennt letztem An- 
tistes ordine in secundo, Ep. IV 11). Pri- 
wum preshiffer { Ambrosiant . in I Tim. 3, 

10 u. a.i. 

AndtTc H»'Z(Mcliniin£ren treffen nur noch 
den Ii., nicht inelir diu übrigen Presbyter: 
80 *A-]CYeXo;. angelus ecclesiae (naeh Apoe. 

I, 20; vgl. Gal. 1. 8; 4, 14; Epiph. Haer. 
25, n. 3 ; Auyust. Ep. 1 42 : Hieron. in 1 Cor. 

11 etc.), opoc (l^ops-'a, Philostwrg. III 
4, l.*)), der am meisten irtixoTtoc identische 
Titel, im MA. mit speculator (Cone. Üuess. 
862), inspeetor u. 8. f. iNriedergegeben. Tüe 
Reg'ierungsgewalt des B.s fassen ins \u<^f 
die t. t.: lipo 1)70 u(Ji&vo c und npcuToxa- 
9t6pi'TT)c (Hieron. pastor. Vis. 3, 9), Höt- 
«ac (pttpa), Vater iTn-f. de Pudic. c. 13; 
DiovifS. AI. in Phih'm. bei Ens. H. e. VII 7, 
und öfter bei Cyprian, Hieronym., August., 
Prudent., Sulp. Sev., Sidon., in der griecb. 
Kirche auch auf die Prcsliytf^r und Acbtf 
ausgedehnt, im Abendlaude »eit der karr> 
Ungtaclien Zeit nur noch auf den r(')mischen 
B. angewandt, für den es Gregor VII 1083 
aoBSchliesslich in Anspruch nimmt); "Apyoiv, 
prmcep» eedeaia«, pr. populi (Orif/., Bus., 
If/n on.. Chri/s., Paulin. etc.), liector (Ifilar. 
iJiac, in Ej)hes. 4 ; Greg. M. de cur. Past.), 
Praesul (ful. pap. in Ep. ad Euieo. bei 
Cou.stant I 382). 

Auf die priesterlichen Functionen gehen 
vorwaltend die Bezeichnungen : '1 e p a p -/ rj « 
(Diontfg. AI. de eccl. Hierarch. c. 5; 6 piTac 
Upap^S Ps. Amphiloch. Vit. s. Basil. e. 
13, 3), Saeerdos, Ponti/ex (sehr oft), Sum- 
mu8 Sact-rdos, auch Summus oder Maximus 
FoHti/er (Teriull. ih' Bapt. c. 17 : de Pudic 1 
und HO oft), Me9i-ci)C, mudiator (Cun^t. ap. 
rV 26; Orig., Batä.y Ckty». etc.; Wider- 
»prueh <lngegcn bei Atu/. 0. Parnien. II >^). 

Dem Hirtenarat sind woirer entnommen: 
Paier patrum und Episropn-^ episroporum 
(Widerspruch gegen letztern Titel bei <)/j>r., 
Gonc. Carth. a. 256, später noch bei Gre- 
gor. M.): Virariwt Apiuiolorufn , dann Vi- 
earius Chi isti oder Dei (Amhros. in 1 ('(»r. 

II, 10: iWttdo-niomjs. Ar. eccl. Hier. II 2, 
Qu. V. N. T. 127 bei Au,f. Opp. III etc.). 



Ii 



otjxTjV. pastor (Kus. U. e. III 3<i; Hdar., 
Grey. Naz. etc.), II a-r p t a p /tj c (Greg. Haz. 
Or. 'l9, 41, 42; Grey. Xyss'.). 
VebmchwengUche Uebertreibnngen Bind 



Oeic iidyiiot }i£Ti %t6f und Aehnhches 
(Const. apost. II 26), Throma Dd (Conc. 
Tob't. XI. !i. (;7.5, c. 5). 

Die Anrt'dtn an den B. waren: oposto- 
licm (s. d. A.), saneihtimu$f heatissimutf 
rcrcrcudissifnus , Den amnhiUn , piis^imus, 
reliyioiinsimus — SLfitaxtixo s, oeo^tX^» 
ffTSToc. t^axapti&TaToe, aIdc«ifi.«6Ta- 

^iaxaxo i. Dominus oder Dotnuu-t, A e j t: ^- 
Tijff — Sanetita» tua , t, jf, y pr^jt^tTj j, 
a 7 '. 0 T |x a x « p i t t, Den Titel Servus 
aenornni legt sich zuerst B. Desiderius 
von Gabors (650) bei (Thotnassin. I 1, 4, 
§ 4): Dei (/ratio archiepisropus nennt sich 
zuerst B. 'Theodor (Concil. Hatfeld. 680 
bei Beda H. e. IV 17). Unter sich gaben 
sich die Bischöfe die Titel coepi$eopit fra^ 
tres, romministri, cnnsarerdotes. 

II. W a h 1. 1) Die W ii h 1 e r. Die Wahl 
der ersten BiMhWe (wtTdCnnotc) lag in der 

Hand der Apostel (Tit. 1, 6). Paulus setzt 
im Umkreis seiner WirkMumkeit Bischöfe 
ein; die Apostel und die noch lebenden 
Jünger des Herrn erheben an Stelle des 
liingerichtcten Jakobus Simeon, den •Sohn 
des Klopas, zum B. in Jerusalem (a. 69, 
Ens. II. e. III 11). Bei Clnnnis Rom. tritt 
schon die Mitwirkung der (Jcmeinde klar 
hervor: den Aposteln und ihren Nachfol- 
gern (zunächst den ülCfnioK avgps;, den 
Aj)ostclscluilcrn) gel)iihrt nadi ihm die xa- 
Tajtaai», aber nur jyvsu^oxTjsaaTj; t^c ixxXi)- 
7(ac icdbijc. Im 2. und 3. Jahrb.' wfthlen 
die umwohnenden Hiscböfc. nber nur mit 
Zustimmung des Volkes und der Priester- 
schaft, so dass dieeer Factor geradem als 
den XacliT)arbischöfen in dem Wublgeschäft 
coordiuirt erscheint. Dies erhellt aus Orig. 
Honi. VI fai Lerit., Opp. ed. Delame U 216, 
aus Eusebius }{. e. VI 10, 11, 29, aus dem 
Vorgange in Antiochien und der Absetzung 
des Paul von Samosata (270), dem Cone. 
Ancijr. (a. 314, c. 18), besonders aber aus 
zahlreichen Aeusserungen Ci/prians Epist. 
LXVII: ,diligenter de traditione divina et 
apostolica observatione eervandum est et 
t<'n<'ii(hini ((|uod apud nos qunque et fere 
per proviucias totas tenetur), ut ad ordina- 
tionee rite oelebrandas, ad eam plebem cni 
praepositus ordinatur, episcopi eiusdom pro- 
vinciae proximi quiquc convenicnt, et epi- 
scopuB aeligatur plebe praesente, quae sm- 
gulorum vitam plenimime novit et uniu8> 
cuiusque actum de eins conversatione pro- 
spexit.' — Ib.: ,in8truit et ostcndit (Deus), 
ordinationes sacerdotales nonnisi sub po(uili 
a-s-sistentis conscientia fieri oportere.' ,Sit 
ordinatio iusfa et legitima quae omnium 
auffragio et iudicio fuerit exaniinata.' Vgl. 
Ep. LV u. LIX: .post divinum iu<licium, 
post populi sutlragium, post coepiscoporum 
consentum/ Es rauas als eine Ausnahme 

11* 



Digitized by Google 



164 



Btsehof. 



betrachtet werden, wenn der Klents m 

Alexandria in Anbetracht wiMrti . loi- 
denschaftlichen Charakters des dortigen Vol- 
kes, ohne detisen Gegenwart und Mitwir- 
kun«? abzuwarten, zur B.swahl schritt (Epi])h. 
Haer. LXIX 11). Die Regel war, wie das 
Cyprian namentlich beweist, dass die fra- 
temitas, also Klerus und Volk, Atm mf- 
fragium (van Espm I. tit. 13. n. 10 und 
ihm folgend IL fvle nennen es geradezu ein 
Vorschlagsrecht) hüttcn, die eigent- 
liche Kntsclieidung , ilas iiulicium , in den 
Händen der Cüniprovineialbischöfe laj^. 

Ein neues Stadium fSr die Geschichte 
(U'r B.swahl bezeichnet der Can. 4 des Con- 
cils von Nicäa 325: ,der B. soll eigentlich 
yon allen (Bisch5fen) der Eparchie (Pro- 
vinz) aufgestellt werden ; wenn aber dies 
schwer ist, sei es wegen eines dringenden 
Nothfalles oder wegen zu grosser Entfer- 
nung, so müssen wenigstens drei sich ver- 
sammeln, und mit schriftlicher ^Einwilligung 
der Abwesenden die Cheirotonie (Weihe) 
vornehmen. Die BestfttiguMg und Oberlei- 
tung des Geschehenen alier soll in jeder 
Eparchie dem Metropoliten zustellen' (Ile- 
/Ä CG. 2. A. r 382 f.). Vgl. die Cano- 
ne« von Laoihcea c. 12. Atifiorhien c. 10, 
Cod. eccl. Afric. c, 13; Conc. Carth. a. 390, 
e. 12; a. 397, c. 39; a. 398, e. 1; ComUm- 
tinnp. a. 381 bei Theodoref. V 9; Spiod. 
Tokt. IV, c. 19; Nicaw. II, c. 3. Damit 
war ein neuer Factor, der Metropolit, in 
die B.swahl eingeführt; bald wurden die 
Rechte des ehemaligen zweiten FactorSf 
der fraternitns. beschnitten. Es lag ja ge- 
wiss in der Mitwirkung des oft turbulen- 
ten Volkes Manches, was unter Umstän- 
den bedenklich war. Hatten schon die Sy- 
noden zu Sardica (345) und Laodicea (365) 
diesen rcbelständen entgci^'enzuwirken be- 
gonnen, so ging der griechische hohe Kle- 
rus bald darauf aus, das Wahlrecht dem 
Volke gsinz zu entziehen, und die VIl. all- 

Semeinu iSyuode zu Nicäa c. 5 iuterpretirte 
emnaeh den Canon 4 des ersten Nicae-' 
nuni dahin, duss ein ß. nur von Bisehöfen, 
ohne Zuthun weltlicher Gewalt, gewählt 
sein dürfe. Aehnlich die VIII. allg. Syn. i 
C. 22. In der lateinischen Kirche ward da.s i 
Volk erst viel später, zum Theil er-^f hn 
11. Jahrb., ausgeschlossen: die Walil katu 
aber damit nicht ganx an die Coniprovin- 
zialbischiife , sondern an den Klerus der 
bischöflichen Domkirche , und in das Ue- 
st&tögongsrecht theilten sich der Metropolit | 
(erst später der Papst) und der LantlesfUrst, 
Die Hechte des erstem betonen schon dio . 
▼on ffaddan a. a. O. gesammelten päpst-| 
liehen Decrere dos ä. Jahrb. : Inuoccuf. I 
Ep. 1 2 (extra consciontiam metropolitnni 
episcopi nulluB audeat ordinäre episcopumj; 
BoHi/ae. I Ep. lU; Leo M. Ep. LXXXIX, 1 



XCn; Häar. Ep. II; dasu Cme, Taur. a. 

401. c. 1; Cnnr. Atel. U. a. 452, c. 5. Bei 
demselben (215 f.) sind zahlreiche Belege 
ftlr die im Abendlande noch sehr lange an- 
dauernde Mitwirkung des Volkes bei der 
B.swahl beigebracht, wie auch der Ueber- 
gang zu dem Emennungsrecht des Köni^ 
in Spanien, Frankreich und Bnghmd seit 
dein 7. Jahrb. aufgewiesen ist. 

2) Wäblljar keit. Die dem Eintritt in 
den Klerus im Allgemeinen entgegenstehen- 
den Hindernisse (tjewisse (tewerbe, Oiira- 
mie, ofFcntliche Busse, Fall in der Verfol- 
gung, Klinikertaufe oder häretische Taufe 
u. s. {.) hatten hinsichtlich der B.swahl 
natürlich nicht minder l'latz. Die positiven 
Anforderungen an den B. resumirt hn We- 
sentlichen sclion der Apostel in seinen be- 
kannten Anweisungen. Zum Theil auf Qrund 
derselben, zum Tneil durch Ctewohnheiia- 
recht setzten sich dann nachfolgende Be- 
dingungen fest: 1) zum B. soll kein Neu- 
bekehrter oder Neophvt genommen werclen 
(I Tim. 3, 6; Cati. Äpont. 80; Cotic. Nie. 
c. 2: Conc. Ldodir. a. 3f!ö . c. Später 
forderte man, <lass der zu Wählende we- 
nigstens ein Jahr getauft sei (Conc. Aurel. 
III, a. 538, c. fi). Doch gab es Ausnah- 
men. Cyprian wurde adhuc ncophytus 
(JW.), Ambrosius und Eusebius von Cae- 
sarea im I'(»nnis schon als Katechnmenen 
gewählt und sofort geweiht {Theodortt. lY 
7 etc.; Greg. Jfax. Or. XIX), ahnlich Neo- 
tarius (Sozom. VIl 8). — 2) Keiner, der 
sich selbst verstümmelte, konnte B. werden, 
wol aber, wer so geboren otler durch (>e- 
walt verstümmelt worden (Can. Ap. c. 21, 
77, 78). — 3) Wiihrenil die Co/ift. Aposi. 
II 1 noch 50 Jahre für den zu Wählenden 
fordern, begnügt man »ich im Allgemeinen 
(nach T.ui'. X 23) mit 30 Jahren (Cone. 
Seocaes. a. 314 und oft), doch verlangen 
Siridu» ad Htmep. Ep. 1, 9 und Zomtm 
ad llesvch. Ep. 1. 3. 45, ///>7üii(Ims Novelle 
CXXVil 1 und Vholitis 35 Jahre. Hervor- 
ragendes Verdienst konnte indessen audi 
hier Ausnahmen bewirken, wie bei dem 
23jährigeu Athanasius. — 4) Der zu Wäh- 
lende sollte der Diösese angehören, der er 
vorstehen solle: auToü upaTsiou (Ld. j)ap. 
Ep. ad Oriental. bei Äthan. .Vpol. II; ('oe- 
lestiii. Ep. 2, 4 ; Li o Kp. S4 und oft ). -\U8- 
nahmen waren jedoch selir häutig. Der zu. 
Wäblenile bedurfte, um eine frem<le Diöcese 
zu übernehmen, der Zustimmung seines eige- 
nen B.8 (Cone. Nieaen. c. 16). — 5) Nicht 
wählbar für das betreffende Mal war der 
Nachbar-B., welcher in der Vacanz als Jti- 
terredor fungirt hatte. — 6) Der zu Wäh- 
lende soll die Stufenleiter der verschiedenen 
ordinea regelmäsaig durchlaufen haben, nicht 
per saltem B. werden. Cypriem legt Ge- 
wicht darauf, dass Comelios ,non lä epi- 



Digitized by Google 



BiaehoC 



165 



seopfttnin subito penrenit, sed per omnia| 

coclesiastiea officia' und ,ounrtis rolifrioiiis 
gradibus ascendit'. Doch stellt Leo M. dw 
INakonen liier den Priestern f^eieb (Ep. | 
S4, Ansiialinu'n waren indossoii liäufiir. 

Auch Lectoren (Aug, Ep. Ii2) , Subüiako- 
nen, selbst Laien werden su BisehSfen ge- 1 
wählt. 

Die Zustimmung des Gewählten wurde, 
nicht eingeholt; man weihte &iovTa (Bei-' 
spiele bei Biugham IV (VII] 2), und die 
tan. Altott. 'M\ drohen demjenigen die Ex- 
communication an, der die Last den Episko- 
pats aldehnt. Später änderte »ich die An- 
schauun;? und es hipss : .protVctus indi^mis 
est .sacerdüti» uisi fiu-rit (»nliiiatus invitus'. 
Die gezwungenen Weihen wurden dann 
tlurcii Leo und Main rian verboten (ClMf. , 
TheudoH. VI 34, App. Nov. 2). ' 

3) Zeit und Ort der Wahl. Das 
C(in<>il VOM Clialcedon(431) fonlrrf die Wahl | 
innerhalb drei Monaten, oft fand sie unmit- 
telbar nach dem Ableben des Bji statt, be» 
sonder;* zu Alexandria. In Nonlafrica war 
die Frist ein Jalir. Ein römisches Coucili 
▼on 606 rerhingt, dass die Wahl nicht tn- l 
neihalb der drei ersten Tage nach Erledi- ' 
gung dos Stuhles statthabe. Die Wahl ge- < 
Bchah in der alten Zeit regelmassig in der 
Diöcese, bez. der Stadt, für welche und von 
welcher gewählt wurde. Wo, wird in den j 
ersten drei Jahrhunderten nirgends gesagt: 
seit (Vmstantin wol in der Regel in den 
Hau{)tkin'lien. Naeh Si/nesius Ep. (;4 fand 
eine H.swahl auch in der gewühnlichen • 
Bflrgerversammlnng statt (auf der ÄTfopo?). 
Der Modus war verscliiedeii. rrspriiiitrlicli 
wurde wul durch Acciamatiun gewählt, spä- 
ter werden Beauftragte ausgeeandt« um die 
Stimmen des Volkes entgegenzunehmen (^/r- 
gor. M. Ep. lü 35); diese Delegaten sind 
die mittelalterliehen Compromissarii. Fem- 
zuhalt«Hi von dem Walilgesrhäft sind die 
Katechumeuen (Conc. Laodic. a. 365, c. 5), 
▼ermuthlioh weil sie vor Anstoas bei der 
Kritik des Lebens der GeistUehen gehfitet 
werden sollten. 

4) Ueber Prüfung und ßestätigu ng 
der W^ahl durch den Metropolitan ist schon 
oben gesprochen worden. Sie hat sich Ende 
des 4. Jalirh. zu einem regelrechten Ver- 
fahren entwickelt. Schon (las Conc. Carth. 
IV. sagt: «jui episoopus ordinandus est, an- 
tea exuminetur. si natura sit prudens, si 
docibilis, si nioribus temperatus etc., si 
litteratus, si in le^je Domini instructus etc. 
Gregor d. Gr. En. VII lässt sich von dem 
Brsbisehof von RaTenna ein Zeugniss aus- 
^tcltr n über des TOii ihm xn weihenden B. 
von Uimini. 

III. Weihe. Vgl. d. A. Ordination. Der 
Ort derselben war in der l'-'i^el die Kirche, 
für welche der B. gew^eiht wurde. Cypr. i 



Ep. 67; Aug. Ep. 261; Cone. Chale. Act. 
1 1 n. s. f. Bald jedoch bestimmte der Me- 
tropolitan, wo und wann die Weihe statt- 
fand (Synes. Ep. 67; Conc. Tolet. IV. a. 
.">sl. <■. 18), und nun wurde der Sitz des- 
selben meist zur Weihe der SuflVagan- 
bischöfe auserkoren. Diese Weihe geschah 
immer vor dem Altar (Theodoret. IV 15), 
und zwar meist am Sonntag oder an einem 
Festtag (legitimus dies fDr die Bischöfe, Zos. 
Ep. »))• Da die Weihe innerhalb der Messe 
geschah, fiel sie zeitlieh in die Morgen- 
stunde; doch wird von Novatian gemeldet, 
dass er zur 10. Stunde, also um 4 Uhr 
Xachmittags, ordinirt wurde (Eiiseh. H. e. 
VI 48). Der Jahre.stag wird vielfach ge- 
feiert als dies natalis iAu,/. <-. Lit. Petil. 
11 23 al.), wa.s manclie Verwirrung in den 
Martyrologien erklärt. Endlich ward die 
Weihe durch Circulare wol angezeigt, 
dem Ordinaten vom Ordinans eine Beschei- 
nigung ausgestellt (Cod. eccl. Afr. c. 89) 
und vom Metropoliten Buch Aber seme Or- 
dinationen geführt (matricula, archivus, (xa- 
tp(xiov, eh. 8ü; ». Bingham II (XVIJ 8). 
Veber die Inthronisation vgl. Bing- 

harn II (W) 10, wo Heispiele des hei der- 
selben gelialteneu Sermo eHthronistictts ge- 
geben werden. iSft. sind die das Ereigniss 
dos Amtsantrittes den übrigen Bischöfen 
kundgebenden ifpotpiiaTa xoivtuvixa, auW.ctJiat 
ivftpoviuTixoi', litterae enthronisticae oder com- 
municatoriae behandelt. Dem inthronisirten 
Ii. hracltte man vielfach (rcschenke dar, die 
sicli im Orient noch jetzt in der Form sehr 
drückender .\aflagen für den Klents er- 
halten haben. 

Erst .seit der Mitte des 5. Jahrh. scheint 
die Uebung aufgekommen zu sein, dass der 
neugeweilite IJ. dem Metropoliten ein (ihu- 
bensbckeuntniss und einen Uuldiguugseid 
ablegte. Die ältesten Beispiele« welche Tho^ 
nirf<sin anzuführen weiss, sind vom J. 450 
(die von Leo d. Gr. verworfene, vom Me- 
tropoliten von Epirus an den Ens^B. Ton 
'riicssalonirli aus-^cstellte cartula de ohe- 
dientiae spousione), von 590; auf spanischen 
Svnoden ist daTon Bede seit Cmc ToM, 
IV. a. 581. 

V, Austritt aus dem Amte. Der- 
selbe geschah entweder 1) durch Abdan- 
kung (s. d. A.), 2) durch Absetzung 
(s. Depositio«i)i 3) durch Translation (s. 
d. A.). 

VI. Das Amt. Es kann hier nicht auf 
die zahlreiclicii dogmatischen und kirchen- 
rechtlichen Fragen einfjegangen werden, 
welche sich an diesen (.iegenstand knüpfen. 
Wir fachen nur eine rchcrsii ht. Der l'r- 
sprung des Amtes, die berühmte i'rage, ob 
der Episkopat göttlicher oder menschlicher 
Institution ist. lallt nicht unter unsern Vor- 
wurf. Der Umfang des Amtes begreift 



uü by Google 



166 



BiMshof. 



1) die Fülle (l< i- priesterliohon 
(Weihe-) Gewalt: Auiwpendunff der äa- 
cramente (s. d. A.) und namentHcn der Or- 
dination, die ihm vorl »ehalten ist (». «1. A.); 

2) die Lehrgowalf (s. Predigt); 3) die 
Regicrunfr«pewa 1 1. 

Di«' Refrierunp«pewult schlie»8t eine Reihe 
von Artribiitrii in sich: das AufsiehtH- und 
V'isitatioiisriM'ht, die üe»etz{;ebunfr. die Ju- 
riidiction und Strafjf^ewalt, die Leitung und 
Anstellung des Klerus, dessen Herufung zur 
Diücesansynmie, die Verwaltung de« Kirchen- 
gutes, enmich gewisse Eiiilriliifle und Ehren- 
Vorzüge. 

a) Das Aufsiehtsrecht erstreckte »ich über 
die geenramte DiScese, Exemptionen kannte 
das alte Recht nicht; vgl. Conc. Chulced. 

c. 7, 8; Cod. lustin. I. tit. .3 de Episc. 1. 
40 : Conc. Agath. a. 506, c. 38 u. «. f. Man 
betrachtet das Privileg des P. Zncharias für 
Monte Casino ut nullius nisi 8ubiaoeat nisi 
soliuH Homani puutiticis {Mubül. Act. ord. 
8. Bened. m 643) als erstes Beispiel einer 
solchen. 

b) Die Visitation derDiocese wird 
als Recht und Pflieht allgemein anericannt : 

Äthan. Apol. II. § 74: Cfin/s. lloni I in 
Tit.; August. Ep. 11 (Opp. II 144»; Grey. 
Türmt. Hist. V 5 etc. EtnsehSrftingen, dam 
der B. wenigsten^ cininnl im Jahre die Diö- 
cese besuchen und hrmeu »olle, gehören 
meist erst "dem MA. an; die ersten dürften 
Cone. Tarragoti. a. 516, Jirarar. ii. c. 1 
sein. Die Visitation gesrhali entw eder durch 
den Ii. selbst oder durch den Chor-U. 
(s. d. A.^ und den Visitator (s. d. A.l. 

c) In der (Je setz gebung und Lei- 
tung der Diöcese war der ü. mit nich- 
ten Autokrat, sondern durchaus an den 
Itath und die Zustimmung der Priestorschaft 
und selbst der Diöcese gebunden, ^^ihil/ 
sagt Cifprian, ,sine consilio vestro (der Pres- 
byter) et sine coiisriiHii pk'liiH nicn privata 
sentcntia g<'rere.' Dalier sprechen Origeues 
von der ßou/.f^ £xx>.r,jt7;. Sipnsius und Chry' 
sontontux von einem luvioptov, llierongmus 
von dem Senate des H.s. An diesen Hei- 
rath war der B. bis tief ins >L\. Iiei allen 
wichtigeren Angelegenheiten gebunden, wie 
andererseits die fraternitas in ■^olrlicn ohne 
den B. (aveu -^vcujAr,; toü eiitjxoroj, Conc. 
Laodic. c. 57) nichts thun durfte. 

d) Verwalttmg des Kirchen gutes 
(s. d. A. und Arrhidiakon, Diakon, Wohl- 
thätigkeitsanstalten). 

e) Ausstellung von Litterae (s. 

d. A.). 

{) Die richterliche Thatigkeit 
des B.s erstreckte sich bis Anfang des 
5. Jahrli. durch den freien Willen der (Häu- 
bigen auch auf die weltlichen Angelegen- 
heiten (nach I Kor. 6, 4), für welche der 
B. Montags zu sitsen pflegte. FOr seine 



geistliche Jurisdiction s. d. Art. Kirehen- 
strafen u. s. f. 

g) Um seinem Amte zu genügen, wird 
der B. an die Residenzpflieht gebun- 
den (s. d. A.). 

VII. Ueber das Verhältnis» des B.8 zu 
dem Metropolitan, Primas, Papst, den Sy- 
niiden s. die Art. 

VIII. Zahl der Bischöfe. B.sitzc 
sollten bloss in ansehnlicheren Städten, 
nicht in l>("rfern (h xtujiT] xtvi Tj £v IHpayti'z 
zoXet, Conc. Saidic. a. 345, c. ü; vgl. Conc. 
lAiodie. a. 366, e. 57) oder in Castellen 
(Leo M. E|). S7, 2) errichtet werden. An 
den Donatisten wird es gerü^ dass sie in 
villis et in fbndis, non in alionibus civita- 
tibus Bischöfe einsetz en (Collaf. Carth. c. 
181); doch kam das auch sonst, namentlich 
in entfernteren Gegenden des Orients, vor 
(Soz. VII 19); vgl. andere Fälle bei Btng- 
ham II (XII) 2, H. Natürlich war die Aus- 
dehnung der Diöeescn sehr verschiinlen. In 
Italien und Xordafrica, wie in den hevöl- 
l<erten Gegenden Grierlienlands und Vordor- 
asiens hatte fast jede Stadt ihren B.; in 
den wüsteren LSndem, wie Scythien, etend 
Ein B. über ganzen T.andstrei'ken, wie der 
von Tomi {Soz, VH 19; scoAÄal icoXcic ov- 
-CEC SitäBst fv« K^^tsc iitCntoicov F^wn, vgl. 
VI 21), ein Verhältniss, das im M.\. im 
Norden Europa*» stehend wird. Die Er- 
richtung neuer Bisthümer in den alten, d. h. 
also die Theilung eines Bisthums, hing vmi 
dem Willen des B.s und der Zustimmung 
des Lriinas ab (Conc. Carth. II. a. H97, c. 
5; III. a. .T.)7. c. 42; Aug. Ep. 2G1); der 
Consens des l'apstes wurde erst seit Gre- 
gor V eingenommen und auch da nur in 

I den Missionsgebieten ; ebenso kommt erst 
um dieselbe Zeit im Abendlande die Zu- 
stimmung des Königs als uothwendig sul*, 

I während im Ostreich der Kaiser die Er- 
richtung neuer r>i>fliiimer vollständig an 

isich riss. Oft war der l rsprung eines Bis- 
thums zweifelhaft; dreissigjähriger Besitz 
entschied dann für den Heclitsltestand (r«»ir. 
Chalcf d. a. 451, c. 11 ; Tötet, a. c. 34; 
Eimrit. a. 666, c. 8). Eine Statistik der 

j altchristlichen Boitze fehlt noch und wäre 
eine dankbare, wenn auch schwierige Arbeit. 

1 Die bestimmte oder auch nur annälienuh' 
Berechnung der Zahl derselben ist demnach 
sehr schwierig: ^f/Äio;» glaubte für tlie Zeit 
Comtantins 18U0Diöcesen, 1000 im Morguu-, 
900 im Abendlande annehmen zu dflnen. 
Chaumnrd T.es eglises du nionde romain pen- 
dant les trois premicrs siecles, Par. I87Ü. 

IX. Weltliche Rechte. 1) Recht 
der Intercession bei Criminalverbre- 
chen, vom Conc. Sardic. c. 7 betont, von 
Ambrosius, AutjusdniKs- (Ep. 158, 159), Hie- 
roHijnms (ad N'epotian. Kp. 34), SocrutM 
(V 14, Vll 17) ebenüaUs bezeugt, von Jm^ 



Digitized by Google 



BiMhot 



167 



giuHmu a. a. O. anch anigollbt. Bekannt 

ist anch die Intercewion de« hl. Miirtin von 
Tours für die t^efangenen PriHfilliaiiiHtt'n. Die 
Bischöfe hatten, um dies Recht auszuülipn. 
nach Cod. Theodos. App. c. 13 freien Zutritt 
m den Kerkern. Ein^eHehränkt wunle <la.s- 
selbe durch The<»dericli Edict. c, 14, im Ost- 
reich durch Cod. Theodos. IX. tit. XL. oc. 
16, 17. lusthiian. I. tit. IV de Ep. aud. 

2) Schutz der Waisen, \S ittwea, 
fiberhaapt der HQlfsbedfirfti^en: 
Auihros. de Offic. II 29: Auf/u^t. Ep. •_\')2 
(al. 217); ISerm. 176, 2; i/ter&n. ad Uerout. ; 
OmciL Snrdie, c. 7; Aurel. II. a. 549, c. 2 
imd oft. Ein in jfronsartipem Maswtabc von 
den lUscliöfen der alten Kirche und beson- 
ders von Gregor d. Gr. geübtes Recht. Da- 
mit h'mff auch dasjenige der Sklaven- 
freilassung {Couc. Ayath. a. äOC. c. 7) 
und des Schutzes der Freigelassenen zu- 
sammen (eb. e. 29 u. a.). yf^X. Thoma$$in. 
IL III 87. 

8) l!ane Art von Aufsichtsrecht selbst 
Aber die Staatsbeamten glaubt Haddan Dio- 
tionary 2H7 aus Conr. Anhti. a. :?()}, c 7 
herauszulesen: ,de praesidibus qui hdeles 
ad praesidatum. praemliunt , placuit ut cum 
promoti fuerint , littera.s accipiant ecclesia- 
sticas communicatoria»! , ita tnmen. ut in 
quibuBCumque locis gesserint, ab epi.scopo 
eittsdem loci cura de illis agatur: ut cum 
ooeperint eontra disciplinaTn jmblicam !i<;ere. 
tum demum a conimunione i'xrliulantur; .si- 
militer et de Iiis qui rem publica ni agere 
volunt.' Auch Haronius ad a. 314. n. 57 
meinte, die Synode habe mit ihrem c. 7 
Sehitmatiker und Häretiker von dffentHchen 
Aemtem Mnsf^esclilnsscn. So lagen n!ier im 
J. 314 die Din^e noch nicht, dass ein Cou- 
cil lieh Perartiges beifallen lassen konnte. 
Hefele CG. I 2(ts f. bat die richtige Deu- 
tung des Kanons gegeben. Daa Concil zu 
Bmra a. B06. c. 56 hatte durch den Be- 
schluss: .niagistratus uno anno quo agit 
duumviratum prohibendum placet ut se ab 
eoclesia cohibeat' (He/cJe a. a. (). ISl ) den 
Duumvirn in weiser Absiclit aufgegeben, 
»ich während tl<'s Jahre« ihrer Amt.>iführung 
der Conimunion und der Tlieiiiiahnie an der 
Liturgie zu enthalten, da diese Heanitm in 
den nächsten Contact mit Iieidiiischmi <'ult 
kamen. Diese l'ra.xis wird in dem ('an. 7 
des Arelatense gemildert: die Gefahr poly- 
theistischer Kerteckung ist seit Constantins 
äieg geringer, die Beamten sollen also zur 
Coromunion suzulassen sein und nur davon 
ausgeschlossen werden, falls sie (durch po- 
sitiv polytheistische Acte) sich gegen die 
kirchliche Dtsciplin verfehlen. Wetter be< 
ruft sich Haddan a. a. O. auf Cyrill von 
Alexandrien und dessen Verhältnis» zu dem 
Praefectus augustalis, Orestes, als auf einen 
*~ ' f&r dM Auftichtsreeht der Bischöfe 



Aber hohe Stsatsbeamte. Allein in Alexan- 
drien lagen die Dinge ganz anders. Der 
Episkopat war dort mit Theophilus, dem 
sein Netfc Cyrill folgte, in die Hände einer 
der reichsten und mächtigsten Adelsfamilien 
gekommen, und der iiarürliche Einfluss des 

H. B dadurch und durch die Herrschsucht 
Theophils wie seines Nachfolgers in einer 
Weise gesteigert worden, dass selbst ein 
Praefectus augustalis hinter iluu zurück- 
stehen musste. Ein gani Shnliehes Terhilt- 

Tiiss zeigte sich in dem Kampfe des Syiicsius 
mit dem i'räfecten Andronicus (vgl. Kraus 
Stud. <lber Synes. v. Kyrene: theol. Quar- 
talschr. 1865" u. isr.r,). Wenn Greg. Noz. 
Or. 17 den ^uvaatai und ap/ov^c erklärt: 
6 toö XpwtoS öwctffirjatv 6p,ac rri ^fi 

iSuvarcEiO! xal Ttp £|xi5 ßr^fiaTi, so lässt sich 
das auch auf die kirchliche Stellung der 
Beamten, die als Gläubige unter clem ß. 
stehen, beziehen. Das christliehe Alter- 
thum ist von der .Vnniassung freizusprechen, 
welche dem H. und selbst demjenigen von 
Rom irgend ein directes Ke^t der Beauf- 
sichtigung oder der Olicrlcitiiiig gegenüber 
den Staatsbeamten oder Fürsten zuspricht. 
Werden Cone. ToleL III. a. 589, c. 18 die 
Mis( h()fc prospectores (pialiter iudices cum 
populo agant genannt (vgl. TolH. lY. a. G33, 
c. 32), so stand ihnen dieses Inspectionsrecht 
in Folge ihrer anei^aanten Stellung als 
Protectoren aller Armen und Hiilfsbedürf- 
tigen zu. Vgl. noch Cod. Imiin. 1. IV 2<{. 
Nov. VIII 9, LXXX 1, 4, CXXVIII 23. 

4) Immun itä' fs. d. A.). Mit <lersel- 
ben hing audi das Vorrecht zusammen^ 
welches die Bischöfe von der Pflicht der 
Zi'UgtMischnft eximirte: Conv. Chulnd. act. 
11 ; Cod. Justin. I. tit. III de Ep. et Cleric. 

I. 7. Nov. CXXIII 7; Nomocan. tit. IX. 
c. 27: Cod. Tlur,dos. Ii!,. XI. tit. XXXIX 
du iide testim. 1. ti. Vgl. Bing/tam Yll 
(II) 1. Schon em freilich verdächtiges theo» 
dosisches Oesetz (Cod. Theodos. XVT. tit. 
XII de Episc. andient. I. 1) stellt das ein- 
fache Zeugniss des B.s über d<Mi Eid An- 
derer, was im MA. noch viel mehr galt. 
ElK'nso galt gegen ihn weder dn.s Zeugniss 
eines Häretikers, noch das r-ines (>intachen 
Christen (Can. Apost. 74), falls nicht be- 
s«»nderes Ansehen der Pers<m für lef/ti'rn 
sprach (Couc. Clmlced. c. 21). Die aposto- 
lischen Canones fe. 47) sprechen Aber den 
rrheber einer fals<dien .Viiklage gegen einen 
B. die Excummunieation aus, was das Con- 
cil zu Elvira 306 c. 75 auch auf Priester 
und Diakonen ausdehnt. 

X. Beschränkungen waren dem B. 
allezeit auferlegt, einmal in Bezug auf die 
geschlechtlichen Verhftltnuso durch die un- 
bedingte VerpHi«ditung zum Cölibat (s. d. 
A.>, dann in Bezug aui seinen Besitz. 
Er konnte nur ttber das testamentariseh 



Digltized by Google 



168 



BiscbofiMtulil — fileiUfeln. 



verfügen, wa« er vor «einer Ordination zum ' 
B. hesaaa oder durch Erhsclrnft fi-wnrh: 
Über daa Land, wulclie^ er ah B. erworliiMi, 
konote er nicht frei testiren (Cone. Carth. \ 
a. :^!>7. c. 49; vgl. Crxi. [usfln. I do Episc. 
et C'ler. I. 'd'i). Waren de» B.s Verwandte 
Heiden oder HSratiker, so durfte er ihnen 
iilM'rliiUi|it nichts vererhen (Cod. ecri. Äfric. 
4b). Verschiedene gallische und spanische i 
Chmdlien wnliren das Recht der Kirche an ! 
dum Eigenthum des B.h: Agnth. a. 506, c. 6: 
Epaon. a. 517, o. 17; Paris. III. a. 557,1 
e. 2; Luiji/. II. a. 5ü7, c. 2; Tarraron. a. ' 
51(5, c. 12: Valentin, a. 024, c. 2 f. Starb 
der H. kIhm' Testament, so fiel seine Minter- 
lasHensehalt an die Kirehe {Cod. Imstht. a. 
a. O.). lieber das Verbot der Jagd u. dgl. 
8. Klerus. Wenn Cimr. Carth. a. 398, e. 
16 dem B. geboten wird, zu lesen genti- 
lium libros, haeretieomm antem pro neoes- 
Hitate et t( nij)orr. >() ist dies ein vermnzelt 
dastehender Kanon. 

XI. Ehrenbezeugungen, die dem 
B. galten, waren: 1) der<iniss durch Nei- 
gung des Hauj)tei^ (x)iv£tv xs'^o/.r^v;, vgl. die 
Stellen aus Theodoret., Chtysont,, Ambro»., 
Hilui. I)ei Bhighnm II (IX) 1 : 2) der 
II a n d k u s s , Sidou. Apoll. Ep. Vlfl 11; 
Biuyham a. a. O. ; 3) der F u s s k u s s , wie 
er dem oströmischen Kaiser jrebflhrte; nach i 
dem Ordo Hnm. soll der Diakon, ehe er! 
das Evangelium singt, dem B. den Fusüj 
ktlMon. Ein Beispiel aus dem 475. Jahrb. 
vom R. von Constiintina auf Cypern hat I 
Hieron. Ep. (i 1 ; vgl. Camitho». Exerc. XXIV, 
§ 4. Qnf;oT VI? nahm dieee« Oscnlnm po- 
dum für den Papst allein in .\nspruch, 

XII. Insignien des B.s: 1> der King 
(s. d. .\.): 2) der Hirten stab (s. Stab): 
8) die Mitra oder Inful: 4) die Uand- 
8 f h u h e : ö ) die S a n d a 1 e n : C a I i- 
gae: 1} ev, da« l'allium (». d. A, , bez. 
Kleider, Uturgiache); 8) das Brustkreuz 
(s. Encolpia). KRAUS. 

BISCH0F88TUUL, s. Cathedra. 
BIS0MU8, 8. Sarkophag und Looua. 

BIQTIKOJ, saci iiliires , He/.eichnung der 
Laien als Weltlicher, im Gegensatz zu den 
Klerikern sowol als den Einsiedlern nnd 
Mönchen ; so bei Puciido-lnsdn. Mart. Res|), 
ad Quaest. 19: t<;T ßitoTty.ü> dcvliptuniü u. s. f., 
ChryaoHt. Horn. Iii in Lazar. (ed. Franeof. 
y 36); Horn. XXIII in Rom. (ib. 316). 

BLASPHEBUE. Das christliche Alterthum 
untersrliicd eine vierfache B. : 1) bei Sol- 
chen, welche in der Verfolgung vom (iluu- 
ben abfielen; sehon Plin, Epist. X 87 er- 
wähnt, dass die A])n-<t:iti'!i ('hristn malc- 
dixerunt. Dass ihnen die» stehend bcfolilen 
wurde, erhellt aus Euaeb. H. e. IT, c. 15 
(wo Polykarp gemgt wird: XoiSipipov tAv 



XpiTfJv), aus Dioui/s. Ale.r. bei Euseb. a. a. 
(). VI, c. 41, wie auch Barchoba die Christen 
martern liess, welche Christo nicht Huch- 
len, Itutm. Mart. Apol. II 72. Dieee B. ward 
natürlich dein .Mdall vollkommen gleichge- 
setzt und gleich diesem bestraft. 2) Die B. 
der Häretiker. Oft wbd Hftresie einfeeh B. 

genannt: Ironien.-^ Praef. in Hb. IV betr. der 
Gnostiker; Vhrys. Horn. II de fato et prov. 
I 811 (ed. Franeof. 717): tCvtc tbiv oi t4v 
fteov xax«Üc >.e7ovTs». Vgl. Cod. Uteodos. Hb. 
XVI. tit. V de haeret. leg. <>. Der Aria- 
nismus namentlich war die B. xar £;oyT,v. 
lIHarii Fragm. p. 144. 3) Auch das Flu- 
chen der int Febrilen orthodoxen (remeinde- 
mitglieder ward mit Ccnsuren belegt. So 
bestimmen die B.n des Andronicus den Bi- 
schof Synesius, die Excommunication über 
jenen auszusprechen, und der Cod. Itistin. 
Novell. LXXVII zählt die B. den Verbre- 
chen bei . weh'hen auch bürgerliche Stra- 
fen folgten. Die Bestrafung der Häretiker 
durch das weltliehe Recht hlnf^ wie «ehoo 
lUugham VII 335 bemerkt, offenbar mit 
der Gleichstellung der Häresie und B. zu- 
sammen. 4) Auch die Sünde wider den hl. 
(jeist, die endgültige Unbussfertigkeit, wird 
als W. bezeii'lmet. Wie die Väter darüber 
dachten und in welchem Sinne sie dieselbe 
als keiner Veqfoihung theilhafitig betrach- 
teten, geht ans zahlreichen , voti Hiiii/hfim 
VII 330—353 gesammelten .\eusserungcu 
derselben herror. kravs. 

BL£li!»iLRti£ kommen schon im chriHt- 
lichen Alterthum vor. VSn merkwflrdiges 

Heispiel eines solchen hat de ffos.v/ HulI. 1.S73. 
tav. 4, p. 77 f. bekannt gemacht. Der Sarg 
stammt nebst einem zweiten Exemplar aus 
Blei von Saida in Phönicien, von wo ihn 
der Baron Lyklama nach Cannes brachte; 
er zeigt zehnmal das Monogramm Christi 
mit tlem Wort IXHlf'C, de Rotsi ist geneigt, 
ihn noch ins 3. Jahrb. zu setzen. Andere 
altchristlichc B. verzeichnet ders«'lbe R. S. 
I 95 vom Ooemeterium in Arles, weiter 
aus Modena (Bull. IHC,«;, 7<i) . Terni (Bull. 
IbTl, 87); einer aus Asien betindet sich 
im British Museum. Zweifelhaft ist der alt- 
christliche Charakter zwcit-r liicikisten aus 
einem gallo-römischen Cocmeteriura bei An- 
gers (Mus. V. Angers). Auch heidnische 
(Jräber haben deren geliefert: Pmnii't Storia 
deir antica Torino I8H; CacAt/ Catalogue du 
musee de Rouen 22, 99, 100. kraus. 

BLEITAFELX wurden, angeblich nach 
allerdings mehr oder weniger apokryphen 
Zeugnissen, mir Aufzeichnung derMartyrer- 
ai tcn beiiützt und öfters den (iräbern beiLT«'- 
g«>ben (s. d. A). Boldetti glaubt, dass auch 
Epitaphien auf Blei gesehrieben wurden, wein 
aber Rein Betspiel aus den Katakomben boi- 



Digltized by Google 



169 



KubringOD. Um »o häufig^or geschah dies im 
MA., wo auch das Credo, welche» man der 
Leiche häufig auf die Brust lefjte, gewöhn- 
lioh auf Bloiphitten i-iii^ceHrhriehen wurde. 
Du« so leicht /u behandelnde Material ^al» 
dann aber aueli /u vielen Fälnchungen Veran- 
lassung, 80 dass geradezu die Mehrzahl der 
mittelalterlichen InschriftenfjUsrliungen Blei- 
plattcn betreffen. Ich erinnere nur an die- 
jenigea ron Trier und jene andore, mit der 
der Köni^ Ft>rranie Ton Neapel getäuttclit 
werden sollte. xbaus. 

BUNDEN, Heilung der. Das N. Test, 
beriehtet von mehreren B.heUiiiigen. In 
der NShe Ton Jericbo heilte Jesus den 

Minden Rartimäu» durch ein Wort fMarc 
10, 46—52; Luc, 18, :i5— 42j; muh der 
Erweckung der Tochter des Jairus heilte 
er zw»'i Blinde, die ihm folgten, durch He- 
rriliriing ihrer Augen (Matth. 9, 27 — Hl); 
den Blindgebornt-n machte er dadurch se- 
hend, du.**« er (b'sscn Augen mit einem Teige 
aus SiK'i' bi'l und Erde bestrich f.loh. i>. 1- -H). 
Diese venschiedenen B.heilungeu lindet man 
auf altchristlichen Monumenten, besonders 
auf Sarkophagen, dargestellt, hau])rsächlich 
Jedoch die Heilung des tilindgeburnen. 

Anf dem Basrelief eines flarkophages bei 
Bottari I, tav. 4!» ist der Blindgeborne nur 
mit Tunica und iSandaien bekleidet, einen 
langen Stab in der Hand, gami klein darge* 
stellt, um seine Inferiorität Christo gegenüber 
auszudrücken. Mit besonderer künstlerischer 
Eleganz nt die Heilung des Blindgebomen 
ausgeführt auf einem antiken (befasse {Ma- 
machi Ant. Christ. V 'rlO). Weitere Dar- 
stellungen dieses Wunders sielit man auf 
einer £lfenb«nbllehBe («PAgmcourt Sculpt. 

pl. 22 *), auf 
€Mneni Fres- 
kengemälde 
im Coemcte- 
rium Callisti 
(wo Jesus 
dorn knieen- 
den und tle- 
hentlieh die 
Hände em- 

Sirhcbendeu 
lindgebor^ 
nen mit dem 
Zeigefinger 
das Auge be- 
rührt . iiot- 
tari I , tav. 
68 ') und auf 
einem in der Paulskirche zu Rom gefunde- 
nen Sarkophage {Krau» R. S. 314, 2. k, 
355). 

Die Heilung des blinden I3artimftu8 ist 

aus;r«'baiieTi auf einem Sarkophage aus dem 
Coemetermm der hl. Agnes {BoUm-i I, tav. 




Klg. 7f>. Hailans iweler Blloden. 




rig. 74. Kretco roil dem ßlitul- 



136') und auf einem solchen im Museum 
zu Lyon (Martigny Dict. <i4, 2. ed. 74). Die 
Scnlptur weielit insofern etwas vom uvange- 
lisehen Berichte ab, als der Vater den Elm* 
den dem Messias entgegenbringt. 

Die Erleuchtung der zwei Blinden ist 
ausgemeisselt auf einem der Taticanfaehen 
Sarkopltnire i fioftari taT, 39). Jesus, be- 
gleitet von zwei 
Aposteln , legt 
dem (>inen Blin- 
den die rechte 
Hand aufs Haupt, 
wähn-ntl die linke 
eine BuchroUe 
hält ; von den 
Blinden, die wie- 
derum ganz klein 
dargestellt sind, 
führt der vor- 
dere, mit einem 

8tal)e in der 
Hand, den an ihn 

sich anklam- 
mernden zweiten 
(Fig. 75). 

Die Abbildun- 
gen der B.hei- 
lungen sind keine 

rein historis<'hen. sondern historisch-symbo- 
ilische Bilder. Durch dieselben sollte naeh 
tdem Aussprache des hl. Isidor von Se- 
villa (Allegor. ex Novo Test.) ausgedrückt 
I werden, dass der in. Geistesfinstemiss ver- 
sunkenen und in Todessehatten sitzenden 
I Men.sehheit fis. 9, 2) durch Christus Er- 
leuchtung gebracht wurde. Die Veranlas- 
sung zu dieser symbolischen Auffassung 
wird man leicht in dem 1. Briefe des hl. 
Petrus 2, 9 finden, wo es heisst: ,ihr seid 
das erworbene Eigenthum dessen, der euch 
aus der l'iiisreniiss berufen hat zu seinem 
wundervollen Lichte.' Zur grös.scrn Ver- 
deutlichung, dass allein das Evangelium 
I Christi der Menschheit Erleuchtung bringt, 
hält Christus auf manchen Darstellungen 
eine }5chriftrolle (Symbol der hl. Schrift, 
des Evangeliums) in seiner Linken. 

Schli<'ssli(li sei Tinch erwähnt, dasK dio 
H.heilungen nach dem hl. Augmlinus (Tract. 
44 in loh.), dem hl. frmaewt (Haeres. Y 
L">) und Salulius (Opus pasehale III) auch 
Vorbilder sind der Auterstehung und der 
daranf folgenden Anschauung Gottes, wo- 
durch uns übernatürliche Erleuchtung zu 
Theil wird, nach den Worten des Apostels: 
.jetzt sehen wir wie durch einen Spiegel 
räthselhaft, alsdann aber Ton Angeaiclit zu 
Angesieht.* mOkx. 

BLUMEN. Dass der Emst der alten christ- 
lichen Lebensanschauung die Freude an dem 
i Duft und der Farbenpracht der B. nicht 



170 



Blumen. 



verbot, (las sjirioht sich in den Worten des 
Miniicius Felix aus: ,qui8 ille, qui dubitat, 
n08 vefnis indulgore floribus, cum eapiamus 
et rosam veri» et lilium et quidquid aliud 
in floribus blundi colttris et odoris pst. Iiis 
enim et sparsis utimur, muUibus a<* sulutis. 
et teFtit colls «mpleotimur. — Sane^ quod 
••npiit noii coronniTUis, ij^nosoite : auram boni 
tioris naribu.s du«-ere, non occipitio capilliHve 
BolemuB haurire/ Ist an dieser Stelle im 
ersten Tlicili- «He Freude an den Hlunicn 
und ihre Verwendung als erlaubt unzwei- 
felhaft hingestellt, so deutet doch der zweite 
Thoil an, dass man ebenso cntHcliieden es 
ablelintc, sich im Geiste des heidnischen 
Aberglauben« und der heidnischen reppi^r. 
keit ihrer zu bodicnoii. Dass die Kirche 
von Ant'an«; an «lenisclben (»rundsarzp hul- 
digte, das lehren uns die Üecoratioiü^inale- 
reieu der ältesten Katakomben; die Wände 
und Decken <ler Orabkamniern . wie die 
Arcosolicn sind mit Genien, welche B. in 
Ffillhömem tragen, mit Kränzen und B.- 
gewinden jjescliniückt : B. sind auf die 
Grabsteine eiugemeisselt, die Seelen werden 
als Tauben dargestellt, welche B.zweige 
oder Kränze im Sclninlu l tra^ren u. s. w. 
Wie die Kirchen zumal an Festtagen mit 
ihnen bestreut und geziert wurden, lehrt 
uns der hl. Hieronymus Ep. 00 ad Heliodor. 
340, indem er den Priester NejjotianuH lobt, 
qui basilicas ecclesiae et martyruni concilia- 
bnla diversM floribus et arborum comis vi- 
tiunK|ue pampinis adumbravit. l'nd PauUn 
F. }\uta Fei. Natal. VI, indem er am Feste 
seines Heiligen die Gläubigen einladet: 
spargite flore snluni, praetexite liroina ser- 
tis. iSelbst im Winter durften bei solcher 
Gelegenheit die natfirlichen B. nicht fehlen ; 
in seiiu iii Ilyinmis auf die hl. Eulalia fordert 
Frmlentiii" i'eristeph. III 201 die Christen 
auf: carpite purpureas yiolas l| sangumeos- 
que crocos metite: ' non caret Iiis f,'enialis 
niems . . . Ista comantibus e fuliis ,[ niuuera 
virgo puerque date. Der hl. Gretfur v. Tours 
(de gloria Conf. 51) erwähnt der Frömmig- 
keit eines Mannes, der solitns erat, Üores 
lilinrum tempore quo nascuntur collirjere ac 
[■1 i'arietes ae<hs appendere. (ranz l»eson- 
ders aber wurden die (Jräber der Märtyrer 
mit B. geschmückt, [l'utti mit Ii.- oder 
Fmditk^ben sieht man in S. Agnese ( Hottari 
tav. 139, vgl. die Abbildun}; Fij;. "♦)>. K.] 
Der Iii. Auymtinm rühmt es au einer ar- 
men bKnden Frau , das« sie auf das Grab 
des bl. Stephaniis II. brinji^e. weil sie nichts 
Anderes zu opfern Imtte^ und (Jrregor v. 
Tour» (Mirac I 71) erwfthnt des folium 
herbae salviae, quod pro honore martyrum 
in crypta conspersum erat. Daher betrach- 
ten auch die Väter den bunten Sehmuck 
der Mosaikböden in den Basiliken als Nach- 
bildung gestreuter B.: sazaque caesa solum 




Vlfl^ TS. PMmo mm S. 

variant |i floribus ut resoluta putes ij prata 
rultescere multimodls {Pntdmluis Peristeph. 

III !'»S — L>(KM. 

Allein bei dem Aeussern blieben die alten 
Christen nicht stehen. Die Sprache der Zei- 
<"hen, Sinnbilder um<1 Allcironen war jn so- 
zusagen ihre geistige Muttersprache; wie 
' bitten da nteht die B. Aufhanme in den 
Wortsrluitz dieser Sprache finden sollen, 
um dann nur so durch die Kirche mit über» 
natflrllchem Duft fibcrgossen, in UbematOr- 
Hcher Schönheit verklärt zu werden ? Da- 
her erscheint denn die Pflanzenwelt in ihrem 
Absterben und verjüngten Wiedererwachen 
i in den vier Jahreszeiten aunächst als Sinn- 
bild unserer Auferstebunir , und in diesem 
t Sinne sehen wir im t oenatcrium des Prae- 
textatus über dem Gralw der Märtyrer Fe- 
li<'i-<siiniis und Afiapitus in vier Abtbeilun- 
i^en über einander Itoseugewinde , Aehrcn- 
|bfische1, Weinranken und Lorbeerblitter. 
An diese Auffassunir scbloss sich die woi- 
I teru an, welche sich die Seligkeit des lüm- 
|mels unter dem Bilde einer blumenreiehen 
Au dachte, auf welcher die Heiligen wan- 
deln. So schaute schon Perpetua in ihrer 
I Vision den Himmel als ein spatium horti 
I immenmim , und ihr Begleiter Saturus ab 

ein viridnrium . arbores hahens rosae et 
I omne genus floris . . . odore inenarrabiU 
alebamur. qui nos satiabat (Huinart Acta 
sineera I 1*14). l'ildlicb fiiid<>t sieb diese 
Durstelluiij^ ausgesprorbeii auf einen» Wand- 
jgemälde in 8. Oallisto, wo Nemesius mit 
seinen vier Oefährten als Oranten, d. h. als 
j selig Verklärte, in einem B.garten stehen, 
Vm dessen Bftunien die V^l umherfli^en 
{Cturriirri Storia tav. 15). F.bon dieselbe 
I Idee liegt den so häutigen Darstellungen 
I zu Grande, w«loiie uns den guten Hirten 
mit seinen um ihn lagernden Schiflela auf 
den .\ucn des himmlischen Paradieses zwi- 
! sehen blühenden Bäumen darstellt. In glei« 
I «'her Anschauun;^ bewe^'t sjcli der Gedanke 
leiner altchristlichen Grabinschrift: inde per 



Digitized by Google 



Blutampiillen — Brudaam. 



171 



ezimiM piaradüii regnat odore«, temjpore 
oontimio vcrnant ubi p^ramina rivis (ile fhmi 
Inscr. I 141, n. 317). Und in demselben 
Sinne w^ .Mimiehi» Fdix: non adneetimus 
aresoontem poronam, sed a Dco netornis 
floribus vividam siutinemus (Ootav. 349). 
Bonifas I tehmflekt die Krehe der hl. Fe- 
licitjjx mir ciiHT riischrift, in wolclicr er 
die Heilige uiit ikrcu Kindern im iiimmel 
eehildert: insonte« pueroe sequitur peramoe- 
na vireta; t<»mpora vicfricis florea serta li- 

Siiit (de Bossi Bull. 18Ü3, 43). Dieselbe 
eilige encheint nut ihren Kindern auf 
einem alten Gemälde, stehend in einem B.- 
garten ; und in gleicher Weise sind ja aucli 
auf den Mosaiken der Basiliken die Heili- 
gen wandelnd auf l im iti mit ^. fip|rig be- 
wachsenen (Jrun<le dargestellt. 

Im Nähern aber hatte die alte Kirche 
auch sehon ihre be8ond<>re Pflanzensymbolik. 
Der Lorbeer, der im Wititertodo der gan- 
zen Natur Hein firün bewahrt, war Sinnbild 
der einstigen Auferstehung; die Palme, der 
Oelzweig. «lie Traiibf als Symbole des Sie- 
ges, des ewigen FrieUeiu und des liimm- 
uatÄen Oenunee begegnen mn auf unx&h- 
Ilgen Monumenten. Schon bei Cyprian er- 
scheint die Lilie als. Sinnbild eines reinen 
Tugendwandeh und die Rone ah Zeichen 
»le.s Martyrtliuins ; in jenen Tiiir* n, wo De- 
cius gegen die Kirche wuthete, ruft er au«: 
o beatlun Eccletiam noilram, (|uam tempo- 
rilni.s nostris gloriosus martyrum sanguis 
illustrat ! Erat ante in operibus fratrum 
Candida; nunc facta est in martyrum cruore 
pnrpurea: floribus eins ih>c lilia neo rotuie 
deennt (Kpi»<t. VIII in hnel. Ueberhaupt 
galt die KuHe allgemein al.s Bild des Mar- 
tyrtbums, und so erscheint »ie wiederholt 
«if Qrabeteinen eingeritet (de Rom Bull. 




l 



fsmmmmMmm 




Flff. 77. OMb*t«iB de« tobiBiam« mm 8. AlMfMdro io 
Tto »« 



1888, 14). Sie ist aber auch das Sinnbild 
Christi, eine Aiif'f'asHung. die Kich in der 
Weihe der goldenen Hose durch den Papst 
am Sonntag Laetare erhalten hat (vgl. 
Rorra Trattato della rosa d'oro : Ilcrhst Die 
goldene Kose, München 1838, u. A.). Im 
Ooemeterium der Domitilla zeigt der Ein- 
gang in der Oewölbfniulfrei ciiitii Wcin- 
stock , der mit seinen Reben und liunken 



die gnnae Decke Aberzieht. Eh m das eine 
Hinweisung auf den lebendigen Weinstock 
ChristuH, an welchem die Gläubigen die 
Heben 8ind, wie auf dem Mowik in der 
Kirche von S. demente licisst: ecclesiam 
Christi viti üiniilabimus isti, quem lex areu- 
tem, led cmx faoit em Tiyentem. Di waal. 

| Aiif zwei rioldgläsern sieht man inmit- 
ten des über Petrus und Paulus schweben- 
den Rranses eine Rose: Buonarruoti Vehrt 
tav. XVI ' ; dmrucci Vetri tav. XIV 2 u. 4, 
ebeuüo aul einem andern: Buonarruoti tsy, 
VI* = Garrucei tav. X*. Buonarruoti 
sieht hier eine Anspielung auf die Gaben 
des hl. (ieistes, welche durch die Koeen 
symbolisirt würden {'0. K.J 

BLUTAMPULLEX, s. Märtyrer, Blut der- 
selben. 

BLüTFLÜSSIttBS WBD, 8. Himai^ 

rbois.sa. 

BLl TSCHANDE, s. Inrest. 

BLUTTAUI'E, s. Feuer- und Hluttaufe. 

BOSKUI, pascentes, heissen bei Sozomen. 
lib. VI, c. 33 und Euoffr. Hb. I, c. 21 
Mönche oder Einsiedler, welchi> in syrischen 
und mesopotamischen Wüsten lebten, Män- 
ner und Frauen, fast unbekleidet, jeder 
Witterung ausgesetzt, und statt aller an- 
dern Nahrung sich mit (iras und Kraut 
begnügend, das sie zur bestimmten Essens- 
aeit mit Sicheln abmähten. 

BOTAEYTIKAl, s. Curiales. 

BQMOAOXIA, ■. Reden, wblechte. 

BRACHIALE, auch dertrale, soviel als 
Arniilla (s. d. .\.). «loch nicht immer in der- 
stdben Bedeutung. Das bei Xenoph. Cyrop. 
VI 4 als Theil der persischen Tracht er- 
wähnte M. ist eine D^-fensivrüstung, die den 
Unterarm bedeckte. Bei TrebdL l*oUio Claud. 
14 kann B. auch ein Armband sein. An- 
dererseits kommt es als weiblicher Arm- 
schmuck vor (s. Ducange i. v.), wie auch 
TertuU. de muliebri habitu die Bra^hialia 
definirt: circuli ex auro <|uibus brachia ar- 
tantur. Das Trugen solcher Brachialien 
seheint vielfach als heidniiche (gothische!) 
Sitte gegolten zu haben; man vgl. da« 
Schreil»en iles Conril. Aquileieme an die KK. 
Valentinian und Theodosius, sowie Vigü. 
Thapsnts. an den von Jhteange a. a. O. 
ausgeliobenen Stellen. kraus. 

BRAMIEU.M, ein seidenes Tuch (vclum), 
welches man um die Uelii|uien tler Märty- 
rer wickelte oder auf ihr Grab legte, und 
was dann vielfach selbst als Reli(juie mit- 
getheilt wurde, C'la.H.sisch ist die Aeusserung 
(in-fforx il. Gr., der Epist. III 30 an die 
K. ( 'onsfantia sclircibf: . . . .Honianis c(m- 
suetudo ni»n est, ijuando sunctorum reUquias 



L lyi i^cd by Google 



172 



Braut — Brod. 



dant, ut quidquaiB tangere praesument de 
corport'. scd tantummodo in pyxide 6ro«- 
deum tnittitur atque ad sacratiHHima cor- 
pore ponitur: quod levatum in eoclena quae 
08t dedicniulH deViita oum vonomtiono n*- 
conditur' u. i*. f. Er erzählt dann weit»T, 
solche Brandea hfttfen, als Leo d. Or. nie 
eincin Zweifler }^e?»'nuher /orschiiittcii, j^c- 
blutet. Die (iläubigeii pflegten Hrandea 
durch die Fenestella (s. d. A.) den GrSbem 
der MartynT zu nähorn und sie ho anzu- 
rühren; vgl, Niceph. Call. H. e. XV H; Baron. 
Ann. 416, n. 23; BotddÜ »6, 189, 661 f. 
Beispiele aus detn MA., wo diesi' Sitte fort- 
bestand, sammt'ltc Ihiramjf i. v. kicai s. 

BRAUT, BRAUTFÜHKER. BRAUT- 

SCHLEIER, s. Klie. 

BPEa>OTPüa>ElA, ». Wohlthätigkeitsan- 
stalten. 

BRIEFE und BBIBPWSCHSEL, s. Lit- 
terae. 

BROI), (• u (■ Ii ;i r i s t i s r h e s. Die Materie 
de« eucharistisclien B.eä ut atu reinem Wei- 
xennehl gebacken. Solohee gebrauchte der 
Herr ])oini letzten Alicndmahlc. und so ist 
es zu allen Zeiten Von»ehrit't x^djüeben. 
Irenaeus sagt, Christus habe seinen Jüngern 
befohlen, die Erstlinge aus si iucr Sehöpmng 
darzubringen; da» seien H. und Wein, und 
er bezeichnet dann dieses H. als Weizen-Ii. 
(▼gl. Frobfft Liturpfie 120; Sacr. 2(X)). Cle- 
mens r. Alexaiifln'tii (Strom. 1. . II) 
setzt dem Oersten-B. als Symbol de» Juden- 
thums den göttlichen Weisen (Vttoc mip^c) 
des Cliristenthums fntLrr-iroii . und in {glei- 
cher Weise redet Urigene» vom Weizen 
als der Speise des Evangeliums, der Yoll- 
koramenen und Oeistitjcn, während auch er 
die Gerste als Sinnbild dos A, Bundes fasst. 

Ueber die Frage, ob die alten Christen 
gesäuertes oder aber ungesäuertes B. zur 
Eucharistie {genommen, ist viel gestritten 
worden. Zunächst galt zwar im ,\Iterthuni 
der Grundsatz , von den vegetabilischen 
Opfergaben sollrn Sauerteig und Honig fort- 
Ideiben, da sie ( Jährung hervorbringen und 
die Heinhctt des Stortcs altoriren (Ifö/litti/er 
Heidrnth. uiiil Judenth. S12». Allt iii dvv 
Teig zu den ynnca propositionis wurde doch 
▼on den Leviten mit Oel und Wein, also 
aurli tiiir einem fJährungsstotte. ;mg<"tiiiii'ht. 
WuM da» N. Test, betrilft, so ist es unzwei- 
felhaft, dass der Herr beim letzten Abend* 
mahle in azymis ccmsecilitr, da um Ostern 
sieben Tage lang vom Volke nur unge- 
aluwrtet B. gegessen wurde zum Andenken 
an die Knechtschaft in Aegypten und an 
die eilige Flucht, welche es ihren Vätern 
nicht gestattet hatte, das B. zu säuern. 
Beruht dagegen die von den Vätern und 
katholischen Exegeten allgemein angenom- 



mene Auffassung auf Wahrheit, daas der 
Herr zu Emmaus und bei seinen späteren 
Erscheinungen, wo vom Brechen des B.es 
die Rede ist, die Eucharistie gefeiert habe, 
dann hat er dort sich gewiss gesäuerter R.c 
iM'diciit, indem ungesäuerte nur in den Ta- 
gen des Pascha gebacken wurden. 

Frohst (Sacr. 203» behauptet nun. die 
ersten Christen hätten sich bei der Feier 
der hl. Geheimnisse des nngesänerten B.es 
bedient, und allenlings spricht die auch von 
Cyprian m laut betonte Aengstlichkeit, mit 
welcher die Christen, zumal bei der heilig- 
sten Feier, sich an dem Vorgang« und Vor- 
bilde Christi (hier Iwim letzten Abendniahle) 
hielten, fär seine Behauptung. Dennoch 
kann ich ihgn nirht heistiramen. Wenn die 
Fibioniten nach detn Herirht(> des Epipho' 
Utas (llaeres. HO, n. Hil alljährlich Myste- 
rien , ähnlich der christlichen Euchanatie, 
6id 7Vj[i.<ov feierton, so lässt sieh daraus auf 
die christliche Sitte kein Schluss ziehen; 
jene alljährliche Feier fiel wol mit dem 
l'aschn der Juden zusaninien , von denen 
die Ebioniten eine Secte w^aren. Dahin- 
gegen kann man auf die Sitten der älteren 
riienipeuten hinweisen, Ton denen Philo 
berichtet, da^s sie ihre Hymnen bei einem 
Tische gesungen hätten, auf welchem dbna 
ille sacratissimus panis fermentatus cutn sale 
apponitur. Weiterhin aber ergieht sich der 
(•ebrauch der gesäuerten B.e bei der Eu- 
charistie auf das r.estimmteste aus der wie- 
derholt vorkommenden Bezeichnung dersel- 
ben als fermentum im Lib. Pont. Ijei Mel- 
chiades, Siricius und innocenz 1 (oblstiones 
consecratae . . ., «pioil declaratur fermentum; 
— ut nullus pre»byter cclebraret uisi cun- 
sccratam susciperet, ^uod nominatur fer- 
mentiiin : presbyten femientuni a nobi« 
contei'tum per acolythos accipiunt;. Auch 
machten weder Photius noeh andere grie- 
chische Schriftsteller vor Michael Caerula- 
; rius (lOöl) den Abendländern den Vorwurf, 
' dass sie ungesäuertes B. gebrauchten. Es 
j muss also in der abeii«l!än<lisehen wie in der 
morgenländischen Kiri lie bis dahin gleich- 
mä>*sig gesäuertes H. verwendet worden sein, 
sonst hätten die (»riechen sicherlich auch 
auf diese Verschiedeidieit tunl Aliwci« hung 
1 ihre Angrifl'e gerichtet, demnach vermuthet 
Bona mit Recht, dass in der oceidentaliselicni 
Kirclic der Gebrauch der azymi erst all- 
I mälig seit dem 1 1. Jahrh. autgekommen sei. 
I Die panes propositionis worden von den 
Priestern des \. Bundes selber an hl. Stätte 
bereitet; in ähnUcher Weise wurden die 
Opferkuchen bei den Heiden unter beson- 
derer Behandlung von einer eigenen Klasse 
von Bäckeni gebacken. In der christlichen 
Kirche war es Sitte bis in da-s MA. hinein, 
dass die (iläubigen dem Priester das B. für 
die Eucharistie darbrachten. Cyprian z. B. 



Digitized by Google 



Brod. 



173 



macht es einer reichen, über geizigen Fnra 
zum Vorwurfe, dass sie in dominicum «ine 
sacrilicio komme und partcm de sacrilieio, 
qood pauper obtulit, empian^c Es darf 
ans dieeer Sitte jedoch nicht der $chhi88 
geiO^II werden, du.ss das von den Gläubi- 
gen in der Kirche fUr die Eucharistie dar- 
gebrachte B. gewöhnliches, alltägliches B. 
gewesen sei, entweder hausbackenes oder 
von einem gewöhnliehen Bäcker auf dem 
Markte gekanftei. V» wird diee swar viel- 
f:ii !i an<»enommen , indem man sirh auf 
Aeusserungen bei Ambrosius (panin meus 
est asitatus) und Grtgor d. Gr. (in vit II, 
C 41) beruft, allein mit Tiireoht. Denn 
wenn schon das natürliche Schicklichkeits- 
g«fRh1 selbst bei den Juden und Heiden 
•las Opf«'r-l?. einer Ix-sondern Bereitunjr un- 
terwarf, so ist das noch viel eher von der 
Ehrftircht su erwarten, welche die Christen 
der hl. Eucharistie zollten. Zudem war das 
gewöhnliche B. Ja vielfach mit Eiern, Ge- 
würzen u. dgl. angemacht. Auf dem Harkte 
gar und bei heidnischen Bäckern das eucha- 
risti-äcbe B. zu kaufen, widerstrebt ganz 
dem Geiste der alten Kirche und war in 
mani beii Perioden der Verfolgung geradezu 
unzulässif;. da unter Piocletian, lulian u. A. 
die KÜinuitlirheii auf den Markt kommenden 
Lebensmittel dun-h Besprengung mit heid- 
niselieni Weihwa-^scr den (Muttern ^rweihr 
wurden. Wir müäj^eu daher annehmen, dass 
das •ueharistisehe B. entweder in den Fa- 
milien ()der aber von oliristlidien Bäckern, 
deren es ja auch unzweifelhaft in den ersten 
Jahrhunderten gegelwn hat, besonders su- 
bereitet worden ist. Später allerdings wird 
es, jedoch als abusus, erwähnt, dass auch 
gewöhnliches B. zum hl. Opfer verwendet 

wurde. Die Synode von Toledo vom J. 093 
{Hefele CO. lÜ 321, 2. A. 3öl> spricht da- 
rüber also: es geschieht, dass Oeistliche zur 
Heese nicht besonders gefertigte B.e verwen- 
den , sondern das« sie von ihrem llaus-ß. 
(de panibus suis usibus praeparatis) ein 
rundes Stück ausschneiden und zum Opfer 
gebrauchen. Das darf nielit mehr j;esebeh»'n. 
Xur ganzes B., nicht abgesehnittene Stücke, 
und zwar mit Sorgfalt bereitetes |panze8 6., 
darf auf den Altar zur Conseeration gelegt 
werden. 

Bei den Heiden wie bei den Juden hat- 
ten die Opfer-B.e eine besonder«' Form, 
durch welche sie sich minder oder mehr 
von dem täglichen B. unterschieden. Im 
alten Rom war es sogar Sitte, dass man 
"icliwer zu beschattende ( )pferthiere aus Teig 
formte uml die Bilder statt der Thiere opferte; 
ein Gleiches pflegten die Anneji /u tliun, 
für welche die 0|)ferbäcker derartige Figu- 
ren hucken (Döllinger a. a. U. 530, 53ö>. Die 
jüdischen Opferkuchen waren runde, platte 
Scheiben, so dass man kemes Hesseis be- 



durfte, sie SU serschneiden; man brach sie : 

die panes propositionis hatten auch runde 
Form, waren aber dicker. In der alten 
Kirche bis ins MA'. finden wir eine dop- 
pelte Form des eucharistischen B.es. Zu- 
nächst bf'diente man sich runder B. platten, 
etwa von der Grösse eines Tellers, älinlich 
den jüdischen Mäzen. Epiphanim (Ancho- 
rat. n. 57) s;igt: wir schon in <ler Hostie 
nichts, was l iner menschlichen (Jestalt . . . 
ähnlich i-^t ; denn das. wa.s wir sehen, hat 
(MTif runde (Jestalt (^TTpo-fpXoE'.oE;). Sophro- 
niua v. Jerusalem, der um (J30 lebte, giebt 
uns fOr die Zeit eine genaue Beschreibung 
in seinem liturgischen Oommentiir (}fir{ Spi- 
cilcg. IV 33). Er sagt, die Partikeln wür- 
den je nach der ZaM der Gommunicirenden 
t,'ebrochen, indem man die einzelnen Stücke 
auf dem Teller, oder der i'atene, ssurecht- 
lege mit den Worten: ,wie das Lamm zur 
Schlachtbank geführt ward*. Für den Opfer- 

Eriester selhor wurde von ihm oder vom 
»iakon aus dem ganzen B. ein Stück mit 
einem Messer ausgeschnitten, was ihn zu 
dem schönen Vergleich mit der Mensch- 
werdung aus Maria führt: out«» xol xo»- 
v&v 9o»|Mt otc EX Ttvo; xot>.i'aC Vfld aifMttaiv 
xal saftx^c Tou Trctpihvixou aiujxaToc. tou 5)>ou 
apTO« Kapd Toü oiaxovou ^ xal toü 

isp^we QMmiivrcot aift^pip Ttvi', Qy Mrfjuyft XI- 
7o-j7tv. Diese platten B.kuchen waren ge- 
wöhnlich mit einer Kreuzkerbc versehen, 
wesshalb die Griechen sie t»rpd[ß^«»|AOi, die 
Börner paiies deciissari nannten. Von dem 
Kreuze auf denselben redet der hl. Chrtf" 
K09tomu9 (Quod Christus sit Dens c. 9), in- 
dem er sa^r , ila-^ Kien/ ersclieine auf dem 
Altare , bei .den Weihuugeu der Priestor 
und ebenso mit dem Leibe des Herrn beim 
geheimnissvollen Mahle fjAeti toü 9(u|jLaT0C 
TOU X(«t9toü iiii -zb |jiujtix6v Seticvov dtaXa|i.Tc«i). 
Das Gleiche lehrt Sophrotiiwi a. a. O., sich 
stützend auf die Vorschrift des hl. Ba.siliu8 

BoffCXfitoc irap<4i»xtv). Die spüt*?ren (Iriechen 
fügten dem Kreuze noch den Namenszug 
Christi hei oder setzten oberhalb eines An- 
dreaskreuzes die Buchstaben IC und 
darüber NIKA (Mone Messen 144). 

Neben dieser Form der B.e hatte man 
auch B.e in Form eines Reifes oder Kran- 
zes, wie sie noch jetzt in Rom Ton den 
Bäckern bereitet werden. Der Papst Ze- 
phyrinus veror«lnetc, dann die Priester von 
der Glaspatene die corona consecrata dem 
Volke austheilen sollten. Derselbe Ausdruck 
kommt auch bei (Iregoriun Magnus vor. der 
die Hostien oldationum coronne nennt. Eben- 
so heisst es noch bei Berttolilus, der um 
IHM» in ("onstanz lebte fde Ord. Kntn.. Iüikj- 
Uam Lib. XV, c. 11. § die Priester müss- 
ten euehartstische B.e opfern ad speciem 
coTonae, quod est tortum panis. Auch /so 



uü by Google 



174 



Brod. 



Monm^us (de min». 8. Othomari e. 3) nmmt 

sie rotulnp. 

[Die verechiedeuen Foriuen der Hostien 
ilhutriren wir nul Martigny 2. A. nach Sir- 



20) : ha Sptov «Xfimc. Auf dies eine B. 

weist auoli (lio Mnrrnslitiirprio hin . in wel- 
cher nach dem Uä'ertoriuni die Bitte aus- 
gesprochen wird: ,Herr, zeige dein Antiits 




Rf. TS. Mialalar «tu 9> 



mond de Azrm. ^an. 5 durch 
die beutehenden Tier Abbildun- 

gpn. Die ersto ist uns i'iiior 
Handschrift von !S. üermaiu-des- 
Pr^ gezogen nnd yeninnbildet 
(Im T'riester zwischen dem jüdi- 
schen und christlichen Altar; auf 
letzterm die B.e, wol der frfih- 
romanisehcn Zeit. Die zweite 
zeigt die griechische Hostie mit 




Wtg. 79. OrieeUMke 
Hotti«. 



Über diesewi Urodc und diesen 
Kelehen* (Probst Liturgie 324). 
Dif Sfiii kr, wcldu' für die Gläu- 
bigou j^ebrochcu wurden^ waren 
ziemlich gross, so daas me nicht 
einfach verschluckt, sondern erst 
mit den Zähnen zermahlen wer- 
den mnssten. Der hl. AuguaUma 
(Tract. 20 in loan.) j^ebraucht 
den Ausdruck : carnalitcr et visi- 




der Inschrift 1t ^ ^(a) in denj 

Ecken des Kreuzes: die dritte die äf^yp- 
tische und syrische Hostie, die vierte eben-, 
falls eine orientalisclie Form mit der Auf*' 

Schrift Aimc • icxrpoc. K.] 

Die Cousccrution eines einzigen grossen i 
B.es, das dann in Stflcken unter die Glluhi> 

gen vertheilt wurde. pr;riel)t sich als älteste I 
Sitte schon aus dem hl. Igtiatim (ad Ephes. i 





ffly. Sl. OclMlsllMto Boilto. 

biliter premere dentibns sacramentum Cor- 
poris et Sanfjuinis rhri-^ti. Noch Agnel/i, 
der um ÖöU seine CTeHcliichte der Bischöfe 
von BaTenna tehrieb, gebraneht fBr das 
Theilen der Hostien den Aoadrudc: obla> 
tiones discerpere. 

Auf die angeblieh ron Papst Alexander 
erla.Hsene yerordnui)<^: ut oblatio fieret in 
azymo et in modica quantitate, dioena: haee 



lyiu. 



cd by Google 



t 



Brodvermehning. 



175 



oblatio quanto potior, tanto parcior (s. Mai ' 
Spicil. Rom. fom. VI IfJ), le^en wir. weil 
sie aus viel späterer Zeit entstammr , kein . 
Gewicht. Das erwähnte Coneil von Toledo | 
TOD 693 bestimmte , das« ganzes R. , nicht 
in gross, sondern eine modica oblata^ aut'i 
den Altar gelef^ werde. Erst im 11. Jahrh. I 
kam die Sitte atif, das eucharisti-ichc P.. 
ad imaginem nummorum zu machen und i 
swar leriniBute formae. Zwar tadelt dieses | 
der obengenannte Benioldm, weil solche 
Form aliena a vere pania specie sei ; allein { 
aus Honorim Augnstodunensis, der um 1130 
lebte, ergibt «ich, dass zu seiner Zeit Ho- 
stien in modum denarü CErinnerung an die 
SiUM'rliii^c, die der Preis des Herni waren) 
schon ziemlich allgemein im (febrauch wa- 
ren. So fTillt das Aufliön-n des gesäuerten 
B.es, sowie der üarbringung der Opfer- 
gaben durch das Volk and & EinfUrang 
unserer kleinen Hostien in dieselbe Periode 
des lU. und 11. Jahrlu ^ 

Werfen wir noeb einen Blick auf die 
Monumente, so werden wir vorab auf den- 
jenigen bildlichen Darstellungen, die von 
den Gläubigen als Vorbilder der Eucha- 
ristie oder als Symbole derselben betrachtet 
wurden, das B. , welches dort dargestellt 
iat, al8 nach Materie und Form mit dem 
encharistischen ül)ereinstimniend halten müs- 
wn. Iti Betreff der Materie ist /ii • m Ii- 
ten. duss die alten Künstler von den beiden 
Wundern der B.vermehrung durchgehends 
dasjenige darstellten , bei w<'lchem sieben 
Körbe voll Brocken übrig blieben, nicht 
das anscbetnend grössere, wo die Ueber- 
restt' zwölf Körbo fülltfn. Tjotztcrcs Wun- 
der hatto der Herr aber mit (iersten - B.en 
gewirkt; darin liegt die Ihrklirung, daas 
man in demselben weniger einen Hinweis 
auf die Eucharistie sah. - Auf dem be- 
kannten Bilde im Coemeterium der Lueina, 
wo «1er Fisch einen Korb mit B.en auf 
dem Kücken trägt, haben diese eine graue 
Farbe sind die sog. mainpiiula, die 
als Krstlingsgabe für die Priester in der 
A.sehe gebacken wurden. Zudem haben die- 
selben die Form der coronae, wie wir sie 
auch auf enugen andern Hbnnnienten, s. B. 
auf der schönen Grabplatte im Lateran- 
Museum dargestellt tinden. Üewöhnlich zei- 
gen jedoch Oemftlde wie Sculptnren runde, 
volle B.e mit KreuzkerlxMi. Iy\l(fincourt 
(Scult. tav. Vlll, 20) veröffentlicht die Dar- 
stellung eines Mahles, wo neben dem sym- 
boliaehen Fisch zwei B.e liegen, von denen 
das eine durch vier Linien in acht Tlieile 
gekerbt ist, während das andere in der 
Mitte ein Krens zeigt, dessen Arme abge- 
stampft sind. DB waal. 

mODTBBIBHRUIfG. Die wunderbare 
Tennehmng von fttnf Breden und xwei 



Fischen (Matth. U, 17 ff.: Luc U, IC; .loh. 
fi. 4) und diejenige von sieben Broden und 
wenigen Fischen (Matth, lö, 3fi f.) ist eine 
der häufigsten Darstellungen auf Gemälden, 
Sarkophafjen. Grabsteinen. (Joldglfisern. Mo- 
saiken. Mau sieht den Herrn in der Kegel 
die eine Hand anf die dargebotenen Brode, 
die andere auf die Fisclie gelefjt; zu sei- 
nen Füssen stehen Körbe mit je drei Bre- 
den (Tgl. den grossen Sarkophag de« La- 
teran - Museum . Kraus R. S. Taf. VII; 
Bottari tav. LXXXY); oder der Erlöser 
legt die Linke 
aiudieFische, 
während die 
Rechte den 
Stab nach den 
in Körben am 
Boden stehen- 
den Broden 

ausstreckt 
{BoUari tav. 
XIX ^ 8. Ab- 
bildung Fig. 
182). EineVa- 
riantederletz- 
I tern Darstel- 
lung ist die des 
Sarkophag» 
von S. Maria 
dl Trastevere 

^bei Bottari III 2ül, wo statt des Stehe» 
' drd Doppelstrablen als Tersinnbildnng der 
göttlichen AMmailit von der Hand Ohriati 
nach deu Kürben ausgehen. AU eine hiero- 
glyphische Andeutung des Vorgangs hat 
man die f&nf Brode und iwei Fische auf 




Fl« 89. SarkophacRtlM (BMh 
Belt»rl|u 




rif . 88, 



einem Grabsteine bei Pi rn l ( V. pl. XLVII", 
vgl. die beistehende Abbildung Fig. 83> an- 
zusehen. 

Die regelmässig wiederkehrende Zusam- 
menstellung des Wunders mit der Hochzeit 
zu Kana, der Heilung der Blutflussigen oder 
des Blindgebwnen legt nahe, datu« der Bian 
des BeHchauers zunächst im Allgemeinen 
auf die Allmacht Gottes und seine G<»walt, 
die Kirche aus aller Drangsal zu reisten, 
hingewiesen wird. Diese Erklärung scheint 
durch das iXrtda Xawv in der Erzählung 
des Wunders in den sibyll. Büchern VIII 
278 bestätigt su werden. Dass auch der 



Digitized by Google 



17)) Brumalia — Bacbstoben. 



Dank für <Ho irdisclion (ihIhmi nahefjflegt 
werden soll, wiü Mariiyny meint, soll nicht 
in Abrode ^mMIt weraen« Die Auadeo- 
tuTiff dor Parabel auf das Geheimniss der 
Eucharistie legt sich indessen näher und 
wird auch doreli den Yorsug untentfitit, 
den man dor Darstellung des zweiton Wun- 
ders, wo von (ierstenbroden nicht wie bei 
dem ersten (nach Joh.) Kede ist, zu g(>ben 
pflegte. Man dadite hier an Weizenbrod, 
und fand darin um ro eher eine Bczicbunfr 
auf das Sacrament. Ich möclite gleichwol 
nicht bebaupten, dasH dies der näehstlie- 
gen<ie («edaiike bei der so biiiiti^'cn Dar- 
stellung dcM Wunders gewesen Hei. Augu-' 
stin, der zu wiederiiolten Halen (Traet. 
XXV in loh. fi = Opp. IV ß47; Serm. 
in Evang. Marc. 8 = üpp. Vli 508; Lib. 
de div. Qaae«t. = Opp. XT 351) die Aus- 
deutung desselben giebt, spricht von jener 
Erklärung nicht. An letzterer St«llo äussert 
er rieh vielmehr in folgender, für die Aus- 
deutung unserer Darstellungen vielleicht 
maRSgeoender Weise: ,et ideo secunda pa- 
stio populi (juae de scpteni panibus facta 
est, ad novi tcstamenti praedicationem recte 
intelligitnr portinere. Nun enini ab ali(iiu) 
evangelista dictum est, quod isti panes bor- 
deaeei fuerint, sieut de Ulis quinque dixit 
Tohannes. Uaec ergn pastii» de panibus 
Septem ad gratiam pertinct ecclesiae, ({uae 
notiflsima ilb septenaria saneti Spiritus ope- 
ratione refecta cognoscitur. Kt ideo non 
hic duo piscos fuisse scribuntur, sicut in 
veteri lege, ulri duo roK ungnehmtiir, rox 
et sacerdos; sed pauoi pisces, id est qui 
primo Domino Jesu Christo crediderunt et 
m eins nomine uncti sunt et missi ad prae- 
dieandum eTangelium et ad sustinendum 
turbuleiitum mare huius saeculi, ut pro ipso 
magno pisue, id est, pro Christo legatione 
Au^erentur, ricnt Pauhu apostolus dieit' 

n. B. f. KSAUS. 

BRlTDEKKIISSy 8. FiiedeDsknn. 

BBÜDSBUClIOITy b. Fratemitaa. 

BRUHALIA, P9ou]ia).ta, heidnische Fest- 
schmäuse. die mit den Kalenden und NOta 
auf dem Conc. Trullati. c. (»2 den ('bristen 
▼erboten werden (xic outo* XeYOjievac xa>.av- 
üai. /.nl za )&y/\x£'*a ßöxa, Xfld w icaXou|Uva 
ßpouii.ou'aa u. s. f.). 

BRlJIOfEN, s. Hasilika S. 122, untl Phiala. 

BrCHSTAIlEN. lU.h ffi 514 f. berichtet, 
er habe in den Katakombeu aus Elfenbein 
rdiefartig geMhnitsie und andere aus Elfen- 
bein gjinz herausgearbeitete R. gefjinden. 
welche er für solche hält, mit denen die 
Kinder ipielend unterrichtet wurden. Quin- 
tüum I 1 : ad discendum initiandae infan- 
tiae gratia cburneas etiam littorarum for-| 



mas in ludum offerre notum est. Hicromjm. 
ad Letam ep. II 15: fiant ei litterae vel 
buxeae vel ebumeae et suis nominibns «p- 

pellcntur; ludat in eis, et lusns ipso oru- 
ditio Sit, et non solum ordinem teneat lit- 
teraruni, ut rainnona nonununi in oantieim 

transeat, sed et ipsae inter se crebro or- 
dine turbentur, et medüs ultima et primiit 
media misceantur, ut eas non sono taut um, 
sed et usu noverit. De Rossi R. S. III 587 
schliefst sich Boldetti's Ansicht an. Es ist 
übrigens bekannt, dass t\m Alterthum mit 
B. auch manchen Aberglauben trieb; s. 
über solcbe charactores rnagtia Bingham VII 
251 und d. Art. Amuiet. kraus, 

BUCHSTABEN auf Kleidern. Die Sitte, 
die Gewänder (Chhuuys, Pallium wie Tu» 
nioa) mit B. m sehmfleken, erwthnt zuerst 

Apideim Metam. VI: vides doiia jirctiona 
et lacrimas auro litteratas ramis arborum 
pos/ibusque sufßxas. Da Vopiseus (Carin. 
20) ausdrückhch bezeugt, dass OHUl Pallien 
nnt dem Namen des Besitzers trug, so liegt 
nabe, solcbe B. als Initialen von Namen 
anzusehen. Dagegen steht durch Boethiu» 
fest, dass ihnen in anderen Fällen symbo- 
lisch-allegorische Bedeutung zukam. Im 
Eingang der Phil, oonsol. 1 1 lint derselbe 
die .Philosophie' in Gestalt eines Woibps 
auftreten, auf dessen Kleidern in extrema 
margine 'Ii- graecum in supremo rero 9 
legebatiir intextnm. Die B. deutet der hl. 
Thomas aul' «Theorie und Praxis'. Nicht 
selten bemerkt man solche B. auf christ» 
liehen Darstellungen.' In dem Cod. Vatic. 
des Yergil sieht man zweimal das H auf 
dem Pallium des Dichters (.-1. Mai Virgihi 
pict. ant. lH;{r>, 1). Auf (roldglä.sern er- 
scheint dasselbe Zeichen, aber horizontal 
geh'gt auf dem Pallium Christi und 
einiger Märtyrer bei (inrruedYetri tav. 18*; 
auf denjenigen der bbl. LauriMitius und Cy- 
prianus eb. tav. 20"; auf den Oewändem 
der U. Agnee und der Apostel Petrus und 
Patilus ob. tav. 21'; auf den Pallien der 
lihl. Sixtus und Timotheus eb. tav. 23*; 
auf dem des Erlösers eb. tar. 29 ^ Eb. tar. 
10'' siebt man auf dem Pallium Pctri ein "', 
das auch auch auf den Mosaiken in S. Ma- 
ria Maggiore und S. Andrea in Barbara, 
Arbeiten des 5. Jahrb., in (bsm von 8. Lo- 
renzo (,). 'üH} und zu Capua (S. Jahrb.) 
wiederkehrt (Ciamphii II, tuv. .")4j. Auf 
Cemiilden der Katakomben verzeichnet Bosio 
221 ein II auf dem Pallium Christi, p. 24') 
ein V, p. 343, 301 ein I, p. 249 ein X. Das- 
selbe Zeichen tragen zwei Personen neben 
einer Orans eb. p. da-s T eine männ- 

liche Gestalt eb. p. 247, die Crux Gazaea 
der Raphael bei PerrH I 26. Das neuere 
dings publicirte rieniiilde K. S. III, tav. Vi 
zeigt auf dem Pallium des Moses-Petrus 



Digitized by Google 



Bfleher — BttdMRoIten. 



177 



ein T. Auf MiMulcen begegnet uns das H 

in S. Andrea in Barbara (Zeitalter des P. 
Öimpüciu«), das B in S. Cosma e Damiano 
(J. 530), I in S. Caecilia (J. 820). Auch 
in Ravenna und Mailand hat Garrucn ■inl-hv 
B. nachgewiesen. In S. Aquiline trägt das 
Fallium Christi wiederholt ein L (umge* 
kehrte q kommen auch auf dem Goldglas 
Gamtcri Vetri tav. 18* auf dem Kleid 
eines Märtyrers vor), wo die Apostel alle 
ein S3 hahen. Auf dem Pallium des Herrn 
in S. Vitale zu Ruvenna sieht man ein Z. 
auf dem der beiden Engel ein bei Je- 
remias p^leiehfalb ein F. bei der ihm gegen- 
überstehenden Person ein ~, bei Abraham 
und Isaak ein Z {Ciamjtini Mon. vet. II 66). 
Auf den Moaaiken Ton S. Lorenso (J. 578) 
bat der P. Pelagius auf seinem Gewände 
ein Laurentius ein P und L; auf dem- 
jenigen des Triclinium Leo's III (797) be- 
merkt man Zeiehen H I L und ^ 

:>* :Ä: Buonarntoti versucht die B. zu 

erklaren , ohne selbst seiner Siu he sicJier 
zu sein ; er meint ß.. das könne ein ^ 
bedeuten, welche Z^hl (CD) den Jungfiranen 

jreweibt sei; oder als II — S sein, welches 
auf die acht Seligkeiten gehe u. s. f. Vgl. 
dessen Vetri 90, Bosh 638 D, Boldelti 196, 
fjarrucri zu Moeor. HagiogL 27, bes. Ve- 
tri 1 V^. KUAL'S. 

BÜCHER, liturgische. Das MA. kennt 
als liturgische B. das Bacramentarium, Mis- 
«üe, Pontificale, Evangeliarium , Leetio- 
narium (comos), Benediitionale, Graduale 
und Antiphonarium. Dazu treten noch Se- 

3uentiale, Tropariuni. Manuale (Enehiri- 
ium) , Poenitentiale, Passionale, Hymna- 
rium; in der griechischen Kirche; -cuntxov, 
vbrjf^MTfW*, (iTjvaTov, ^r(m\(rfwt und suvo^apiov, 
«0IVT7/IOV iiiiil viele andere, zumTheil schwer 
festzustellende Bezeichnungen (vgl. Auymti 
Hdb. TU 708 f.). Von diesen kommt fQr 
da« christliche AUertliiiiii /.nnäcbst nur das 
SaerameniariHin f EvanueHanum f Lectiona- 
rmm und Antiphonamm (s. die Art) in 
Betracht. Das Missale ist in jener Zeit 
noch identisch mit dem Sacramentar, auch 
das Benedictionale geht schwerlich ül)er 
das MA. hinauf. Das sog. Beiicdiftionale 
Gregors d. Gr. (vgl. L<}mhirim Hibl. Caesar. 
I, n. 14 u. II) im Anhang zu dessen Sa- 
cramentar gehört ihm schwerlich mehr an; 
in dem gothiHclicn Missule (Totiiasi Codd. 
sacr. 263, MabiUon Lib. sacr. Eccl. Oallic, 
m It. Ital. I, 2^ 278) und ebenso dem galli- 
cani<*chen bilden die Benedietionen noch 
keine eigene, von jenem getrennte Ab- 
tiieihing. 

In gewisser Beziehung können dagegen 
den liturgischen B.n des Alterthunis die 
Diptychen, Matriculao, Albi (s. die Art.) 
bwgezRhlt werden. 



I BÜGIIBB, BOGHEimOLLBlI. Das AUep> 

I thum unterschied zwischen VnlKminn und 
Codices. Ersteres waren Bücher in der 
Form von Rollen, lange, besehriebene bit- 
ter, aus zusammengeleimten Papyrusstreifen 
bestehend, die nach Beendigung der Schrift 
um einen Cylinder gewickelt wurden ; beim 
Lesen niusste die Rollo aufgerollt werden 
! (evolvere Volumen. Cic ad Att. X !(► u. A.). 
t .\bbildungen solcher Volumina geben z. B. 
\ Donati Dittici degli antichi IT, Mont- 
. faucon, dem wir naf-yi }f<ir(ii/itt/ })eistehende 
; Fig. 84 entlehnen. Man sieht darin die Um- 




«SS 



Fif. 94. TelnsM (Mab MoBlfsaeoB). 

bUki des Cyünders hervorragen, um welche 
das Papier gerollt ist ; desgleichen die Lora 
(Riemen), mit denen das Volumen zusam> 
mengebunden wird; endlich die aufgeklebte 
Anfiwhrift desselben. Man nannte diese 
Rollen, namentlich im MA.^ Retulae (Ana- 
Hias. Apocris. hei Sirmond. Opp. III 579; 
iHtranil. Rat. div. off. I, c. '6. n. II). Die 
Cndicex haben die Form unserer heutigen 
Bücher, d. h. sie l)estehen aus einer Lage 
von Blättern, die un dem einen Ende zu- 
sammengeheftet oder gebunden sind. Beide 
Arten von Büchern finden sich auf unseren 
Denkmälern dargestellt. 

I. Volumina. Das claasische Alterthum 
gab sie seinen Rhetoren und Philosophmif 
auch den Musen in die Hand (vgl. bei- 
stehende Figur 85 von der Augustna-Statne 




Fl;. 8S. TotawB TOB der ABgaitas-StatB« in Tatleaa. 

des Vatican, Mus. Pio-Clement. II 45). Auch 
die Senatoren und andere hervorragende 

Personen trugen deren. Ks ergab sich da- 
her leicht der Gebrauch, die in der Kirche 
als Lehrer verehrten Personen mit solchen 
zu Ijegaben. um so mehr, als die Beziehung 
auf das Evangelium so nahe lag. Dahin 
gehören: 

a) Der Logos und Jesus Christus, 

18 



Digitized by Google 



178 



Bücherrollcn. 



dossoii rnoarnation. Mardgmj nonnt auch 
(lott den Vater, und findet denselben dar- 
gestellt bei Bottari Tav. 84, wo «in bftrtiger 
(rrcis (lern Moses lioi dem Dornbusch ersclioint. 
Aber nach der Auftaatiung der Väter ist e» 
jedenml der Logoa^ der aieh der Meneeh- 
lif'it offenbart, und es niuss aiuh hier an 
ibu gedacht werden. Ein zweites Beinpiel, 
welenes Mürügnf fQr seine Ansieht oei- 
bnii<;:t, ist die Taufe des Ai^^ilulf auf einem 
Sarkophag des 6. {Y) Jahrb. bei Ciampini 
Yett Hon. II, tay. 5. Die Hand Gottes, 
welche aus den Wolken über den Tauf- 
afeein herabreicht, hat einen länglich ge- 
krttminten Gegenstand in der Hand, in wel- 
chem ich kein VdhinuTi erkennen kann. 
Wfire es eher ein SalbHä^chchen , um das 
hL Oel (vgl. Rehns and die Taufe Chlod- 
wig«) aiizu/eij,'eii ? 

Auf den Wandmalereien der Katakomben 
sieht man Ohristnt gewöhnlich ohne Buch 

seine Wunder wirken. Mit dem Buch er- 

seheint er einmal (Ferrel I, pl. 2^) auf der 
einzigen Dwrstellnng des Ahendmahls. Um 

so liäufigw treffen wir ihn mit dem Vo- 
lumen mf den Reliefs der Sarkophage. Ist 
der Erlöser thätig, mit Wunderwirken be- 
schäftigt, so trägt er die Rolle zuHammen- 
gerollt in der Linken: vgl. Bosio Tav. (51, 
fi3, 67, 69, 75, H5, 157, 2t; 1, 285, 293, 295, 
423, 425, 427, 429, 565; de Rossi R. S. 
IH. Tav. 40. Lehrt er, so ist die Rolle 
aufgerollt und zuweilen mit Schrift bedeckt, 
so Bosio p. 423 ; vgl. AUegi-ama Saer. mon. 
di Milano tav. 1. Zur Andeutung seiner 
Herrschaft über die beiden Testamente sieht 
man auch in einer oder zwei Cisten Buch- 
roUen, ohne ZweitVd die hhl. Schriften, ihm 
ni Füssen stehen. Bosio 221 , Anmjhi I 
679, n. 213, Perret IL pl. 50. Vielleicht, 
ja wahrHcheinlich «^eliört hierhin aueii die 
Darstellung bei de liosfii R. S. III, ta\. 38, 
wo hinter und vor einer sitzenden (ob männ- 
lichen?) Figur zwei solcher Cixten gesehen 
werden. Sit/ende Lehrer, über deren Cha- 
rakter wir im UngewiH.sen sind. giel)t Bosio 
235 und (i>' Rossi \i. S. II. tav. 17. Cisten 
ohne die Hollen hat liosio Ml. Geöffnet 
ist auch die Holle, wci i r sie Petrus über- 
gieht , z. H. auf dem Mosaik von S. Co- 
stunza, wo die Holle die Aui'schriit DUMl- 
N VS PACEM DAT trägt (Ckmpini De saer. 
aedif. tah. :?2). 

h) Ansciieiuend die M a d o n n a, Bomio 291. 

c) Die Patriarchen und Prophe- 
ten (■?); MarliffHi/ hehHu)>tet dies nadi Du- 
randus, ohne indessen aus di'ni Altcrthum 
ein anderes Beispiel als Moses beizubringen. 
Moses erhält das Buch mit dem Gesetz aus 
der Hand Gottes, s. Bosio 59, 73, 295, 
367, 393, 411 u. s. f.^ erscheint aber sonst 
nie mit dem Volumen ; nur einmal , bei 
Garrueei Yetri tav. II sieht man es hin- 



ter sfMnem Kopfe , im freien Felde. Im 
Uebrigen ist mir kein Beispiel von Patri- 
archen und Propheten belcannt. 

d) Die Apostel, wo sie auf Sarkopha- 
gen und Mosaiken tun Christus geordnet 
sind, tragen metst in der Linken die ge- 
schlossene nuehrnlle als Abzeichen ihrer 
Sendung als Lehrer der Völker (Bosio 53, 
67, S9, 61, 65, 67, 69, 75, 77, 79, 91, 93, 
87, 101, 1,55, 157,159.221, 285. 287,291. 
293, 295, 411, 425, 427, 475, 565; Ciam- 
phti Yett. Mon. I, tav. 66 u. s. f.). Be- 
sonders häufig haben Petrus und Paulus 
dieses Abzeichen. Auf den UoldKläaem 
sieht man ein Yolumen zwisehen beiden, 
darüber meist eine kleine Krone; vgl. z. B. 
Garrucci Vetri tav. 13. Soll dadurch, wie 
Martigni/ Termuthet, die Einheit ihrer Lehre 
angedeutet werden? Auf den Mosaiken be- 
gegnet mau den beiden Aposteln mit auf- 
gerollten Yolomina. Die Apsidiahnosaik der 
alten S, Petorskirdie zeigte sie zur Rech- 
ten und Linkem des sitzenden Erlösers; auf 
dem Spruchband Petri stand : XPB FILIYS 
DFJ YIVI, auf d.'nijenigen FanK: MIHI 
VIVEHE CllltlSTYS EST. 

e) Bischöfe und andere Heilige. Zu 
erwihnen sind hier einige Qoldgläser: Gar- 
rueei tav. 20^ mit der Inschrift: LAY* 
RENTIVS — CRIPRANYS (Cyprian), «wi- 
sehen beiden Heiligen liegt noch ein Vd- 
lumen am Boden. Interessant ist die Dar- 
stellung namentlich, weil die Yolumina in 
der Hand des Laurentius und Cyprianus 
dm Pittacium aufweisen, einen Streifen Pa- 
pier, eine Art Etikette, die an dem Um« 
bilicus zuweilen befestigt war und auf wel- 
diem die Nummer der aufrecht in der Cap- 
sula stehenden Rolle angeschrieben wurde 
( vgl. Witickelmatin Opp. ed. Prat. VII 13). 
Weiter hat Laurentius das Volumen bei 
Garrucci t. 20 wo er auffallender Weise 
in der Mitte zwischen Petrus und Paulus 
sitzt. Eb. 24 » u. ^ haben TIMOTHYS und 
SVSTVS Volumina in den Händen und zur 
Seite. Eb. 23' tragen es IVLIVS und 
ELECTVS. Marfir/m/ sieht in der Dar- 
stellung dii'ser lieiden Heiligen zur Hechten 
und Linken des die Arme über sie aus- 
breitenden Krlösers eine Diakonenweihe. 
.Vber das Glas ist beseliädigt und die aus- 
gebreiteten Hände Christi können ebenso- 
wol Kronen getragen haben, wie s<i oft, 
wo Christus zwischen zwei Htiligen er- 
scheint. Der Sehluss Martigny's, dass aoch 
Lectoren mit den Voiiiniina dargestellt wer- 
den, ist also, so glaublich dies ist, unge- 
rechtfertigt, abgesehen davon, dass wir gar 
nicht wissen, wer lulius und Ele<>tus M-aren. 
Eb. 23* siebt man Christus mit ausgebrei- 
teten Händen (ohne Kronen) zwischen lY- 
LIVS und CASI VS, von denen nur der 
crstere eine Kolle hat. 



üiyiiizc-d by Google 



BttMcnde — Burne. 



179 



Andere Beispiele, in denen die Volumina 
in der Hand unhokininfor Pprsoncn homorkt 
werden, sind Bosio 491), dt Bossi K. Ü. II, 
TaT. 15, wo ein die Tanfe spendender Hann 

eilU' Un\h' hat. 

Weiter sieht man Rollen in der Mand eini- 
ger abge^hiedenen Penonen, welche in den 

Medaillons der Sarkophage darg^estellt sind, 
•0 Bosio 91, 155, 2ä5, 295; wol nur ein 
Abseiehen ihres hervorragenden Standes, 

wie auf profanen Bildwerken, achwerlich 
ein ZeugnisH der Orthodoxie. 
Auf Ooldgläsem findet man öfters (vgl. 

(rarrurri Vetri tav. 18 17*-\ 2:^ 2n " 
u. 8. f.) im freien Felde lioUen angebracht. 
BuonarruoH wollte in der Ton ihm wieder» 

gegebenen entsprechenden Darstellung die 
hl. Felicitas und ihre sieben äöhne erken- 
nen (tar. 20 Indess ist hier die Ausdeu- 
tung sehr schwierig, und man kann kaum 
aber einen allgemeinen Bezug auf die hl. 
Schrift hinausgehen. 

II. C o d i e e s. Anseheinend einen Codex, 
in Wirklichkeit aber wol ein Diptychon oder 
Polyptychon bemerkt man in der linken 
Hand jener Person , die auf dem berühm- 
ten, 8chon von Buotutrruoti tav. 5* und 
Ciampini Sacr. bist. Disfjuisitio de dunbus 
emblematifl IG abgebildet ut (ßarrucci Vetri 
tav. 26">; Ftrret pl. 27**) und neben der 
die räthselhafte , wol am besten von Oar- 
rucci Vetri 147 f. «'rklärte Inschrift steht: 
A SAECVLARE BEXEDICTE PIEZ(«rM), 
verrauthlich der Zuruf des Taufenden (So«- 
eularis) an den Täufling (Bmedirtus). 

Das Buch erseluMUt entweder geschlossen 
oder geöffnet in der Hand Christi und 
von Heiligen. Geselilossi-n sieht man es 
z. H. I»ei Christus H. S. IIb f< 'liri-^tuskopf 
de» Callistus-Coemeterium) ; liei Heiligen K. 
8.1',',' (Cornelius und Cyprian in S. Lu- 
eina); aufgesehlagen In der Hand Christi 
Jiosio 1 2*» (mit Inschrift: DOMIN VS lES . . .; 
e« ist der Christuskopf von 8. Ponziano); 
eb. 429 (Sarkophag aus S. Agnese: bärti- 
ger Christus, stehend, zu Füsseu Capsula 
mit Volumina), 475 (WandgemSlde: jugend- 
licher, bartloser Christus, zu Füssen zwei 
Capsulac mit Voluminaj, 491D (Buchdeckel 'f 
Christus bärtig, sitzend). 

Im der Hand der Madonna oder einer 
Abgestorbeneu im Mittelpunkt der Sarko- 
phagfront sieht man ein aufgeschlagenes 
Buch Bogio 159, 425. Ein Apostel hält 
einen aufgeschlagenen Codex, wu Andere 
ein Tolumen haben, ßogio 73. Johannes 
mit geschlossenem Buche in der Linken, 
Bosio 581 (dar Brangelist unter dem Kreuz: 
Krenidfffuiig in 8. Oiuliano), 591 D. Eine 
bürtige männliche Gestalt im Centrum eines 
Deckengemäldes hält einBnch (oder Volu- 
men) mit einem Griff, BiMth 247. Auf dem 
groesMi Freioo von S. Oeneroea (7. Jahrii.) 



hat Christus in der Linken einen mit Edel- 
steinen besetzten, Tenchloosenen Codex (B. 

S. III, tav. 57). . 
Es erhellt aus dem beigebrachten Hate- 

rial , dass, abgesolien von dem Moses ge- 
reichten Buch, welchüs öfter mehr einem 

«Codex (oder einer Schreibtafel?) als einem 
Volumen gleicht, wenigstens in zwei oder 

I drei dem 4. Jahrh. vermuthlich angehürigen 
Darstellungen Codices vorkommen; alle an- 

' deren BiMer mit solchen fallen in eine s])ä- 
I tere Zeit. Dass die Musaikeu wie überhaupt 
Idie Bildwerke des MA.8 unzihligemal das 
Buch Christus in dieser Gestalt in die Hand 
1 geben, entweder mit dem ASt oder einem 
Bibelspruch, bedarf kaum der Bemerkung. 
Der Lntersi hied, den Ihirauihts Rat. I. c. 3 
I zwi«cheu dem aulgeschla^üueu und geschlos- 
senen Bache macht, hat kanm fDr das MA., 
geschweige für das Alterthum Geltung. 
Seine Forderung, ein geschlossenes Buch 
sollten die Haler bloss Gott dem Vater in 
die Hand geben, dem Sohne und den Evan- 
gelisten aber ein offenes, ist in den Mono- 
menten nicht begründet. nuüs. 

BÜSSENDE, 8. Busse IL 

BUS8E. I. Der Heiland gebot nicht bloM 
den sündigenden Bruder zurechtzuweisen 
und zur B^serung anzuhalten, sondern auch 
den hartnäckigen Sünder gleich einem Hei- 
den und Zöllner zu meiden (Matth. 18,' 
15—17), und entsprechend dieser Weisung 
verliiingte sein A])o.stel über den Blutschän- 
der in Korinth den Ausschluss aus der (fe- 
meinde (I Kor. 6, 1—5). Er übergab ihn 
.dem Satan zum Verderben des Fleisches, 
damit der (leist errettet werde am Tage 
des Herrn Jesus Christus', und als er seine 
Absicht erfQllte und den Stlnder dem La- 
ster entsagen sah, nahm er ihn wieder in 
die Gemeinschaft der Oläubigen auf ( II Kor. 
2, 8). Er machte damit von der Schlüssel- 
gewalt Gebrauch, die der Herr den Apo- 
steln verliehen hatte, und wie er, so ver- 
fuhr auch ilie Kirche in der Folgezeit. Se 
schloss einerseits die schweren Sünder aus 
ihrer Gemeinschaft aus und Hess sie ande- 
rerseits nach eingetretener Besserung wie- 
der in sie zu; Zeugen dafür sind zunächst 
Clemens v. Rom (ad Cor. I . c. 7 f.) , der 
Pastor Hennae (Vis. II. c. 2: Mand. IV, 
c. 1), UioinjsitiH V. Korinl/i ( PJus. H. e. IV. 
c. 23), Innaem (Adv. haer, IV, c. 40. 
n. 1 ed. Stieren) und Tertuüian (De poenit. 
c. 4). Die Sünden, welche in der ersten 
Zeit diese Folge nach sich zogen, waren 
Idoloiatrie. Mord und Unsaeht, und sie 
hiessen tlesshalb crimina mortalia (Cypr. De 
bonu patieut. c. 14) oder pecoala capitalia 
aeu mortifna (Badon» Ad poenit. e. 4). Sie 
begegnen uns in dieser Zusammenstellung 

12* 



uiyiiizc-d by Google 



180 



BlNM. 



vom Anfang des 3. Jahrh. an (TertuU. De 
pudie. 0. 5) l)is ins 4. und 5. Jahrh. hinein 
(Greg. Xysju. Ep. lan. c. 2—5; Paciun. Ad 
poenit c. 4; Aufftut. De fide et op. c. 19; 
Senn. 352. n. 8), und da «ie zugleich als 
die Sfinden, die durch üifentliche B. ge 



hergestellt. Sie sollte e« aber bald werden, 
indem bereite der folgende Papst Callistus 
(219— 222J die kirchliche Milde auf die übri- 
gen OapitalsUnder, die Idololatron und Mör- 
der, ausdi'hntc , «oi es aus Rücksicht auf 
die Polemik, die TertuUiiui in seiner Schrift 



sühnt werden mussten, von denjenigen, die De pudieitia gegen dju* PMict seines Vor- 



auf andere Wei^c /.u tilgen seien, ausdrück- 
lich unter8chie<len werden, so ist klar, <lii»s 
sie Anfangs die ein/igen kanonischen Ver- 
geben waren und das« die Aussprüche Ter- 
iuUiatis De pudic. c. 19 und Cyprians De 



güngers eine Halbheit führte, sei es aus 
einem andern unbekannten Gründe (Hippol. 
Thilos. IX, c. 12), und fortan wurde sie nicht 
mehr miterbruchen. wie ein Hrief <ler römi- 
schen Kleriker an Cyprian (Cypr. Kp. 3U, ed. 



beoo pet. c. Ii, in denen auch der Betrug Härtel) und namentlich das novatianische 

unter den imvergebbaren oder tödtbcben Schisma zeigt, das gerade im Gegensatz zu 
Vergehen augeführt wird, bei der iJestiin- dieser Milde seinen Grund hat. Um die 
mung der bezüglichen Praxis nicht als mass- Mitte des 3. Jahrh. hatte auch die Strenge 
gebend /n Grunde gelegt werden. Da und aufgehört, die früher in Africa Itestand, 
dort und in einzelnen Fällen mögen früh- j wo mehrere Bischöfe, ohne indessen we- 
xeitig auch noch einige andere Sünden mit I gen dieses DifFerenspunktcs die Gemeins( haft 
dem Ausschluss Ix-straft worden sein, und mit den ülirigen zu brechen, den Khelire- 



es lässt sich nameutlich die Wahrnehmung 
machen, dass die Zahl der kanonischen 

Vergehen mit der Zeit wächst. Aber trotz- 
dem bleibt die ursprüngliche Dreizahi deut- 
lich erkennbar, und Idololatrie, Mord und 



ehern den Frieilen nicht gewähren zu kön- 
nen glaubten, und es wurden daselbst alle 
Sünder zur B. und Verzeihung zugelassen 
(Cypr. Ep. 55, n. 21). Eine Au.snalimc 
machte die africanische Kirche nur in Be- 



Unzucht galten sonnt Anfangs allein als trefF derjenigen, die erst auf dem Ttnlbettc 



Capitalsünden. \N enn sich, die Kirche nach 
den oben angefahrten Zeugnissen auch ihnen 
gegenüber eine Lösegewalt zuerkannte , so 
machte sie doch nicht immer und überall 
▼on derselben (Gebrauch und sehloss sie die 
fraglichen Siimb r mis di.sciplinären und pä- 
dagogischeu Gründen bisweilen für immer 
ans ihrer Gemeinschaft ans. Wie wir aus 

Tertullirin De |iiiilic. <•. 5 *) (>rselieii , be- 



den EntBuhluss zur Bekehrung fa88ten(C'y/>r. 
Ep. 55« n. 83), und ebenso wurde es nach 
der Synode von Arles 314 fr. 22) in Gal- 
lien und nach dem Schreiben des P. In- 
noeenz an Exsuperius Ton Toulouse (Ep. 3, 

c. 2) in K"in L^i'liaUcn. In Rom wurde tlen 
Capitalsüuderu in diesem Falle wenigstens 
die kirchliche Oemelttsehaft, wenn auch nieht 

die n. versagt; überboten wurde diese ge- 



stand diese strengere Praxis in der zweiten . mässigte Strenge nachweisbar nur in der 
Hälfte des 2. Jahrb. insbesondere in der | spanischen Kirche, wo durch die Synode 

römischen Kirche und sie wurde wahrschein- von Elvira liOfi aclitzehn Sünden, darunter 



lieh durch den Fagtot Hetmae angebalmt« 
der einerseits (Mand. TV, c. 1, 3) bezeugt, 
dass allen Sünden Verzeihung zu Theil 
werde, und andererseits, um einen höhom 
sittlichen Emst zu wecken, will (Vis. II, 



Idololatrie, Mord und Wiederverheiratung 
bei böslichem Verlassen des Gatten (c. 1, 
6, 8), mit immerwährender I'xniinniuiiica- 
tion bestraft wurden. Ihre Dauer erstreckte 
sich indessen wahrscheinlich nicht Tiel über 



c. 2). dass diese Milde für die Gläubigen ! die Periode der Verfolgung hinaus. Inno- 



fortan ein Ende habe. Am Anfiug des 
3. Jahrh. kehrte man aber wieder zu der 



cenz 1 (4U2— 4l4j unterscheidet diese Pra- 
xis bereits als ätere und strengere Ton 



frühern Praxis zurOek, und P. Zephyrin einer neuern und mildern, die auch im frftg- 
(202 -219) Hess in seinem peremptorischen liehen Fall B. und Verzeihung gewährte, 
Bussedict {TertuU. De pudic. e. 1) zunächst und die su seiner Z«t wol die allgemehfi 
die Unzüchtigen w inler zur B, und Verzei- herrschende war. Wenn aber die Kirche 
hung zu. Da die L nkeuschhcit unter den im Alterthum allen Sündern nach einge- 
Capitalsünden unzweifelhaft die häufigere tretener Besserung Verzeihung ertheilte, so 
war, so konnte es, um nicht zu viele Per- that sie dieses doch nur einmal, und die B. 
sonen für immer von der Kirche auszu- ; erscheint darum stets als eine einmalige, 
schliessen, räthlich erscheinen, gerade in | Schon im Pastor Hermae wird gesagt: toic 
diesem Punkte von der üblichen Strenge | 'iouXoic -oZ öeou fie-avota ijn \t.i<x (Mand. 
abzulassen, und einen theilweisen Anlass j IV, c. 1), und der gleiche Grundsatz findet 
hiezu gab viclleiclit auch der vor nicht gar sich auch l>ei den Vätern der Folgpezoit, bei 
langer JSeit entstandene Montanismus mit Clemens v. Alexandrien (Strom. II, c. 13; 
seiner Lehre, die Kirche habe kein«' Voll- (^uis dives salvetur o. 39), Tertulliun (De 
machte die .schweren Sünden und luimentlich poeuit. c. 7), Ambrosius (De poenit. 11, c. 
die der Unkeuschheit zu vergeben. Völlig 10) und Au(/ns(imts (Ep. 152, n. 2). Wer 
war damit die frühere Praxis noch nicht! daher nach geleisteter B. Wder In ehM 



üiyiiizc-d by Google 



181 



Capitabflnde sarfiekfiel, irard yon der Kirche 

nicht mohr zur f>. ziii^r^liisson, sondorn für 
immer aus ihrer Mitte aiugestossen und sich 
•elbst flberlaawn. ESb gMchah dtea«s, um 
ihn nach Gebühr zu hostrafen und weil dir 
Aufrichtigkeit »einer Bekehrung Zweifel er- 
regte, nieht aber etwa im Omnben, daAs 
pr völli}» verloren sei; im Gegontheil ward 
die Hoffnung gehegt, 6sm er bei Üott Barm- 
herrigkett finden werde, wenn er mcli ihrer 
(hirch Reue und Besserung würdig mache. 
Im Ftutor Hermae wird von dem Rückfäl- 
ligen augdrOeklich nur bemerkt: 9tmĻc 
Cii^Tai (Mand. H'; c. 4), und Auffttstin er- 
klärt mit aller Entschiedenheit, dass man 
an seinem Heil nicht 2u verzweifeln brauche 
CEp. 153, n. 7). Aber die Kirche selbst bot 
ihm kein Rettungsmittel mehr an, nachdem 
er diejenigen missbraucht hatte, die ihm in 
der Taufe nnd in der ß. /u Tlieil -gewor- 
den waren, und sie beharrte bei der vollen I 
Strenge dieses Grundsatzes bis gegen Ende i 
des 4. Jahrh. Von der von ihr angeord- 1 
neten und geleiteten B. Idieben die Rflek- 
falligen zwar auch damals noch uusgesclilos- 
sen und in dieser Beziehung sich selbst an- \ 
heimgegeben. Aber sie wurden in Horn und 
bei dem Ansehen der römiHchen Kirche wol 
bald auch anderwärts wenigstenn zur Theil- 
Tiahme am Gebete der (Häubigen und der 
Feier der hl. (leheinmiase (mit Ausnahme 
der Oommnnion) zugelassen und auf dem | 
Todbette mit dem Sacramente der Weg- 
xclirung versehen, und es war wahrschein- 
lich P. Biricius (:i85— 388), durch den wfa> 
von dieser Milderung erfahren (Ep. 1 ad 
Himer, c. 5), der sie auch einführte (vgl. 
Feehtrup in Tüb. Theol. Quartolschr. 1872). 

IT. Die B., von der bisher als dem Mittel 
die Hede war, die nach der Taufe begange» 
. nen Capitalsfinden zu sflhnen, war Sffentp 
lieh, und nachweisbar gab t>s im Altrrthum 
nur eine öffentliche kirchliche B. Die Väter i 
kennen allerdings noeh andere Arten Tcnj 
B. und Aiif/nstin insliesondere spricht von 
dreien. Die erste ist die B., der der Kr-^ 
wa eh se n e mr Bflhnungr seiner Sflnden vor ' 
der Taufe sich zu mitiTziehen bat; die 
zweite ist die immerwährende demUthige 
Bitte um Naehhws der tüfirlichen Blinden; 
die dritte ist die l>esnTid('r(' B.. die bei einem 
Vergehen gegen den Dekalog oder näher-! 
hin bei Begehung einer Capitalstlnde ztt| 
«bemehmen ist (Serm. 301 u. H.')'-': Ep. 2<;r)). 
Allein mit jenen beiden Arten war keine i 
Absolution Terbnnden, da die Reinigung! 
von Sünden bei der einen dun h dir Taufe 
erfolgte, bei der andern die sündentilgende | 
Kraft g e w i seer ma ssen in ihr selbst liej^, in- 1 
dem Gott das flehentliche Gebet um ?sach- 
lass der Schuld erhört oder, wie Facian. 
Ad poenit. c. 4 aidi anidrtekt, die kieineren 
Bunden durch Yollbringnng Ton guten Wer* 



kon getilgt werden, und so bleibt zur nähe- 
ren Betrachtung nur <lie dritte, die kano- 
nische B., übrig. iSie biess bei den Grie- 
chen fUTdfvota nnd per synecdochen ^o\m- 
//t-'jpK;, bei den liftteinern poeniteniia , bei 
Tertullian, Cyprian und Pacian häufig auch 
exomologem, und bestand aus dem Sünden- 
bekenntniss. der Verrichtung der auferleg- 
ten Bussworke und der Reconciliation. Das 
Bekenntniss, iio[^ohJ■f^^ll^ , i^a/'^psuvi« , eon- 
/«MIO, war entweder nur ein geheimes vor 
dem Bischof oder Priester allein, oder zu- 
gleich ein öffentliches vor der ganzen Oe- 
meinde, und die Frage, ob dieses zu jenem 
hinzuzutreten habe, bestimmte sich in der 
K^ol nach der andern, ob die zu beken- 
nende Sünde geheim oder offenkundig sei, 
oder ob das öffentliche Bekenntniss iiiidit 
Aergemiss errege und so statt zur Er- 
bauung vielmehr zur Zerstörung diene. Da- 
bei war natürlich dem subjectiven Ermessen 
des Priesters ein gewissi^r Spi»drauni gege- 
ben, und der eine mochte ein Aergerniss 
schauen, wo der andere das öffentliche Be- 
kenntniss forderte. Dass aber der fragliche 
Gesichtspunkt dem kirchlichen Alterthum 
nicht uid)ekannt war und das» dem Be- 
kenntniss v(»r der Gemeinde ein Bekenntniss 
vor dem Priester vorherging, erlielit aus 
dem Rath, den Origenrs Hom. 1 1 in Ps. 37, 
n. H dem Sünder giebt, den Arzt, dem er 
seine Krankheit offenbaren wolle, und un- 
ter dem nach Horn. 1 in Ps. 37 ein Prie- 
ster, nicht aber ein erfahrener Laie zu ver- 
stehen ist, lUTOr zu prfifen, um zu erfah- 
ren , ob er verstehe , mit den Weinenden 
zu weinen, und dann, wenn dieser es für 
gut finde, die Krankheit in der Versamnv- 
lung der ganzen Kirche zn offenbaren, da- 
mit er selbst geheilt, die tebrigen erbaut 
werden, sowie aus dem Berieht des /r»- 
tuifia Adv. haer. T, c 13. ii. 7. dass einige 
der von den Gnostikern verführten Frauen 
ihr Vergehen auch öffentlich bekann- 

ff<n. wäbn'Tid ander*' aus Scham dieses un- 
terliessen. Bei einem ganz geheimen Ver- 
gehen setzte die Selbstanklage die Kirche 
(M-st in den Stand, von ihrer Strafgewalt 
Gebrauch zu machen, den Sünder aus ihrer 
Oemeinsehaft auszusehliessen und zur B. 
zu verweisen. I?ei einem offenkundigen 
Vergehen dagegen, das vor dem weltlichen 
oder kirchliehen Gerichte constatirt war 
(Aug. Sertn. :5.')1, n. 10), wurde die Excom- 
munication Uber den «Sünder ausgesprochen, 
wenn er sich auch nicht zum Bekenntniss 
herbeihess, und er musste sicli <li''S(>ni un- 
terziehen und um Zulassung zur B. bitten, 
felis er wieder in die kirchliche Gemein- 
schaft auf'ij''iioninien werden wollte. Hatte 
er endlich die ihm auferlegten Buss werke 
genügend T wridi t et , lo wurde er vom 
schof unter Auflegung der Hinde losge- 



üiyiiizcd by Google 



182 



Buaae. 



tproehen, und der allgememe Tag der Re- 

conciliation war in dor römischen Kirche 
der Qründoimeratag {InmcmL Ep. 1, c. 7), 
in anderen imd namentlich orientalischen 
Kirchen der Charfreita};, Charsamstaj^ oder 
auch der Osterta^?. liei Krankheitsnillen 
konnte diese Ordnung' nutürlieh nicht ho- 
obsehtet werden. Wenn Oefahr im Verzug 
war, wurde die Recimciliation auch vor Voll- 
endung der B. vorgeuommen ifiypr. Ep. 
56, n. 2), und die £^ode von Nicfia nennt 
diewe l'raxi» eine alte Sitte, indem sie zu- 
gleich verordnete, üaas der Pönitent für 
den Fall seiner Wtedergenesung (bis zum 
Ablauf der Runszeit) nur am fJeliet der 
Gläubigen Theii haben solle (can. 1'6). Eine 
zweite Ausnahme Ton der Regel begründe- 
ten »odann die Friedensbriefe der Märtyrer, 
Libelli pari», von denen wir besonders durch 
TertulUan (Ad Mart) r. c. 1 ; De pudie. c. 22), 
Cüprian (Epp. 16, 21, 22, 23, 27 etc.) und 
Dionysius r. Alexandrien {Emeb. 11. e. VI, 
c. 42) erfahren. Sie enthielten eine Für- 
sprache für einen Gefallenen, näherhin die 

Bitte um Erlas^f der Jincli /u bestellenden 
13u88straten, und die Kecunciliatiun trat hier 
ebenfalb vor Ablauf der flbltehen Busazeit 
ein. In Carthnpo wurden die ( rcfallciien 
auf (irund derselben von einigen Priestern 
sogar ohne Befragen des Bischofs und ohne 
Beobachtung der sonst geltenden Grund- 
sätze zur Communion zugelassen (Cypr. Ep. 
16). Was nun die Dauer und Ordnung der 
B. im engern Sinin . oder der BussQbungen 
anlangt, so 8ch<'int die ernte Zeit ein kurzes 
und einfaches Verfahren gehabt zu haben. 
Nach den spärlichen Andeutungen, die uns 
darüber vorlie^'eii (I Kor. 5, 1 Ii".; II Kor. 
2f 8; Cletn. Alejc. Quis dives salv. c. 42), 
wurde die entzogene kirchliche Oemeinsehaft 
nach einer emstlicbcit Sinnesänderung als- 
bald wieder zurückgegeben. Aber bald stellte 
sich die NothwendigEett «n, dies erst nach 
einer längern Prüfung und Bewährung zu 
thun, und als die Busszeit eine grössere ge- 
worden, ting man im Orient auch an, die 
Bfisser in vier Klassen einzutheilcn. In der 
niedersten standen die rpojxXottovTE;. ßnite'i, 
die im Vorhofe der Kirche ihren Platz hat- 
ten und die Eintretenden unter Thränen 
um ihre Fürbitte anflehten. In der zweiten 
waren die axpo(u(tevoi, auäieutes, die hinter 
den Katechumenen im Narthex der Kirche 
standen und dem didaktischen Theile des 
Qottesdieustes oder der missa catechume- 
nomm anwohnen durfton. Die önoitfirromc, 
suhstrnti, die Husser der dritten Klasse, 
denen in der Kirche der Raum von der 
Thüre bis zu den Ambonen angewiesen war, 
erhielten nach Entlassung der Hörenden 
noch die bischötiich<' Handauflegung oder 
unter Handauflegung den bisekötliclieu Se- 
gen, und die Haltujng, die sie dabei ein- 



nahmen., gab ihnen den Namen. Die «o9Tfw> 

TSC. consisfentes , endlich, die Püssit der 
vierten Station, durften, wenn auch nicht 
communiciren, doch sonst dem ganzen Gk»t* 
tesdienst anwohnen, und ihr Name rührt 
entweder daher, dass sie während der gan- 
zen Messe bei den Gläubigen stehen durf- 
ten, oder dass sie bei der Communion , zu 
der sich die Gläubigen ins Presbyterium 
begaben, an ihrem Platze stehen bleiben 
mussten. Die drei höheren Stationen, die 
im Gnnzen denselben Antheil am Gottes- 
dienst luitten, wie die drei Klassen der Ka- 
teehumenen, werden bereits um das J. 263 
in dem kanonischen Brief de« GretjoHus 
Thaumaturgua erwähnt, und die bezügliche 
Eindieiinng -rerdankt diesem KircheuTater 
vielleicht ihren Ursprung (can..')). Die Wei- 
nenden wenlen von ihm noch nicht ge- 
nannt, da der Schlusskanon seines Briefes 
sicherlich unecht ist. Wol aber wird mit 
der Weisung, die Christen . die nach ihrer 
Gefangennehmung den Barbaren Henkers- 
dienste leisteten, seien vorerst und bis eine 
Synode Anderes verordne, sogar von dem 
Hören auszuschliessen (can. 7), zu erkennen 
gegeben, dass nicht alle Sfinder sofort in 
eine der drei Klassen zur P. aufgeunnimen 
wurden. Die schwersten Sünder hatten ihre 
Zulassung Tielmehr erst zu erbitten, und 
aus dieser Behandlung ging allniiilig die 
Station der Weinenden hervor. Wahrschein- 
lich kennt sie bereits die Synode von An- 
cyra 314, indem die ^i}»aC4|isvot in can. 17 
als TtpoTxXn'cvttc aufzufassen sind und so 
genannt wurden, weil sie bei ihrem Auf- 
enthalte in dem unbedeckten Vorhof dem 
Unwetter ausgesetzt waren, und siclier würde 
sie Basilim d, Gr. kennen, wenn die Echt- 
heit seiner kanonischen Briefe über jeden 
Zweifel erhaben wäre, da er von dem Fn- 
züchtigen bemerkt, er müsse vor seiner Zu- 
lassung zu den übrigen Bussgraden «n Jahr 
lang vor der Kirclitliiire weinen, rrpo^x/^iteiv 
(Ep. 199, can. 22), und von dem Mörder, 
er müsse in vier von den zwanzig Jahren, 
die er von der Eucharistie ausgeschlossen 
blieb, .vor den Tlu'iren des Hauses des Ge- 
betes stehend, die eintretenden (Häubigen 
um ihre Fürbitte angehend und seine Misse- 
that bekennend' \vf iii<<n (Ep. 217, can. .50). 
Eine zeitUch bestiniinte Erwähnung tindet 
sich erst in den Scholien des Abtes Johan- 
nes V. Railhu zu der l'aradiesosleiter des 
Joliannes Klimakus um die Mitte des Ü. Jahrb. 
(c. 12, Migm Patrol. c. c. 8. gr. LXXXVITI 
12^1), und sie nillt somir Iien its in eine 
Zeit, wo die Bussstationen nicht mehr be- 
standen. Ltt Abendlande scheinen dieselben 
keinen Eingang gefunden zu haben. Die 
Synoden von Elvira 800 und Arles 314 
ordnen wol eine mehrjährige oder immer- 
wtiurende Ezcommunication fOr die ver- 



Digitized by Google 



BlllM. 



1B3 



aehiedenen Sfinden an, sprechen aber nicht | 

TOn Bussstfltionon, wie die grie<*hiachpn Vä- 
ter und Synoden. Die Synode von Kicäa 
hatte swar für die ganse Kirche Geltang. 

Allein die einschlägigen Cunone« 11, 12, 14 
mit ihren Verordnungen über die Gefalle- 
nen hatten zunächst nur auf den Orient, 
das Reich de» Licinius, Bezug, und jeden- 
falls hatten sie nicht die Kraft, die Buss- 
Rtationen ins Abendland einzuführen. In 
der Fassung, die ihnen liufin H. e. X, c. 10 
giebt. ist das der griechischen Praxi» Ent- 
sprechende geradezu ausgelassen. Wenn 
aber hier Ton den Bussstationen nichts wahr- 
nmehmen ist, so begegnen wir hei den la- 
teinischen Vätern gewissen Anforderungen 
an die BQsser , von denen die' grieefaischen 
nichts berichten. Schon Terhminn spricht 
(Do poenit. c. 9) von einem besondern Kleid, 
das sie trugen , und die Synode von Aijde 
öOf; 77iacht ihnen das Abschneiden dcrlluare 
und tlas Aendern der Kleidujig <,'erHdezu 
zur Pflicht (c. 15). P. Leo I verbietet ihnen 
HandcIs^TscIiiiffc . Advocüfur und Krie<;s- 
diciist und riitli auch Enthaltung V(»ni ehe- 
lichen Umgang an (Ep. 1H7 ad Kustic. c. 
10 ISl. P. Siricius verlangte wie Verzicht 
auf den eheUchen Verkehr, so Enthaltung 
von einer zweiten Ehe, wienn die erste durch 
den Tod eines (latten gelöst wurde (Ep. I 
ad iiimer. c. 5), und die zweit«- Synode von 
ÄrUa 452 bedroht die Eingehung derselben 
sogar mit Exconimunicafion (c. 21). Oic 
Synode von Barcelona 541 gebietet ihnen 
weiterhin, keinen Theil an Gastmählern zu 
nehmcTi und in ihren Häusern ein nüchter- 
nes und enthaltsames Leben zu führen (c 7>. 

III. Die bisher angefahrten Grundsätze 
bezüglich der H. fanden atif die Kleriker 
nicht immer Anwendung, uud deren Sonder- 
stellung ist daher noch kons ins Auge zu 
fassen. Im Anfang /war scheint zwischen 
Klerikern und Laien kein Unterschietl ge- 
macht und jene ebenso wie diese beim Be- 
gehen einer f'apitalsünde zur M. verurtheilt 
worden zu sein. Vou Cyprian erfahren wir, 
daas Bischöfe B. thaten (Ep. 52, n. 8; 67, 
n. 6) und dass zu seiner Zeit die nussptliclit 
flberhaupt auch den gefallenen Klerikern 
galt (Epp. «>4, 66). Die Synode von JSSfm'ro 
vtTUffcilte die Kli'rikcr cbcn-io wie die 
Laien zur H. und inunerwährendeu Excom- 
mnnication (c. 18, 7ß), und ihnlich yerfnhr 

die Synode von Neorffcsana MI 4 325 1 ). 
SO dass es keinem Zweifel unterliegen kann, 
dass die Kleriker im Anfeng zur 6. ange- 
halten wurden. Aber noi b im 4. Jahrb. 
griff eine andere Praxis um sich. Da der 
zur B. yerurflieilte OelsHiehe zugleich sein 
Amt verlor, so erlitt er im Vergleich zu 
dem Laien eine doppelte Strafe, und da 
hierin eine Un^whlMit in liegen schien, 
•0 wurde er mit BeruAing auf Nah. 1, 9 



bei Begehung einer schweren Sflnde nur 

nielir iiliircsetzt und zur Lnienconiinunion, 
nicht aber auch zur B. verwiesen. Der 
25. apostolische Kanon achreibt dieses Ver^ 
falircn j^'etjenülter ilem Bischof, Priester und 
Diakon oder den höheren Klerikern vor. 
Die afHcaniscVe Synode vom J. 419 ver- 
ordnet, dass die Priester und Diakonen im 
Fall einer schweren Sünde wol abzusetzen 
seien, dass ihnen aber nicht wie den Laien 
die Hand zur B. aufgelegt werdc'u dürfe 
(c. 27 Hardum Conc. I Ö78j, und P. Leo I 
erklärt, diese Behandlung beruhe unzwei« 
felhaft auf apostolischer Ueberlieferung (Ep. 
167, c. 2). Diese Behauptung ist schwer- 
lich richtig. In den ersten drei Jahrhun- 
derten waren die Kleriker vielmehr gleich 
den Laien der B. unterworfen, und das 
Bestrehen, sie derselben zu entziehen, tritt 
nachweisbar erst etwa seit der Mitte dea 
4. Jahrh. auf. P. Siricius wollte sogar, dass 
sie durch die Kleriker nicht einmal sollte 
freiwillig üboniommen werden dürfen (Ep. 
lul Himer, n. 14). fand aber für diese Forde- 
rung nicht überall Zustimmung, indem die 
Synoden von OrUans 441 (c. 4) und Arles 
452 (c. 25)) verordneten, sie sei ihnen auf 
ihr Verlangen nichr /u verweigern. 

IV. Die Leirun«: der H. stand, wie die 
Verwaltung der Kin he überhau|»t. dem Bi- 
schof zu. Er entschied über die Zulassung 
zur B.. bestimmte die Dauer derselben oder 
die Bu-stcrniine, noenitentiae tempora. wie 
die Synode von Ilippo :VX\ (c. 'M)\ sich aus- 
drückt, und nahm s< hliesslich unter Auf- 
legung der Händi' die K<'conciliation vor. 
Die Priester handelten nur in seinem Auf- 
trag. Die crwiihnte Synode verbot ihnen 
ausdrückücli, ohne ihn zu befragen, einen 
Poenitenten zu ubsolvireu, es sei denn in 
einem Nothfalle und in seiner Abwesenheit 
(c, 30), und noch weniger stand dies den 
Diakoneu zu. .Merkwürdiger Weise ertheüte 
ab«r Cttprian für einen Nothfall auch ihnen 
die \'idlnnicht, das I'ck<'Mnt?iiss t'iir;,'<>tren- 
zunehmou und die Haudautleguug oder Los- 
sprechnng zu ertheilen (Ep. 17, n. 1), und 

ähnlich verfuhr die Synode von Kirim (c. 
.VI). Doch handelte der Bischof in Verwal- 
tung der BttssgeschAfte nicht mnselilietaliidi 
allein. Er belVagre nicht blOM Reinen Kle- 
rus, sondern auch die (iemeinde, und Cy- 
prUm hebt an einer Reconeiliation ausdrflck- 
lich tadelnd le rvur. >^ie sine petitu et 

con.scientia plebis erfolgt sei (Ep. 64, n. 1). 
Im Orient worden die Russgeschilfke früh» 
zeitig einem besondern Priester übertraijen, 
der in Folge dessen den 2samen Busspne- 
ster (bei Cum. Alex. Qnis dives salvetnr c. 
42 heisst er auch Hnss(«ni,'el : vgl. Pastor 
Hermae II prooem.; erhielt, und nach 60- 
ertU» H. e. V, 0. 19 geschah <Ue8 nach 
dem AuBbruch des novatianisehen 



üiyiiizc-d by Google 



184 



B< 



nMh Sozomenus II. c. VII, o. If», deMen| 
etwa« abweich<*ii(l(>r ßerielit den Vorzup 
vordienen dürfte, in der AnfangH/eit der 
Kirche. Der KntstehungBgrund de« neuen 
Amtes lirijt nach lofzform in der Absicht, 
das zum Nui-hla8s der iSünden nothwendiffe 
l'x kt nntnim su erleichtern. Das öffentliche 
Bekfiinrniss vor der grunzen Gemeinde er- 
Hohien luiiiilich als schwer und lä.sti<r. und 
da es aus diesem Grunde vielta<'ij unter- 
blieb, so wählte der Bischof aus der /ahl 
seiner Priester einen aus, der sich durcli 
Unl>escholtenheit , Verschwief,'eiiheit und 
Klui,'heit auszeichnere . (inniit er ilj ri Sfin- 
dern das Bekenntniss abnehme , entspre- 
ehende Busswerke auferle^^e und sie von ' 
ihrer Sduild losspreche. Die obctste Lei- 
tung der B. verl)liei» daliei noch immer 
dem Bischof und er dOrfte in8l>esoiKiere die i 
feierliche Reeoneiliatioii der Hiisser in der 
Oster/eit sich vorbehalten haben. Aber die, 
Abnahme der einzelnen Beichten, <Ue Ent* 
Scheidung , ob auch ein öffentliches Be- ' 
kenntniss abzulegen sei, die Bestimmung i 
der Bassfibungen und die Ueberwaehanf^ | 

der Büsscr ward Sache des Bu.ss|)rii'^r( rs. 
Das Amt detutelbcn erliielt sich bis gegen, 
Ende dea 4. Jahrh. Als aber um daa Jahr 

H1)0 ein öffeiltliclies Bekeniltlli-*s iti Oon- ' 

stantiuuuei grosses Aergerniss erregte, wurde 
es durch den Patriarehen Nektamie waSf^ 

hoben un<l die katholischen Kirchen im 
Orient folgten dem Beispiel der Hauptstadt, 
wfthrend die Beeten bei dem Herkommen 
blieben. Der Vorfall hatte noch weitere 
Folgen für das Busswesen. Namentlich hat- 
ten das Öffentliche Bekenntnis« nnd die Bni»- 
»tationen f(»rtan ein Knde und die öffent- 
liche B. überhaupt hörte wenigstens im 
Allgemeinen auf, wenn rieh auch noch ver- 
einzelte Beispiele von ihr finden. Die Stnif- 
gewalt dagegen wurde von der Kirche nicht 
aufgaben. Die schweren Sfinder wurden 
auch in der Folgezeit mit der Excommuni- 
cation bestraft, wie verschiedene Canones 
der tmtlanischen Synode rom J. 692 zei- 
gen, und die geheime Beicht, die sich uns 
schon neben der öffentlichen dargestellt hat, 
galt auch femer als ein Mittel, sich von 
den Sünden zu reinigen {Chnju. Honi. IX 
in Ep. ad Ilebr. n. 4 u. 5; liom. III de Da- 
vide et Säule n. 2; Anast. Sijn. De s. 9%Tinxi ; 
Migiie LXXXIX HXV}. Auf das AKriidland 
hatte die Massregel des Patriarchen Nek- 
tarius keinen Eintluss. Die öffentliche B, 
erhielt sich hier auch in den folgenden Jahr- 
hunderten, wie aus Coneilsbeschlüssen nnd 
päpstlichen Decreten hervorgeht, und zudem 
ist es zweifelhaft, ob es hier, wie im Orient, 
▼on Alters her einen Biisspriester ga)». Aus 
den vier ersten Jahrhunderten liegt für den- 
selbmi wenigstens kein Zeugniss V(»r. >V>- 
somenus U. e. VII, c. 19 fand ihn Kom 



noch nicht, und nach dem Liber pontificatis 

war es erst P. Simplicius (4iu — 4831. der 
an den römischen Kirchen Busspriester auf- 
stellte. Eine Aenderung trat im Abendlande 
im 7. Jahrh. insofern ein . als seit dieser 
Zeit die Entla.s.sung der l'önitenten aus dem 
Gotteshaus bei dem Beginn der missa fid^ 
lium nicht mehr nachzuweisen ist. Di»' Sy- 
node von Kpooti 317 kennt den Kitus noch 
(c. 2H): aber die alten Sacraraentarien, die 
im 7. Jahrh. oder noch s])äter geschrieben 
wurden, halu-ii ihn nicht mehr. 

V. Die Bestimmung der B. kam dem Bi- 
s<-hof zu. der tlarül)er auch sein IVesliyto- 
rium und die (Jemeinde zu hören pflegte. 
Gleiche Fülle wurden in der Kegel gleich 
behandelt, und der innige Verkehr zwischen 
Bisciiüfen und Gemeinden Imhnte allmälig 
auch in weiteren Kreisen ein einheitliohea 
Verfahren an. Es wurden Anfra^'en Lre- 
stellt und beantwortet, un«! so entstanden 
die Bumtbriefe, epistolae canoniea*^ die an 
sich nur die Privatansicht eines einzelnen 
Bischofs oder die Praxis einer einzelnen 
Kirche enthielten, aber durch weitere An- 
erkennun«: i^rösseres und schliesslich aüge- 
meines Ansehen erlangten. Aus der grie- 
chischen Kirche sind mehrere auf die Nach- 
welt ).'eliiiit;t und sie finden sich in der 
Ausgabe der Werke BalsamonSf der sie er- 
klSrte, snsammengeetellt (Migne Patroi. c. 
C S. gr. t. CXXXVIII). Die berühmteren 
sind die von Gregorius Thaumaturgus, Ba^ 
silins d. Qr. und Gregor von Nyssa. Die 
drei Briefe de« hl. Basilius sind ziemlich um- 
fangreich, stellen gewissermasseu ein Buss- 
bueh dar und geben in 84 Canones eine 
tnihezu vollständige Bussctrdiiung. Nament- 
lich wird die Zeit genau bestimmt, die der 
Sfinder BoynA im Ganzen, als auf den ein- 
zelnen Stationen in der B. zuzubringen 
hatte, während in dem viel kürzem und 
nur einzelne Falle behandelnden Brief des 
hl, Gregorius Thaumaturgus nur die Sta- 
tionen angegeben sind, denen die eiiueinen 
Sfinder zugewiesen werden sollten. Doch 
sollte die Zeit keineswegs als au.sschliess- 
licher Massstab gelten, sondern auch die 
Art und Weise der B. oder der Emst der 
Bussgesinnung in Betracht gezogen werden 
(can. 84). Ihre Echtheit ist allerdings zwei- 
felhaft {Binterim Denkw, d, ehristkath. K. 
V 3, 366 ff.). Aber jedenfalls sind sie nicht 
viel jünger, als der grosse Bischof von Cae- 
sarea, da der zweite und dritte bereits in 
der Kanonensammlung des Patriarchen Jo- 
hannes Scholastii'us v. Constantinopel (t578) 
erscheinen, und ihr Inhalt mag daher wol 
im Allgemeinen mit der im 4. Jahrb. übli- 
chen Busspraxis übi'reinstimmen. Ungefähr 
gleichzeitig mit den Epistolae canonir-ae tau- 
chen auch Synodalbeschlüsse über die Buss- 
disciplin auf. Die a&icanischen Bischöfe be* 



üiyiiizc-d by Google 



BlMM. 



185 



fiMton sidi sehon um die Kitte des 3. Jahrh. 

auf rinor S>Tiode mit ihr. und Ci/prinn 
tpriclit vou einem Libellus, in dem die Strafe 
der Sttnder nach HaBsgabe der Schuld be- 
stimmt war (Ep. 55, n. H). OriiautTi« Vor- 
ordaungeii Hegen uns noch in deu Canonen j 
der Synoden Ton BlTira, Ancyra, Neoeae-f 
sarea , Nicäa u. a. vor. Vom Endo dos 
4. Jahrb. an gaben nachweisbar auch dici 
Pipste einechlüGrige Entscheidungen , und 
e« koinmrri In suti lns Siricius, Iimoconz I 
und Leo I in üctracht. Die gegebenen Ent- 
•eheidungen wurden allmSlig susammenge- 
SteOt oder auf Grund dcrscllicn rnnio 

S)ben und so entstanden die B uss b ü c h e r, 
e indessen^ soweit sie auf uns gehingten, 
bereits dem MA. angeliören. Nur au» der 
altbritischen und irischen Kirche sind uns 
einige Brachtheile erhalten gebKeben, die 
noch ins 6. Jahrh. fallen (abgodrurkt bei 
Waaserschleben Die Bussordnungen d. abend- 
länd. Kirche 101 iF.), und ebenso würden 
das Poenitentiale, ein Beichtrituale mit Be- 
stimmung der B. für ventchiedene Sünden, 
und der Sermo de poenitentia von verwand- 
tem Inhalte iMigne Patrol. c. c. S. gr. 
LXXXVIII 1889 ff.), die unter dem Na^ 
men des Patriarchen Johannes Nesteutett 
TOB Constantinopel 59.'>) in Umlauf ge- 
kommen sind, noch dem Alterthum ange- 
hören, wenn sie echt wären und nicht ge- 
wiehtiige Gründe für einen spätem Ursprung 
■praehen (Hiuffiim Denkw. V. 3. :HS ff.). 

VI. Dan liekenntniHs der Siin<ii'n, da.s 
dem Priester uliirt lcgt wurde, durfte von 
diesem nicht kundgemacht werden. Ks galt 
als vor (iott abgelegt, und (Jott, bemerkt 
Ch rt/sostomus (Cfitech. II, n. 4 ad illuminan- 
do«), macht es nicht offenbar. Ks war ferner 
ein freiwilliges Geständnis» und hatte nur als 
solches Kraft und Bedeutung, weashalb der 
Bischof gegen einen Pönitenten, der es zu- 
rücknahm, nach dem 182. Kanon der afri- 
canischen Synode vom J, 419 nicht öffent- 
lich einsfhreiten durfte. Sozoniemis II. e. 
VII, c. 1(J nennt unter den erforderlichen 
Eigenschaften des Busspriesters ausdrück- 
lich auch die Verschwiegenheit, und von 
Ambrosius hebt sein Biograph Paulinus her- 
vor, dass er über die ihm gebeichteten Sün- 
den mit Niemand sprach, als n»it Gott. Das 
Beichtsiegcl, wie diese Verschwiegenheit im 
HA. genannt wurde, war hiernadi dem 
oliristlichen Alterthum nirht unl)ekannt. 
Doch konnte es mit ihm, so lange es noch 
ein {Hfentliches Bekenntniw und eine Sffent- 
liche B. gab , nicht so streng genommen 
werden wie später, da diese beiden Mo- 
mente am Busswesen in Wegfall kamen. 
Die Forderung eines öffentlichen Rckennt- 
nisses war immerhin eine Bekanntmachung 
der SVnde, wenn ine aneh von dem P5ni- 
teilten selbst vollaogen wurde, und xum 



Theil enthielt auch die Sffentliehe B. eine 

solche, indem sich aus ihrer Art und Dauer 
bisweilen ein Uückschluss auf das began- 
gene Verbrechen machen liess. Es lag hier 
wenigstens eine Offenbarung vor der TJe- 
nieinde vor, wenn die Phicht des Schwei- 
gens etwa auch dieser galt, wie TertHUian 
(De poeiiit. c. 10) anzudeuten scheint. Wenn 
aber das Beichtsiegcl nach dieser Seite hin 
im Alterthtim einige Lücken zeigt, so ist 
doch das sichtliche liestrelien iii< ht ausser 
Acht zu lassen, sie auszufüllen und die 
Vorgänge im Busswesen so viel als mißlich 
dcTii Auge der Mensrheti zu entziehen. In 
dem 34. Kanon des hl. Basilius wird, um 
die Sünderin vor dem Todesurteil su be- 
waliK II, nicht nur verboten, den Eihebruch 
einer Frau, der durch die Beicht oder sonst 
zur Kenntniss des Priesters kommt, zu ver> 
rathen, sondern auch, um einem Hückschluss 
von der B. auf die Sünde zu be^gnen, ver- 
ordnet, dass die ganze B. bei einem sol- 
chen Vergehen auf der Station der Stehen- 
den zu vollbringen sei. Augustin spricht 
fenier den Grundsatz aus: corripienda sunt 
coram omnibus, quae peccantur coram Om- 
nibus ; ipsa corripienda sunt secretius, quae 
peccantur secretius (Serm. 82, c. 7, n. 10), 
und wenn er ihn auch zunächst für die 
brüderUche Zurechtweisung aufstellt, so be- 
zieht er ihn doch zugleich auch auf das 
kin hüche Hussgericht. I*. Leo I verbot es 
endlich als geset/widrig, als er von einigen 
Hischöien in Campanien hörte, dass sie ein 
Verzeichniss der einarinen Sünden öffentlich 
vorlesen Hessen, da es genfige, die Gewis- 
sens.schuld dem Priester allein in geheimem 
Uokenntniss anzuzeigen , und ein Grund, 
der ihn zu diesem Vorgehen bestimmte, 
war die gerechte IJesorgniss, es nuichten 
sonst viele von Beicht und B. zurückge- 
schreckt werden (Ep. 1»!S. c. "i). |Kin Bei- 
spiel von öffentlicher H. nennt uns eine In- 
schrift von Lvon aus dem J. 520: IN HOC 
TVMVLO KKQVIISCKT BO : NAE ME- 
MORIA«' CAHV8A KKLKUO ' SA QVI 
KG IT PKNETKNTIAM ANNVS VIGIN- 
Tl ET DVOS ET VIXE IN PACE AN- 
NVS SEXAGENTA QVI NOVE OBIET 
DIAE XIII KALENOC TVBRS RV- 
STIANO KT VITALIANO V <M.. Boissim 
Ainay, sou autcl, son amphithei^tre, scs 
martyrs, 99; Martigny 628. K.] — Zur 
liitteratur über diesen Gegenstand ist noch 
nachzutragen: Morinus Comm. histor. de 
disoipl. in admintst. sacram. poenit., Paris. 
Ifiöl; Natalis Afexantler Dissert. bist. ecci. 
saec. III; Simtonä Hist. poenit. publ., Opp. 
Venet 1728, t. IT; Alba»j)ina«M» Observ. 
ecclesiasticae ; Petariiis De poenit. publ. et 
praeparat. ad communionem; Orsi Dissert. 
hiBt de eapitaL orin. abiolnt.; Khe Die 
Beichto, eine hist-bit. Unten.« 1828; Frank 



üiyiiized by Google 



186 BsNbllcber 

Die BttMdiieipliii d. Kirche, 1867; Probst 
Sai ramctitP u. Sacramentalien, 1872; Bt'ng- 
h»m Urigin. eeclesiast. 1. XVI; Steilz Iha« 
rSm. BaMnacraineiit, 1864; Kliefoih Die 
Beichte und Abiohitioii, 1866. pumc. 

B1J88BÜCHEB, s. Bwm» Y. 

BÜ88GN6EL, 8. Buwte HT. 
BUSSPRIESTER, s. lius,^t IV. 
BUiSSTERKDiE, s. Busse lY. 
BU8Si)BUKQEN, s. Bnne II n. lY. 



— CMcilU. 

BÜ8TEBHA Ar Reliqnienkasten (von bn- 

Ktum, der Ort. an wolchoin die Loiolicn vfr- 
branut wurden , dann übertragen von dem 
Ort der Beiietniiig), wird nadi BoltdflH TL 
757 pinmal in einem vaticanisohen Ms. \ye\ 
Severano de VII urbia £ccl. gebraucht; 
Qref^T d. Gr., heiast en, habe unter ande- 
ren Reliquien oincii .\rm dea hl. Lucas und 
ein Stück von einem solchen des hl.. An- 
dreas ans Conttantinopel mitf^braeht, welche 
er in busterna (Icauriita i t (•v< la<libuK con- 
perta poni praecepit et deportari ad ecele- 
siam b. Andreae inxta banlieam prineipii 
apoetolomm in Yaticano. 



C. 



CAECIUI, die hl. Die Acten der Hei- 
ligen (abgedr. bei fiostoHist. nass. 8.Caecil., 

Rom. H!00, danach bei Larlrrrhi S. Cnoo. 
tiasil. Ul. Horn. 1722; ein viel besserer Text 
in den Handschriften, s. de Bos» R. 8. II, 
p. XXXrV f.) lassen die aus senatnriscbem 
Range (ingenua, nobilis, clariasima) ent- 
sprossene Jungfrau, die sich bereits dem 
Herrn ^jt-woiht. dem junpn lli idfii Valr-- 
rian augetraut worden ; si«' ühurredcte aber 
ihren Brftuti^am, den Papst ITrbanus auf* 
zusuchcn . di r si( h in einem ('oemef^'rium 
an der appischen Straase verborgen hielt; 



diesem gelingt ca, Valcrian wie dessen Bru- 
der Tiburtius sum Christenthum zu bekeh- 
ren, worauf Picidc das Martyriuni iTlcidm 
und mit ihnen der durch den Anblick ihrer 
Standhaftigkeit bekehrte OfBrier Maximns. 
('. widlfc (tiT l'räfert /.iinä<dist im Caldariiim 
-ihres eigenen Palaute» durch Uümple ersticken 
lassen; als sie aber gleich den Knaben im 
Feucrofi'ti unversehrt blieb, befald er. ihr das 
Haupt abzuschlagen. Der Henker hatte, ohne 
sein Werk zu Tollenden, ihr die drei gesetz- 
üidien Streiche f^epd)(>n und war <lnnn fort- 
geeilt. Man fand die Martyrin noch lebend 



»■l.. ' ■ ! . 1 L I II 1 'l ' )t\ Ii lill> 










üiyiiizc-d by 



Caecilia. 



187 



auf dem Marmorboden liin^eRtreckt. Urban 
habe dann die Leiche in dem Coemeterium 
de« hl. Callistu» nahe der Ruhestätte seiner 
Amtsbrüder begraben. Die Acten, wie sie 
vorliegen, sind ohne Zweifel stark über- 
arbeitet und verderbt, verdienen indeKsen 
nicht die wegwerfende f3ehandlung, welche 
ßie bei TillemotU und Lipsius erfahren ha- 
ben. De Rossi hat den Kern von Wahr- 
heit, den sie enthalten, herausgeschält, und 
setzt demnach da« Martyrium der C. nicht 
in die Zeiten des Papstes Urban, also unter 
Alexander Sever, sondern unter Marc Aurel 
und Commodus (die Acten sprechen von 
principes und iniperntores), womit Ailo^s 
Notiz zusammenstimmt, welcher dan Alarty- 



riom um 177 setzt. Der in den Acten er- 
wähnte B. Urban ist nicht der Papst, wo- 
zu jene ihn machen , sondern ein anderer 
uns unbekannter Bischof, vielleicht ein Au- 
xiliar des römischen. Papst Paschalis I 
(H17j übertrug nun die Gebeine der hl. C. 
aus den Katakomben in die Stadt, wo sie 
in der Cäcilienkirche in Trastevere ruhen; 
er hatte sie nach dem Lib. l'ontif. ganz 
nahe bei den (iebeinen der Päpste gefunden. 
Der Körper der Heiligen wurde mit grosser 
Sorgfalt transferirt, und als im KJ. Jahrh. 
der Cardinal Sfondrati den Sarkophag 
von Cypressenholz eröffnete, fand man die 
Leiche der Heiligen vortrefflich erhalten, 
auf der rechten Seite liegend, wie sie im 




Fig. S7. stet UtaiwM't hl. Ciollia. 




T1(. 88. Wand^milde in der Krypta der hl. CäcDla. 



DigitizcL. 



188 



Caecilia. 



Tode hingeBuiiki'ii wnr, Sfondrati barfj die | Hchalii« übertrug. Fijfur 8(5 j^obt ein Bild 
kostbaren (lebein«' unter dem neuerriobte- der präsumptiven ernten Hei»ctzung8stätt«, 
ten HorhaltKr seiner Titularkircbe und »ti'llte »o wie «ie sieli jetzt darstellt, 
unter demselben die »ehöne Statue auf. wel- l)a«i» da« T«'rrain , welohes die Cäcilien- 
ehe Stefano Mmlfyuo von der Heilifjen an- {^ruf't umsrbliesst, der Familie der Caecilii 
geferti}?t (s. Fi;?. ST.). gebort babe, unt«'r]iegt keinem Zweifel. 

Naciidem de Kossi 18.') 1 die Papstkrypta Sehon Cicero Tusoul. 1 7 weis«, datw die«c 
entdeckt , musste er erwarten , aueb di»» f Jens hi«*r an «ler Appia ein Besitztbum 
Grabstätte der C". zu linden. Er eonstatirt«' batt»'. Mebrfaebe epi^rapbisebe Funde l)e- 
dieselbe in der That in einer bis in da» weisen, dass Mitjjlieder der Gens, heidnische 
Luminare mit Scbutt anfjefullten Krypta wie ebristlicbe , in unmittelbarer Nähe der 
in der unmittelbaren Nähe d»'rse|l(en. Der H»>ilif;en beerdif^t waren. Die Annahme ist 
historisebe Charakter dieser Krypta erhellte deminioli >festattet, dass die Grabstätte der 
aus den Wanihnalereien derselben sowol Gens C. der Ausgangspunkt de« Coemo- 
als aus den (iraftitti's, welc-h' letztere ganz terium Callisti war. Für diw Nähere muss 
der E|M)ehe l'asriialis* cntspreolien und die auf de Itossi K. S. 11, auf Kraus U. 8, 
Geschiebte v(in der Translation der Ge- 2. A. Ki" f. verwiesen werden. Guernngers 
beine zu bestätigen scheinen. Die Male- Ste. Cecile (Paris 1874, Didotj ist ein typo- 
reien gehören verschiedenen Zeiten an. Eine graphisches, mit reichen Illustrationen ge- 
derselben. etwa dem 7. Jahrb. angehörend, scbmücktt's Prachfwerk, aber ohne wissen- 
»tellt eine vornehm gekleidete junge Frau schaftlichen Werth. 

in betender Stellung dar. unter ihr ein | Auflallend ist allerdings, dass die römi- 
Christuskopf unil der W. l'rbanus, in df>ni ' sehen (ioldgläser keine Al>bildungen der hl. 
Luminare die zum Tbeil unbekannten Hei- ('. liringen. Die älteste der uns erhaltenen 
Ilgen Polyeamus, Selwstianus und Curinus 
(s. Fig. 88 u. 8*.)j. Es kann kaum einem 
Zweifel unterliegen, dass wir es hier mit der 
C'äciliengruft zu thun hal)«>n: fraglich ist 
nur, ob dies von .\nfang an die Ruhestätte 
der Martyrin gewesen, oder ol», wie de Uossi\ 
und Mariiijuij annebnu-n, ihre Gebeine zu- i 
erst an einem andern Orte lieigesetzt wa- 
ren. Dieser andere Ort wäre kein anderer 
als das Familien-lly|»oi;eum der ("aecilii ge- ; 
• Wesen, er wäre identisdi mit der spätem 
Papstkrypta, aus wcIcIhm" Callistus ('s. d. A. 
und beistehende Al)bildung nach ein«'m Fondo 
d'oro) die (iebeine nach der benachbarten ' 

Krypta gebracht hätte, aus welcher sie Pa- rif. so. ooUfUi. 





Google 



CalUenta« — OaBonei Aportoloniin. 



189 



D«r«tenun^'< n (h'fsollKMi — die s|iiit»'n' KuuKt 
hat tlircrn Aiulcnkei) licknniitlich in '^Vdn- 
zendüter Weise gehuldigt — bietet dan Mo- 
nik der Ooncmt in S. ApolKnare Nuovo 




rSg. 91. MoMik in IUtciiu. 

za Kavenna (Ö7U), wo 0. in dem Chore 
der Janfj^uen eraoheiiit (s. beiitohende 
Abbildung Fig. 91 am dampkii Vctt. Mon. 

III, tUV. 27 ). KU AUS. 

CAELICOLAE, h. Asinarii und Eüol. 
CALKiAE, s. Kleider. 
( ALIX, s. Kelch. 

C'ALL1CVLA£. Dan Wort ist seinem L'r- 
s|>run(; nach dunkel, die Ableitung Ton u- 

Ä'k, wie Martigny sie giebt, ist nicht walir- 
achoinlich. Es findet sich Imperf, Horn. 54 
n Mfttth. 15 gleich Tinte (Dueange \. v.), 
so dass der Sinn ,Tu|>fen' »ich daraus er- 
gäbe, in welchem es = -cpo;(a&c gebraucht 
wird. Man versteht nämlich unter C. jene 
den Gewändern der Alten häufig als /in- 
rath eingewirkten oder aufgenähten Koüet- 
ten , meist von Purpurfarbe. Von vor- 
christlichen Gemälden weisen ein Fresco der 
Thermen des Titus (.S'. BaHoli Pitt. ant. delle 
grotte di Roma, tav. 4) und 
der V< r^'il des V»tican 
(Dido's K leid, /um zweiten 
Gesang; «olelie C. auf. 
8chr häufig begegnet man 
ihnen auf eliristlichen Bil- 
dern, so aut dem (Jewande 
des guten Hirten (Hotlari 
tav. 7M), auf den Kieiilern 
von Oranten (cl». tav. 122, 
luiil l'iriet II, pl. 7), auf 
< lold^'liiser?! (Garfucci 
tav. 2,') \ 29*, wo ein 
n. M A.I.I I.. KindniitdreisolcherC'.auf 




Auf dem );rosH( n, der diodetianisohen Zeit 
angehörentleii Fresco der .fOnf Heiligen' in 
der Katakombe von S. Sotere haben vier 
Personen C. auf den Klciilcni (<lr Rrmi R. 
S. HI. tav. 1 -2>: auch der hl. Uutinianus 
auf der schönen Wandmalerei in S. Gene- 
rosa (eb. tav. 51) trägt deren. Vgl. dt 
Rossi a. a. O. 5.'). Nicht minder sieht man 
die C. auf dem Schleier der Veneranda auf 
dem Wandgemälde in der Krypta der hl. 
Petronilla, s. r/- 1,'ossl Ünll. IST.S. 17. tav. 1. 
Diese 0. müssen durchaus als Abzeichen 
einer glSnsenden Tracht gegolten haben; 
der hl. Per|.etua erscheint der T)i:ik(tii Pom- 
ponius im Traume in einem weisjsen Ge- 
wände: habens mnltipliees ealUculas (Act 
s. Perpetuae et Felic. c. 10; Huiiiat f 90); 
und ebenso triigt in den Acten derselben 
Perpetua der Lani$ta ein Kleid mit Chtvi 
(s. (I. A.) und 0.: habens et callirulas multi- 
formes ex auro et argento fuctas. kuaus. 

CAHPANARII. Seitdem gegen Ende der 
idtchristlichen Periode grössere und klei- 
nere (i locken als Einlademittel zum ( jottes- 
dienste in Klöstern, Domen und Kirchen 
in Gebrauch kamen, entstand auch ein oige« 
nes Amt, da« des Glocknen oder Campa.- 
narius. Nach dem Ordo romanus hatte der 
ostiarius zugleich Am Läuten zu besorgen. 
Die dieebesfigliche Vorschrift findet sich in- 
dessen in den ältesten liamlschriftlit-hen 
Pontiticalien niclit. Am frühesten lässt sie 
sich nachweisen in dem Pontif. Camerac. 
Aim <;0()) und Salisburg. (\\m 7(K»). Vgl, 
Murthie De antiq. cccl. rit. IV :}:{9, Die 
I Synode von Aachen (801) will, da.ss die 
Geistlichen selbst .ZU bestimmten Stunden 
die Glucken ilirer Kiri'lit n läuten, wenn si(i 
den betretlcndeii ( Idtti sdienst halten' (.Mo- 
num. (lerm. iii^t. IllsT; //r^i"/'* Conc.-(resch. 
I III (>91). .\n Stiftskirclien, wo die C. auch 
! clockemanni genannt wurden , sollten sie 
litfiTati sein, die zu^^leidi am Alrarc dienen 
kijunten {Ode (flockenkunde 41;. mü.nz. 

j CANCELLI, s. Altar n. 8. 

CANDELA, s. Lichter. 

! CAXDKLABRÜM, s. Leuchter. 

CAXONES ArOSTOLORUM. Fnter die- 
sem Namen sind mehrere kirchliche Cano- 
I nes in Umlauf gekimmmn un«l sie wurden 
in der Kanonensammlung, die der römische 
Abt Dionysius Exiguus gegen Ende des 
5. Jahrb. für den Bischof Stephan von Sa- 
lona aus dem Griechischen ins Lateinische 
übersetzte, in erste Linie gestellt. Ihre 
Zahl betrug damals 50, und ihre Redaction 
sollte nach der l'eberschrift ( Uegulae eccle- 
I siasticae sjuictorum apostolorum prolatao 
i per Clem(>ntem ecciesiae romaaae pontill- 
cem) durch den rdmischen Clemeni voige- 



üiyiiized by Google 



190 



Caoonea Apofttolorum. 



nomiDen worden sein. Bald darauf wurden 
lie um 35 vormehrt und mit den aposto- 
litdieu CuuMtitutionen in Verbindung go- 
Inmoht, indem nie alu c. 47 vor den Sohluss 
des achten Buches »lersellien frosetzt wur- 
den, und in dieser Zahl begegnen »ie uns 
in dem SuvcoTji« xetvjvai«, du um d» J. 550 
von Johannes Schohvsticus von Antiochien 
herausgegeben wurde. Die Differenz zeigt, 
da Dionyiins in seine Kanonenmmmlung 
iiii'lit r'twii nur einen Thi'il , soinlfni alle 
auluahm, die er in den griechischen Hand- 
sehriften vorfand , dass an ihrer Zusammen* 
stcllunt^, die zutU'ni (h's Innern Zusaminen- 
hflügcs und der sauiüichen Aufeinanderfolge 
entbehrt, mehrere und zum mindesten xwei 
Personen thätig waren, und die erste Samm- 
lung, die 50 Canone« umfasstc, war, wie 
bereits erwähnt, j?egen Ende des 5. .lahrh. 
schon bekannt. Die Zeit ihrer Entstehung 
int zweifelhaft und für ihre Ermittehinj^ 
fällt nuuientlii-li die Fraf^e ins (Jewieht. oh 
einselne Canone» und namentlich der e. 83 
den entspreehenden (Janoncs (lesConcils von 
Ohaicedon (451) nachgebihlet wurden, oder 
umgekehrt, indem sich je nach ihrer ße- 
antwortunf» die Mitte des 5. Jahrh. oder 
eine frühere Zeit als Ausgangspunkt ergiebt. 
Volle CHefaerheit ist in dieser Berienung 
nicht zu «gewinnen und es sprechen für heide 
Lösungen nicht unerhebliche Gründe. Wahr- 
aebeinnch aber entstand die Sammlung vor 
dev Sjniode von Chali f'ilon. und es kommt 
hier namentUch in Betracht, doss die Sy- 
noden Ton Ephesus (431) und Constantinop'el 
(448) für die dreimulij^e Vorladunj,' vor (Jc- 
richt, wie sie in can. 74 angeordnet ist. 
während die alte Kirche in dieser Beziehung 
Iceinc bestimmte Praxis kennt, sich bereits 
auf kirchliche oder auch göttliclie C'anones 
beziehen (Harduin Conc. I ISlio s«j., 1433, 
II 377); das« der Erzbischof Rheginus von 
Cypern sich in einer schriftlichen Kin<,'ahe 
auf der Syn(Mle von Ephesus auf die apo- 
atoliei canones und definitiones Nicaenae sy- 
nodi beruft und mit dieser Zusammenstellunj? 
zu erkennen giebt, <iass er unter jenen nicht 
etwa nur eine aus apostolischer Zeit her- 
rührende Praxis oder Pfjrel, sondern for- 
mulirto C'anones verstand {Harduin 1. c. I 
1617); dass endlieh auch die Worte der 
Synode von Constantinoj»'] (394): /otfhoc oi 
dicojToXixol xovävec dttupiaarvro (Harduin 1. c. 
I 975) in diesem Sinne aufisufaseen sein 
dürften. Sind di<'se Stellen wirklich so aus- 
zulegen, so entstand die erste Sammlung 
noch Tor dem Ende und näherhin, da meh- 
rere Oanones der Synode von Antiochien 
(341) in sie Eingang fanden, in der zwei- 
ten Half te des 4. Jahrh.; der Ursprung der 
xweitea flUH in die erste Hälfte des 6. Jahrii., 
da sie einerseits dem Dionysius Exi^uusnoch 
unbekannt war, und andererseits in die Ka- 



nonensammlung des Johannes Scholastious 

aufgenommen wurde. Verschieden von der 
Erage nach der Zeit der Formulirung und 

! Sammlung der Canones ist die Erage nach 
<lem Alter ihres Inhaltes oder der QuelU^n, 
aus denen sie geschöpft wurden, und hier 
werden wir bei melireren in die aposto- 
lisclie Zeit (gewiesen. Da der Sammler sein 
Werk auf apostolische Grundlage zurück- 

I fahren wollte, so mnsste es sieh ihm nahe 
le^en . eine Reihe von BcstiniTnun},'en aus 
den Briefen der Apostel , namentUch den 

'Pastoralbriefen, zu nehmen, und nach den 
rntersucliuiiiri'ii von Dnif stellen sich 22 

I Canones iulmltlich wirklich als apostolisch 
dar. Zehn schliessen sich im Alter unmit- 

1 telbar an sie an und 20 weitere stammen 
noch aus der Periode der verfolgten Kirche, 
während die übrigen, soweit sich ihr Ur- 
sprung ermitteln Iä.sst. ans der nieänischen 
und nnchnicänischen Zeit herrühren. Die 
Quellen, aus denen sie genommen wurden, 
sind haujitsüt ldich die U. Schrift, die apo- 
stolischen Constitutionen und die Synoclen 
des 4. Jahrh. Was ihren Inhalt anlangt, 

! so l»etrefFen die meisten , 76 von den 85, 
die Kleriker, ihre Ordination und die Be- 
dingungen der Weihe , ihre Amtshandlun- 

! gen, ihre Reeh^Iiubigkeit, ihre SKttliehkeit, 
ihr Sul)()rdinati(nisverliältiiiss , ilire Tempo- 

I ralien, den Parochial- und Pruvinzial- Ver- 
band, und daraus mhellt, dass die Rese- 
lung der Disciplin der (Jeisth'ehkeit aor 
Hauptzweck der Sammlung war. Nur vier 
von jenen 76 Canones bezi^en sieh zugleich 
auf die Laien, und die neun übrigen han- 
deln von der Theilnahme der Gläubigen an 
der Messe und ihrem Verhalten zu Exoom- 
municirten undSuspendirten, von der Selbst- 
verstümmelung, von der Ehescheidung, von 
der Verbreitung apokrypher Bücher, von 
der Entführung, von dem Gehorsam gegen 
die Obrigkeit und von dem Bibelkanon. 
Ueber mehrere von diesen Punkten Imtten 
die Synoden des 4. Jahrb. Canones erlassen. 
Al)er ihre Verordnungen famien in Folge 
der Wirren, die durch die grossen Glaubens- 
streitigkeiten entstanden waren, nicht die 
gebührende Beachtung: zu(h'tn schien eine 
lieform in noch anderen Dingen ein drin- 
gendes Bedfirfhiss su sein, und so machten 
die unbekannten Sammler den Versuch, mit 
Decreten, die mit der Auctorität der Apo- 
stel umkleidet auftraten, den UebelstSnuen 
abzuhelfen. In ilirer Heimat, im Orient, 
gelang ihr Unternehmen insoweit vollstän- 
dig, als ihre Canones als apostolische an- 
erkannt wurden, und schon Johannes Scho- 
lasticus nahm sie als echt auf, indem er 
sie in dem Inhaltsverzeichniss .seiner Samm- 
lung mit den Worten anführte : ot piv S|iot 
Toü xuplou fJialhfjTai xai «-cirToXot i'fior^xowx 
j:evTe oii KÄTipsvto; xaviva; i;eDevTo. Da er 



Caaonici — Caatorec 



191 



im .J. 5«;.') (Ion PatriarchaiHtulil von Coii- 
stan(iuopel bestieg, bo erhielt er üelegen- 
heit, aemer AnBCthmunfir in weiteren Krei- 
sen Eingang zu verschafTon , und (licselho 
erhielt sich in der ^ri(>( hiachen KirchOf 
wenn lie ancli nicht Töllig unbestritten blieb. 
Die trullanisohe Synode vom J. 092. die 
liei den Griechen ökumenisclies Ausehen 
geniesst, ericlfirte die 85 Canonm fttr echt 
und verbindlieh. Anders verhielt es sieh 
mit ihrem Ansehen während des christlichen 
AJterthums im Abendlande. Schon Diony- 
sius, der sie dahin brachte, bezweifelte ihre 
Echtheit, indem er in der Vorrede zu sei- 
ner Sammlung von ihnen als canones qui 
dicontur apostolorum redet und noch über- 
dies bemerkt, dass sie von Vielen nieht 
leicht anerkannt werden (Harduin 1. c. 1 2). 
In der neuen Redaction, difl das gelasia- 
nischc Decret De libris non recipiendis 
liochst wahrscheinlich durch 1*. llormisdus 
(514— 52;Jj erhielt, werden sie geradezu für 

Xkryph erklärt . und dieses Urteil ist 
e Zweifel der Grund, warum sie von 
IKonyiius in einer spätem Kanonensamm- 
Ivng, von der aber nur nocli die Vorrede 
Sllrig ist, Jiiit dem Bemerken weggehiHseii 
wurden : quos non ndmisit universitär. e;;o 
•juoquc i?! hoc opere praetermisi (Thiil Ej)p. 
rom. |M)iit. I 'J87). Erst im MA. fanden 
wenigstens die 50 ersten Canones durch 
P»oudo-I«idor und Orarian auch in der hi- 
teini»chen Kirche Eingang und sie galten 
fortan als echt, bis die hiatorisclic Kritik 
im 16. Jahrh. da« Oegentheil nachwies. 
Zur Litteratur «, Drei/ Neue Untersuchun- 
gen über die Constitutionen und Canones 
der Apostel, 18H2; liirktll rfeschichtc des 
Kirchenrechts , 1843; UeJ'ele Concilien-Ue- 
lehiehte I. nmc* 

CAHOHIOI. Das Tnatitat der Stifte und 

Ckpitel, dnren Mitglieder (\ hci-^scu. ;;(diört 
dem MA. aa; der 2iamc erachuiut zuerst bei 
den merowingischen Sebrtftstetlem {Crreg. 
Tur, X tili.. Chart. Chilperici reg. 57") (öSO), 
bei MiraeuK Dipl. Belg. II 1310;. Die ge- 
wöhnliche Ableitung ist die Yon mtw&v =:= 
lex : fnth canone coustituti, wie sicli mehrere 
Concilien Ülolet. III 5; ForohtL 791, c. 
1, 6) ausdraoken ; sagen Ja schon Anftodi. 
C. 2, 6, II, Chalcal. 2, Trull. 0, dass die 
Geiattichen iv -nj) xovdvi oder ix xoü xav6vo( 
lebten. Andere setzen mcviSv = matricnla, 
die Oeisrlii licii hiesscn dann C, weil sie 
in der Matrikel verzeichnet waren. Dtt- 
eange wDl das Wort = ^portida nehmen 
und verweist auf (^!/p>: Ep. 33 u. 11»;. \i»cli 
unwahrscheinücher ist die Ableitung von 
«otMsvnof. Man TgL Ihuange i. t. nnd 
Muntori Antiqq. ItaL Y 185 ff., 168 f. 

CANTHiBTS, a. Basilika a 122, und 
Phiak. 



C ANTORES, <\>i)-n, Sänger, waren in 
der alten Kirche Diener oder kirchliche 
Beamte niedem Ranges, welche znr Lei- 
tung bez. Verschönerung des Kirchengesangs 
autgestellt wurden. Schon im A. Bunde 
hatte David eine gewisae Klasse von Levi- 
ten für die Besorgung des Gesanges und 
der Tompelmusik aufgestellt, I Parahp. 16, 
4 ff.; 2B, 4. 5; 25, 1—3. Auch mit dem 
ehrii<tliehen (lottesdienste verband sich von 
Anbeginn an der Gesang; Ephes. 5, 19; 
KolosB. 3, 16 und bei I Kor. 14, 26 dürfen 
wir wol die ersten Spuren einer kirchlichen 
Sängerordnung suchen. Mit der Entwicklung 
der kirchlichen Gemeinden hielt die Sorge 
für den Kirchengesang gleichen Schritt^ wie 
uns Clemens v. Alexandrien, Cyprian, Ba- 
silius etc. belehren. Mehrfach werden Sän- 
gerchore behufs würdiger AusfQhrung des 
gortcsdienstlichen Gesanges erwähnt. Zu An- 
fang oder spätestens zur Mitte des 4. Jahrh. 
wurden die Ctmtoim, ^Ifdkxai, in der Kirche 
eingeführt, was um so nothwcudii^er war, 
als die ursprüngliche Reinheit des Kirchen- 
gesangs im Laufe der Zeiten mehr oder 
weniger nlterirt war. Als Zeugnisse für 
dii' Existenz eines Amte» kirchlicher Sän- 
ger in der bezeiehneten Zeit kcinnen wir 
anführen: Canon, apn.'^t. can. CnnstH. 
apost. III II: Ejihrrm. Si/i: Senn. 93 (al. 
94) de secund. adv. ; Cuuc. Laudic. can. 
15 und die Litunjie fhs hl. Mui cks. Hin 
sehr frühes Zeugniss für die kirchlichen 
Cantoren hätten wir in Junat. Matt. Ep. 
ad .\ntioch. n. 12. wenn '(lieser Brief echt 
wäre. Aus den oben angeführten Citaten 
ei^ebt sich zugleich mit aller Gewissheit, 
dass in der alten Kirche der Ordo canto- 
rum von jenem der Lectorcn strenge ge- 
schieden war, und beide Aemter nicht Eänen 
Ordo statuirfcri, wi<> mehrere Gelehrte, un- 
ter ihnen z. B. BeUamiin. de clericis 1 11 
und Hubert Arehier. p. IV, obs. 4 behaup- 
ten wollten. Aus späterer Zeit können wir. 
obige Beweisschriften uuch vermehren durch 
den Hinweis auf das Com«. Tndl. e. 4 und 
auf Lisfiulav. 'Sow \\\. c. 1. Uelierall wird 
der Cantor speziell neben dem Lector ge- 
nannt, und in der gedachten Novelle aus- 
drücklich erwähnt, das« es in der griechi- 
schen Kirche zu Constantinopel UU Lecto- 
ren und ausser denselben 25 Cantoren ge- 
gehon habe. Damit soll nicht bestritten 
werden, dass es nicht Fälle gegeben habe, 
in denen anmabmsweise nnd momentan da» 
Amt eines Cantors uiirli von einem andern 
Kirchenbcamtüu versehen worden sei. So 
ensfihlt Ftetor Vit. Persecut. Yandalie. I, 
4| 13, da.H8 in Africa ein Lector von einem 
Pfeile in dem Augenblick getroffen worden 
sei, da er zur (Meneit, auf dem Ambo 
stehend, das Alleluja sang. .\uch in «ler 
Lebenageschielite dn hl. Chrysostomus wird 



üiyiiized by Google 



192 



Cmtiu — Capella. 



von Butler II 83 ein ffcwissor Eiitropius 
erwähnt f welcher an der 8ophienkirchc zu 
Constantinopel neben dem Amte eines Lee- 
tors auoh den Dienst ein«'s SJänirors versah. 

Das Amt der Cantoreu bestand neben 
der heitmg und Beaufsichtigung de« Kir^| 
('hon<jf'Sim^('s aiit li darin, dass sie als Vor- 
Hänger aufzutreten, einen Psalm oder son-. 
stigen Gesang anssustimmen hatten, worauf' 
das Volk <ii(' fiesangstiioke fortsetzte, l'rae- 
cinebant cantores, populus vcro succinebat. 
So CoiHer. ad Oonsht. apost. 1. c. Dieses 
Vdrsiniren hcsnrfrtcii dir nanientlii-h dann, i 
wenn es sich darum handelte, der Oemeiude 1 
einen neuen, bisher unbekannten Hymnus | 
beizubringen. Mit Re/njf darauf erhielten 
die kirehlichen Sänger auch den l*iamen| 
,{ii:o^j)f.W (Soerat. Hist. eccl. V22), moni-l 
tores. inspiratore.««, suggestores, psalini prae- 
nuntiatores. Andere, wie z. B. Ilabet t 1. c, . 
beliehen diese Benennungen auf die Lec-I 
toren und ihre angebliche Pflicht, die Pre- 
diger beim Beginne ihres Vortrages an | 
den Sehhisa der vorhergegangenen Lection j 
zu erinnern und ihnen dt n ilingang ihrer 
Rede gleichsam in den Mund zu geben. 
Doch war diese Sitte nichts weniger als 
eine regelmässige und allgemeine und dürfte 
daher der officielle Name uttoßoXeic mit 
Recht den kirchlichen Sängern reservirt 
bleiben. Diese letzteren hatten für die Aus- 
übung ihres Amtes ein gewiaaos kirchliches 
Privilegium, welches die Synode von 
Laodicea zwischen 343 und 381 can. 15 
dahin beatimnitf. dass ausser den (zum fJc- 
sange) bestellten Psulmensiingern , die den 
Ambe besteigen und aus dem Buche singen. 
Andere in der Kirche nicht singen (d. i. 
vorsingen) sollten. Die Synode nennt hier- 
bei die '\)'x).xai ausdrücklich .v. avovixoi 
tpoX-rai', d. i. Sän;,'er, die speziell zum 
Kircliendienste gehören und unter dessen 
Kegel (xavtuv) oder in dessen Verzeichnis» 
(xav(uv) stehen, im fSegensatze zu den übri- 
gen (iläubigen, welche, weil insgesammt 
beim Kürehengeeange betheiligt, im weitern 
Sinne '^^Xrai genannt wertlen konnten. 

Die Einführung in das Amt eines 
kirchlichen Cantors geschah nicht durch 
förmliche Ordination, sondern dundi einen 
einfachen Kinsegnungsact, der von Presbv- 
twn, «pBter von Arehidialconen vorgenom- 
men zu werden pflegte. Hierüber spricht 
sich das sog. vierte Concii von Car- 
thago vom J. 399 in dem jedenfalb alten 
can. 10 also aus: .psalmista. id «'st cantor. 
potcst absque scientia episcupi sola iussione 
presbyteri offBeium suscipere cantandi, di- 

cente sihi prcshytcni : vide , uf ipu»] ore 
cantas, corde credas, et quod cordc credis, 
operibufl eomprobes/ üm die untergeord- 
nete Stellung dieses Kirchendienstes stets 
sichtbar hervortreten zu lassen , bestimmte i 



die oben erwähnte Synode von Laodi- 
cea, dass die Cantoren wie die Lectoren 
das Orarium (unsere heutige 8tola) nieht 
frapen und in demselben nii ht singen durf- 
ten (can. 23). — Der Ordo rom. nennt uns 
d. i. die besten flSnger, 
welche namentlich zum Anstimmen >ind Vor- 
singen des Uraduale auaerltoren wurden. 
Wahrend wir nun fiber die Bildung»* und 
Fortliil(lini'^>-.\ iisfaircii der kirchliidien Tan- 
torcu aul den Art. Sängcrschulen ver- 
weisen, müssen wir noch ervdUinen, in wel- 
cher Weise die christliche Epigraphik zur 
£r9rtoning der Frage über die C. benätzt 
wurde. Naoh de Roni Bull. 1863, 88 fin- 
den sich Inschriften, welche allerdings mit 
dem kirchlichen Gesang in Verbindung 
stehen, so z. B. Ton emem TKakon Re> 
d.'inptus: DVLOIA NEOTAREo PHOME- 
BAT MELLA CAXORE H PKOPHET.\M 
CELEBRANS PLACIDO MODVLAMINE 
SENEM. Von einem Archidiakon Deusdedir 
heisst es: HIC LKVITARVM PKLMVS IN 
ORDIXE VIVENS H DAVIDICI CAN1X)R 
CAKMIXIS ISTE FVIT. [In einer kürz- 
lich in S. Lorenzo f. 1. m. gefundenen Grab- 
schrift spricht der Todto selbst: VOCE 
PSALMOS MODVLATVS ET ARTE 1] DI- 
VERSIS CECLM VEHRA SACRATA SO- 
NIS. K.) Aus diesen und ähnlichen In- 
schriften wollte man den Schluss zit hen, 
dass das Amt der Cantoren auch bisweilen 
mit dem der Diakonen vereinigt gewesen 
sei. Vgl. Martigni/ Dict. des antit|. chr6t. 
144. 2. A. Doch ist dieser Schluss 

nicht zwingend, sondern es scheint un.s, 
dass in den angefahrten und ähnlichen Stel- 
len weniger amtliche als persönlich»? Vef- 
ilienste um den Kircheugesaug hervorge- 
hoben werden sollten. krüll. 

t'AXTVS, s. (iesung. 

CAPELLA kommt auf altchristlichen Denk- 
mälern im Sinne von Sarg vor untl wird bald 
auch für das Ciborium Ober dem Altar ge- 
nommen; es dürfte wol aus Cupella v<Tdor- 
ben sein. In der Bedeutung von Orato- 
rium, Hauskapelle, begegnet es uns erst seit 
dem 8. Jahrb. (Leg. Longobard. III 22; 
Chart. Childeb. a. TU) bei Maöillon De ro 
dipl.; Caroli M. Capit. V 182) und wird 
von dem Mon<ic/i. Sanijalletis. Vit. Caroli M. 
I 4 von der Cupa des hL Martin v. Tours 
hergeleitet (quo nomine Francorum reges 
propter lapani s. Martini sancta sua iipel- 
iare solebaut;. Man vgl. dazu Ducanye i. v. 

Ffir die Katakombenkapellen muss auf 
den Art. Katakomben, für die sehr interes- 
santen irländischen Landkapollen , weiche 
yielleieht noch dem 5. Jahrh. angehSren, 
auf Petrie Tlie Kci lesiastical Architecture 
uf Ireland 133 und Smü/t')i Dict. 342 ver- 



üiyiiizc-d by Google 



OapellMnu — GuaU. 



193 



Ueber G«itoidieiMt in Ka- 
pelko 0. unter HMUgotteidienst. 

CAPELLAinjS kommt am frfibeBten vor 

bei AuasUis. Vit. Leonis I: hic constituit 
super sepulcra apostolorum cuatodes qui di- 
euntnr oapellani ex clero Romano; vgl. 
Custodos. Ueber di« Bedeutung des "Wor- 
tes bei den mittelalterlichen Schriftstellern 
I. Duetmf9 i. ▼. 

CAPITILAYIUM, s. Waschungen. 

CAPITOLim nannten die Novatiancr die 
KathdOcen, wen diese die aaf das Capito- 
Hum Romanum zum Opfern f^egaiif^enen 
Lapsi wieder aufnahmen. Facian. Ep. 2 
■d Sympron. Vgl. Bingham I 27. 

CIPPA, 8. Pluviale und Kleidung, Utur- 



CAFSA^ CAPSBILA, steht in verschie- 
denem Sinne: 

1) Capsa navifl für f^ liiff der Kirche oder 
einen Theil desselben in Act. »». Martyr. 
AlKcan. bei Banm. Annal. a. 303, § 123: 
aseendit navim cum vincuhs magnis et fuit 
in capsa navis diebus quattuur. Einige Hand- j 
sohriften haben Ca^seale. 

2) Capsa = Reliquienbehälter, wofflrauoh ' 
Cupsariutn. Act. ÖÖ. Febr. 11 t>14 bei öe- 
l^nheft dee rtm Benediek von Aniane er- 
hauten Altars; dann Honnmine Epist. p. 
475 ed. M^[ne (Capsellae in der Apoetel- 
Irirobe an Im ItA. oft, t. Ihteang«. 

3) Capsa bezeichnet den Behälter für die 
Elemente der hl. Eucharistie. Conc. von 
Orange e. 17: cnn capsa et cahx offeren- 
duB ^t, et admistiono eucharistiae ponse- 
erandoa. Vgl. Mabülon Comm. praed. in 
Ord. Rom. GXXXDT. Faeh Ord, Bern, 
I 8 soll sif dem Puj)Hto vorgetragen wer- 
den, wenn er zum Celebhren geht: capsa 
enm aanctis apertis, .wo imter saneta na- 
tSrlieh nur die zu weihenden Elemente ver- 
standen werden können. Ohne Zweifel wur- 
den auch die geweihten Elemente in sol- 
chen Capsae bewahrt (s. Turris). 

4) Capsa = Evangeliendeckel, bei mittel- 
alterlichen Schriftstellern, s. Lhtcam/e. 

5) Capsa ein Theil der Casula bei Gre' 
gor, Tmrw. Vit PP. c 7. VgL Jhteange. 

CiPTlTOlESi s. ErbedhleiehereL 

ClEDIlIALBSy 1. Titnli. 

OAU BBD. T«rte2/. De poentt. e. 9 {ca- 

ria (lei ad gcniculari et omnibus fratribus 
legationes deprecationis suae iniungere) 
scheint diesen Ausdruck fSr die Priester 
zu nehmen, wenigstens ist dies die wahr- 
scheinlichere Auslegung gegen Bingham I 
37, der ihn = fidelea setzt 



• Dieser Teminus 

findet seine chri8tlich-archäoln;:ri^f He Bedeu- 
tung durch den Bericht des Hinim d. J. 
Epp. X 97 an Kaiser Trelan über die Chri- 
sten. Naoli der hier erwähnten AiisHijge 
der vor Plinius als Christen Angeklagten 
war et Gewohnheit der Christen gewesen, 
,8tato die ante lucem convenire carmoique 
Christo quasi deo dioere seenm invieem^ 
Aus dem citirten kurzen Berichte des PU- 
nius können wir nichts Näheres über die 
Beschaffenheit jenes cannen (Lobgesangs) 
eruiren, denn ,carmen' war die ganz allge- 
meine Bezeichnung für jede Wortfonnel, 
gleichviel, ob kurz oder long, ob in ge- 
bundener oder ungebundener Spraohweise, 
ob fttr OraaMy bestimmt oder nicht. Allein 
abgesehen von einer auf Hauptbestandtheile 
des christlichen Gottesdien-stes abzielenden 
Untersuchong, lässtamserdeni die Geschichte 
der Hymnen aus dOB ersten Jahrhunderten 
keinen Zweifel Qbrig, daas wir es an un- 
serer Stelle mit ausfOhrliohen Dichterworten 
zu thun haben. Eigene von und ffir Chri- 
Hten verfasste Hymnen waren schon in der 
älteeten ^rdie gebrinehlich und hatten die 
Verherrlichung Christi /.um Gegenstände. 
Die Bischöfe selbst, eingedenk der aposto- 
lischen Worte bei Bphes. 6, 18—19, Kol. 
3, ICi, ermahnten zu solchen christliehen 
(ieaängen, wie wir dies von dem mit Pli- 
nius gleichseitigen IgmUhu v. Antiothim 
(Ep. ad Ephes. c. 4 und ad Roman, c. 2) 
ausdrücklich wissen; und das bischöfliche 
Mahnwort in Yerbbidung mit der begeistern- 
den Kraft dee Christenthums Hess die Chri- 
sten frühzeitig und selbst productiv (de pro- 
prio ingenio, Terftdl. Apolog. c. 39) auf 
dem GM>iete der religiösen Poesie auftre- 
ten, so dass der Presbyter Cains aus dem 
2. Jahrh. sagen konnte: ,wer weiss nicht, 
in wie Piabnen und Hymnen, die von 
Anfang an von gläubigen Brüdern verfasst 
worden sind, Christus als Gott besungen 
wird?' (Eus. Hist. eccl. V _>S.) Au. h fei- 
sebiuH dachte an einen ehri^itlichen Hym- 
nus, wenn er 1. c. III das ,carmeu cli- 
cerc' bei Plinins mit .üi^veTv' übersetzt. Dass 
die Apostateti vor Plinius nicht geradezu 
von einem Hymnus redeten, mag seinen 
Orund darin haben, dass zu jener Zeit von 
den Christen der Name , Hymnus' für ein 
geistliches Lietl nicht gerne gebraucht wurde, 
denn das Wort ,Hynuius\ ursprünglich ein 
Lobgesang zu Ehren der heidnischen Göt- 
ter und Heroen, stand in zu naher Bezie- 
hung zn den heidnisehen Festen und Opfern. 
S. meine Abhandlung über ,Phnius d. .1. und 
die Erstlmgskirche in Bithynien zur Zeit 
fn-.:.-.( jn der Oeskerr. YieiteljalirMehrift 



f. kath. TheoL 1872, lY. Heft, kküll. 

CASDULy 8. Kleidung, liturgische. 

18 



194 



Catalogoa — CathoUeaa. 



CATALOOTS» s. MatrikeL 
CkTBCBÜMSStÄf s. Scholen. 

GATHAMSTAB nannten fioh die Mmni- 

ohier fxal>ap<5;). Augustin. de Hacr. < . 4';. 
Angeblich guag der Name ^tharer' für 
die ndttehüterBohe Beete too dieser Be- 



CATHEDRA» B. Kathedra. 

CATHOLICVS fxaftom/KX f. Der Aus- 
druck in seinem weitesten iSiune kommt so- 
wol bei' Profim- ah Kirehen-SehrifMellern 

in Terschiedenen Verbindungen vor. so x. 
Avdbrajic bei luatin, Diai. o. Trrph. 81, 
c. bonites Dei tiei TeiivU. adv. wiraon. 

II 17. Schon »ehr früh wird er Htehendes 
Epitheton der Kirche Christi, nicht bloss 
in dum rein räumlichen Sinne, wie er bei 
CyrUl. AL (xxAoktx^ o2v xoXsiTai Ml x6 
xaxi iraTi)C sTvat ifj« o?xoujievT,c . repdf- 
To»v Sti TTEpattov) und in dem Credo de» 
Arius bei SoeraUs (I 2<>: fj ir.b rapa-rtov 
ho; repdtTü)v) gchrnucht wird. Schon Cle- 
mens AI. Strom. VII 15 erklärt, die Kirche 
werde x. genannt im Oegennatz rp^c Sia- 
et^Xiiv zu den H'-resioen: wie atpesi? die 
Trennung, so bezeichne x. äy.x/.r,-ta die Ein- 
heit in der Vielheit. E.h entspricht diese 
Dcutuni? (lor Ktyinoln^ic des Worte«, in- 
dem Saov. wie Möhh r (Einheit i. d. K. 21)1) 
treffend ausgeführt hat, von den Dingen 
gobrnuoht wird . deren Theile ohne um ' 
Oanze nicht denkbar nind. To ^ov ist daui 
ÜnirerRmn. daher If^atius: ~^ SXov ivrt 
riiT'.c Y.i\ i'^iirf^. <ov ouiSev TTpo/f/p'-T:'. - to- 
tum mt üdes et Charitas, quibus nihil prao- . 
fertnr. So nennt denn aneh don. m. das | 
Bekenntniss Christi durch Glaube und Lr- ' 
ben 6)juoAOYiav xottoXixnv. im Oegensatz zuj 
der fteptxi^. die biete 8ia tpwvTjc geschieht. In 
diesem Sinne eines organischen Zusiinimcii- 1 
banges kommt x. schon bei Iqnatim ad 
Smjm. c. 8 Tor: ,wo Chriitni wt, da ist 
die katholische Kirche; so solle, wo der 
Bischof ist, auch die Gemeinde sein', wo 
sich icXr,&oc und ixxXvisCa x. als gleichgeord- 
net entsprechen. Vgl. Martyr. l*olyc. bei 
Eu8«b. H. e. IV 14 ; MartjT. ». Pionii bei 
Baron. Ann. ad a. 254, n. 9. Eingehender 
äuxHiTte sich Augustin. Ep. o. Draat. e. 2 
(Opp. IX 338): ,quae8tio certc intcr nos ver- 
satur, ubi sit ecclesia, utrum apud no», an 
apnd iUos. Quae utique una est, quam 
maiores catholicam nominarimt. ut ex ipso 
nomine ostenderent, quia per totum est. Se- 
cundum totvm enim xaH ^ov graeoe dici- 
tur. Hucc autom ecciesia corpus Christi 
est, sicut ap(Mtolus dicit, pro corpore eius 
qnae est eoeleaia. ünde ntique manifestum 
est, cum f|ui non est in membris Christi, 
christionam salutem habere non posse. Mem- 
bra rero Ckritti per nnitatis earitatem aibi 



copolantnr, et per eandem capiti suo 

haerent . quod est Christus Jesu». Totum 
igitur cjuod enuntiatur de Christo, eaput et 
corpus est: caput est ipee Jemis Christut 
filius Doi vivi, ipse salvator corporis Cliristi 
qui mortuus (»t propter doiicta nostra et 
reenrmüt proptor inttificationeni noatrann; 
corpus eius ecciesia. de <\\m dicitur, ut ex- 
hiberet sibi gloriosam ecclesiam, non ha- 
bentora maenhun ant Tagam ant aliqnid 
eiusmodi.' Als Erzrufjiiiss göttlicher Kraft 
verbreitet sich die Einheit in der Vielheit 
Aber aUe Zetten imd R&nme; daher die 
Kirche auch xaSoXou, f, Ijzb -ov o'jp<xvoy 
ixxXr^ji'a {Emeb. H. e. V 16)i xaxat ttjv 
o{xou{ji£vT]v hcisst, und da denn in jedem 
Theile auch der Geist des Ganzen wohnt, 
heisst auch er katholisch : so Cyitr. Ep. 45, 
52; Eustb.^. e. IV 15, VI 43; Martyr. 
Polycarp. (r, iv 2}iupvT] x. i.), und es wird 
C. schliesslich gleich christlich gebraucht: 
catholica fides (Frudmt. Peristcph. IV 24), 
cathoUd pnpuli (eb. 30). und in jenem be- 
rfihniten Wahlsprucli des Pnrianus Ep. I 
ud Sempron. : Christiuiuis iiiilu nomen est, 
Catholieus cognomen. Ks i^t im Wesent- 
lichen derselbe Gedanke, <lt r den herühra- 
ten Dehuitionen des Optatus Mil. (c. Donat. 
II: ratiooalit «t ubique diffusa) and des 
Vincentius v. Ltriu (vere catholicum . . . 
quod Semper, quod ubique, ([uod ab Omni- 
bus ereditum ett) an Grunde liegt. — Ka> 
tholisch im Gegensatz zu der Einzelkirche 
werden dann im Alterthum als gleichbedeu- 
tend mit itxuxXtoi jene nicht an bettinunte 
einzelne Gemeinden gerichteten Briefe ge- 
uaimt (Aks. U. e. VI 25; vgl. Leont. de 
Sect. Act. 2: oi «pic fv IBvoc. dXXA W 
cTaou "po; TT'/vra), niclit bloss die der Apo- 
stel, sondent auch die des Dionysius Alex. 
(Em. H. e. IV 2S). 

II. Der Ausdruck x. wird im Griechi- 
schen auch übertragen von dem Kirchen- 
gebfinde, nnd nwar ven der Hanptkirehe 
im Gegensätze zu Privat-Oratorien oder ein- 
fachen Kapellen (der oixTi)p((p oixtp, Ckme. 
TruR. e. 69, ed. Labbe VI 1170). oder rm 
der Kathedrale im Gegensätze zu den Pfarr- 
kirchen des Ortes (r, x. i. h '.Uecx^pef^, 
Epiph. Haer. LlX 1 ; liiceph. Call. XV 22), 
in der spätem byzantinischen Zeit auch von 
den Pfarrkirchen im Gegentatie an den 
Klosterkirchen gebraucht. 

III. 1) Catholicm ist in contfcantiiiischer 
Zeit ein Staatsamt in Africa, was mit Con- 
sularis und Praefectus Africae wiedergegeben 
wird {Eus. II. e. VIII 23, X «; Vit. Const. 
IV HC)) , wol mit Unrecht , da C u i a <• i u s 
wahrscheinlich gemacht hat, dass dieser 
Beamte ein procurator fisci geweien itt. 
Vgl. Ducange-lhitsrh,! II '2\\. 

2) Catholieus erscheint auch als kirch- 
tiefaer Titel, und swar wol snent bei den 



196 



BischSfen Ton Seleiida ab BtellTwirater des 

Patriarchen von Antiochien {Neale Eastem 
Churoh I 141), dann bei den nestorianischen 
Persem, deren erster Kirdienfllnt 0. hiess 
(Prorop. Bell. Pors. II 2n). Xwh boi ihm 
Armeniern und Aethiopioru kam der Titel 
in Oebranch ; man nimmt an, dam er einen 
Primaton bezeichnet habe, der mehrere Me- 
tropoliten unter sich hatte, selbst aber einem 
Patriarchen untergeordnet war. Vgl. Du- 
tmge a. a. 0. 

3) In einem andern Sinne heissen bei i 
Thwphem, Vit. Constant. Copronjmi diel 
Bisehofssitze in Rom, Alexandrien, Jerusa- 
lem und Antiochien xa&oXixol t^povot. | 

Die BezeielinnngderK5nifeTonFra]i1arei(& | 
(seit I*ipin 7()7) und von Spanien als ,katholi- 
scher' Könige gehört dem MA. au. kraus. 

CELIiA bedeutet ursprünjEjlich eine Kam- 
mer zu verschiedenem Gebrauch, der durch 
das beigefügte Adjeetinun beieiohnet worde. 
Eine solche Kammer konnte auch wohnlich 
eingerichtet sein und als Aufenthaltsort die- 
nen, etwa fttr die SklaTen (so getnmneht 
das Wort Cicero und Iforac) . für arme 
Leute {Seneca)y für die Dienerschaft ( l itru' 
viu»). Die Bedentang jedoch, die vns hier 
interessirt. hat das Wort bei Cicero Phil. 
3, 12, bei Livius 5, 50 und bei Vitruviua, 
wo ee gebrancht wird tot Bezeichnung je- 
nes R;mmes im Tcmjicl , in welchem <las 
Götterbild aufgestellt war, so dass wir es 
mit Kapelle ttbersetien dfirfen. Als aus- 
schliessliches Haus (l(>s rjottes bildete sie 
den wichti^ten Bestandtheil des Tempels, 
das eigentliche Tempelhant, und war dämm 
auch an den Wänden gewöhnlich mit (ic- 
mäldou geschmückt. Die C. war oben Üach 
bedeckt, bei Hypithraltempehi war sie zum 
Thcil oben offen und nur theilweise mit 
einem auf Säulen ruhenden Dache bedeckt. 
Im bmem der C. war das HauptsicMichtte 
die an tler hintern Wand derselben ange- 
brachte ätatue des Gottes, die oft mit einer 
Brattwehr oder einem Gitter eingefesst, oft 

auch durch einen Yorhai^g geschützt war. 
Vor der ätatve, die in der ältesten Zeit 
am Thon oder Hols bestand und gewöhn- 
lich mit rother FaHie anp;estrii'licii war. 
später aber aus Eisen oder Erz, meistens 
aas Marmor, mitunter auch ans Gold und 
Klfenbein ;;e!)il(]ot war, stand der meistens 
aus Marmor erbaute Altar, der eine runde 
oder Tiereckige, auch dreieckige Form hatte 
und mannigfach verziert war. Oft standen 
mehrere Altäre wie mehrere Bildsäulen in 
einer 0., irie auch in einem Tempel oft 
mehrere neV)en einander oder zwei hinter 
einander liegende Cellen vorkommen, in 
welch letsterm Falle die Eingänge in ent- 
gcf^ciiixf'scfztrr Kichfuns:. von vornen und 
Ton rückwärts, angebracht waren. Vgl. 



LBMur Real-Lex. des elass. Alterth., s. t. 

Templum. 

Das Wort C. ist mit den beiden eben an- 
gegebenen Bedentungen auch in den christ- 
lichen Spracligebrauch überjrci^anf^'en. Hin- 
sichtlich der Bedeutung ,Aufenthalt8ort oder 
WokDStnbe^ g«nfigt es, an die Anordmmg 
der Klosterräume zu erinnern, namentlich 
in der ersten Zeit der Klöster, aht das una- 
Choretische und cBnobitische Leben, die 
Laura und das Coenobium sich mit einan- 
der vereinigten. Damals wurde an einem 
entlegenen Orle ein grosses Coenobium mit 
Kirche errichtet, im Umkreise aber die 
Keihen der abgesonderton Cellen, d. i. die 
Wohnungen der Ordensglieder. Seitd«nhat 
diese Bezeichnung sieh erhalten 1^ auf den 
heutigen Tag. 

Wie das Wort 0. mr Beaeichnung der 
Wohnung der Oott und ihrem Seelenheile 
ausschliesslich Lebenden gebraucht virird, so 
ftmd es auch Anwendung auf die Ruhe- 
stätte derjenigen, die im Herrn entschlafen 
und zur Seligkeit eingegangen waren. Für 
diese Bedeutung des Wortes leugt eine bei 
Cherchel in .\frica. dem alten mauretani- 
schen Caesarea, gefundene Inschrift, die 
bri Krmu R. 8. 68 abgedruckt ist und 
folgendermassen lautet: Aream et sepulcra 
eultor verbi contulit ; et ceUam struxit suis 
eunctis sumptibas | Scelestae sanctae hanc 
re]i(|uit Memoriam | Salveti» fratres puro 
corde et simplici | Euelpius vuh »atos sancto 
spirittt I Bociesla fi«trum hunc restituit ti- 
tulum M. A. I. Severiani c. V. De Rom 
R. S. I 96, 106. Wie aus dem Zusammen- 
hange erhent und namentlich dnreh den 
Zusatz .suis eunctis sumptibus' ange<leutet 
wird, ist hier unter C. nicht etwa ein Se- 
pulchrum, ein einseines Grab oder ein Lo- 
L'ulus zu verstehen, sondern C. steht syno- 
nym mit dem Memoria der nächsten Zeile 
und bedeutet demnach soviel als Kapelle 
oder kleine Kin ln'. T'nd so ist dit^e In- 
schrift eine Bestätigung der Annahme von 
Marthi und d« Emsi, welche in den klei- 
nen rtebäuden, die man an den Kiniräniren 
mehrerer Katakomben in der Umgebung 
Roms aufgelegt hatte, kleine Kirchen er- 

kainiten, Oratorien (Cellae). Für ihre CoU- 
Htructiou und ihr Verhältniss zu der Basi- 
lika der cottstantinisohen Zeit muas auf das 
in dem Art. Basilika llf! ff. Gesagte 
verwiesen werden. Diese Cellae sind also 
zunEchst Kapellen, die mm GedSchtnisa 
d»T Verstorbenen errichtet wurden und als 
CoUectivgrab dienten, wie die römischen 
Colnmbarien, die in den rieten Nischen 
mehrere (Jrabstätten enthielten. Wie sich 
die alten vornehmen Römer Mausoleen als 
Familiengrabstitten erbauten, so bauten her- 
vorragende Christen zu gleichem Zwecke 
Kirchen, wie z. B. Kaiser Cunstantin, der 

IS* 



üiyiiized by Google 



196 



CellitM — C6Dtr»lb«iitra. 



SU Ooniteathiopel die Apmtclkirc he ab Erb- 
beprabniss »eines kaiserlichen Hauses er- 
richten licM (Euseb. Vit. Const. IV 58- 00). 
Und wenn «neb dieeer Gebrauch nicht all- 
^mein wurde, «o wurden doch vielfach 
solche Cellae oder Memorien gebaut als 
Denkro&ler und Heiligt hümer zur Verherr- 
lichung der durch Wunder der QlMibens- 
helden geweihten Stütten. 

Die Form dieser Cellae ist die Rotonde. 
Rezeichnete ,0.' im hoidnif»chcn Tempel das 
Wohnhaus des im Hilde gegenwärtigen (Rot- 
tes, als welches ja der Tempel eigentlich 
zu dienen hnttc. so i<f ilnfjopen die Christ^ 
liehe Rinthe der eigentliche Versammlungs- 
ort der fj^ttubigen Gemeinde, ünd daraus 
mnir CS erklärt worden, diips in der christ- 
lichen Kirche nicht die Apsis, aondom da« 
Sehiff derselben als C. beseidmet wird. OUe 
Archäolng. Wörterbuch 290. Vgl. übrigens 
d. Art. basUika. dippel. 

fCeOfi im Sinne von MSnehsseUe ist we- 
sentlich mittelalterlich. Es findet sich z. B. 
bei Combeßs De templo s. Sophiae 260: U- 
tomt TW xXijptp xri xsXX(a %U «Ipil imxk 
adtfiv. K.] 

CELLITAE, xeXXtturat, eine Klamio von 
Mönchen, die in cini^'er Entfernunjr von 
dem Coeuobium in kleinen Zellen wohnten^ 
tfaeils um abgesonderter, zuweilen wol anch, 
um der strenfjern Disciplin des Klosters nicht 
unterworfen zu sein. Aus solchen Zellen 
setsten sich die Lanren (s. d. A.) anaammen. 
Nach Cas!>l<t,>. Coli. Will 17 scheinen die 
von ilun getadelten iSarabaiten zu letzterer 
Kategorie gehSrt m haben; aueh im Abend- 
lande führte diese TiCbensweise zu Misa- 
bräuchen {Conc. Aurel. I, c. 22; Agath. c, 
38). Seit der Reform des Ordenslebens 
durch Benedict wurde dieselbe allem An- 
schein nach im Abeudiande aufgegeben und 
durch das Institat dar In- oder Reclusen 



CELLULAXUS, vielleicht gleichbedeutend 
mit Cellita , nach Dummje i. v. = covtii- 
bimaliSf von Mönchen, die zu zweien in 
einer Zelle leben. Sidon. Apoll. Ep. IX 3. 
Dann steht das Wort für den Conf 
len, welchen die Bischöfe und zuweilen 
selbst Priester und Diakonen, um jeden An- 
stoss 7M meiden, haben mussten : (im/. }f. 
Ep. IV 44: Ennoä. Ep. 7 (wo auch con- 
cellanei). Zur Sache Tgl. Augmt. Ep. 236 
(apud famosiim mulierem nullum tocum 
clericuni haben» rcmanere et prandere et 
coenare ausus est); Cone. Gtnmdmm sub 
Hormisd. fi. 7; %«. Rom. II sub Greg. I; 
Tohlan. IV, c. 22 f. u. s. f. 

CENONESy die zweite Rangstufe in der 
Hierarchie der Montanisten : Hieron ym. Ep. 
54 ad HarcelL adv. Mont (Opp. II 181): 



apud nos apostolomm locnm episcopi te- 
nent; apud eos episcopus tertius est. Ha- 
bent enim primos de Pepuza patriarchas, 
secundos quo« appellanfc esnofM», alqoe itft 
in tertium, id est, paene ultimiim locum 

episcopi devolvuntur. 

CENSUREN, s. Kirchenzucht. 

CENTENARII s( heinen die Anordner bei 
heidnischen Aufzügen geheissen zu haben; 
Cod. Theodos. XVI, tit. X de pagan. leg. 
20 hebt das Institut auf. V^'!. Bingham 
VII 258. Die Hezeichming kam denn auch 
in den Klöstern auf, wo der Aufseher über 
hunilert Mönclie ( 'eiitenarius hiess. wie der- 
jenige über zehn Dccanus. Vgl. Bingham 
a. a. O. m 69. 

CERTRlLBAümr. I. Die religiSsen An- 
schauungen und Bedürfnisse iiusscrn noth- 
wendig einen bestimmenden EinÜuss auf die 
GeetaltderCuitusgebände. Desswegen konnte 
der christliche Cultus sich nicht mit dem an- 
tiken Tempel begnügen, sondern musste sich 
andere passende Gebäudeformen schaffen 
und ein Sjvtem in Anwendung bringen, 
jWie es die Römer in ihren Basiliken hatten. 
'In und mit der Basilika, die für das hl. 
Opfer und die gesammte Liturgie sich gleich 
anfangs als vollkommen entsprechend er- 
wies, feierte die Architektur des Abend- 
landes ihre Triumphe, und auch im Oriente 
ist dieselbe >^t it ( 'onstJintius Zeiten in be- 
stündiger Anwendung. Ausser dem eigent- 
lichen Gottesdienste, der im hl. Messopfer 
seinen Mittel- und Höhepunkt findet, gab 
und giebt es aber auch manche andere 
sperirae Itturgisehe Bedflrftnsse, m deren 
BefriediguniT )>esondere Bnimnlairen mit den 
entsprechenden Formen errichtet wurden. 
Wir fassen alle hierher gehörigen Bau- 
werke zusiimmen in (U m Begriffe von Cen- 
tralbauten und Kotunden (Rundbau- 
ten). Das Charakteristisefae der C. ttsst 
sieb dahin angeben, dass ein kreisrunder 
oder polygonaler, hoher, von einer Kupoel 
überdedrter, auf einem Siulenlnme ooer 
auf Pfeilern ruhender Mittelbau von einem 
concentrischen, niedrigem Umgange gestützt 
und umgeben ist (Otte Handb. d. kirchl. 
Kunstarchäoiogie 280). Es sind also Bau- 
ten, deren einzelne Bestandtheile sich sym- 
metrisch um ein rundes oder polygones 
Mittalgliad ooooratriren, welcher Mittelbau 
mit einer meist hnlbkreisfornugen Kuppel 
bedeckt ist. Darum heisst man die C. auch 
Kuppelbauten. Vor noch nicht langer 
Zeit war man gewohnt, alle diese Bauten 
als byzantinische zu bezeichnen , was in- 
des» durch die neuere Forschung als Tollig 
unrichtig erwiesen ist. Immerhin aber ist 
die ,byzantinische Frage', auf dem geflamm- 
ten Kunttgebiete eine der 



CanlnllMuten. 



197 



mUMrtrenulieh niit den C. verbunden. Und 
80 werden wir denn hier schon hingewiesen 
auf die Frage nach dem Ursprünge der 
christlichen 0. Dam in Byiuu nicht die 
Genesis des Kuppelbaues zu finden ist, 
wurde bereits augedeutet. Ob aber nicht 
an der wirta im Orient diese Bauart snerst 
in Anwendunj? kam, ist eine Frage, die 
noch in den jüngsten Jahren lebhaft ven- 
tilirt wurde. Froft ~ 



Vngtr hi Güttingen 

(Bneykl. v. Er.>rh un<I Gruhrr I H4 f.) leitete 
limlieh die europäischen Kuppelbauten ab 
Ton den bnddhistnehen HeOiinthflineni^ die 
in den srliwun^hafton Kuppeln der Rasisa- 
nidischen Falastbauten eine Nachahmung 
gefunden bsben, und dieae wiren die Yor- 
bilder der byzantinischen Architektur ge- 
wesen. Dagegen erklärte Karl Schnaase 
(r. Latzotrs Zeitschr. f. bild. Kunst III 139 ff.) 
diese ganze Hypothese in allen ihren Punk- 
ten als unhaltbar. Die indischen Heilig- 
thümer (die Topes oder Stupas) sind iu der 
That Steinma88en ohne Innenraum, denen 
man eine beliebige Form geben kann, wäh- 
rend die Kuppeln wesentlich Bedeckung eine« 
Innenraums sind, deren Form nur das Re- 
sultat der Construction ist. Ferner schrieb 
die sassanidische Sage selbst die Wunder- 
banten ihrer Konige griechisehen Meistern 
la und räumte damit die Abstammung ihrer 
Baukunst von der römisch-byzantinischen 
ein, womit sie gewiss das Richtige traf. 
Denn gewiss entlehnten die hochgebildeten 
byzantinischen Griechen ihre Kunst nicht 
Ton den minder gebfldeten Persem, und in- 
dem lassen sich die saHsanidisclien Kui)pclTi 
mit ihren Abweichun^n von den byzautini- 
idwn eher fDr Neubildungen als fBr Tort- 
Uder der letzteren Imlten. Die Tcberleitung 
dm Vierecks in das Achteck durch treppen- 
filrmig ansteigende Bogen war schon in der 
alti hriütlichen Kunst lange Zeit vor der Er- 
richtung jener sassanidiachen Paläste ange- 
wendet, wie S. Loremo in Maifauid beweiat 
Die ganze Hypothese fällt sonach, und es 
bleibt die Entstehung der Kuppelbauten auf 
einheinaischem römisch-griechischem Boden 
nm so aieherer, ab dieee so vollständig er- 
wiesen ist, wie irgend eine der grossen 
Thatsaoheu der Kunstgeschichte. Selbst 
Solche, welche die Meinung, dass die fo- 
ren.sische Ba.silika als Vorliüd (1<t christ- 
Uchen Basilika diente . als aiitiijuariHches 
lObrahen bezeichnen, sind fest davon ül)er- 
zeu!jt, dass die christlichen C. eine Nach- 
ahmung der altrömischen Rotunden sind. 
Die Homer hatten aber Central- und Kup- 
pelbauten nicht zunächst als Cultusgebäuae 
benutzt, sondern vorzugsweise in weltlichen 
Bauten, namentKeh in denen, welche die 
grandiosesten Aufgaben bildeten, in Palä- 
sten und Thermen, kamen sie zur Anwen- 
dnag. Niaoheii, von Halbkoppeln bededrt» 



bildeten die haupt<(ächlich8te Zierde, und 
die volle Kuppel blieb, nachdem Agri|)pa'« 
Pantheou davon ein grossartiges Beispiel 
gegeben, in bestindiger Uebung. Aus aran 
Rönierthum waren auch die christlichen 
Architekten, die Träger der constantinischen 
Kunst, h e r rör gegangen, in rSmisehen 8ehn- 
len hatten sie ihre Bildung empfangen, an 
den Unternehmungen der letzten Vergan- 
genheit sieh noeh betheiligt; ihre ganze 
Kunnt war und blieb die antik-römische 
{Büttgen i^Uken d. christLßoms 59; Kreu- 
s$r ChristL Kirehenban 316). Kein Wun- 
der darum, wenn sie auch in Werken, die 
für christliche Zwecke bestimmt waren« die 
Formen des Centralbauee Terwertbeten, da 
der Glanz des Pantheon beständige An- 
regung bot. Und zwar wurden die For- 
men des Centraibaues auch im Christen- 
thum zunficbst in Verbindung mit sökhen 
Anlagen gebraucht, für welche derselbe 
schon im Alterthum eine fast typische Ver- 
wendung gefunden hatte (Hahn Ursprung 
und Entwicklung d. christl. Central- und 
Kuppelbaues 2(»j. Der eben genannte Au- 
tor, der auf , fester und umfänglicher wis- 
senschaftlicher Grundlage' den Gegenstand 
in einer sehr gediegenen Monographie be- 
handelt hat, bemerlct, dass der Rundbau 
seinen Uranfang genommen habe im Grab- 
male und dass im Orabtempel der In- 
nenbau lum emtenmate reich gf«liedert und 
in grossartiger räumlicher Ausdehnung der 
äussern Erscheinung des Üesammtbaues eben- 
bürtig entgegentrat. Solche Orabtempel sind 
erhalten in der Torre dei Schiavi an der 
. Via Praenestiua bei Rom {habeUe ^dif. pl. 
XXVI f., 72; ffüi Oesoh. d. Bank. H 434), 
I beim Circus des Maxentius (Hirt a. a. (). 
421, 424) und an der Via Appia {Caniua 
La prima parte della Via Appia etc. T. IX 
f. 2 u. ■$): auch der Juppitertempel zu Spa- 
latro ist wahrscheinlich als solcher zu be- 
trachten. Diese Orabtempel waren Rotun- 
den, deren charakteristisches Wesen Huhn 
a. a. 0. 34 schildert. Auf kreisrundem oder 
polygonem Grundriss erhebt sich ein ]haer> 
cylinder von beträchtlicher Stärke, welcher 
der Kuppel ein ununterbrochenes Untor^ 
lager gewährt. Das Innere ist zwar ein 
ungesäulter einschiffiger Raum , entbehrt 
aber doch nicht aller Gliederung und Be- 
lebung, da in symmetrischer Anordnung 
sich Nischen in die Mauerstärke vertiefen, 
die wol zur Aufstellung von Sarkophagen 
oder Statuen dienten. Diese Nischen sind 
meistens ai lit, Tier rechteckige, einschliese» 
lieh des Eingangs über Kreuz , und vier 
halbkreisförmige im Sinne der Diagonalen; 
die ersteren mit Tonnengewölben, (lie letzte- 
ren mit lialbkuppeln nach oljen abschliessend. 
I Diese Nischen erscheinen auch in Anlagen 
I mit rechteckigen Orandrissen und kommen 



m 



C«iitralbuteii. 



nicht blon in Tempeln und Orabmülern vor, 
sondern sind überhaupt ein charakteristi- 
sches Oemeiuffut der römischen Baukunst, 
wie das vielfache Auttreten derselben in 
der Profanarchitektur . besonders in den 
Thermen, beweist, wo sie in Verbindung 
mit den mannlgfUtigiton GnmdriaBbildiiim^n 
wiederkclirPTi. 

Mit dem Urabtem^I hatte rieh die Rund- 
form in die chriMUiehe Architektur einge- 
bürgert. Und zwar sind die kreisrunden 
und poiygonen Katakombenkapellen die er- 
■ion dnmlichen Denkmiler, die sich völlig 
der römischen Weise ansohliossen. Beispiele 
finden sich mehrfach in den Katakomben 
des Praetextetiu «n der Yia Appia (Pmr$t 
Lea Catacombes de Rome, vol. I, pl. 3(5 
bis 39), in Jenen des hl. Callistus (vol. I, 
pl. 16) und des fal. Maroellin bd Rom (Agin- 
court Arch. T. IX 15, 16). Seit ConatÄntin 
erheben sich die chnstUchen Bauten über 
den Boden, und von dieser Zeit ersehehien 
manche christliche Orabkirchen , die wir 
als die erste Art von christlichen C. hier 
betrachten wollen. Zwar haben sich die 
Christen die Vortheile der romischen Ge- 
setze über das ßegr&bnisswesen zu Nutzen 
gemacht {Kraus R. 8. 49—61), aber dessen- 
ungeachtet war die Bebttidlmig der Ter^ 
storbenen in der Kirclie von jener im Hei- 
denthume so versohicdcn, als die Lehre des 
Christentiittms Aber dvu Pod ond seine Be- 
deutung von den Anschauungen der heid- 
nischen Welt sich unterschied. Der Glaube 
an die ,Qemein8ohaft der Heilij^cn' iiusscrto 
sich durch Opfer, Fürbitte und Liebeswerke, 
was nothwendig auch auf die Anlage der 
ehrutlidieD Orabkirche bestimmend etn- 
virken musste. Die Orabkirche ist keine 
Üemeindekirche , zur regelmässigen Dar- 
bringung des hl. Opfers beethmnt, sondern 
ein mehr beschränkter Raum, der Platz 
bietet für ein oder mehrere Gräber, für 
einen Altar und eine geringere Zahl der 
Oläubii^cn. Hierzu erschien die centrale 
Form als besonders geeignet, wesshalb sie 
«aeh stets Anwendung fand. Meistens nmd 
oder polygon, liahni die fJrabkirchen nur 
eine Thüre, kleinere Fen^4ter und eine das 
Chuise fIberwSlbende Kuppel. Der Sarko- 
phag steht der Thüre gegenüber in einer 
Wandnische, der Altar in der Mitte des 
Baues. Neben dieser einfachsten Form gab 
es aber auch reicher ausgebildete Bauten 
^Keaer Art. Dahin gehören schon die con- 
stanÜmselien Bauten , wie z. B. das Grab- 
mH der Constantia, die Kirche S. Costanza 
an der Yia Nomentana bei Rom (Htlbsrh 
Die altchristl. Kirchen etc. T. VIT, f. 1 u. 
T. VHI, f. 1), wo Nischen, vier grilasere 
nach der Grundform eines Kreuze« ange- 
ordnet, dazwischen jedesmal drei kleinere, 
letstere etwas oberhalb des Faasbodeni be- 



ginnend, in die Wandungen eingetieft sind. 
Diese durch Nischen gegliederte Wand ist 
aber nicht der cylindrische Unterbau der 
Kuppel, sondern der nach Art eines Seiten- 
schiffes das Innere umgehende und ge- 
wölbte Umgang. Nahe verwandt mit die- 
sem Mausoleum der Tochter Constantins d. 
Gr. ist in Bezug auf den Aufbau da.s ur- 
alte Baptisterium zu Nocera de' Pagani, 
das nachmals unter dem Titel 8. M. Ro- 
tunda oder S. M. Maggiore in eine Volks- 
kirche verwandelt wurde. Und damit haben 
wir nun eine swette Art von ehriatlidien 
Rundkirchen bezeichnet, nimlieh die Tauf- 
kirchen (Baptisteria). 

Aueh für diese Art Ton 0. ist ,bowo1 die 
Bezeichnung: derselben als Baptisterien, wie 
die Centrall'unn, welche fast ausschliesslich 
bis ins späte HA. hinein im €N»bnudie 
blieb, aus dem f^Moichnamigen Schwimra- 
teiche der Thermen hergeleitet' {Röhn a. 
a. O. 28). Die Entstehung der Baptisterien 
als selbständiger christlicher Qebiudc wurde 
bedingt durch die altchristfidie Sitte der 
OoOeetiTtanfe und des Immersionsritus. Be> 
kanntlich wurde ja in den ältesten Znten 
die feierliche Taufe an den Vigilien vor 
Ostern und Pfingsten gespendet, wiewol die 
Alten sonst wie wir zu jt r Zeit tauften 
{Mattts Freiburger Kirchonlex. X f!7H ). In 
Betroff der Abwaschung dagegen weicht 
die heutige Praxis der lateinischen Kirche 
entschieden von der Praxis der alten Kirche 
ab. Wir pflegen die Abwaschung durch 
Kesprongong oder durch Begiessung mit 
Wasser vorzunehmen ; die Apostel dagegen 
haben sie durch Untertauchung (immersio) 
vorgenommen, und diese Art zu taufen ist 
nlle^emeine Praxis gewesen bis tief in das 
MA. herunter (vgl. Thom. Aq. Summ. III 
66, 7). Von dieser Untertaueliung bat die 
Taufe ([iarTUJfio;) ihre Hauptbenennung er- 
halten. Aus dieser Art des Taufhtus und 
aneh aus dem Grunde des Torbereitenden 
Unterrichtes , den die Katechumenen mei- 
stens in den Taufkirchen empfingen {Am- 
gusii Beitr. 1 28), folgt von selbstdie Notfa> 
wondigkeit besonderer, von der eigentlichen 
Kirche getrennter, grösserer Räumlichkei- 
ten. Das Wesentliebile war hier, v\e Jacob 
(Die Kunst im Dienste der Kirche 28) rich- 
tig bemerkt, nicht der Altar, sondern das 
Tiufbeeken (fons baptismi, piscina), welches 
so angebracht sein musste, dass der Zugang 
zu demselben sowol bei der Feier der Tauf- 
wasserweihe, als auch besonders bei der 
Ausspendung des hl. Sacramentes der Taufe 
selbst an so viele Täuflinge leicht und un- 
behindert, zugleich aber um dasselbe her 
noch genügender und passender Plats war 
für die harrenden und sich aus- und an- 
kleidenden Täuflinge und für ihre Pathen. 
Diese AnforderongeD der litoigie ' ~ 



Ceatnlbrataa. 



199 



von selbst auf die Aiiwoiiduiig der centra- 
len Bauform, d. h. auf die runde oder po- 
lygone Anlage der Taufkirohen f&hren. 
Wirklich war die achteckige Form die am 
häufiij>»ten gewählt«'. In der Mitte des Bap- 
dstenums befand sich ein Banain oder Becken, 
in welches die TäufUnge an den acht Sei- 
len auf mehreren Stufen hinunterstiegen; 
dlMelbe war in entspreehend Kaum go- 
wiliraiider Entfernung von einer, ebenftUs 
runden oder achteokigen Umfassungsmauer 
umgeben, an deren Seiten sich öfters halb- 
runde Nischen anlegten. Ein Bolches Bassin 
befindet sich in der alten Taufkirche S. M. 
Maggiore zu Nooera de' Pagani (Schuiz Un- 
ientelieB n 218) und lu RavennA in dem 
Baptisterium der Ecclesia Ursiana, wo ein 
kAuzelartiger Einbau, der Aufenthaltsort 
des Priesters wilnend der TanflB, m Vwm 
eines Halbkreises in das Bansin vorspringt 
(r. (^a9t Ravenna 4j. Auch bei den Me- 
raorien, d. h. jenen Kirehen, die moht 
als eigentliche, für den regelmässigen Got- 
tesdienst bestimmte Gebäude aufgeführt, 
fondem snr Brinnening ao Heüi}^ und cnr 
Yerherrlichunc der durch Anwesenheit und 
Wunder der Qbnbenshelden eeweihten Stät- 
ten errichtet wurden, war die am häufig- 
sten wiederkehrende Form die centrale. 
Stehen sie ja, da sie vorzugsweise die Be- 
deutung des Denkmals haben , in enger 
Benehung zur Qrabkirche; darum haben 
sie auch die derselben cigenthümliche Cen- 
tralform. Als constantinische Memorien er- 
scheinen die hl. Orabkirche (Kuseb. Vit. 
Const. III 38) und die Hinmielfahrtskirche 
zu Jerusalem. Letztere war «»in von drei 
gewölbten Hallen umgebener Kundbau, ,cuius 
rotundae eoelesiae interior doniiiH sine tecto 
et sine cameru, ad ooelum sub uerc uudo 
aperta patet' nach der Beschreibung des 
fränkischen Bischofs Arnulf (in den Acta 
Sanctorum O. S. B. saec. III, P. II ÖÜ9). 

bideaa beaehrinkt rieh der Gelmneh des 
Centralbaucs keineswegs ausschliesslich auf 
die genannten, mehr untergeordneten 
biaw, aondem findet auch, freilidi mehr 
vereinzelt und ausnahmsweise, auf grössere, 
für den Oemeindegottcsdienst bestimmte 
Kbrehenanlagen Anwendung. Beweis hier- 
für sind einige schon unt»'r Tonstantin d. 
Or. und in der unmittelbar darauf folgen- 
den Zeit erbaute Kirchen: so die Mutter- 
gotteskirche zu Antiochien, die von dem 
Vater des hl. Gregor v, Nazianz zu Neo- 
caesarea erbaute Kirche, die Kirche des 
hl. Georg zu Thessalonich, die vom Papst 
Simplicius 4HH erbaute Kirche S. Stefano 
rotondo in Rom, die aus dem Ende des 
4. Jahrb. stunmende Kirche S. Lorenzo in 
Mailand u. s. w. Es ist wol nicht in Ab- 
rede zu stellen, das« auch im Christenthum 
imiige BMdelrang beateht swisehen 



Qfnb und Tempel, indem ja die Kirchen 
über den Martyrergräbem errichtet oder 
wenigstens mit Rehquien der Heiligen vei^ 
sehen wurden; allein diese innige Yerwandt- 
whaft ist es nicht, die nns die Anwendung 
des Centraibaues auch für Haupt kirdien der 
Gemeinde erkliit, so wenig als sie es er- 
klärt, warum in vereinzelten Fällen für die 
christliche (Orabkirche das Basiliken-Schema 
verwendet wurde, wie aus dem Grabmal 
des Probus hinter der Apsis der alten S. 
Petersbasilika ersichtlich wird, das die Form 
einer kleinen dreiaehiffigen Säulenbasilika 
hatte (bei Röhn a. a. 0. Anm.). Viel- 
mehr scheint uns Jacob (Die Kunst im 
IMenata d. K. 82) daa Richtige getroffen zu 
haben, wenn er schreibt: .es ist wol an- 
zunehmen, dass diese vereinzelten Kirchen- 
anlagen ihre Form nieht ao fast am der 
Rücksicht auf die Gesammtliturjjie tind ihre 
Anforderungen, als vielmehr aus dem Be- 
ttreben herraiteten, mit jener arehitektoni- 
schen Pracht zu imponiren, die freilich we- 
der den antiken noch den christlichen Bau- 
ten dieeer Art .abgesprochen werden kann. 
Die Grossartigkeit eines um ein Centrum 
her mächtig sich ausdehnenden freieii Rau- 
mes, die ^hnheit der schon in der alten 
Bauweise so beliebten Kuppelgewölbe, die 
überraschende Fülle des von da über den 
Mittelbau einströmenden Lichtes, die durch 
diese Wölbungen erzielte grossere innere 
Einheit und reichere Mannigfaltigkeit der 
äussern Darstellung, — das Alles mochte 
gegenüber der einfachen Basilikenanlage 
solchen C. einen gewissen Vorzug verleihen.' 

Damit hätten wir in den allgemeinsten 
Umrissen angegeben, wie weit die C. im 
christlichen Alterthuni Anwendung fanden. 
Die Vollständigkeit der Behandlung fordert 
aber, dass wir auch die einzelnen Modifica- 
tionen angeben und die Entwicklungsstufen 
betrachten, welche die C. innerhalb der von 
dar «Eneyklopidiii* ina Ange ^fassten Pe- 
riode durchmachen mussten. Die Grundform 
dieaer Bauten haben wir oben mit den Wor- 
ten Rahm geeehildert und geaehen, dass 
die früheren C. als .ungesäulto Rotunden' 
bezeichnet werden können, d. h. als solche, 
die gleich ihrem Vorbilde, dem Pantheon, 
denselben Durchmesser hatten, wie die da- 
rauf ruhende Kuppel, so dass sie dieser 
ein n mmte rb roehenee Auflager gt>währ(en. 
Al>cr man dachte sehr bald daran, diine 
einfache Unterlage zu gliedern und daraus 
weitere Consequensen zu riehen, welche ee 
gestatteten, auch anders gestaltete Räume 
mit halbkugelförmi^er Kuppel zu bedecken. 
Schon Rom und die Campagna bieten da- 
für zahlreiehe Beispiele, unter denen der 
/.ehneckige sog. Tempel der Minerva Me- 
jdica besonders merkwürdig ist. Derselbe 
liat nadi dem Pantheon der gromartigate 



200 



OentralbMton. 



Kuppel l)au, den